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Drängt Frau "Beate.2£ber wollen Sie nicht lesen, Herr Vater?" Drängt der Stabskapitän: Vater, Iaht uns doch wissen, was Majestät schreiben!" Sagt der Landrat;Lest nur, Ge­vatter. Cs wird den Hals nicht kosten."

So stöhnt er leise auf, fängt an, die Siegel zu brechen, den Vogen aufzuschlagen.3a wo ist d.nn die Hornbrille? Die Brille, Beate!" Lind während sie sucht, ist wieder ein Gedanke La: .Damals, als der König den Kaspar gerufen, könnt' ich noch ohne Gläser lesen'

Bun hat er die Drille. Aber so groß die Buchstaben sind, wie sie die Schreiber im Kabi­nett'malen: sie tanzen ihm vor den Augen. Hilf­los sieht er sich um, sieht den Cajetan Grolich: Lest 3hr, ich bitt Euch!" And reicht das Schreiben.

Also lieft der Aegimentsprediger in die feier­liche Stille hinein:

..Bester, lieber Getreuer 3hr seid zwar ein Grobian und wisset nicht. Last Euer Recht! Recht! und das Suum cuique jedcoches au' einem be­sonderen Blatte stehet! 3ch aber will nicht, daß ein braver Adliger, so zwei wack e Söhne und einen Enkel in Meinen Dienst gestellt, cl?nd vor die Hunde gehrt. Rachdrm 3ch zuvörderst Be­richt über Euch eingefordert habe und erfahren, wie Ihr ohn eigenes Verschulden ins Malheur gerathen, will Ich über Eure dekpek irlichen Fa- evns Hinwegsrhcn und Euch in Graden viertausend Reichttaler sowie tausend Reichstaler für Eure Leute zum Retablissement accvrlüren, welch erstere Ihr mit drei Pro Cent per annum zu verzinsen haben sollt, vrn Johanni 1764 an ger chnet. Vor die rechte Verwendurg aber sollt Ihr Mir re­sponsable bleiben. Ich hab der Generrl-Toma'.- ncn-Easse Order gegeben, das Geld Euch gegen

Quittung auszuzahlen und bin Euer wohlafsec- civnirter König. Potsdam, den 29. März.

Sie sahen alle auf den Alten. Dem ist er die dunkle Röte ins faltige Gesicht geschlagen Dann ist er kreidebleich geworden und hat lang­sam die Kappe vom Haupte gezogen, hat gaw stille zugehört, den Kopf weit vorgebeugt und tief und schwer geatmet

Run, als das letzte "Dort verklungen, stand er auf. Sinkt in die Knie, faltet die Hände vor der Brust:Dir lieber Gott im Himmel, sei Lank und Preis und Ehre. Ans er gnädiger König"

Am anderen Morgen ist er früh ausgewesen und hat in Haus und Hof herumgewettert, wie ehedem in guten Tagen Ries sich dann den Sohn, sah mit ihm an der Kossätenschrune, uni sie rechneten und rechneten Erst für die Leute: das muh der haben und das jener. Darauf für das Dominium: was der Hebräer fclegte an auf­gelaufenen Zinsen; wieviel Kühe cinzustellen und Schweine; was sonsten am notwendigsten gebraucht wurde für die Wirtschaft Manchmal schnauzt der Alte:Willst mich zum Verschwender machen, Christel! Vergib nicht, dah ich dem König vor jedem Pfennig responsable bleibe " Dann schmun­zelte er wieder:Wird schon gehen, mein Sohn. Müssen nur hübsch sparsam sein." ..Deiner Beate vor das Haus fünfzin Taaer. Sie sagt nichts, sie bittet nicht, hat's ab?r nötig." And dann schliesslich:Schreib noch auf. vor zwei Leichensteine fünfzig Taler. Für Egid und Pütt- ner. Es drückt mir schon lange das Herz ab. Ist noch ein anbrer zu setzen weist wohl, in Schlesien, doch d?r liebe Junge mutz warten." (Fortsetzung folgt»

Samstag, 15. September (924

Rr. 216

Zweites Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Landwirtschaft und Gartenbau

über ein ge­

harrt sind, weil eine Beanspr,

Als Winter­etwas kurzen solcher Schutz R.

