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Drittes Blatt

Metzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverheflen)

Samstag, 26. April 1924

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Bedauerlicherweise war die tiefe Kluft Mi-

Di e meisten waren armselige Gestalten, die ent- I schen dem Bürgertum und dem logenannten Prole- weder sich durch die Flucht und durch Versteckt-- | tariat und zwischen Arbeitgeber und Llrbeii-

Zur Psychologie der Cifenbahnunfälle.

Das furchtbare Anglück auf der Gottyardbahn erhalt eine besondere Rote durch die romantische Alpengegend, in der es erfolgte. 3m übrigen aber ist es ein Eisenbähnunfall, wie sie leider immer wieder Vorkommen, solange mit der mensch­lichen Anvollkommen'heit gerechnet werden must. Der Grund für die Katastrophe lag wie bei den meisten Anfällen in einer Abweichung von dem gewöhnlichen Ablauf des Betriebes. Das ge­wöhnliche Gleichmaß war durch die Verspätung des Güterzuges gestört worden, der vor dem Baseler Schnellzug läuft. Solche an und für sich Harmlose Störungen sind in ihren Auswirkungen in den meisten Fällen die Ursachen der Eisen- bahrrkatastrophen. Zu diesem Ergebnis gelangte der amerikanische Eisenbahningenieur Keyes, der sich wohl am eingehendsten mit der Psychologie der Eisenba'hnunfälle beschäftigt hat. Gewiß liegt stets eineFahrlässigkeit" vor: sie ist eine Augen­blicksschwäche des Gehirns, wie sie jeder im täg­lichen Leben an sich beobachten kann, und dies^ Versagen der Aufmerksamkeit oder des Gedächt­nisses wird gewöhnlich durch die Störung im Betriebe ausgelöst. Solange die Dinge von der Alltäglichkeit nicht abweichen, ist die Gefahr für

kehren wollte:Alter Kamerad! Last dich umar­men, du. Deutschester aller Deutschen! Wir wollen Zusammenhalten für ewig ... 3ch war blind dort unten in dem gepriesenen Sonnenlande, ich bin wieder sehend. 3ch war trunken. Hetzt ist mir wie­der frei und klar im Kopfe. 3ch fühle mich stark genug, eine Welt umzustülpen wie einen Hand­schuh! Freund, hast du ins Volk gesehen? Alles flammt in Begeisterung. Wir leben in einer groben Zeit. Wir vollbringen, was Jahrhunderte vor uns nicht vermocht .. . Heute lachen sie (die Gegner Huttens) noch über unsere Ohnmacht, morgen sollen sie vor dem freien, einigen Deutsch­land zittern. Ein deutsches Volk schaffe ich, ein freies deutsches Volk." Sickingen äußert einige Bedenken. Auf das Volk sei wenig Verlast. Hut­ten läht dies nicht gelten:Das Volk muh Teil haben am Werke. Selber muh es sich befreien." Später erscheint Hutten in Worms mit Luther, Zollern und anderen Geistesführern jener Zeil. Zollern sagt zu Hutten:Dein vorwärtsstürmender Geist fehlte uns. Wir sitzen faul auf unseren Re- stern undHutten:Handeln nicht! Deine Hand, Zollern, ich bin entschlossen, das Große zu beginnen. Du wirst mich nicht im Stiche lassen. Mich lüstet es, ein Gericht zu halten über die Henker des Vaterlandes ... Das Alter ist der lästige Hemmschuh. Wir Jungen wollen zu» sammenhalten und eine Zukunft bauen wie einen mächtigen Dom, vor dem die ganze Menschheit staunt und anbetet ... Zollern, du wirst mich ver­stehen, du vielleicht von allen. Befreie deine Seele von auer Kleinlichkeit unserer Zeit... Das heilige römische Reich deutscher Ration geht in Trümmer. Es ersteht ein deutsches Volk von freien Män­nern.

Der Dichter Helfferich stand also auf der Seite Huttens und des Volkes, besonders der unterdrück­ten Dauern. Die Enttäuschungen Huttens sind be­kannt, und in einer Szene mit Sickingen gesteht Hutten niedergedrückt:Was bin ich? Ein Träu- mer, ein leerer Schwärmer, ein Poet! Du Sickin-

Ende März ist de r letzte Truppenteil _ Reichsheerverbände, die fünf Monate vorher tn Sachsen und später in Thüringen -einrückten, in

Mit der Reichsheertruppe durch Sachsen und Thüringen.

