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Erster Blatt

m. Iayrgang

Steliag, 18. Januar 1924

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Pnd ob Derteg: Vrübl'sche UntversttLir vich. und Sttinöniderei B. Lange in Kletzen. Sdiriftleihing nib AcfdfjftsMr $*w!*traM T.

lm)i? mi liie )ti f*r»te Iage»i»**er »'s gern kahinaq o.lwrcbe ^erbm-hcheru.

Pret» <4r 1 >om aege ftr legctgen oon 2« mm Sr.-ut r hdiH.auemiiru lOibolbpltneig; für * kla*t*.lnj<igeito.70 n a üttiit X> U>oibp|cnmg, Via D<>t|j)riji -j , <«M* schlag - dcraat»i>rui4) |ur piilmbe. 'rtMiflrion: Dr. ^rttbr. d3dg. »lang«; für »<n ujngcn 4...Ü (trn|f dlum dicin; ar Den InjeigenKti. , llmii. 4) u «0 4 j: t

Rettet das Reich!

Eine Rede des Reichsfinanzministers Dr. Luther zum Tage der Reichsgründung.

Berkin. 17. Jan lWTB> Toichssinanz- mintfter Dr. Luther h-ell beule in der Tadro- 6tunbe QL-ft im 'Borbaufc in Terlct folgende Ansprache: 3um Tage her T.ichsgründung rufe ich dem demlchn Tolle zu: Teilet daSTeich? Au» einem -Traum mürbe dar Teich am 18. Han 1811 Wirklichket. 3n der Ichiveren To! der Degenuari gilt es, alle- einzusetzen. damit daS Teich nicht micber zum Tlärch n mirh. Zadlretche Ausländer, die mich in den letzten Wochen be­sucht Haden, haben mir gc'agt. sie verstünde«, überhaupt nicht, mit de Dährungsfestigrlng tn Deutschland möglich gewesen sei Mehrere von ihnen gebrauchten d n Ausdruck. der Vorgang sei rnärchrntzasi Das deutsche Volk kennt die Ursachen der Slabilis.erung oder hat sie wenig­stens danuckr gekannt, als Die Festigung sich voll­zog, und hat gemuht, bah ncb&i der seslen Durch- ffibrung eines flaren Tegiei ungsvlanes auf wäh- rungstechnischem Gebiet ein Erfolg erreicht wor­den ist

durch die Bereitwilligkeit zu schweren Opfern und die sofortige Durchführung eine- Teiles dieser Opfer.

3m Oktober und bis Mitte Tovember gab es kaum deutsche Männer und Frauen, die nicht zu jedem Opfer bereit waren, um die furcht­bare Währungsnol zu bezwingen Wie aber sieht es heule auS? Noch immer herrscht eine un­geheure E r we rbslosigkeil und Ärebit- not Toch immer ift die politische Lage düster. Dennoch scheint, nachdem die Festigung der Wäh­rung seit kurzen sechs Wochen eine Tatsache ist, bet vielen Mitbürgern und auch bei manchen, deren Wort Gewicht hat, wirklich schon eine Tn Märchen st immung au-gebrochen zu jein. 3st es nicht eine Märchenslimmung, wenn man jetzt glaubt, bah die Voraussetzungen, unter denen allein die WählungSfestigung bestehen bleiben kann, allo äufcerflc Tnspannu ng der Einnahmen und äuherfte V e - schränkung der TuSgaben, wieder um- getborsen werden könnten? 3st c< nicht ge­radezu eine Verzauberung des Versandes, wenn man beute schon lesen kann, durch die scharten Srsparnismahnahmen der Teichsregierung. die in den verschiedensten Tichtungen in Vertrage und andere wohlerworbene Techte eingegriffen h»rbe, sei

