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Nr. 76 viertes Blatt

Arbeiter und Vaterland.

3m Beilage von 3. G. Huch. Berlin-Friedenau, 33i6mar(fTtraße 2 erscheint soeben aus der F^der des früheren Leiters der Sozialdenwkra- tisch«: Parteikorrespontertz und spä­teren Schriftleiters der sozialdem)- kralischon ZeitschriftDer Firn". Arno Franke, ein Kampsbuch: .Der Zerfall der Sozialdemokratie".

Dem hier schon eingehend geaxirölgtcn Buche entnehmen wir folgende Ausführungen:

Der Arbeiter hat fein Datcrlandl" Dieser Sah steht nicht etwa in einer Dutzendbroschüre eines verantwortungslosen Agitators. Rein! Er befindet sich imKommunistischen Manifest". baS als dieGeburtsurkunde" der Sozialdemo­kratie bezeichnet wird, und in der sozialdeinokeati­schen Literatur findet sich feine Zurückweisung Dieses Wortes, das einem ganzen, das dem zahl­reichsten Stande die Freude an seinem Dater- lande nehmen und ihn zur Untre ic gegen das Vaterland verleiten möchte.

Was will nun der Mensch sagen, wenn er von seiner Ration, seinem Dolle, seinem Datec- lande redet? Die Ration ist erweiterte, gestei­gerte Persönlichkeit. Der Einzelmensch ist schwach und in feiner Betätigungsmöglichfeit gehemmt. Seine volle Wirkungskraft findet er nur. wenn er sich an eine Gemeinschaft anlehnen, sich ihre Errungenschaften zu nahe machen und auf ihnen weiteroauen kann. Aber diese Gemcknschast hat für ihn einen solchen Rutzen im Sinne der Ent­wicklung seiner eigenen Persönlichkeit nur dann, wenn er ihr nach Geburts- und Stammesrecht angchört, wenn er in sie hineingeboren ist. wenn «r sich mit ihr nach Abkunft Rasse. Sprache, Lebensgewohnhckt, nach gemeinsamen D)lkeschick- sal. nach Geschichte sund Kultur verbunden fühlt. Um Angehöriger einer Ration zu sein, muh ein Mensch in einen bestimmten Kreis jener Erscheiiwngen hineingeboren sein, «die gen-eratt rn- langes Zusammenleben und'Zu ammenwirlen einer Vielheit gleichgearleter Menschen geschaffen ha­ben die das innerste Wesen ihrer Urheber wider­spiegeln, und die wir Kultur nennen. Er muh in den Besitz dieser Kultur durch Geburtsrecht und in dem Sinne gelangt sein, das) ihii .ferne Abstammung, befähigt, diese Kultur als ein Stück seiner selbst 'n erfassen wie keine andere außer ihr. Er mutt (in sich selbst so geartete Krufts bergen, die allein fbiefe Kultur und keine andere schaffen konnten. Die mechanistisch-staatsrechtliche Auffassung des Rationalen, die Zuiällig'eiten des Geburtsortes und der Staatsangehöri gl eit als wesentlich und entscheidend ansieht, genügt nicht zur Erklärung des Rationalbegrifses. Eine Ration ann nur einmal da sein. Demgemäß kann ein Mensch nur einer Ration angehö en. 3m Spiegel­bild seiner Ration lebt der Mensch sein Leben tausendfach, sieht er seine Anlagen und Kräfte in vollentsprechenden Erscheinungen 'sich verviel­fältigen. kann er die Spur seines kurzen Erden- Weges aus gleichem Boden, aber in zahllosen Richtungen verfolgen. 3n Dem Wirken der Ge- samtnativn erlebt er die Summe der Möglichkeiten, die in seiner Einzelperson umschlossen liegt, um daran teilzunehmen, auf einem seinem Wesen vollentsprechcnden Erbe baut ipr auf, und dec Beistand der Ration verleiht ihm das Dewußt- Ictn. daß sein Werk auch in der Zukunft in einer Eigenar-t sich fort taten wird. Erfüllen kön­nen sich diese Möglichfeilen nur. lveirn eS einer Qtültoit gelingt, ihre Individualität zu festigen, ihre eigene Art ihren besonderen Charakter zu erhalten. Wenn das höchste Glück der Erden-- kinder die Persönlichkeit ist, dann ist auch daS Glück eines Dolles -in dieser Bedingung einge­schlossen. Sich von fremden Einflüssen freizuhalten, ist deshalb eine Lebensfrage für eine Ration. Gerade der Deutsche'kann darauf nicht ernst genug Verwiesen werdest.

