Einzelbild herunterladen

Samstag, 28. Juni 1924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. (50 Zweites Blatt

Der Versailler Vertrag im Urteile von Ausländern.

Don Dr. Edzard Friese.

3m Verlag von Georg Stilke-Derlin erschien eine Schrift, die betitelt istDas Friedenstoerk von Paris und die Rot der Völker" und die die Vorträge enthält, die bei der internationalen Kundgebung in der Aula der Berliner Universität am 26. Februar ds. Is. vor allem von Aus- ländern gehalten worden sind. Wenn auch die Redner nicht zu den offiziellen Persönlichkeiten gehörten, so ist doch in ihren Ausführungen d i e öffentlicheMeinungderWelt und wohl auch die wirkliche, wenn auch nicht offen ausge­sprochene Ansicht der offiziellen Kreise zum Aus­druck gekommen. Die Kundgebung, die von Tho­mas Hall, dem einzigen amerikanischen Professor, der zur Zeit an einer deutschen Hoch­schule lehrt, veranstaltet war und in der dreizehn verschiedene Ausländer im Ramen von mehr als dreißig Ländern daS Wort ergriffen, verfolgte den Zweck, zu hem Versailler Vertrag Stellung zu nehmen, auf die durch ihn verursachte Rot der Völker hinzuweisen und seine Revision zu fordern. Es soll hier nur auf einige be­sonders markante älrteile hingewiesen werden, die in dieser für die deutsche Sache hochbedeutsamen und von der deutschen Presse bislang bei weitem nicht ihrer Bedeutung entsprechend gewürdigten Versammlung über den Versailler Vertrag ge­fällt wurden.

Der Einberufer der Versammlung, Thomas Hall aus Amerika, verwarf in seiner Rede aufs schärfstedas auf nackter Gewalt beruhende Versailler Diktat", durch das den Franzosen und Belgiern, die aus eigener Kraft nicht zu siegen wußten, jetzt die ganze Macht in die Hände gespielt sei, das aber auch die Siegerstaaten nicht glücklich gemacht und bewirkt habe, daß Frankreich außer einigen gekauften Liebhabern keinen Freund mehr auf der Welt habe. Hall richtete an Frankreich die dringende Mahnung, seine Politik zu ändern, und forderte die anwesenden Ausländer auf, in ihren Heimat­ländern die Männer, die die große Politik machen, zu veranlassen, die Ketten der Friedensverträge zu zerbrechen. Herr Wenzel Franke-Mülle aus Holland legte dar, wie Holland seit dem Friedensschluh unter der französischen Politik ge­litten habe. Er wies darauf hin, daß Frankreich jetzt versuche, Holland den Zugang zum Rhein wegzunehmen, auf den es doch un­bedingt angewiesen sei, und daß es, besonders feit dem Ruhreinbruch, in seinem ßantc sehr viele Arbeitslose gebe. Auch berühre, wie er hervorhob, der Versailler Vertrag Holland, das als die Heimat von Hugo de Grot und Spinoza für Völkerrecht und Menschenrecht ein besonders feines Empfinden habe und das für viele Jahrhunderte lang der Hort der Frei­heit war, aus das schmerzlichste.Holländische Journalisten", so schloß er,waren an der Ruhr, am Rhein und in der Pfalz und sahen mit In­grimm und Abscheu, wie schwarze und kafse> braune Barbaren dort ein weißes lDolk knechten. Daher weg und nieder mit dem Pariser Kriegsdiktat."

Der Japaner Shigenori Ikeda nannte dieses Pariser Diktat ein Werk, das Feh­ler aufweise, die man dem jüngsten Anfänger nicht verzeihen würde. Die ganze Erbärmlichkeit dieses zusammengeschusterten Machwcris H it en die seitdem jedes halbe Jahr stattfindenden Welt- konferenzen gezeigt, von denen keine eine wirk­liche Besserung gebracht habe. Einzige Hilfe sei die Beseisigung und Revision,des Versailler Ver­trages.

