Aus dem Reiche der Frau.
Unsere Mädchensortbildungsschulen.
Denn man des öfteren in der Tage-zeitung über 64)ulb?batten im Landtage lieft dünn will ti une scheinen, als ob um diese Hache immer noch Kamps geführt würde. Oder aber es heißt unter anderem In dieser oder jener Gemeinde wurde die Beschaffung notwendiger Lehrgeaen- ftänbe verweigert Darr-s könnte man schließen, bah die viekbesprochene Mädchensortbilvungs- schule noch immer ein heikle- Objekt sei
Damit die irrige Meinung nicht Derqllgemei* nett wird, möchte ich einiges über unsere Fortbildungsschulen in Landgemeinden wiedergeben, rca'i ich in diesem Sinne hier am Platze smde. In den meisten Gemeinden findet man bei der Gemeindevertretung reiche- Verständnis. wenn e- srch um Beschattung neuer Raunte und Lehrgegen- stände für die Mädchensort bildungsschulen handelt Mau denke nur daran, wie tn manchen De» meinben Die Beschaffung des Saale- recht schwte- rig tpar und doch zur Zufriedenheit der Lehrerin resp. dr- Lehrer- gelöst wurde. Wohl mag es noch hie und da Gemeinden geben, denen diese wichtige Angelegenheit nicht allzu sehr am Herzen liegt, denen sollte man bann dis- Nachbargemein, den al- Beispiel empfehlenl Der grollte Teil der Gemeinden hat es nicht gescheut, gerade in diesem Jahr beim Aufbau der zweiten Klasse. Opfer zu bringen. Daß es in heutiger Zeit mancher Gemeinde nur unter erschwerenden Umständen möglich ist. den Ansprüchen zu genügen, weih jeder von uns. Aber da- Sprichworts Mit gutem WÄen läßt sich viel ausrichten > trifft auch hier Air Wir kennen eine Menge Gemeinden, deren Ginrichtungen zweckentsprechend sind. Wohl mar. schieren die Städte als mustergültig obenan, aber wir au? dem Lande folgen langsam, aber sicher, unb das will schon etwa- heißen Das ist ja da- Gute einer Neueinrichtung, daß ihre Ausgabe erst nach und nach erkannt wird. Diele Eltern loben heute diese Ginrichtung einer Mäd. chensortbildungSschule, und die Landbevölkerung hier bei uns ist nicht im entferntesten Feind dieser Cafe Im Gegenteils Immer wieder hört man pon Müttern, daß es schade sei, dah in ihrer Jugendzeit solche Gelegenheit nicht geboten worden sei! In heutiger Zeit ist es schwerer denn je hauSzuhalten, da ist es doch in erster Linie am Platze, wenn unteren Mädchen nach Schulentlassung noch das Notwendigste fürs Leben mitgegeben wird. Denken wir doch einmal an die Da ulende in Stadt und Land, die nach der Konfirmation tagaus, tagein zur Fabrik wandern, um Gelb zu verdienen. Sie arbeiten jahraus, Shrein. bi- sie eines Tages vor der Wirklichkeit hen, selbst eine Ehe zu gründen. Eingeengt durch die ungünstigen WohnungSverhältnitte. zur äußersten Svarsamkeit gezwungen durch geringen Derdienst Will daS nicht erlernt und verstanden fein? Schauen wir doch einmal hinein in solche Familie, wo an der Unfähigkeit. Hausfrau zu lein, das Glück der Ehe scheitert. Ich habe da oft während meiner längeren Tätigkeit in Für- forgeanftalten die Mutter anklagen müssen, wenn über ihre Tochter der Entsittlichung halber Für- «orge verhängt wurde. Wenn heute die Familie nicht die Ausbildung ihres Kinde- übernehmen kann, so ist in dieser Einrichtung der Fortbildungsschule ein Stück sozialer Fürsorge von außerordentlicher Bedeutung geschafsen. Trägt nicht gerade unsere Jugend oft ein ‘Bedangen nach einem wahren Glück in sich, die Mädchen lernen es, sich leiten zu lassen und sind willig unb froh, wenn sie ihre Lehrerin resp. Lehrer als Freundin oder Freund zur Seite sehen. Ich glaube noch an die Jugend unb weiß auch, baß manche- Nützliche aus der Fortbildungsschule mit hinaus ins Alltagsleben genommen wird. Regelrechter Besuch zeigt uns. dah die Mädchen an ihren Stunden interessiert sind. Die Tatsache, dah in diesem Jahre in manchen Landgemeinden der Unterricht während der Srnte geschlossen wurde, beweist aufs neue, daß die Mädchenfortbildungsschule auf dem Lande Fortschritte macht.
