Einzelbild herunterladen

Nr. H6 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Dienstag, 24. Zunl £924

Bedeutung, Ausgaben und wünsche der deutschen Presse.

Es liegt in dein durch Heberlieferung und Entwicklung geprägten Wesen und Charakter der deutschen Preise begründet, daß sie, die stets Hilfreiche Trägerin und Vermittlerin der Wünsche, Sorgen und Beschwerden aller Berufsgruppen ist, mit ihren eigenen Voten und Belangen ihre Leser kaum belästigt. Fast nur die Haupttagungen der großen, die Angehörigen des Zeitungsge­werbes zusammen fassenden Organisationen, des Vereins der deutschen Zeitungsoerleger" und des Reichsverbandes der deutschen Presse", geben der Oefientllchkeit davon Kunde, daß auch am Zei­tungsgewerbe die Röte uird die Stürme deq Zert nicht spurlos vorübergehen. In dieser Selbst­bescherdung, in dieser Richtausbeutung der ge­gebenen Möglichkeiten, in dieser Zurückstellung der eigenen Sorgen und Wünsche Hinter die gro­ben Gesamtausgaben der Zeit, des Volkes und Staates liegt der Schlüssel für die Bedeut un>g und den Wert der deutschen Presse. Sie dient nicht, wie es in anderen Ländern der Brauche ist, den Interessen Einzelner, sondern betrachtet sich als Dienerinder Vwlksgesamtheit. Ein hohes Mab von Opferwilligkeit und Verantwor- tungsgefüU seitens der Verleger der deutschen Zeitungen, der' .Redakteure, ihrer geistigen Mit­arbeiter, unbeachtet aller Angestellten der Be­triebe war nötig, um diese 'heute festgegründete Stellung der deutschen Presse im Rahmen des Staatsganzen zu schaffen, und es wird die bedeut­samste Aufgabe aller Beteiligten sein müssen, diese im Sinne des Wortes vornehme Stel­lung zu erhalten. Denn nur, wenn dies gelingt, wenn die deutsche Presse weiter wie bisher un­eigennütziger, ehrlicher und sachlicher Träger der Belange Aller, wenn sie weiter zuverlässiger Berater und anerkannter Führer des Volkes sein kann, erfüllt sie ihren Zw«k. Aus diesem Grunde mub nach die breite Oeffentlichkeit ein Interesse daran haben, einiges über die Wünsche de- deutschen -Presse zu vernehmen, wie sie auf der Hauptversammlung desVereins der deutschen Zeitungsverleger" in Stuttgart und der Ta­gung desReichsverbandes der deutschen Presse" in Königsberg ausgesprochen wurden. Denn alle diese Wünsche Haben nur die eine Ursache uni) das eine Ziel: jenen gesunden Idealis­mus und jene geistige und moralische Hnab- höngigkeit zu erhalten und zu stärken, die bisher Verleger und ihre Mitarbeiter ausgezeichnet haben.

Ephaltung des Idealismus und der Freiheit sind die Wünsche der Männer der deutschen Presse, und die deutschen Zeitungsverleger konnten diese Tatsache symbolischer', nicht schöner und treffender darstellen, als durch den Besuch der Zeppelin­werft am Schlüsse ihrer Tagung, und ihre Hul­digung vor dem Amerikakreuzer, der gleichzeitig Zeichen deutlicher Geisteskraft und jenes hochge­spannten Idealismus und deutscher Ünfreiyeit in­folge des Versailler Diktates ist.

