Nr. 294 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheßen) Samstag, iö. pey
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Frankreich und Wilhelm II.
Aus den Diplomatischen Akten. — Die mißlungene Begegnung zwischen dem Kaiser und dem Präsidenten Laufet.
DBG. Auch in den Jahren 1934 biS 1908, Vie die neue Serie der Großen Altenpublikation deS Auswärtigen Amtes darstellt*), ist der Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich, wie in den Jahren vorher, das entscheidende Moment der europäischen Politik. Zeigt doch gerade die Marokkokrise zum ersten Male die Mächte deS Dreiverbandes, England, Frankreich und Rußland, in vereintem Wirken gegen die Mittelmächte. Andererseits fehlt eS natürlich auch nicht an Versuchen, eine Annäherung der alten Rivalen Deutschland und Frankreich herbei- zusühren und dadurch den Zündstolf aus dem europäischen Slaatensystem zu entfernen. Am bezeichnendsten davon ist der Versuch im Jahre 1904, eine Begegnung zwischen den Staatsoberhäuptern beider Länder. Kaiser Wilhelm II. und Loubet. zustande zu bringen, lieber diesen Vorgang verbreiten die jetzt im 23. Vande der Aktenpublikation erscheinenden Akten neues Licht, aus denen hier die wichtigsten Stücke auSgcwählt sind.
Der Dotschaiter in Paris Fürst v. Radolin an den Reichskanzler Grafen v. Dülow.
Eigenhändiger Privatürief.
PariS, den 4. Februar 1904.
... Der Fürst von Monaco sagte mir, er habe Lvubet besucht und ihn in ganz un- vffizieller Weise (nach Monaco) eingeladen. Sr hätte gesprächsweise und beiläufig dem Präsidenten gegenüber erwähnt, d.ch möglicher- 'oeise der Kaiser eine Erholungsreise voraussichtlich nach Sizilien unternehmen würde. Der Vräsident hätte sich daraus in wirklich begeisterten Worten über Seine Majestät ergangen und ge- iufoert, wie sehr er diese große geschichtliche Figur verehre und bewundere. Durch die ausführlichen Dertchte deS Botschafters Vihourd. der für Seine Majestät schwärme. hätte er ein so klares, gutes D.ld von der Person des Ka sers, als ob er ihn persönlich kenne. Es würde ihm eine große Freude sein, wenn die Umstande es so fügen sollten, daß er den Kaiser e nmal von Angesicht zu Angesicht se'ei ön;le. F ei- s.ich sei dies nicht ganz leicht für ihn! denn die Rationalisten seien eine kleine Reoolverpartei, vor der er sich nicht fürchte, von der man aber alles erwarten könne, weil sie der Regierung um jeden Preis Schwierigkeiten machen wolle.
Auf die Einladung nach Monaco zurückkommend, hätte der Präsident, wie der Fürst mir sagte, sich dahin geäußert, daß der Gedanke reizvoll für ihn wäre. Sr würde sich die Sache noch überlegen. Der Fürst erzählte mir bei diesem Anlaß, wie seinerzeit eine Begegnung des Präsidenten Faure mit Seiner Majestät stattgefunden hätte, mit der alle Minister einverstanden gewesen wären biS auf Herrn Del- co f f 6, der in seiner Anbetung an England die Zusammenkunft im letzten Moment hintertrieben hätte. Radolin.
Der Reichskanzler Graf v. Dülow an den Botschafter in PariS Fürsten v. Radolin.
Privatbrief. Konzept.
Berlin, den 18. Februar 1904.
