Der Pariser Wahlsonvsskandal.
Paris. 16. Dez. (WB.) Die von der Kammer eingesetzte GnquetekomMission, die Aufklärung über die Wahlsonds schassen soll, die bei den letzten Kammerwahlen zur Verwendung gekommen sind, hat unter dem Vorsitz des sozialistischen Abgeordneten Venaudel ihre erste ArbeitSsihung abgehalten. Es wurde Senator Billiers, der Vorsitzende der Vereinigung für wirtschaftliche Interessen vernommen, dem nach- gesogt wird, daß er in großem Stil die Politik des nationalen Blocks durch die von keiner Vereinigung zur Verfügung gestellten Mittel unterstützt habe. Er weigerte sich, irgendwelche Damen zu sagen: er könne die Männer. die ihm Geld zur Verfügung gestellt hätten, nicht preisgeben. Jedermann würde an seiner Stelle ebenso handeln.
Die Vertreter der deutschen Schwerindustrie in Paris.
Paris, 17. ®tj. (TA.) Aus Steifen Lei derttscken Wirtschaftsdrl.'gatioa wird bekannt, das) die Stimmung, in der die Verhandlungen geführt werden, seit gestern als gebessert angesehen werden kann. Die Warengruppen, die zur Verhandlung kamen, waren Glas und Keramik, wobei die schwierige Frage der Saarprodukte auf diesem Gebiet noch nicht verhandelt wurde. Die Beratungen über diese Warengruppen dürften somit fortdauern. Die Verhandlungen werden wahrscheinlich bis zur nächsten Woche fortgesetzt werden und dann eine Weihnachtspause eintreten. Die nächsten Tage sollen ti. a. dazu benutzt werden, eine Ueberficht über die erzielten Ergebnisse zu gewinnen. — Die Vertreter der Schwerindustrie siid heute angekommen, eS sind dies die Herren Thyssen, Braun von der Firma Krupp, Gerd in, Reu sch und Klotze. Freiherr v. Wittgenstein auf Karlöhütte bei Laasphe wird als Vertreter der verarbeitenden Industrie als Sachverständiger sich nach Paris begeben.
Die Freimaurer gegen den Faszismus.
Rom, 17. Dez. (WTD. Funlspruch.)InMai° land haben sich am Montag die Freimaurer- Logen Italiens versammelt. Der Großmeister wies auf die Unvereinbarkeit von Faszismus und Freimaurerei hin und führte aus, daß die Regierung jener neuen faszi- stischen Klasse einen R ü ck s ch r i t t bedeute. Der Faszismus sei die R e g a t i o n d e s m o d e r n e n Staates und die Rückkehr zu den Methoden des Staatsverbrechens. Man müsse die Schuldigen bestrafen. Rur die Demokratie könne Italien retten.
Kritische Lage in Albanien.
Belgrad, 16. Dez. (WTD.) Hier ein- getroffenen Meldungen zufolge ist die Lage Df r albanischen Regierung inso'ge des schnellen Umsichgrefens der revolutionären Bewegung in Albanien kritisch. Unter den Führern der Aufstandsbewegung befindet sich auch der frühere Ministerpräsident Ahmet Zvgu. Sämt.iche S ä.nme Rvrdalbaniens und der Gegend von Sladar haben sich der Bewegung angeschlvssen: in vieien Fäilrn find auch Regierungstruppen zu den siegreichen Aufständischen übergegan- g e tr. Info ge der in Rordalbanien von den Aufständischei erzielten Cr,olge steht die Einnahme von Skadar bevor. Dium Kula und Kukus sind von den Aufständischen unter Führung Tsena Beis bere ts besetzt worden. Die Truppen Tsena Beis haben Krvya in der Gegend von Tirana erreicht.
Der Haarmann-Prozeß.
Hannover, 16. Dez. (TU.) Zu Beginn der Dienstagverhandlung im Haarmann-Prozeh stellte Staatsanwalt Dr. Wilde den Antrag auf Vernehmung von Zeugen, ob Haarmann einen Polizeiausweis mit der Unterschrift des Kommissars Müller besessen habe. Weiter wird die Vernehmung eines gew'ssen Felix beantragt, der bezeugen soll, das) (Stand im Gefängnis einmal geäußert habe, es käme ihm auf einen Mord nicht an, er gehe über Leichen.
