nr. 90 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Otenstag, (5. April (924
| Kleinen umgestaltet. Rönnebrrgs Arbetter hatten I sich mit Weibern und Kindern unter seinen Schuh die
eitern bekannt a>ar?
welche der tlcinc
Sonneberg zu trug, Gouverneurs einen
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In Polen macht sich jetzt also ein neuer Kurs bemerkbar, der sich dadurch auszeichnen wird, daß er auf dem Wege über Pilsulski und seinesgleichen noch mehr als bisher seinen Rückhalt bei Frankreich sucht, während er in einer anderen für Polen hauptsächlichen Hinsicht seinem Vorgänger ähnlich bleiben wird. Die sinnlose Hetze gegen alles Deutsche zeigte sich denn auch gleich in den ersten Maßnahmen, die unter der neuen Strömung in Polen geleistet wurden, nämlich als man die Liquidierung sämtlicher deutschen Rentengrundstücke in den Teilgebieten durchsetzte und außerdem den lange getragenen Plan der Konfiszierung allen habsburgischen Besitzes zur Tat werden ließ. Wie es scheint, ist Polen selbst der Schuldige, wenn sich seine Teilnahme an der zukünftigen europäischen Politik mehr und mehr um die Frage drehen wird, ob dieses
ser Fest wird leider durch eine finstere Wolke verdunkelt. Diese Wolke ist die Rote der Bot- schasterkonferenz, welche am 16. Februar an uns Litauer gerichtet wurde. In voller Erkenntnis der Bedeutung der Freiheit aller Verkehrswege hat Litauen seinerzeit die Konvention von Barcelona unterzeichnet. Aber Litauen wird es niemals zulassen, daß ein Land wie Polen, welches mit einer Hand ungeniert den geschlossenen Vertrag von Su- walki zerreißt und mit der anderen Hand die uns gestohlenen Gebiete festhält, irgendein Privilegium im^Hafen von Memel genießt!"
In den Häfen liegen überhaupt die Brennpunkte polnischer Krisen-Politik. Es ist bekannt, daß Polen es zum guten Teil selbst verschuldet hat, wenn sich die Memelfrage zu einem Konflikt auswuchs, der in Litauen das Schlagwort „Auf nach Wilna!" ausgelöst hat. Aber es ist weniger bekannt, daß Polen sich in Danzig gemüßigt sah, einen Konflikt vom Zaun zu brechen, der unter Umständen' noch ebenso gefährlich werden möchte/ In Danzig wird bekanntlich nach polnischem Zolltarif verkauft. Run hat die Regierung der Freistadt eine Verfügung erlassen, nach der die Einfuhr von Luxusgegenständen zum guten Teil verboten wurde. Da Polen bekanntlich das Land ist, in dem die adeligen Damen zum guten Teil keine Hemden, wohl aber Zobelpelze tragen, erweckte diese Verfügung lebhaften Unwillen. Der polnische Senatsmar- schal, Herr Trampezhnski, verbreitete sich daraufhin höchst selbst in der „Dezienpolski" gegen Danzig und forderte noch unter Berufung auf seine offiziellen Beziehungen den Boykott sämtlicher aus Danzig kommender Waren. Es ist also kein Wunder, daß Polen sich heute zwei Brennpunkte geschaffen hat, von denen aus seine politische Entwicklung gefährdet wird. Eine große Gefahrzone liegt außerdem an der russisches! Grenze, und endlich soll man nicht vergessen, daß in letzter Zeit auch Feindseligkeiten gegen die Tschechoslowakei bemerkbar wurden. Als Garantie für das Bestehen seines Staatswesens sieht der Pole bezeichnenderweise nicht seine wirtschaftliche Gesundung, sondern seine militärische Stärke, fast möchte man sagen: seine zahlenmäßige militärische Stärke, an. Und da ist es bezeichnend, daß gerade in diesem Augenblick die polnische Regierung die Lage für geeignet ansah, um auf diesem Gebiet auf Grund persönlicher Intrigen eine gänzliche Umstellung in der Personalbesetzung vorzunehmen. Der Kriegsminister Sosnkowski trat zurück, an seiner Stelle wurde der General Sikorski ernannt, wobei ein Versprechen in die Wagschale fiel, das er daraufhin abgab, das ohnehin schwache Budget nicht weiter als offiziell vorgesehen war, mit militärischen Ausgaben zu belasten. Neuerdings soll nun auch der Kriegsminister eistem Generalinspekteur der Armee unterstellt werden, wobei eine unglückliche Fügung dem nachgerade hinreichend berüchtigten Marschall Pilsulski zur ersten Anwartschaft verhalf.
