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Nr. 257 Erstes

Erschein» taglid), au fort Soinu und ^tirrtags.

Beil«atn:

(BiefoenerSamilienMölter Heimat in Bild.

Mova>z^vr;a2krreir: LVoldmack u. 20 Gold- pfmrrg für Trägerlohn, auch bei tttiafterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fern'prech-Anschlüsse: schrifrleitung 112, Ver­sag undGeschästsstellebl. Anschrift für Drahrnach« rlchlkn:AvzeigerSiehen.

P)|H*edfonto: granfl.'Tt a. M. 11688.

Blatt

17<. Jahrgang

zrenag, 3f. vttober 1924

General-Anzeiger für Oberhessen

vniS iind Verlag! vrLhl'Iche llniverNStt-v»ch- und Stttnörudcrei R. Lange in Sietzen. Schrifileitung und Seschäftrftelle: Schuliiratze 7.

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Der konservative Wahlsieg.

Der grobe Wahlsieg der englischen Konser­vativen tarn in diesem AuSmah für die meisten unerwartet Als Macdonald am Dorabend der Wahl feinen Parteifreunden zuredete, sie möch­ten sich auch durch eine etwaige Diederlage nicht in ihrer Zukunstsgewifrlxsit irre machen lasien, hat er die Momente, die gegen die Fortdauer ferner Herrschaft sprechen, richtig bewertet. Es wurde die Bedeutung des konservativen Sieges auch nicht sehr verringern, wenn sich natürlich Herausstellen sollte, dah die Konservativen nicht die volle Mehr­heit der Wahlberechtigten oder auch nur der Wühler aus sich vereinigt haben. Die Lesart, dah die Tories einen Teil ihrer Stimmgewinne der Wahlmüdigkeit des englischen Dolles, wel­ches nur. erst einmal einige Jahre mit Neuwahlen verschont bleiben wolle, verdanken, ist ziemlich ein­leuchtend. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dah diesmal das Hinterhaus die verfassungs- mähigen vier Jahre durchhalten wrrd, wenn nicht etwas AuhergewöhnlichcÄ sich ereignen sollte. Gin Oppositionsführer wird es sich indessen dreimal überlegen, ob er eine Frage zweiten oder dritten Danges zum Anlab einer Parlamentskrise machen wird, da bei abermaligen vorzeitigen (Neuwahlen die Wählerschaft dem Störer ihrer Ruhe nicht allzuviel Sympathie entgegenbrrngen bürste.

Wenn Worte Taten wären, f> hätte Mac- donald gvohe Derdienste um das deutsche D)lk. Gr begarm seine Tätigkeit Anfang dieses Jahres mit Briefen an seinenHeben Freund Poin - carä". Wenn diese Betitelung vielleicht auch dem Diplomaten zugute gehalten werden muh, so hat Macdonald dxh mit diesen fernen ersten auhenpolitischen Taten das Verhältnis der briti­schen Regierung zu der französischen Regierung in einer für Englands Interessen wenig günstigen Weise festgelegt. Als dann Poincarä in den Wahlen vom 11. Mai unterlag, setzte Macdonald gegenüber dem neuen französischen Kabinetts­chef die Politik der Selbstentäuhe- runfl fort. Seine deutschen Freunde behaupteten, er tonne nicht anders handeln, weil sonst Her- riot gestürzt werden und die so n>t- wendige Ernüchterung des französischen Dol- keS ein vorzeitiges Ende finden würde. Macdonald schluckte schliehkich s)gar die Ruhr- besehung und gab seine Zustimmung zu einer Rcparationsentscheidung, welche Deutschland zu fortgesetzter Beunruhigung deS Weltmarktes treiben und der britischen, Wirtschaft das Dasein erschweren muhte. Der Mandaksverlust, den die Arbeiterpartei za be­klagen hat, rührt zweifellos hauptsächlich davon her, dah ein Teil der früheren Anhänger Mac­donalds den von der Arbeiterpartei versprochenen wirtschaftlichen und sozialen Auf­schwung vermibie. Debenbei hat natürlich auch der Sinowjcw-Bries eine Rolle gespielt, der manchem britischen Wähler die Augen dar­über öffnete, dab unter der Aera Macdonalds fremde Parolen in das britische Staats- und Wirtschaftsleben hin eingetragen wurde.!. Pazifistische» Internationalismus und nationaler Imperialismus schlieben sich aus. England hat am Weltkriege nicht teilgenommen, um die Ge­sittung und das Wohlbehagen der Menschheit zu erhöhen, sondern um zu gewinnen und um seine Lebensbedingungen zu sichern.

