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Scho? Rur von seinen Getreuen, nur von den faszi- stischen Abgeordneten. Vielleicht, nein, sicher hätten auch andere mttgejubelt, aber die anderen waren nicht da. Nicht zugelassen. In der Volksvertretung dürfen nur noch sadistische Volksvertreter sitzen. Monoton klingt ihr Refrain. Wenig überzeugend.

3n der Regierung sitzen nur noch faszistische Mi­nister. Es gibt nur noch faszistische Arbeitersyndikate, nur noch faszistische Arbeitgeverorganisationen. Bald wird es nur noch faszistische Beamte, Richter, Lehrer, <>ald nur noch eine faszistische Presse geben. Ein Ultimatum Farinaccis genügte, und die größte Zei­tung der Oppisition, der Corriere della Sera, fiel um. Wer im heutigen Italien etwas sein oder wer­den will, strebt nach Ausfüllung seines Knopfloches mit den Liktorenabzeichen.

Am Aventin hatte der Fafzismus bisher wenig­stens eine gute Ausrede. Die Opposition will ja gar nicht ihre Wahrheit Vorbringen, unsere Gegner be- begeben sich >a freiwillig der Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben! Das war durchaus richtig, aber was geschah, als auf dem Aventin die weiße Flagge hochging? Als die Parteien den schüchternen Versuch machten, ins Parlament zurückzukehren? Eine nach der andern, wie sie in den Wandelyängen auftauch- len, wurden sie auf unparlamentarische Weise knock out geboxt. Der Faszismus will nur seine eigene Stimme hören. Ein juridischer Fehler.

Oberhesfen.

Landkreis Gietzen.

t, Wieseck, 4. Dez. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich auch im Berichts- monat November verschlechtert und folgt damit der sinkenden Kurve im Reich. Waren es noch zu Beginn des Monats, am 1., 12 männ­liche und 9 weibliche zu unterstützende Erwerbs­lose mit 9 Ehefrauen und 15 Kindern als Zu- schlagSempfängern, so stieg diese Zahl 8 Tage später, am 7. November, auf 16 männliche, 5 Weibliche Erwerbslose mit 11 Ehefrauen und 21 Kindern. Diese Zahlen vergrößerten sich nun von Woche zu Woche, sodaß sich folgendes weitere Bild ergab: am 15. November mußten unter­stützt werden: 22 männliche uni) 5 weibliche Erwerbslose mit 11 Ehefrauen und 24 Kindern, am 21. November 33 männliche und 6 weib­liche Erwerbslose mit 16 Ehefrauen und 32 Kindern, am 30. November 38 männliche und 7 weibliche Erwerbslose mit 18 Ehefrauen und 36 Kindern. Außerdem laufen gegenwärtig noch tine größere Anzahl Anträge, sodaß die Zahl der Erwerbslosen in Wirklichkeit jetzt schon höher ist. diese erscheinen erst im folgenden Monat. Der Monatsdurchschnitt beträgt also 24 männl, gnd 6 weibl. Erwerbslose mit 13 Ehefrauen u. 26 Kin­dern im Gegensatz zum Vormonat mit 14 männ­lichen und 7,5 weiblichen Erwerbslosen mit 10 Ehefrauen und 14 Kindern. Zu hoffen wäre, daß das in Aussicht stehende Weihnachtsgeschäft eine gewisse Erleichterung brächte, zumal 50 Pro­zent der Erwerbslosen Familienväter sind. In der Wohlfahrtspflege blieb die Zahl der Sozialrentner mit 63 unverändert wäh­rend sich die Zahl der Kleinrentner auf 22 erhöhte.

