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Ul 29t Drittes Blatt

Puccini und Italien.

Do« unserem ^.-Korrespondenten.

Rom, 10. Dezember.

[ >tc Finale M Dichter« der Melodie siel in ' n> bewegte politische Tage, daß es nicht annähernd die Erschütterung hervvrries, die bei dem Tode be« Meister« der Musik durch dieWelt ging. Selbst dncn d'Annunzio, der gewiß nicht viel sür frern- 1 ve« Können übrig hat, ergriff das Ende des .Dar. A"en", wie er bi« zuletzt den Titanen von Bayreuth nannte, derart, daß er sein Fuccv, die- U sen Roman der Selbstanbetung und der schonungs­losen Entkleidung seine« Verhältnisses zur Düse, mit einer peinlich konstruierten Schilderung des M ^rauersalle« im Palazzo Dendvamin schloß:Die I ®<lt lchren an Werl verloren zu haben."

Riemanb, der einer solchen Empfindung Aus- I ®nx gegeben hätte, al« Puccini starb, in der K Fremde wie Richard Wagner. Zu lastend die DtLrm« rtng«um. Besonders in Italien. Lind doch griff die plötzliche Leere an« Herz auch derer, die V voll find de« verehrten oder verhaßten Ra- I men« Mussolini. Die grvste Presse alS Organ der Tageskritik hielt einen Rugenblick den Atem an M und senkte den Speer. ES ist etwa« Tröstliches, I daß es doch noch Regionen gibt, in denen sich auch M die erbittertsten Feind« finden können. Um aber gleich zu wiederholen: die Tageskritik, denn toerai erst die Theoretiker in den Zeitschriften zur Feder gegriffen haben werden, möchte wieder etwas von dem alten Streit um DerismuS und Lyrik, um Kontrapunkt und Wagnerei auflodern, dem nie» mand so verständnislos gegenüberstand wie gerade

\ Puccini.

| Die Kritik der Tagespreise ist, wie daS Pu- r bltkum, immer für Puccini gewesen und hält auch jetzt mit erfreulicher Uebereinstimmung an ihrem Urteil fest. Sie wird nach meinem Empfinden da­mit dem Wesen de« einsachsten, des un'vmpliziertv- st kn Musiker« unserer Tage gerecht, der In seiner grvsten Bescheidenheit einmal den Unwillen der Wagnerfeinde und den Zorn der Patrioten hcr- auSfvrderte. al« er, es war in einer der gemüt- \ lichen Plauderstunden in seinem i dHll schen Heun in Torre del Lago, harmlos ausries: .Ich würde meine ganze Musik bloß für die Meistersinger- I Ouvertüre hingeben." So bewußt stellte er den I Grande über sich. Gr kannte die Grenzen seines I Talent- und drängte nicht über sie hinaus: darin || liegt seine Stärke. Gs ist nichts Erzwungenes, nichts Experimentelle- in seiner Musik, nicht jene quälende Dissonanz zwischen Wollen und Können, ivie man sie so häufig in der Kapellmeister nusik, besonder- der italienischen, findet. Puccnn ist kein Epigone. Gr sang seine Seele hinaus, nichts wei- J ter. Und e« war immer die Seele seiner engsten Heimat, auch wenn ihr eine kleine Frau Schmetter» | htig oder eine Midinette oder das Mädchen von M Dildwest die Stimme lieh. In seinen letzten Wer- 1 len fühlte er sich freilich immer mehr nach Day- 1 reuth hingezogen die al« Fragment hinterlas» lene .Turandvt" wird e« aufweisen. Ader es ist , lelvist, daß der fehlende Schluß, da- Liebesduett, Mi die Oper wieder völlig in den italienischen Melo- bienkreiS zurückgeführt hätte.

Ohne seine ToSkana, nein, ohne daS Dorf I r.erre del Lago ist Puccini nicht zu verstehen. Zwi- ; 'Hen Lucca und Pisa, dem Weg. den er zu Fuß , . ,urücklegte, um eine Alda-Ausführung zu hören, /M« sein Leben-Wendepunkt werden sollte, liegen alle seine Werke. Da war ein kleiner See mit Wasserhühnern, in der Rähe da- Meer Puccini I Nur de und blieb bi« an- Ende seiner Tage Fischer ! mb Jäger. Jede Kritik an seinen Opern konnte er [ vertragen, nicht die geringste an seiner Schuß-

rtigfett. GS ist durchaus in der Ordnung, wenn ij beute alle diese kleinen Züge erwähnt, in den ß Bwrdergrund gerückt werden, denn sie sind die || Durzeln seines Schaffen». Wie sich die weite j Delt in ihm spiegelte und wie seine Heimat, das n<g der anhängende Brief zeigen, den er einmal II ton einer Reise an einen Freund richtete.