Gießener Konzertverein.
Brrickircr: Te Dcnm. — Reger: 100. Psalm.
Bruckner und Reger kommen beide in ihrem Schaffen von der Orgel her, aber grundverschieden sind ihre Aeußerungen. Bruckner steht im Dannc> der harmonischen Urgewalten, die latenten Kräfte der Harmonie bestimmen den Fortgang des Werkes, die Form, und unter diesen Urgewalten wachst sie sich zum gigantischen Koloß aus. Aus den Harmonien heraus ersprießt die Melodie: kein bewußtes, motivisches Verarbeiten, wii es die Klassikerzeit zeigt — das Unharmonische. die Urmusik läßt die Melodien aus sich herauswachseu. — Ganz anders Reger: Für ihn hat die Melodie die treibende, aktive Krast — das Verarbeiten der Melodien —, für ihn ein Gegen- und Miteinanderführen von Kräften: ihr Zusammenwirken erzeugt die harmonischen Gebilde. — Bruckner, der glaubensinnige, sich in das religiöse Mysterium versenkende Diener der Kirche: dort der Tatenmensch der aus der Religion, ihrem mysteriösen Erschauern, fast titanengleiche Kraft schöpft, um die Kämpfe des Lebens siegreich, aktiv zu bestehen: bei Bruckner das innere Beglückt sein — dort immer neu wachsendes Kraftgesühl, das zum Handeln treibt.
Mit glücklicherer Hand konnte man kaum zwei charakteristische — je nach ihrer Art so vollendete Werke verbinden: und mochte diesem oder jenem die Dauer deS Gebotenen nicht genügen, jedes dazwilchengeschobene Werk hätte nut gestört.
Bruckners Te Deum ist das Bekenntnis eines sonst schlichten Mannes, der aber im religiösen Affekt sich als Werkzeug und Mittler einer höheren Macht fühlt und berufen ist. das über menschliche Erkenntnis hinausgehende Mysterium der Gottheit zu offenbaren. All die dogmatischen Pegriffe verlieren chre Starrheit, werden zu Ur-
Die Verhandlung beginnt mit dem <5aH Witzel. Der als Zeuge vernommene Vater beschwert sich über die Polizei, die ihm bet der Dermihtennachfolgung immer Versprechungen gemacht habe, aber sonst untätig gewesen Jet. Der Zeuge schildert, wie seine Frau das Iaclett und die Weste Roberts bei dem Sohne der Frau Engel erfaraite, wodurch Haarmann dann übersührt werden konnte.
Dann folgt der Fall Martin-Chemnitz. Der Zeuge Clemens sagt aus, Martin fei von seiner Mutter streng behandelt worden und habe bei jeder Gelegenheit Prügel bekommen. Haarmann gibt auch hier die Tötung zu.
Rachträglich ist noch festzustellen, daß von der Regierung Oberregierungs at Preu ne von Anfang an dem Prozeß beigewohnt hat mit der Weisung, Verfehlungen der Polizei festzustellen. ,
Es folgt dann der Fall Wittig-Kassel, bei dem auch Grans der Anstiftung beschuldigt ist. Der Vater des Wittig bekundet als Zeuge, daß sein Sohn in der letzten Zeit etwas leichtfertig geworden wäre. Dann wird der Zeuge sehr erregt und ruft in den Saal: „Ich kann mir nicht helfen, wenn ich diese Lumpen da sitzen sehel Diese Bestien haben meinen Sohn bintcrgangen!“ Die nächsten Zeugen, Kauf- mann Schad und Frau Engel, belasten Grans. Haarmann bleibt bei seinen Bekundungen, daß Grans ihm den Wittig zugeführt habe. .