Der Verlauf der Hauptversammlung in Stutt­gart selbst ergab folgendes Bild:

In Gegenwart des Reichsministers des Innern Dr. Jarres, des Chefs der Presse­abteilung der Reichsregierung Dr. Spiecker, des Präsidenten Thilo vom Reichspostministerium und vieler sonstiger Vertreter von Behörden be= grüble der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger Kommerzienrat Dr. Krumb- tz a a r - Liegnitz die 30. Hauptversammlung und teilte mit, daß Reichskanzler Dr. Marx und Autzenminister Dr. Stresemann, die ihr Erscheinen zugesagt hatten, zu ihrem lebhaften Bedauern durch dringende dienstliche Angelegen­heiten am Erscheinen verhindert wären. Dr. Krumbhaar stellte mit Genugtuung fest, dab der Verein zur Zeit nicht mehr gezwungen ist, feine ganze Tätigkeit und Arbeitskraft auf die Be­wältigung wirtschaftlicher und materieller Fragen teinzustellen, sondern sich wieder in weit höherem JJUafte als bisher den groben geistigen und ethi- Efchen Belangen des Zeitungswesens zuwenden ^kann. Redner berührte dann auch noch die Frage des Iournalistengesetzes.

Reichsminister Jarres ging auf diese Frage näher ein und führte aus, es bestehe ein gewisser Gegensatz der Auffassung zwischen den Verlegern und der Re­gierung. Daß das ganze Pressegesetz neu, geregelt werden müsse, unterliege keinem Zweifel, wohl aber beständen Meinungsverschie­denheiten über die Reuregelung der Rechtsver­hältnisse der Schriftleiter. Fast sämtliche Parteien des Reichstages ständen aus dem Standpunkte, dah diese Frage einer gesetzlichen Regelung be­dürfe und ein entsprechender Parteiantrag liege bereits vor. Der vor einiger Zeit herausgegebene Referentenentwurf wolle den Gegenstand ledig­lich in die Diskussion werfen, er habe aber das Reichskabinett noch nicht beschäftigt.' Die Reichs­regierung werde das Ergebnis der heutigen Be­ratungen abwarten, um dann mit den Spihen-

organisationen beider Seiten in Verbindung zu treten, denn nur so könne der Weg gefunden werden zur Aufrechterhaltung einer Presse, wie wir sie bisher gehabt hätten, die sich eines Hoch­standes erfreue, um den die ausländische Presse uns beneiden könne. Eine Einigung über das Iournalistengeseh solle gefunden werden. Gewiß müsse der Verleger einen bedeutenden uaD in vielen Punkten endgültigen Einfluß auf die Zeitung behalten: andererseits aber müsse nicht nur das Arbeitsrechtsverhältnis des Schrift­leiters. sondern auch sein berufliches Ansehen so gehoben werden, dah wirklich ein kraft» und wertvoller Schriftleiterkranz dem Verleger zur Seite stehe. Der Minister gedachte dann der auf­opferungsvollen Hingabe der Verleger im be­setzten Gebiet an das Vaterland und teilte mit, dah bisher 40 Verleger zwangsweise die Heimat verlassen muhten und daß über 500 Zei­tungen im* besetzten Gebiet durch Gewaltakte unter­drückt worden seien.

Rach der Rede des Reichsministers Dr. Jar­res ergriff Professor Dr. Julius Ferd. W o l f - Dresden, zweiter stellvertretender Vorsitzender des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, das Wort zu einem umfassenden und grvhzügig angelegten Vortrag über das ThemaRegierung und Presse". Er schilderte an Hand der Geschichte des Zeitungswesens und der Pressegesehgebung in den Kulturländern, wie es immer zum Un­heil für Volk und Staat ausgeschlagen ist, wenn die Gesetzgeber versucht haben, die Pressefreiheit durch theoretische, direkte oder indirekte Einflüsse ! zu beschränken.

Der Vortrag des Professor Wolf löste einen ( in der Geschichte der Hauptversammlungen des ! Vereins Deutscher Zeilungsverleger bisher fast * kaum gekannten Beifall aus. Es wurde beschlossen, j den Vortrag durch Druck der breitesten Oefsent- lichkeit bekanntzugeben.

Im Anschluß an diesen Vortrag wurde in die Beratung des geschäftlichen Teiles der Haupt­versammlung eingetreten, wobei insbesondere die Frage des Iournalistengesetzes behandelt wurde. Am Rachmittag beginnen die Beratungen der De­legiertenversammlung.