Ihren interessanten Brief vom 4. d. Mts. habe ich sorgfältig und lange erwogen. Der vom Fürsten von Monaco angeregte Gedanke einer Begegnung unseres alleognädigsten Herrn mit dem Präsidenten Loubet ist mir in mehrfacher Hins cht sympathisch. Zweifellos wäre damit ein Schritt in der guten Richtung getan, und ich nehme an. daß die Persönlichkeit des Ka sers dort wie anderswo, ihre Wirkung ausüben würde. Ich bin auch wohl nicht der einzige, welcher die Frage von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, und möchte eben deshalb vermuten, daß der Gedanke dieser Zusammenkunft energischem Widerstand begegnen wird seitens aller derer, welchen in England, Rußland und Frankreich eine Verbesserung der deutsch-fran- ^sischen Beziehungen und eine Befestigung des Regime Loubet-Combes unerwünscht ist. In Ihrem Briefe ist eine Bemerkung des Präsidenten zum Fürsten von Monaco wiedergegeben, wo ersterer andeutet, daß die „Revolverpariei der Rationalisten" feine Begegnung mit dem Deutschen Kaser gegen ihn — den Präsidenten — vielleicht ausnutzen würde. Jedenfalls gebt auS dieser Bemerkung des Präsidenten schon deutlich hervor, daß derselbe sich nicht ftarf genug fühlt, um gegen äußere Einflüsse gletchgültig bleiben zu können.
Diese Unsicherheit der Aussichten macht mir die größte Vorsicht zur Pflicht. Es ist unsere — Ihre und meine — gemeinsame Aufgabe, zu verhüten, daß Seine Majestät der Kaiser, dem die kleinen Gesichtspunkte eines vom Parlamentswillen abhäng gen republikanischen Staat, l.ilers fernliegen, ein Projekt genehmigt, welches dann mit einem französischen .Korbe" seinen Abschluß findet. Ich kann daher den Gedanken einer Begegnung nur dann an Seine Majestät heranbringen, wenn Sie überzeugt sind, daß der Präsident Loubet die Begegnung akzeptieren und nicht etwa noch im letzten Augenblick faux bond machen wird. Diese Frage kann nur in PariS beurteilt werden. Falls Sie zweifelhaft sind, ist es besser, zu warten. Ich bin mit Ihnen der Ansicht, daß die Zeit für uns läuft, indem sie die feinbfeiigen Erinnerungen allmählich verblaßt. und ich glaube deshalb daß das. was heute uns noch riskiert erscheinen könnte, in wenigen Jahren vielleicht ganz einfach und alltäglich sein wird. Aber wie gesagt, mach? ich in dieser Spezialfrage mein Urteil von dem Ihrigen abhängig, und werde meine Entschließung bezüglich eines Jmmediatvortrages erst nach Eingang Ihrer Rückäußerung fassen.
SS bedarf für einen Diplomaten von Ihrer Erfahrung kaum der Erwähnung, daß Sie als
») „Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871—1914.“ Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. 3m 3uftroge des Auswärtigen Amtes herauSgegeben von Johannes Lepsius. Albrecht Mendelssohn Bartholdy. Friedrich Thimme. 4. Reihen „Die Isolierung der Mittelmächte." Erste Abteilung: Band 19 bis 21. 3m Verlage der Deutschen Derlogsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W8.
Vertreter der Person Seiner Majestät bei Besprechungen oder Sondierungen sich nicht würden Herausstellen können, ohne schon dadurch Rückschlüsse hinsichtlich der allerhöchsten Absichten zu veranlassen. Dülow.
Die Antwort Fürst RadolinS lautete, daß durch den inzwischen erfolgten Ausbruch des rusfifch-japanifchen Krieges, der zu einem innigeren Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland sührte. bei einer Begegnung deS französischen Präsidenten mit dem d u:schm Kaiser in Frankreich die Meinung auskommen könnte, daß dieses Zusammentreffen einen völligen Kurswechsel der französischen Politik im Sinne eineS Kontinentalbundes bedeute! daher würde eS zu den schärf st en Kommentaren Anlaß geben und könnte auch dieStellung desPrä- sidenten erschüttern. Daß aber die deutsche Regierung den Plan, aus diese Att eine Entspannung zwischen Deutschland und Frankreich herbeizuführen, noch nicht völlig fallen gelassen, sondern einer Verwirklichung bei der Wittelmeer- rcife des deutschen Ka sers nicht ablehnend gegenüberstand, und an wem er trotzdem scheiterte, davon berichten die folgenden Stücke.