=.= Watzenborn-Steinberg, 3. Dez. Unsere Gemeinde hat augenblicklich 41 Erwerbs­lose. In der jüngsten Gemeinderatssit­zung wurde beschlossen, daß die für das Rj. 1924 an die Gemeinde zu entrichtende Gewerbe­steuer durch die bisherigen Zahlungen für 1924 als abgegolten gilt. Genehmigung fand der Pacht- . vertrag bezüglich des W i e f e ng e l ä n d e s bei der Neumuhle. Die S ch a f p a ch t wurde auf 45 Pf. t für das Schaf festgesetzt. Bewilligung fanden ferner sie Kosten für die Herstelluna der Schornsteine der F neuen Schule und der Umfassungsmauer. Dem An­trag des Kreisbauamts Gießen auf Ermäßi­gung der W i e g e ge b ü h r e n gab man statt und beschloß, eine Gebühr von 1 Pf. für den Zentner zu erheben. Im übrigen werden erhoben bis zu 100 Zentner für den Zentner 3 Pf., über 100 Ztr. für den Ztr. 2 Pf., jedoch eine Mindeftaebühr von 30 Pf. Der Antrag des Kleinkaliberschüt­zenvereins auf Genehmigung eines Schießstan- - des in der Lehmkaute wurde abgelehnt. Hin­sichtlich der Vergebung der Holzhauerarbei- t e n beschloß man, falls der staatliche Holzhauertarif Holz für die Holzhauer vorsieht, den Holzhauern im hiesigen Gemeindewald eine entsprechende Entschä­digung in Geld zu gewähren. An H u n d e st e u e r werden für das Steuerjahr 1926 die gleichen Sätze wie für das abgelaufene Jahr erhoben. Eine leb- .....................................

Pelzmärtel.

Ein Nürnberger Spielzeugroman.

Mach dem Italienischen der Tere'ah erzählt von Gustav W. Eberlein.

.Copyright 1925 bh A. Scherl G.m. b. H., Berlin. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Hans Sachs hatte gerade seine Arie mit einem verhaltenen Ton ausklingen lassen und war im Begriffe. Kunigunde höflich nach ihren Befehlen zu fragen, als ein Nachzügler, der auf lächerliche Art mit Armen und Beinen herum­fuchtelte, vom Gestell herabsprang. Auch er war ein Meistersinger, nannte sich Christophorus Herzensräuber und af. in seinem Leben nie etwas anderes, als sich lächerlich machen. Hier muß daran erinnert werden, daß Hans Sachs, ebenso wie Kunigunde und Karl der Große, bevor sie als Puppen im Laden des Meisters Leopold auftauchten, ein leibhaftiger Mensch gewesen war, und zwar ein Schuster. Ihr braucht nicht die Na'e zu rümpfen: denn Schuster hin, Schustec her, es gab niemand weit und breit, der schöner Lieder zu dichten, in Musik zu sehen und zu singen verstand wie Meister Hans Sachs. Er machte feine Lieder ebensogut wie seine Schuhe, und als Schuhmacher war er der Tüchtigste von allen. Sein Haus in Nürnberg ist noch zu sehen, und wenn die Fremden fragen, wem dieses uralte Häuschen gehöre, so antworten die Nürnberger voll Stolz:Das ist das Haus unseres großen Dichters Hans Sachs."

Eben wegen seines Ruhmes hatte Meister Leopold als Geführten zu Karl dem Großen und Kunigunde, die gleichsatls eine glorreiche Ber­gangenheil hatten, eine sprechende Figur des braven Hans Sachs herstellen lassen, und um ihn noch besser ins Licht zu rücken, gab er ihm einen seltsamen Kumpan zur Seite, den ein­fältigsten, den tölpelhaftesten, den kleinlichsten, eingebildetsten, neidischsten und anmaßendsten aller Meistersinger. Er hieß Christophorus, hatte sich aber selber dazu noch Her;ensräuber getauft, weil er sich für unwiderstehlich hielt.

Dieser überaus lächerliche Christophorus also kam komisch auf seinen schwachen Beinchen daher­

haft» Auseinandersetzung entspann sich schließlich noch über die hier leider immer noch schwebende Aerztefraae. Die Tätigkeit des jetzigen Ge­meinderats durfte nun ihren Abschluß gefunden haben. In dem neuen Gemeinderat sind anwesend von der Sozialdemokratischen Partei: Ludwig Haas II., Wilh. Pfaff, K. H ä u f e r V., ft.ftoimer, Gg.W.Möckel und Hch.HaasV.; Vertreter des bürgerlichen Wahlvorschlags sind: L. Mandler. Karl Dietz, Konrad H a n a ck, Karl Rinn und Karl Hirz II.; die Mittelstandsliste ist durch Ludwig Jung III. vertreten.