Empfindung. daS waS alle- für ihn, die Liebe T Inolgebcffen fein Canto fermo, wenn er schon für V. hm Kontrapunkt sich nicht und damit nicht mit der .'drnstruktion begeistern konnte. Wie sollte ihn also [ ni$t die ganze Welt verstehen? Seine Sprache wahrhaft universell. Einmal ging das Gerücht, k er versuche sich an einem historischen Stoff, einer ?13arte Antoinetle-Oper, da embörte er sich: Was I 4hl torische Dramen und Tragödien! Was Helden, grobe unsterbliche Figuren! Mit so etwas be- ta 7e ich mich nicht. Ich bin kein Musiker grober | Singe; ich empfinde die kleinen und beschäftige mich nur mit kleinen gern. Mir gefällt Manon. L vail sie ein so warmherziges Mädel ist und nicht

I n<br. Mir gefielen die vier luftigen Gesellen der

I Äehöme, well sie so liebe Burschen waren, leicht- I i icitig. aber zärtlich. Und mir gefiel Butterfly, tneil sie ein kleines Frauchen ist, das über die Liebe zu sterben weih und zu sterben weih wie eine trohe Dame voll Leidenschaft, wenngleich sie irmer ein kleines, allerliebstes und zerbrechliches t^ürchen bleibt wie ein Spielzeug ihres Landes. I Nrch einmal. Wie sollte die große internationale k Nasse eine so liebenswert-sentimentale Sprache

1 nicht verstehen.

|! Die Puccini eigene Sprache, sein Stil, seine J Hnft des Mitreihens braucht nur einfachste Mit- , d einen Kuh. eine Zärtlichkeit, eine Traurigkeit, male und doch ewig wirksame Mittel. Richts den- C3. nichts grübeln, nur hören und lauschen und griffen fein! M. Incagliati (im Giornale d'Ita- I. j ,ic) gibt dem dreifachen Zauber der Pucciniweife

32ortc: Die Liebe, dann die Italianität und lchlieh» ich die Atmosphäre, das heibt das (Sinfüllen in i 'en ganzen Umkreis des Geschehens, die 6tim-

mrngsmalerei. die suggestive Ge üblsübertragung. $ iccini betrachtete die richtige Erfassung der Um- ic-ining des Dramas als das Wesentliche, nicht als l.:hen Rahmen. Er habe so gezeigt, nicht nur den lalodramatischen. sondern auch den dramatischen l ofim zu besiyeri. Als Meister solcher Stimmungs- d!Dung tritt er zu Anfang des dritten Aktes Ser äithöme und der Manon hervor, ebenso im P'-ä- u2ium deS dritten Toska-Aufzuges. vor allem ibtr in der ganzen zweiten Hälfte des ersten Ärtterfly-Aktes.

Incagliati nennt ihn den repräsentativsten Tifiter unserer Zeit, wiewohl er die großen rchauspiele nicht liebte und alles einfing im ®e> nälbe einer kleinen Welt. Er hat seinem Werk den Straftet der Epoche aufgedrückt, in der er lebte m) deren echtester und natürlichster Interpret er % Eine Formel, die gewagt erscheinen muh. wenn nm bedenkt, dah in Puccinis Schaffenszeit das röt unlyrische Schauspiel eines zehniährigen D^ltkrarnpses fällt. Eigenartigerweise betrachtet eiielbe Kritiker den Tanz als typischen Ausdruck * m'erer Epoche und findet des Meisters Partitur

Gießener Anzeiger

mit Tanzrhythmen durchsetzt. Bizarre, schelmische, kapriziöse, kühne Tanzrhythmen. meint er. mas­kiert mit geistreicher Boshaftigkeit, ja, er spricht in diesem Zusammenhang sogar von der .Quadri- tur eines Polkas oder eines Walzers".