Von Oberst a. D. Kleinhans.

halten einer Rachprüftrng ihrer Gesinnung ent­zogen. oder bei ihrer Festnahme aus Sorge, für ihr Verhalten haftbar gemacht zu werd«!, den Anschuldigen spielten. Die Gefolgschaft dieser Leute wird eingesehen haben, dast sie das Opfer von Maulheldentum gewesen ist, das versagte, als zur Tat geschritten werden sollte. 3mmerhin hatten diese Heyer vor dem Erscheinen der Truppe mancherorts einen derartigen Einfluß auf die staatlichen und konnnunalen Verwaltungsbehörden, dast diese sich nicht unparteiisch verhielten und deshalb, vor allem in polizeilicher Beziehung weich, nachgiebig, einseitig und selbst ungesetzlich ihr Derwaltungsamt ausübten. Dast bei einer solchen Verwaltung der Weizen übler Demagogie blühen konnte, war selbstverständlich Der seelische Allgemeinzustand der Bevölkerung war derartig, dast niemand dem andern traute. Gernegroße materieller und auch idealer Richtung und geistig beschränkte Gewaltnaturen drängten sich hervor, und der Einflust kommunistisch eingestellter, meist recht jugendlicher Lehrer ohne jede Lebenserfah­rung leiteten die Jugend in ein Fahrwasser, in dem ihr jeder standfeste Boden fehlte. Es ist in hohem Maße bedauerlich, in welcher unverant­wortlichen Weise junge Menschen geistig rrrege- führt wurden. Aus Riederschriften, die bei Be­schlagnahmungen vvrgefunden wurden und in denen zusammenhanglos ganze Absätze und Schlag­worte aus Marxistischer Literatur mit peinlicher Genauigkeit und Sauberkeit abgeschirieben waren, konnte man ersehen, wie der Fleiß eines jungen Menschen auf falsches und undankbares Gebiet ohne jeden idealen und materiellen Gewinn ge­richtet worden war. Die Eltern solcher jungen Leute waren meist allster sich über die Geistes­verfassung ihres Rachwuchses. Mit welchen ge­radezu lächerlichen Mitteln noch nebenbei gear­beitet wurde, zeigt z. B. auch die Verbreitung der Rachricht, dast zwei Millionen Russen auf dem Marsche nach Dresden wären, um die ein­rückende Reichswehr zu entwaffnen. Solcher An» srnn wurde ernstlich geglaubt. Verteilung von Lebensmitteln, die auf Veranlassung der Regie­rung geschah, wurde auf das Wvhltätigkeitskonto der russischen Sowjetbrüder geschrieben.

Mit dem Eintreffen der Truppe in einer Ortschaft ging auf Grund der Bestimmungen des Ausnahmezustandes die oberste Polizeigewalt auf diese über. 3m allgemein«! gelang es schnell und gut, mit den Ortsbehörden sich zu verständigen, so dast wohl nirgends bedenkliche Hemmungen im Derwaltungsbetrieb entstanden sind. 3m Gegenteil atmete überall die Bevölkerung auf und der Segen kraftvoll geschützter Ordnung mochte sich geltend. Dies konnte man auf den Kommandanturen beobachten, die von Leuten überlaufen wurden, die in bitterer Rot ihr An­liegen^ vertrauensvoll vorbrachten, ohne befürchten zu müssen, auf ihre Parteizugehörigkeit geprüft zu werden. Wo geholfen werden konnte, geschah es. Vieles ging aber über die Befugnisse und die Machtmittel hinaus und konnte leider nicht befriedigt werden.