Der Vertreter von Spanien und Spa­nisch-Amerika, H. de la Cscosura. cr- klärte u. a.:Lüge, Falschheit, künstlich gezüchte­ter Haß und Habgier sind die Kräfte, die den Versailler Vertrag zustande g.bracht f> ben und Mangel an allem, Hungersnot, A'beitslo.igkeit, Zuchtlosigkeit bedrohen die Menschheit mit dem Untergang der zivilisierten Welt." Die geistige, wirtschaftliche und politische Vernichtung eines Kolosses, wie es Zentraleuropa war u d ist, wo sich die ganze Welt Weisheit geholt hat, sei ein Verbrechen gegen die Zivilisa­tion. Die Bajonette der ganzen Welt seien nicht imstande, die Werke von Goethe und Schl er, von Beethoven und Mozart, von Ka^t und Helm­holtz bis zu denen der Gelehrten der neuesten Zeit zu Werken von Hunnen und Barbaren zu stem­peln. Tie ganze Menschh.it müsse regen die du ch die Pariser Verträge in juristische Form gekl.idcle Lüge und Habgier in ihrem eigensten Interesse Einspruch erheben.

Der Chinese Pi Ling gab zu, daß die Selbstsucht ja leider noch immer für viele Staa­ten die Triebfeder, daß aber ein so hoher Grad von Selb st sucht, wie er in den Ver­trägen zum Ausdruck komme, für das in Europa des 20. Jahrhunderts sehr beschämend sei.

Ungarische Rhapsodie.

Satire von Siegfried Kadner.

Der ehemalige Rittergutsbesitzer Herr Dela von Ragh-Körös erzählt in einen Wiener Kaffee­haus seine Revolutionserlebnissei in gesättigter Behaglichkeit berichtet er seinem Freunde Ianos von Miklos-Dasarhely folgendes:

Loh dir sogn, ich biü ein großer Fraind von Revolution. Gerechtigkeit muß sein, k^rem. Also paß auf, grade heute vor fünf Jahren sitz ich in Ragh-Körös bei Frühstück, frugal und ain- foch, wie es sich gehört in sotchenen Zaiten, bissl Lachs, bissl Kaviar, Tafelhonig. Paprikaschnihel, Flaschel guten, alten Tokaier Ain ganzes Haufen Post war da. Aber les ich nix. Denn wozu? Aergert sich nur der Mensch. Schreibt sich Schu­ster fünfhundert Gulden, Schneider fünfhundert Gulden, Wcinhandler tausend Gulden, zweite Hy­pothek, dritte Hypothek, vierte Hypothek, wos waiß ich? Les ich nix, schmeiß ich in Papierkvrb, Ainfochhait halber, älnd Zaitungen, aber bitte, steht eh nix drin als wos lauter Gemainhaiten. Hät. Also ich frühstück frugal und ainfoch.

Auf ainmol kommt der Joseph mit ibber und ibber rotem Kopf. .Euer Gnaden' sagt er, ,es is aner do.' ,So,' sog ich, ,ist es ain Herr oder aine Dame?' ,Rein.' sogt er, ,es is kain Herr und käme Dame, es is ain Kerl, ein svlchener.'

«Alsdann ist es der Vailchenfeld und kündigt faine Hypothek '

Der Rorweger Victor Mogens be­merkte, daß die Grundlagedes Friedensvertrages die heuchlerische Lüge sei, daß die Mittel­mächte aus schierem älebermut diefriedliebenden" Länder Serbien, Frankreich und Rußland ohne Grund plötzlich überfallen hätten. Es sei uner­hört, daß in einem einseitigen Verfahren, das die Rechtsbegriffe aller Zeiten und Völker kränke, indem dieselbe Person Partei, Kläger, Zeuge und .Richter in einer Person war, die Alleinschuld Deutschlands am Kriege ausgesprochen und durch die Drohung mit der Fortsetzung der Hunger­blockade, die die Tortur im Mittelalter und alle heidnischen Greuel in den Schatten stelle, die Unterzeichnung des Vertrages erzwungen wurde. Er hoffe aber, daß die wirklich unparteiische äln- tersuchung der Kriegsschuldlüge durch die Rechts- gelehcten der neutralen und unbeteiligten Staaten Rvrwegen, Holland und der Schweiz zur Fest­stellung der älnschuld Deutschlands und damit zu einer Revision der Verträge führe, an der die Reutralen daS größte Interessen hätten.

