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mu alle ange- chlosienen^erbände ind Freunde ein- jelaben sind.
Abmarsch 3 l'br Sndwigkplah oder "90 Bahn. 5001D
Ter Leiter.
Wit gute Sicher- eit u. hohe Zinsen ewcht. Schr An- 'ott um 021054 an en Gieh. Anzeiger.
Vortrag von Herrn Pros. DA
Lange übet Wandcrruderll ond Paddeln frei tag 27.3»^ benbe Ubr. im
Bootsbaus.
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Heute abend 8.30 Uhr ^serviert für * »lieder der
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m. H2 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Donnerstag, (9. Jmrt (924
Schmuggelgesck)ichten.
Don Otto Anthes.
Qltem F.eund, der Kapitän, erzählt:
Als ich noch, auf Kopenhagen und Malmö fuhr, kam rch einmal gegen Abend zum Hafen, Werl ich zur Dacht aus lau, en wollte Da-sah ich, daß mern Dampfer vorn mit der Aase tief im Wasser lag. Ich ging an Bord und sagte: „Zum Donnerwetter^ was ist brnn mit dem Schiff los?"
„Seren Sie man stille, Kaptein," sagte der Dootsmann. „W.mn wir draußen sind, bringet toir die Zichorie nach. hrnteir."
Es wurde damals massenhaft Zrchorie nach drüben geschmuggelt, und die Kerle hatten das ganze Vorschiff damit vollgepfropft.
Da, wir kommen denn ja auch glücklich heraus damit. Wer als wir in Walmö im Hafen waren, sahen wir am Kai zcoar schon das Doot, das die Zichorie übernahmen sollte, aber auch. den Zollwächter, vor dem wir die größten Manschetten Hatten. Ich sagte zu einem Matrosen: „Swenn, bist du fertig ?“ — Er blinzelte mir zu und antwortete: „Alles in Ordnung, Kapitän."
Im Augenblick nun, wie wir an Land festmachten, schmiß Swenn ein großes Paket über Dord auf den Kai, sprang über die Deeling hinterher, raffte das' Paket auf und rannte damit wie besessen der Stadt zu. Der Zollwächter zeterte 'hinter ihm drein, aber vwenn hörte nicht. Da lief der Zollwächter war ec kannte, um ihn einzu- 'holen. Auf dem Marktplatz erst erwischte er ihn, weil Swenn wie erschöpft innehielt.
„Was hast du in dem Paket?" schrie er ihn an.
„Wäsche," gab Swenn atemlos zurück.
„Mach auf!"
Swenn gehorchte, und es war weist Gott Nichts anderes drin als schmutzige Wäsche.
„Wo wolltest du hin damit?"
„Zur Wäscherin."
„Warum bist du dann fo aerannt?"
„Dur von wegen der Reinlichkeit. Ich kann daS nicht leiden, wenn die schmutzige Wäsche länger an Dord ist, als es nötig ist." —
Die Kolonialschuldlüge.
Von Professor
Dr. Gerhard Du d de- Hannover.
Gin besonderer Teil der allgemeinen Kriegs- >schuldlüge ist die Kolonialschuldlüge. Sie ist in chsr Mantelnote zum Versailler Vertrag enthalten, tn der die Wegnahme der deutschen Kolonien -damit begründet wird, daß ein militärisches Deutschland mit brutaler Gewaltherrschaft die von ihm unterjochten eingeborenen Völler mißhandelt habe und auf die Schaffung von Stützpunkten zur Bedrohung anderer Dntionen ausgegangen sei. Das heißt mit anderen Worten: Deutschland hat sich unfähig und unwürdig gezeigt, Kolonien zu -besitzen, deshalb haben wir das moralische Recht, sie ihm wegzunehmen. Ein solches moralisches Recht mußte mit rücksichtsloser Hinwegsetzung über die Wahrheit konstruiert werden, um den Kolo- nienvaub ttotz des Punktes 5 in Wilsons 14 Punk-- •ten vor der Welt zu rechtfertigen: in diesem Punkt 5 wird gefordert: „Eine freie, weitherzige und unbedingt unparteiische Schlichtung aller lv- loniaten Ansprüche, die auf einer genauen Beobachtung des Grundsatzes fußt, dah bei der Entscheidung aller derartigen Souveränitätsfragen die -Interessen der betroffenen Bevölkerung ein eben« ffvlches Gewicht haben müssen, wie die berechtigten -Forderungen der Regierung, deren Rechtsanspruch bestimmt werden solll' Diesem 5. de: W.t.on chen j!4 Punkte widerspricht die Wegnahme unserer -Kolonien so offenbar und so unwiderleglich, daß -im Hinblick auf die Welt nun ein befonbereu Grund für sie erfunden werden muhte, die schon -vor Beginn des Krieges für den Fall einer Rie- Derlage Deutschlands beschlossen war. Diesen Grund muhte nun die erwähnte, ,in der Mantel- mote des Versailler Vertrages aufgestellte De- Häuptling ton der Unfähigkeit und älnwürdigkeit Deutschlands, Kolonien zu besitzen, hergeben.