Dies führt uns schließlich auf die territoriale Vorstellung, die sich mit dem Rationalbegriff verbindet. Wahrhaft grob. wirklich recht, tat­sächlich kulturträchtig ist mir die Raticn, die ihr Land erlebt. Vaterland! 3n den Linien dei­ner Gebirge, in den weiten Horizonten deiner Ebenen, in dem silbernen Geäder deiner Flüsse und Ströme, d:>n blauen Spiegeln deiner S.en ist das geheimnisvolle Buch aufgezeichnet, das unsere Dichter nur entziffert haben. Auf der Harfe deiner Wälder sind die Töne deiner Musik Zuerst erklungen. Land und Volk, eine Einheit! Rur ein großes Land, das sich ein gleichgeartetes Volk ganz zu eigen gemacht hat, schafft eine große, Lebendiges schaffende und bis in die weite Zeiten greifende Ration!

Run lagen die Sozialisten: Aber die Arbei­ter? Was haben sie von der vielgerühmtert, ge­waltigen deutschen Kultur? Wieviel gehört ihnen von dem herrlichen deutschen Vaterland? Dem­gegenüber ist die Gegenfrage zu stellen: wie wird die soziale Lage des Arbeiters von dem Stande seiner Ration berührt? Die Antwort ist einfach: je höher ein Volk, eine Ration steht, desto besser ist auch die Lage der Arbeiterschaft der be­treffenden Ration. Man braucht den deutschen Arbeitern nur diejenigen seiner Klassengenossen vvrzuführen, die tiefstehenden oder Heron terge- fommenen Rationen angeboren. Welcher deutsche Arbeiter hätte sich mit dem polnischen, tschechi­schen oder italienischen Wanderarbeiter vergli­chen? Was w.rr es denn aber, das dieses ge» toatttge Unterscheidungsmoment zugunsten der deutschen Arbeiter ausmacht? Gan; einfach: der deutsche Arbeiter war (und ist!) das Glied einer »rohen hochstehenden Ration, eines Volkes, dessen Kultur, dessen. Errurdg^schaften auf dorn Gebiete der theoretischen wie der exakten Wissenschaften eln-cm gewaltigen Hochstand erreicht hatten, dessen Aechnik eins weltbeherrschende Rolle spielte. Die­ses Volk konnte natürlich im Rahmen der Kon­kurrenzfähigkeit seiner Industrie dem Arbeiter eine soziale Position bieten, die dem Deutschen von den Arbeitern aller tieferstehenden Rationen .geneidet wurde! Der Unterschied zwischen der Lebenshaltung eines hochbezahlten deutschen Fach­arbeiters und eines polnischen oder italienischen Wanderarbeiters war so groß, daß es schwer war. in öiefen beiden bis Angehörigen ebner und derselben sozialen Schicht zu erfennen.

So kommen wir au dem Ergebnis, daß gerade sür den wirtschaftlich weniger starfen Menschen ein Vaterland, also die Anlehnung an eine fest- gefügte Ration von noch gröberem Segen ist als für den wirtschaftlich Starken.

