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Blatt
Freitag, 10. Mwber 1024
V4- Jahrgang
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Neuwahlen in England
Auflösung des Parlaments
Macdonald oder Baldwin
anzuhören.
Die Thronrede
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Scheitern der „Volksgemeinschaft"
Absage der Sozialdemokraten
Berlin, 10. Oft. (Priv.-Tel.) Reichskanzler Marx hat gestern nachmittag den Derhand- lungsführern der Sozialdemokratischen Partei die präzise Frage vorgelegt, ob sie bei Kenntnis der nunmehr von allen in Betracht kommenden Parteien vorliegenden Aeußerungen zum Eintritt in ein Kabinett der Volksgemeinschaft entschlossen seien. Die Sozialdemokraten erklärten, daß sie angesichts der Entschließung der Deutschnationalen vom Mittwoch e i n Kabinett der Volksgemeinschaft für gescheitert betrachteten. In der dann folgenden Besprechung des Reichskanzlers mit dem Beauftragten der DeutschnationalenDolks- Partei teilte Dr. Marx die Stellungnahme der sozialdemokratischen Derhandlungsführer mit und erklärte, daß er nunmehr die Verhandlungen über die Schaffung einer Regie- rungunterEinbeziehungderDeutsch- nationalen und der Sozialdemokraten als erledigt ansehe und sich Freitag erneut mit den Parteien über den jetzt einzuschlagenden Weg ins Benehmen sehen werde.
nahmen durch Händedruck von ihm Abfchicä». Damit hatte das erste Parlament der Arbeiter- regterung sein Ende erreicht.
Herriot zur Kabinettskrise in England.
Paris, 10. Oft. (TU.) Herriot hat sich einem Vertreter des »Petit Prvvencal" gegen über folgendermaßen über den Sturz Macdem.les geäußert: Meine Lieberzeugung geht dahin, dah Macdonald die Geschäfte wieder übernehmen wird Er hat die Mehrheit des Landes hinter sich. Die gegenwärtig? Krise ist nur vorübergehend. Mögen d.e neuesten Ereignisse mir recht geben
Obwohl sentimentale Erwägungen in den Betrachtungen der
Pariser Presse
über die Riederlage der Arbeiterregierung keine besondere Rolle spielen, ist ersichtlich, dah die englische Krise aus den verschiedensten Gründen in Paris Bedauern verursacht hat. Die mah- gebenden Pariser Kreise verhehlen sich insbesondere nicht, dah die rein persönlichen Versprechungen, die Ramses) Macdonald in der Frage der interalliierten Schulden in Cheguers urtb während der Londoner Konferenz dem französischen Ministerpräsidenten gemacht hat, schwerlich von seinem Rachfolger gehalten werden würden. Im übrigen herrscht unverkennbar die Befürchtung vor, dah sich aus einem englischen Kabinettswechs l betrübliche Folgen für das Genfer Protokoll ergeben könnten. D e'e Befürch- ttmg bringen die Blätter nachhaltig zum "21113- druck. Zusammenfassend schreibt der „Dem s' am Schlüsse seines hart gen ßeitortifeld: „D.e Ri dir- läge des Kabinetts Ramsey Macdonald dürste ohne Zweifel schwere Rückschläge auf die internationale Situation zur
Folge haben. Man muh seststellen, dah Mac- dvnald, nachdem er neun »Monate am Rute war, aus'Sand gebaut Hit und dah 'ein Werk von einem parlamentarischen Zwis teif ill abhängig ist. „Journal des Deb ts" dem > dir Gelegenheit, um eine Warnung an H e r r i o : .i richten, der, wenn er in seinem Kampf gege i die katholische Kirche zu weit gehe, leicht das Schicksal Macdonalds teile ’ l nn\
— Eine Wendung der Krisis.
mäßig, weil eine grundlegende Aen de» rung der Parteikonstellation doch nichterfolgen würde. Ob die Fraktionen heute wieder Sitzungen abhalten werden, steht noch nicht fest. Dis jetzt sind Fraktionssihungen noch nicht angesetzt.
Berliner Pressestimmen.
Berlin, 10. Oft. (Sil.) Die Berliner Blätter sind sich alle darüber einig, baf) die bisherigen Verhandlungen diese Wendung nehmen muhten und beschäftigen sich mehr oder weniger ausführlich mit dem, was nun werden soll. Die „G e r m a n i a", das Hauptorgan der Zentrumspartei, auf deren Haltung bei den weiteren Verhandlungen es sehr viel ankommt, hüllt sich in Schweigen und gibt lediglich die Berichte über die einzelnen Momente der gestrigen Verhandlungen wieder. Rach der „Deutschen Tageszeitung" kann es sür den Kanzler nur einen Weg geben: den einer Koalitionsbildung der bürgerlichen Parteien. Rach der „Kreuz-Zeitung" muh nun die Frage gestellt werden: Bürger- liche Regierung oder Reichstagsauflösung?