und rannte mit weiten Schritten in das Aohcfeld hinein.
Der ausgeschüttete P'ad in dem Surnpsgelände war gerate so breit, daß ein Mann darau, gehen konnte, rechts und links bildeten die hohen Schäfte eine undurchdringliche Wand. Vom weißblauen Himmel floß die Hitze nieder wie ein Strom geschmolzenen Glases: flimmernd sich in dem last- lesen Engpaß verfangend. Fritz brach der Schweiß aus, lief in Bächen über die braune Haut, näßte Rücken und Aermel seines losen seidenen Hemdes. Trotz em war er von Herzen vergnügt und fühlte sich freudig als Sieger. Run mußte ec die kleine Alvaredo wohl wirklich heiraten? War ja auch heftig verliebt! Allerlei angenehme Zukunftsträume umgaukelten ihn, als er in ziemlicher Entfernung eine männliche Gestatt erblickte, die auf dem schmalen Weg daher tarn. Der Vermalter etwa? Rein — die Gestalt war schlanker, jünger, schritt elastischer aus ... Ein gelbseidenes Hemd, braune Schaftstiefel, ein Panama, der das Gesicht beschattete.
Ach was — er machte nicht den Umweg über die bewachte Straße, sondern ging quer durch das Zuckerrohrfeld, das sich zwischen der Pslan- zung und dem Duschwald dehnte. Roch völlig schlaftrunken drückte er den Hut auf den Kops
lichsten Wegen dem Fritz jedesmal, ehe die Bande des
nachgerade vollkommen entartete Staatsleben überhaupt in irgendeiner Weise existenzbe- rechttgt sei.
neuen Angriff versuchte. Da Rande des Buschwaldes war versehen und allmählich zu
Wie geriet der elegante Herr auf diesen Weg, der doch nur den Arbi'
Er wußte, daß er Olinda an Körperkräften weit überlegen war, aber der Kerl würde es nicht zum Ringen kommen lassen. Er mattet» nur die Distanz für den Schuß ab. i
Umdrehen? Zu fliehen versuchen? Sich von hinten nieder st recken lassen? Pfui Teufel? Im Rohrfeld war jetzt nach der Regenzeit alles Sumpf und Moder, das begriff der dort ebenfalls. Er machte auch gar keinen Versuch, der Kugel von Fritz, dir er doch erwarten mußte, za ent» gehen.
Vorwärts — und Gott befohlen, schone Erde)
Plötzlich sah Fritz im Geist seine Mutter am Fenster sitzen, das Bild des fernen Sohnes vor sich — mit dem freundlichen Lächeln um den lieben Mund. Ein rasender Schmerz jagte durch die Brust. — Vorüber ... Rar noch gespannteste Aufmerksamkeit für jede Bewegung des Gegners.
Dessen Faust war wie die seine in den Gart gekrampft, noch zuckte kein Muskel an ihr. Den Mund fest zusammengepreßt, starrte das bleiche schmale Gesicht gerade aus.
Beide hatten ihren Gang ixrlangfamt, m einem Tempo, das einer am andern maß, kamen sich die beiden Männer einander näher.
Und die Hitze strömte wie kochendes Glas vom weitzblauen Himmel nieder. Ihre Schritte klangen in der Stille. Wenn eine Schlange durchs Rohr schlüpfte, rauschte es hinter den graugrünen Schilfwänden.