Im toeiteren Verlauf der Tagung nahm Dr. Simon - Frankfurt a. M., Vorsitzender des Ar­beitgeberverbandes für das ganze Zeitungsge­werbe, Stellung zur Frage des Hournalistenge- setzes. Ei schilderte die Schwierigkeit und teilweise Unmöglichkeit, die Begriffe öffentlichen Interesses, Presse, Redakteur und Verleger eindeutig und erschöpfend zu definieren. Möglich und wünschens­wert aber sei es, durch Sicherung der Re­dakteure für Arbeitsunfähigkeit und Alter und für den Falldes Todes für ihre Hinterbliebenen den für ihren Beruf nötigen Idealismus von au- hen her zu schützeii und zu stärken.

Reichsmini st er Dr. Jarres nahm nochmals zu längeren Ausführungen das Wort, um den Standpunkt der Regierung darzulegen, die einen Ausgleich zwischen den entgegenstehen­den Anschauungen erstrebe. Ihm erwiderte Dr. I ä n e ck e - Hannover und Prof. Wolf- Dres­den, der in feinem Schlußwort nochmals ent­schieden die Auffassung der deutschen Verleger betonte.

Der Reichsverband der Deutschen Presse.

hielt nach einem Besuche Danzigs und der Marienburg in Königsberg seine dies­jährige Hauptversammlung ab. Ministerielle Kundgebungen, für die aus begreiftichen Gründen das Forum der politischen Schriftleiter der deut­schen Zeitungen von den Regierungen bevorzugt wird, fanden nicht statt. Reichspräsident und Reichskanzler, Auhen- und Innenminister brach­ten telegraphisch ihrer Wertschätzung der deut­schen Presse zum Ausdruck. Ihre Arbeit fand den Riederschlag in einer Reihe von Entschlie- Hungen. Die erste fordert das Reichsministerium des Innern auf, so schnell wie möglich auf Grund der vom beteiligten Ministerium geleisteten Vor­arbeiten dem Reichstag den Entwurf eines Deut­schen Iournalistengesetzes vorzulegen. Eine weitere Entschliehung verlangt die Schaffung von Kran- kenverficherungsmoglichkeiten, eine dritte gedenkt des harten und unverdienten Schick­sals der weit über Hundert aus den besetzten Gebieten ausgewiesenen und eingekerkerten Kol­legen und spricht die dringende Erwartung aus, dah den deutschen Redakteuren in den besetzten Gebieten in Zukunft die Sicherheit gegeben wird, frei und unbehindert ihrer Arbeit nach­gehen zu können.

So dah uns übrig bleibt, als Ausdruck der Hoffnung den Wunsch zu wiederholen, den der preußische Kultusminister an die Tagung richtete: Er drahtete:Möge sich die Tagung zu einer überzeugenden Kundgebung für die nationale und sittliche Sendung der deutschen Presse in ihrem Dienst an der Wiedererneuerung unseres Volkes gestalten, möge sie insbesondere dazu beitragen, in der Allgemeinheit das Verständnis für die wirtschaftlichen und beruflichen Belange der jour­nalistischen Arbeit zu vertiefen."

Der Schutz ums Glück.

Aus dem Leben Hermann Löns' von Kurt Kehler- Ossagk.

Die Sonne sank hinten überm Walde. Ein letz­ter Strahl verloderte blutrot zwischen grünen Tannen. Heber der Lichtung mitten im Ge- forste schritt ein Jäger, die F.inte achtlos um die Schulter geworfen, die hellen Augen versonnen in den Tann gerichtet.

Jäh sprangen aus dem Jungwuchs zwei Rehr ab und trieben ins Geäst.

Keine Sorge, Rotbraune, der Hermann Löns spürt euch heute nicht," murmelte der junge Waid- mann den Flüchtigen nach,abec um euren Zwöl­fer aeht'sl Eigentlich schade um den prächtigen Burschen, freute mich oft seiner blitzenden Dolche. Loch was hrlst'sl Der Loder will das Mädel tmb ich geradeso, zwei Jager eine Pirsch. Wer den Dock schießt, der soll die Antje lieben können.