Als letzter F ül w rd der des lO'/^ahngen A b e l i n g verh mdelt. Haarmann l ugaet nach wie vor. Med zinalrat Schackwitz stellt noch fist, daß tatsächlich der Schädel eines ettoi zehnjährigen Iungen gefunden worden sei. Dir nächsten Zeuginnen, F.au Lindner und FreuWoboe, werden Wtt tkowskh g gmüberge,teilt. W de erklären, ihn nie im Haus „Rote Reihe" gesehen zu h bin. Haarmann h tte d.e beiden als Zeugen dafür aufgeruf.m, um au beweisen, daß W t .kowsky in der Rächt, in der Hennics ermordet wurde, in seiner Wohnung war.
Auf Antrag des Rechtsanwalts Lohe werden die ElterndesGrans vernommen. Der Vater des Grans antwortet auf eine Frage des Vorsitzenden, daß er nicht wisse, ob sein Sohn Haarmann junge Leute zugeführt habe, doch sei sein jüngster Sohn einmal von Haarmann auf der Straße angesprochen worden, wogegen Haar- mann Einspruch erhebt. — Kriminalkommissar Müller bestreitet entschieden, Haarmann einen Ausweis ausgestellt zu haben.
Der Strafgefangene Kippe behauptet, daß Grans ihn gebeten habe, Haarman.i mitzuteilen, er möchte ihn doch n cht her ttnrrißen. Haarmann erklärt dann: „Das ist ja alles Schw nd l. Grans ist viel zu helle, als daß er so etwas machen würde.' Grans bezeichn t de Ang eben ebenfalls als Luge. Daraus wird die Verhandlung auf M ttwoch vertagt. Rach Vernehnung ber leiten Z ug n fallen die Sachverständigen ihre Gutachten abgeben, denen d.e Plädoyers folgen sollen.
Liegnitz ohne Licht nab Kraft.
Rach einer Dlattermeldung aus Liegnitz brach im dortigen Elektrizitätswerk, durch dessen Vermittlung das gesamte Stadtgebiet mit Elektrizität versorgt wird, ein großer K ab e l - brand aus. Infolge des Brandes wird die Stadt mehrere Tage ohne elektrisches Licht und Kraft bleiben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 17. Dezember 1924.
Das Tcppichklopsen.
Wo ein Hof ist, ist in den m isten F llen auch eine Stange, über die man die $ 'Jp Ausklopfen und Säubern bre t n k nn. Es tjt meist nur eine Stange vorhanden, aber eme ganze Zahl von Teppichen im Hause, so daß di: klugen Hausfrauen einen ung schr eben n Vertrag miteinander g-schlossm hiben über die Ze t. wann sie ihre Teppiche klopfen, damit sie sich nicht untetemanbev ins Gehege kommen.
Es sieht sich sehr lustig zu. wenn bie großen Ung tarne aus ben Wohnung n b?run e g balgt, auig hangt und bann nach allen Reg ln der Kunst vermöbelt to eben. Die Schlüssig tojltge ober auch d e Httferin im Hause hat sich zu biefem festlichen At ein Kopftuch umgebunben eine große H-uZsch irze umget in. mit D ir te unb Ausklopfer bewaffnet und müht sich nun im Schwe'ß ihres Angesichts ab, das ung.füge D ng vom Staube zu befreien.
Sob-l) die erste i drhn enden Schräg: uni n im Hofe ersch illen. werden überall die Küchenfenster schleunigst geschlossen, auch wenn der Drodem in der Küche noch so stark ist. Dann Inrlft cs von unten toc G.fchützfeuer dumpf und dröhnend, und die K über wagm sich kaum auf den Hof. Wenn sie kommen, to'rben s.e robust zurückg wiesen, b .nn cs g bt schmutzige Köpfe bei solcher Arbeit.