Diese Behauptung stellt aber eine den Tat- Jachen schnurstracks widersprechende bewußte Lüge dar. Daß dem so ist, ist jetzt wieder durch neues Material erhärtet worden. Besonders wertvoll ist darunter dasjenige, das vor einiger Zeit der efemalige Gouverneur von Deutsch-Oslafrika, Dr. Heinrich Schnee, in einem Sonderheft der I-Süddeutschen Monatshefte" veröffentlicht hat. ,Die Ausführungen Schnees zerfallen in zwei Hauptteile, von denen der erste in 3 Abschnitten von dem „Betrug", der „Bemäntelung desselben" !vnt> von dem „Inhalt der kolonialen Schuldlüge" Handelt, während der zweite „Die Wirklichkeit" betitelte in sechs Abschnitten darlegt, wie es in Wahrheit mit der kolonisatorischen Tätigkeit der Deutschen ausgesehen hat. In d?m ersten Hauptteil wird gezeigt, wie die meisterhaft, aber skrupellos gelenkten englischen Kräfte schon in den ersten Kriegsstadien am Werk waren, um alle Vorbedingungen für den von Anfang des Krieges an beschlossenen Kolonienraub zu schaffen. Die englische Regierung hielt, solange der Ausgang des Weltkrieges schwankte, sich selbst im Hintergrund, bediente sich aber bekannter britischer Kolonial- autoritäten, die vor dem Krieg die deutsche Kolonialtätigkeit rühmlich anerkannt hatt n um die deutsche Kolonisationsmethode Verleumdern ch herabwürdigen zu lassen. Auf diesen f-ogenaunten Zeugnissen britischer Sachverständiger un) deutscher Abgeordneter wurde dann die Anklage auf „Eingeborenenmißhandlung" und „Ausbau der Kolonien als Stutzpunkte für die Erob.rangs- zrele" aufgebaut. Eine Verteidigung von fetten Deutschlands wurde nicht zugelassen.
Schnee weist nun an der Hand amtlicher Zeugnisse der Gegner und umnfea^tbarer Tel ge nach, dah die -obigen Deschuld g ing n nicht nur heuchlerische Verleumdungen g.w sen lind, sondern dah im Gegenteil die deutsche Fürsorge für das Wohl der Eingeborenen die der heut.gen Mandatare bei weitem übertraf und dah, wenn je ein Militarismus in afrikanischen Gebieten bestand, et von den Feindbundmächten gcpsllg' worden ist und heute von der franzöiischen Reg e ung in die Deutschland geraubten Schutzgebie.s eile hineingetragen wird. In den amtlichen Bericht n der letzten Jahre haben die älrheber jener Ko.o- nialschuldlüge sogar selbst die deutschen Kul ur* leistungen in den Kolonien anerkannt und damit die Behauptung, auf der sie jene Lüge aufge aut haben, selbst wider.ufrn. „Wenn je ein Aufruf an die gesittete Welt betechtigt war, so ist cs der vom Verfasser (Schnee) auf Grund seine. Beweisführung an alle Völler g r chtete, w lche sich noch des Besitzes sittlicher Grundsätze rühmen.
Er beschwört sie ernst und dringend, den grausamen Kolonialbetrug bald wieder gutmachen zu helfen."