Der Vertreter Englands, R. de Cvux Steevens, nannte den Versailler Vertrag den abscheulich st en Vertrag aller Zeiten, den dessen Vater, Lloyd George, jetzt gern ver­leugnen möchte. Seine Revision sei auch im In­teresse Englands notwendig, auf das das äln- heil jenes Vertrages jetzt nicht weniger zucück- falle als auf die anderen Staaten, ©ieie: Revision könne aber nur erreicht werden, wenn das Fundament beseitigt werde, auf dem der Vertrag beruht; das sei der Artikel 231, der von Deutschlands Alleinschuld am Kriege handelt. Es zeuge von sehr wenig Einsicht der deutschen Regierungen seit der Re­volution, daß siesichnochimmernicht mit aller Kraft gegen die Schuldlüge eingesetzt haben.Die Frage nach der Kriegsschuw muß in den breitesten Kreisen auf» gerollt werden und eine Revolution in den Köpfen dec Völker aller Länder Hervorrufen. Der Spruch, die dunkelste Stunde ist die vor der Morgen­dämmerung, soll uns trotz der Rot des Augen­blicks die Hoffnung auf eine baldige Besserung geben."

Ich glaube, daß das Wenige, das ich hier­aus den Reden, die in der Berliner Versammlung gehalten wurden, anführen konnte, genügt, um zu zeigen, daß von allen Kundgebungen, die bis­lang gegen den Versailler Vertrag veranstaltet wurden, diese die für uns Deutsche bedeutsamste gewesen ist. Aus ihr erkennt man, daß die ganze Welt mehr und mehr die Lüge von Versallles durchschaut und daß der Rorweger Victor Mogens Recht hatte, wenn er am Schluß seiner Rede sagte:Die Wahrheit ist auf dem Mar che, nichts wird sie aushalten." Diese Reden sollten von jedem Deutschen gelesen werden; Gelegenheit da­zu ist jetzt, wo sie gesammelt in Buchform vor­liegen, gegeben.

Prof. D. Dr. Schian.

In den nächsten Tagen wird der ordentliche Professor an unserer Landes-Universität Dr. theol. et Phil. D. Schian unsere Stadt und das Hessen­land verlassen, um einem ehrenvollen Rus als Generalsuperintendent für Schlesien mit dem Amtssitz in Breslau zu folgen. Das Scheiden die­ses Mannes aus dem geiftigen und öffentlichen Leben unserer Stadt und Hessens bedeutet mehr als sonst ein Weggang eines in seinem Fache hervorragenden Gelehrten und an sichtbarer Stelle wirkenden Mitbürgers; hier ist es für ganz Hes­sen der Verlust einer Persönlichkeit, deren Gel­tung und Auswirkung weit über das Durchschnitts- mah hinausreichte.