Wir hören ja beunuKige fortwährend non dec Pflicht bet Frau, hier handelt es sich um eine der ernstesten! Glauben wir einmal daran, bah es unsere weibliche Jugend nötig hat. nach der Konfirmation noch weiter Schülerin zu sein, glauben wir es einmal, daß die Fortbildung unserer Mädchen gerade heute besonders nötig ist. Wer da meint, dies sei eine leichte Arbeit, der kennt wenig von Erziehung! Gerade die Arbeit an erwachsenen Mädchen erfordert von Lehrerin resp. Lehrer eine ganze Persönlichkeit. — Ünb viele werden einst, ob dieser Arbeit alt geworden. das eine nicht vergessen, daß sie mit» gearbeitet Haden. Deutschlands Jugend wieder zu höheren Idealen zu führen und sie gestählt au haben für das Lrben Wer in diesem Sinne die Arbeit unserer Mädchenfortbildungsschule ein. schätzt, der wirb gewiß frei von Dorurteilen allzeit für die Weiterentwicklung Interesse unb Verständnis zeigen. Käthe R.
Dom guten Magen unserer Kleinkinder.
Don Kinderarzt Dr. Eugen N e t e r. Mannheim .Dars ich meinem Kinde eigentlich alles zu essen geben?" Diese Frage wird oft an mich gestellt von Müttern, die im glücklichen Besitze eineS kleinen Kindes im Alter zwischen 2 bi- 6 Jahren sind- Die Antwort lautet zumeist: .Pikante, d. h. scharse. gewürzte Speisen meide man möglichst: auch aus erzieherischen Gründen empfiehlt es sich manchmal, dem Kinde das oder jeneS vorzuenthalten. Aber sonst darf man ruhig dem Kinde alle- geben; man braucht leine Angst zu haben, daß eine Speise zu schwer sei für das Kind unb dadurch eine Störung der Derbauung verursachen könne. Das kleine Kinb hat einen Magen, ber mindestens so leistungsfähig ist wie der des Erwachsenen."
Ist diele meine Antwort richtia? Steht sie nicht im Widerspruch mit so mancher, weitverbreiteten Aengstlichkeit, die immer fürchtet, d e oder jene Speise könne zu schwer verdaulich sein für den noch schwachen Magen des kleinen Kindes?
Als ich vor einigen Jahren das Buch der bekannten Kinderärztin Montessori..Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter" studierte, las ich mit besonderem Interesse den Abschnitt über „Gesunde Ernährung des Kindes". Ich war erstaunt über die Auffassung, die mir in diesem Kapitel entgegentrat: Eine in der Theorie unb vor allem in der Praxis unbegründete Aengst- lichkeit bei der Ernährung des Kleinkindes. Nach Montessori ist das Kind nicht imstande, die Speisen gründlich zu kauen; auch der kindliche Magen sei nicht fähig, „die Betreibung des Speisebreies auszuführen"; deshalb seien „Drei, Suppen und Hackfleisch" die Gpeiseformen, welche der Natur des Kindes am besten angepaßt seien. ..Gemüfe sind nicht besonders zu empfehlen, mit Ausnahme von Spinat, den man mit Maß für die Ernährung des Kindes zulassen kann." Einfaches Brot sei zu schwer; man gebe deshalb ..Zwieback oder besser geröstetes, mit Butter ober Honig bestrichenes Brot". Hülsenfrüchte dürfen nur „passiert" (durchgetrieben) vom Kinde gegessen werden. „Bei der Zubereitung der Früchte müssen alle unverdaulichen Teile, wie die Haut, entfernt werden". Rohes Obst (Aepfel, Dirnen. Kirschen, Nüsse usw.) ist verboten.