Voll bestätigt werden die Ausführungen Schnees durch' die ihnen angeschlossrne Abhandlung des Ministerialrats im Ministerium für Wiederaufbau, des Geh. Reg.-Rats Dc. R u p P e l über „Die kriegführenden Mächte und die koloniale Frage". Ruppel fahl das Ergebnis seiner Plnterfuchungen in folgendem lurzen Schlußwort zusammen: „Die interessierten Staaten haben von vornherein für den Fall des Sieges die Wegnahme der deutschen Kolonien in Aussicht genommen. Daher die militärische Besetzung und die Geheimverträge. Die Regieiungen sind mit dem Kriegsziel offen hervorgetreten, als der Sieg sicher war. Die Begründung ist in England gemacht worden. Erft wurde die öffentliche Meinung von privater Stelle mit den verschiedenen Behauptungen bearbeitet, bann wurden sie von der Regierung übernommen und endlich in die koloniale Schuldlüge zusammeng saht. Die letzten Skrupel schliehlich wurden durch die Annahme des Mandatssystems beseitigt." Das deckt sich durchaus mit den Ergebnissen, zu denen Schnee in sachlich einwandfreier Beweisführung gelangt.
Welchen Werk die deutsche Kolonisatorenarbeit in Wahrheit aufzuwcisen hat, hat neuerdings auch der südafrikanische Ministerpräsident General Smuks anerkannt. Er schreibt in dem Briefwechsel zu dem Abkommen zwischen dem Deutschen Reiche und der Südwestafrilanischen Anion vom 23. Oktober 1923, durch das die Verhältnisse der zurückgebliebenen Deutschen in freundschaftlichem Sinne geregelt worden sind, u. a.: „Die Deutschen, die sich zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Teilen der Anion niedergelassen haben, bilden einen der wertvollsten Teile der südafrikanischen Bevölkerung, deren erfolgreiches und gewissenhaftes Wicken ich sehr hoch schätze."
Dieses segensreiche Wirken deutscher Kolonisationsarbeit hat sich ganz besonders auf sanitärem Gebiete gezeigt. Deutsche ,i ;b es gewesen, die mit dem von ihnen erfundenen Heilmittel „Bayer 205“ die verheerende Schlaf krank'ei r erfolgreich bekämpft haben. Von der deutschen Wissenschaft ist das einzige Mittel gefunden wow den, das bisher absolut siegreich diese durch die Tsetsefliege erzeugte Krankheit, dec jahraus, jahrein ungezählte Menschen zum Opfer freien, iowie die ebenfalls durch die Tsetsefliege verursachte furchtbare Rinderpest zu bekämpfen begonnen hat. aber keinem dieser Kulturvölker gelang es, ein Mittel herzustellen, das eine wirksame Hilfe bot. „Die Kvlvnialländer England, Frank.eich, Portugal haben diese Schrecken zu bekämpfen versucht, Erst dem Forschergeist des als tolonisierung?un- fähig zum Verlust seiner Kolonien verurteil en deutschen Volles war es vorbchalten, auf Grund exaktester wissenschaftlicher Arbeit und eisernen Fleißes hier Reues zu schassen und siegreich den Kampf gegen bis dahin unbesiegbare Feinde zu bestehen."
Die Ergebnisse deutscher Kolonisationsarbrit liegen offen vor den Augen der ganzen Welt. Deshalb dürfen wir, wie in dem letzten Mi.tei- lungsblatt des Arbeitsausschußes deutscher V r- bände mit Recht hervo-geh.ben w rd, hoffen, daß die Erkenntnis der kolonialen Schuldlüge, dieser Teilschuldlüge, leichter und schn.ller in dec Welt durchdringen wird, als die der allgemeiren und ganzen Kriegsschuldlüge. Untere Auf gab? bl ibt es jedenfalls, den Kampf g gen die Teilscl-uldlüge mit unverminderter Energie fortzusehen und zu diesem Zwecke alles neue Material der bui.eften Öffentlichkeit zuzuführen.
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Für Frieden und Freiheit - gegen die Kr eIsschuldlüge.