Martin Schian, bisher Pfarrer in Breslau und Privatdozcnt der Theologie an der dortlgen älniversität, wurde am 1. April 1908 als ordent­licher Professor für praktische Theologie als Rach­folger von Paul Drews an die hiesige Landes- Llniversität berufen. Er übernahm von seinem Vor­gänger als Lehrer, Forscher und Prediger eine reiche Erbschaft, die er in den 16 Jahren seiner Gießener Wirksamkeit sorgfältig gepflegt und ge­mehrt hat. Erstaunliche Arbeitskraft, tiefgründiges, ausgebreitetes gelehrtes Wessen, das sich auf alle Zweige der Theologie erstreckt, genaue Kenntnis der besonderen Art der großen Konfessionskirchen wie auch der verschiedensten Sekten, verbunden mit lebendigem Verständnis für die Probleme der Gegenwart, all das setzte ihn in den Stand, als Hochschullehrer nicht nur die mit seinem Lehrauftrag unmittelbar zusammenhängenden Ge­biete, sondern auch das weitschichtige Gebiet der sog. Kvnfessionskunde in seinen Vorlesungen zu behandeln. Besonders wertooll war es für die Stu­dierenden. daß er sich mit der Theorie nicht be­gnügte, sondern öfter mit ihnen einen Ausflug nach Frankfurt unternahm, um ihnen dort Ein­sicht in das Leben der Sekten zu verschaffen. Al- trefflicher Kenner der neuesten Literatur hat er ge­legentlich auch eine für dje Allcemeinhcit bestimm e Vorlesung überDas religiöse Moment im mo­dernen Roman" gehalten. Auch als Forscher

pmmbkwmmnum 11 am »LawrmaM

,Rain, Euer Gnaden, der Vailchenfeld is es nicht.'

.Alsdann schmaeß ihn raus!'

.Euer Gnaden,' stottert Her Joseph, ,es wird sich nicht machen lassen, der Fallot hat at i Auto bei sich, zehn Mann und zwai Maschinengcwerr, drunten aus Hoss.'

Also, was soll ich dir fogn? Richtig steht auf dem Hof ain Auto mit ain, zwai Dutzend Kerl, was waiß ich? Hät.

Verflixte Schweinerei I Das kommt davon, wann aner nix in die Zeitung schaut. Kann ich wissen, wos sie machen in Buda-Pest? »Joseph,' sog ich, ,loh ihn rain!'

Muß ich sogn, so schlecht Hot er gar nicht ausgschaut, ain bissl ramponiert, ain bissl ge­braucht war er schon. Erscht hat er ainen Aus­weiszettel herzeigen wollen. Aber wozu lesen? Stimmts, is nicht gut. Stimmts nicht, is auch nicht gut, und Maschinervgewerr stimmt immerr I

.Euer Gnaden, Herr Baron sind kein Baron mehr, indem daß es die Republik verboten hat. Euer Gnaden, Herr Baron müssen marschieren.' So ungefähr fangt dec Mensch also an.

.Kösenem,' sog ich, .belieben sich zu sehen, ain klanes Frühstückeri gefällig, erst dejeunieren, dann dischkurieren, dann marschieren, ülnd Jost ph, schau, daß die Herrn, wos mit der Exzellenz gekommen sein, nix verhungern und verdursten.'

Kerem szerem, hob ich mich mit dec Exzellenz verstanden wirklich gvnz ausgezeichnet. Beim zwai- ten Flascherl hoben wir naie Republik Magyap leben [offen, beim fünften Flascherl Andenken

Pflegte er die verschiedensten Gebiete. Erst unlängst hat er in seinemGrundriß der praktischen Theo­logie" (Gießen, Töpelmann, 1922) ein Handbuch geschaffen, das rafch in die weitesten Kreise drang. Im Auftrag des Deutschen Evangelischen Kir­chenausschusses hatte er im Jahr vorher den ersten umfangreichen Band einer Darstellung derDeut­schen evangelischen Kirche im Weltkriege" ver­öffentlicht. Das Rektorat der älniversi- t führte er in dem schweren Kriegjahr 1916/17, und seitdem hat er seine große Sachkunde durch eifrige Teilnahme an den Arbeiten der Ausschüsse immer wieder in den Dienst der älniversitätsver- waltung gestellt. Wie er als Predige r auf den Kanzeln unserer Kirchen und in den akademischen Gottesdiensten gewirkt hat, wird unserer evangeli­schen Gemeinde dauernd in gutem Gedächtnis blei­ben, ebenso wie er in unermüdlicher Bereitschaft durch Vorträge über mannigfache Gegenstände im besten Sinne aufklärend zu wirken wußte. Sein kirchliches Interesse betätigte er weiter eifrig und erfolgreich als Mitglied des Kirchenvor stan- d e s und des Vorstandes der Südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission, sowie durch seine fürsorgliche Tätigkeit für die hiesige Her­berge zur Heimat. Auch ist er einer der Gründer derKonferenz für evangelische Ge­meindearbeit", die den Zweck hat, die streitenden Richtungen in der Kirche zu praktischer Arbeit zu vereinigen.