Wir wollen nun einmal Prüfen, ob die in diesen Vorschriften zum Ausdruck kommende Aengstlichkeit der Kollegin Montessori begründet ist, und ob es zutrifft, daß die Verdauungsorgane des Kleinkindes empfindlicher und nicht so leistungsfähig sind wie die des Erwachsenen. Prüfen wollen wir diese Frage weniger vom ärztlichen Standpunkt aus als vielmehr aus den Erfahrungen heraus, die auch der Laie mit einem gesunden Menschenverstand und mit einem offenen Blick für die Vorgänge in der Kinderstube jeberzeit machen kann.
Wir sehen, daß nach Montessori die Speisen möglichst in Breiform gegeben werden sollen, well bas Kleinkind nicht imstande sei. die Speisen
gründlich zu tauen. Die zahlreichen kräftigen Zähnchen, bis unS aus dem freundlichen Ätnber- mund entgegenlachen, scheinen dieser gering- schädigen Ausfällung zu widersprechen. llnb tatsächlich erweisen sich die Milchzähne als recht leistungsfähig. Wer je bie Freude oft genoß, zuzusehen. wie diese kleinen .Beißerchen" auch mit den bartest en Gegenständen fertig wurden, hat nicht die Lleberzeugung gewinnen fönnen. daß die Leistungsfähigkeit der kindlichen „Kauwerkzeuge" der beim Erwachsenen nennenswert nachsteht Sine einfache Ucberlegung müßte von fich au- auch schon sagen, daß die Dreisorm der Nahrung nicht die natürliche mehr sein kann in dem Augenblick, wo die Zähne, vollzählig durchgebrochen. gleichsam zu uns sprechen: .Sv. gebt uns nun tüchtia Arbeit" Nach Arbeit verlangen die Zähne auch schon deshalb, weil die Erfahrung lehrt, daß ein faulenzender Zahn eher fault und auSfällt. als einer, der bei der Arbeit fich kräftigt und sich lange gesund erhält. An .Suppen. Drei und Hackfleisch" finden bie Milchzähne des Kinde- keine Gelegenheit zur Arbeit und Kräftigung.
Nun zeigt die Erfahrung in der Ätnberftube. daß eine nicht kleine Anzahl von Kleinkindern oft schlecht kaut. Diefe Tatsache läßt sich nicht bestreiten, ebensowenig wie die Tatsache, dah unter den Erwachsenen es noch viel mehr gibt, die — aus den verschiedensten Gründen — ganz ungenügend kauen. Wo ein Kleinkind schlecht kaut, erziehe man das Kind zu richtigem Kauen; zumeist ist Faulheit oder schlechte Gewohnheit schuld an dem ungenügenden Kauen der Kleinen. Erstaunlich ist immer wieder die Tatsache, daß der Magen des Kindes die Schädigung durch schlecht verkante Speisen im allgemeinen viel besser auS- hält als ber Magen bes Erwachsenen. Wie oft sehen wir z. D am Mittagstisch, dah das aus irgendeinem. meist spielerischen Grunde langweilig essende Kind zum Schluh noch mit dem größten Teil seines Tellerinhaltes im Rückstand ist und nun. zur Eile gemahnt, fein fast kalt gewordenes Elfen rasch und ohne richtig zu kauen „hinunter- fchlingt". Dem Erwachsenen würde ein solches, hastig verschlungenes Essen wohl recht schwer im Magen liegen; beim Kinde beobachtet man nur lehr selten ein Streiken des also mißhandelten Magens. Mit der Feststellung einer solchen Tatsache soll ein derartiges .invernünftiges Essen nicht gerade zur Nachahmung empfohlen werden; aber wir sollen aus ihr lernen; und wir lernen aus solchen, immer und immer wiederkehrenden Beobachtungen, daß der Magen des Kleinkindes sicherlich nicht empfindlicher und schwächer ist als der des Erwachsenen.