Fernher zog ein Käuzchenschrei.

Pfeift ihr mir, ihr Jungen? - Ja der Lo­der ist ein guter Schütz! Uni) ich hab' oft am Glück vorbeigepirscht. Weih wohl!"

Mehr und mehr war inzwischen die Dämme­rung aus dem Tann gekroche i und wuchs um die schlanke Iägergestalt des Dichters. Rüstiger schritt der fürbaß den wohlbekannten, moosumsäumten Steg zum Hochstand.

Eine Viertelstunde später tastete er die schwankenden Holzstiegen empor. Da brache der Mond durch einen Rebelhang und goß eine Fülle

perlenden Lichtes drüben über die grunschim- mernde Aesung. Hell filberten die Blätter der alten Spürbuche,uhend" stieß eine Eule an die hölzerne Kanzel, auf der sich nur wenig die Ge­stalt des Jägers gegen den dunkelnden Wald abhob.

Der faß, das Gesicht in beide Hände gestützt, die Büchse vor sich auf dem Schoß, und sann. gern bei drang ein zärtlicher Ton. Ein-, zwei- mal lockte der sehnsüchtige Ruf eines Rehes. Dann blieb es eine Weile still, bis von neuem das verlangende Fiepen e.ftang.

Da plötzlich schreckte bee Träum"nde droben auf dem Anstand und packte die F.inte. Hohl knackte es im Geäst, Zweige und Laub stoben in dampfendem Wirbel, aus seinem Schlafe flatterte ein Zeisigpärchen, und da brach's aus der Dickung, in edlem Sprunge spielten die Läufe, acht weißendige Dornen blitzten im Mondlicht.

lieber die Aesung zog der Bock.

Mit kundigem Auge sah der Jäger dem Lie­benden nach, die Büchse abgesetzt.

Zieh hin, Freund Edelrot, hast mich ge­scheucht! Doch dich will ich nicht I"

Und drüben im grünen Himbeergebüsch ver­schwand mit vorgestreckten Windfang der Rote.

Richt weit davon aber lauerte ein anderer Jäger mit funkelnden Augen!

Roch ist's nicht der rechte, aber er kommt mir Vor die Mündung, und mein wird die Antje!" murmelte der Lauscher, die Büchse fertig zum Schuß.

»Mein wird die Antje, Löns!"

Eisenbahnbeamte und Umwandlung der Reichsbahn.

Die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbe­amten und Anwärter E. B. schreibt uns.

Die nach dem Sachverständigengutachten beab­sichtigte Umwandlung der deutschen Reichsbahn in eine Aktiengesellschaft berührt ebensosehr das ganze deutsche Volk, wie auch das 750 000 Köpfe zählende EisenbaHnpersvnal. Es kann weder dem Volke noch dem Personal gleichgültig fein, unter welchen Bedingungen die Reichsbahn auf Jahr­zehnte hinaus von einer unter vorwiegend aus­ländischer Leitung stehenden Aktiengelellschaft be­trieben werden soll. Die Personale d-r Reichs­bahn stehen naturgemäß Der. Aussicht, von nun an nicht mehr unmittelbaren Reichsinteresse.r zu dienen, sondern vielmehr im Dienste der Entente an der Ausbeutung der Reichsbahn für Repa- rationszwecke mitarbeiten zu müssen, mit begreif­licher Vorsicht gegenüber. Deswegen wünschen die Personale, daß ein so wichtiges politisches und wirtschaftliches Instrument wie die Reich s- bahn auch unter dem Szepter der Attiengetellschaft in möglichst enger Verbindung mit dem Reiche verbleibt. Es tonnen beispielsweise politische Si­tuationen eintreten, in denen eine allzu reichs­unabhängige Aktiengesellschaft von ihrer Macht über das deutsche Verkehrsnetz eine dem Reiche und dem Volke unerwünschten, vielleicht sogar schädlichen Gebrauch macht. Deswegen ist cs wün­schenswert, daß wenigstens die Cisenbahnbeamten auch nach der Umwandlung in eine Aktiengesell­schaft unmittelbare Reichsbeamte blei­ben und daß ihr öffentlich-rechtliches Berufsbe­amtentum nicht gegen ein rein privatrechtliches Detriebsbeamtenverhältnis bei der Aktiengesell­schaft eingetauscht wird. In dieser Hinsicht be­stehen leider heute die schwersten und berechligsten Besorgnisse.