Der Reichskanzler Fürst von Dülow an Kaiser Wilhelm II., z. Z. in Reapel
Telegramm. Konzept
Rr. 16 Derlin. Den 23. März 1904
Geheim [abgegangen am 24. März)
MontS, der deutsche Dotschafter in Rom. hat in auffälliger Weise bei Tittoni. dem italienischen Minister des Acußern. Den Gedanken einer Begegnung mit Loubet angeregt. Tittoni hatte Diese Anregung ursprünglich mit Lebhaftigkeit ausgenommen und Monts gesagt, Lanza') werde beauftragt werden. - hier einen solchen Vorschlag zu unterbreiten. Seitdem sind jedoch mehrere Tage vergangen, ohne daß Lanza etwas von sich hätte hören lassen. Heule abend aß Lanza bet mir. blieb jedoch über die B. luchs- frage stumm wie ein Fisch DieS Schweigen der Italiener Deutet offenbar Darauf hin. daß von italienischer Seite zunächst bei Barröt e") sondiert worden ist und dieser den Gedanken zurückgewiesen hat. Unter diesen Umständen Dürfte es sich meines ehrfurchtsvollsten Erachtens empfehlen, daß Euere Majestät von sich aus in Reapel Die Frage Der Begegnung unberührt lassen unD auch volle Zurückhaltung bewahren, toerm etwa von anDcrcr Seite Anspielungen gemacht werden sollten. Dadurch wird Der Möglichkeit vorgebeugt. Den Gedanken einer Begegnung Euerer Majestät mit Dem Präsidenten Der französischen Republik vor der Deffent- lichkeit als eine Deutsche Anregung hinzustellen. AnDerS wäre es. wenn Seine Majestät Der König Viktor Emanuel Die Frage der Begegnung zu Dreien Euerer Majestät ?egenüber a k s gemeinsamen italienisch- ranzösischen Vorschlag zur Sprache brächte.
Hoffentlich leuchtet die Sonne wärmer über Reapel wie sie vor acht Fahren schien, als ich das Glück hatte, Euere Majestät im Schneesturm nach Camalvoli zu begleiten. Bülow.
Der Botschafter in Rom Graf MontS an das Auswärtige Amt.
Telegramm. Entzifferung.
Rr. 68. Rom, Den 17. März 1904.
Am Schluß einer längeren Konferenz mit Herrn Tittoni über Loubels Besuch und Begegnung unserer Souveräne in Reapel am 26. März erkundigte sich Minister nach weiteren Reisedispositionen unseres allergnädigsten Herrn. 3ch erwähnte, am 29. April würde Ausschiffung in Genua erfolgen, so daß vermutlich gerade am 28. April, dem Tage der Ankunft Seiner Majestät des Königs von 3talien und des Präsidenten Loubet in Reapel. die „Hohenzollern" dort vor- beifahren und eventuell nochmals Reapel berühren könnte. Der Minister ergriff sofort diesen Gedanken. Ein wiederholtes Treffen der zwei Souveräne würde für 3talien größter Triumph fein und allem Gerede über mangelnde Dreibunds treue Ende bereiten. 3ch entgegnete, mir schiene zweifelhaft, ob Euere Exzellenz entrevue ä trois für durchführbar hielten. Tittoni erwiderte. Gedanke schien ihm so vortrefflich, daß er Graf Lanza anweifen wird. Euere Exzellenz vertraulich zu fragen, ob Sie für möglich hielten, daß Seine Majestät eventuell Einladung des Königs von 3talien zum 28. annimmt.
Da ich jedes Willen Euerer Exzellenz bestimmtest in Abrede stellte, bitte ich. Graf Lanza zunächst nicht ja $u sagen, sondern etwas warten zu lassen. Bielletcht wäre später zu erwidern, weiteres Eingehen auf italienische Anregung hinge überhaupt von Haltung Frankreichs ab. 3talten erschiene als erfter Interessent bei der Sache. 3mmerhin könne Fehler des Pariser Besuchs der italienischen Majestäten durch diesen Schachzug vor Europa wettgemacht werden.