Der „Arbeitsausschuß deutscher Verbände" erläßt folgen en Ausruf:
Der 28. Juni ist ein Schicksals lag besonderer Art. Vor 10 fahren fielen in Secasew) die le - hängnisvollen Schass?, de die Ew.e.seurr ds Wel.krieges zur Folge hatten. Vor 5 ahr n muhte an diesem Tage unter dem Dcuch dec Waffen starrenden felndlichm Heere und unter ec Androhung so tgeseh er Ans u gerun i das D b tat von Versailles unter ch.ieben wer en Rach vierjäh :grn. mit beisp .ls o en Opfe n 'gef hr e . Dertrid.gungskci gc ha: Deutschland d.e Jia, e i niedergelegt. Der verheißene Friede d» s Rechtes und derGerechtigkeit wurde
ihmnicht zuteil. Mit einem Wortbruch suchte man die Reichseinheit zu zerfchlagen, die deutsche Wirtschaft zu zerstören, den letzten Rest deutscher Dolkskrast vernichtend zu treffen. Mit der Kriegsschuldlüge suchte man auch weiterhin das moralische Ansehen Deutschlands in der ganzen Welt zu untergraben.
Weite kerndeutsche Gebiete wurden dem Mutterlande entrissen, Millionen deutscher Volksgenossen unter Fremdherrschaft gezwungen. Die unter großen Opfern und musterhaft verwalteten deutschen Kolonien wurden unter dem Vorwand deutscher Anfähigkeit zur Kolonisation geraubt. Anecmeßkiche Lasten wurden dem deutschen Volke vertragswidrig auferlegt, um es auf Generationen hinaus gebrochen am Boden zu halten. Mit der wahnwitzigen Schuldlüge rechtfertigten die Männer vom Schlage Poincarö, Elemenceau und Millerand vor der ganzen Welt ihre Politik dec Vernichtung und Versklavung.
Jahre hindurch hat die Welt infolge einer gewissenlosen Propaganda die Lüge von der deutschen Schuld am Kriege, von der deutschen Schuld im Kriege, die Lüge von der Kolonialschuld geglaubt und der deutschen Rot im allgemeinen gleichgültig zugeschen.
Die in- und ausländische wissenschaftliche Forschung hat die Anhaltbarkeit dieser Schuldanklagen längst bewiesen. Die deutsche Reichsregierung hat ihre geheimsten Archive aller Welt willig geöffnet. Die Gegner haben dies bisher unterlassen und nichts getan, um der Wahrheit zum Siege zu verhelfen.
Anter dem Riedergang Deutschlands leiden alle Völker. Die Welt sieht ein, dah die dauernde Riedcrhaltung Deutschlands das größte Hind r- nis für den Frieden bildet. Die Sehnsucht der Völker nach wahrem Frieden, für dessen Herbeiführung das deutsche Volk die größten Opfer bringt, gewinnt anscheinend auch in Frankreich — immer mehr Einfluß auf die Politik ihrer Regierungen.
Deutsche Brüder, deutsche Schwestern! Am Tage der fünfjährigen Wiederkehr dec Unter» Zeichnung des Diktates muß auch das deutsche Volk der ALelt seinen Willen deutlich und ausdrucksvoll zeigen. Wir rufen daher alle Berufsstände im ganzen Reiche auf, am «Sonntag, den 29. Juni allerorts wuchllge urrd würdevolle Kundgebungen zu veranstalten. Die Kundgebungen müssen fein; ein flammender Protest gegen d i e Lüge von der deutschen Schuld am Weltkriege, gegen weitere Gewalt und weitere Bedrohung, ein Ausdruck des geschlossenen Willens zum Frieden und zur Freiheit, eine Forderung des Rechtes auf Leben und Entwicklungsmöglichkeiten. Partei- und Klassenun ec- schiede müssen hierbei zurückstehen. Die Außenpolitik kommt vor der Innenpolitik. Höhe- als Sonderinteressen steht das Vaterland. Die Kundgebungen am 29. Huni müssen sein: ein Kampf um Wahrheit, Recht und Ehre!
Arbeitsausschuß deutscher Verbände: Arbeitsgemeinschrft für vaterländi che Aufklärung. Deuticher Frauenausschuß zur Bekämpfung der Schuldlüge. Koloniale Reichsarbeitsgemeinjchaft. Bund der deutschen Grenzmarken chuhverbände. Deutscher Rhein E. V. Deutscher Schutzbund für das Grenz- und Auslandsdeutschtum Die im Westausschuh zrllammenge.ch.vf enen landsmannschaftlichen Verbände von Rhein, Ruhr, Saar und Pfalz.