Rassaello de Rensis befahl sich im »Messag- gerv" mit PucciniS Ausdrucksmitteln und weist die scharfe Kritik der Revuen, die dem Meister vorwirft, dies und das unterlassen zu haben, mit dem schon erwähnten Verständnis für Eigenart und Umfang seines Könnens zurüch Dieses prä­zise Dewuhtsein wirb hier als das wesentliche Ele­ment der puccinischen Psychologie gerühmt: künst­lerische Ernsthaftigkeit und vollkommene Ueber­einstimmung zwischen Idee und Verwirk! chungs- mitteln. Puccinis Iugendwerke waren nichts als hohle romantische Theoretik, bis er mit der Ma­non den Sieg über die Abhängigkeit errang. Der Geist Puccinis ist nicht Derjenige eines Verdi, er überanstrengt seine Lungen nicht, sondern beschei- bet sich mit seinen kleinen Ideen, die er aber zu hätscheln, zu vertiefen, mit seinem ganzen Gefühl zu erfüllen weih. Mit kleinsten Mitteln weih er den größten Erfolg zu erzielen. Daher konnte er sich auch nicht dazu verstehen, wie ein Debussy um jeden Preis nach technischen Reuerungen zu suchen, er schuf mit dem Herzen, nicht mit dem Verstand. Er entging so der Gefahr, seine eigene Physiognomie zu verlieren.

In der Tribuna" wird erzählt, wie Puccini nach Möglichkeit auch im Textbuch daS Ueber- schraubte vermied. So fand er es übertrieben, daß der Held in seinem Schmerz einen großen Fluß anfang: Du. o Strom, Der Du mit Deinen Wassern so viele Tränen trocknetest! UnD er strich die Hyperbel.

Alle, die Dem Meister in den letzten Jahren begegneten, berichten von feiner Arbeitsunlust. Das Piano in seiner Villa in Vtareggio war her­metisch verschlossen und verstaubt. Die »Turan- dot" kam nicht vom Fleck. Um so größer war sein Schmerz, als er Die Todesslüzel rauschen horte unD ihnen nicht mehr die vierzehn, für Die Vollendung nötigen Tage abringen konnte. Vielleicht, daß Mascagni die letzte Hand anlegt.

(Bin Brief Puccinis.

Wo immer auch Puccini in der Welt herum­wanderte, sein Torre des Lago konnte er nicht vergessen. Lakonisch berichtet er:

London. Sechs Millionen Einwohner (genau so viel), ungeheures, höllisches, unbeschreib­liches Leben. Paris nichts im Vergleich. Unmög­liche Sprache, sehr schöne Frauen, prachtvolle Schauspiele und Zeitvertreib bis zur Vergeudung. Stadt wenig schön, aber bezaubernd.

Paris. Schöner und heiterer, aber we­niger bewegt oder lebhaft wie sagt man? und weniger charakteristisch. Hier lebt s.ch'S glän­zend. Ich habe eine tolle Lust, mich hier aufzu­halten. wenn ich zurückkehre, zwei, drei, vier, fünf Monate. Din Freund von Zola, Sardou, Dau­det. Wenn einer das, eh? dem kleinen Orga­nisten von Mutigliano gesagt hätte!

Manchester. Land des schwarzen Rau­che«. des kalten Katzenjammers, des Regens, der Daumwolle (weh dem jedoch, der nicht Wolle an­zieht!) und des Rebel«. Die wahre Hölle! Schreck­licher Aufenthalt.

D r ü s s e l. Schöne Häuser, Paläste, Denk­mäler, prächtige Straßen. Aber im Vergleich zu London und Pari- «her Provinz.

Mailand. Ursympatbische Gegend, ein­zig in Italien, um dort zu leben und . . . nötig für meine Geschäfte.

Torre del Lago. Höchste Lust. Para­dies, Eden, siebenter Himmel, turris ebumea, Kriegslager des Geistes, königliches Reich . . . Einwohner 120, 22 Häuser.

Das erste Dawes-Budget.