Der Sieg der englischen Konservativen ist der Sieg des Imperiums. Baldwin hat im Wahlkamps darauf verzichtet, die Schuhzoll­idee in seiner Partei in den Vordergrund zu schieben: er hat sich sogar verpflichtet, die Le­benshaltungskosten nicht durch irgendwelche ge­setzgeberischen Maßnahmen zu erhöhen. In po­litischen Kreisen Englands gilt Baldwin mehr als ein W i r ts ch a f t s - und F i n a n z f a ch- m a n n und weniger als ein politischer Führer groben Stils. Baldwin ist der Schöpfer des britisch-amerikanischen Finanzausgleichs. Er ist ein guter Kenner des internationalen Schulden­problems und geniebt in Amerika persönliches Vertrauen. Als Dachfolger Bonar Laws in der britischen Ministers: räsidentschast Anfang vorigen Jahres hat er keine sehr glänzende Rolle ge­spielt. Unter ihm erstatteten die britischen Kron- juriften ihren Bericht über die Unrecht- Mäßigkeit der Ruhrbesetzung: unter ihm wurde auch die aufsehenerregende Cur - zon-Dote erlassen, in welcher schärfer, als cs seit Jahren geschehen war, der britische imperia­listische Staondpunft gegenüber den politischen Methoden der französischen Staatsmänner gel­tend gemacht wurde. Unter ihm erfolgte aber auch der Umfall. Die britischen Konserva­tiven, die nach wenigen Wochen die neue Re­gierung bilden werden, sind keine Freunde Deutschlands. Im Wahlkampf warf Bald­win seinem Gegner Macdonald vor, er betreibe die Interessen der Deutschen und der Rusten. Lagesschlagworte und Wahlparolen sollte man jedoch nicht allzu ernst nehmen. So wenig Bald­wins künftige Politik von einer (nicht vorhan­denen) Liebe zu Deutschland dikttert sein wird, so wenig wird er die Schaukelpolitik des Schwätzers Lloyd George und die etwas rudmeife sich vollziehenden staatsmännischen Er- zerzitien Macdonalds nachabmen. Da wir Deutschen vorläufig keine Aussicht haben, daß man unsere Interessen aus Freundschaft und Wohlwollerc fördert, so müssen und können wir uns damit begnügen, dah man uns aus egoisti­schen Beweggründen gewisse Daseinsmöglich­keiten offen hält. Dab sich der Wunsch und die Hoffnung der Anhänger Poincares erfüllen wird, dah der in England zutage getretene Ruck

nach rechts sich bald auch in Frankreich einstellen wird, muh entschieden bezweifelt werden.

Die Auswirkung -er Wahlen.