Den dem Dernichtungswillen der Feinde werden deutsche Unternehmer und deutsche Ar­beiter gleichermaben bedroht, Unternehmer wie

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Arbeiter befinden sich ihm gegenüber in dem Solidaritätsverhältnis der Abwelxr. Bestehende Interessengegensätze zwischen deutschen Unterneh­mern und «rutschen Arbeitern sind an Bedeutung vollständig zurückgewichen vor dem großen natio­nalen Kamps, den Deutschland heute zu führen hat um seinen Bestand. "Diesen Kampf führt das ganze deutsche Volk. Ein Unterliegen trifft den deutschen Kapitalisten wie den deutschen Arbei­ter. Dieser Kampf ist ein wirtschaftlicher Kampf, der auf politischem Gebiete ausgefochten wird. Das erste E."fordernis m diesem Kampfe ist die völkische Solidarität aller Deutschen. Wer sich dieser völkischen Solidarität widersetzt, vermindert die Aussichten, die das deutsche Volk in dem Kampfe hat. vergeht sich an seinem Volke und begeht ein Verbrechen an sich selbst.

Für den deutschen Arbeiter ist jetzt das erste Gebot, seine Gegner nicht zu verwechseln. Sein Gegner ist heute nicht der deutsche Arbeitgeber, der deutsche Kapitalist, nein. feLtrz ©egaer sind jetzt und in weiterer Zukunft die Rutznießer des

Vertrages von Versailles, sind Poincarö und seine Verbündeten, die Deutschland immer mehr dezimieren und seine Lebensquellen verstopfen, und die mit der Besetzung deutscher Industrie­reviere in erster Linie den deutschen Arbeiter treffen und in seinen Lebens Möglichkeiten be­schneiden. Heute. In dem gewaltigen deutschen Existenzkämpfe ist das Soziale zum Rationalen geworden. Schon jetzt können sich die Millionen deutscher Arbeitsloser für ihr Schicksal bei den Ententepolitikern, bei den Schöpfern des Ver­trages von Versailles und den Auslegern dieses Vertrages bedanken!

Für Deutschland ist heute und in fernerer Zukunft das Soziale zum Rationalen geworden! Dceser Grundsatz wird für den deutschen Ar­beiter das grohe Leitmotiv während b< kom­menden Wahlkampfes sein müssen. Denn die Wiedergewinnung seiner sozialen Position ist ab­hängig von der Revision oder Außerwirkung- setzung des Vertrages von Versailles.

Landwirtschaft und Kleingartenbau.

Saat- und Mesenpflege mit Kopfdüngung, Egge und Walze.

Ueber seine Erfahrungen auf diesem Grbiete berichtet der Diplomlandwirt H o c n. Rittergut Pickel, in der BerlinerIllustrler'.e Landwirt­schaftlichen Zeitung" in echt aufschlußreicher Weise Er fd)reibt u. a.:

1. Saatpflege.

Das erste Gerät aus den Wintersaaten tm Frühjahr muh die Walze fe;n. Die hochgefrore- nen Pflanzen sollen eingedruckt und dvr Kluten vrm Herbst zerklellrert weroen. Dann must d:e Düngerstreumaschine folgen, sobald d:e Vegetation erwacht. Die Stärke der Düngung richtet sich nach dem Boden und dem Pflanzenbestande, für alle Fälle gilt aber ine Regel: Wenig und oft He ärmer ein Boden an absorptwnssähigen Tei­len ist, je weniger ist er in der Lage, Pflanzen- nährstrsfe festzuhalten: Rie^e.schlags- und Sieter- wässer führen sie in den Untergrund. Der Land­wirt. der aus diesen Böden 1 Zentner Salpeter oder Ammoniak in einer Gabe gibt, wird in 90 Prozent aller Sille hinter 70 Pund ein Kreuz machen können. Auß.r.em werden die verbrauch­ten 30 Pi und fast nur Stroh liefern, au? d<m einfachen Grunde, weil zur Zeit der Blüte uod Kombilvung kem Stickstoff mehr zur Derfügu ig stand. Ganz andere Erfolge häte er dagegen gehabt mit vier Gaben zu 25 Pund! Auf leich­tem Boden sollte die einmalige Gabe 5 bis 8 Psund reinen Stickstoff pro Morgen nicht über­schreiten,-dafür aber zwei bis drei bis viermal wiederholt werben, je nach Stärke des Geld­beutels. Aus besseren Böden kann sie stärker und weniger ost erfolgen. Zeder Düngung aber sollte, wenn irgend möglich, ein Eggenstrich fol­gen. um die Wirkung zu beschleunigen und die Ausimhung zu erhöhen. Richt emgeeggt, ent­weicht bei längerem Liegen ein Teil des Stick­stoffes in die Luft, so ba[) die Egge hier manchen Zentner Dünger spart, neben der gleichzeitig er­reichten Unkrautbekämpfung (und WasserersparnrS durch Unterbrechung der Kapillarität nach oben). DelvnderS wichtig scheint mir die Egge bei An- v<ndung von Kattstickstofs. wenn längere Trocken­heit aus daS ©treuen folgt. Gin Teil bielaS staubigen Düngers wird immer auf den Blättern liegen bleiben. Durch die Egge aber wird er ab­geschüttelt und in den Boden gebracht, wodurch die Gefahr einer etwaigen Verbrennung durch den hohen Aetzkallgehalt bedeutend vermindert wird. Kalkslickstoss ist im übrigen für leichte und untätige Böden als Kopfdüngung wenig geeignet.