t Treis a. Lda.. 3. Dez. Dieser Tage sprach Pastor Bliedner vom Diakvnifsen- haus-Wittenberg in unserer zum erstenmal in der neuen elektrischen Beleuchtung strahlenden Kirche über Deutsch-evangelrsche Aus­landsarbeit in Brasilien, unter be­sonderer Berücksichtigung der Tätigkeit der evan­gelischen Krankenschwestern. Am Nachmittag des 1. Adventssonntags fand wieder, wie alljährlich, in der Kirche ein liturgisch ausgestatte- t e r Gottesdienst statt, den der hiesige Kirchengesangverein und die 1. Schulklasse, beide unter Leitung von Lehrer Walter dahier, mit je zwei fein durchgearbeiteten und exakt vor­getragenen Adventschören verschönerten. Nach langer Pause hielt die Liga zum Schuh der deutschen Kultur wieder einen Bor- tragsabend dahier, der in der Wirtschaft Lemp stattfand. Der Redner, Dr. Stier- Giehen, sprach über Parlament und Sozialpoli­tik. In allgemeinverständlicher Form gab er zunächst eine Darstellung der Entwicklungs­geschichte der heutigen Arbeiterwelt, um dänn auf die sozialpolitischen Gesetze der europäischen Staaten, besonders Englands, Rußlands und Deutschlands überzugsshen, die er eingehend schilderte.

: -: Beuern, 3. Dez. Am nächsten Sonntag feiert der weit über unsere Gemeinde hinaus bekannte Gemeinderechner GeorgStein mit seiner Ehefrau Christine, geborene Ranft, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Rech­ner Stein sieht seit dem 1. September 1874, also länger als ein halbes Jahrhundert, im Dienste der Gemeinde Beuern, und zwar vom 1. Sept. 1874 bis zum Jahre 1911 als Gemeinde- saselwärter und seit Weihnachten 19.3 als Ge­meinderechner. Mit vorbildlicher Treue hat er die ihm übertragenen Aemter verwaltet. Stein ist außerdem im öffentlichen Gemeindeleben reg­sam tätig gewesen. So war er bis zur Auflösung der Spar- und Borschußkasse 1. Direktor dieser Genossenschaft, seit einigen Jahren ist er Mitglied des evangelischen Kirckenvorstandes. Da er auch in einigen Vereinen viele Jahre lang an führen­der Stelle stand, so haben ihn diese zu n Dank für feine Tätigkeit zum Ehrenmitglied ernannt. Die Eheleute Stein erfreuen sich beide noch guter Ge­sundheit; Stein ist 74, seine Frau 68 Jahre alt. Im nächsten Jahre feiern die älteste Tochter uni? ihr Mann silberne Hochzeit. Rechner Stein ist über 40 Jahre Abonnent desGießener An­zeigers". - Am Montag hatte im Gemeinde wald die H o l z h a u er n r bc i t begonnen, und schon mußte sie wieder, allerdings nur vorüber­gehend, wegen der gewaltigen Schneemassen ein­gestellt werden, die in den letzten Tagen nieder­gingen. Don 73 Leuten, die sich zum Holz­machen gemeldet hatten, konnten luder nur 30 eingestellt werden. Es sind namentlich nur solche Leute -berücksichtigt worden, die keinerlei oder nur ganz wenig Einkommen aus der Landwirt­schaft haben. Um auch den übrigen wenigstens einen kleinen Arbeitsverdienst geben zu können, will die Gemeinde diese. Leute, so weit es möglich ist, mit Wegebauten, Grabenausräu- men und dergleichen beschäftigen. Mit dem letzten Montag hat auch die hiesige Mahen- f a b r i k, die größte in der ganzen Umgegenö, ihre Winterarbeit aufgenommen. Cs werden hier die ungesäuerten Brote, die Matzen, für das jüdische Passahfest gebacken. Etwa 10 Leute, mei= ft end Mädchen und Frauen finden hier Beschäf­tigung. Da die Arbeit täglich bis zum nächst­jährigen Passahfest ausgeübt wird, so ist Öen Beschäftigten Gelegenheit gegeben, über die Win­termonate ein schönes Stück Geld zu verdienen. Der Mahenbäcker, der sein Amt nun schon ein Dicrteljahrhundert betreibt, kommt aus den preu- sischen Dorfe W'inNen.Beuerer Matzen" gehen weit über die Grenzen unseres hessischen Vatcr- landes hinaus. Große Wagenladungen werden während des Winters aus unserem Dorfe ver­sandt, bis in die preußische Rheinprovinz

gehüpft und drängte sich, überzeugt, auf Kuni­gunde Eindruck gemacht zu haben, in den Dorder- grund. Täppisch, wie er war, verbeugte er sich und Hub an:

O große Kaiserin Kunigunde, die du fort» lebst seit Jahrhunderten im Gedächtnis dieser edlen Stadl, die zu deiner immerwährenden Ehre die Linde hütet und Pflegt, die du gepflanzt hast welche Laune, um es nicht schärfer aus­zudrücken, veranlaßte dich, uns aus dem gemüt­lichen Schlafe zu wecken, der unserem hölzernen Herzen so wohl tat?