Der furchtbare Zusammenbruch unseres Vater­landes im Rovember 1918 und die verheerenden politischen Stürrye der ersten Rachkriegsjahre trieben Prof. Schian aus seiner stillen Gelehrten- und Pr<ä>igerarbeit hinaus in das brausende polr- tische Leben. Ihm war, wie er selbst einmal sagte und wie seine ganze Haltung im politischen Kampfe beweist, die politische Arbeit nicht Selbstzweck, son­dern nur Mittel zum Zweck, zur Wiederaufrich­tung unseres Volkes und Vaterlandes. Dieses hohe Ziel hat er von Anbeginn seiner politischen Tätig­keit «in unbeirrbar gerader Linie verfolgt, und er hat es mit Mitteln erstrebt, die man in gleicher Vornehmheit heutzutage leider nur sehr selten in der politischen Arena findet. Ende 1918 schloß Schian, der bis dahin ohne parteipolitische Bin­dung gewesen war, sich derDeutschenDolks- Partei an, die ihn im Jahve 1920 als ober­hessischer Abgeordneten in den Hessischen Landtag schickte. Dort hat er sich durch seine Ritterlichkeit auch dem schärfsten politischen Gegner gegenüber durch seinen großen Arbeitseifer, seine Beredsam­keit und nicht zuletzt durch seinen guten politischen Instinkt bald eine hervorragende Stellung erwor­ben. Seine Reden und Gedanken wurden vom Landtag und von der Regierung mit großer Auf­merksamkeit angehört, und sie gaben manchen An­laß zu ernster, fruchtbringender Arbeit im Lande. In den kurzen fünf Jahren seiner politischen Be­tätigung hat Schian in der politischen Front­kämpferstellung einen der beachtetsten Plätze ein­genommen. Seine Einwirkung auf das öffentliche Leben war stark. In ganz Hessen fanden seine von tiefstem nationalen Empfinden geleiteten Reden ernste Beachtung und ständig wachsenden Widerhall und ebenso fruchtbar wurde der Boden für besonnene, nationale Wiederaufbauarbeit ge­düngt durch seine vielen Zeitungsartikel,. die er oft auch in den Spalten desGießener Anzeigers" veröffentlichte. Wenn das verantwortungsbewußte, besonnene, unbeirrbar nationale Empfinden heute in der Bevölkerung Hessens einen weit ausgebreite- teren und festeren Boden hat als 1919 und 1920, wo so mancher gute Deutsche und Hesse an un­serem Volke und seinem Wiederaufstieg beinahe verzweifelte, so ist das mit ein hervorragendes Verdienst Schians, dem keine Mühe zu groß war, wenn es galt, irgendwo auf dem Lande oder in einer Stadt das nationale Gewissen der Mitbürger aufzuwecken, zu schärfen, gute Ratschläge zu geben oder mit der Waffe der Kritik, die er aber immer in vornehmster Weise führte, auf Des'erung hin­zuwirken. War der nun von uns Scheidende in derart vielgestaltiger Weise für die gesamtdeut­schen Interessen und die aufbauenden Tendenzen in Hessen bemüht, so stellte er darüber doch dis Be­lange unserer Stadt Gießen und der Landes- älniversitat keinen Augenblick zurück. Daher ist es nur natürlich, daß auch die Stadtverwaltung den Weggang Schians schmerzlich bedauert und daß sie jetzt noch einmal Gelegenheit nahm, durch ein Schreiben des Oberbürgermeisters Keller an Pros. Schian, welches am Sonntag nachmittag bei der Abschiedsfeier für den Scheidenden von Prof. Krausmüller öffentlich verlesen wurde, zum Ausdruck zu bringen, daß er als Landtags­abgeordneterin ausgezeichneter Weise den In­teressen der älninerfität und der Stadt Gießen gedient" hat, und dann am Schlüsse jenes Brie­fes sagt:Für alles das, was Sie so (der Brief würdigt die vielgestaltigen Verdienste Schians in und um Gießen) in vielfältiger Weise der Stadt Gießen und ihrer Bevölkerung gewesen sind, möchte ich Ihnen, hochverehrter Herr Professor, hiermit herzlichsten Dank sagen Bewahren Sie der Stadt Gießen ein treues Gedenken und seien Sie über­zeugt, daß Ihre hervorragende Tätigkeit In der