Da heißt es immer, bie Frauen seien bas muskelschwach: G schlecht. I h rate s lhen W l - toc sen. e nmal b im TcPPichkloP en zuzus hen. Er wirb bann ganz andere B'gr ffe davon bekommen, welche Kraft und Ausdauer in d esen zarvn Armen ruht, und er to rb froh fein, daß er nicht ber Teppich ist. Uebeih iuvt, manche Ehemänner würben nicht so couragiert auf tret m, wenn sie gelcgmtlich Z uge b cf er Kr st nstre gan; werden könnten. Sw s'h:n chre F.-auen meist nur bann, wenn ber Teppich gzreln.gt in bet Stube liegt, bie Kohlen, bie aus dem Keller herauf- gcschl ppt to rVn muht n. toohlverstaut in Ofen sind und b e F au zu ihnen sagt: Mein Wirt- sch ast?g ld ist alle. In dieser schvachen Position kann src.l ch ber stärkste Mmfch nicht stark sein.
Wenn ber T Ppich orbentlich burchgew.il t ist, to rb er abgeb iirst et unb womöglich noch mit Sauerkraut abgerieben, bam t bie Farben toi ber IIar to rden. Bei solchem Anblick erschrickt man als „Rich f chmann" tzu rst, aber dann sieht man ben guten Zweck ein unb ver-
Aus aller Welt,
Zum Grazer Familiendrama.
Graz. 10. Dez. (TU.) Zu bem furchtbaren Farniliendrama bes Rittmeisters Danners wirb noch gemeldet: Sowohl aus einem bereits im Oktober verfaßten Testament bes Rittmeisters als auch aus zwei Abschiedsbriefen bes Ehepaares Danner gehet hervor, baß sie schon seit langer Zeit beschlossen hatten, gemeinsam in den Tob zu gehen. Tragisch ist es, baß am letzten Sonntag aus Lonbcm eine Mitteilung eintraf, bah ber Auszahlung einer längst erwarteten Erbschaft nichts mehr im Wege stehe.
Erpre^sungsversuch bei Fritz Kreisler.
Wien, 16. Dez. (WTD.) Wie die Polizei- korrespondenz mellet, hat der berühmte Geigenkünstler Fritz Kreisler bei einem gestern in Anwesenheit des Bundespräsidenten gegebenen Konzert von unbekannter Seite einen Drohbrief erhalten, in dem von Kreisler 50 Millionen Kronen gefordert werden. Falls er diese Summe nicht erlegen werde, werde ihm ein Unglück zustohen. Die Polizei hat ein Unter» suchungSvei fahren In dieser Angelegenheit ein« geleitet, von ber Kreisler erst nach bem Konzert in Kenntnis grseht würbe.
Ein Fvrschungslnst'.tut für Wissenschaft unb Wasserbau.
In ber Kai'e.-Wilh l n-D's:ll chaft zur För- berung ber W ssenschaft.n te Ite Reich.rat De. v. Miller-München m t, b 6 Do.ber itu.igen zur Schaffung eines Fo.schungs n'tituts für W.fserkcast und Wasserbau am WalHea.sce ge» troffen semn. Das Institut soll dem Institut ber I K i ser-W l) l »G.s lt chaft a geg ledert w rbe •. |
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Es ist rührend, m:t welcher Hingabe solcher Teppich g"re n gt w rb. dm man so se b'tverständ- lich mit Fihen tr.tt, ohne zu b.cachtm, daß er überhaupt da ist: den man höchstens gewahr wird, wenn er fehlt. — L
Vornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7.30 Uhr „Liebfrauenmilch". — Reichsverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinteabliebener: 5 Uhr im Daalbau Sauer Weihnachtsfeier. — Hessische Dilderbühne „Die Herrenhof age". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Die Flucht in die Ehe". — Astoria-Licht- spiele „Ein Kind der freien Liebe".
Wettervoraussage.
Etwas tälter, morgens dunstig, Winde aus südlicher Richtung, trocken.
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** Vom Stadtparlament. Die öffentliche Sizung der Stadtverordneten-Ver- sammlung, die aus Freitag nachmittag einbe- rufen war, ist auf Montag, 22. Dez., nachm. S1^ Ahr, verlegt worden.