Der „Vorwärts" vertritt die Auffassung: Man muh einen Strich unter das Vergangene machen und sich an dem englischen Mut, der vor Volksentscheidungen nicht zurückschreckt, ein Beispiel nehmen. Die Frage der deutschen Reuwahlen muh sein, ob rechts oder links regiert werden soll. — Der „Lokalan- feiger“ kommt zu dem Schluß: Das Zentrum hat also die Wahl zwischen Verständigung mit Deutschnationalen und Deutscher Volkspartei auf der einen und der Reichstagsauflösung auf der anderen Seite. Soll sie zugunsten der Reichstagsauflösung erfolgen? Die Sozialdemokratie weih sehr gut, warum sie uns auf diesem Weg ständig vorwärts treiben will. — Die „D. A. Z." schreibt: Dem Ersuchen der Deutschen Dolkspartei, nunmehr die Bildung einer nach rechts erweiterten Regierung zu betreiben, wird der Reichskanzler Zweifellos entsprechen, denn es kann als ausgeschlossen gelten, dah er die Verantwortung für die Auflösung des Reichstags in einer Situation wird übernehmen wollen, in der eine Aenderung der parlamentarischen Kräfteverhältnisse nicht zu erwarten ist und Reuwahlen höchst bedenkliche Verzögerungen bei der Erledigung der dringendsten außen- und innenpolitischen Aufgaben zur Folge haben würde.
Das „Berliner Tageblatt" ist der Auffassung, dah zweifellos der Gedanke, einseitige Verhandlungen mit ben Deutschnation alen zu führen, abgelehnt werden wird. Die „D ö r f e n zei t u n g* schreibt: Wie vovauszusehen war, hat sich als einzig Positives ergeben, dah die sozialdemo- kratische Führerschaft zur Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien auf rem nationaler Grundlage noch immer nicht reif fff und dah sie sich ebenso von der Angst vor den Kommunisten und von den Klassen-
was von ihnen übrig bleibt, sich mit den Konservativen zu einer Koalitionsregierung zusammentut, die nach den Wahlen das Erbe Macdonalds zu übernehmen hätte.
Der Auflösungsakt.
Eine Rede Macdonalds. — Die Thronrede.
London, 10. Ott. CSU.) In der gestrigen Rachmittagssihung des ilnterhauses kündigte der Premierminister Macdonald die Auflösung des Parlaments an, indem er sagte: Ich bebaute, dah die seitens der beiden Oppositionsparteien unternommenen Schritte a l l- gemeine Reuwahlen notwendig gemacht haben. Die Mitteilung, dah der König die Genehmigung zur Auflösung erteilt habe, wurde mit lautem Beifall bei der Arbeiterpartei aufgenommen. Macdonald führte weiter aus, dah er alle weiteren Maßnahmen in Ueber- emflimmung mit allen Parteien des Parlaments durchführen werde. Besonders wichtig sei die Frage, ob es besser sei, die Parlamentswahlen hinauszuschieben, bis die Gemeindewahlen beendet wären, oder ob es besser sei, zuerst die Parlamentswahlen und dann erst die Gemeindewahlen stattfinden zu lassen, die bekanntlich Anfang Rovember vorgenommen werden sollen. Der Regierung sei sehr viel daran gelegen, die ilnbequemlichkeiten allgemeiner Reu wählen auf ein Mindestmah zu beschränken.
Bei sorgfältiger Prüfung hat die Regierung festgestellt, dah es möglich sei, die Parlamentswahlen noch vor Beginn der Gemeinde- Wahlen zu beendigen. Er schlage deshalb vor, die heutige Sitzung des ilnterhauses möglichst auszudehnen, damit nach (Srfebigung der dem Parlament vorliegenden Arbeiten noch heute die Auflösung erfolgen könne. Hierauf wurde die ilnterhaussitzung auf nachmittags 6 ilhr vertagt. Bis zu diesim Zeitpunkt hatte das Oberhaus olle Lesungen des irischen Grenzregulie- rungsgesehes durchgebracht. Auch die dritte Lesung des Gesetzes ging ohne Abänderungen bon- matten. Als um 6 ilhr das ilntevhaus wieder zusammentvat, begaben sich die Mitglieder unter Führung des Sprechers, des Premierministers und Baldwins als dem Führer der Opposition in feierlicher Prozession in das Oberhaus, um
die Verlesung der Thronrede über die Anflösung des Parlaments
Gestern nachmittag hatten die volksparteilichen Abgeordneten Dr. Scholz und Dr. C u r t i u s eine ilnterredung mit dem R e ich skanzler, in der sie auf das entschiedenste für eine Erweiterung des Kabinetts nach rechts ein- traten. Die Abgeordneten hatten bann eine Besprechung mit dem Führer der Deutschncrttonalen, Dr. H e r g t.