Auch viele andere Erfahrungen aus der Kinderstube zeigen, daß Montessoris Aengstlichkeit gänzlich unbegründet ist. Wohl jeder Kinderfreund hat oft schon gestaunt, wieviel ..unverdauliches Zeug" in so einem kleinen Mäulchen verschwinden tonnte, ohne dem Kinde Schaden zu bringen. Das ein- bis einundeinhalb- jährige, das sogenannte Kriech-Kind, verschlingt olles^ was ihm in den Weg kommt: Papier, Kohlen. Sand, appetitliche und auch unsaubere Gegenstände, ja selbst den eigenen Stuhlgang; das Kleinkind wird etwas wählerischer, schluckt aber auch oft Dinge, die wesentlich unverdaulicher sind als Suppe und Brei. Sellen nur sehen wir, daß diese unschöne Gewohnheit der Kleinen und Kleinsten zu irgendeiner Derdau- ungsstörung führt. Der Erwachsene würde all' diese ungenießbaren „Speisen" meist nicht ohne eine Magenverstimmung verschlingen, wenn er nicht gerade ein Darielß-Künstler auf diesem Gebiete ist. — Auffallend ist oft. wieviel kleine Kinder elfen können, man begreift manchmal nicht, wo die vielen Butterbrote, die vielen Aepfel. die zahllosen Dampfnudeln Platz in dem kleinen Bäuchlein haben; rätselhaft oft, wie der Magen mit all dem Dielen unb Durcheinander fertig wird.
All diese Tatsachen, die jederzeit in der Kinderstube beobachtet werden können, finden auch in der ärztlichen Praxis ihre Bestätigung. Erkrankungen des Magens (und der übrigen Berbauungsorgane) beim Kleinkind sind nicht häufig, und sind vor allem nur selten verur
Kinderkrämpfe.
Den Müttern zur Beruhigung.
Don Dr. W. Schweisheimer.
Nichts erschreckt eine Muller mehr, als wenn sie eines TageS ihr Kind, das am Dvrtag vielleicht noch kerngesund unb vergnügt war, in Krämpfen findet. Bet Krämpfen handelt es sich um unwillkürliche Zusammenziehung von Muskelgruppen Die einzelnen Muskeln, beispielsweise des Gesichtes, der Arme und Beine, ziehen sich heftig zusammen und erschlaffen wieder; das erzeugt daS Bild von krampfartigen Zuckungen, Wie fi« in der Mehrzahl der Falle zur Beobachtung gelangen. Oder die Muskeln ziehen fich fest zusammen unb beharren längere Zeit in die Stellung, bewirken also das Bild eines starren Krampfes, eines „starrkrampf"-ähnlichen Zustandes. Die krampfhaften Bewegungen bevorzugen entweder gewisse Muskelgebiete, oder sie gehen in gleichmäßiger Folge von einem Teil des Körpers auf den andern über, um nach einer Ruhepause von neuem zu beginnen. Die heftigen Muskelzusammenziehungen, die krampfhaften Erschütterungen des KörperS. der starre Blick der Kinder erzeugen einen Anblick, bei dem der Schreck der Muller durchaus begreiflich erscheint. Unb boch handelt es sich bei den Krampsansällen der Kinder, namenllich auch der Säuglinge, um em sehr häufiges Vorkommnis. In den meisten Süllen geht es ohne weitere schlimme Folgen vorbei, wenn nur das den Krampfansällen zugrunde liegende Leiden erst Meisigt ist. Denn bei Kindern wie Erwachsenen sind Krämpse keine Krankyeit an sich, sondern — wie beispielsweise auch das Fieber — nur das Anzeichen einer solchen. Bet kleinen Kindern kvnnnt es leichter zu Fieber als bei erwachsenen Menschen, unb ebenso leichter zu Krampfanfällen. Die unmittelbare Ursache von Krampsanfällen ist in ber Reizung bet Großhirnrinde gelegen. Eine solche Reizung kann durch entzündliche Vorgänge etwa an ten Gehirnhäuten. durch eine Blutung im Gehirn erfolgen. Viel häufiger als solche grob mechanische Einflüsse sind indes allgemeine Einflüsse auf das Großhirn; bei Keinen Kindern stellen sie die Regel bar.