L. U. Von der Universität. Dr. Friedr. Maurer und Dr. Adolf Walter wünschen sich zu habilitieren; der erste für das Fach der deutschen Philologie, der Ätoette für das Fach der vergl. indogermanischen Sprachwissenschaft. Sie werden ihre öffentliche Probevorlesung in der Kleinen Aula halten. Dr. Maurer: Donnerstag, 18. Dez., nachm. 3 Uhr, über das Thema: „Geschichte und Aufgaben der deutschen Mundart nfor- schung". Dr. Walter: Do.merLtag. 13. Dcz^
erlebniffen. Bei wogendem vollrm Orchester, mit Orgelpunkten auf Tonica und Oberbomtia.ite beginnt der Chor, unisono deklamierend, fern „Te Deum laudamus". Das Gefühl der Unnahbarkeit und Erhabenheit gewinnt Gestalt in den Engeln — zum erstenmal ein Dreistang mit Ter§: „Tibi omnes Angeli" — die Solostimmen — bie singenden Engel. Der Chor nimmt nun in vollen Akkorden die Lobpreisung Gottvaters und des Sohnes auf. Das Werk der Erlösung „Tu devicto mortis aculeo" — ein Orgelpunkt des Chorbasses auf dem tiefen G „aperuisti" — ber Baß mit freiliegendem Solo auf dem tiefen F. Rach ber ilebertoinbung des Todes — die Glorifizierung des Erlösers. Der zweite Satz, ein Gebet: „Te ergo quaesumus": Der Tenor singende Priester: ergreifend in der Steigerung der musi'alischen Linie, verklärt durch die Solovioline. Das Gebet um Aufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen nimmt der Chor im hochbegeisterten „Aeterna fac" auf. — Wieder der Tenor als Vorsänger, diesmal ber ganze Chor antwortend im „Salvum fac". wieder Solovioline. Der ganze Chor als solcher wird zur Detgemeinschaft und das Gebet wirb zur Hoff- nungsquelle: „In te Dvmine speravi: non ccn unbar in aetemum". — Die beiden Gedanken kristallisieren sich in einer Faze. bie aber bald wieder der Wucht der Harmonie versaltt; mit der Ausnahme des Anfangsmotives in höchster Steigerung. diesmal mit sattgeiüll:en Akkorden, klingt der gewaltige Lobgesang aus.
Ganz anders Regers 1 0 0. Psalm. Ein unheimlich wachsendes Crescendo auf dem tiefen C ba’ volle Orchester setzt mit O-Dur ein. ber Chor folgt in Syn open .,Iauch'>et. jauch*et"; immer gefolgerter, an die Stelle ber Achtel treten Triolen als gesteigerter AusbruckSwert. bis dnh.n uniso io: bie Gefamtstimm rng verteilt sich auf die polyphon ge,ührte Einzelstimmung und erreicht se.nm Hdhevunlt in einem dr i- sachen Forte „alle Welt". „Sie.net dem Herrn mit Freuden", zunächst bestnnenb, verklärt, bewn
ober sortgesührt zu großer Steigerung; das „Iauchzet"°Motiv kehrt wieder, beide wechseln; der erste Satz klingt breit aus, die dynamische Bewegung breit ausladend. Der zweite Satz (Andante sostenuto) läßt uns erschauern bei der Erkenntnis Gottes. Ein Allegretto con groiia („Gehet zu seinen Toren ein") führt wieder zum Lobe des Herrn. Sin kurzes Orchesterzwischenspiel. immer mehr dynamisch heraus- toachsend. sührt in d e Doppelfuge „Denn der Herr ist freundlich"; nach ber ersten Durch,ührung wird der Satz zur freieren Interpretation des Textes: der Ewigkeitsgebanke verklingt in dreifachem Piano. Das Orchester ergreift nun das Wort in einem längeren Zwischenspiel: der „Ewigkeitsgedanke" to rb zur Kraftquelle. Die letzte Durch,ühruna ber DoppelsUtze wird zum truhigen Bekenntnis „Sin feste Barg ist unser Gott". Die Trompeten und Posaunen tragen es als Cantus sirmus unerschütterlich, ehern, erhaben durch die sich Immer ste.gerndm Stimmen von Chor und Orchester — Erschauern, Erschüttern, inneres Gehobenfein.