Wirtschaft.
Arbrrtsmarkt und Wirtschaftslage.
Im Monat Mai hat sich der Auftragseingang der deutschen Industrie toe.ter abgeschwächt. Dazu kommt, daß die Kreditnot, beb reits r r den Vormonat.n das Wirischaits.ebe i b e igte sich weiter gesteigert hat. Infolgedessen ging man bei den Wecken, den „Reichsarbeitsblatt' zufolge, mehr und rn.chc dazu übe -, E.itla sa re r vorrunehrnen und k ine Produktion zur 'Au füllarg der Läger, vielleicht bei Kurzarbeit durchführen Zu Len Hemmnissen, d.e der an sich richtigen Kreditpolitik der Reichsbank noch aus te Wirtschaft der Inflationszeit gegen überstehen, zählte in letzter Zeit insbe andere der Mißbrauch der Ge- schlltsaussichi, dcc die unvermeidliche Scheidung z">ifch n baue nd lebensfähigen und nicht dauernd übcnSfäf-igen B trieben ecsch verte Die nunmchr angebahn.e Einschränkung dec Geschäftsaufllcht
wird den Gesundungsprozeß beschleunigen. Wieweit sich ein Preisabbau durchsetzen wird, der stark genug ist, eine gesteigerte Aufnahmefähigkeit des Auslands- wie auch des Inlandsmarites auszulösen. muß abgewartet werden: zunächst ist eine Entlastung durch beschleunigten Kapttalumschlag infolge Steigerung der Ausfuhr ober Erhöhung des Jnlandsabsahes nicht zu erkennen.
Der Arbeitsmarkt zeigt vorerst noch ein günstigeres Bild als die Wirtschaftslage. Es ist dies zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß die Betriebe noch an den alten Auftragsbeständen werter arbeiten. Der allgemeine Beschäftigungsgrad hat rnfolgedessen im ganzen im letzten Monat feine wesentliche Veränderung erfahren. Wenn auch zum Teil Arbeiter entlassen werden mußten, so wirkte sich dies doch nicht auf die Zahl der Arbeitslosen aus weil anbere Betriebe zur Aufarbeitung von Aufträgen, deren Fertigstellung infolge Arbeitsstreitigfciten ober anderer Grünbe hinausgezögert war, mit neuen Arbeitskräften die verlorene Zeit einholten. Eine Entlastung des Arbeitsmarktes fand darüber hinaus auch noch- dadurch statt, daß die Arbeiten im Freien durch' das späte Einsehen des Fcühjahrswetters sich hinausgezögert hatten. Mehr und mehr tritt auch zutage, wie sehr der Arbeitsmarkt von Qualitätsfragen, nicht nur von Quantitätsfragen beeinflußt wird. Schon jetzt zeigt sich' wachsendes Angebot von Hilfsarbeitern bei zum Teil noch zunehmendem Mangel an SpLzialarbeitern.
Was die einzelnen Wirtschaftsgebiete betrifft, so ist der im Steinkohlenbergbau des Ruhrgebietes geführte Kampf um die Lohnhöhe und die Arbeitszeit noch in Erinnerung. Die ßagerbeftänbe erfuhren trotz allgemeiner Zurückhaltung der Be- darfskreife eine Abnahme. Im Erzbergbau ist eine wesentliche Veränderung der Lage nicht zu v.nc- zeichnen In dec Kaliindustrie besserten sich' die Absahverhältnisse nicht, so daß vielfach- Feierschichten und Betriebsstillegungen notwendig wurden. In der Eisen- und Metallindustrie ist die Lage nicht ganz einheitlich, im ganzen zeigt sich jedoch eine Verminderung der Arbeiter vom 15.. April bis 15. Mai um etwa 7 Prozent. Für Roheisen überstieg die Rachfrage die Menge, welche aus der deutschen Erzeugung durch den Ro'h- eisenverband zugewiesen werden konnte. Im Maschinenbau zeigte der Mai eine rückläufige Bewegung des Einganges an Bestellungen. Zu weitgehenden Dctriebseinstellungen kam es in der chemisch-en Industrie. Auch die Betriebe der Tex- tilinbustrie leiden durchweg erheblich, stärker unter der Zurückziehung früher erteilter Auftrage und der Kreditlnappheit. Das Baugewerbe verzeichnet ein Anhalten der leichten Belebung, fühlt aber stärker den Mangel an Facharbeitern.