Der General ig nt für Reparat onszahlungen. Parker Gilbert, hat allen an den Repara­tionen beteiligten Mächten em en Ausweis über Einnahmen und Aufgaben b s zum 33. R vcmb r vvrg legt. Man muß segm. Daß bfr D wes-Plan bis jetzt tadellos funktioniert hat, daß aber in diesem Budget deutsche Zahlungen in wesent­lichem Umfange noch N'cht enteilten sind. Das recht umfangreiche Schr itäüi fi ht rund 233 Mil­lionen Goldmark an (Sinn ihmen und rund 225 Millionen Goldmark an Ausgaben. sewie einen Barbestand von 10 Millionen Mark Dar. Recht bedeutend s nd die Zahlungen Englands an Den Agenten auf Grund der 26prozentigen Revarationsabgabe. Die sich auf 4? Millionen Goldmark b'laufen, Dem engt schen Staate aber zu Lasten Der Repamt onsrechnunz w eher gut­geschrieben wurden. Frankreich lic er e bis­her nur 1700 003 Goldmark ab, die ihm eben­falls angerechnet wurden. Aus dem großen Re« parationstops erh e t n England und Fr.nkreich zusammen über 100 MII oaen Goldmark für Farbstosfli feru-g n und Au'w nDungen für d'e B'sayungsarmeen. Fär D utschland t t es recht erfreulich, daß die Alliierten die Be- sahungskosten selb st tragen muff n. Sie werden sich also allmählich Immer m hr ein- schränken müssen, um die auf Di; einzem n Staa­ten entfallenden Reparationsanteile nicht zu be­einträchtigen. Die Reich2-reJerung wir) di. bi ­ßet von ihr gelüsteten Vorschüsse in Höhe von 214,8 Millionen Goldmark aus Der Dawes-Anleihe zurücker stattet er­halten. D.s jetzt läuft der R paratior.splan al o re buncslos Wenn aber D utschland im nächsten Jahre anfängt, Die sich p.r.od sch fteigcriöen Reparationsinilliarden zu b z.hlen. Dürften wohl Die ersten Schw erig'e ten gu - tauchen, da heute noch keineswegs erscht'ich ist, woher die R.nchsregi.rung ang'fichts unserer wirtschaftlichen Rotlage die ung.h.uren Sum­men herholen soll.

Vie Pölferbunöstagung.

Der Völkerbunds rat ist durch die Ver­tagung der Behandlung des Genfer Pro­tokolls auf Den Monat März überraschend schnell um eine gefährliche Klippe herum gekom­men. Dadurch ist aber auch aus der Tagung des Völkerbundsrates eine Konferenz der an den Mittelmeer-Problmen star' int.reffie - ten Mächte geworden. Füc Deutschland ist der Verlauf von außerordentlicher Wichtigkeit, da nunmehr Klarheit Darüber geschaffen ist. Daß das Band, das um das Genfer Protokoll, die Militär­kontrolle und die Räumung der Kölner Zone geschlungen wurde, erst im Frühjahr gelöst werden wird, also mehrere Monate nach

-Anzeiger für Gderhessen)

dem im Versailler Friedensvertrag seftgesetzten Termin. Herr Chamberlain Hal nunmehr auch offiziell zugegeben, daß Großbritannien seine Truppen über den 10. Januar hinaus In Köln belassen wird, es fehlen aber jede Garantien Dafür. Daß Frankreich das Richrgebiet vor Dem Herbst 1925 räumen wirD. Gin neue« Moment ist die Ankündigung einer internationalen Abrüstungskonferenz, die ebenfalls im ersten Viertel De« nächsten Jahre« unter Den Auspizien De« VölkcrbunDes zusainmentreten soll. Die Zwischenzeit soll mit einer gründlichen Prü­fung des Protokoll« durch die beteiligten Regie­rungen ausge üllt werden. Wie Die Prüfung in Frankreich aussieht, geht schon darau« hervor, daß der Kriegsminister Rollet an Der Ausar­beitung eines Gesetzentwurfes zur Aufstel­lung einer Miliz arbeitet, Daß also d e Re­gierung Herriot garnicht Daran Denkt, von sich au« auf Dem Wege zur BefrieDung Europas einen Schritt vorwärtszugehen.

Wirtschaft.

Die Interessen der Kleinaktionäre bei der Aufstellung der Goldbilanzen.

Don Dr. rer. pol. Siegfried Wendt.