der Dau des Teiche- gefährdet, während er in Wirk! chkeit durch diese Ttah- nahmen gerettet wurde. Zur Frage der Hypotbekenaufwertung wM ich in die­sem Zusammenhänge mich nicht eingehend äubern, besonder- auch nicht zu der Frage, ob auS Grün­den. die jetzt viel eindrucksvoll erörtert worden sind, eine bescheidene Aufwertung an­gezeigt ist. Ttrt ift es nicht geradezu ein Zauber­glaube, wenn Leute, die innerlich ihre Hypo­theken (ängft abgeschri eben hatten, mit einem Male wähnen, alle dir Hypotheken, von denen mitsamt den übrigen Ersparnissen das deutsche Volk in den letzten Jahren durch die Mittel der 3 n f I a t i o n doch gelebt, die es alto doch verzehrt hat, könnten jetzt durch Federstriche aut ihren allen Gold orrt oder einen erheblich m Teil davon wieder rückwärts auf­gebaut werden, und der Staat und die Wirt­schaft könnten bei einem solchen Verfahren be­stehen? 3ft es nicht ein Märchen glaube an ein .Eselein streck dich", wenn öffentliche und Private Sparte immer wieder das Teich dem fei.t Kredit mehr xur Verfügung steht, um Zu­schüsse oder Steuererlasse ober derglei­chen bestürmen?

Muh nicht eine pollistche Wunterstimmung die Feder geführt haben, wenn mir kürzlich in einer Ze.tun", die vorwiegend Arbeiter belange vertritt, geradezu ein Dorwurf daraus ge­macht wird, daß ich alle meine Arbeit auf die Erhaltung de- Wertes der Tentenmart und den Ausgleich des Teichshaushai s abstelle?

Da- bedeutet affo dem Schreiber sicher betrübt * die Empfehlung eine- Verfahrens.

das auf eine Tückkehr in das Elend der Geldentwertung hinaus laust, die bei einer W;cbci holung hundertfältig s ch r e ck» lichcr sein würde, und Zwar nicht zuleyl für die grvk^n Menschenmaf etz der Cfäbte. Der Teichs- giündungSlag muh dem deutschen Volke e i n Tag ernfter Mahnung sein, bah es mit der Märchenslimmung nicht geht Die Wirklich­keit ifi härter alS je. Das deutsche Volk kämpft um fern Dasein. Für diesen Kamps müssen grobe Arbeitsleistungen von »hm ge ordert wer­den und einschneidende Aasgabebe­schränkungen and hohe Stcueitaftcn, durch die die Volksgenossen mit kleinem Ein­kommen und die schon so bedrängte deal ich? Wirt- schast hart getroffen werden. Dieser Kampf, an dessen Ende ein Wiedererstarten der deutschen Wirtschaft end damit die Teilung des deutschen Volkes und des TeickeS sichen muh, kann nur siegreich bestanden n<iben wenn afie Deutschen sich bei Wirklich­keit. so schwer sie ist. willig auch innerlich unter- trerfen. Wer dem deutschen Tolle die neue Wäh­rung erhalten will - und das will doch wo bl jeder, der überhaupt Vernunft Hal. muh auch das Mittel hierfür wollen, matz also z u schweren Opfer n bereit sein. Unter diesem Zeichen, aber auch nur unter diesem Zei­chen, werden Teich und Volk gerettet werden.

(Eine Rede Dr. Strefemanns.

Hamburg. 17. Zon. (WTD.) Dor einer stark besuchten Versammlung, die die Deutsche Dolkspartei zur Feier ber Teichsgrünbang ab hielt, erklärte Auf enminister Dr. Ltreseinaml u a. der T uhr kampf sei zwar verloren, aber der Gedanke des Kampfes sei nicht falsch gewesen. Gr habe gezeigt, bah es auch für das deutsche Volk eine Grenze der Geduld und deS Entsagens gebe. Seine volle De- leutung werde sich erst zeigen, toeira die Entschei­dung über Land und Volk am Thein falle. Die Vorgänge in ter Pfalz seien eine Kulturschande, deren ganz Europa sich schämen sollte.

3m Interesse der Alliierten selbst liege e», nicht über die Bestimmungen des Dersailler Vertrages hinauszugehrn Denn wer sich dar­über hinweqsehe, der nehme dem Vertrag seine Grundlage überhaupt.