London, 30. Oh. (WTD. Funkspruch.) Macdonald ist gestern nach Downing-Street zurückgekehrt. Dach demDaily Chrv- nicle hatte er gestern eine Besprechung mit meh­reren seiner Kollegen, insbesondere mit C Ihn es und Henderson. Heute wird eine Kabi­netts-Sitzung stattfinden, in der über die nächsten Schritte der Regierung beraten werden soll.Daily Chroniclc" will wissen, dah Mac­donald fürdensofortigen Rücktritt ein* treten werde. In diesem Falle dürste er um eine Audienz beim König nachsuchen und sei­nen Rücktrttt einreichen. Der König dürfte dann den Konservativen D a l d w i n, als den Führer der größten Partei, zu sich bitten. Baldwin würde dann mit der Bildung deS neuen Kabinetts be­auftragt werden. Dies dürfte sich ohne beson­dere Schwierigkeiten vollziehen. Es ist anzuneh­men, dah eine Reihe früherer Mitar­beiter von Lloyd George in das uni* onistifche Kabinett Eintreten, in erster Linie Austen Chamberlain, Sir Robert Horne und Lord Birkenhead. Don Lord Balfour fei gleichfalls die Rede, doch wird Balfour wegen feines hohen Alters wahrschein­lich nicht aktiv an der Kabinettsbildung mitwir­ken können. Chamberlain hat die größten Chancen, Anter st aatssekretär im Fo­re i g n Office zu werden. Als Schahkanz* l e r wird allgemein Sir Robert Horne genannt.

*

Auch das neue Kabinett unter Baldwin wird sich vor eine Reihe verwickelter Pro­bleme g e ft e II t sehen. Es ist noch ungewiß, ob und wann die Kvnfervattven die heutige Ar- beitdlofenfrage und die Frage des heimi­schen Jndustrieschuhes vor dem Parlament auf rollen werden. Auch der Vertrag mit Sowjetruhland dürfte der neuen Regierung Schwierigkeiten bereiten, da die Opposition immer­hin stark genug bleibt und Macdonald nach wie vor auf dem Standpunkt steht, dah die Ratifikation deS Vertrags für England von ausschlaggeben­der Bedeutung sei. Baldwin wird gezwungen fern, entgegen feiner Ueberzeugung eine Verstän­digung mit Ruhland zu suchen, die sich möglicherweise nur auf das wirtschaftli ch e Gebiet erstrecken wird. Man darf gespannt fein, welche Stellung die Konservativen zum Völker­bund einnehmen werden. Die für das Imperium von Baldwins Anhängern erstrebte Anabhängig­keit dürfte mit der Dölkerbundsidse schwer in Ein­klang zu bringen fern.

Das bisherige amtliche Wahl­ergebnis.

London, 30. Oft. (WTD.) Am 9 Ahr abends waren folgende Dahlresultate bekannt: Konservative 393, Arbeiterpartei* I c r 149, Liberale 40, Wilde 13 Sitze, dar­unter 1 Kommunist. Damit fehlen noch 20 Ergeb­nisse von insgesamt 615 Mandaten. Die reinen Gewinne der Konservativen betragen 149, die rei­nen Verluste der Arbetterpartei 40, der Libe­ralen 110. Die Konservativen haben jetzt d i e u n - geheure Mehrheit von 191 Manda­ten über alle anderen Parteien zusammen. Eine derartige Mehrheit ist feit dem großen libera­len Wahlsiege des Jahres 1906, wo 376 Liberale gewählt wurden, nicht mehr dagewesen. Kein Mit­glied des Arbeiterkabinetts ist bei der Wahl uy< terlegen.

Asquith und Macdonald über das Wahlergebnis.

London, 31. Oft. (TA.) Asquith be­zeichnet sämtliche Gerüchte, dah er wegen seiner Wahlniederlage aus dem poli i'chen Leben aus- zuscheiden gedenke, als erfunden Die Liberalen, so fügte er hinzu, sind keineswegs ent­mutigt. Sie nehmen das Urteil der Ration in sportlichem Geiste und als wahre Drien hin. Macdonald erklärte, seine Partei habe es mit einer reaktionären Beweg ung zu tun gehabt, die gegenwärtig ihren Höhe­punkt erreicht habe. Er fügte hinzu: Aber wir erwarten die Feinde festen Fuhes. Mögen sie kommen.