ES ist merkwürdig, daß die Art und Weise, in der heute die Golderöfsnungs-Bi­lanzen der Aktiengesellschaften auf- gestellt werden, nur verhältnismäßig geringe Be­achtung in der Oefsentlichkeit gefunden hat. Auch die Vorgänge in der Roggen-Renten-Dank, von denen in den letzten Tagen vielfach die Rede war, fini> nur als Einzelfall bewertet worden, und zwar wegen des Interesses, da« die Divergenz beftinrnter kapitalistischer Interessen in einer stürmischen Generalversammlung erregte. Der Blick ist aber kaum auf das allgemeine Pro­blem gerichtet worden, das in diesen Vorgängen wieder einmal sinnfälligen Ausdruck fand. Die­se« Problem ist gegeben in dem Gegensatz zwischen Verwaltung und Aktio­nären. Bei der heutigen Struktur unserer Volkswirtschaft, in der Zeit der vielfachen Ver­flechtungen der finanziellen Machtverhältnisse und Einflüsse, kann man ohne ilebertreibung sagen, daß sich die Interessen der Verwaltung mit denen der Großaktionäre decken. Das Problem ist also der Gegensatz zwischen den Der Verwaltung nahestehenden Gruppen der Großkapitalisten und den Klein- und Mit­tel-Aktionären. Zu dieser sozialpolitisch be­deutsamen Frage muß einmal grundsätzlich Stel­lung genommen werden.

Der Gegensatz zwischen Verwaltung und Aktionären ist ja so alt wie die Aktiengesellschaft selbst. Aber auch die heutige Form der Diver­genz, bet der auf der einen Seite die finan­ziellen Großmächte, auf der anderen die Klein- und Mittel-Aktionäre stehen, ist das Ergebnis einer längeren Entwickluna, die besonders in den Jahren der Inflation ihre größte Förderung erfahren hat. Die zahlreichen Kapitalerhvhun- gen, die in der Damaligen Zeit von den meisten Gesellschaften oorgenommen wurden, bedeuteten eigentlich immer eine Stärkung der Position der Verwaltung: denn Die neuen Aktien wurden größtenteils unter Ausschluß des gesetzlichen De- zugsrechtes Der Aktionäre an befreunDete Grup­pen unD Konsortien gegeben, ober sie standen »zur Verfügung der Verwaltung". Bei der viel­fachen finanziellen Verflechtung der Organi­sation unseres Wirtschaftslebens kamen Die neuen Aktien daher immer wieder bestimmten groß­kapitalistischen Kreisen zugute. Auf diese Weile wurde natürlich der Anteil Der Klein- und Mit­tel-Aktionäre an der Substanz des Unterneh­mend immer mehr geschmälert. Jetzt soll nun Die Goldbllanz-Verordnung Die Möglich­keit geben, Den Schlußstein dieser Entwicklung zu sehen. Es ist vielleicht nicht uninteressant, wie jm Gegensatz hierzu die D e u t s ch e D a n k die Auf­gabe Der Goldbilanz-Verordnung ansieht. Sie wendet sich in Dem Septemberheft Der .Wirt­schaftlichen Mitteilungen" sehr entschieden gegen die scharfen Kapitals-älm- ft c 11 u n g e n und betont, daß es lediglich Die Aufgabe Der Goldumstellungen wäre, den Schä­digungen Der Vergangenheit Rechnung zu tragen. Es sei aber offenbarer Mißbrauch der durch Die Goldbilanz-Verordnung gegebenen rechtlichen Möglichkeiten, wenn man Die Schwierigkeiten Der Zukunft in der jetzt üblichen Weise in die Bilanz h i n e i n r e ch n e t. Bei der älmstellung auf Gold soll lediglich die Substanz berück- s i ch 11 g t werden.

Im allgemeinen wird aber an vielen Stel­len darüber hinausgegangen, indem man nicht die Substanz Der Unternehmungen unter Den heutigen Verhältnissen, sondern ihre Erwerbs­kraft bewertet: Damit wirD Der innige Zu­sammenhang Der Goldumstellung mit Der In­flation außer Betracht gelassen, und Die Hattd- lung wächst sich zu einer allgemeinen Sa­nierungsaktion aus, Die Die Machtstel­lung Der Verwaltung in alle Zukunft befestigen soll. Die so durchgeführten Kapitalszusammen- legunqen bedeuten meistenteils eine rücksichts­lose Entrechtung Der Klein-Aktionäre. Ihr An­teil am Gesellschaftsvermögen, Der Durch Die in Der Inflationszeit getroffenen Maßnihrnen schon stark geschmälert ist, geht ihnen jetzt in vielen Fällen vollftänDig verloren. Denn Die Verwal­tungen Der Aktiengesellschaften führen im Zu­sammenhang mit Der nominellen Herabsetzung ihre« Grundkapitals, bei der alte und neue Aktien gleich behandelt werden, oft eine be­deutende Zusammenlegung Der einzelnen Aktien durch, so daß Dem Klein-Aktionär, der nicht in Der Lage ist, Die zum Erwerb einer neuen Aktie notwendige Zahl der alten Aktien auszu­bringen. nichts weiter übrig bleibt, al« lebten geringen Aktienbesitz der Gesellschaft zur Ver­fügung zu stellen.

