Rr. 102 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 2 Mai 1925
Außenpolitische Umschau.
Aon Professor Dr. OUo Hoetzsch, M. d. R.
Die innenpolitischen Entscheidungen in Deutschs land und Frankreich sind gefallen. Die Bohn ist frei neuer außenpolitischer Arbeit, zum Stampf um Ku wichtigsten Entscheidungen, die jetzt unroeifler lid) für unser Voll Heraufziehen. In den Schlage »orten. Räumung der Kölner Zone. Rilit-ärkontrolle, Handelsvertrag. Licherheitssrage vor allem, ist dieser Kampf SUSgedrückt und beschlossen.
Ein ganzer Gewitterschauer von i Prosseäuße JUngen de- Auslandes, denen unsere iHnte treulich sekundiert, gehr jetzt aus uns hernieder: Die Wohl Hindenburgs sei eine Herausforderung, der Mili Zarismus, der Revonchekrieg. die Monarchie zögen em Horizont herauf, die berühmte „Atmosphäre-, ton deren Gunst wir unter dein Linksregime doch Eigentlich recht wenig gespürt haben, sei verloren. Zunächst einmal Ruhe! Das deutsche Volk hat tben|o aut sein Recht, sich denjenigen an seine Spitze wählen, dem es sein Bertrouen schenkt, und von tem es erhofft, daß er das deutsche Schicksal zu bessern und zu wenden vermöge. D i e Freiheit ist uns doch trotz oller Fesseln des Bersailler Dertrags geblieben. Die hat dos Ausland zu achten! Auch Vos Ausland Hal in seine Berechnungen einzustellen, daß der Zug nach rechts durch das deutsche 'Joir geht. Zn der Billuing der heutigen Reichsregie- runfl hat es sich ausgewirkt. Zn der Wahl Hindenburgs Hai er einen neuen Sieg davongetragen. Der Kampf um Preußen ist die nächste Etappe. 'Es ist der nationale Gedanke, der auf diesem Wege sicher vorwärts schreitet. Die Wahl des Fcld- niorschaUs ist ein neuer Markstein auf diesem viegeszuge. Sie bedeutet, daß das Volk einen itarfen, von Parreistreit unabhängigen Führer will, ' der die Würde und Ehre des deutschen Namens noch nutzen zu wahren weiß, und der ein festes Bollwerk liegen jeglichen revolutionären Radikalismus im 3nnem darstellt. Und die so geflisientlich auf das Ausland hörten, seien hingewieien auf Lloyd Ge- iirgcs Wort: „Diese Wahl und dieser Sieg sind dos unvermeidbare Resultat der französischen Politik im Rheinland und Ruhrgebiet." Jawohl, eines immer stärker werdenden inneren Widerstandes in immer größer werdenden Kreisen unseres Volkes , gegen die unaushörlichc Nachgiebigkeit, gegen eine Politik, die Außenpolitik stets mit Innenpolitik zu- mmmenwars und in der Außenpolitik zugleich ihre innenpolitischen Absichten verfolgte.
Für das Ausland aber steht fest, daß der Sieg i Hindenburgs eine Stabilisierung der bisherigen . Reichsregierung, der bisherigen von rechts be- » cinflußten Koalition ist, deren Richtlinien in »der A u ß en p o l i t i k f e ft I i e g e n , fest und klar aller Welt vor Augen. Und sic werden von diesem lübineit weiter verfolgt, die Erörterung der Sichcr- »citsjrage mit den anderen, die Ausführung des Dawesplanes in den Grenzen der deutschen Lei- 'kungchähigkeit. Aber allerdings die Gewähr stellt * i)tr 'Jiamc Hindenburg an der Spitze des Reiches iiar, daß nicht, wie bisher immer, die außenpoli ijichen Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes and deren Behandlung durch die Linksparteien zum fpcgenftanb des Parteiinteresses von links gemocht nnb so wichtige Lobensinteressen des deutschen Dolles einfach preisgeaeben werden. Daß die Lebens» notwendigkeiten unseres Staates in der großen Po j litit unbeirrt von dem innenpolitischen Parteistreit - «»erfolgt, mü Würde und Entschlossenheit wahrge- | rtommen, die Ehre des deutschen Volkes in der großen Politik rein gehalten werde, das verlangt die Kolk von der Führung. Diesem Willen gaben die 'DHUioncn Ausdruck, die am 26. April den Feldmar» S chall wählten, der klar und fest vor aller Welt aus» jflprodjen hat, daß er weder drinnen noch nach draußen eine Erschütterung, eine gewaltsame Ver itnderuna des bisherigen Ganges will.
