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Samstag, 19. Zuli 1921

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhesten

vni« und Verlag- vrühl'iche Univerfitäts-Vuch- und Stelndruüerel R. ränge in Sietzen. Schristleitung und Seschästrstells: Schulstratze 7.

Kompromihpolitik in London.

London stellt gute Fortschritte fest. Englische Gegenwehr gegen die französisch-belgischen Ansprüche. Französische Kompromißvorschläge.

Wenn man den aus London und Paris ein­treffenden Berichten Glauben schenken darf, ist in­sofern ein Fortschritt in den Arbeiten der Kon­ferenz zu verzeichnen, als die Franzosen unter dem englisch-amerikanischen Druck versuchen, sich der englischen Ansicht anKupassen/ die die Grundlagen des Sachverständigenplans nicht zugunsten einer p o l i t i s ch e n These verschieben lassen will. Die Engländer haben anscheinend ein» gesehen, daß der von ihnen in Paris akzeptierte Vorschlag der Franzosen, die Aepara tions- kvmmission als maßgebendste Instanz beizubehalten, eine Fortsetzung der bisher be- triebenen Politik bedeuten würde, deren völlige Aufgabe Zweck und Ziel des Dawesplans und ^er gesamten Arbeiten seit Einsetzung der Sach- -erständigenkommission ist. Ihr Kampf richtet sich xmn auch gegen die rein politischen Erwägungen entspringenden Vorschläge der Franzosen. So wird aus Paris gemeldet, daß die Beratungen in London beherrscht zu sein schienen von dem hartnäckigen Mißtrauen der engli­schen offiziellen Kreise gegenüber her Reparativnskommission. Sie stän­den auf dem Standpunkt, daß dieses Exekutiv­organ des Versailler Vertrages in der Ver­gangenheit all zu oft in Abhängigkeit von den alliierten Regierungen gestanden habe und ihre ganzen Bemühungen zielten darauf ab, jur die Zukunft ihren Einfluß einzu- schränken. Zn erster Linie läge ihnen daran, daß die Reparationskommission in nichtigen Fällen nur noch einstim­mige und keine Mehrheitsbe­schlüsse mehr fassen könne; andererseits sc^ine die Beiordnung eines amerikani­schen Vertreters zu der Reparationskom­mission ihnen noch keine ausreichende Ga­rantie für die Geldgeber zu sein. Die Sachver­ständigen des Foreign Office und des Schatzamtes verlangten Tlebereinstimmung darüber, daß neue Verfehlungen Deutschlands nicht vo n der Reparationskommission allein festge­stellt würden, auch wenn diese durch die Hinzu­ziehung eines Amerikaners verstärkt sei und möch­ten darüber.hinaus, daß die Art und die Schwere der Verfehlungen dem Air» teil des Agent en für die Repara- tivnszahlungen und des Trustes für die Industrie- und die Eisen­obligationen unterbreitet würden.

Die untenstehenden Berichte zeigen, wie Frank- t reich versucht, sich dieser anscheinend sehr ener- < gischen Haltung der Engländer anzupassen.

Auch in der S an kti on s f rag e sind die Gegensätze noch nicht überwunden. Die Franzosen forderten natürlich Vollmacht für ein isoliertes Vorgehen. Sie wollen die politische Oberkontrolle und die freie militärische Oberhand behalten auch L bei rein geschäftlicher Regelung der Repara- r tion. . . Hier riß nun den Engländern in dem I ersten Alnterausschuß die Geduld. 'Der Vor- i sitzende Snowden, unterstützt von dem zweiten britischen Vertreter mit dem deutschen Rainen Memeyer, erklärte, es werde der französischen Partei nicht gelingen, die wesentliche Alnterschei- dung zu verwischen, ob künftig Richterfüllung gegenüber dem Friedens'oertrag oder Richterfül­lung gegenüber dem Sachverständigenbericht vor­liege. Außerdem traten die beiden Engländer nachdrücklichst dafür ein, daß die Londoner Kon- b serenz ein gemeinschaftliches feier» *liches Versprechen ab legen solle, nie­mals isolierte Sanktionen seitens eines einzeln Staates vornehmen zu lassen. Darüber tarn es zum lebhaftesten Streit. Kommt es hier nicht zur Einigung, so hat es auch gar keinen Sinn, über den unparteiischen Amerikaner zu strei­ten^ der für die Entscheidungen der Reparativns- kommissionen zugezogen werden soll, oder gar darüber zu streiten, wer ihn ernennen soll, die . Washingtoner Regierung oder der Ha^er Ge- j richlshof oder wer sonst. Erst muh die City und | der internationale Geldgeber wissen, ob Frank- - reich das Geschäft oder die Gewalt will. -~3m - zweiten Alnterauss chu ß , der die Räu- mungsfrage zu behandeln hat, herrschte ein ahn- ! kicher Zwiespalt. Der französische Vorsitzende l Eehdou x hatte eine Denkschrift ausgearbeitet die nicht nur bei den Engländern, sondern auch , bei den Belgiern größtes Mißfallen erregte.