von gute, ölte Kaiser Ferenz Joseph. Eljen! Bei siebente Flascherl war Exzellenz selig ent­schlummert. Die Herrschaften, wos mit ihm ge­kommen sain, hoben sich inzwischen ferr gut unter­halten im Keller, mit ganzes Fasset ölten Ungar- wein.

.Joseph,' sog ich, ,es hilft nix, wir müssen marschieren.' Und guter, olter Joseph packt Kisten, Koffer und Kasten voller Klaider, Essen, Trinken und Silberzeug; olles in das Auto von der entschlafenen Exzellenz. Ain ferr, ain schöner Wagen! Und der Joseph und ich hoben aine Träne zerdrückt, leb wohl, liebes Ragy-Körös, teure HeimatI Wer soll nun daine Schulden und Hypotheken bezahlen? Wos soll machen der Dail- chenfeld? Untröstlich war ich. Dann sain wir .gefahren. Wos soll ich dir f>gn? Ausgezaichnet ist der Wagen. In drai Stunden waren mir über die Grenze. Drai Wochen später hob ich das Auto verkauft für zehntausend Goldkronen. Wie gejagt, ich hob nix gegen die Revolution. Ich sog selber: Gerächtigkait muß sain."

Der Hund im Sack.

Eine wahre Geschichte von Otto DrattSkoven.

Eines Tages kommt ein Dauer an die Zoll­grenze, die den Freistaat Danzig von Ostpreußen abtrennt. Der Zollbeamte untersucht die in dem Wagen liegenden Sachen und stößt schließlich auf einen Sack, in dem sich etwas Lebendes befindet.

.Was haben Sie darin?'

Stadt Gießen in treuester und dankbarster Erinne­rung verbleiben wird."

Daß die hessischen Parteifreunde Schians seinen Weggang ganz besonders schmerzlich emp­finden, ist erklärlich, denn ihnen war dieser Mann, den sie auch im Zentralvorstand ihrer Partei sahen, ein außerordentlich starker Aktivposten in ihrer politischen Rechnung. Darüber 'hinaus hat oder auch die Allgemeinheit in Hessen und vor­nehmlich in Oberhessen allen Grund, das Scheiden Schians aus unserem Lande zu bedauern, denn er stellte immer in echt vaterländischer Weise das Wohl der Allgemeinheit über die Interessen seiner Partei und hat sich stets als ein selbstloser, vor­bildlicher Diener des Dolksganzen erwiesen.

Die Juni-Miele.

Die Miete für den Monat Juni beträgt 38 v. H. der Friedensmiete. In dieser Summe sind 12 v. H. für laufende, 8 v. H. für große Jnstandssetzungskosten sowie 18 v. H. für Betriebskosten enthalten. Betriebskosten sind (Steu^s, Gebühren und öffentliche Abgaben, also insbesondere Grundsteuern, Kanalbenutzungsge­bühren, Stratzenreinigungsgebühren, Wassergeld, Schornsteinfegergeld, Haftpflichtversicherung, Trep­pen- und Flurbeleuchtung usw. und Derwaltungs- kosten. Wassergeld ist jedoch nur bis zu 2y2 v. H. der Friedensmiete in dem Satz für die Betriebs­kosten enthalten. In denjenigen Gebäuden oder Ge­bäudeteilen, in denen der Verbrauch 2V2 v. H. der Friedensmiete übersteigt, kann die Mehraus­gabe auf die Ruh ungsberechtigten nach den bis­herigen Grundsätzen umgelegt werden.