Der Moment nahte, in dem sie sich in dis Augen sehen mußten ... da schlag Don Olindo die seinen nieder und auch Fritz Rönneberg blickte seitwärts. Sie gingen aneinander vorüber — ihre glühenden Schultern streiften sich.
Als sie etwa zehn Schritte Raum zwischen sich hatten, blickten sich beide gleichzettig um und zwei Paar kühne, dunkle Augen blitzten feindlich. Dann setzte ein jeder seinen Weg fort.
Die Gegner wußten nun, daß sie beide waffenlos waren. — i
Olindo Alvarado entkam nach Bahia unb wurde bald darauf von einem politischen Gegner erschossen
Ietzt hob er den Kopf, schaute aufmerksam nach dem ihm Entgegenkommenden aus — und zugleich fuhren die Fünfte beider Männer an die Leder gurte, in denen sie die Revolver trugen. Fritz Rönneberg stockte der Herzschlag — er hatte seinen Revolver im Kakaowald vergessen ...
Der Mann, der da auf dem schmalen Weg im Zuckerrohrfeld ihm entgegenschrttt, war Olindo Alvaredo. Cs hätte auch der Tod selber sein können.
Sonderbar — dachte Fritz Rönneberg plötzlich ganz kühl und sachlich, vier Wochen lang habe ich jede Vorsicht geübt, um zuletzt leichtsinnig wie ein Schuljunge zu handeln ... ES ist wohl Bestimmung
Arzte undKraukenkassen.
Aus die Zuschrift der Aerzte in Rr. 85 des „Gieß. Anz." wird uns von der Vereinigung der Krankenkassen in Stadtund Landkreis Gießen folgendes geschrieben:
„1. Richtig ist, daß Burgfrieden vereinbart war, der von den Krankenkassen unter Zuruckstellu ig der schwersten Bedenken bislang beobachtet, ab.r von den Aerzten dazu benutz! wurde, le io intensiver in Kleinarbeit gegen die Kassen zu arbeit n. welche Arbeit in dem recht ost unsachgemäßen Auftreten der Versicherten ihren Rtederschlag fand. Hierdurch veranlaßt, forderten die Kas e i- mitglieder Bericht über den Sachstand, welchem Verlangen wir nachkommen mußten
2. Tie Darstt llunq der Aerzte über ihr Vorgehen ist und bleibt einreuig. Wenn nunmehr das Vorgehen mit der Reichsverordnung vom 30. Oktober 1923 gerechte.tigt werde i soll, so vergessen die Herren dabei aber auch zu sagen, daß das hier getätigte Verhalten eine gtette Obstruktion gegen Ceseh und Ordnung darstel t. Wie würde man sich insbesondere bei den Ae zten und den diesen zugehermden Kreisen erd ern und Gewaltanwendung durch die Regierung fordern, wenn Beamte, Arbeiter und Krankenkasse i sich gegen bestehende Gee^esbestimmungen auilehnen, und sogar Vollskreis., die an dem Streit se bst unbeteiligt sind, in unzulässiger Weise belästigen? Und diese Belästigung — eine stärkere Bez ich- nung wollen wir ab lehnen — fiirden wir darin, daß die Acrzteschast vom 2. Dezembee 1923 ab die Versicherten mit erhöhten und sogar Kamps- taxen belegt und sofortige Bezahlung forderte! Warum mußten die Aermsten der Armen — ein grof:er Teil davon war und ist ohne jede Barmittel — unter diesem Vorgehen leiden? Ist dies dre in diesen Kreisen so viel gepriesene! soziale Lebensauffassung? Auch heute werden noch erhöhte Beträge erhoben Dies ist es ja, was große Kreise des Volles nicht begreifen können, denn uns wird fast täglich die Frage vorgelegt: „Gibt es denn keine Regierung, die hier eingreist unb die es unternimmt, die Aerzte auf den Weg des richtigen Gebührenbezugs zu- rückzusühren?"