Es scheint so als ob an maßgebender Stelle die sozialpolitisch schädigenden Wirkungen der rigorosen Kapitalzusammenlegung noch nicht klar erkannt worden find. Vom Standpunkte Des So­zialpolitikers aus ist Die Entrechtung Der kleinen unD mittleren Aktionäre eine äußerst bcDent- liche Erscheinung, Die überall das größte Inter­esse Der Öffentlichkeit wachrufen sollte.

Börse und Geldmarkt.

Die Aufwärtsbewegung, die sich zunächst auch nach Den Wahlen sortsetzen tonn e, hat eine jähe Unterbrechung erfahren, und innerhalb zweier

Samstag, 13. Dezember

Dörscn gingen die Gewinne nahezu einer ganzen Woche wieder verloren. Wcll man Den Gründen hierfür nachgehen, so wird man weniger nach wirtschaftlichen Momenten auStchauen müssen. Denn in der Gesamtlage der W.rischaft Hal sich naturgemäß innerhalb wen ger Tage nicht« ge­ändert. Die Kursrückgänge sind vielmehr in erster Linie auf die gesamte lechn.sche BörseiUage zu.ück» zuführen, wobei einige weniger günstige Tat­sachen im Wirtschaftsleben der Sp luiation w ll- tommenen Anlaß boten. D trachtet man rück­schauend die Hausse, so ist diese in erster Linie auf starke Stimmungsmache und umfangreiche Käufe der Danken zurückzuführen. Der Haupt­zweck war wohl, da« Ausland für d e d urschen Dorfen zu interessieren, und dieser Zweck ist in gewissem Grade erfüllt, denn eS stehl fest, daß das Ausland, sowohl östlich wie westlich, h erM» lichcm Umfange an der Börse al« Käufer aus­getreten ist. DaS deutsche Publikum ist ja auch immer noch nicht annähernd m der Lage. Träger einer derartigen Hausse, wie wir sie in der letzten Zeit gesehen haben, zu sein. Die Un­sicherheit in Bezug auf die Regierungsbildung die nicht nur Im Bergbau, sondern auch aus anderen WirtschaftSg but m. auffl idemDcn Lohn­bewegungen. sowie die bevorstehenden Fe «.tage mit tßren Barsenau-iäUen, haben die Speku­lation den jetzigen Moment für geeignet erschei­nen lassen, einen kräftigen Vorstoß nach öc Daisscseite zu unternehmen, zumal angenommen werden darf, daß die Banken nicht bereit sind, zur Stützung des hohen KurSniveaus kurz vor dem Jahreswechsel erhebliche Mittel sestzulegrn. Von diesem Gesichtspunkt au« gesehen, darf man wohl annehmen, daß es sich hier um eine vorüber­gehende Erscheinung handelt, wenn auch nicht außer acht zu l rssen ist. daß manche Kurse unter Dcrücls.cht gung der Go.dumstellun i toi Der e nen Stand erreicht haben, der angesichts be« sicher­lich nicht günstigen Ergehn sses de- nunmehr zu Ende gehenden Jahres Ihrem inneren Werte ziemlich entspricht.

Am Geldmarkt hat sich die Lage wenig verändert: er ist allerdings eher noch flüssiger geworden. Wie wir hören, hat der Appell der Reichsbank, dem Wechs l al« Kred tm.ttcl w eher mehr Geltung zu verschafsen, 6ere ts einige i (Er­folg zu verzeichnen. Das Ang bot d S!ont ähiger Wechsel ist im Zunehmen begriffen, so daß zu hoffen ist. daß allmählich Die flüssigen Mittel durch den Wechsel auch Dem Warenge chäst we­nigstens teilweise zugute kommen können.