Ratürlich blieb Angebertum nicht aus. Ge­brauch von den zugetragenen Rachrichten wurde nur gemacht, wenn die Angaben zur Feststellung von Persönlichkeiten und Geschehnissen wertvoll erschienen. Befehlsgemäß muhten Führer und Hetzer der durch den Ausnahmezustand verbotenen politischen Verbände festgenommen werden. So­bald sie gesetzwidrig tätig gewesen waren, kamen sie'in der Regel in Schutzhaft. Mit gewaltsamem Rachdruck wurde nur eingeschritten, wenn Wider­stand geleistet wurde. D»s war aber nur der Fall bei Leuten, die Anbotmästiglistt als Lebens­zweck ansehen und zu den Strasten flegeln ge­hörten. Politisch tätige Persönlichketten ergaben sich in ihr Schicksal und sorgten dafür, dast ihre Hafttage so angenehm wie möglich verliefen. Originell ist der Ausspruch eines Häftlings, der den Wunsch äusterte, so wie im Lager des Truppenübungsplatzes Ohrdruf, wo eine Zeit lang die Schutzhäftlinge untergebracht waren, müßten die Wohnstätten in ganz Deutschland sein. Wenn auch diese Anerkenntnis für die Milttärverwal- tung des alten so verworfenen Regimes sehr schmeichelhaft ist, so zeugt doch die Auffassung von eigenartigem Kulturempfinden. Wo würden wir hinkominen, wenn solche Gleichmacher, die nicht wissen, dast Kultur und Zivilisation aucß dem Geringsten zu Gute kommt, sich an unserer- Kultur vergriffen. Pflicht der Gebildeten ist es, gegen solche, das ganze Menschentum 'hemmende Lebens­auffassung mit allen Mitteln anzukämpfen.

gen, bist der Mann der eisernen Tat. Du bist das Schwert, ich nur das Wort. Mit 3deen und Be­geisterung seht niemand etwas durch in dieser Welt, wenn sie nicht ein mächtiges Schwert re­gieren. Mit Gewalt muh man die Menschen zu dem zwingen, was ihnen taugt." 3m vierten Akt läht der Dichter den Rassau sagen:3n der Diplo­matie gibt es eine Kunst: Zur rechten Zeit lügen und zur rechten Zeitgrobwerde n." Ster­bend übergibt Hutten dem Sickingen seinVer­mächtnis an das deutsche Volk:Schreit es hinaus in die Welt, mein letztes Wort, sie müssen ^s hören!" Zwingli besieht das überreichte Schrrft- stück und liest die Aufschrift: In tyrannos!

Sehr bald hatte man in Sachsen im Gegen- sah später zu Thüringen den Eindruck, dast den Kommunisten, die sich ausgesprochen austerhalb der staatlichen Ordnung stellten, die einheitliche Führung fehlte. Der damaligen sächsischen Re­gierung war es auch nicht in dem Maste wie Thüringen gelungen, die Verwaltungsbehörden erfolgreich linksradikal zu beeinflussen. Die Kom­munistische Organisation hatte mehr den Cha­rakter einer Art Bandenwesen, dem aber auch die geeigneten Leute als Führer fehlten. Aeber- ha-upt waren unter den sogenannten Führern Und den linksradikalen Verwaltungsbeamten in beiden Ländern nur sehr vereinzelt wirkliche Per­sönlichkeiten, die für ihre Aeberzeugung eintraten.

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nist gewesen ist, hat sich die Truppe unbedingt parteilos und zuverlässig erhalten. Die Tage deS Hillerunternehmens waren vielleicht die stärkste Gewissensbelastung der Truppe, die in Sorge kam dast Kamerad gegen Kamerad hätte fechten müssen. Auch diese seelische Belastungsprobe hat die Truppe während der Desahungszeit auSgehalten.

Antor dem Schutz der Besatzung fanden auch die Wahlen zum Thürmger Landtag statt, wozu die verboten gewesenen politischen Verbände wie­der Handlungsfreiheit erhielten. Berechtigte Kla­gen über Wahlbeeinflussung smd nicht erhoben worden. Der Landtag konnte verfassungsmäßig zusammcntreten. Seine Zusammensetzung zeigt, dast dr überwiegende Mehrheit der Wähler auf dem Boden nationaler staattrcher Ordnung steht. Die Betätigung der Reichswehr, die zur Erhal­tung des Staatswohles emgesetzt war, entsprach also auch dem Willen der Bevöllerungsmehrhett. Als äusteres Zeichen dieser Gesinnungsgemein­schaft kann tpohl die ungeheure Menschenmenge angqcfxm werden, die dem letzten Besahungs- truppenteil, der mit klingendem Spiel durch dir Stcasten von Weinrar marschierte, auf seinem CEeg zum Bahnhof das Gelett gab.