Zu dem Zusammentritt der interalliier- ten Ausschüsse in PariS sprach r<r Minister tie Hofnvng aus, bah sie freimütig ihr Urteil über tic gegenwärtige weltwirtschaftliche Situa­tion abgel«n megm. Die Entscheidung eile jedoch: denn rhne Zweitel könne d.e deutsche Industrie die Lasten nicht mehr lang? tragen, die sie in den Tlicum-lkrträgcn übernommen habe. Eine Ver­längerung dieser Verträge, soweit sie über­haupt annehmbar seien seitens teil Teiches, sei nur möglich im Tahmen der endgülti­gen Lösung des Teparationspro- bl cm Ä überhaupt.

Ohne eine solche Lösung erscheine es ihm int» möalich, daß das internationale Kapital Lei- stunorn für den Wiederaufbau Europas auf sich nehmen werde, der die endgültige Verstän­digung mit Deutschland zur Grundlage haben mühte.

Vei Besprechung inner politischer Fragen er­klärte ter Minister, er hoffe, daß eine Verstän­digung über die DerfafsungSfrageer- reicht wer e Gegenwärtig sei aber bi? wichtigste Au gäbe, bah D<ulsckchand und Bayern die d e u l- sche Pfalz lei Deutschland erhalten. Gr sprach die Zuversicht aus, das) die Stabilisierung der deutschen Währung von Bestand s in werde und fügte hinzu, er glaube lagen zu können, bah wir vor der baldigen Errichtung derGold- Notenbank stehen Der Minister schloh mit einigen Worten über den Kampf gegen die Lchuldlügc. der »ine nationale Pflicht und vor allem auch eine Pflicht der Tcg'erung sei.

Augenblicke durchg-nnach', und wmn es während deS Krieges üb.r so vi.Ie Schr rrigkeiien gc iejt habe, verdanke cs das nicht nur feinen Führern und 6.1 baten, sondern auch der Klugheit der Talton. Seit gestern, fe*t der Ankündigung der Tegierungsmahnabmen habe sich der Fran­ken gebessert, und man werde über die oer- wegen- Offensive, die man die Torheit gehabt habe, gegen die französische Devise zu untern eh- men, siegen.

We"en des DersagenS Deutschlands, und nur deshalb, habe man uneehrurc Ausgaben an Pensionen und für die befreiten Gebiete machen und zu Anleihen seine Zuflucht neh­men müssen. Deutschland habe ein Moratorium für mehrere Jahre vertan?!; deshalb seien die Lasten Frankreichs gestiegen.

Seinen Alii erten habe Frankreich über die Lage feiner Finanzen Aufklärung gegeben, damit fie auf die Verleumdungen a nworten ®nnten. die gegen d-n Kredit Frankreichs gerichet würden. Das Budget mühe ausgeglichen werden; dann würden die Svc ula?i n in schs-chr» Ge­schäft machen. Sie HUto^urllen Fra rkr-i chs feien ungeheuer, und. da es nicht daran decke, sie durch polinlche Abent.u r »u t'T4>rDnr:ie. ct, da es aufrichtig pazifistisch und sehr ar­beitsam fei, müsse sich seine Lage verbessern.

Poincarr wie. a' 0. günf ige Handelsbckanz hin und auf Dir t'.'ac. . bah man den Dsnk- notcnumlaut um 1 äkilii 820 M llionen ver­ringert hab. A r; Budg-tausgaben seien herabgef.cht *" cenb die (Siinuibmen sich

gesteigert hätten

SS bestehe also Grund zu der Behauptung, daß die Lage Frankreichs nnrnrr blühender werde trotz gewisser Anzeichen.