Das Verhalten der einzelnen Fuchtacten gegen das Eggen ist verschieden. Vertragen tun sie es alle, vorausgesetzt. dast die zur kräftigen Weiterentwicklung nötigen Rährstosfe gegeben werden. Weizen kann auf guten Böden mit schweren und schwersten (Sggen bearbeitet werden, bis das Feld.schwarz ist. Roggen ist für leichtere Saateggen bantbar, Gerste eoenso. Hafer ver­trägt etwas mehr wie Roggen. Bei Winterung läßt sich die Egge wohl überall ohne Schwierig­keit antoenben bei Sommerung ist oft die Klee- Einsaat im Wege. Hier ist dann Vorsicht ge­boten, trotzdem bei genügender Sorgfalt Eggen möglich ist. Die Saat bavf nicht zu flach er­folgen. und das Eggen must geschehen, bevor öie Keime der Einsaat bis zur Oberfläche gelangt sind. Risiko ist jedoch Immer dabei, deshalb ist Klee-Ernsaat eggen nicht jedermanns Sache.

Im allgemeinen kann das Eggen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten erfolgen: vor und nach Ausgang der Saat: jedoch immer nur bei trockenem Doc^n. Im ersten Falle wird der Aufgang der Saat erleichtert, was bei seinen Sämereien und Rüben usw. von Wichtigkeit fein kann. Hier must man sich vor zu scharfen und schweren Eggen hüten. Rach dem Ausgang bann man eggen, sobald sich die Pflanzen genügend befestigt haben, was nach 10 bis 14 Tagen schon der Frlt sein kann. Rur bn Hülsenfrüchten must man vorsichtig sein, da die Keime in der Jugend leicht brechen: hier ist die Hackmaschine vvrzuziehen.

Die Egge ist also fast überall zu gebrauchen, und ein vorzügliches Mittel, das llnfraul kurz zu halten. Letzteres kann aber nur geschehen, so­lange das Unfixiut Im Keime liegt, wenn es erst zu sehen ist, ist es meist zu spät. Zwei Regeln nur sind zu beachten: 1. Augen offen I Rezepte gibt es, wie überall in der Landwirtschaft, auch hier nicht. 2. Richt nach hinten sehen! Die besten Pflanzen werden gewist nicht herausgerisien, und wer ängstlich ist. der säe etwas flärfer.

Zusammengesastt istder langen Rede kurzer Sinn": Walzen, sobald der Acker trocken ist Düngen, so früh wie möglich, zwei bis drei bis vier Gaben, die letzte ziemlich spät (in Ab­ständen von ein bis zwei bis drei Wochen): Eggen nach jeder Düngung und wenn es die Unfrautbefömbfung verlangt (ober Hackmaschine bei Hülsenfrüchten).