Herr Professor Trautmann hatte die Aufführung sehr sorgfältig vorbereitet. Die feinsten dynamischen Abstufungen in den Chören kamen zu ihrem Recht. Das impulsive Mitgehen des Chors in der Hauptaufführung, besonders im 100. Psalm, das Herausarbeiten der Steigerungen, vom feinsten Pianissimo bis zur Grenze des Möglichen, legten Zeugnis ab von der geleisteten Arbeit: mochte auch hier und ba gehalteneres Tempo angebracht sein. Die akademisch vor, ehme Art, zu musizieren, die Ausgeglichenheit der A-cappella-Säbe erinnerten mich stark an öie Berliner Singakademie. Daß der Chor in der -Zahl so schwach ist, ist die übliche Krankheit der Mittelstädte; aber besser so, als eine Verstärkung auf Kosten der musikalischen Qualität. Die Männerstimmen führten ihre Solls recht erfolgreich durch: denn die Anforderungen des Te Deumö gerade an die Otimmenumfänge in frei-
nachm. 4 Uhr, über das Thema: .Sprache, Sprachen und Völker".
♦* Befreiung von ben Beiträgen zur Erwerbslos enfürforge. Don zu- ftänbiger Seite wirb uns geschrieben: Es wir- nochmo.s darauf hi gewiesen, daß die Befreiung von den Beiträgen für bie Erwerbslosenfürforge nur dann gewährt wirb, wenn eine von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam unterzeichnet« Anzeige bei ber Krankenkasse e ngereicht ist. und auch bann erst vom Montag ber Woche an, in der bie Anzeige eingrht. (Artikel 6 der 5. AuS- führungsve o bnung zur De orbnung über Erwerbs.ofen.ü sorge vo n 14. Ro. e.nber i$L4). Auch wer bisher schon beitragsfre: war, muh die Anzeige einreichen; andernfalls findet seine Befreiung am 28. Dezember 1924 ihr Ende (Art. 9 Abs. 3).
** Straßenraub. Der Pvlheibericht meldet: In der Rächt zum Sonntag gegen 21/4 Uhr wurde ein SSjähriger Arbeiter auf dem Wege von Gießen nach Heuchelheim in der Rähe des Sportplatzes in der Rodheimer Straße überfallen und beraubt. Als Täter kommt eine unbekannte Mannsperson, ungefähr 20—30 Iahre alt, 1,72 Meter groß, mit Heller Datschmütze und dunklen Ueberzieher^ sowie Schuhen mit Gummisohlen in Frage. Rachstehende Sachen wurd-en geraubt: Eine silberne Taschenuhr mit Schlüssel und goldener breiter Uhrkette, daran befindlich ein Anhänger mit dem Bildnis des früheren Kaisers Wilhelm II., eine rotlederne Brieftasche mit einem Zwei-Renten- und einem Zehn-Rentenmaik- schein, etwas Kleingeld, ein Taschenmesser, eine Photographie von einem Hause in Fulda, zwei Lohndüten mit der Aufschri t Georg Rink drei Quittungen von der Krankenkasse in Ehringshausen, sowie ein braunledernes Zigarrenetui mit 5 Zigarren. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei Gießen entgegen.