Vieunehr sollte eigentlich das Ausland jetzt । der auf Frankreich blicken Denn dieses ist ge- i'ode in der großen Politik ein unsicherer Faktor als d.is Deutschland nach der Wahl von Hindenburg. Sleht das Kabinett trotz Vertrauensvotum und 93er- icgung denn fest? Klafft nicht der Riß zwischen bem Programm Eaillaux' und dem Willen der Kam- incrinehrheit in Sieiierfragen ganz offen? Steht Briand in der Sicherheitsfroge denn nicht anders als Herriot? Zieht nicht im Hintergrund bereits die Möglichkeit einer Kammerauflösnng, einer neuen Wahl, einer Rückkehr des Kartells der Rechten herauf? Und was bedeutet der merkwürdige fifnroeis öerriots in seinem Abschiedsartikel auf die Gefahr Des Foszismus und des Kommunismus im heu
tigen Frankreich? Zittert vielleicht nicht im heutigen Frankreich der Boden unter den Füßen der Parteipolitiker, die seine Geschicke lenken ?
Wir suhlen uns nicht berufen, diese Fragen so ober so bestimmt zu beantworten. Aber die eng- l i s ch e Politik, die durch den Mund Baldwins und Chamberlains erneut ihren Willen kund getan Hai, wird jetzt merken, daß in den Erörterungen, auf die es ihr ankommt, Frankreich ein unbestimmbarerer Faktor ist als Deutschland. Dieses hat gar keine Veranlassung in der Hauptfrage. Sicherheit und Völkerbund, aus der Reserve herauszu- trelen, die es eingenommen Halle, die nicht nur während des Wahlkampfes, sondern auch aus den in der Sache selbst liegenden Gründen notwendig war. Wir warten ab, wie sich diese ganzen Fragen in den neuen Gesprächen zwischen Chamberlain und Briand gestalten, im besonderen, ob der französische Anspruch sich durchsetzt, Deutschland müsse erst einmal in den Völkerbund herein, ehe über Sicherheit gesprochen werden könne, ober ob ber englische Stanbpunft sich behauptet :erst Sicherheits» patt und dann Völkerbundsfrage für Deutschland.
Die große englische Politik mußte in diesen Wochen stillstehen. Die große englische Finanzpolitik stand nicht still. Am 28. April hat der Schatzkanz- ter Churchill sein erstes Budget in dieser Kammer eingebracht. Mit größter Spannung wurde es erwartet und ausgenommen. Nicht nur wegen der Steuer- und Zollfragen, die es behandelt, nicht nur wegen des Uederschufses von über 3 Mill. Pfund aus 1924. der zur Herabsetzung der Schulden verwendet wirb, sondern vor allem roegeu der Frage, die Churchill nun überraschend und entschlossen mit ja beantwortet: Soll England zurGoldwäh- r u n g zurückkehren oder nicht?
Churchill fünbigle das an. und zwar bereits für heute. Seit dem 28. 4. hat die Bank von England wieder die Erlaubnis, Gold und totlber in Barren und Münzen auszuführen. Das bedeutet die Rückkehr Englands zur Goldwährung. D.as bedeutet einen großen Erfolg der englischen Finanz- und Steuerpolitik. Auch die Selbstverwaltungskolonien Englands kehren zur Goldwährung zurück, Australien schon am gleichen Tage wie England selbst.