Kreditnot in der Landwirtschaft

Die im Reichsverband der deutschen land­wirtschaftlichen Genossenschaften vereinigten Pro­vinzial- und Landeszentralkassen, denen 25 00C Ernzelgenossenschaften angeschlossen sind, mit mehr als 21/2 Millionen Einzelmitgliedern, vorwiegeÄ Landwirte, haben in ihrer Ausschustsihung am 10. April lfd. Jahres folgende Beschlüsse gefaßt:

I. Die von der Rentenbank für die Land­wirtschaft zur Verfügung gestellten Kreditmittel smd, soweit sie über Reichsbank und Preustische Zentralgenossenschaftskasse durch uns den Mit- gliedsgenofsenfchaften zugeführt worden sind, völ­lig unzulänglich und entsprechen bei weitem nicht der der Landwirtschaft für die Rentenban! a-ls Sicherheit auferlegtenG^undschuld. DieZentral- lassen, als Kredit- und Geldausgleichungsstellen der bodenständigen und auf gemeinnütziger Grund­lage arbeitenden Genossenschaften versorgen die angeschlossenen Landwirte, insbesondere den klei­nen und mittleren Grundbesitzer, sowie die gewerb­liche Landbevölkerung mit Kredit und erblicken hierin ihre Hauptaufgabe. Diese genossenschaftlich zusammengeschlossene Landbevölkerung hat natur­gemäß in den Kreditgenossenschaften und diese wie­der in den Zentralkassen die einzige Kreditgaelle.

2. 3m 3nteresse der Förderung der landwirt­schaftlichen Produltion und somit der Ernährung unseres deutschen Volkes fordern wir eine aus­reichende sachgemätze Zuleitung der zur Verfügung stehenden Rentenmarkmittel, in erster Linie durch die Preustische Zentralgenossenschaftskasse, an die genossenschaftliche Kreditorganisation. Wir stellen fest, dast ein plötzliches Abschneiden der Kredite für die Landwirtschaft während der jetzigen Früh­jahrsbestellung eine unheilvolle Wirkung für die diesjährige Ernte haben must.

3. Es wird eine Kommission gewählt, die Fest­stellungen inbezug auf die Höhe und Verteilung der bisher der Landwirtschaft zugeführten Kredit« zu machen hat und erneut bei den beteiligten 3n- stanzen Rentenbank, Reichsbank, Ministerien wegen ausreichender Kreditversorgung vorstellig werden soll.

nehmet fast durchweg zu spüren. Rur wo die Arbeitgeber vorbildlich und fürsorglich tätig wa­ren, konnte man dies an dem beonnenen Ver­halten der Arbetterschaft sofort erkennen Mancher industrielle Arbeitgeber hat noch nicht den Weg gefunden, auf dem er mit dem Arbeiter gemein­sam gehen könnte. Größere Einfachheit in der Lebensführung, zum mindesten in der Oeffcntlich- keit, vornehmer Takt verbunden mit vorbildlicher Arbettstättgkett und sicherem überlegenen Auf­treten werden mit wohlmeinender Fürsorge besser wirken als das Flüchten im eleganten Kraftwagen, sobald die Lage politisch bedenkliche wird. Leider begegnete die Truppe mehreren solcher tapferen Fabrikbesitzer, die im Auto davonfuhren und ihr Werk im Stich ließen Auch dem Bürgertum must es durch zweckmäßige Betätigung gelingen, die Hastschürung, das Hauptmittel der marxisti­schen Propaganda, erfolgreich zu bekämpfen. Gebt uns was zu essen, dann bekümmern wir uns nicht um Politik!" war ein sehr bemerkens­werter Ausspruch eines Arbeiters, mit dem über die Verhältnisse gesprochen wurde.