Richt einbegriffen sind ferner in dem oben ge­nannten Satz für die Betriebskosten die auf Grund der dritten Steuernotverordnung erhobe­nen Sondersteuern des Landes oder der Gemein­den vom bebauten Grundbesitz. Diese sind von dem Grundstücksbesitzer auf die Rutzungsberechtigten umzulegen.

Demzufolge sind zu entrichten:

Monatliche Friedensmiete:

Ounimiete;

Mk.

G.-Mk.

.25

.10

.50

.19

.75

-.29

1

.38

2

.76

3

1.14

31/3

1.27

4.-

1.52

5

1.90

6

2.28

6^/3

2.54

7

2.66

8.

3.04

9.

3.42

10.

3.80

15.

5.70

20

7.60

25.

9.50

30.

11.40

35

13.30

40

1520

45.-

17.10

50

19 00

55-

20 90

60

22 80

65

24.70

70

26 60

75.

28.50

80.

30.40

85

32.30

90.

34.20

95.

36.10

100

38

Die Beträge sind auf volle 10 Pfg. nach oben abzurunden. Ist der genaue ^Betrag der Friedens­miete, beispielsweise 18 50 Mk., in der Tabelle nicht enthalten, so ist der Mietbetrag, wie nachstehend erläutert, durch Zusammenzählung zu ermitteln

Friedensmiete:

10.

8.

.50

18.50 Mk.

Ounimtete:

3.80

3.04

.19

rund 7.10 G.-Mk.

Die Bekämpfung des älngeziefers bei Mensch und Tier ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitspflege. Mit Cuprex gelingt die äln» gezieferbeseittgung schnell, sicher, leicht und uns aufiäQig, sowie ohne gesundheitliche Rachteile. Cuprex ist das wirksamste und beste Mittel gegen Kopfläuse und übertrifft alle bisherigen Mittel, weil es das Ungeziefer samt Eiern (Riffe) mit einem Male vernichtet.

Apotheken und Drogerien halten Cuprex in kleineren und größeren Packungen vorrättg. 443 *c

Einen Hund!"

Der Zollbeamte lacht, der wütende Dauer nimmt schließlich den Sack vom Wagen.

Was wollen Sie mit dem Hund in dem Sack?"

Der Dauer lacht grinsend:Der Hund hat die Tollwut. Ich fahre mit ihm nach Elbing zum Tierarzt, um ihn impfen zu lassen."

Das Lachen des Zollbeamten wird jetzt amt­liche Gravität:Sie müssen den Sack aufmachen und mir den Hund zeigen."

Schön. Mer wenn das Tier ausreiht, müssen Sie die Verantwortung übernehmen."

Der Dauer öffnet den Sack, natürlich stürzt der Hund heraus, und schon ist das ausgewachsene Tier über alle Berge. Beide gucken sich sprach­los an. Der Bauer fängt schließlich an zu schimp­fen und zu fluchen. Der ratlose Zollbeamte redet auf den Bauer ängstlich ein, und schliehllch einigt man sich auf die Möglichkeit, daß der Huich vielleicht in den Hof zurückgelaufen sein könnte. Fluchend fährt der Bauer wieder nach Hause zurück. Rach zwei Stunden rückt der Dauer end­lich wieder an und wird von seinem Zollbeamten ängstlich in Empfang genommen.

Er atmet erleichtert auf. als der Dauer c»n- fangen will, den vollen Sack vom Wagen herun­ter zu nehmen. Er läßt ihn gar nicht dazu kommen, und gibt dem Dauer lachend Be­scheid, daß er passieren körcnte. Schmunzelnd fährt der Dauer ab.

Das Schwein im Sack hat er in Elbing mehr als glänzend verkauft.