Dieser Schritt ist möglich geworden, weil England seine Schuldenlast an Amerika auf sich nahm und bezahlt, weil es eine rücksichtslose Steuerpolitik durchführt, und weil das Pfund so nahezu schon an den Stand des Dollars herangekommen ist. Der jetzige Entschluß aber ist ausgelöst durch die letzten Verhandlungen mit Amerika, dessen Zentralbank bereit ist, bei ungünstiger Gestaltung des Pfundkurses ihrerseits elnzugreisen und so das englische Schatzamt in der Erhaltung des Pfundkurses zu unterstützen. Das waren und sind höchst verwickelte finanzpolitische Verhandlungen zwischen den beiden Staaten. Die Einzelheiten sind gleichgültig, das Ergebnis im ganzen aoer ist cs weltpolitisch ganz und gar nicht. Denn diele Rückkehr Englands zum Gold bedeutet sowohl einen weiteren Schrill in feiner Verbindung mit Nordamerika wie in der Behauptung seiner Selbständigkeit neben der Union gleich- wohl.D a s ist die weltpolitische Bedeutung, und das ist eine Entwicklung, die, wie die Dinge heute in Europa liegen, in unserem Sinne günstig ist. Alles, was die Angelsachsen zusammengeführt, ist heute günstig dem Wiederaufbau und ber friedlichen Arbeit in Europa, unb ungünstig den Ideen Fmi.i- reichs, in die Gewaltpolitik ä la Poincare zurückzufallen.
Ein aller Spruch der Engländer gelte jetzt auch für diese englische Politik in ihrem Verhältnis zu Deutschland! Wir meinen das Wort: ,Wait and fee!" Paß auf und beobachte' Warte ab! In Ruhe ab- warten, wie die deutsche Politik sich jetzt entfaltet. Zu Unruhe ist gar fein Grund! Das Ausland gewöhne sich eher an die richtige Vorstellung, daß heute Deutschland in den Beziehungen, die für das Ausland und für fein Urteil und feine Haltung in Frage kommen, ein sicherer Faktor ist als heute Frankreich!
Kinderreiche Beamte.
Berlin, 30. April. (Privat-Telegrarnm.) ,Der Reichsbunb der Kinderreichen Deutschlands zum Schuhe der Familie e. D. beklagt sich darüber, daß in letzter Zeit Bewerber für Beamten- stellen deshalb von den Anstellungsbehörden (staatllchen und beso>lders kommunalen) a b gewiesen worden seien, weil sie verheiratet seien und Kinder hätten, und well sie daher eine höhere Besoldung beziehen würden, die
es in Einzelfällen sogar ermögliche, an Stelle eines kinderreichen zwei ledige Beamte einzustellen. Wie wir hören, hat das Reichsmcni - fterium des Innern in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, daß solche Gründe für die Ablehnung der Anstellung kinderreicher Beamten in Widerspruch z u Artikel 119 der Reichsverfassung stünden und unbedingte Mißbilligung verdienten. Schon aus bevöllecungs- und sozialpolitischen Gründen sollte man sich dafür einsetzen, daß kinderreiche Bewerber für Beamtenstellen gegenüber ledigen und kinderlosen mindestens nicht zurückgesetzt werden.
Von, Neichsbnnd der Kinderreichen.
Der Wissenschaflliche Beirat trat vor kurzem in Hannover unter dem Vorsitz von Professor Thomsen (Hnioerfität Münster) erstmalig zusammen, um bevölkerungspolitische Probleme zu besprechen. Man war der Meinung, daß die augenblicklichen Ergebnisse der Bevölkerungsstatistik irreführend wären, da durch ein in der Kriegs- und Rachlriegszeit ung.wvbnl'ch hohes Wegslerben der Schichten hohen Alters die Sterblichkeitsziffer augenblickl'ch viel zu n'edrig sei. Eine etwa im Jahre 1930 zu erwartende Familien- statistik würde erst ein richtiges Bild von dem Ernst der Lage geben. Es sei mit einer erheblichen Zunahme der Sterbefälle zu rechnen. Maßgeblich für dir Wirtschaft wäre im nächsten Jahrzehnt der Ausfall an 3 u g end- lichen, die in das Erwerbsleben treten. 3n der Steuerfrage müsse eine stärkere D rücksichti- gung der OrofifamUien mit kleinem Einkommen und eine Ausdehnung der Kinder Vergünstigung auf Einkommen über 8200 Mk., welche Grenze zu niedrig sei, gefordert toerben. Als eine der wichtigsten Aufgaben der Bevölkerungspolitik wurde der Ersah des im Abbau begriffenen Soziallohnes durch staatliche Erziehungsbeihilfen angesehen, deren Beträge durch Steuern, besser noch durch Ausbau bestehender Derficherungseinrichtungen aufgebracht werden müh'en. Die W o h nu n g s f r a g e läßt - sich für kinderreiche Famllien nur durch Eigenheimbau lösen, der eine Hebung in sittlicher und gesundheitlich'!: Beziehung erwarten läßt und auch eine solche b?r Staatszufriedenheit und der Geburtenzahl. 3nt Sinne qualitativer Auslese wurde geforderi, daß auch die ^lni° -versl täten und Hochschulen b"i Gewährung von Vergünstigungen auf die Studenten aus kinderreichen Familien mehr Rücksicht nehmen möchten.