k. Wohltätigkeits Veranstaltung des Roten Kreuzes. Der Zweigverctn Gießen des Roten Kreuzes brachte gestern abend im Kath. Vereinshaus eine Wohltättg- keitsveranstaltung heraus, die durch Darbietungen von Mitgliedern der hiesigen Waldbühne ben Besuchern einige genußreiche Stunden bereitete. Den Au'takt bildeten zwei Kla- viervorttäge von Ratalie Ho06: Menuett H= Molt von Schubert und Capriccio von Longo, die des exakten Vortrags wegen allgemein gefielen. Rolf Binswanger rezitierte C. F. MeyerS „Eia Weihnacht" und Schillers „Freude, schöner Götterfunke" und erntete reichen Beifall. Gretel Sälzer und H.lla Maternus trugen Lieder unb Duette von Schubert, Menb l .sohn und Schumann vor, bie ebenfalls großen Anklang sanben. Mia Schmitt tanzte den Walter in Es-Dur von Chopin, Moment musical von Schubert und die bekannte Gavotte gracieufe von Gossec unb würbe von dem begeisterten Publikim zu mehreren Zugaben gezwungen. Recht nett war auch das Singspiel „Ha.iS und Grete" von Heinze, in bem Herta-Maria Sälzer unb Ludwig ßi n F m a n n darstellerisch und gesanglich Bestes boten. Kotzebues Lustspiel „Die Rosen des Herrn v. M." wurden von Gretel Sälzer, Rolf Binswanger und Werner Vogt recht flott dargestellt uid verfehlte ebenfalls seine Wirkung nicht. Lobend erwähnt sei noch die feinsinnige Klavierbegleitung des Studienrats Br. Krauß. Leider blieb der Besuch der Veranstaltung, deren E.lös zum Besten ber Weihnachtsbescherung für hiesige Krieger- unb Waisenkinder verwendet werden soll, hinter ben Erwartungen zurück. Den Veranstaltern und allen Mit- wiikenben gebührt besonberer Dank für diese Förderung sozialer Bestrebung n.
** Deutsche Volkspartei. Man berichtet uns: Der Frauenausschuß der D. D. P. hatte am Donnerstag seine Mitglieder zu einem Schumann-Abend cilmelaoen, ber einen sehr schönen D?il us n hm. F.au R 0 l 0 ffle tete ben Abend durch einen Vortrag über Schumann ein. Sie schilderte zunächst Schumanns Leben und gingb.inn ausführlicher auf f.ine Bedeutung als Musiker unb auf seine Stellung innerhalb ber Musikgeschichte ein. Ihre feinsinnigen Ausführungen, bie getragen waren von warmem, musikalischem Verständnis für Schumanns Eigenart, sanden volle Anerkennung und reichen Beifall. Ilm die Ausführung des must-
liegenden Stellen gehen über das übliche Maß hinaus. Verschiedentlich hätten sich die Koloraturen intensiver gestaltet, wenn man sie nicht als weiche Bindung betrachtet hätte; für einen kleinen Raum mag das angebracht sein, im große» KlanggewoLe mutz der einzelne Ton weit mehr akzentuiert werden. Im aHcemeinen trar di: Tongebung etwas eng, besonders bei Bindungen nach der Höhe kann eine plastische Linie nur durch, offene Dokalisation erreicht werden: z. B. bet „aetemam“, „aperuisti". Die a-Laute in „mune- rari", „Heredität!" u. a. waren durchweg zu flach. Damit soll nicht dem sog. „Decken" das Wort geredet sein, aber eine Neutralisation der Vokal» würde bald Abhilfe schaffen.
DaS Orchester war in den Streichern und Holzbläsern recht llangvoll: abu: die Vechgruppe hätte viel mehr zurücktreten können. Den Orgelpart führte Herr Pauk Hopf- Eisenach mit Gewandtheit durch, eine im gewissen Sinne wenig dankbare Ausgabe: die wenigen Stellen, an denen er soltstisch hervortreten konnte, bewiesen ihn als feinsinnigen Künstler auf seinem Instrument.
Bedauerlich ist der geringe Besuch der Generalprobe. In so gewaltige, schwierige Werke sich einzuleben, ist eben mehrmaliges Hören not- tocntlg; beim erstmal gen Hören stnd s.lche Werke nicht ganz zu erfassen.
Wo bleibt die Heranwachsende Iugend, die oberen Klassen der höheren Schulen? Unsere deutsche Musik ist ein Welt erobern des Kulturgut; ba muß jede Gelegenheit genutzt werden, sich diese geistigen Güter zu eigen zu machen, indem man sie erleben lernt. Auch die Hauptaufführung hätte noch mehr D?such haben können. Ein jeder Mensch trägt religiöse Regungen in sich, welcher Art, welchen Ursprungs sie auch fein mögen. Zwei sich so ergänzende Werke wie das Te Deum und der 100. Psalm hätten jedem das gegeben, was wir in neuerer Zeit so nötig haben: die geistige Erhebung. jn.