Die Päonien oder Pfingstrosen, fmb die haltbarsten, ans p ruchs losesten und schön­sten Dauerpflanzen für den Hausgarten sowohl der Villa, wie der Arbeiterwohnung, und sind ganz besonders für den beschränkten Raum des Vorgartens geeignet. Sie wachsen bei sonnigem oder halbschattigem Standort zu ansehnlichen Büschen heran, erfreuen, da sie sehr zeitig zu treiben beginnen, vom ersten Frühjahr an durch das schnelle Wachstum ihrer purpurroten Triebe, dem das glänzend grüne Laub und später die riesengrosten, in den prächtigsten Farben glü­henden Blüten folgen. Einmal angepflarnzt, über­dauern sie, an Schönheit zunehmend, viele Ge­nerationen ohne besondere Pflege. Doch sind sie für besondere Düngung dankbar, wie jede andere Zierpflanze.

Man unterscheidet hauptsächlich zwei Arten. Am bekanntesten ist die dick gefüllte karmin­rote Essig- oder Dauernrose, von der es auch eine rosa und weitzgesüllte Form gibt. Weit schöner noch sind die chinesischen Päonien, deren meist wohlriechende Blumen in Hunderten von Sorten von einem Farbenreichtum sind, der dem der Rose wenig nachsteht. Man must sich wun­dern weshalb Päonien nicht allgemeiner ver-

5 Zentimeter in den Boden kommt, schütz gibt man im ersten Jahr Dünger darüber. Später ist ein nicht mehr notwendig.

breitet sind. Der Grund dafür ist hauptsächlich in dem Amstande zu suchen, datz sie ein Ver­pflanzen im Frühjahr, wenn man die Gärten anlcgt, nicht vertragen. Sie treiben, wie schon erwähnt, sehr früh, ein Versehen im März oder April stört sie in der vollen Vegetation, und die Folge ist ein Kränkeln und Dahinsiechen, von dem sie sich oft nicht wieder erholen. Man ver­pflanzt sie deshalb im September bis An­fang Oktober mit möglichster Schonung der knolligen Wurzeln, und zwar nie tiefer, als sie vorher gestanden hatten. Ein Zutiefpflanzen ist meist die Arsache des Richtblühens.

Am dieselbe Zeit kann man auch ältere Etpcke teilen, indem man sie aus dem Boden nimmt, alle Erde abschüttelt und dann den Stock in so viele 'Teile zerlegt, wie es unter Berück­sichtigung des Am^andes möglich ist, dast an jedem Stück 23 Augen und mehrere unverletzte Wurzelknollen verbleiben. Diese seht man so, dah das oberste Auge nicht tiefer als höchstens

Da holt der ßanbrat sein Merkbuch heraus, blättert darin:Werm's bloh das ist! Ich hab' da eine Order gekriegt alle Tage kommen solche für den Zabeltitz auf Topper vom Kriegs- magazin in Frankfurt zu liefern zwanzig Wispel Korn nebst zehn Wispel Hafer . . ." und blinzelt aus den kleinen Aeuglein vergnügt hinüber.

Der Gestrenge hat grab' eine Pfeife vom Ständer genommen und will sie dem Boden hin- rcichen. Fast wäre sie ihm aus der Hand gefallen. Steht und starrt und atmet schwer. Sagt bann: Das wär' Hilfe in der Rot . . .

Loll's auch sein. Majestät helfen allent­

halben, und der Landrat von Boden hilft gern auch . . nun gar für den Topperschsn

Isegrimm." Pustet wieder, prustet, greift in die Drusttaschr, hält aber inne auf halbem Wog.

,Es ist nur," lagt er,der Topperschr soll cs

mit der Majestät verdorben haben. Man erzählt da kuriose Affären im Kr.ise. Par cxemple wollen manche gextyen haben, dah der Topperschr auf dem Schlachtfeld zu Ku-ersdorf der Majestät nicht grab respektvoll begegnet"

Gevatter!" ruft der Alte.