Er wurde bei seiner Abreise aus seinem Wahl­kreis nach London von einer groben Men­schenmenge stürmisch begrüht. Auf wiederholte Aufforderung hielt er eine kurze Ansprache, in der er sehr bedauerte, dah die Arbeiterpartei einen Sitz in Cardiff verloren habe und dah die Eroberung zweier anderer Sitze nicht gelungen fei. Wenn man jedoch die Tatsache betrachte, dah im ganzen Lande die Arbeiter­partei 5 Millionen Stimmen erhallen habe, w bebaute dies ein Zeichen für die Macht der Ar­beiterpartei. Er beneide die konservative Partei nicht um die großen Ausgaben, die sie in An­betracht der Gage des Landes und der allgemeinen politischen und wrrtschaftlichen Derhältnisie zu lösen haben werde.

Das Schicksal der Liberalen.

Paris, 30. Oft. (WD.) Zu dem (Srgebniä der englischen Wahlen schreibt derTemps : Was besonders btt dem Ergebnis die er Wah'en überrascht, ist die Diederlage der Libe­

ralen: die liberale Pariei ist das Opfer ihrer eigenen Fehler geworden. Dach- Dem sie allzu entgegenkommend die Arbeiier» regicrung unterstützte und es ihr erm.g.l j)tc, sich wählend 10 Monaten zu halten, sind Die Libe­ralen nun augenscheinlich durch den Wahl- feldzug überrascht worden. Auf jeden Fall wird die liberale Partei im engli chen Par­lament nur noch eine Minder he itspar» t e i sein, die keine Hoffnung mehr hat, aus eigener Kraft von nun ix.i zu regieren. Atzter sich gespalten, da die von Asquith folgen, wahrend die anderen Lloyd George und feiner Entwicklung nach einem verjüngten Unionismus nachgehen, andre sich mit Winston Churchill, dem Dertte er der gemähig en Konservativen berbüntet Huben, haben die Li c- ralen sich ihr Glück an dem Tag verscherzt, an dem sie ihre Einheit verloren hader In den gegenwärtigen sozialen Kämpfen läuft die liberale Partei Gesah., sich zu verflüchtigen und zu verschwinden, wenn sie sich nicht enjajei- bet, offen Stellung zu nehmen zw sehen denen, die die bestehende Ordnung verteidigen wollen und denen, die sie durch einen Reformismus zer­stören wollen, der durch seine Methoden und durch seine Wirkung ebenso gefährlich ist wie die Gewalt selbst.

Die Konservativen über ihren Sieg.

London, 31. Oft. (WTB. Funkspruch.) Die konservative Presse feiert den unerwartet großen Wahlerfolg der Konservativen als Sieg über den Sozialismus, betont jedoch, baf) die Gefahr angesichts der Zunahme der sozia­listischen Stimmen keineswegs beseitigt fei. Time s" schreibt, der konservative Sieg fei für den Augenblick wohl entscheidend, es würde aber ein großer Irrtum fein, wenn die Sieger sich einbildeten, dah die Gefahr gänzlich be­seitigt fei oder daß sie etwa auf lange Zeit von dem Sozialismus und seinen Gegnern und Anhängern im Auslande nicht mehr behelligt werden würden. Die Arbeiterpartei bleibe nicht nur die nächststärkste im Unterhaus, sie habe auch ihre Anhänger im Lande zu­sammengehalten.

Die Abstimmung zeige, dah die Diederlage der Arbeiterpartei nicht auf ein Dachlassen ihrer Energie und ihrer Disziplin zurüchuführen fei. Sie sei rächt geschlagen worden, weil sie es weniger gut gemacht hätte, wie bei den letzten Wahlen, sondern weil es die Konservativen viel besser getan hätten, als sie. Der Energie und der Organisation auf feiten des Sozialismus müsse entgegengetreten werden, und zwar mit nicht geringerer Energie und Organisation von feilen ferner Gegner. Für Deutrale gäbe es in diesem Kampfe keinen Platz.Times" erklärt Wetter, die Wahlen seien unter Umständen abgehalten worden, die für die Liberalen besonders ungünstig gewesen seien.

Aufnahme des Wahl­ergebnisses in Frankreich.