Zum Dehirn lausen von der Haut, von den Organen, von jeder Stelle deS ganzen Körper-
Nerven hin; sie übermitteln Empfindungsreize. Schmerzen usw. dem Gehirn. Vom Gehirn laufen umgekehrt zu jeder Zelle, zu jedem Muskel Ner- venfasern, die die notwendigen Bewegungen durch einen vom Gehirn übermittelten Befehl veranlassen. Wenn beim Erwachsenen durch einen Empsindungsnerv dem Gehirn ein Schmerz gemeldet wird, so veranlaßt das Gehirn sofort auf dem Wege der Bewegungsnerven eine Muskelbewegung. die die Schmerzursache entfernt, etwa einen Schlag mit der Hand auf die stechende Wespe. Auch auf andere Schädigungen, etwa der Verbauungsorgane, antwortet das Gehirn mit Hilfe der ausgefahrenen Nervenbahn in geeigneter, zweckmäßiger Weise. Auf unangenehme Reize folgt stets eine entsprechende Abwehrbewegung des Körpers. Das geht unwillkürlich, ohne Mithilfe des Bewußtsein-, vor sich, reflexartig. Beim Kind sind nun die Bahnen, auf denen die Nervenleitungen zum Großhirn gehen und von dort aus umgelettel werden, noch nicht so ausgefahren. wie beim Erwachsenen. Infolgedessen farm es eher zu einem älcber- sdringen gewissermaßen auf eine falsche Dahn kommen. Ein Reiz auf das Großhirn, der beim Erwachsenen vielleicht nur eine einmalige Zusammenziehung eines bestimmten Muskels zur Folge hätte, springt beim Kind auf eine ganze Anzahl von Muskelgruppen in dauernde, bezw. langer währende Bewegung . So ist es zu verstehen, daß eine Verdauungsstörung, die beim Erwachsenen nur Erbrechen Hervorruft. beim Kind das Auftreten von länger währenden Krampfanfällen zur Folge hat. Es wäre daher auch unrichtig, anzunehmen. daß ein Kind durch besonders heftig« Schmerzen schließlich zu Kranipsansällen tarne; der Eindruck des Schmerzes wird vielfach nur durch das verzerrte Geficht hervorgerufen, während es in Wirklichkeit lange nicht so arg jst. als wenn ein Erwachsener infolge von Schmerzen bas Gesicht verzerren würde.
Wenn man annimmt, daß die Krämpfe durch eine Reizung der Großhirnrinde hervorgerufea werden, so ist bamit natürlich für die eigentliche Ursache des Leibens noch nichts angegeben. Die Hauptfrage ist vielmehr bie, wodurch denn die Gehirnreizung hervorgerusen wird. ES gibt Fälle, in denen ähnlich wie bei Erwachsenen die Krämpfe durch unmittelbare mechanische Schadl- aung des GehimS hervorgsulen »erben, also
I bei Gehirnhautentzündung, Gefchkvulsibildung im
Gehirn, Blutung. In der überwiegenden Mehrzahl ber kindlichen Krämpse handelt es fich aber um Krämpfe, die durch einen Allgemeinreiz auf das Gehirn hervorgerufen werben (reflektorische Krämpse).. Der Beginn einer fieberhaften Infektionskrankheit, von Mandelentzündung, Scharlach. Diphterie und ähnlichen Kinderkrankheiten ist häufig durch das Auftreten von Krampfanfällen beim Kind gekennzeichnet. Es gibt bekanntlich gewisse Gifte, deren Einverleibung in den Körper heftige Krampfzustände hervorruft. In ähnlicher Weise kreisen bei einer fieberhaften Infektionskrankheit die giftigen Ausscheidungsstoffe der Krankheitserreger, bie Bakterien. im Blut; sie gelangen mit ihm zu jedem Organ des Körpers, auch zum Gehirn, und bewirken dort eine Reizung, bie unter Umständen ihren Ausdruck in Krampfonfällen findet. Neuere Forschungen der Kinderheilkunde haben gezeigt, dah manche Kinder infolge angeborener Veranlagung zu Krampfanfällen ganz besonders neigen.