Thrunis sprach den Franzosen in einer vorher- I gehenden Ain teure düng mit Herriot das Recht ao, eintzn selbständigen Räumungsvorschlag ^^e^rar- beiten, da das Ruhrabenteuer ja ein gemeiMchasl- liches Alnternehmen Belgiens und Frankreichs ge­wesen sei. Seydoux erhielt den Auftrag, einen neuen, abgeänderten Vorschlag aufzusetzen, und dieser Plan sollsehr ent gegen kommen v sein. Allerdings verlangt auch er das Verbleiben eines erheblichen Teils der Regie-Eisenbahner tn deutschem Dienst, eine Forderung, die DeutschlanD kaum annehmen kann. Erst die Voltkonferen; der nächsten Woche wird tatsächliche Klarheit über die angeblichen Fortschritte bringen.

Zuversichtliche Stimmung in London.

London, 18. Zuli. Meuter teilt «it 1 gegenwärtigen Lage mit: Die herrschende -2H n.osphäre und der allgemeine Wunsch, erne Rege- Mlung zustande zu bringen wirken überall er* \ mutigend, Tatsächlich sei«u bisher keine wirr

Die Deutschnationalen lehnen ab

Wie aus Berlin gedrahtet wird, hat dis deutsch nationale Reichs tags frak- tion am Donnerstag und Freitag eingehend die Lage besprochen, wie sie sich aus den >Lon­doner Verhandlungen ergibt. Mit ernster Sorge sehe die Fraktion dem Ergebnis der Londoner Konferenz entgegen, zu der die deutsche Regie­rung noch nicht einmal eingeladen wor­den sei. Wiederum stehe Deutschland vor einem Diktat der alliierten Mächte. Dabei scheine es dahin kommen zu sollen, daß Deutschland ungeheure Lasten und Beschränkungen seiner Selb­ständigkeit auf sich nehmen solle, ohne daß es Sicherheit für die Befreiung von Rhein und AuhrUnd dafür erhalten soll daß weitere Sanktionen in Zu­kunft ausgeschlossen sind. Die deitsch- nationale Reichstagsfraktion sei nicht gewillt, einem Abkommen auf solcher Grund­lage zuzustimmen.

lichen Schwierigkeiten in Erscheinung ge­treten. Wenn auch natürlicherweise Schwan­kungen zu verzeichnen sind, so kann ohne lieber» kreibung gesagt werden, daß ein guter Fort­schritt erzielt und die Stimmung zuver­sichtlich ist.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Chronicle" glaubt, daß sich die Aussichten auf eine erfolgreiche De en di g ung der Konferenz beträchtlich vermehrt hätten. Richt ein einziger Delegierter teile den Pessimismus, den gewisse auf Sensationen bedachte Pariser Blätter zur Schau trügen.

DieTimes" sagt in einem Leitartikel über die Arbeiten der Konferenz: Der Sachver- ständigenbe richt sei, kurz gesagt, der Plan, der am besten dem Interesse aller entspreche. In London feien pber gegenwärtig eine Menge irrationeller Einflüsse am Werke, psychologischer Einflüsse, die sich der überzeugendsten Logik verschlössen. Der Kampf finde zwischen dem statt, was verständig und dem, was unver­st ä n d i g sei. Wenn man von den Bestimmungen des Sachverständigenberichts a b w e i ch e, so be­deute das eine Äbenteuerfahrt ins Al n - gewisse. Es sei schwer zu glauben, daß das französische Volk im Ernst und voll be­wußt nach den bitteren Erfahrungen der letzten Jahre sich auf eine derartige einsame und gefährliche Alnternehmung einlassen könnte.

Das Wochenende wird wohl eine Ruhepause in den Arbeiten der Konferenz sehen. Eine Voll­sitzung wird nicht stattfinden, bis alle Ausschüsse ihre Arbeiten beendet haben. Es wird berichtet, daß heute nachmittag die allgemeine Stimmung bei den Verhandlungen gut und daß jeder mit dem Gang der Dinge zufrieden war.