Paris, 31. Oft. (TU.) 5kr überwältigende Sieg der englischen Konservativen, die, wie nun­mehr feststeht, im neuen Parlament die absolute Mehrheit haben, bildet hier das Gespräch des Tages. Während die Opposition aus ihrer Genugtuung über den Erfolg der Unionifle.t keinen Hehl macht und bereits alle Anstalten trifft, die neuentstandene Situation politisch aus- zunuhen, verraten die den Linkskartellen nahestehenden Kreise unverkennbar Bedrückt­heit. Es ist bezeichnend, dah in politischen Kreisen heute die Möglichkeit erörtert wird, dah das Kabinett Herriot im Lause der näch­sten Monate angesichts der Ereignisse in Groß­britannien einem anderen Kabinett Platz machen wird, das gleichfalls der radi­kalen Partei entnommen, aber ein wenig nach rechts orientiert sein würde. Eine politisch dem Quai d'Orsay nahestehende Per- sönl.chkeit vertrat den Standpunft, dah die eng­lischen Wahlen, insbesondere im Zusammenhang mit den amerikanischen Präsident­schaftswahlen, aller Wahrscheinlichkeit nach den amerikanischen Republikanern einen qrohe.-r Erfolg bringen werden, der einschneidende Folgen auf dem gesamten Gebiet der internationalen Politik nach sich ziehen dürfte. Die betreffende Persönlichkeit meint, dah es zur

Bildung einer gemeinsamen englisch-amerikanischen Front gegen die Sowjets

kommen werde. Was die Wiederanknüpfung der französisch-russischen Beziehungen anbefangt, so erklärt man in offiziösen Kreisen, dah der Ausgang des englischen Wahlkampfes an dem Faktum der Anerkennung nichts än­dern könne. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dah. wenn eine neue Regirrung in Frankreich ans Ruder kommt, sie sich tret) ihrer radikal- sozialistischen Einstellung von der Deuirientie-- nmg in der britischen Politik beeinflussen lasien wird.

Allgemein wird angenommen, dah de unio» nistische Regierung so schnell wie möglich zur Einführung der Schutzzölle schreien wird. ,2'OeuDre" unterstreicht die Erfahr, die sich hieraus für den französisch, n Ausfuh handel ergibt. Weiter rechnet man mit der e^-er tischen Durchführung einer grohzrg gen Reichspolitik. Dir meisten Blätter verhehlen sich nicht, dah das

Genfer Abkommen grohe Gefahr läutt. Daß Londoner Abkommen wird daq ge i als gesichert aufgesaht. ^L'Oeuvre drucke «n ausfallender Stelle die Grflävu g ei c; un c a in­ten Konservativen ab. die folgen)aim.> c i l. u et: »Poincarö Hal die ReparationSpläne De .H ? \* servativen Donor Law leichte., Herzens abge- lehnt. Er hat mit Grohbrilan sie t -n de ' F »;e :<-r Ruhrbesetzung eine Gntzw iung he b- f Wenn sie nicht vollständig war, so ist bad nur unser Verdienst getreten.

DerI n t ra n s i g ea n t" schveibt, die Ver­nichtung der Liberalen werde es Baldwin und seinen Freunden erlauben, mit einem weit kla­reren Programm zu regieren, das durch die egoistischen Interessen der Industriellen und Finanzlcute veriündet und inspiriert würde, die dem französisch englischen WirtfchaftS- oerttag wenig günstig gesinnt seien. Diese Leute könnten übrigens die Eile, die Horriol bei der Anerkennung der Sowjelregieruna zur Schau ge­tragen habe, nur so verstehen, dah er denen um Macdonald habe unter die Arme greifen wollen. Man sehe voraus, dah die erste Fühlungnahme zwischen den betden Entente- rnächkn nicht besonders herzlich sein werde. Dic Partie stehe sür He^riot von nun an nicht leicht. Er werde es erleben, dah die Mit­arbeit der Engländer bei dem Londoner Patt sich verflüchtige und nach dieser Richtung foabe Macdonald die Form gewahrt, aber Macdonald werde seine Weigerung mit wenig Zeremonie aussprechen.