Hm. sie reden so. And ich hab da noch ein Officium: soll das Königliche Kabinetts schrei­ben hier dem Zabeltitz in periona oushändigcn." Dabei fährt er nun wirklich mit der Hand in die Brustta'ch:, zich' dn grobes Schreiben h r- vor mit vier mäßigen rcten Segeln, halt s dem Alten hin. Dor fällt auf den nach ien Stuhl, Mit den Dries mit den großen roten Siegeln vor sich im Schoß, wagt nicht, ihn zu brechen, einen ganz krausen Eedanten: .Weni nun ber Kön'g sich doch in Angnade deiner Torheit erinnert hnt und schickt dich nach Spandau . .

Notstandshilfe für die hessische Landwirtschaft.

Don Dr. August Skalweit, v. Professor der Staatswissenschaften an der Aniversität Kiel

Rach den Berichten über die Mitzernte in Oberhessen, die der Gietzener Anzeiger in der vorigen Woche brachte, wird man von einer K a - tastrophe sprechen müssen, einer Katastrophe, weil sie den Landwirt in bereits gesc^oächtem Zustande traf. Hatte er doch die Erzeugnisse ,seiner vorjährigen guten Ernte unter den eigenen Gestehungskosten > verkaufen müssen. Rur mit knapper Rot hafte er die Produktion auf rechter - halten können, in manchen Fällen nur unter Zu­hilfenahme eines teueren Rentemnarkkredits, den er aus den Erträgen der neuen Ernte zu rück - zahlen wollte und muhte.

Bei alledem kann es für den hessischen Land­wirt keinen Trost bedeuten, dah die Getreide- Preise wieder tn die Höhe gegangen sind und die PreiSkrisis des vorigen Erntejahres, wie ich cS in einem früheren, im Gietzener Anzeiger veröffentlichten Artikel vovausgesagt hatte, über­wunden zu sein scheint. Denn was nützen ihm die besseren Preise, wenn er kaum etwas zu verkaufen hat? Ja, die bafferen Preise werden ihm zum Fluche, da er von dem teueren Getreide noch hinzukaufen muh, well das selbst geerntete Getreide für die Saat nicht taugt. Allo nicht genug, dah er die günftiger.? Konjunktur nicht ausnuhen ttum, er hat unmittelbar noch Scha­den davon.

Schwer notleidend ist der Landwirt gewor­den. Kann man ihm Helsen? Das ist die schick­salsschwere Frage! Denn wenn die Hllse aus­bleibt, dann steht der größere Teil der Land­wirte vor dem völligen Ruin. Das Vieh mutz verkauft werden, die Felder bleiben unbestellt, der akute Rotstand tn ferner fürchterlichen Schwere wächst sich zum chronischen aus.

Kann man ihm helfen? Wir leben nicht mehr in dem reichen Deutschland der Vorkriegs­zeit. Das Rächste, was geschehest mühte, wäre, dah ihm die bereits gewährten Kredite geftunbet würden. Liegt das im Bereich der Möglichkeit. Man weih, wie begrenzt die Mittel der Renten-

Obstbaumpflanzungen an trockenen Berglehnen auf magerem Boden und in windiger Lage krän­keln häufig, weil die Daumlöcher beim Pflanzen nicht groß genug au-gehoben wurden, auch die Baumscheibe, die immer wagrecht liegen muh, nicht in Ordnung gehalten warb. Für solche Lagen eig­nen sich am besten Waln uh bäume, Kirschen und Dirnen. Aepsel in derartigen Lagen anzupflan- zen, ist ein Fehler. Wo er begangen wurde und man sieht öfter solche verfehlten Anlagen, sollte man nicht säumen, den Schaden durch erneute Anpflanzung passender Daumarten tn möglichst jungen Exemplaren well diese besser anwachsen wie ältere, wieder gutzumachen. Wer aber am trockenen Rain ober auf ber Schafweide Aepsel pflanzen will, ziehe sie als Wildlinge an Ort und Stelle und veredle später in die Krone mit wider­standsfähigen Sorten aus ber betreffenden Ge­gend.