Der Ministerpräs dent besprich! alSdann btc von der Tegierung rnS Auge geiahten Mahnahmen und unterstreicht vor allen Dingen, bah jede wei­tere Ausgabe unterdrückt werden nrühte. Die Kammer müsse, wenn sie spätestens im Monat Mai vor die Wähler trete, dies mit einem sta­bilisierten Franken und mit der nie« dergekä mpften Lebensteuerung tun können. Di: Tcgt irung werde auch Mast nahmen gegen die Steuerhinterziehungen treffen, denn, wer dem Tat erlaube feine Steuern zahle, begehe ein Verbrechen.

Tach der Tede Poincarss erklärt: Tbg. Brou f f c. man werde der Tegierung folgen. Die Geseymtwürfe der Tegierung würden dem Finanz ausschuh zur sofortigen Durch- berat uno überwiesen.

Ium 18. Januar.

Ton Pros. Dr F Digener

Die Schrift lei lang desGicstener Anzei­gers- hat mich freundlich eingeladen, einige Worte zum 18. Januar zu sagen. Gi' wird im Sinne der Lesergemeinde einer politischen Gel­tung liegen, wenn diese kurze Betrachtung sich nicht rem geschichtlich, vleimedr politisch, oder am ehesten historisch-politisch zu geben sucht gerichtet mehr auf den 18. Januar 1924 als auf den 18. Januar 1871, freilich doch getra­gen von dem stolzen Bekenntnis zu diesem 18. Zanuar, der als einer der leuchtenden T^ge unserer neueren Geschichte in das Dunkel des gegenwärtigen deutschen Daseins hineinstrahlt.

Der 18. Januar wird heute Im ganzen* Deutschen Teiche und von Millionen Deutschen auherhalb der TeichSgrenzen mit gesammel­tem Ernste gefeiert. Sin amtlicher Festtag ist er allerdings nicht. SS darf als ein Zeichen der neuparlamentarischen Furcht vor der Ge­schichte gelten, wenn die Mehrzahl der b?« rufenen oder, bescheidener gesprochen, gewühl­ten Vertreter des deutschen Volkes lm repu- blikanischen Teiche sich nicht zu der Erkennt­nis durchzuringen vermochte, dast der Versail­ler Lag von 1871 als TeichSgründungStag bestehen wird und bestehen must, ganz unab hängig davon, wie der Einzelne die geschicht­liche Tatsache der Begründung und deS fast fünfzigjährigen Bestehens des deutschen Kaisertums der preußischen Kdnige beurteilen mag. Gewih, auch das Deutsche Teich ist nicht an einem Tage erbaut worden: aber der 18. Januar ist und bleibt der sinnfällige Gr* Innerungetag der TeichSaründung; als deut­scher Gedenktag, als Zahrcstag des Teiches sollte und könnte er allen Deutschen gemein­sam sein, die mit geschichtlichem Betvusttsein in der Gegenwart stehen und an die Zukunft denken.

Dem, was den eigentlichen geschichtlichen Znhall dieses 18. Januar ausmacht, ift es nicht zuletzt zu danken, wenn wir uns nadi dem Zusammenbruche noch nationalpolitisch behaupten konnten. 3m grvsten geschichtlichen Sinne gesehen, besteht und wirkt das Werk Bismarcks weiter. Das Teich von 1871 ist von den Flanken her aufgerissen worden, im Osten und im Westen sind ihm Land und Leute ge­raubt, sein Leib trägt offene Wunden, ohne deren Heilung auch seine Seele niemals ganz genesen wird, und im 3nncrn ist das Teich um­gebaut worden, nicht ohne Geschicklichkeit, doch an empfindlichen Stellen mit mehr Eifer als Einsicht. Aber weder die inneren Gewaltsam- feiten der Tevolution, noch die durch deutsche Zustände tatsächlich ganz unmittelbar geför­derten äusseren Gewaltsamkeiten der sog. Frie­densschlüsse und Friedens:alen unserer Feinde haben den Grundbestand des Teiches, haben den geschichtlich gegebenen politischen Zusam­menhalt der Deutschen einfach zu zerstören ver­mocht. Das Teich wurde im Sommer 1914 einer Kriegsbelastung ausgesetzt, wie sie nie zuvor irgendein Staat auf sich nehmen mußte; es hat sie vier lange Zähre getragen, obwohl nicht, alle feine Kräfte für die Dauer einheitlich zu- sammenwirkten. Unter dem Mebcrmaf) des Druckes schließlich -usammengebrvchen, wußte dieses Teich sich wenigstens Atem und Le­ben zu erhalten, zeigt es sich bis heute stark genug, eine Friedenslast zu tragen, die schwe­rer wiegt als alle Kriegslast. Verkleinert, Der- knechtet, von Feinden umgeben und von Fein­den durchsetzt, umqeftaltet von außen und von innen, hat sich dieser deutsche Tationalstaat, der kaum so viele Jahrzehnte zählt wie die westlichen Nationalstaaten Jahrhunderte, nun eben doch behauptet.