Die Räumungsfrage.

England gegen die Forderung des Verbleibens von französisch-belgischen

Eisenbahnern.

Paris, 19. Zuli. (WTD.) Aleber die Ar­beiten imzweiten Ausschuß der Londoner Kon­ferenz (Freigabe der Pfänder) meldet der Son­derberichterstatter desEcho de Paris":

Es seien im französisch-belgischen Vorschlag zwei aufeinanderfolgende Phasen vorgesehen.

Die erste enthalte die Annahme der Organisationsgesehe seitens Deutsch­lands und die Verkündung der verlangten Ver­ordnungen. damit die verschiedenen Stellen, die der Sachverständigenplan vorsehe, an Ort und Stelle geschaffen und Kontrollorgane gebildet wür­den, ferner auf Seiten der Bankiers die Ga­rantien für die Zeichnung der Anleihen und von französisch-belgischer Seite die Aufhebungderinneren Zvllinien, die Beseitigung der Sonder» und Ver­sandbewilligungen, die Einstellu n g derEr Hebung von Son der abgaben sei­tens der Besahungsbehörden. die Abschaffung des mit der Besatzung verbundenen Ab gäbe sh- stems und die Erhebung der örtlichen deutschen Steuern an deren Stelle. Der Steuerertrag sei an den General­agenten für die Reparationszahlun­gen zu übergeben, der ihn, entsprechend dem Vorschläge der Sachverständigen, verwende.

Die zweite Phase sehe sich zusammen tote folgf Deutschland übernehme die Errichtung der Reichseisenbahn- Gesellschaft und Alebergabe der Eisenbahnobligatio­nen an die Repko. Rebenbei bemerkt, werde die erste Annuität, die Deutschland zu leisten habe, datiert von dem Tage der Errich­tung der Reichseisenbahn-Gesellschaft. D i e Cisenbahnr egie muss e in einem Zeitraum von zwei Monate n völlig verschwinden unter dem Vorbehalt nor­maler Verkehrs- und Betriebsverhältnisse für Reparations- und militärische Zwecke der Ver- ^""^Rach 'dem Berichterstatter desQuottdien" werde man verlangen, daß aufderStrecke TrierKoblenz dreitausend fran­zösische Eisenbahner und auf der Strecke Aa ch e n - K r e f e l d t au s e n d b e l- gische Eisenbahner ftattomert wer­den. Diese Angestellten werden von der Reichseisenbahngesel l s ch ast be zah l t werden, stehen unter der deutschen Eisenbahnver­waltung und werden in gewöhnlichen Zeiten keme Rolle spielen. Wenn jedoch ein Streck ausbricht, der die Sicherheit der 'Befat}ung8trupt)en ge» fährdet, dann würden sie auf ®runb &eS § 10 der Rheinlandakte die deutschen Eisenbahner, die streiken, zu ersehen haben.

Dieser Vorschlag stößt, wie der Bei-ichterstatter des Blattes meldet, auf eine lebhafte Opposition von feiten der En glan - der da die Engländer die Wieder- h erst ellung des Zustandes verlangen, der vor der Ruhrbesetzung bestand. Damals war einS o n der komitee inWies- baden vorhanden, das nach Ansicht der Eng­länder Frankreichs um> Belgien jede g e- wünschteGqrantiebot.

Aus London wird hierzu gemeldet, daß die Times" berichtet, der Seydouxsche Bericht über die wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebiets sei in sehr entgegenkommender Form gehalten, er besage aber, daß es in dem zweiten Punkt für Frankreich ein Mindestmaß an Zuge­ständnissen gebe. Das ganze französisch-belgische Eisenbahnpersonal könne aus dem besetzten Gebiet nicht zurückgezogen werden. 600 bis 1000 Beamte müßten zurückbleiben, um für den Fall eines deut­schen Eisenbahnerstreiks die völlige Isolierung der französischen Streitkräfte zu' verhindern oder im Falle der Erneuerung der Besetzung als Stamm­truppen zu gelten. *

Verfehlungen und Sanktionen.

Frankreichs Kamps um die Repko und umHandlungsfreiheit".

Paris, 19. Juli. (WB.) Die franzö­sische Delegation des ersten Ausschusses hat, tote die Mvrgenblätter aus London melden, einen Kompromiß ausgearbeitet, der im wesent- lichen aus vier Paragraphen besteht und wie folgt lautet:

§ 1. Wenn die Repko sich vereinigt, um eine Verfehlung Deutschlands festzustellen, Laim wird ein Amerikaner mit Stimm­recht beteiligt fein. Er wird aus die Dauer von fünf Zähren ein ft im» m i g von der Repko selbst ober, wenn eine Einstimmigkeit nicht erzielt werden kann, von Lern Vorsitzenden des Schiedsge­richtshofs im Haag ernannt.