Gin Schrei der Entrüstung erhob sich.Pfuil Pfui! Unerhört! Hinaus mit ihm!"

Jetzt, wo alle eine Seele hatten, wollte kein Spielzeug mehr etwas von einem hölzernen Herzen, von einem gemütlichen Schlaf und solchen unziemlichen Dingen hören. Am meisten empörte sie aber die Dermessenheit, das helden­hafte Unternehmen Kunigundes als Laune ab­tun zu wollen.

Hans Sachs!" schrie alles wie aus einem Munde,Hans Sachs soll sprechen!"

An Stelle des etwas zurückhaltenden Lauten­sängers ergriff jedoch Krachauf das Wort, ein prachtvoller, vom Kopf bis zum Fuß gelb, grün und schwarz bemalter Nußknacker.

Kaiserliche Majestät," sagte er, indem er sich auf die Knie niederlieb,was immer auch dein Dorhaben sei, wir sind bereit, dir zu ge­horchen, weil du uns aus unserem kümmerlichen Da'ein als Spielsachen aus Holz und Pappe und Blei befreit hast, so daß wir uns jetzt als wirk­liche Menschen fühlen."

llnö als wirkliche Hunde", tiefen die Hunde.

..Und als wirkliche Katzen", riefen die Katzen.

ilnö ein jeder fühlte sich gedräng', Ku. nunde zu versichern, daß er sich als wirkliches Schaf, als wirklicher Esel, als wirklicher Ochse fühle.

Ich habe nie daran gezweifelt", antwortete Kunigunde höflich.Eben, weil ich überzeugt war, daß ihr Ernst machen würdet, habe ich an euch gedacht. Das Unternehmen, welches ich euch Vorschläge, ist nicht ungefährlich, aber es wird dem ganzen Dolk der Spielsachen zur Ehre gereichen. Wer Mut hat, trete vor!"

Alle machten einen Sprung nach vorwärts und scharten sich, einander stoßend und puffend,

tz Wirberg, 3. Dez. Leyte Woche war Missionar I 11 m a n n - Hersfeld, früher Basler Missionar in Kamerun, auf seiner Vortrags­reise durch das Dekanat Grünberg 3 Tage bei uns. Er hielt Lichtbildervorträge in Rein- hardshatn (Schulsaal), Beltershain (Kirche) und Göbelnrod (Saal der Wwe. Schultheiß). Die Dorträge über Kameruner Mis­sion waren trotz der Ungunst der Witterung gut besucht und ergaben an Opfer für die Mission zusammen 35.80 Mk. Inzwischen ist der Winter noch mehr bet uns eingekehrt und der starke Schneefall mit seinen Verwehungen hatte unsere Kirche und Pfarrhaus vom Verkehr völlig abgeschnitten. Rein- hardshain hat zuerst durch Aufgebot von frei­willigen Helfern den Weg hierher gebahnt, dann folgte Göbelnrod, wo die Arbeitslosen den Weg vom Schnee freilegten. Zum letzten Male war diesesHerausschöpfen? vor 2 Jahren erforder­lich. Da die Kinder aus dem Kirchspiel hierher in die Konfirmandenstunde gehen, ist schon des­halb die Freimachung des Weges nötig. An der Stelle der stärksten Schneewehe nach Reinhards- Hain zu, liegt der Schnee mannshoch.

t Grünberg, 2. Dez. Der Gewerbe- verein hielt dieser Tage in der Wirtschaft ,Lum Taunus" eine außerordentlicheVersamm- l u n g ab, in der die wirtschaftliche Lage und die Zukunftsmöglichkeiten im Handwerk besprochen wurden. Uebereinstimmend wurde betont, daß wir einer sehr gefährlichen Wirtschaftskrise entgegen­gehen, die nicht zuletzt dadurch heraufbeschworen worden ist, daß die Regierungen sich immer neuer Aufgaben bemächtigt haben, wodurch ein Verwal­tungsapparat entstand, der zu kostspielig ist. Verwal­tungsabbau, verbunden mit größter Sparsamkeit in allen öffentlichen Stellen und damit Abbau der der Wirtschaft aufgebürdeten Lasten seien zu fordern. Dazu bedürfe es eines engen Zusammenschlusses innerhalb der Erwerbsstände. Durch weitere Ver­sammlungen und eine rege Werbe- und Aufklä­rungsarbeit sollen möglichst alle Handwerker im hiesigen Bezirk zufammengeschlossen und mit den benachbarten Bezirken Fühlung gesucht werden zu gemeinsamem Vorgehen.