DiSrnarckS Teichsgründung bedeutete, daß der reine PartikulariSmuS und das Neben­einander zweier deutscher Großmächte inner­halb eines und desselben lockeren Staaten­bundes überwunden wurden durch den preu­ßisch-deutschen Bundesstaat. Die Deutschen, die den Einheitskrieq gegen Frankreich mit kämpften oder miierlebten, sa^n auS der siegreichen deutschen Kampfgemeinschaft in schimmernder Wehr das Kaisertum sich erhe­ben wie ein Heerköniglum alter Zeit, sahen das Teich als freie Schöpfung wie eine in der Glut des Kampfes gebildete eherne Germania auf den deutschen Boden gestellt. Es bleibt dieser bildhaften volkstümlichen Vorstellung ihr gutes Techt. Aber kein Deutscher sollte sich bei ihr beruhigen. Wer heute bewußt das deut­sche Schicksal durchleben will, muß die Wider­stände, die nichtdeutschen und namentlich auch die deutschen, muß das geistige und seelische, das dynaftische und ftammeSmäßige, das staatspolitifche und parteipolitische Widerstre­ben gegen die Begründung der Teichseinheit kennen lernen- nur so ist die Größe der Lei- ftuna DiSrnarckS, nur so sind die politischen Bedingungen tc5 damaligen und auch deS Heu- | tigen deutschen Lebens ganz zu erkennen.

Baldwins Sturz.

London. 17. 3m. (WTB.f 3m Unterbaue batten ASq ui l b. Lloyd ®cjtge und Tarn- fay Macdonald auf der vordersten Opp>- fisivnSbank nebeneinander Platz genommen, als sich L 1 yneS unter grobem Bestall feiner Par­tei erhob, um den Mißtrauensanirag der Arbeiterpartei gegen die Tegierung einza» bringen. Während der Tede ClyneZ nahmen der Prinz von Wales und der Herzog van Dvrck auf der Tribüne Platz

Tlynes sagte, die Thronrede erkläre, daß die Beziehungen za den auswärl gen M( chtea freund­schaftliche seien Verhalte sich das io? deiner Ansicht nach nicht Seien die Beziehungen za Tußtand freandschaflttche? Wenn England s reu n" schal ttiche Bezieh tngn mit Tu bland un­terhalte. wie komme es bann, bah es noch nicht beschiessen habe, diele Freundschaft so weil zi führen, daß die russischen Vertreter hier emp­fangen werden, ebenso wie England die Vertreter Deutschlands seit langem empfangen habe? Sei es. weil Tußland sich nicht verpilichlet habe, 'eine Schuten za bezahlcn? Wenn dies ein Hin­tern is für die Tnerfcnming fein folle, wie komme es kann, daß man die Vertreter Frankreichs hier sehe?? (Beifall bei der Arbeiterpartei.)