Günstige Aussichten Der deut­schen K a l i i n d u st r i e. In dem neuesten Mo­natsbericht Der Dresdner Dank sind eingehende Angaben über Die Lage Der deutschen Kali­industrie enthalten. Rach Darlegung Der bis­herigen Entwicklung dieses Industrii'zweiges wird Darauf hingewiesen, Daß Die Aussichten der deut­schen Kalirndustrie unter Den gegebenen Verhält­nissen günstig zu beurteilen sein Dürften. Die Kali- gefeßgebung Der Rachkriegszeit beDeutet nicht nur einen Schuh vor Konkurrenz innerhalb Der Deut­schen KaliinDustrie, sondern auch eine sichere Basis für Die wettere Entwicklung Des Ralionalisie- rungs-ProzesseS. Die eigentlichen Erfolge Der De- triebskonzentration Der letzten Jahre toerDen also erst in der Folgezeit voll zur Geltung kommen. Auch Die AbfatzauSsichten finD nicht ungünstig. Die Kalivorkommen Im Ausland haben sich bis jetzt durchweg al« für Die künftige Sc-weiterung De« Produklion-umfange« unerheblich heraus- gestellt. Die Absahausfichten müssen weiterhin als recht günstig bezeichnet toerDen, wenn man beDenft, Daß für eine zwecks Erreichung Der Höchstprodultion restlos rationalifierte Deutsche LanDwirtschast ein KalibeDarf von 2 Millionen Tonnen jährlich errechnet wird, während Der augenblickliche Absatz noch nicht einmal öle Hälfte beträgt. Auch Die steigenDe 3nDuftrleaIlficrung in Amerika, Die Hand in HanD gehend mit steigen- Der Bevölkerungsziffer zu einer Intensivierung Des lanDwlrtschastlichen Betriebes führen muß, WirD Die Dortige Rachfrage nach Kali zweifellos erhöhen müffen. Berücksichtigt man ferner. Daß Der Import Der U. ©. A an Kali aus DeutfchlanD im Jahre 1913 248 294 T. betragen hat, währenD öle 11. S. A. im Jahre 1923 insgesamt nur 200 000 T.. Davon aus Deutschland nur 112 678 T bezogen haben, Dann wirD man gerade d e Absatz­möglichkeiten in Rordamerila bei Der Beurteilung Der künftigen Aussichten nicht außer acht lassen Dürfen.

Stand 6er Wintersaaten Im Deuts chen Reich zu Anfang Dezem­ber 192 4. Die Fortdauer des ungewöhnlich milden und trockenen Herbstwetters auch im Rovember dieses Jahres abaes chen von Der kurzen Kälteperiode zu M tte des Monats war sowohl für die Beendigung d r Herbstfeld­arbeiten, wie für die Aussaat und de En'wicklung der Winter-saatm überaus vorteilh ft. Drnk Der günstigen W.tterung konnte die 2£bemtuig der Rüber.sclder restlos beendet und d e De'lellung der Wintersaaten zum allergrößten Teil zu Ende geführt werden. Soweit die jungen Saaten bene 18 aufgegangen fmD, Acig .m diese allen h ilben eine gute Entwicklung. Der Roggen ist krä tig b steckt und weist namentlich auf früh bestellten F l- öern einen sehr üppigen Bestand auf. F:r Weizen lauten die B.gutachtu ig m nich' ganz so günstig: dieser ist wegen späterer Au-fcat zu­meist noch im Rückstand und viel ach erst im Aus­laufen begriff m. Die Gerste steht durhschn t lich gut und hat s ch. wie der Roggen, bere ts kräftig und üppig enttoid li. D e Schneckenvl g hrt sich jetzt infolge de« E.ntrcttS von Rächt rösten er­heblich verringert: dagegen wird nach w:e vor noch über starke Schädigungen durch F ldmäuse geklagt, die scch bei der milden uno trockenen W tterung in erschreckendem Umfange vermehrt haben.

' DuderuSsche Eisenwerke A G.. Wetzlar. Die gestern in Wetzlar ftattgefun- bene außerordentliche Hauptversammlung geneh­migte einstimmig sämtliche Anträge der Ver­waltung Das Stammaktienkapital wurde von 130 000 000 Pm. auf 26 000 000 Gm., und das Vorzugsaktienkapitat von 6 000 000 Pm. auf iOO 000 Gm. umgestellt. Der Rennwert jeder Stammattie ist also von 1003 Pm. auf 200 Gm und jede Vorzugsaktie von 1000 Pm. auf 50 Gm. herabgesetzt.

* Goldrentenbriefe Der Roggen- rentenbank A. - G. zu Berlin. Die Rog- genrentenbanf bringt jetzt durch Vermittlung des Führung Der Preußischen Staatsbank stehenden Großbank-Konsortiums Stücke au ms 420. 1050 und 4200 Gm. ihrer durch erststelli^»