Wie die Telunivn erfährt, ist die heutige
Besprechung des Reichskanzlers mit den Führern der Koalitionsparteirn
auf 10 ilhr festgesetzt. Der Reichskanzler wird in dieser Besprechung den Parteiführern Kenntnis von der neuen Situation geben und ihnen voraussichtlich seine weiteren Absichten kund tun. In par- Iamentarifd>en Kreisen bezeichnet man allgemein den gestrigen Tag als den Wendepunkt der Regierungskrise. Von den Fraktionssihungen, die am Donnerstag stattfanden, trat diejenige der Zentrum s f r a k t i o n die wichtigste. Das Zentrum tagte mit einer Unterbrechung von zwei Stunden von 11 ilhr bis 7.30 ilhr abends. Während die Demokraten und die Deutsche Dolkspartei in ihren kurzen Sitzungen sich nur mit weniger akuten Fragen, so z. B. mit der des deutsch-spanischen Handelsvertrags, beschäftigten, war beim Zentrum Hauptgegenstand der Tagesordnung die Erweiterung der Regierung. . ,, .
Eine große Reihe von Fraktionsmitgliedern, darunter die bekanntesten Abgeordneten äußerten sich eingehend zur Lage. Wie die Telunron erfährt, würde es das Zentrum begrüßen, wenn es möglich träte, die bisherige Koalition noch eine Zeitlang beizubehalten. Einen Ausweg aus den Schwierigkeiten erblickt man im Zentrum ferner in der Möglichkeit der Bildung eines überparteilichen Kabinetts hervorragender Persönlichkeiten. Der übergroße Teil der Zentrumsfraktion hält eine Auflösung des Reichstags deshalb für wenig zweck-
we g gesucht hätte.
Denn die Gegner Macdonalds waren mit ihren Vorbereitungen noch nicht ganz fertig, die (Versuche eine neue Kandidatu rver- linbung zwi schen den Konservativen undden Liberalen waren im Gaige W.r n sie zu Ende geführt, dann war vermutlich der Ausgang der Wahlen von vor-rhrrern bc .unrn:. Des der Kürze brr Zeit bis zu ben Reuwah^n toirb es jetzt kaum mehr möglich sein, Konser- Tatioe und Liberale unter einen Hat zu br.ngen, auch diesmal werben also die „dreieckigen Wahlen“ vorherrschen, bei denen bte rela- liveMehrheit entscheidet, die einzige Chance, t Gbie es für die Arbeiterpartei überhaupt gibt. I. Trotzdem sich über die Aussichten schw.r \ «Iwa's sagc , viele ajich recht kluge Beurteile-) 3>er englischen Etimmu.ig waren im oommer nod) Der Meinung, daß Macdonald eine Auflo- f u n g ruhig wagen könne, weil er nut starkem Gewinn zurückkömmen toeffbe, heute hat sich Las Bild doch verschoben, auch die Tlrberter- tegterung hat an den Problemen der inneren englischen Politik herumgedok.ert, ohne s chtrare Folgen zu haben, und ihre Taten in der An sitndspvlitik sind auch nichts mehr als ein verkapptes Zurückweichen vor Frankreich gewesen. Dir Konservativen hoffe., offen» Var, daß in den Kreisen der Arbeiterpartei eine starke Ernüchterung eing.treten ist, daß giirnat die Mitläufer wieder nach rechts zurück- kehren werden, weil sie auch in Macdonald nur eine Enttäuschung -erlebt haben, und zwar nach rechts zurückkehren über dae L^be- talen hinweg. Die Wahrscheinlichkeit spricht also dafür, daß die Liberalen beider Gruppen zwischen den Konservativen und der Arbeiterpartei zerrieben werden und baß dann,
war sehr ausführlich gehalten und gab eine Ueber- sicht über die Arbeit der bisherigen Regierung. Besonders wird dem Ergebnis der Londoner Konferenz beigestimmt, denn sie habe zur Verwirklichung des Dawesplans sehr viel beigetragen. Ihrem glücklichen Ausgang ist es zu verdanken, dah die sehr schwierigen Probleme durch die beteiligten Mächte bis z u einem gewissen Grade gelöst werden konnten. Ich bin überzeugt, daß die Regelung dieser Fragen in weitem Maße zur Wiederherstellung des internationalen Handels beitragen wird, von dem das Gedeihen der Staaten abhängt. In G e n s sind auf der 5. Versammlung des Völkerbundes in der Schiedsgerichts-, Sanktions - und A b- rüstungsfrage bedeutende Fortschritte erzielt worden Das Ergebnis der Beratungen wird mög.ichst bald dem Parlament vorgelegt toerben. Hoffentlich trägt es dazu bei, daß bald die schweren Lasten, unter denen l.eute die Völker leiden, erleichtert werden Ferner geh: die Thronrede auf die Verhandlungen mit Svwjetruhland und auf den Abschluß des englisch-russischen Vertrages ein, der d.e Wiener- Erstellung der politischen und Wirtschaft! chen Ba de zwischen Großbritannien und- Rußland wieder anknüpfen soll und ein notwendiges Element für den Frieden und den wirtfchaftlichen Wiederaufbau Europas bildet.