Auf Anregung der Kommandanturen wurde eine großzügige Hilfs tätigkett ms Werk gesetzt, an der sich Landwirtschaft .und 3ndustrie sehr dankenswert beteiligten. Auch die Truppe gab, .was sie geben konnte. So wurden tausende von Rotleidenden täglich gespeist, und an ebensoviele sind mehrfach zur Linderung der Winternöte Heiz­mitte! ausgegeben worden. Anparteiisch wurden mit Hilfe der Ortsbehörden die wirklich Hilfs­bedürftigen ohne Rücksicht auf politische Zuge­hörigkeit ausgewählt und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln so reichlich wie möglich bekxtcht. Die Musikkapellen der Truppenteile haben viel dazu bcigelragen, dast durch den Erlös von Wohl- tigkc itskonzerten auch Geldmittel aufgebracht wurden. Der Verfasser des Artckels in einer Geraer sozialdemokratischen Zeitung, der beim Be­amtenabbau zuerst die Auflösung der Militär­kapellen forderte, wird sich nachträglich wohl eines besseren 'besonnen haben. Auch die Promenaden­konzerte wurden überall gern aufgesucht, und andächtig hörte mancher Mustkommunist von An­fang bis zu Ende, dicht an der Kapelle stehend, den Weisen zu. Die Entrüstung einer demokra- tisch<.n studentischen Vereinigung, die sich darüber b-.schiverte, dast der F.iedericus Rex Marsch ge­spielt wurde, ist in der Antwort auf die Be­schwerde durch den Reichswehrminister gebührend zurückgewiesen worden. Auch her machten sich Einzelne zum Sprachrohr von EmpfindungenVie­ler", die garnicht vorhanden waren. Die Trieb­kraft zur politischen Einstellung der großen Masse wird nicht durch die Aeberlegung geschaffen. Zur Zeit schart der Druck der Rot die utteils- los.n bedrängten Volksgenossen um den größten Schimpfer, und sv ist es auch zu erklären, daß bei den letzten Wahlen besonders auch zum Thü- ringischrn Landtag eine starke Ab wände ung aus der Sozialdemokratie zu den Kommunisten statt­fand, wo die betreffenden noch weniger für die Besserung ihrer Lage zu erwarten haben. Herab­setzung der Löhne und Arbeitslosigkeit durch Masftnentlassungen, die unausbleibliche Folge der durch die Revolution geschaffenen Verhältnisse, schob die überlegungslosen Wähler tn die krasseste Opposition.

Wie schon gesagt. Die 3ntelligenz muß ener­gischer wie bisher diesen Verirrten an bte Hand gehen. Am leichtesten wird ihnen der Begriff des Internationalismus als verkehrte Dolksbeglückung klarzumachen fein. Es steckt in jedem wirklichDeut- schen ein unausrottbarer Rationalismus und ein Hang zum Soldatentum, der Verkörperung der Staatskraft. 3n Jena kam ein Arbeiter, der das Einrücken einer Kompagnie beobachtet hatte und sicher nicht zu den Rechtsparteien gehörte, an den Kompagniechef heran und sagte ihm:HerrHaupt- mann, zu der Kompagnie kann man 3hnen gratu­lieren! Dieser gediegene Militarismus ist Gott sei Dank dem Germanen nicht abzugewöhnen. Rach dem Weihnachtsfest sah man nach langer Zeit mit Genugtuung auch wieder die Jungens in Ort­schaften, die als rot bekannt waren, Soldaten spie­len. Die Kinder hatten es durchgesetzt, daß ihre Eltern ihnen Helm, Säbel und Gewehr auf den Weihnachtstisch legten. Hiermit ausgerüstet ahm­ten sie eifrig die militärischen Hebungen nach, und so hat auch der jüngste Rachwuchs durch die An­wesenheit der Truppe wieder einen Antrieb zur Wehrhaftmachang des Volkes bekommen.

Die Hoffnung der Kommunisten, ihre 3deen in die Truppe einzufchmuggeln, ist vergeblich ge­wesen. Trotzdem lange Zeit die Soldaten in Dürgerquartieren untergebracht waren, und unter den Quartiergebern gewiß auch mancher Kommu- I

den Standort zurückbefördert worden. Die besetzt gewesenen Länder sind nun wieder auf ihre eigene polizeiliche Gewalt zur Aufrechterhaltung der öf­fentlichen Ruhe und Ordnung angewiesen und ent­behren in ausgedehnten Gebieten des Rückhaltes, den sie während der Besatzung durch die Reichs­heertruppe hatten. Besonders Thüringen hat ver­hältnismäßig wenig Reichsheerstandorte und wünscht diese zu vermehren. Wieweit diese«. Wunsch erfüllt werden kann, wird die Zukunft er­geben.