Monts.
Der Botschafter in Rom Graf Monts an Den Reichskanzler Fürsten von Bülow.
Entzifferung.
Rr. 161. Rom, den 3. Rovember 1907.
An knüpfend an Zeitungsnachrichten erzählte mir Herr Luzzati. daß während des Loubet- Besuches von den ttalienischen Ministern die größten Anstrengungen gemacht wurden, um eine Entrevue des Präsidenten mit Seiner Majestät dem Kaiser zustande zu bringen. 3talien wäre dabei von der Ansicht ausgegangen, daß ohne ein besseres Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich die kontinentalen Dinge nie zur Ruhe kommen können. Die Herren Delcass 6 und (Bar r ere hätten prinzipiell keine Einwendungen erhoben. Schließlich aber und nach langen Pourparlers sei von französischer Seite geltend gemacht worden, daß des Präsidenten und der Regierung Stellung nicht stark genug fei. um im gegebenen Moment, wo alle Klerikalen über den unterbliebenen Besuch des Vatikans etnpörl gewesen, diesen noch die Sntrollung der chauvinistischen Fahne zu ermöglichen. Monts.
•) Der italienische Botschafter in Berlin.
••) Der französische Botschafter am OiüriwL
Landwirtschaft und Gartenbau.
Kartoffelschors und Gründüngung.
Der Kartvsselschorf ist allen Landwirten und Gärtnern eine nur zu bekannte Krankheit, so daß ihre Beschreibung sich wohl erübrigen dürste. Bisher stand man dieser rätselhaften Erscheinung ohne BekämpfungSmittel gegenüber. M-Zn hat Kalk empfohlen und fo manches andere. Reuer- dings bot man Beobachtungen gemacht, die zu zeigen scheinen, welche Richtung zur Bekämpfung einzuschlagen ist. Professor Getön in Leeds stellte 1914 einen Versuch aus einem Stück Land an. das immer schorfige Kartoffeln geliefert hat, in Der Weise, daß er bei sonst gleicher Düngung mit Kunstdünger aus dem einen Teilstück Gras im wellen Zustande unterbrachte, auf dem an- Deren Teilstück aber nicht. UnD siehe da. auf Dem goasgedü igten Stück blieben Die Knollen schors- frei. Auch bei UNS in DeutschlanD hat man schon öfters ähnliche Beobachtung nach Lupinengründüngung gemacht, nach der Die Kartoffeln fast schorffrei waren. Und wenn man bei einem Landwirt, Der einmal eine Äartoffelf orte in einem Jahre fast schorifrei angebaut hat, Erkundigung nach der Vorfrucht einzieht, dann kann man hören, daß Die Kartoffel nach Lupinen- oDer Serradelleglündüngung angebaut wo den ist. Es scheint Demnach Der Fall so zu liegen. Daß bei reichlicher Gründüngung Die im Boden befindlichen Schorfbatterien Die Gründüngungspflanze angreifen und Die Kartoffel unbehelligt lassen. Angesichts dieser Erfahrungen tritt Die große Wichtigleit der Gründüngung zu Kartoffeln noch besonders in Den VorDergrund, zumal Die Kartoffel ohnehin Den Gründüngungsstickstoff am höchsten von allen Kulturpflanzen ausnützt. Ein anderer Forscher. Professor Kraus, München, war eS, der zuerst auf Die Tatsache aufmerksam machte, daß eine direkt zu Kartoffeln gegebene Kalkung im ersten Jahre keinen Schorf verursachte. Daß dieser immer erst nach einigen Jahren ouftritl. Er empfiehlt weiterhin Kainit und Gründüngung als wirksames Mittel gegen den Schorf. Möglich ist es ja, daß infolge einer Kalkung Der Boden zu sehr mineralisiert wird. Die Schorfbatterien f.ch dann der Kartoffel bemächtigen. während bei Der Gründüngung mehr diele von ihnen verzehrt wird, G. — w.
Das Kaninchen.
Don Gotthard D r o d t.
Nachdruck verboten.