Bei derart gen Kindern genügen daher scheinbar unwesentliche Reize, um einen Krampfanfall auszulösen — Reize, die jedenfalls bei nicht so veranlagten Kindern niemals zur Auslösung eines Krampfanfalles au-reichen würden. Lieberhaupt ist die Neigung der einzelnen Kinder zu Krampfanfällen schr verschieden, wie sich insbesondere bei dem verschiedenen Verhalten von Geschwistern oft zu erkennen gibt. Auch bei veranlagten Kindern verliert sich die Neigung zu Krcrmpsanfällen im Lause der Jahre gewöhnlich
Besonders häufig sind Krampfanfälle bei Kindern und Säuglingen ein Zeichen einer Verdauungsstörung. Sie können fich als leichte Zuckungen in den Augenlidern äußern oder als heftige krampfartige Zuckungen der Muskulatur des ganten Körpers, verbunden mit Bewußtlosigkeit. Magen- und Darmstörungen, die auch für den Erwachsenen erhebliche Ancumehmlichkeilen mit sich bringen, sind ja für kleine Kinder ein einschneidendes unb tief eingreifende- Ereignis. Sobald die Llrfachr der Schädigung entfernt ist — gewöhnlich ist es eine unzuträgliche Kost, allzu einseitige Kuhmilchernährung ober zu einseitige Mehlernährung, oder oerb»ebene Nahrung — tritt Besserung. Verschwinden ber Krämpse. ein. Gerede in dieser HtzHcht hol ja die Kintzerheil- tunbe in den letzten IahrzeGSen große Fortschritte gemacht, unb es gelangt ihr auf Grund
Alter Hausspruch.
Sn ©turn’ to wischen, Sn Kind to tuschen.
En Mann to biegen — Wat söc'n Glück un Segen
ernährungswissenschaftlicher Ergebnisse in einfachster Weise, bösen Krankheitsanzeichen den Boden zu entziehen.
Hier muß gegen einen Aberglauben Stellung genommen werden, der schon viel Unheil angerichtet hat, daß nämlich bei Kindern durch bas Zahnen Krämpse entstehen, d. h. durch das 5)?ruur- brechen der Zähne. „Zahnkrämpfe" gibt es nicht. Krämpse bei Kindern sind immer das Anzeichen einer vorhandenen Erkrankung, die in der Regel vom Arzt leicht zu erkennen unb zu beheben ist. Das Zahnen ist an sich keine Erkrankung, fonbern ein normgemäßer Vorgang. Allerbings ist es zwei- sellos, baß währenb ber Zahnnngsperiob-' bie Widerstandskraft bes kirchlichen Körpers herab gefeilt ist. Der Durchbruch ber Zähne bedeutet eine beträchtliche Belastung für den jugendlichen Körper, unb einsehende Schädlichkeiten tonnen - ihm leichter zur Wirksamkeit gelangen, als bei einem nichtzahnenden Kinde. So ist es zu erklären, daß bei einem Kind, das zahnt, leicht Verdauungsstörungen auftreten — durch eine leichte Infektion, eine ein klein wenig verdorbene Milch, die zu andern Zeiten harmlos Vorbeigehen würden — und daraufhin ift es in zweiter Folge zurückzuführen, daß bei zahnenden Kindern häufiger Krampferscheimingen auftreten als bei nichtzahnenden.
Das Zahnen an unb für sich bringt überhaupt — im Gegensatz zu einer außerorbentlich weit verbreiteten Vequemlichkeitsmeimmg, bie alles auf das Zahnen schieben will — außer leichten Schmerzen an der Mundschlermhaut, die bie Nahrungsaufnahme etwas einschränken lassen — keine Kraniheitszrschei- nungen hervor. Ein Kind, das auch mährend des Zahnens ernstlichere Krankheitszeichen barbietei, braucht ben Arzt — nicht gutgemeinte Troftsprüche „erfahrener" Beraterinnen, die alles leichtherzig damit erklären wollen: „Das Kind zahnt holt!"
Die Behandlung ber kindlichen Krämpfe richtet sich also ganz nach ber Ursache, die sie entstehen läßt. Jedenfalls schadet es nichts, wenn man vor der Ankunft des Arztes bas ft mb tn ein kühles Zimmer bringt unb ihm falle Umschläge um ben Kopf macht. Ein Grund zu ernstlicher Betmruhigung ist auch bei heftigen Krämpfen für bie Mutter zunächst nicht gegeben. Sie muß freilich bann auch hen Arzt unterstützen unb darf nicht etwa durch ein ganz ftfftfr angebrachtes Mitleid eine vom Ar l etrr? an- «ordnete Nayrungseinschränkung in r -r' t | hinfällig machen.