Grüningen, 3. Dez. Nachdem der Kreisausschuß Gießen die vorige Bürger- m e i st e r w a h k für ungültig erklärt hat, fin­det am nächsten Sonntag hier erneut Bürger- meisterwahl statt. Ein harter Wahlkampf ist be­reits im Gange. Es kandidieren: Bäckermeister Wilhelm Euler als Vertreter der Arbeiter und Landwirte, und Schneidermeister Wilhelm I s h e t m als Vertreter des Bauernbundes.

X Langd, 3. Dez. Bei einer Treib­jagd im hiesigen Jagdrevier erlegte ein Jäger aus Bettenhausen einen Hirsch, ein Pracht­exemplar aus einem Rudel von vier Stück. Wei­ter wurden bei dieser Gelegenheit 8 Hasen und 2 Füchse geschossen.

Reinhardshain, 3. Dez. Während L'ur ersten Wahl fein Wahlvorschlag einging, haben wir nun 2 Wahlvorschläge zur Gemeinderatswahl. Die Vorwahl, in einer Gemeindevers immlung vorgenommen, ergab den 1. Wahlvorschlag mit den 7 höchst bestimmten Kandidaten, beginnend mit Hch. Wenzel. Dann wurde noch ein 2. Wahlvorschlag eingereicht, der nur einen Namen, Heinrich Becker, trägt. Somit ist also eine Wahl erforderlich.

Kreis Friedberg.

M i r d) g ö n s, 2. Dez. Am Samstag fand hier im GasthauseZum Stern" auf Einladung der Bru­derschaft Butzbach des Jungdeutschen Or­dens ein jungdeutscher Abend statt. Von den jungdeutschen Gefolgschaften aus der Nachbar­schaft waren zahlreiche Ordensbrüder erschienen; Kirchgöns selbst war >edoch schwach vertreten. Als Redner war Ordensbruder Reuter aus Dornholz­hausen gewonnen worden, der die Grundgedanken und Ziele des Jungdeutschen Ordens barlegte. Daß er mit seinen Worten die Herzen seiner Zuhörer stark bewegte, bewiesen der große Beifall und die Tatsache, daß sich nodj an demselben Abend eine neue Gefolgschaft Kirchgöns gründete.

<> Steinfurt, 2. Dez. In der heutigen Gemeinderatssitzung wurde folgendes be­schlossen: Der Orts bau plan soll nach verschie­denen Richtungen hin erweitert werden; in der Hauptsache nach Norden und Osten. Als Pacht für die der Gemeinde gehörigen G r u n d st ü ck e wird für das Jahr 1925 wieder der volle F r je­de n s s a tz erhoben.

um die wunderbare Puppe, alle, ausgenommen Christophorus, der sich erfrecht hatte, von einem Holzherz zu reden. Er war totenbleich und zitterte vor Angst. Auch eine große Gummi- iatje hielt sich abseits und tat, als ob sie mit halbgeschlossenen Augen schlie.e und nichts höre. Kunigunde betrachtete sie etwas beunruhigt; denn da sie wußte, daß die Katzen mutig sind, fürch­tete sie irgendeine Heimtücke.

In größter Erregung wollten nun die Spiel­waren wissen, um was es sich handle. Haarklein mußte ihnen Kunigunde die Geschichte erzählen, die schließlich keine andere als die Geschichte des armen Puppenpeter war.

Nun, was sagt ihr dazu?" fragte sie am Schlüsse.Ist das nicht eine Niedertracht?"

Eine Niedertracht, eine Niedertracht ohne­gleichen !" rief es im Chor.Nieder mit Abra­ham Schloß! Zum Tode mit ihm!"

Die Lautesten waren die Nußknacker.