wisses Ausmah die Währung erschüttern würde. Rur toenn es sich um eine beschränkte Zahl von notleidend gewordenen Landwirten handeln würde, liehe1 fid> von dieser Seite Hilfe erhoffen. Tröst­licher Weise scheint festzustehen, dah von einer solchen Mißernte, wie sie Oberhessen und die benachbarten Gebiete gehabt haben, andere deut­sche Gebietsteile verschont geblieben sind. Wenn nicht alle Rachrichten trügen, wird man im all­gemeinen von einer mäßigen Mittelernte in Deutschland sprechen können. Man braucht daher die Hoffnung nicht auf geben, daß eine Stundung der alten Kredite und vielleicht auch die Ge­währung neuer Kredite für die nDtleibenben hessi­schen Landwirte möglich sein wird. Auch die grotzen 3 en tralgenossenschaften werden Helsen müssen. Jetzt wird es sich erweisen, welcher «Segen es für die kleineren deutschen Landwirte war, dah sie ihre große genossenschaftliche Organisation über die Zeit der Inflaltivn, wo die .'vrebitgenossenschaften in schwerer Be­drängnis waren ober nur ein Scheinleben führten, hinübergerettet haben.

Dah die Steuern gestundet und entspre­chend Dem Minderertrag ermäßigt werden, halte ich, wenn sich die Organisationen energisch genug dafür einsehen, für selbstverständlich. Es entspricht dem Grundsatz ber Steuergerechtigkeit, daß ein jeder besteuert wird, nur nach Vermögen.

Ein Trost in Tränen, der aber keinen Augen­blick über den verbleibenden Ernst der fu cht- baren Rotlage Hinwegtäuschen kann. Der he ftsche Dauer wird sich krumm legen, arg krumm legen müssen, wenn er den schweren Schlag über- flehen soll. Aber wer die zähe Kraft des hessi­schen Dauern kennt, wirb ihm mehr zutrauen als einem Durchschnittsmenschen. Wer so wie ich Ge­legenheit hatte, in schwerer Zeit d'e Widerstands­kraft des hessischen Bauern kennen und bewun­dern zu lernen, ber wird bie Hoffnung nicht fahren lassen, dah er auch diese schwere Heim­such img überwinden wird, indem er sich selbst treu bleibt und der Parole:Arbeiten und nicht verzweifeln!"

Im hessischen Landtag haben die Frakttonen der Deutschen Vvlkspartei und der Deutsch nationalen Vvlkspartei An­träge eingebracht, in denen von ber Landes- und der Reichsregierung Kredithilfe und Steuer st undun gen bzw Steuererlaß für bie schwer geschädigte Landwirtschaft gefor­dert werden, damit biete wenigstens einigermaßen ihre Wirtschaftskraft wiedergewinnen könne.

Der Alte aus Topper.

Rvjnan von Hanns von Zvbeltitz.

68. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sanft bin ich wie ein Lamm, und wenn ich mal fluche mag's mir Gott verzeihen hat's seinen guten Grund. Am dich, Gevatter Land­rat, könnt' man zugrunde gehen. Scheut ber Mensch aus! Gemästet wie ein Truthahn. Bei dir sind, scheints, die vermaledeiten Moskowiter nicht gewest!" n ..

Kummer und Sorgen schw:mmen den Leid auf, Zabeltitz. Ob sie bei mir waren! Gefressen, gestochen, gebrannt und gemordet haben ste tn Pinndst) wie anderwärts. Muh überstanden wer­den, und nun kommen bessere Zeiten."

Ich merk' nichts davon"

Indessen sind sie ins Haus getreten, und ber Stabskapitän und Frau Bett7 kommen, und es gibt ein Händeschütteln und Küssen. Denn ohne Küssen tat's der Herr von Boden nimmer.

Läßt sich bann nieder, prustet und pustet, fängt an zu erzählen:Ja. Friede uitb bessere Zeiten und könnt' ein gut Jahr werden bei der Witterung. Rur solch armer Landrat, der hat s schlimm heuer. Den drückt die Kammer und h.tzt ihn, und ber König pfeffert mit Reskripten u-ib Ordres hinterdrein, jagt einen im Kreise herum, daß man bei Tag und« bei Rächt nicht Ruh hätt. Fragt bann plötzlich:Gevatter, bu Gäule hast doch bekommen? .