§ 2. Die Mächte haben nach Feststellung von Verfehlungen Deutschlands Sank­tionen zu bestimmen, die ergriffm wer­den sollen, um Deutschland an feine Pflichten z u erinnern. Die Mächtr müssen jedoch eine y »wisse Verant­wortung gegenüber den Zeich­nern der deutschen Anleihe auf sich nehmen.

§3. Die Anleihezeichner werden nicht nur ein Prioritätsrecht auf die von Deutschland zu leiffenben Zahlungen haben, sondern die Summen, dir auf Grind der Sanktionen, die man ergreifen wird, einkassiert werden, müssen in er st er Linie für die Anleihedienste verwendet werden.

§ 4. AInter diesen Bedingungen wird die Handlungsfreiheit der Mächte re­spektiert.

Die Kommission hat die Diskussion noch nicht beendet. Eine längere Debatte entspann sich über 8 3. Es handelt sich hier um diemilitärische Besetzung. Es sei die Frage aufgeworfen wor­den, ob sie beseitigt werden müsse, um die zugunsten der Anleihezeichner notwendigen Ga­rantien zu respektieren. Die Haupt­debatte wir dsich nach Ansicht desEcho de Pans" heute über den § 4 entspinnen. Hierbei handelt es sich um die Aufrechterhaltung des § 17 und § 18 des Anhangs 2 zum Abschnitt VII des Versailler Vertrages. Der Sonderberichterstatter sieht vor­aus, daß die Diskussion ziemlich lebhaft werden wird.

Die Arbeiten des 3. Ausschusses.

London, 18. Zuli. (Wolff.) Rach dem Daily Telegraph" sind die Arbeiten des dritten Konfeienzausschusses so schnell fortgeschritten, daß der Bericht heute vormittag entworfen und am Rachmittag der Konferenz vorgelegt werden könnte. Tie Kommission habe auch beschlossen, eine schiedsrichterliche Entscheidung zwischen Deutschland und dem Trans­fer-Ausschuß für den Fall von Differenzen voizusehen. Es werde ferner beabsichtigt, ein großes Clearing-House cinzurichten, das sich nicht nur mit den direkten Zahlungen Deutsch­lands an die Alliierten, sondern auch mit dem Handelsverkehr zwischen Deutsch­land und den anderen Rachbarstaaten, wie z. D. Rußland, befassen solle.

G Deutschland hoch in Ehrens

Selbst auf dieGefahr" hin, von irgendeiner Alnfe im Sumpfe der parteipolitischen Riederang alsPropagandisten nationalistischer Knegs- gesänge" oder durch ähnliche Ausdrucksformen brüderlicher Gesinnung geehrt zu werden, soll über diesen Sähen der Anfang des Liedes steyrn, dessen frohgemuter Stolz auf das deutsche Vater­land noch immer, und selbst ihr diesen Sammel­tagen, unser köstlicher Besitz sein darf.O Deutsch­land hoch in Ehren!": Es hat Zeiten gegeben, da die Schande sich so tief in die Herzen eingefres­sen hatte, daß viele wähnten, Deutschland auf eine ganze Generation verloren geben zu müssen; diese Kleinmütigen hatten keinen Glauben mehr an die sieghafte Macht jener geistigen und sitt­lichen Kräfte, die nichts auch fein Versailler Diktat und keine interalliierte Kommission im deutschen Menschen ausrotten kann.