Langsam, langsam", beschwichtigte Kuni­gunde.Wir wollen nicht den Tod des Sünders, sondern, daß er lebe und seine Schuld sühne. Die Stadt Nürnberg, die schon einmal gesehen hat, wie zwei Gänse Wasser speiten, um ihren Herrn vor dem Verdursten zu retten, wofür sie verdientermaßen als (Brunnenfiguren verewigt wurden Nürnberg soll es erleben, wie seine Spielsachen, auf die es mit Recht so stolz ist, samt und sonders sortziehen, wie sie aus den Fabriken, den Häusern und Kaufläden verschwin­den, alle ohne Ausnahme, wie sie einer Stadt den Rücken kehren, die es zuläßt, daß ein schlechter Kerl einen ehrlichen Menschen ins Elend bringt. Laßt uns die Gesellschaft so ungerechter Leute meiden und auf diese Weise klar und deutlich unsere Mißbilligung, unsere Entrüstung und Traurigkeit zum Ausdruck bringen. Ich und alle mit mir, die gleichermaßen aufs Tiefste ver­bittert und angewidert sind von der Schändlich­keit, die heute an Peter, Otto und Liefe! be­gangen wurde der eine im Gefängnis schmach­tend, die anderen des Vaters beraubt, verlassen und vergessen in ihrem kalten Zimmer, wir werden innerhalb einer Stunde Nürnberg ver­lassen! Hobt ihr gehört? Seid ihr einver­standen ?"

Kreis Schotten.

lg. Gedern, 3. Dez. Der jüngste Schweinemarkt war infolge der durch die starken Schneefälle der letzten Tage geschaffenen Wegverhältnisse und die verspätete Ankunft der Züge derart schwach beschickt, daß kaum von einem Markte die Rede sein konnte. Aufgetrie­ben waren nur 15 Schweine, die sämtlich Käufer fanden. Das etwas mehr-als ein Jahr alte Kind einer hiesigen Familie, dem ein Zucker- stein verabreicht worden war, wäre beinahe erstickt, wenn nicht die hiesige Krankenschwester für den zu dieser Zeit abwesenden Arzt Hilfe geleistet hätte. Der Fall zeigt, wie vorsich- t i g man bei der Verabreichung von Süßigkeiten an kleine Kinder sein muh.

K. Ober-Seibertenrod, 1. Dez. Ein hiesiger Burger hatte gestern einen Gang nach Z e i l b a ch unternommen. Als er abends nicht nach Hause kam und starkes Schneetreiben ein- sr-tzte, gerieten seine Angehörigen in große Auf­regung, da sie vermuteten, er sei vom Wege ab in den Schnee gekommen. Die Feuerwehr wurde alar­miert, und diese unternahm rrutb-mit Laternen ausgerüstet, eine Streife nach dem Vermißten. Man fand ihn in halber ft arrtem Zustand im Feld an einem Baum gelehnt. Bis zum nächsten Morgen wäre er sicherlich erfroren gewesen.

Kreis Alsfeld.

W Nieder-Ohmen, 3. Dez. Um die Inter­essen der Gewerbetreibenden besser als seither ver­treten zu können, wurde in unserem Ort eip Ver - ein der Gewerbetreibenden gegründet. Eine der ersten Forderungen dieses jungen Vereins war die Abhaltung von Märkten in un­serem Ort. Dieser Forderung entsprechend hat der Gemeinderat beschlossen, die Genehmigung hierzu einzuholen. "

*!* Merlau, 3. Dez. Viel früher als sonst ist diesmal der Winter eingekehrt. Der Schnee liegt so hoch, wie sonst selten in der Weihnachts­zeit, so daß er sogar den Schlitten hinderlich ist. Die Kinder haben sich deshalb seiner auch noch nicht recht freuen können. Im Gegenteil, manches, das von seinem Dorf frühmorgens zur Bahn­station gehen muß, von wo es nach Grünberg zur Schule fährt, hat einen sehr beschwerlichen Weg. Die Kälte reiht schon große Lücken in die Holzvorräte und und bereitet den vielen Familien, deren Ernährer durch das Stilliegen der Bergwerke arbeitslos geworden sind, große Sorge. Denn es ist bei dem hohen Schnee auch nicht möglich, mit dem Holzfällen im Walde zu beginnen und etwas zm verdienen. So gibt es für viele Häuser in diesem Jahre sorgenvolle Weihnachten. Man begrüßt es in solcher Zeit doppelt, wenn ein Vortrag die Gedanken abler.lt. So wa.en die L i ch t b i l d e r a b e n d e, die dieser Tage Missionar Ottmann von der Basler Mission über Kamerun hielt, gut be­sucht. Er verstand es, unterstützt von trefflichen farbigen Bildern, ein anschauliches Bild von Land und Leuten in unserer ehemaligen Kolonie , zu geben und die Herzen für die nun bald wieder einsehende Arbeit deutscher Missionare, die jahrelang aus Kamerun ausgeschlossen waren, zu erwärmen. Die Reiseprediger der Mission, die auf ihrem früheren Arbeitsfeld mit großen Mühen arbeiteten, haben es auch bei uns nicht leicht, wenn sie in einem solchen Winter von Dorf zu Dorf gehen, um unfern Gemeinden und ihrem Missionswerk zu dienen. Sie leisten neben ihrer eigentlichen missionarischen Arbeit auch der Heimat einen Dienst, indem sie die Erkenntnis der Bedeutung unserer früheren Kolonien wecken und fordern.