Die Anerkennung Rufolanbs.

Frankreich, Russland und der deutsche Militarismus".

Moskau, 31.0«. (TU.) Gestern ist in Moskau ein Bericht Rakowskys aus London leingetroffen, i nbem er seine Ansichten über die Anerkennung Sowjet ruh la nds durch Frankreich äuheri. Ein Hauptgrund für die Anerkennung Sowjetruhlands durch Frankreich sei die lieber- zeugung massgebender Kreise Frankreichs, dah es bei der kleinen Entente nur eine un­genügende Stütze gegenüber dem deutschen Militarismus finde. Die Pe­riode des Pazifismus, die durch die neue Politik der französischen Regierung ein gefettet worden ist, müsse vor allem mit Sowjetruhland rechnen, dessen Stärke von Frankreich anerkannt worden sei. Diese Erkenntnis würde am besten dadurch gekennzeichnet, dah Frankreich gerade in dem Augenblick Ruhland anerkenne, in dem die ^Regierung Macdonald gestürzt sei. Rakowsky erklärt weiter, dah Ruhland in erster Linie Kr edit e gebrauche. Er hoffe, dah es unter günstigeren Bedingungen wie bisher Kredite erhalten werde: jedoch würden die Ver­handlungen langwierig und äuherst schwierig sein. Trotz der schwierigen Finanzlage Frankreichs glaubt er, von ihm langfristige Kredite zu gün­stigen Bedingungen zu erhalten.

Der amerikanische Wahlkamps.

Wahlmüdigkeit.

Deuyork, 31. Oft. (211.) Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten vollrieht sich sehr ruhig. Auch in der sonst so lebhaften letzten Woche vor den Wahlen herrscht nur geringe Wahlpropagand a. Die Straften zeigen daS gewohnte Bild und man merkt nur wenig von der Wahlagitation. Die zahlreichen Redner haben nur wenig Zulaus, so dah im allgemeinen m i t geringer CffiablBeteiligung gerechnet wird. Die politische Stimmung wird durch den Ausgang der englischen Wahlen stark be­einflußt. Man hält die Wahlaussichten für Coolidge, den republikanischen Präsident­schaftskandidaten. für äuherst günstig.

Der Progressist Lafollette hat im-Laufe der letzten Tage immer mehr Anhänger ver­loren, zumal er über keine starke Presse verfügt und auch durch fein Zusammengehen mit den völlig unpopulären Sozialdem - traten von seinen Wahlaussichten stark emgebüht hat. Die Demokraten haben nur in Den Süb­st a a t e n starken Anhang. In Deuyork ist der Ausgang des Wahlkampfes durchaus zweifelhaft, dcch glaubt man, dah die Republikaner hier einen groben Sieg erringen werden, weil der demokratische Gouverneur Smith viele Gegner hat Die auhenpolitischen Fragen spielen in dem Wahlkampf eine völlig nebensäch­liche Rolle, so dah auch das Verhältnis zu Deutschland und zum Völkerbund kaum Erwäh­nung gefunden hat. Der Streit der Parteien Dreht sich lediglich um inner p olilis che Fragen.

Türkische Innenpolitik.

Starke Opposition gegen Mustapha ftemaf Pascha. London, 31. Oft (211.) Bei der letzten Tagung der groben türkischen Dationalveriamm- lang hat sich eine sehr stärkt Opposition gegen die Regierung Kemal Paschas bemerfbar gemacht. Die Führer der Opposition sind haupt­sächlich der ehemalige Ministerpräsident Rouf Dey, General G e f o t Pascha, der frühere Ober kommandierende der 2ruppen in Thrazien, se nrr der ehemalige Gesandte in London und der tür­kische Gesandte in Moskau Sämtlich gehören sie zu den führenden Persönlichkeiten bei politsick-en Lebens. Der jetzigen Regierung wird zur Last gelegt, sie habe in der Frage des Wiederauf^ baue» der Türkei und auch in Der Auhen-