Wer Kaninchen besitzt oder sich wiegen will, sollte vor allem darauf achten, daß sie nicht vom Ungeziefer befallen werden. Kommt das doch vor. so sehe man Die betreffenden Tiere auf ein Brett und seife sie mit Kreolin-Teerseife gründlich ab. Den Seifenschaum lasse man mindestens fünf Minuten auf Dem Fell sitzen. Damit er besser wirken kann, unD wische ihn dann erst unter Benutzung von lauwarmem Wasser mit einem Strohwisch oder einer Bürste ab. Ferner scheuere man auch Den Stall gründlich mit Sodawasser oder heißer Kalkmilch, Damit das Ungeziefer auch hier cnDgültig vernichtet wird. Die Tiere selbst trockne man gut ab und aebe ihnen außerdem noch neues Heu oder Stroh, damit sie sich nicht erkälten.
Ucber die richtige Fütterung der Kaninchen während der Winterzett herrschen vielfach unklare Ansichten. Selbst erfahrene Züchter begehen bei der Kaninchenfütterung Fehler. So kommt es häufig vor, daß die Tiere Tag für Tag das gleiche Futter erhalten. Sie werden dadurch des Fressens üb 'rdrüs ig und lassen schließlich alles, auch das beste Futter, liegen, oder sie werden krank und gehen ein.
Bemerkt man an den Tieren, daß sie an Appetitlosigkeit leiden, sich in irgendeine Ecke des Stalles verkriechen und dort oft tagelang teilnahmslos verharren, so lege man ab und zu einen frischen Petersilienstengel oder einige Sellerie- und Breitlaufblätter vor sie hin. Auch ein Ginsterzweig tut gute Dienste Diese kleinen Erfrischungen werden Den unpäßlichen Tieren sicherlich wohltun und ihren Appetit wieder anregen.
Wer Wert daraus legt, daß seine Kaninchen ihm später einmal glänzende und wertvolle Felle liefern, gebe am Morgen als Trockenfutter in erster Linie gutes Wiesenheu. Es wird am besten in ein Knäuel gedreht, well die Tiere es sonst zertreten, verunreinigen und dann liegen lassen. Ferner ist es vorteilhaft, auch tagsüber etwas Heu zu reichen. Das Heu verdirbt nicht.
Wenn man nicht über gutes Wiesenheu verfügt. kann man auch guteS Kleeheu füttern. ES ist ein vollwertiger Ersatz. Auch getrocknetes Erb- senstroh erweist sich als gutes Futter. Ebenso wird rauheS Haferstroh sehr gern gefressen, und sogar das Baumlaub ist alS Trockenfutter nicht zu unterschätzen. Sofern also jetzt noch Daumlaub umherliegt, sollte man die Kinder Tag für Tag dazu anhalten, es zu sammeln. Die trockenen Schalen Der ausgehülsten Stangenbohnen, Zwergbohnen unD Erbsen sind gleichfalls als Trockensutter verwenDbar.
Als Grünfutter kommen im Winter bei frost- freiem Wetter zur MittagSmahlzeit die verschiedenen Kohlblätter in Betracht. Ferner sind Kohlstrunken sehr begehrt. Als Ersah für Grünfutter kann man hauptsächlich Kohl und Runkelrüben nehmen, während für eine Mastkur vor allem Haferkleie, Brot und gekochte Kartoffeln empfehlenswert sind.