Es wird bedauert, daß die Besprechungen zwischen Macdonald und dem ägyptischen Premierminister zu keiner Verständigung geführt haben, die bei weiteren Verhandlungen hatte erreicht werden können. Auch trotz der Ergebnislosigkeit der Verhandlungen wird die Polttik Großbritanniens zu Aegypten i n demselben Sinne fortgesetzt werden wie sie bisher nach Aufhebung des Protektorats von England geführt worden sei. Ferner wird darauf hingewiesen, dah eine Belebung der Bautätigkeit angestrebt werden muffe, denn nur diese könne Handel und Industrie wieder auf- leben lassen. Sie bedeute auch die einzige durchgreifende Maßnahme im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Das von der Regierung aufgestellte Dau Programm gewährleiste ununterbrochene Bautäti^eit für einen Zeitraum von über 15 Jahren. In dem Produktionsprogramm der Regierung wurden wertvolle Fingerzeige für die industrielle und kommerzielle Organisation des Staates gegeben. . ,
Nach Verlesung der Thronrede begaben sich die Unterhausmitglieder wieder in das Un.er Haus zurück wo die Thronrede nochmals dura) den Sprecher verlesen wurde. Darauf erfolgte die offizielle Auflösung des Parlaments. Die Mi- nffter die Führer der Opposition und die andern Mitglieder des Parlaments schritten darauf in feierlichem Zuge an den Sprecher vorbei und
Mit einer für deutsche Verhältnisse über« oaschenden Geschwindigkeit sind in England die Dinge zur Entscheidung getrieben. Am Mittwoch abend wußte noch niemand, was kommen würde, ein allgemeines großes Orakeln glaubte in letzter Stunde den Konflikt noch irgenbtoie vermeiden ui tonnen, eine Parlamentssitzung von drei Stun- •en — die in Deutschland mindestens ebenso viele Tage gedauert hätte — und das Kabinett war in der Minderheit. Macdonald muh auflösen, nachdem der König die Auflösung des Unter- hau ses genehmigt hat.
Dreiviertel Jahre hat die Arbeiterreg:erung gedauert, mehr, als man ihr ursprüglich zugestanden hatte: fällig war die englische Krise chon seit Monaten, sie war nur zurück- bestellt worden, f»lange das Reparations- Problem nicht in irgendeiner Weise zum vor- 'äusigen Abschluß gebracht war, jetzt beherrscht vie innere Politik in England wieder das Feld, die alten Parteien glaubten die Stunde der Abrechnung für gekommen.