.Der nationalgefinnte und ordnungsliebende Teil der Bevölkerung beider Länder wird während der verflossenen Wintermonate die Anwesenheit größerer Reichsheerverbände in dankbarer Erin­nerung behalten, und die Besatzungstruppe kann mit Befriedigung auf die Zeit zurückblicken, in der sie für die Gesamtheit des deutschen Vater­landes und im besonderen für die genannten, unter kmnmunist Ischen Druck leidenden Länder mit Er­folg gewirkt hat. Die Tätigkett war zwar für den Soldaten keine erfreuliche. Die Truppe wurde vor Aufgaben gestellt, die ihrem sonstigen Dienst nicht entsprach. Es konnte deshalb nicht ausblei- ben, daß während des Ausnahmezustandes verein­zelt Miß- und Aebergrisie vorkamen, die aber das Gesamtverhalten der Desahungstruppe in keiner Weise nachteilig beeinträchtigten. Diese Ent­gleisungen sind auf Mißverständnisse und Aeber- eifer Einzelner zurückzuführen. Die Anordnungen der oberen Leitung waren zweifellos zweckdienlich, denn sie haben zu dem gewünschten Erfolg geführt.

Als sehr wertvolles Ergebnis der Besahungs- zeit muß hervorgehoben werden, daß die dortige Bevölkerung wieder in nahen Verkehr mit der Reichsheertruppe gekommen ist und die Aeberzeu­gung gewonnen hat, daß doch noch eine Macht im Staate vorhanden ist, die unüberwindlich sich für Recht und Ordnung einsetzt, und daß das Reichs­heer wieder ein Vorbild für Selbstzucht und Vater­landsliebe ist. Für die Reichsheerangehörigen war der Aufenthalt in Sachsen und Thüringen eben­falls nicht ohne bleibenden Wert. Aeberall, wo die Soldaten hinkamen, haben sie sich schnell em» leben und mit den Bewohnern der Ortschaften, die belegt wurden, fteundschaftlichst stellen können. Don besonderem Belang war aber der Eindruck, den die durchzogenen Landstriche in politischer Be­ziehung auf die Desatzungstruppe auggeübt haben.

Als Ende Oktober vorigen Jahres die Trup­pen an der Grenze von Sachsen bereitgestellt wa­ren, mußte auf Grund der bekanntgegebenen Be­richte damit gerechnet werden, daß Elemente der linksradikalen Parteien den einmarschierenden Truppen Widerstand, selbst mit Waffengewalt lei­sten würden. Wenn auch die Parteileitungen einen Zusammenstoß vermeiden wollten, so konnten doch Heißsporne, mit Rücksicht auf die Organisation der proletarischen Hundertschaften und die vorhande­nen Waftenlager, wie es ja auch bei früheren Gelegenheiten der Fall war, gegen den Willen der Parteileitung handeln. Der Einmarsch der Truppe erfolgte deshalb vollkommen kriegsmäßig und für die Ortschaften, die zu besehen waren, überraschend. Diese auf die Bevölkerung im er­sten Augenblick vielleicht etwas rücksichtslos wir­kende Vorsicht hat aber zur Folge gehabt, daß die Parteiweisungen tatsächlich befolgt wurden. Dis aus ganz wenige Fälle kam es erfreulicherweise nirgends zu energischem Waffengebrauch und dem damit verbundenen Blutvergießen.