Was haben, eingeengt durch kulturschände- rische Bestimmungen, durch Geld- und Material­mangel und sonstige Begleiterscheinungen der Zeit, der deutsche Ersinderwille, der deutsche Chemiker, Techniker, Wissenschaftler in dieser Zeit der schwer­sten Schande und Rot geschaffen! Wer spricht nicht in freudiger Begeisterung von unseren Segel­fliegern, den Siegern über den Versailler Vernich- tungstoillenl Wer vergißt nicht für Augenblicke den gesamten Reparationen- und Sanktionen­schwindel, wenn er lieft, wie deutsche Kraftwagen, deutsche Flugzeuge, devtsche Schiffe sich wieder langsam trotzdem und alledem den Platz an der Spitze der Mitbewerber erobern! Haben wir keinen Grund, tn aller Bescheidenheit, aber mit stolzer Freude in der Stille des KämmerleinsO Deutschland hoch in Ehren" zu summen, wenn wir wie in der vergangenen Woche lesen, daß in P e r» sien deutsche Flugzeuge trotz der den Ausbau erschwerenden Bestimmungen des Versailler Dik­tats über alle siegten, daß ein deutscher Flieger in wenig mehr als einem Tage von Berlin nach Angora flog, daß ein deutscher Gelehrter die in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung noch gar nicht übersehbare Entdeckung von dem G o l d- gehalt im Quecksilber machte?! Muh nicht jedem ehrlichen Deutschen das Herz aufgehen, wenn er beobachtet, welche prächtigen jungen Menschen deutsche Mütter unter beispiellosen Entbehrungen in oen Zähren bitterster Rot erzogen haben?! Verkörpern sie nicht alle die WorteO Deutsch­land hoch in Ehren", die da in hellen Scharen htnausdrängen aus d.rn staubigen Straßen auf Spiel-, Sport- und Tiomplätze?! Möchte man nicht alle die Schlechtschw-lltzer und Verächtlichmacher unserer akademischen Zugend heute nach Marburg führen und sie Abbitte tun lassen vor den tau­send jungen Studenten, die dort im Wasser und auf dem grünen Rahm ihre Kräfte messen und leuchtende Beispiele eiserner Manneszucht und Willenskraft geben?!

Alnb dieses strebende, ringende, Werte schaf­fende Deutschland totjeb noch immer wie ein He­lotenvolk behandelt! In dem widerrechtlich be­setzten Düsseldorf wurden in der letzten Woche Fußballer von den Franzosen mit Ge­fängnis bestraft, weil sie ein Sportlied nach der Melodie desHeil dir im Siegerkranz", die bekanntlich die unveränderte Melodie der englischen HymneGod save the King" ist, ge­sungen und damit jeloenfalls das Gefühl der far­bigen Franzosen aus Marokko oder dem Senegal verletzt haben denen Kannibalenmusik täglich Hunderttausenoe von Deutschen im besetzten Ge­biet ungestraft beleidigt. In Essen, dem rechts- und vertragswidrig besetzten Essen, wurde von dem französischen Kommandanten die Ver­anstaltung von Konzerten im Stadtpark für die Zeit vom 1. bis 10. August verboten und 'dem Philharmonischen Orchester untersagt, bis zum 10. September irgeniAetne musikalische Probe ober Aufführung zu vertonst« lten. Warum? Weil ein­zelne der vorgetragenen Musikstücke eineher­ausfordernde Tendänz" gehabt hätten! Vielleicht hat bei Kapellmeister, erschüttert und angefeuert von der wahrhaft beispiellosen Art und Weise, tn der unter dem Zöche und Zwange der Fremdlinge und dem Drucke der Rot bas WirtschaftslÄ>en bes Ruhrgebiets auf» rechterhalten wird, das LiedO Deutschland hoch in Ehren" intoniert, vielleicht Wagners Kaisermarsch oder garSie sollen ihn nicht haben" nach der Melobie Robert Schumanns! In Mainz wurden. junge Deutsche wegen der angeblichen Werbetätigkeit für eine im besetzten Gebiet als gefährlich für die Sicherheit der 12:0 000 Franzosen angesehene Zugendorganisation zu vielen Jahren Ge­fängnis verurteilt, in der Pfalz verhöhnte der General be Metz die rheinische Bevölkerung, inbem er am 14. Zuli, dem französischen Na­tionalfeiertag, neben der Trikolore die Dan- ditenfahne des Separatistengesin­dels aufziehen Lieh.

Täglich sind wir gezwungen, solche Beweise einer fast pervers erscheinenden systematischen Herabwürdigung dies deutschen Volkes durch die Gewalthaber inl Lesehten Gebiet zu schildern. Richt nur die ständige Verhöhnung der Autorität der deutschen Regierung urib die bewußte Rechts­beugung, die iin der gestern von uns an dieser Stelle geschilderten- weiteren Anwendung der im Ruhrkampf erlassenenOrdonnanzen" und anderer Maßnahmen besteht, kommt hierbei in Frage. Sondern viel mehr noch die offenbare Verhöhnung dev Autorität des Menschentums, der Kultur und der Moral, die mit diesen kaum von halbzivili­sierten Völkern Jemals angewandten Knegs» methoden terbunben ist. Alnfer verehrter Mit­arbeiter Professor D. S chian hat vor zwei Tagen <yi dieser Stelle den lächerlichen B o yv fott der deutschen Wissenschaft be»