Der Deutsche Rundflug 1925.
Von Helmut Paetzold.
Leiter der Rachrichtenstelle des Deutschen Rundflugs.
Dem Jahre 1925 sollte es Vorbehalten fein, Deutschland ein fkugsporllicheö Ereignis zu bescheren, tote wir es infolge des Krieges und der trüben Rachzeit feit dem Deutschen Rundflug 1911 nicht mehr erleben durften. Man darf wohl sagen, daß die Augen der ganzen Welt mit besonderen! Interesse auf diese Veranstaltung gerichtet fein werden.
Rur wenige Wochen trennen uns noch vom Beginn, Wochen, die vollauf ausgenutzt werden müssen, um die Vorbereitungen bis ins kleinste zu treffen. Sollen doch die Tage vom 31. Mai bis zum 9. Juni Zeugnis ablegen von deutschem Sportgeist und von deutscher Technik. Sie sollen der Well zeigen, daß wir auch mit unseren geschwächten Kräften wohl auf dem Plane sind.
Der Verlauf des Deutschen Rundflugs 1925 wurde kürzlich in einer Versammlung aller daran interessierten Kreise, zu der sich vor allem auch Vertreter von den 34 an dem Rundfluge beteiligten Städten eingefunden hatten, in allen feinen Phasen von der Obersportleitung, d. h ihrem Führer Major von T s ch u d i bargelegt. Der Flug wird in fünf Schleifen, die ihren Anfang und chr Ende in Berlin haben, ausgeführt. Zwischen jedem Starttag liegt ein Ruhetag, der zugleich zum Aufrücken der Rachzügler dienen soll. Der Flug ist ein Wettbewerb um beträchtliche Geldpreise. Er ist für drei Klassen von Flugzeugen ausgeschrieben, der.n letzte und höchste 120 P. S. nicht Wersteigen darf. Jedes am Wettbewerb teilnehmende Flugzeug wird als Kennzeichen eine amtliche Kontrollnummer über 600 führen. Damit die drei Klassen auch vom Publi-
dem Vorplatz und erblickt, zum Ausgange eilend, noch etwas Sehenswertes.- das Wohnaulo des Dr. Unblutig von uer Kukirolfirma, darin ihn selbst, spitzbärtig und weißkittlig, wie er aus zahllosen Reklamen bekannt ist.
Schon dunkelt es. Vor dem Eingang, unter den riesigen Höhrrohren des großen Lautsprechers haben sich die Menschen gesammelt — ein Weg in die Zukunft, die Propaganda durch Rundfunk. Auf dem himnrelragenden schlanken Gerüst des Witzlebener Funkturms kreist ein Leuchtfeuer, die Scheinwerfer fressen sich durch die Finsternis, die leuchtenden Buchstaben eilen Heron und verschwinden: sie haben ferne Zeit zu verlieren.
Das Haus der Mode.
Don L e n i W ü st.