2. Wiesenpflege.

Auch auf der Wiese must die Walze das erste sein, aus denselben Gründen wie bei der Saat- pflege angegeben. Dann müssen möglichst scharfe Eggen folgen am besten besondere Gliedereggen, bis das MooS verschwunden und die Rarbe ordentlich zerfrutzt ist. Dasselbe sollte sofort nach dem erften Schnitt VjLderholt werd«. Sind tntl

Maulwurfshaufen vorhanden, empfiehlt sich das Ueberzkehen mit einer Schleppe, evtl, aus Wagen- reisen. Auch die Walze sollte nach jebem Schnitt wieder angewandt dxrben, denn eine natürliche Wiese ist nie zu fest.

Ueber die Kopsdüngung der Wiesen mit 6tief» stvsf gehen die Anfichtrn sehr weit auseinander. Die Gründe hierzu sind wohl In der sehr groben Verschiedenheit unserer Wiesen zu suchen. Ais nassen, sauren und vermoosten Wie er wird sie nie die Erwartungen erfüllen. Hier fehlen eben die Vorbedingung n für eine gute Verwertung bes Stickstoffes. Aus solchen Fläch.n muß also Entwässerung und Kalla ig der Düng cng voran­gehen und die Moosnarbe durch hartnäckiges Bearbeiten entfernt werden. Dann erst Eann man von der Möglichkeit eines Erfolges der Stickstosf- düngung sprechen. Allerdings auch erst unter ber Vrraussetzung, dast leichtlösliche Dünge nickel in kleineren Gaben gegeben werden. Also Ammoniak und Salpeter. Diee beiden beansprochea die ge­ringste Dakterientätigfeit und sind deshalb am schnellsten aufnahmefähig. 3m er te r Jahre braucht aber auch hier ein Erfolg nicht sichtbar zu fein. Erfahrungsgemäß erfolgt erst eine stärkere Ausbildung der Wurzeln, die den versinkenden Stickstoff in den Unterg.und folgen und sich der stärkeren Rah ungsausnahme a ipa sen. 3m zwei­ten Jahre wird dann allerdings die Wirkung qualitatio und quantitativ sichtbar sein Quali­tativ insofern, als der Prozentsatz der guten Gräser aus Kosten der Qegu nmofen und Sauer- gräfer steigt. Der Bestand an Süßgräsern wird also aus diese Weise von Hahr zu Hahr verbessert und gesteigert.

Kalkstickstoff ist nur auf gutgepflegten Wiesen brauchbar, was sich bei näherer Betrachtung seiner Wirkungsweise leicht erklärt. Der in ihm ent­haltene Stickstoff ist deii Pflanzen erst nach Um­wandlung über Harnstoff in Ammoniak und Sal­peter zugänglich.

3m übrigen gilt für die Wiesen- und Weiden- büngung das für die Saaten schon Gesagte: Wenig, aber oft! Auch die Egge sollte immer folgen: nicht um den Dünger unterzubringen, dem» daS iu4rb doch nicht erreicht, sondern um die Rcnbe zu lodern, von RlooS I reizuhaltLN und die QUaula>ur|6buu|en za zerstören.

Verschimmelte Melasse.