Weichfutter stellt man am besten folgendermaßen her: Man wirft in einen Topf mit etwas Salzwaffer Schalen oder Stücke von Wasferrüben und Rippenstückchen von Kohl. Die den Vorzug haben, nicht so leicht anzubrennen, etwa noch einmal soviel Kartoffelschalen, die mit zerschnittenen Selleriestempeln und Breitlaublättern gewürzt werden, und kocht das Ganze etwa zehn Minuten. Darrn mischt man Pelllartofselschalen, Erbsen, ein Drittel Malzkaffee und etwas Kleie hinzu, läßt die Mischung abkühlen und setzt sie Den Kaninchen vor. Die sie mit Wonne verzehren. Dei diesem Futter hctt man nur darauf zu achten, daß es nicht zu flüssig wird. Das verhindert man dadurch, daß man nicht zuviel Salzwaffer aufsetzt. Es heißt, daß die Kaninchen dieses Futter auch in der Sommerzeit nehmen und sogar frischem Grünfutter vorziehen. Wenn man ihm dann gar noch getrocknete Wasserrüben, Sellerieoder Kohlblätter hinzufügt, die man natürlich auch allein füttern kann, so fetzt man seinen Kaninchen wohl das bestmögliche Futter vor. Die
Wirkung wird nicht auSbleiben. unD *Dcr Züchtet wird mit ihr in allen Punkten zufrieden fein.
Damit aber die Kaninchen gut gedeihen können. muffen sowohl Die Muttertiere alS auch Die Rammler getrennt sitzen. Durch daS Deisam- mensihen toirD außer vielen anderen unvorteilhaften Erscheinungen auch veoursacht, Daß Die Tiere DaS Futter gierig verschlingen. Die anderssitzen- Den Tiere fressen sich das Futter, auch wenn noch soviel vorhanden ist. direkt weg. Dadurch ist natürlich ein richtiges Gedeihen ausgeschlossen.
Die Wechselwir sHaft im Hausgarten.
(Nachdruck verboten.)
Die Wechselwirtschaft im Gemüse- unD Blumengarten verfolgt Den gleichen Zweck, wie Der Fruchtwechsel in der Landwirtschaft, nämlich die Erzielung eineS größtmöglichsten Ruhens auf lleinstem Raum. Zugleich aber soll auch durch sie einer zu starken Bodenerschöpfung und der Ausbreitung seuchenartiger Bodenkranlheiten, wie Der Kohlhernie, vorgebeugt werben. In einer langjährig Durchgeführten Wechselwirtschaft liegt das Geheimnis Des Erfolges, D>enn durch sie erst toirD Der Wert DeS Düngers unD Der Bodenbearbeitung mit Der Ernte in Einklang gebracht. Um das zu beweisen, braucht man nur auf die hundertfältig bestätigte Erfahrung zu verweisen, daß Erbsen nach Erbsen, Kohl nach Kohl nicht gedeiht, und wer dennoch einige Jahre Kohlgemuse unter sich wechselt, wird bald feine Beete mit Krop kranlheit, Grdraupen und Stofcl» fliege verseucht haben.
Wenn trotz solcher Erfahrungen Der Gartenbau in dieser Hinsicht noch rückständig erschemt. so liegt das Daran, daß In einem Garten, wo fast das ganze Jahr gepflanzt und geerntet wird, eine geregelte Wechselwirtschaft viel schwieriger durchführbar ist alS in einem landwirtschaftlichen Betriebe, wo nur ganz wenige Acten, und diese Dafür auf großen Flächen angebaut werden. Um auch für den Garten zu einer zielbewußten Abwechselung im Anbau der verschiedenen Arten zu gelangen, müssen zunächst drei Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens Darf ein solcher Garten nicht Durch Die Beschattung von Obftbäumcn (wie daS meistens der Fall ist), von vornherein minDertoertig fein. 3toeilend muh er in wenigstens vier biS fünf gleichgroße und gleichwertige Quartiere durch Wege. Gräben, Furchen oder Reihen von Beerensträuchern eingeteilt fein. Drittens soll Der Plar für Die Frühjahrs- und Hauptbestellung bereits im Herbst vorher feststehen. Wer bei der Frage: Was hat im letzten Jahr auf diesem oder Jenem Beet gestanden, sich auf DaS Gedächtnis verlassen muß, dem wird eS an Mißerfolgen und Mißgriffen nicht mangeln.