Als langgestrecktes, zweigeschossiges, eine Unmenge Raum fassendes Gebäude erstreckt sich das Haus der Mode, an den linken Flügel der Festhalle anschließend, über den ganzen Platz bis zu den Eingangstoren. Roch ist der Dau in seiner äußeren Ausstattung unfertig, Marmortäfelung wird die Backsteinwände nach außen in ein dekoratives Gewand kleiden und so eine Verbindung mit der reichgegliederten Großartigkeit der Fest halle schaffen. Daß der Bau des Haukes der Mode zum Gebot der Stunde wurde, ist ein erfreuliches Zeichen für die Ausdehnung unserer Messe auf dem Gebiete der Textil- und Mode- branche. 1919 begann die Tertilmesse in der Festhalle und kann Frühjahr 1925 schon ins eigene Heim ziehen, in ein Heim, welches weit über die Messe hinaus an Bedeutung gewinnen dürfte als Ausstellungsraum. Die Schaffung dieses svezifi- schen Hauses der Mode ist vom organisatorischen Standpunll, wie vom wirtschaftlichen von groß.er Bedeutung. Die Aeberiicht und dec Gesamt- eindruck wird bei der Vereinigung der Mol - branche in ein Gebäude verstärkt und erleichtert, vor allem gibt es kqine Zersplitterung auf dem wellbegrenzten Gebiete der Mode. Der Käufer iann hier vom elegantesten Komplet bis zum ein-
Reklame für die Reklame.
Don der Reiriisreklamemesse in Berlin.
Das oielannige Ungeheuer Reklame, das sich «och den Giebeln der Häuser, an ihre freien Flächen, an die Litfaßsäulen getastet hat, das ge- walltätig stets neue Möglichkeiten des Wirkens und Werbens sich erobert, hat sich einmal in sich selbst zurückgezogen. Es will einmal nicht fremden Waren Md Firmen dienen — es will sich selbst in einer großen Schau bespiegeln, sich selbst und allen, die er sehen wollen, zeigen, zu welcher mächtigen Ausdehnung sich die Reklameindustrie entwickelt hat, welche Neuerungen sie bietet, nach welcher Richtung bin sie sich entfalten will. Diesem Zwecke dient die e k l a m e - M e s s e", die sich im Hause der Funkindustrie niedergelasien hat.
Einer der ersten Eindrücke: Der Leuchtreklame gehört die Zukunft. Noch freilidj steht das starre !3cjen des Plakats, das schweigsam und unbeweglich seinen Dienst an der Oefsentlichkell erfüllt, gesichert da, wird auch niemals gänzlich zu verdrängen fein, noch überraschen die Ausstellungen der Plakat-Ateliers, der graphischen Institute, der Druckereien, die Kataloge, Werbeschriften, Prospekte Herstellen: auch der Verwandte des Plakates, das Zeituugsinferat, ist ansehnlich vertreten durch den großen Stand des ..Vereins Deutscher Zeitungsverleger", durch die llebsrsicht der Fachzeitschriften, die hier in ihrer ungeheuren Spezialisierung auf- marschieren, durch die Fachpresse — sie ist nicht zu unterschätzen —, die das Gebiet der Reklame selbst behandelt. Die großen Tageszeitungen haben sich etgene Pavillons erbaut und zeigen durch graphische Darstellungen stolz die Weite ihres Verbreitungsgebietes und die Zohlen ihrer Leser.
Unendlich aber sind die Kleinigkeiten oller Art, »is nur noch auf den Firmenaufduct warten, um ®ann als Werbegeschenk an den Käufer oder Ge- ^äftsfreund gegeben zu werden, unübersehbar sind kleinen beweglichen Groteskfiguren — die aus Staub des Panoptikums entwichen scheinen —, Fe Clowns ober Heinzelmännchen die Auftnerk- icmkeit des Käufers durch ihr ftereotgpes Minen
spiel und ihre einförmigen Bewegungen erregen sollen: Reklamegesellschaftcn bieten sich an für Uhren, Automaten, Wandflachen: Fabriken zeigen Reklameverpackungen und kleine Druckereien, die Werbeschriften im eigenen Haufe Herstellen — diese Schau bietet einen Üeberblicf über die vielen Verästelungen, in die die Reklameindustric sich gespalten hat.