sacht durch zu schwere, unverdauliche Kost. Wo die Aerzte Verdauungsstörungen beim Klcnckmd sehen, laßt sich meistens seststellen. daß eine verdorbene Speise schuld daran ift. nicht, wie Montessori fürchtet, eine schwer verdauliche und zu derbe Nahrung. Ja, man kann als Arzt sogar so weit gehen, dah man auf die Tatsache hinweist. wie die langwierigsten Verdauungsstörungen manchmal gerade bei jenen Kindern beobachtet werden, die nach mißverstandenen wislen- schattlichen Gcbankengängen und aus übertriebener Aengstlichkeit zu einseitig und zu weichlich ernährt worden sind.
Montessoris Dorschrist. Gemüse zu vermeiden (ausgenommen ab und zu ein bißchen Spinats wirkt etwa- seltsam im Hinblick aus die bei uns allgemein angenommene Gewohnheit, schon dem kleinsten Säugling Gemüse (und -war jedes Ge- müse) zu geben, anfänglich durchgetrieben, später wie für den Erwachsenen zubereitet DaS Bestreben. dem Säuling und dem Kleinkind im Gemüse bie so wertvollen Mineralsalze und ander« notwendige Stosse zuzuführen, bringt Gemüse oft häufiger aus den Tisch, als so manchem Kinde lieb ist Die Derdauungsorganc bes Kinde- werben mit dem Gemüse gut fertig und holen au- dem Gemüse alle- Brauchbare heraus. auch dort, wo daS Gemüse scheinbar unverdaut den Körper wieder verläßt.
Im Obst leben wir gleichsall- einen bedeutungsvollen. unentbehrlichen Bestandteil in der Ernährung des Kleinkindes; ..eine gute Obstkammer erspart die Apotheke". Mag auch daS gekochte Obst etwa- verdaulicher sein als das rohe, so ist da- letztere aber doch gesünder unb wertvoller. Die Haut ober Schale de- ObsteS wegen ihrer Schwerverdaulichkeit entfernen. wie eS Montessori vorschreibt, ist nicht nur unnötig, sondern auch unzweckmäßig, da mit dem Schälen des Obstes sehr wertvolle Stosse weggeworfen werden und auch eine die Derbauung oft sehr gut regelnde Wirkung in Wegfall kommt.
Zum Schluß noch ein nicht unwichtiger Hinweis: Die in Montessoris Anordnungen und Derbsten zum Ausdruck kommende Acngstlich- leeit und Besorgnis um die Gesundheit des Kin- deS kann nicht ohne Rückwirkung auf die Seele deS Kindes bleiben; unmerklich geht ettnaei von jener Aengstlichkeit auf das Kind über und ist geeignet, die Aufmerksamkeit deS Kindes auf sein körperliche« Befinden hinzulenken und iene Ahnungslosigkeit zu zerstören, die den besten Schutz der kindlichen Gesundheit bildet.
Praktische Winke. .
KFP. E i s hält man im Sommer fer lange wenn man bie einzelnen Stücke in wollene Bücher wickelt. Will man es schnell unb geräuschlos zer Heinern, bann stelle man eine Stopfnabel mit ber Spitze auf ben Eisflumpen, schlage leicht mit dem Hammer barauf, unb bas Eis spaltet sich fofou an gewünschter Stelle. Hat man Eis nicht zur Ver fügung, dann kühlt man Speisen unb Getränke am folgende einfache Art: Man schlägt die betreffenden Flaschen, Schüsseln ui'ro. in ein nasses Tuch ein unb stellt sie an ein schattiges Fenster in einen Raum, wo Durchzug möglich ist In kurzer Zeit (ca. einer otunbe) sind bie Speisen so abgekühlt, als ob sie auf Eis geftanben i)äthr.
Gelbgewordene Klavier« aßen schadlos zu bleichen. Echte Elsenbintastrn erhalten mit der Zeit einen gelblichbrauneir Ton, den man auf einfache Weise wieder turn Schwinden bringen kann, nxmn man einen Teelöffel Salpetersäure in 15 Teelöffel Wasje verrührt, damit die Tasten einreibt, einige Zeit einwirken läßt, um sie darauf mit trockenem Lappen nachzureiben und zu polieren.