Katastrophen gering. Aber bei einer Abweichung von der Rann ist bei allen Beamten eine er­höhte Rervenspannung notwendig. Dabei ist es belanglos, ob dieser ungewöhnliche Vorfall von der Einschiebung eines Sonderzuges oder ob ein unerwartet anders stehendes Signal plötzlich die Aufmeicksamkett des Beamten auf sich lenkt und damit auf Sekunden oder Minuten aus dem ge­wohnte.! Gedankengeleise reißt. Mit dieserAn- sichevheit des Menschengeistes" wird man immer rechnen müssen, und alle Bestrebungen, die die Eisenbahnunfälle verhüten wollen, gehen daraus aus, möglichst viele mechanische Vorrichtungen einzuschalten, die unabhängig vom Menschen auto­matisch die begangenen Fehler verbessern oder ihre Folgen aufheben. So hat man zu Weichen ge­griffen, die nur einmal benutzt werden können und sich dann wieder automatisch schließen: man hat Signale erfunden, die sich nicht darauf be= schränken, dem Lokomotivführer die Sperrung einer Strecke anzukündigen, sondern die zugleich auch den Zug automatisch zum Stehen bringen, sobald das Signal aufgesperrte Fahrt" steht. Diese Vervollkommnung der Betriebssicherheit auf der Eisenbahn hat in den letzten Jahrzehnten ge­waltige Fortschritte gemacht, und wenn sich auch leider dre Katastrophen nie ganz vermeiden lassen, so sind fte doch sehr viel geringer geworden. 3nteressant ist z. B. die Berechnung, daß die Eisenbahn verhältnismäßig viel weniger Opfer fordert, als die idyllisch alte Postkutsche. Die gemächliche durch das Land trabende Postkutsche hat in der guten alten Zett den Tod von zehnmal mehr Reisenden verursacht, als die moderne Eisen­bahn, und zwanzigmal mehr Postkutschen Passa­giere wurden verwundet als Benutzer der Eisen­bahn. Die amtliche Statiflck der EisenbahnUnfälle zeigt von Hahr zu Hahr eine deutliche Abnahme, und zwar hat Deutschland lange Zett den RÄorch der Betriebssicherheit gehalten, so daß hier die wenigsten Anfälle vorkamen, während sich die meisten in Amerika ereigneten,

Helfferich als Dichter.

Ein Hugendfreund des so tragisch ums Leben gekommenen früheren Ministers Dr. Karl Helfferich schreibt uns:

Karl Helfferich entstammte bekanntlich einer pfälzischen- bürgerlichen Familie. Sein Vater, der Kommerzienrat Friedrich Helfferich in Reustadt a. d. Haardt, Führer der Fortschrittlichen Volks- Partei der Rheinpfalz, besaß eine Textilwaren­fabrik, die er aus kleinen Anfängen zu einem großen Unternehmen ausgestaltete. Dort haben wir Hungen zusammen gespielt, gerauft und die Schule besucht. And noch als Studenten haben wir gemeinsam gedichtet. Abendfüllende Dra­men! Roch als Student, als Karl Helfferich an der Aniversität Straßburg zu Füßen des gefeierten Rationalökonomen Georg Friedrich Knapp faß, feilte er heimlich an seiner Lieblingsdichtung:Al- rich von Hutten", Trauerspiel in fünf Auszügen von F. Erich Helf. Voll Stolz überreichte er mir eine Abschrift des Manuskriptes, vor 30 Hahren! 3d) holte es bei der Kunde von Helfferichs Tode aus alten Papieren hervor. Es ist kein litera­risches Meisterwerk. Das Geschichtliche herrscht allzusehr vor. Sine Fülle von Daten und Tat­sachen ist zusammengetragen und schlecht und recht dramatisiert. Aber doch: Welche freie Sprache! Welch glühendes Temperament! Karl Helfferich war eben ein Rheinpfälzer, ein echterPfälzer Krischer", wie besonders die Reustädter von ihren Rachbarn bezeichnet werden, weil sie lebhafte,heiß­blütige Leute sind und sehr laut zu reden, zukrei­schen" gewohnt sind. Kein Zweifel, auch Helffe­rich, der dcütschnationale Führer der letzten Jahre, war im Grunde ein Rebell, ein Kämpfer für die deutsch e Befreiung, wie er sie verstand. Sein altes Drama spricht von diesem Feuerdrang. Ms in dem Stück sich die Freunde Sickingen und Hutten begegnen, ruft Hutten aus und es ist, als ob der tote Helfferich spricht, der aus dem Vonnenlande Htalien nach Deutschland zurück­