Ru ja freilich," sagt der Alte und zieht die Silben einzeln heraus.Werd' sie zuvorderst auf die Weibe schicken, sintemalen die Krippen leer sind."

Fragekasten.

Frage 47: Auf einem auswärtigen Frtedhof Hobe ich die erfrorene Ltgusterhecke eines Fa- rnilien-Erbbegräbnisses durch eine andere immer­grüne zu ersetzen, bie Winter hart sein muß. Welche Holzart würden Sie mir zu diesem Zweck emp­fehlen? Die Lage ist schatttg. Wann ist die beste Pflanzzeit? _

Antwort: Don immergrünen Gehölzen zur Heckenpflanzung in' schattiger Oage kommt nur bie Eibe, Taxus baccate, in Bettacht Die Eibe erfriert In so strengen Wintern, wie der letzte war, nur bann, wenn ber Boden im Rachsommer und' Herbst besonders trocken gewesen ist, ein Amstand dem sich durch Begießen in ber frag­lichen Zeit leicht abhelfen läßt. Sie ist deshalb besonders geeignet, well sie sich durch Schnitt zwanglos in jeder Form halten läßt und an den Boden keine' besonderen Ansprüche stellt. Die beste Pslanzzeit ist Ende August and Anfang Sep­tember, oder das Frühjahr von April bis Mai. DuS Eichreich wird vor dem Pflanzen rigolt

Wirtschaft.

Börse und Geldmarkt.

Selten hat die Börse auf irgendeinem Spe­zialgebiet so hartnäckig an einer vorgefaßten Mei­nung festgehalten, wie in den letzten Monaten in ber Aufwertungs frage. Allen amtlichen und halbamtlichen Erklärungen und allen abmah- nenben Artikeln ber Handelspresse zum Trotz ope­riert eine ziemlich breite Hausse-Spekulation mit dem Gedanken einer Aufwertung ber inländi­schen Anleihen. Da« Vorgehen einer Anzahl von Stadtverwaltungen, das übrigens int Gegen­satz zu der Haltung ber kommunalen Verbände in ber Aufwertungsfrage steht, wirkt ermutigenb au diejenigen Kreise, die eine Aufwertung auch für die Anleihen des Reiches und ber Länder erwar­ten. Man übersieht hierbei, dah die Stadtverwal­tungen sich augenblicllich größtenteils in einer sehr vorteilhaften finanziellen Lage befinden und daß sie ihre Dorkriegsanleihen zu einem erheblichen Teile in werbenden Unternehmungen angelegt ha­ben. Das Reich und die Länder befinden ftch in einer weit ungünstigeren Position. Soweit bie Kriegsanleihen in Betracht kommen, ist an eine Aufwertung schon wegen bes in solchem Falle sicher zu erwartenden Widerspruchs ber Entente kaum zu benfen. Die finanzielle Lage bes Reiches