Durch ungeeignete Aufbewahrung Bann Me­lasse schimmelig werden. SS entstehen dann in ihr Produkte, die nicht unbedenklich sind und Dergif- tungserscheinungen Hervorrufen können. Man kann derartige Melasse erhitzen und dadurch bei ge­nügender Einwirkung der Hitze allerdings o-ie Bakterien, nicht aber deren giftige Erzeugnisse, vernichten. Deshalb ist bei der Derfütterung solcher Melasse Vorsicht geboten und eine probeweise Derfütterung mit zunächst kleinen Mengen durch- zuführen. Sollten sich dabei unangenehme Erschei­nungen elnftellen, bann ist es zum Fortwerfen der Melasse immer noch früh genug. Man ver­gegenwärtige sich bei der Verfütterung derMelasse immer, daß ihr Hauptwert in dem hohen Zucker­gehalt. In den Reizwirkungen des Richtzuckers und in ihrem starken Gehalt an mineralischen Stoffen liegt Wie man durch Versuch ermittelt hat. find es eben die sogenannten Richtzuckerstoffe, welche die Melasse für die Fütterung wertvoller als wie reiner Zucker erscheinen lassen. Es ist erwiesen, das) der Zucker, der in Form von Melasse gereicht wird, in der Regel mehr Fett erzeugt und günstiger auf den Stoffwechsel ein­wirkt, als wenn dieselbe Menge in Form von reinem Rohzucker geboten wird. Die Mineral - stofte der Melasse sind bekanntlich reich an Kall, das immerhin bei großen Mengen eine störende Wirkung auf die Herztätigkeit des Tieres aus- üben kann, aber auch zum größten Teil wieder ausgefchieden wird und den Dung nicht uner­heblich mit Kali anreichert. Unter Derücksichck- gung dieser Punkte bewahre man einmal die Me­lasse derartig auf, daß sie nicht verdirbt, und zum andern verfuttere man sie rationell, beginne Immer erst mit kleinen Gaben und gehe bann allmählich zu größeren über. Man kann un­gefähr auf je zehn Zentner Lebendgewicht von reiner grüner Melasse verfüttern: bei Pferden zwei bis drei Pfund, Zugochsen drei bis vier, Kühen etwa zwei, Schafen und Mastrindern drei bis vier und Schweinen vier bis fünf Pfund Sollte die Melasse mit einem andern Futtermittel zu gleichen Teilen vermischt sein, wird man von diesem Mischfutter die doppelte Menge wie oben angegeben, verabfolgen.

Jur Warnung.

Mehrfachen Anfragen nach zu schließen, trei­ben Hausierer mit Obstbäumen, Beerensträuchern, Rosen und Sämereien ihr Wesen. Ob die Ware gut oder schlecht sei, soll dahingestellt bleiben, es sei aber darauf hingewiesen, daß Baumschul­artikel und Sämereien Vertrauenssache sind. Der Hausierer, dessen Ramen man nicht einmal kennt, hat nur Interesse daran, seine Ware sobald wie möglich los zu werden. Ob die Wurzeln durch Trockenheit oder Frost gelitten haben, ober ob die gekauften Sorten echt sind, merkt der Käufer zu seinem Schaden erst dann, wenn es zu spät ist. Wer Bedarf an solchen Dingen hat, wende sich an eine Gärtneret ober Samenhandlung, bereu

Samstag, 29. März 192$

Ruf ihm Gewähr für reelle Bedienung bietet Rirgends rächt sich falsche Sparsamkeit mehr, als auf dem Gebiete des Gartenbaues.

Fragekasten.

Frage 9. 3ch habe einen Garten im Zustands ber Derwahrlcsung übernommen, dessen Boden durch Unkrautsamen verunreinigt ist Der Frost hat die Ausführung des beabsichtigten Rigolens verzögert Ist es jetzt noch Zeit, und was ist dabei zu beachten?