3. Die Aerzte vergessen immer, der Oeffent- lichkeit zu sagen, daß sie fast über alle, aber mindestens 80 bis 85 Prozent, Kassenausgaben verfügen und es dann den Kassen überlassen, nach Außen hin die Aufwendungen zu vertreten und zu rechtfertigen, dagegen ihnen aber jedes Mitbestimmungsrecht bei ihrer Tätigkeit nehmen wollen. Ia, hier liegt des Pudels Kern: die Aerzte verbitten sich jede Kontrolle über ihre Tätigkeit, überlassen aber die Zahlung deS Honorars und die Herbeischaffung der hierzu erforderlichen Mittel gnädigst den Kassen. Daß^ die hier geforderte Freiheit ein großer Teil der Herren nicht vertragen kann, ist es gerade, was die Krankenkassen zwingt, ein Schutzmittel zu verlangen, das man aber nicht in ausreichendem Maße gewähren will. Hat die Kasse Verantwortung, dann muß ihr auch ein Recht ein- geräumt werden. Hierbei wirst sich die Frage auf, sind die Herren Aerzte allzumal gute Hausverwalter und ohne jeden Fehl?
4. Die Aerzte verschweigen, daß bei dem weitaus größten Teil der Uebereinkommen, die zustande gekommen, die Besttrnmungen, wie von uns gewünscht, wenigstens dem Prinzip nach angenommen worden sind. Daß zu dem von unserer Vereinigung gemachten Angebot, das sich übrigens im Rahmen der meisten der bereits getätigten Verträge bewegt, nicht das letzte Wort gesprochen war, ist der Aerztevertretung doch erklärt worden: dies scheint verges.en worden zu fein. Ueberdies scheint man auch nicht mehr
wissen zu wollen, daß unser Derhandlungsange- bot — eine Maximalleistung der Kassen, errechnet durch eine Kopspauschale — rundweg abgelehnt, also jede Derhandlungsmöglichkeit abgeschnitten worden ist. Die Gründe, die eine Begrenzung ' der Honorare erfordern, wie wir sie unter 3 anbeuteten, wurden doch von den Aerztevertretern anerkannt — oder ist dies nicht wahr? Wir sind jeden Tag bereit, auf der Grundlage der bereits bei über 1000 Kassen getätigten Verträge zu verhandeln. In Alsfeld, Darmstadt. Bensheim. Dieburg ist man zur Einigung auf der Basis unseres Vorschlags gekommen. In
hundert anderen Städten Deutschlands auch Warum nicht in Gießen? i
5. Wahr ist, daß sich die Aerzte zurlWieder- aus nähme der Arbeit meldeten. Aber unter welchen älmständen? Rachdem der Monat Dezember im Kamps verstrichen, wurde am 4. Ia- nuar 1924 vor dem Reichsarbeitsministerium erklärt, daß die Arbeit sofort ausgenommen werden solle, und wann beliebte es den Herren, dies zu tun? Am 25. Canuar lief ein Schreiben der Vertretung bei den Kassen ein, das die Wiederaufnahme anzeigt und die Entschließung hierzu von den Kassen innerhalb zwei Tagen terlangt, ttnd welche Forderung wurde gesteltt? Auf- cichten der vor dem 1. Dezember 1923 gültigen Abmachungen. Heber die Wirkungen dteser For- derung n nur kurz folgenlos:
Ausweislich der Bücher einer unserer Verbandskassen wurden bei säst gleichbleibendem Mite gliederst ande an ärztlichem Honorar gezahlt: 1. Vierteljahr 1914 11 797,80 Gold mark, 1. Viertele jahc 1922 (starkes Influenzavierteljahr) 9281,— Goldmark, 1. Vierteljahr 1924 26 376,22 Gollte mark, trotz Erniedrigung der normalen Mindeste Vergütung um 25 v. H. Hinzu kommen noch d« von den Kassenmitgliedern geforderten und gezahlten Kampftaxen. Kein Wunder, wenn Qlei^te sich am Stammtisch dahin äußern, sie hätten fein Interesse an dem Ende des jetzigen Zustandes. Hier reden Zahlen und die Oefsentlichkett und insbesondere die Kassenmitglieder werden erkennen, wo der Wahrheit Zwang angetan wird.