Die Aufbewahrung der Lupinen­körner

verlangt bekanntlich große Sorgfalt, 'onst verder­ben sie. Verhältnismäßig gut halten sich bie Lupinen noch im ungebrochenen Zustande im Stroh, deshalb läßt man in der landwirtschaft­lichen Praxis die Lupinen möglichst lange unge­brochen stehen und drischt jedesmal nur soviel, als in der nächsten Zeit verbraucht werden. Je­doch ist auch im ungedroschenen Zustande die Gefahr des Verschimmelns bann vorhanden. toenn bie Lupinen nicht im völlig reifen, sondern im halbgrünen Zustande zusammcngefafyren und in eften Scheunen gelagert werden muhten. In einem derartigen Zustande sollte man lieber die Lupinen in offenen, ber Lust zugänglichen Feldscheunen einfahren, wo sie nicht so leicht tote in massiven Gebäuden dem Verderben ausgesetzt sind. Es ist ja im allgemeinen empsehlenswert, bie Lupinen nicht zu reif werden zu lassen, weil bann aus dem Felde die Hülsen zu leicht aufspringen und Samen streuen. Man schneidet heute die Lupinen schon bann, wenn bie Samen sich zu färben be­ginnen, soll sie aber dann auch luftig aufbewah­ren. Hat man sie aber gedroschen und auf dem Speicher unteogebracht, dann müssen auch besondere in der Praxis erprobte Maßnahmen angewendet werden, um ihr Verderben zu ver­hindern. Daß solche Speicher gründlich duichlüf.et und die Lupinen fast täglich umgeschaufelt wer­den müssen, dürfte als altbekannt angenommen werben. Weniger bekannt bürste es sein, baß es sehr wohl möglich ist, sie durch zweckmäßige Anwendung von gelöschtem Aehkal! recht lange in gutem, unverdorbenem Zustande auf dem Speicher zu erhalten. Das Verfahren besteht da­rin, daß die Lupinen möglichst sofort nach dem Aufspeichern mit trockenem gelo chter Äili schwach überstäubt werden, sie werben gewi sermaßei mit Lletzkaft eingepudert unb müssen vollständig weiß bestäubt sein. Die Erfolge sind augenscheinlich Schimmelbildung tritt überhaupt nicht ein, be­sonders aber dann nicht, toenn dieses Verfahren ettoa zwei- bis dreimal in Abständen von etwa einer halben Woche wiederholt wird. In diesem Falle werden die Lupinenkörner, auch die vorher grünen, weichen Körner, schon nach ettoa dreima­liger Behandlung völlig hart unb trocken unb für längere Zeit aufbewahrungsfäh g geworden fein. Die Keimfähigkeit hat durch biete Kalkung in keiner Weise gellt en. denn Versuche ergaben, daß bie Keimfähigkeit 92 Proz. betrug Selbst­verständlich muß im nächsten Frühjäh.- das Saat­gut vom Kalkftaub befreit torrben, was a(er leicht möglich ist. Auch bie Futterlupinen wird man vor ihrer Verwendung vorn Kalk befreien. In der angegebenen Weise lassen sich sämtliche Hülsenfrüchte für längere Zeiten vorzüglich auf» bewahren. Der Kalkstaub wird in der Weise her­gestellt, bah man auf 100 Kilo frisch gebrann'en Kalk 32 Kilo ober Liter Wasser verwende'. Rach dem Aebergießen wird ber dampfende Kalkhaufen mit alten, gebrauchten Säcken so dicht wie mög­lich überdeckt, um bie Einwirkungen der Luft abzuhalten. Rach ettoa einer Stunde ist ber Kall gelöscht unb nach erfolgter Abkühlung verwen- dungssähig geworden. Es mag ja dieses Heber» stäuben der Hülsen fruchte etwas umständlich er­scheinen, daS ist jedoch weniger der Fall als es scheint, der beabsichstgde Zweck aber wird tadel­los erreicht, unb bas dürfte die Hauptsache sein.

Dr. We.

ist überdies keine so erfreuliche, daß man ernst­haft auch nur an die bescheidenste Entschädigung der Anlcilxchesiher denken könnte. So bedauerlich dies aus sozialen Gründen ist, so sehr muß man doch die Tatsachen berücksichtigeii, wenn es sich um die Frage handelt, ob man in Erwartung einer Aufweitung derartige Esfetten erwerben soll. 'Da­mit sei allerdings nicht gesagt, daß die Selbstzeich- ner oder langjährigen Besitzer von Anleihen gut tun würden, diese bei den letzten Kursen zu ncr- äußern, deirn toenn, um einen sozialen Ausgleich ; u schassen, irgendeine Entschädigung erfolgt, so I ann sie nur denjenigen zugute gebracht toerben, die opferfreudig gutes Dell) hingegeben haben, um dem Daterlande den Kanivi um seine Freiheit fi­nanzieren zu helfen. Der A t t i e n m a r k t ist nach einer kurzen Hausse wieder in seine frühere Stille zurückversunkcn. Die Börse sieht zu deutlich alle jene Erschwerungen, die unsere Wirtschaft beim Wieder ausstieg zu überwinden hat, als daß sie chon jetzt in Optimimus schwimmen konnte Die tn letzter Zeit bekannt gewordenen Aktien-Zusammen- legungen brachten überdies besonders den Klein- Akttonären so schwere Enttäuschungen, daß diese gar nicht daran denken, ftch stärker als bisher in Effekten zu engagieren.