Die Stellung Englands im Auslande sei schwächer als je zuvor und der Einfluß Eng­lands in QNswarttoen Angelegenheiten sei fast verschwunden

Der Anspruch Englands, die Friedenspolitik zn beeinflussen, sei gerech fertigl d>nch die Opfer, d.e cs gebracht habe und durch feinen aufrichtigen Wunsch nach der Sicherheit Frankreichs selbst. Frankreich sei für England ein teurer, naher und mächtiger Freund England habe mit Frank­reich und für Frankreich gesoch en. Dauernde Freundschaft in Europa sei nur möglich wenn Deutschland und Frankreich in Frieden, lebten Deutschland jetzt schlimmer behandeln als Deutschland Frankreich vor 50 Zähren behandelt habe bedeute, eine monströse Vorberei­tung für den nächsten Krieg machen, und daher könne England nicht länger nur zusehen und abwarten Die Empfehlungen Englands müßten beherrscht werden durch die Dringlichkeit einer wirklichen Tegelung in Europa, die sich gründe ruf angemessene Berücksich igung der wirtschaft­lichen Techte und Bedürfnisse Großbrltonnions Engkotid zahle seine Schulden. Es habe gekämpst und geopfert und leide trotzdem mehr als Die Län­der, die es verteidigt und gerettet habe

Es gebe auch eine Grenze für de« Preis, den England zu zahlen sich leisten könne.

Bezüglich der auswärtigen Politik bestände etn Hoffnungsschimmer infolge der amerikani chen Be­teiligung an der Teparationsfrage. Amerikas Mitwirkung fei nicht nut willkommen, sie sei we­sentlich

Asquith, der nach Cltznes sprach und trotz feiner Halsbeschwerden die Opposition ju großer Begeisterung entfachte, erklärte, er werde zu­gunsten deS von Elynes ei ngebra ch- t c n Abänderungsantrages stimmen und werde allen lernen Freunden anraten, das­selbe zu tun. SS sei ein klare« und unein­geschränktes Mißtrauensvotum argen die augenblickliche Tegierung. deren man sich er­innern werde wegen ihrer Unbeständigkeit und Unfähigkeit sowohl im 3nncm aI8 nach außen. Keine Tegierung habe bisher gröberen tatsäch­lichen Schaden an gerichtet

Asquith sagte, er lehne es ab zu glauben, daß die Sonne untergehen werde für die Wohl­fahrt Großbritanniens am Abend des Tages, an dem die Arbeiterpartei zur Macht komme.

2s fei die Pflicht aller patriotischen Männer und Frauen, alles zu tun. wa« sie tonnten, ohne Grundsätze zu opfern, um die Aufgaben der Arbeiterpartei zu erleichtern Don einer Koalition oder Fusion zwischen Liberalen und Arbeitern könne jedoch keine Tede sein, weil der Unterschied, der sie trenne, in fundamen­talen Fragen nationaler Politik nicht überdrückt oder verschleiert werden könne durch unaufrich ige Anpassung: aber in zahlreichen Fragen fei Platz für ein Zusammenwirken vorhanden, und zwar nicht nur der Liberalen und der Ar­beiter. sondern, wie er glaube, auch der Konser­vativen.

Der konservative G snndbeitsminlster Zotston Hicks, her auf Asquith folgte. erLirtc die Verantwortung für b-n ©tun der konservativen Tegierung und die Sinsetzun, einer Pin i mit deren Ansichten die Liberalen niht üb r* nr:imm- ten, falle auf die Liberalen Dadurch fügten sie der konservativen Partei keinen Schaden zu: fie nützten damil auch nicht der Trbeitcroar ci A er daS fei sicher, die liberale Prr ei würd' dadurch für 103 Jahre gehindert werden, zur Tegicrmg zu kommen Alles, was Macdona.d ton könne, um den Frieden Europas sich rer zu machen, würde die llntcrftü \unj d r konservativen Partei ei ballen. Alles müsse getan werden, um die Mitwirkung Amerikas zu sichern.

PoincarSs Steuerrebe.

Paris, 17. Zan. lWTB.i Zur Begründung der in der heutigen Sitzung der Kammer ein» gebrachten S:cu.rgeietzc ergriff Poincarö das Won. um zu erklären, daß die Tegierung sich für die Annahm? und sofortige Diskussion der Gesetzentwürfe solidarisch einsetze. Man fa.Tc, daS Land sei beunruhigt. Das Land habe schwerere