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WTB. Der Deu ts che Stahlbund war am Dienstag inHagen versammelt. Die Erörterung galt den ganz uneriräglichen Verhältnissen in der Eisenindustrie, besonders der wenigen des besetzten Gebiets. Daraus ergibt sich das folgende Bild: Wenn sich auch da und dort noch Geschäftsmöglichkei en ergeben, so ist doch durch die K r e d i t k r i s e der Absatz mehr und mehr ins Stocken geraten. Äe Preise bringen immer schwerere Verluste. Unter diesen BerAltnissen zeigen sich immer deutlicher die Folgen der M i c u m - La st e n für die Eisenindustrie des besetzten Gebietes. Die Kohlenpcerse könnest der Micum-Lasten wegen seitens des Bergbaues nicht ermäßigt werden. Darüber hinaus hat die Eisenindusttie selbst noch Lasten und Erschwerungen zu tragen, während die Verkaufspreise der Walzwcrkcrzeugnifse sich weder nach den Kohlen- und Koksp.eijen, noch nach den sonstigen Lasten der Eisenindustrie rrchten, sondern nach den Weltmarktpreis en und dem Gesetz von Angebot und Rachfrage. Diese Lage hat auch jene Werke, die bisher ihre Pcoduttion noch Hochzubalten gesucht hat.e r, zu der Erkenntnis gebracht, daß die Erzeugung durch äußerste Aestren- gung der Betriebe und wo es nicht anders geht, durch Stillegung der Rachfrage angepaßk werden muß. Es ist zu erwarten, daß durch diese den Werken aufgesprungenen Maßnahmen eine Festigung und Hebung des Preisniveaus eintritt.
Die (vrotzhnndelsindexzifser.
Die auf den Stichtag vom 17. Juni berechnete Großhandersindexziffer des Sta- tistifchm Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 10. Juni (117,2) mit 117,0 nahezu unverändert. Die Indexziffern der Hauptgrup-
Ha da war nun nicht vill zu machen. Wütend ke'hcte ie; Zollwächt w zum Hafen zurück Dori war aber inzwifch? i d.e ganze Zichorie in Doot verstaut und vecfchwu.ioen. —
Rückwärts p l gten wir bann hauptsächlich Aguavit zu schnugg ln. Einmal wußcen wir in Lübeck gar nicht damit an Land zu konmen, weil zu scharf aufgepaßt wurde Da mutze sich schli.ß- lich die alte dicke Schfssköchin einen fta;Je i Gürtel unter de i Rock um den Leib :e ie t, und daran wurden die Flasche i ringsum ang hingt Sie war ja nun noch ein bißchen dickec als sonst, aber einen grotzen ülnterschied macht? das nicht. Sobald sie nun zu gehen anfing, stießen die F.afchen sachte aneinan-e., und so stieg sie dann, immerzu leise läutend, als ob sie einen ganzen «Sonntag in sich hätte, von Bord.
Der Zollwächter stand ein Stückchen davon, und als sie so an ihm vovbeiklingelte, spitzte er die Ohren.
„Du, Köksch," rief er, „was ist denn mit dir los?"
„Hach?" machte sie, legte die Hand ans Ohr und tat schwerhörig, was sie auch' in Wirklichkeit ein bißchen war.
„Was du für eine Musik machst, will ich' wissen."
„Versteh dich nicht," sagte sie und wollte — klinglingling — weiter. )
„Ru nö," schrie er, „das gibt's nicht. Du kommst mit zur Zollwache. Das wollen wir doch' erst mal untersuchen."
„Meinetwegen," sagte sie und ging — fling kling — neben ihm, wohin er wollte.
Als sie an der Tür der Wach? waren, tat sie, als müsse sie ihn unbedingt voranlassen und setzte einen tiefen Knix hin, fo daß eine dec Pullen aufs Pflaster stieß, einen Sprung bekam und nun leise den Aquavit von sich ließ.
Der höhere Beamte, der auf der Wach; war, blickte auf und sah die nasse Straße, die sie hinter sich 'her zog.
„Was machst du demi da?" schrie er sie an. Sie wimmerte mit kläglichem Gesicht: „Ach Gott, ich hab' solche Angst."