Der Organisationsausschuß der Reichsbahn hat sich schon vor längerer Zeit auf den Stand­punkt gestellt, dah vor der Formulierung eines diesbezüglichen Gesetzentwurfes mit den Organi­sationen der Eisenbahnpersonale verhandelt werden müsse. Trotz wochenlangen Drängens 6er letzteren ist es zu einer berartigen Besprechung noch immer nicht gekommen. Die beiden maß­gebenden Eisenbahnerorganisationen, Reichsae- werkschaft deutscher Eifenbahnbeamten und Än- wärter und der Deutsche Cisenbahner-Verband ya- ben nunmehr ihre Forderungen direkt b:i der Regierung eingereicht. Sie find nach eingehender Prüfung der rechtlichen Lage zu der Heberseugmig gelangt, daß eine Beseitigung des öffentlich- rechtlichen Beamtenverhältnifses gelegen ckich der Hebersührung der Reichsbahn in eine Aitiengesell- schaft nicht erforderlich ist, sondern daß das Reich nach bestehendem Recht für die Dauer der Hebertragung der Reichsbahnverwaltung an die Aktiengesellschaft nach wie vor den Beamten- körper derselben stellen kann.

Dies würde allerdings zu einem Eingriff in die verfaffungsmäßigen Rechte der Reichsbeamten insofern führen, als die Zahlungspflicht der Be­soldung, Pensionen usw. und das Direktionsrecht für die Dauer des Reichsbahnkonzefsionsvertrages auf die Gesellschaft übergeben würde. Das diesen Vertrag festlegende Gesetz würde aus diesem Grunde zu seiner Gültigkeit einer Zweidrittel- Mehrheit des Reichstages bedürfen. Für die genannten Eisenabhnervrganisativnen würde aus den angeführten Gründen einevollkommene Ablösung des bisherigen öffentlich-rechtlichen Beamten Verhältnisses bei der Reichsbahn unan­nehmbar fein; es steht übrigens auch im Wider­spruch zu den wiederhollen Aeuherungen von Mitgliedern der Reichsregierung über die unbe­dingte Beibehaltung des Derufsbeamtentums im Eisenbahndienst.

Die Forderungen der Organisationen lauten:

1. Die Beamten der deutschen Reichsbahn bleiben auch nach der Hebernahme in den Dienst der Gesellschaft unmittelbare Beamte des Reiches. Alle Einstellungen, Beförderungen usw. erfolgen daher auch in Zukunft' im Rainen des Reiches.

2. Sie sind für die Dauer der Hebertragung der Verwaltung der deutschen Dahnen auf die Gesellschaft zum Dienst bei der Gesellschaft ver­pflichtet. Dafür gewährleistet die Gesellschaft für die Dauer der Hebernahme die Zahlung der Be­soldung, des Wartegeldes, des Ruhegehaltes und der Hinterbliebenenbezüge vor jeder anderen Ver­bindlichkeit.

3. Die im Dienste der Gesellschaft beschäftigten Beamten des Reiches dürfen durch die Dienst- und Personalvorschristen der Gesellschaft hinsicht­lich ihrer Rechts-, Sozial-, Desoldungs-, Dienst­zeit- und Hrlaubsverhältnisse nicht ungünstiger gestellt werden, als die Reichsbeamten nach den für die Reichs beamten geltenden Gesehen und Verordnungen.

4. Die Gesellschaft übernimmt die Verpflich­tung, den übernommenen Deamtenkörper durch Bildungseinrichtungen auf seiner fachlichen Höhe

Der hatte inzwischen wieder seinen alten Platz eingenommen, und von neuem schweiften feine Gedanken weitab. Vor feinen Augen stand die Heide in junggrünem Wuchs, Laufkäfer kni­sterten schillernd über das Kraut, Lerchen fliegen an ihren jubelnden Liedern, inmitten der Pracht stand em Mägdlein. Wild wehte im Wind ihr blondes Haar: Antje!