Trotzdem ist zwischen Ursache und Anlah sehr vohl zu unterscheiden, der Anlaß, das Riederschlagen einer Voruntersuchung gegen einen vollkommen unbekannten konrnrunisttschenSchnftsteller, Campbell, durch den Genevalstaatsanwalt Hasttngs ist rein zufällig gestellt. Die Konservattven und Liberalen haben zwar das Palladium der englischen Rechtssicherheit entfaltet und haben mit großem Pathos den Rachweis führen wollen, dah cs unerträglich sei, wenn schon nur der Gedanke entstände, als wenn politische Beeinflussung auf gerichtliche Verfahren vor- gefonrmon träte; zu an deren Zeiten aber hätten sie die Achseln darüber gezuckt und dieiDinge laufen lassen. Sie wollten jedoch einen Nagel haben, woran sie eine bescheidene politische Rieder läge der Minderheilsregierung Mac- dvnald aufhängen konnten, und dazu war ihnen dieser Mr. Campbell gerade willkommen. Die erste Möglichkeit, die sich aus dem irischen Gesetz ergab, haben sie vorbeigeben lassen; mit Reckt, »veil sie sich sagten, daß damtt nicht viel Seide 1 aj spinnen sei. Daß in Irland endlich Ruhe ein» i ritt, daran sind alle Parteien gleichmähig tnter» .rffiert, zudem sind die Uffterleute so im Unrecht, »aß auch eine konservative Regierung nicht anders I axirbe handeln können. Bei dem provisorischen Friedensschluh zwischen Ulster und dem eigent- ! sichen Irland war die Grenzf estseh ung für | später Vorbehalten, die ilffterleute waren dabei | sehr gut weggekommen, indem sie das g anze i strittige Gebiet besetzt hielten. Rach dem Vertrag sollte darüber ein Schiedsgericht entscheiden, in das Irland und Ulfter je einen Achter zu entsenden hatte. Die ilffterregierung ah nun ein, daß sie zu einem solchen Schieds- pruch mancherlei Gebiete aufgeben mißte, die sie '-isher besetzt hielt und lehnte es deshalb ab, »inen Schiedsrichter zu ernennen. Das neue Met) sieht jetzt die zwangsweise Ernen- iung vor. Da auf andere Weife die Iven nicht -afriedenzustellen waren, konnte keine Regier^ig. mochte sie heißen, wie sie wollte, anders handeln. Ls war deshalb klug, dah dieser Fall nicht^zum Anlaß der Krisis genommen wurde. Dazu lvar Ägentlich der e n g l i s ch- r u s si sche Ver tra g lusersehen, der ohne die Zustimmung des Parlaments unwirksam ist. Macdonald mag offenbar Izesürchtet haben, daß die Russen den Vertrag von sich aus annullierten und ihm da- | durch eine schwere inncrpolittsche Rrederlage zu- | fügten; deswegen hat er den Anlaß, der ihniijetzt beim Fall Campbell aufgezwungen wurde, mit * Freuden ergriffen und die Dinge auf die Lpihe getrieben, obwohl gerade die Iibe- rate Partei zuletzt ganz gerne nach einem Aus-
Die Wahlaussichten.
London, 10. Olt. (TU) Di Wahlu.'S- sichten werden in gut unttrrich!? e: Politischen Kreisen wie folgt b urteilt: Sowohl die Ar - beite rpa r t ei als auch bi? Konserv<i - t i v e n erwarten erheblichen Gewinn. Gin bekannter Führer der Arbeit? Partei schätzt H - zu erwartenden Gewinn der Arbeiterpartei auf etwa 100 Sitze, während man im lonsirvasiren: Lager auf einen Mandat.>;uwachs ron etwa 40 Sitzen rechnet. Die Erwartungen t r Arber er- Partei scheinen jedoch etwas z.i optimistisch zu sein, doch erscheint dl? ton>r it.i c. hung in Anbetracht der Tatsache, d.r': di? Kon'c? vativen im gegenwärtig:n Par.amen im B?r^ hältnis zu ihrer Stimmenzah: rund 2) Si >' zu wenig haben, richtig zu sein. Im allgemeinen erwartet man aber in keinem Falle eine regierungsfähige Mehrheit nc:e bei den Konservativen noch bei der Arbeite Partei Die liberalen Stimmen werden dahe a ch im neuen Parlament d i e Entscheidung bringen.
Wenn die Wahlen am 29. 10. ein entscheidendes Ergebnis gegen die Regierung h ib?n, kann Macdonald noch vor dem lammentritt des Parlaments 3 u r ü d trete n. Wahrscheinlich aber wird er dem Beispi?' Baldwins folgen, nämlich die formelle Rieder- läge im Unterhaus gelegentlich der Debatte über die Antwortadresse auf die Thronrede abzuwarten. Das Parlament wird am 18. oder 20. 11. zusammentreten, aber infolge der zu erledigenden Formalitäten wird diese entscheidende Debatte wahrsch' nlich nid)! 0 0 r A n- sang Dezember beginnen. Do i Znl. rcsse ist die Feststellung, daß die Regierung d?r Arbeiterpartei seit der Aebernahm? ihres Amtes im Unterbaut elfmal eine Riede.läge erlitten hat.