„Raus!" brüllte da der Beamte, so laut er konnte. „Raus, du altes Fecker!"
Das ließ sich die Köksch nicht noch einmal sagm. Wie dec Wind war sic aus dcr Tür und ran te, gewaltig lärve rd spomstr.ichs die Alte- fr h.e hinauf, stracks zu dem Kaufmann, der den Aquavit haben sollte.
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Christ?, bas Weihbuch unb bie Lüge.
Skizze von Paula Keune -Berlin.
Mit Christi war kein Auskommen mehr. Ich setzte mich daher folgendermaßen mit ihr auseinander:
„Im Himmel liegt ein W ißbuch auf. Dort hinein berichten die Eigel die Wohl- und Missetaten der Meischcn. lllnd der liebe Herrgott liest es 2lbend für Abend durch."
älnfcr Herrgott ist de' Einzige, vor dem die Christi Respekt hat. Vor ihm und einem Schorn- ftemfene'. „Mutti schreiben es die Engel mit Buntstift m?"
„Selbstverständlich. Mit rotem, wenn die Christel artig und mit blauem Stift, wenn sie lügt,"
Seit dieser Zeit sind ihr Bücher, die sie sonst sehr gerne mochte, unsympathisch
„Die ollen Bücher. Ein Bruder ist viel besser. Erna hat am Abend Schokolade hingelegt für den Storch, am andern Morgen war sie weg und ein Bruder war da."
„So schnell wird es ja nun gerade nicht gehen, aber ich will mal mit Papi reden."
„Ach, Mutti lieber nicht, der sagt am Ende nein; wir wollen s mal allein versuchen."
Am Abcnd lag eine Tafel Schokolade und ein fle'hender Brief Christls vorm Fenster.
Mit meinem Manne sprach ich doch darüber; er war nicht abgeneigt. —
Am andern Morgen war die Schokolade weg, der Bries noch da und an Christls Händen waren merfoürbige braun« Flecken.
„Christ!, du hast ja die Schokolade für den Storch auf gegessen, schau deine Hände an und der B.i.f ist moch da."
Christi leugnete, -t- — leugnete mit einer Standhaftigkeit — — „und paß mal auf, heute Mittag ist der Bruder da," stotterte sie mit glühheißem Kopf.
Ich war fehr betrübt über ihre Lüge, spielte nicht mit ihr, sondern schrieb Briefe. Siaen Kalendertag will ich blau anstreichen unb bemerke zu meinem Erstaunen, daß der Blaustift fehlt. Plötzlich erinnere ich mich der Worte: „Mit blauem Stift, .wenn die Christi lügt."
Solch eine.kleine raffinierte Perfon! Sie 'rytelt uns in engster Ve bindung mit dem Himmel.
Mißgestimmt legte ich mich auf den Diwan und mußt; dennoch lächeln. Ein Lächeln, für das man gl ich um Entschuldigung bittet.
Christi schwcbt.um mich herum, sehr verlegen. Hie und da versucht sie, sich mit mir anzuchiederns
Ich bleibe.hart! —
Es wird mir Besuch gemeldet, eine Base Antonie. Sie hat eine lange Rase und riecht immer etwas, was andere nicht riechen. Ich ärgere mich schon im Bovaus und gab dem Mädchen die An- .weisung: „Ich bin nicht zu Hause." —
Christi hört auf zu spielen, dreht sich mit einem Ruck herum und sieht mich an. De n Blick werde ich nie vergessen!
Jetzt wurde ich freundlich zu Christl; doch sie — blieb Hari. Als ich meinen Mann auf den fehlenden Blaustift aufmerksam machen wollte, lag er wieder an seinem Platze. Christl war getrost; nun hatte sie einen Schuldgenosfen, sogar ihre Mutter.--Konnte man ihr böie sein?
Von dem Weißbuche und dem Bruder ist einige Tage lang keine Rede.
Dann kommt Werner zu Besuch, pausbäckig und unbeholfen. Christl treibt Schindluder mit ihm und erzieht Ihn. Ich stehe am Fenster und höre Christls mahnende «Stimme:
„Pfui, schäme dich, Werner, du lügst ja. — lügen — dürfen nur die Großen."
So ist.das Leben.