Hat man seinen Garten in Der gedachten Art und Weise eingeteilt, so macht man sich zunächst klar, daß es vier Gruppen von Gemüsc gibt, welche an Düngung und Boden ziemlich Die gleichen Anforderungen stellen. Gruppe 1 verlangt viel Stalldünger. Eine Zugabe vor künstlichem Dünger ist, tote bei Salat, entweder direkt schädlich, oder doch nicht notwendig. Hierher gehören: Gurken, KürbiS, Tomaten, alle Salatart en, Spinat. Für Gruppe 2 wird der Stallmist erst im Frühjahr gegeben, nachdem im Spätherbst vorher aus 100 Quadratmeter j< 10 Pfund 40proz. Kalisalz und SuperphoSphat oder Thomasmehl gestreut wurden. Hierher gehört die Frühkartoffel. Gruppe 3 verlangt weniger Stalldünger, am besten im Herbst unter- febracht. dafür aber um so reichlicher künst- iche Düngung. Diese Gruppe umfaßt alle Kohlart en, einschließlich Qberkohlrabi. Zur Gruppe 4 endlich rechnet man Die Wurzelgemüse, Hülsenfrüchte, Rettiche und Radieschen. Diese brauchen keinen Stalldung. Man hilft dem Wachstum je nach Bedarf mit künstlichem Dünger nach, wobei bemerkt sei, daß Sellerie für künstlichen Dünger besonders dankbar ist, wenn man ihm reichlich Wasser geben kann. Auch Zwiebeln, Die auf frisch mit Stallmist gedüngtem Boden biswellen erkranken, sind für Stickstoff gaben vor der Bestellung sehr empfänglich. Eine fünfte Gruppe ist Diejenige Der ausdauernden Gewächse. Spargel sind nach 15—20 Jahren abgetragen und müssen dann auf einem anderen Stück erneuert werden. Stachel- und Johannisbeeren sowie Rhabarber sind nach 10—12, Himbeeren nach 6, Erdbeeren nach 4—5, Meerrettich nach 2 biS 3 Jahren überständig. Unter Berücksichtigung dieser Verhältnisse hätten wir fünf Quartiere nötig, wovon vier alljährlich in Der Hauptsache frei werden und dann unter sich In einer bestimmten Reihenfolge gewechselt werden tonnen, so daß dieselbe Gemüseart frühestens alle vier Jahre einmal auf dieselbe Stelle kommt. Wird eine Fläche aus dem Quartier Der Dauerpflan- zen einmal vorübergehend frei, um so besser für dieses oder jenes Gemüse.
Alles das, was vom Gemüse gesagt toirD, gilt natürlich auch für Blumen. Rosenbeete verhalten sich ähnlich wie Beerensträucher, und man tut gut, auch sie hin und wieder einmal auf eine andere Stelle des Gartens zu verlegen. Ebenso blühen Dahlien und Astern viel reicher und mit reineren Farben, wenn man sie nicht immer auf ein und dieselbe Stelle Pflanzt. Düngen hilft nur wenig. Am eigensinnigsten ist in oiefer Hinsicht Der gefüllte Mohn. Wo dieser einmal gestanden hat, darf man ihn eine Reihe von Jahren nicht wieder aussäen, und Stauden- aftem blühen erst Dann vollkommen, wenn man die großen Büsche alle 5—6 Jahre auShebt, teilt und in anderen Boden pllanzt. Daß gefüllte Gänseblümchen ausarten, wenn man sie länger als ein Jahr auf derselben Stelle beläßt, ist bereits allgemein bekannt, R.
Fragekasten.
Frage 71: Kann man Wurzelstöcke des gewöhnlichen Buschröschens, in Töpfe gesetzt, jetzt । ins warme Zimmer stellen, darntt sie zu Weih- nachten blühen?
Antwort: Die wagrecht wachsenden Wurzelstöcke des Wind- oder Duschröschens, Anemone nemorosa, beginnen im Walde, unter Buchenlaub verdeckt, bereits jetzt zu treiben. Wenn man sie in Töpfe gebracht, in einen warmen Raum stellt so erscheinen bereits nach wenigen Tagen die grünen Spitzen der jungen Triebe. Doch Die Blüten verkümmern. Hm Erfolg zu haben, ist es nötig, die Gesäße feucht und kühl, mit Moos be-