So schaute er sie zum ersten Mate in unbän­digem Verlangen und mußte doch hören, daß Lo­der schon längst um fie warb. Aber Hatte ihn nicht ein inniger- Blick aus ihren blauen Augen umschmeichelt? glatte.te nicht ihr blondes Haar auf der Heide bckörmd zu ihm?

Hnd fein Mund sprach:

»Antje, liebes, blono.s Heidekind . . ."

. Da zerriß jäh ein roter Blitz die Dämmerung im Sann, ein Schuß donnerte auf An die Brüstung sprang der aus seinem Träumen Ge­schreckte und krampfte das Gewehr und sah drüben am Waldrand den Zehnender aus der Dickung taumeln, mit den mächtigen Dolchen Ge­äst und Blätter fetzend.

Roch zieht er Schritte voran, taumelt wieder und schwankt, reißt sich auf und wankt und bricht zusammen . . .

Eine hohe Gestalt drängte nach durchs Geäst

Da tastete Löns die schwankenden Stiegen hinab.

. »Verloren, Antje! Verloren! Er tarn mir zuvor! Hnser gegebenes Ehrenwort bindet Dein Bild nahm mir den Iägerblick Antje, leb' wohl!"---

zu erhalten und den zu einer fortlaufenden Er­gänzung erforderlichen Rachwuchs durch pläw» mäßige Ausbildung sicherzustellcn. Den in den Dienst der Gesellschaft übertretenden Diätaren und Anwärtern bleiben ihre Anwartschaften auf An­stellung als Reichsbeamte gewahrt. Der über­nommene Deamtenkörper darf hinsichtlich feiner Zahl nicht unter den Stand vom Tage der Heber­nahme herabfinken.

5. Die Gesellschaft gewährleistet den ihr über- lassencn Beamten das ihnen nach dem Beamten- räte-Erlah bei der deutschen Reichsbahn zustehende Vertretungsrecht.

6. Wird das Gesetz hinsichtlich seiner Be­stimmungen für die Beamten von dec Gesellschaft nicht eingehalten, so tritt das Reich für die aus dem Beamtenverhältnis sich ergebe.'.den und nach dem Gesetz von der Gesellschaft übernommenen Ver­pflichtung in jeder Hinsicht ein.

7. Tie Gesellschaft übernimmt die im Dienste der deutschen Reichsbahn vorhandenen Ange­stellten und Arbeiter mit den bestehenden Rechten. Sie dürfen durch die Dienst- und Per- svnalvorschriften der Gesellschaft in ihren recht­lichen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältniss-en, ihren Deschäftigungsbedingungen und 'ihrer De- triebsvertretung nicht ungünstiger gestellt werden, als die Angestellten uno Arbeiter des Reiches.

Der Gesetzentwurf der Regierung.

Einer Meldung aus Berlin zufolge wird dem Reichstag in diesen Tagen der Gesetzentwurf über die Regelung der Personenverhältnisse bei der GesellschaftDeutsche Reichsbahn" zugehen. Die Reichsbahnbeamten sind danach ausdrücklich unter Vorbehalt von Widerruf und Kündigung auf Lebenszeit angestellt. Besoldung, Wartegeld, Ruhegehalt und Hinterbliebenenver­sorgung regelt Die Personalverordnung, des­gleichen Hrlaub und Arbeitszeit. Die Reichs­bahnbeamten haben zur Vertretung ihrer Inter­essen gegenüber der Gesellschaft die gleichen gesetz­lichen Rechte und Pflichten, wie die Reichs­beamten gegenüber der Reichsverwaltung. Die Gesellschaft übernimmt die im Dienst der Deutschen Reichsbahn vorhandenen Beamten und Arbeiter mit den bestehenden Rechten und Pflichten. Den Reichsbeamten werden an Besoldung, Warte­geld, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung die Ansprüche gewährleistet, die sie als Reichs­beamte hatten.