^0? Bleidenrod, 3. Dez. Die er Tage fand hier eine freiwillige Güterver teigerung statt. Die Zahlung sollte in drei Z eien erfolgen und sämtliche Kosten zu Lasten des Käufers gehen. Bezahlt wurden für ein Stück Ackerland von etwa zi al st raße zwischen dem Dillkreis und dem werbetreibende und Handwerker.

Starkenburg.

* Darmstadt, 3. Dez. Der ärztliche Kreisverein in Darmstadt wendet sich tn einer Erklärung gegen den Mihbrauch geistiger Getränke. Es wird u. a. darin ausgeführt, dah die vier Landes-Heil- und Pflege- anstalten Hessens bei Beendigung des Krieges nur halb belegt waren. Heute ständen sie knapp vor der üeberfüllung. Die ^Untersuchung in der Mordsache Maurer in Eberstadt hat

So sprach Kunigunde, bebend vor edlem Zorn, und es ist gewiß, daß sie auch als gute Kaiserin, die sie vor vielen Jahrhunderten war, nicht anders hätte sprechen können. Donnernder Beilall erschütterte den Laden des Meisters Leo­pold. Die Nürnberger mußten wirklich bis über die Ohren in Arbeit stecken, mit dem Aus­schmücken der Zimmer und dem Herrichten der Gabentische beschäftigt sein, um den brausenden Chor von Stimmen, der mit jubelnder Begeiste­rung den Vorschlag Kunigundes aufgriff, zu überhören. Die ganze Gesellschaft war außer Rand und Band. Das war ein Geschrei, ein Händeklatschen, ein Fuhtrarnpel, daß man das eigene Wort nicht mehr verstand. Ob Puppe oder Soldat, Gummikatze oder Nußknacker, jeder glaubte einen Lärm für zehn machen zu müssen. Wer keine Hände und Füße hatte, arbeitete mit Pfoten und Schwanz, mit Schnabel und Rüssel, wer sich in menschlichen Lauten nicht ausdrücken konnte, bellte, miaute, muhte oder wieherte. Kikeriki, ich meine, daß! Quak, quak, c>rak, ganz einverstanden! Rukidiku kiwitt, Eitoitt Iaa, 3aa!

Los! Vorwärts! Marsch! Irisch auf, Kame­raden! Alle heran! So gehört, sich's! Fein! Bravo! Fort von hier! Mit Roß und Wagen! : Wit Mann und Maus! Die müssen eine Lektion kriegen! Strafe muß sein! Schnell! Laufen wir! Springen wir! Die Türe auf! Die Türe, die Türe!

Alle stürzten auf die Türe zu. Es hagelte || Faust hiebe, Fuß.ri.te und Hu,schlüge gegen Schloß und Holz.

Ruße!" donnerte da eine Stimme. Karl, der Große, den alle vergessen hatten, sprang, seinen schönen, roten Samtthrow unter dem Arm, aus dem Schaufenster heraus.

Sofort war alles mäuschenstill. So großen Respekt man auch vor Kunigunde hatte, mit Karl dem Großen war das noch etwas anderes. Seine Statue stand auf dem Marktplatz in einer der acht Nischen des Schönen Brunnens, aus dem die Kinder kommen, und es war klar, daß man, wollte man die Nürnberger zur Vernunft bringen, seine Autorität nicht umgehen konnte.

(Fortsetzung folgt.)

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