*

* Konkurse inHessen. Heber die Firma FahrzeugfabrilA. G. inDarmstadt ist das Kontursverfahren eröffnet worden. Forderun­gen find bis zum 1. Rovember beim Amtsgericht Darmstadt I. anzumelden. lieber das Vermögen des Porleseuillers Christian Winter in Klein-Auheim wurde das Konkursverfahren eröffnet. Forderungen sind bis zum 1. Oktober an­zumelden beim Amtsgericht Seligenstadt.

* Offenbacher Gummiwerke E. Stöckicht A. G., Offenbach. Auf Antrag eines Aktionärs wird eine a. o. G.-D. über die Auflösung des Unternehmend zu beschließen haben

'Stand der Geschäftsaufsichten. Rach den fortlaufenden Feststellungen des Zen­tralverbandes des Deutschen Großhandels ist' ßie Zahl der unter Geschäftsaufsicht gestellten deut­schen Firmen bis Ende August auf insgesamt 3114 angewachsen, das bedeutet eine Zunahme von 532 Geschäftsaussichten im Monat August. Von diesen Geschäftsaufsichten sind insgesamt 867 wieder auf­gehoben worden, davon im August 460. Die täg­liche Zunahme war also im August ettoa 18, wäh­rend die täglichen Aufhebungen ettoa 15 betrugen.

* Stillegung der Röchlingwerke. Aus Saarbrücken wird gemeldet: Die Röch­ling Eisen- unb Stahlwerke unb daS Edelstahl- werk Röchling-VöMingen geben ihren Belegschaf­ten bekannt, daß sie jetzt tatsächlich zur Ein­stellung des Betriebes gezwungen seien, da alte Bemühungen, eine Ermäßigung der Kohlenpreise zu ertotrfen, ohne (Brfolg geblieben seien. Die Löhne für eine Tonne Eisen seien heute um 82,5 Prvz. gestiegen, die Kosten für eine Tonne Kokskohlen um 54 Proz. Dagegen sei bet Eisen­preis gegenüber der Vorkriegszeit nur ufn 20 Proz. gestiegen Eine Auftech ter Haltung des Do tttebes sei zur Zell nur unter folgenben Be­dingungen möglich: Die achtstündige Arbeitszeit bleibt bestehen für die Feuerarbeiter, allerdings müsse man hier einen Lohnabbau um 15 Proz. tn Kauf nehmen und Meberftunben nach den Erfordernissen des Betriebes. An allen anderen Stellen müsse man sich entweder mtt einem Lohn­abbau um 25 Prvz., ober mit einer Mehr­leistung von zwei ötunben über bie Achtstunden­leistung einverstanden erklären, ebenso mühten die sozialen Zulagen um 25 Prc». gekürzt werden, die neu zu regeln seien. In ihrer Bekanntgabe sprechen die Werke die Hoffnung aus, dah die französische Grubenverwaltung sich nicht dauernd den wirtschaftlichen Rotwendigkeiten Im Saar- tebiet verschließen werde und in Kürze eine fteiSsenttrng für Kohlen ein treten lasse. ES er­scheine auf die Dauer unhaltbar, daß die Berg­werks Verwaltung monatlich einen Reingewinn von 100 Millionen Frank einheimse, der ihr nad>go rechnet werden konnte, während die Großindustrie an der Saar monatlich mtt Millionen Front Verlust arbeiten müsse.

* Hypothekar kredite für Raiff­eisen. Zwischen der Deutschen Raiffeisenbank, der Bank für Kommunal- und Grundkredit und der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken ist, wie bieD. Z. am Mittag" hört, ein Abkommen zustande gekommen, wonach den gesamten Mitglie­dern des Zentralverbandes der deutschen Raiff­eisengenossenschaften ohne verteuernde Zwischen, instanzen langfristige Hypothekarkredite zur Ver­fügung gestellt werden. Hierdurch werden den der Raisfeisenorganisation angehörigen Landwirten bie für den Betrieb nötigen Kreditmittel zugeführt.

' Der amerikanischeKreditfür das Kalishndikat zustandegekommen. Wie dasBerliner Tageblatt" hört, ist der amerika­nische Kredit für das Deutsche Kalisyndikat, über den seit einiger Zeit verhandelt worden ist, per-