Der Prozeßkampf um die Herrschaften Chla- pow und Kojanke, die beide etwa 90 000 Hektar umfassen, ist den Blättern zufolge im Hrteil des Reichsgerichts zugunsten des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen endgültig entschieden wor­den. Der preußische Staat ist mit seinen An­sprüchen auf die genannten Besitzungen abge­wiesen und verurteilt worden, die Kosten des Prozesses zu tragen.

_____««oa- ' Wirtschaft.

* Der Erzbergbau im Siegerland Bei den Siegerländer Gruben Haben die Ver­hältnisse gegenüber Dem Vormonat keine Aende- rung erfahren. Die Hoffnung, daß die hohen Eifenbahnfrachten und Drennstoffpreise endlich eine Ermäßigung erfahren würden, hat sich nicht erfüllt, so daß also vorläufig Die schwierige Lage des Siegerländer Bergbaues unverändert weiter besteht.

* Chemische Werke vvrm. H. und E. Albert, Amöneburg-Biebrich. Laut Geschäftsbericht kamen die Werke in Amöneburg- Biebrich durch die Ruh.besetzung das ganz Jahr zum Stillstand. Die Gesellschaft war nach und nach genötigt, einen erheblichen Teil des Effekten- bestandes zu veräußern, um allen augenblicklichen Anforderungen genügen zu können. Dec Rein­gewinn von 23 093 Billionen Mark soll vorge­tragenwerden. Die Evldmarkeröffnu-gs^n an. sog einer späteren außerordentlichen Een.nalverfamm- lung vorgelegt werden. Anfairg März ds. Is. ist die Gesellschaft endlich wieder in Bei rieb ge­kommen. Sobald sie sich an dem Früh ahrsver- sand beteiligen konnte, hat sich der Absatz nicht ungünstig entwickelt. Was die Zukunft betrifft, so vermehren die hohen Steuerabgaben und das Anwachsen der Selbstkosten b.i vielfach ungenügen­den Verkaufspreisen Die Hnsicherheit.

Detriebseinschränkungen bei der Mansfeld°A.-G. Die MansfelD-A.-G. sieht sich trotz Der staatlichen Stützungsaktion gezwun-

Wer regelmäßig die Zahnpasta

gebraucht, wird sein Gebiß bis ins hohe Altei rein, weiß und gesund erhalten

Am Fenster seines Stübchens saß Der Dichter Löns und sah hinaus über die wogenden Felder. Sonne lag fern über dem toinDumatmeten Forst. Hnd der Dichter schrieb:

Weißt du wohl, als wie wir sind? Wie das Kornfeld und der Wind . Auge zu Auge heimlich spricht, Aber uns lieben, das Dürfen wir nicht!"

*

Die Beschlagnahme deutscher Assur--Futtde in Portugal.

Die Ausgrabungen der Orient-Gesellschaft in Assar während der letzten 10 Vorkriegsjah.e ha­ben reiche Funde an farbiger Keramik ans Licht gefördert, über die Walter Andrae ein eingehen­des Werk veröffentlicht hat. Aus diesem wird nun erst bekannt, daß die Grabungssuade nicht vollständtg nach Berlin gelangten. Ein Teil dieser altassyrischen Keramiken wurde auf einem seit Iult 1914 im Hafen von Lissabon lie^enDen deutschen Frachtdampfer beschlagnahmt, nachdem Portugal in den Krieg getreten war. Man er- , kannte nicht den hohen historischen Wert dieser Töpfereien, die durch ihre verblaßten Farben äußerlich unscheinbar aussahen, und verteilte Die Gegenstände im Lande. Diese Stücke sind aber für die Forschung von unschätzbarem Wert, und der Verfasser bezeichnet es als den schönsten Er- !b folg seiner Veröffentlichung, wenn sie Die Rück- ; gäbe der beschlagnahmten Gegenstände veran« : lassen würde.