Den weitesten Vorstoß aber har die L e l e u ch- tungsrcklame gemacht. Wie sie Licht und Bewegung in geballten Schwingungen herausschleudert, wie sie durch zuckende Blitze und rotierende Wirbclräder den Lärm der Straße noch zu überschreien, die Hast des Großstadtverkehrs noch zu überhetzen sucht, fo ist sie ein Kind dieser nervösen, durch stärkste und jeniationellste Reizmittel zu erregenden Zeit. Die „Wanderschrift", die mit ihren weithin leuchtenden Buchstabenbändern Nachrichten und Anpreisungen über das nächtliche Berlin verbreitet, ist als Miniatur in die Schaufenster gedrungen. Schon gehört das stille, von hinten erleuchtete Plakat einer ruhigeren Vergangenheit an, auch das lebende Bild, das durch sein zweifaches Raster Gesicht und Gestalt je nach Stellung des Passanten verändert, kann gegen die letzten Erzeugnisse der lebenden Schaufenstereklame nicht aufkommen. Zn diesen Blldern ist alles Leben, Leuchten, Wirbeln, rotierender Rhythmus: Da sausen Kraftwagen durch die Nacht, Fabrikfchornsteine rauchen, Arbeiter hämmern: groteske kleine Dramen spielen sich zuckend in unheimlich verschobener Körperlichkeit der handelnden Personen ab, elektrischen Glühbirnen scheinen Wasserfälle zu entströmen: aus wogendem Farbenipiel, aus wehendem Leuchten entwickelt sich unmerllich der Name einer Zigarette, die Firma einer Automobilfabrik. In rastlosen Drehungen leuchten diese Lockungen aus den dunklen Zellen der Stände. Immer wieder, immer wieder, rastlos, unermüdlich gaukeln die Farben, schimmern die Lichter, stürzen Lichtbänder und enteilen Buchstaben: ein Chaos von Licht und Bewegung — das Abbild der modernen großen Stobt Noch tanzen die Lichter ihren stürmenden Reigen vor den ermüdeten Augen, noch rotiert der Wirbel der Drehungen in den Nerven: da steht inan auf
fum leicht unterschieben werden können, wird jede andes gefärbt fein, unb zwar Klasse A biu 40 P. S. tveifi. Klaffe B bis 80P.S. blau, Klasse C bis 120 P. S. rot. Für jede der br,'i Klassen sind besondere Äontröllfialioncn eingerichtet, to? gelandet werden muß. Vci der großen Teil- nehmerzahl am Wettbewerb — bisher über 90 Flugzeuge — wäre es ja technisch unmögtich, daß alle Flugzeuge dieselben Zwangslandeplätze hätten. Aus diesen Kontrollstcttioncn befinden sich die örtlichen Sportleitungen, die in engster Verbindung mit der Oberfportleitung Berlin bzw. in direkter Verbindung mit deren Rachrichten- slellen stehen, und zwar durch Fun relegrapbie mit eigener Wellenlänge, Telegraphie und Tele- phonie. Die örtlichen Sportlcitungen werden von der Polizei sowie den städtischen Sanitätswesen unterstützt Dio TeUnehmer ber Veranstaltung, d. h. die fliegenden und organisierenden Mitglieder. werden in ihrer Gesamtheit gegen Unfall versichert. Auf jeder ZwangslandungssteUe sind von der Obersportleitung Tankstellen eingerichtet. Jeder Landungsplatz wird mit Wetterberichten der nächsten Wetterstation versorgt. Außerdem sendet das Observatorium Lindmtt'erg auf funkentclegraphischem Wege zweistündlich a.i alle Landungsplätze WettcrncÄrichten. Die Leitung des gesamten Wetterdienstes liegt in den Händen des Professors Version von dc. Teä>- nischen Hochschule Charlottenburg. Das auf jedem Landungsplätze für zweckinäßige Erfrischungen für die Flieger gesorgt ist, braucht Wohl nicht besonders betont zu werden.
Es ist erfreulich, daß von zahlreichen Städten namhafte Preise gestiftet worden sind, die so ausgeschrieben werden sollen, daß möglichst vielen Teilnehmern die Erringung eines Preises gelingt. Möge bet Wunsch in Erfüllung gehen, daß der Deutsche Rundflug 1925 ein Wendepunkt in der Geschichte der Lustfahrt des Deutschen Reiches wird. Luftsahrt ist not!