Die Kassen konnten also diese Forderung nicht zugeslehen, wollten sie, und das mit Recht, nicht als Pflichtvergessen b^eichnet werden, insbesondere in einer Zeit, wo altes nach 2llckau and bei den Kassen nach Beitrags abbau schrie and drängte. Es mutet eigenartig an, daß die Verordnung des Arbeitsministeriums vorn 30.10. 1923 für die Aerzte keine Verpflichtung haben soll, weil sie ihrem Willen zuwider pst, dagegen die Rechtsauffassung — nicht eine gesetzliche Maßnahme — derselben Stelle aber gegen die Krankenkasse zur Anwendung kommen muß, weil sie ihrem Begehren Rechnung trägt Diese Rechtsaufsassung des Reichsarbeitsministers ist von vielen Versiche- rungs- und Oberversicherungsämtern im Spruch-- verfahren verneint worden. "Die Aerzteorgani- sativn operiert als besondere StaatseinricAung im Staat, weshalb ihr Wille allein bestimmend sein soll.
Wenn nun die Ster^te behaupten, daß auch im hiesigen Bezirk sich Kassen ihrem Diktat gebeugt haben, dann vergessen sie wiederum zu sagen, welche Kassen dies sind und welcher Kreis Mitglieder hierbei in Bettacht kommt. Wenn z. D. die Vetriebskrankenkasse Gail die Aufwendungen machen kann, dann ist dazu nicht viel zu sagen. Die Stimmen aus auswärtigen Kafsen- kreisen, die nach den Wünschen der Aerzte abgeschlossen haben, sind derart verzweifelt, daß es uns doppelt zur Pflicht wird, über die Detenge der Kasse zu wachen und nicht dem Leipziger Aerzteverband Vorspanndienste zu leisten. Was Frankfurt sich leistet, kann kein Maßstab für unsere Verhältnisse geben.
Die Aerzte geben selbst zu, daß das Ber- Ihrer Abkommen abgelaufen ist, und trotzdem wollen sie uns nach dessen Bestimmungen behandelt wissen. Immer tote es trifft.
Der Frieden, der von uns nicht gebrochen worden ist, kann von dem Teil, der das Kriegsbeil geschleudert hat — der Aerzteschaft — sofort her gestellt werden, we n n er nur einigermaßen guten Willens ist.
Durch den Versuch, die Schuld an dem Fortbestehen des vertragslosen Zustandes den Kasseb zuzuschieben, wird eine feststehende Tatsache nicht ins Gegenteil verkehrt.
Run zu den Beispielen, die der Aerztverband angibt, um zu beweisen, wie wett die Kassen- mitglieter kommen, wenn sie den Ratschlägen der Kassen folgen. Bei näherem Zusehen werden di? Aerzte wohl selbst zugeben müssen, daß sie besser geschwiegen hätten. Es vergeht leine Woche, toc nicht das eine oder das andere Kallemnitglied sich bei uns darüber beklagt, tote falsch und auch über das Erfordernis hinaus es von dem einen Arzt wegen seines Leidens behandelt worden sei, während der andere Arzt sein Leiden sofort erkannte und rascheste Heilung herbeiführte.
Zu 1 ist zu sagen, daß, schon ehe man an einen Aerztekonflikt dachte, ja seit vielen Jahren, es schon Kassenrnitglteder gab und heute erst recht gibt, die ohne ärztliche Hilfe sich ihre Brillen
Das polnische Reich.
Von Otto Weber.