Antwort: Obgleich das Rigolen eine Herbsp und Wintcrarbeit ist, weil sich dann dre Erde bis Aum Frühjahr genügend setzen Bann, sollte man es doch nicht weiter aufschieben. Die Unmengen von Unkrautsamen, die in einem solchen Garten im Boden stecken. Infeltenbrut und Krankheits- kcime aller Art, besonders die Erreger der Kohl» Hencke, jene gefürchtete Kropfkrankheit der Kohl- gemüse, die in manchen Gärten die Ernte in Frage stellen, werden durch Rigolen unschädlich gemacht, der Boden wird auf Zähre hinaus besser durchlüftet, seine natürlichen Rährstoffs besser aufgeschlossen und die Sünden, welche durch Richtbeachtung der Fruchtfolge begangen wur­den, werden ausgeglichen. Die Wurzeln können sich in der tiefgelockerten Erde toelter ausbreiten, was sich durch üppigeres und gesünderes Wachs­tum landgibt, kurz, die Arbeit macht sich be* zahlt und sollte, wo man tief wurzelnde Gemüse, wi? z. B. Schwarzwurzeln, baut, regelmäßig aus­geführt werden. Ueber die Ausführung sei fol­gendes bemerkt: Am Anfang der zu rigolenden Fläche wird nach der Schnur ein zwei Spaten­stich tiefer und 70 cm breiter Graben ausge­hoben, dessen Erde an das andere Ende gekarrt und dort zu einem Damm aufgeschichtet wird. Hierauf hebt man daneben einen zweiten Graben aus, dessen Aushub in den ersten Graben, das vberft zu anterst, kommt und so fort, bis der letzte Graben mit der Erde des ersten Grabens aus- gefüllt wird. In Fällen, wo der Untergrund aus sehr schlechtem Tonboden, sog. Hungerboden, oder aus reinem Kies besteht, würde dabei soviel toter Boden obenauf kommen, daß man eine Reihe von Hahren wenig ernten könnte. Hfer fährt man auch vom zweiten Graben die obere Erdschicht an das andere Ende. Dann erst kommt die untere Bodenschicht von Graben zwei In Gra­ben eins und die obere Grde von Graben drei ebenfalls im Graben ems. obenauf. Auf >.iese Weise bleibt die fruchtbare Kulturschicht, allerdings mit Unkraut- und Schädlingsbrut, oben. Der Unter« gründ wird aber gelockert und läßt sich später beim Umgraben mühelos mit der oberen Schicht vermischen, die Wurzeln besitzen die Möglichkeit, in größere Tiefe zu bringen und widerstehen an­haltender Trockenheit ungleich besser.

Frage 10. Meine anderthalb Meter hohe, zwanzigjährige Zimmerpalme ist, ohne daß sie gelb geworden wäre, plötzlich abgestorben. WaS kann die Ursache sein?

Antwort: Anfragen dieser Art sind gegen« toärtig besonders häufig. In den allermeisten Fallen ist unvorsichtiges Lüften des Zimmers die Ursache. Solange die Außentemperatur unter 0 Grad ist, müssen Zimmer Palmen, bevor man die Fenster öffnet, in einen anderen, erwärmten Raum gebracht werden. Einige wenige Minuten dem Frost ausgesetzte Palmen, besonders Kentien, sind rettungslos verloren.

Dermischtes.

Schwimmende Inseln" für den Luftverkehr.

Französische und spanische Ingenieure arbei­ten jetzt an dem Plan, den regelmäßigen Flug­verkehr, der zwischen Toulouse' in Südfrankreich und Casablanca in Rord-Afrika besteht, zu einem Flugdienst bis nach Südamerika auszudruen. Man beabsichtigt, bei dem Flug über den Ozean .schwimmende Inseln" als Stationen für die Flugzeuge zu verwenden: es sollen dies riesige Flöße fein, auf denen sich Flug^ughallen, Benzin- lager und sogar Hotels befinden und die mitten im Ozean verankert werden. Der Luftverkehr von Soulmife nach Casablanca, der über Barce­lona, Malaga führt und im vergangenen Jahr 1600 Passagiere sowie 3V? Million Briefe be­fördere, wird bis nach Dakar im Senegalgebiet ausgedehnt. Dann muß man vorläufig über den Atlantischen Ozmn einen Dampferdienst zu Hilfe rejmen, der zwischen Dakar und Pernambuco ver­kehrt. Die Reife von Pernambuco bis Buenos Aires wird wieder im Flugzeug zurückgelegt. Um die ganze Route durch die Luft zurückzulegen, sollen die ..schwimmenden Inseln" geschaffen wer­den, die hoffentlich keine Luftschlösser bleiben.

1874

1924

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