Von den vorgesehenen fünf Schleis n führt die erste von Berlin genau nordwestlich über den Reuruppiner See und Pritzwalk nach Schwerin und von dort über den Elbe—Trave- Kanal und Friedrichsruh nach Fuhlsbüttel, dem Hamburger Flughafen. Der nächste anzufliegende Ort ist Bremen. Bon da geht es über Osnabrück südwärts nach Münster. Die nun folgende Strecke führt über Lippstadt und den 600 Meter hohen Habichtswald nach Kassel, sodann nordöstlich über Göttingen. Ein geringes Ausholen nach Süden vermeidet die uäersleigung des Brockens. Ser letzte Etappenort ist Magdeburg, von wo der Flug über Brandenburg und das Seengebiet bei Potsdam nach Berlin zurückführt.
Die zweite Schleife beginnt mit der 240 Kilometer langen Strecke Berlin—Hannover entlang der Bahnlinie. Der nächste Ort ist Paderborn, vor dem Deister und die Detmolder Höhen noch überflogen werden müssen. Von Paderborn ist eine genau südliche Strecke einzuschlagen. Auf ihr sind Marburg und Gießen von Wichtigkeit. Ihr Ziel ist Frankfurt a.M. Don hier geht ei weiter nach Darmstadt, bann die Kinzig entlang über die 800 Meter hohe Rhön und den gleich hohen Jnselberg des Thüringer Waldes nach Gotha. Dann folgen Weimar, Jena, Gera, Chemnitz, Freiherg unb Dresden, von wo aus bic Schleife burch einen norb- lichen Flug nach Berlin geschloffen wirb.
Die dritte Schleife zieht sich von Berlin über bie Belziger Walbungen nach Dessau Jjin, überquert die Saale unb Mnflrut unb berührt Erfurt. Hierauf muß der Thüringer Wald unb bie Werra bei Hilbburghausen überflogen werden. Von hier geht es nach Würzburg. In
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fachst en Waschkleidchen alles finden, was sein Lager braucht. In der Herrenkonfektion ist es genau fo.
3m Erdgeschoß findet man alles, was mit Damen-- und Kinberkonfeltion in Zusammenhang steht, gute Ware, geschmackvolle Ausführung, bie Mobelinie vielseitig verlierend Pe^ze sind vertreten. Wäsche aus Crepe de Chine, Batist und einfacher. Selbstverstänblich fehlt auch bas mobilche Drum unb Dran nicht, wie zum Beispiel der Strumpf, ber immer noch fleischfarben getönt ist, sogar Schaufensterpuppen in allen Arten sinb vorhanben. Sehr reich ist bas Haus der Moke mit Strick- unb Wirktoaren beschickt. Man sah farblich aparte Strickjackenkleiber unb -Kostüme, Jumpers, Pullovers Westen, lange Strickmäntel mit Pelz- ober Feberbesah. Eine Reuerscheinung in ber „dtcüftonfe'tion" ist das „Strickkomplet", Man sah auf biefem Gebiete Muster unb Farben in interessanter, bunter Zusammensetzung. Im oberen Stockwerk hat bie Herrenkonfektion ihr Lager aufgeschlagen, bort sah man basselbe nur aufs Männliche übersetzt: Anzüge, Mäntel, Livreen, Hüte, Arbeitskleidung, Stöcke unb Schirme (für beiderlei Geschlecht), Krawatten, Wäsche sowie Manufaktur. Auch da gab es viel zu sehen, allerhanb Bemerkenswertes, wie bas häufige Auftauchen bes fog. Kreuzworträtsel-Musters bei Krawatten, stellen weise auch bei englischen Anzugstoffen. Diel Bewegung unb Geben herrschte in ben Gängen, die Zahl ber Interessenten war stark, bas Geschäft scheint sich gut entwickelt zu haben. Die Deschickec kamen aus allen Gauen Deutschlands, Feanksurt war selbstverständlich stark vertreten. Das Haus der Moden gab einen umfassenden Ueberbfid der Qualitätsarbeit, die bis jetzt in Deu.schlanb auf dem Gebiete ber Mode getoistet wurde. Frankfurt selbst dokumentiert mit dem Haus der Mode feinen alten Ruf eines Klein-Paris auf ben Gebieten männlicher und weibl'.cher ModeeleqaN',, jetzt werben guter Geschmack, kommerzieller Tlntemehmungsgeist unb industrieller Fl iß durch den Reukau des Hauses der Mode eine neue Forderung erfahren.