Wenn man ein Bild sämtlicher Ostsee- Wten in Farben ausmalest wollte, so würde man Polen mit einer dunklen Farbe bezeich- nen. Man würde es vielleicht am besten ganz schwarz anstreichen, genau so schwarz wie die Franzosen in den Jahren 1871 bis 1918 EI- satz-Lochringen auf den Landkarten ihrer Schulen hervorgehoben hatten. Solange Polen noch zu den Ostseestaaten gehört, wird man nie und nimmer einen Bericht schreiben können, in dem das Wort stehen möchte: „Rings an der Ostsee herrschen geruhige Verhältnisse" Es hat in Deutschland und auch anderswo Leute gegeben, die vor fünf Jahren behaupteten, wenn erst die Absttmmungsfragen geschlichtet seien, würde der Pole sich zufriedengeben, seine zerrüttete Wirtschaft aufbauen und sich in friedlicher Nutznießung die Vorteile gefügig machen, deren er teilhaftig wurde, als er ein Stück unserer Ostseeküste bekam. Vier Jahre sind feit diesem Abstim- nmngStag durch die Lande gegangen. Vier lange Jahre, in denen jede einzelne Woche, um nicht zu sagen em jeglicher Tag, den Beweis erbracht haben, welchen entsetzlichen Fehler man auf deutscher Seite beging, als man den Polen selbständig machte. Polen ist seit 1919 Frankreichs Etappe, und Frankreich ist seit der Zeit, in der Karl der VIII. nach Italien zog, der Erreger dauernder Krank- heitSprozesse im europäischen Körper gewesen.
Es war also nicht zu verwundern, daß sämtliche Ostseestaaten dem Plan einer Warschauer Konferenz zum mindesten seit dem Tage mit Mißtrauen gegenüberstanden, der sie wissen lieh, Daß der Graf Zamoisky nach Paris gefahren war, um dort seine Instruttio- nen zu holen. .Diese Warschauer Konferenz hat sehr, sehr t>(el Staub aufgewirbelt; sämt- liche Zeitungen i brachten lange Artikel, zum Teil "Mit der berühmten Aeberschrift „Was nun?"; aber darn versiegte der Strom mit einemmal, ärml che Rachrichten über Festessen und offizie le Besuche wurden laut, und dann deckte der ochleier des großen Geheimnisses alles zu.j-Das war um dieselbe Zeit, in der in der fit rischen Presse zum erstenmal ; seit den erregten Tagen der Hedenstjerna- Affäre Meldungen erschienen, welche den Anschluß Finnlands an Schweden leise befürworteten. Währechdem war Polen unvermindert an der Arbeit. Zur Zeit betreibt dort der sattsam bekannte Herr Auksuvlis den Anschluß der balttscken Staaten an Polen mit dem Gedanken einer Kowno-Konferenz, ohne daß er auf Gegenliebe gestoßen wäre. Es scheint überhaupt» so, als ob Polen seine Außenpolitik zur Zeit nur als Deckmantel für seine kommenden Eingriffe betreibt. Polen ist heute mit einen, Vulkan zu vergleichen, der ab und zu Erschütterungen gibt, leise Erschütterungen, die |an spätere Ausbrüche ge= mahnen. Eine solche Erschütterung gab es in der litauischen Ftege, als die Regierung des Herrn GrapSky efte ganze Reihe tschechischer Fletschladungen, -ic für Litauen bestimmt waren, kurzweg konfiszierte. Man wird es den Litauern nicht bedienten können, daß sie hierauf mit einem Bchkott der für Rußland le- benswichttgen Austthr von Zucker und Manufakturwaren geantwortet haben. Polen und Litauen erzürnen siv in der Regel jede Woche ein- bis zweimal, laber über die Heftigkeit einer fühlbaren Erschütterung geht man hübgn wie drüben nicht hitaus, denn der Pole weiß nur zu genau, bau Litauen nicht nur eine starke Armee nötig hat, sondern daß diese Armee bereits fix tjib fertig zur Verfügung steht. Man beschränk sich in Warschau eben auf Wutausbrüche, d'e aber der Präsident des litauischen Sejm vor ein paar Tagen anläßlich der litauischen Hnabhängigkeitsevklärung gebührend beantwort^ hat, als er sagte: „Un=
hätte ... Bride Männer u/warben di» schrnal- hüstige Tochter dteser dicker Tante Christina. Sie verabscheute die Politik durch dir sie einst den Gatten verlor, wie Siilde und Hölle. Sie mißbilligte von ganzem Hcpen das revolutionäre ehrgeizige TemparameL deS Reffen. Ihr sechzehnjähriges Töchterlein il der Hut des friedlichen, wohlhabenden Deutschs zu sehen, war der Tante Lebensideal. Daher i lindoS Haß, daher auch die heimlichen Botschaft-, i, welche der kleine Reger von Dona Christrera 1 uf den abenteuer
gestellt dazu manche einsame Siedler, welche die Brandschatzungen der Revolutionäre fürchteten. Jede Rächt gab es heftigen Kugelwechsel, auch Verwundungen hüben und drüben, bis c3 Fritz Rönneberg gelang, dir Regi irung in Bahia energisch aufzufordern, dem älnwesen ein Ende za machen. Dies war nun durch eine Trappe regulären Militärs geschehen.
3m guckr-srrohrfeld.
öfi&re von Gabriele Deuter.
Es war lange vor Weltkrieg, als Deutsche noch auf allen Teilen -ter Erde ihr Glück versuchen und sich Heimstattn schaffen konnten.
Fritz Rönneberg trat durch die Stacheldraht- umzäunang, die sein weifds Haus am Rande des tropischen Waldes schühtt, und schaute den blendenden Sandweg enttand der zur nächsten Ortschaft führte.. Dort hielte! in einiger Entfernung ein paar Reiter. Also tur die Straße bewacht vcn den Regierungsleuttii und man konnte es wagen, nach den jungem Kalaopflanzungen zu sehen. Auf die Däunichm, die begannen ihre ersten Ernten zu liefern, patt» Fritz Rönneberg feine Zukunft gebaut — bte mochten die Banditen sie zu gerichtet haben)
Rönneberg erfuhr in Diesen letzten Wochen deutlich genug, daß der !tebellenführer Olindo Alvaredo, d:r sich jüngst?aus eigener Macht- vcllkommenheit zum Gouverneur dieses hinterwäldlerischen, bvasilianlschep Landstriches erklärt hatte, einen ganz persönlteen Haß gegen ihn hegte. Rächt für Rächt färben die Angriffe der AlvaredoschLn Lumpenbande auf seine einsam gelegene Besitzung fkiU. j
Ia — trenn Olindo nidj eine Tante besessen
Fritz bat den Offizier, der aus der Landstraße hielt, um Auskunft. Ia — die Gegend sei befreit, ertlärtc dieser stolz, der Anführer Alvaredo leider entflohen; aber man wisse genau, daß er sich nach der Küste gew-andt habe. Dort liege ein Segelboot bereit, um ihn in Sicherheit zu bringen; doch der Schiffer sei bestochen, sobald ec die Barke betreten würde, fei er gefangen!
„Run, da bestellt nur Eueren Leuten, daß sie den Plan nicht Herumschwatzen," rief Fritz lachend, „Don Olindo ist ein schlauer Fuchs und nicht umsonst Rechtsanwalt, der weiß noch tausend Finten, Euch zu entgehen!" Dann dankte er dem Offizier für seine Hilfe und lud ihn and seine Kameraden zum Abendessen.
Mit lebhafter Befriedigung erkannte Fritz Rönneberg, daß der Schadwt an den Kakaobäumchen. die er tote sein» Kinder liebte, nicht bedeutend war — augenscheinlich hatte eS Alvaredo mehr daran gelegen, ihn selbst zu beseitigen, um dann sein Eigentum von Staatswegen zu beschlagnahmen. Fritz suchte sich eine schattige Stelle und fiel, übermüdet Von den Aufregungen und Rachtwachen der letzten Zeit, in einen schweren Schlaf. Die Sonne stand schon im Westen das erste kühlere Lüftchen strich über sein Gesicht, als er erwachte.
Donnerwetter — er hatte die Offiziere geladen und keinerlei Anordnungen zurüagelassen! älntec dem Wust von gröhlenden Kindern!, schmutziger Wasche, Melvnenschalen und J^rtt-onen- hülsen mußte doch etwas Ordnung geschaffen werden l


