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radikale

Die Sonnlag

Den groben Revierkonferenzen der Derg- aroeiterverbände folgten am Donnerstag im ge* samten Ruhrrevier B e l e g s ch a f t s - V e r - sam m langen, deren Zahl auf über 300 ge- schätzt wird. Soweit Meldungen vorliegen, nah« men sie alle einen ruhigen Verlauf. In allen Versammlungen, die überfüllt waren und teil­weise unter freiem Himmel stattfanden, wurde daL Vorgehen der Grubenbesitzer aufs schärfste verurteilt, der Wille der Bergarbeiter zur Arbeit entschieden betont und jede Streikvarole nachdrücklich abgelehnt. Die Aufforde­rungen zum Generalstreik, die in einigen Versammlungen von Anhängern dec Union er­hoben wurden, fanden bei dem Gros der Teil­nehmer eine entschiedene Ablehnung. Es wurde gefordert, daß die Bergarbeiter nicht allein die Träger der Repara­tiv n s l a st e n sein dürften. Diese Lasten seien vielmehr gleichmäßig auf alle Schul- ter n des Volkes zu legen. An dec Forde- rung der Deibrbaltung dec 7-Stundenschicht unter Tage und der 8-Stundenschicht über Tage wurde von der Ruhrbergarbeiterschaft festgehalten. Die Beschlüsse der Revierkonferenzen wurden ein­mütig gebilligt. Das Angebot des Schieds- f p r u ch e s in der Lohn- und Acbeitszeitfrage fei für die Bergleute unannehmbar.

neuen Frauen einer neuen Zeit. Der Weg ist mühsam, lang und voller Hindernisse; Dornen­ranken und spitze Steine halten euren mutigen Schritt auf, aber euer fester Wille sei euer Stab und eure rotglühende Liebe die Leuchte, die nie erlischt. Sie muß im Herzen der Frau brennen und wieder zur hellen Fackel werden, die den in unsern Lagen so ganz besonders! finsteren Pfad unseres Volkes mit fttahlen- dern Lichte erfüllt.

Annahme von Anzeigcu für dir lagtsnummer bis zum Nachmittag oorhri ohnejedeDerbindlichKeit. Preis für 1 mm höh« für Anzeigen von 27 mm Brette örtlid)8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne- Klame-Anzeigen d 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrist 20°/ Auf- schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: vr. Friede. Wilh Lange; für den übrigen Test: Ernst Dlumschcin; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen.

Paris, 9. Mai. (WB) Rach einer vom HavaS" veröffentlichten Zufammenstellu.ig übcr die am kommenden Sonntag stattfindenden Kam­merwahlen bewerben sich um 5Sl Sitze2491 Kan­didaten auf 452 Listen. Bon den Deputierten der ehemaligen Kammer bewarben sich wiederum 10 Konservative. 165 Republikaner (Bezeichnung für die Aragv-Gruppe). 110 Linksrepublikancr (Partei Pvincars), 39 Radikale (soll Wohl heißen Rattonalraditale), 46 Rad Ule und Radikalsozia, listen, 36 soztaltstifche Republikaner (Partei Char­les Painlevö und Dciand), 50 Sozialisten und 11 Kommunisten um Sitze in der neuen Kammer. Don bekannteren politischen Persönlichkeiten kandi­dieren neu Prof.Au lor d, derehem. Protestlerischr ReichStagsabgwrdnete Mühleisen, der ehe­malige sozialistische Abgeordnete Dürgermeisler von Straßburg Pei rotes, der durch seine Tätigkeit beim Rachrichtenbureau der D.satzungs- behorden in Düsseldorf bekannte Schriftsteller Francois P o n z i t, der ehemalige französische Botschafter in Petersburg Roulens, dec Her­ausgeber der($re Rouvelle" in Paris,der Pa­zifist Luciern le Foyer, der ehemalige Chef­redakteur des .Figaro", der auf der Liste der Royalisten kandidiert Laharus, der ehema­lige sozialistische Reichstagsabgeordnete Weill, der bekannte sozialistische Schriftsteller Er um- bach, dec in Colmar an der Spitze der soziali­stischen Liste steht, der ehemalige Minister und

Abgeordnete Augageur, »

zöfische Regierung erfolge. Der Minister- pcäsibent scheine zuerst daran gedacht zu haben, einen persönlichen B r i e f an Poincare zu richten. Aber eine Persönlichkeit, die dieser Tage in Lon­don gewesen sei, habe ihm den Rat gegeben, um eine direkte Unterredung nach^usuchen und habe ihm auch die Hoffnung gelassen, daß ein der­artiger Vorschlag angenommen würde. Poincarö habe zwar in seinem Brief an die Reparations­kommission erklärt, er sei gegen einen soforti­gen Memungsausta isch zwischen den alliierten Re­gierungen, bevor nicht der Sachverständigenplan durch die Reparationskommissim ausgearbeitet worden sei. Die Reise des belgischen Minister­präsidenten nach England habe diesen Vorbehalt jedoch hinfällig gemacht.

Die Reparationsanleihe.

P a r i s, 10. Mai. (WTD) Rach dem ,Rew° Borker Herald" wurde ursp.üuglich angenommen, baß die in dem Sachoerständigenbericht vorge­sehene Anleihe von 800 Millionen Goldmark ge­gen den 1. Juni aufgelegt werden könne. Aber dieser Zeitpunkt scheine etwas verfrüht. Op­timisten nähmen an, daß die Anleihe in den Ver­einigten Staaten und in Europa erst gegen Mitte Juni aufgelegt würde.

Volksentscheid über die Sachverständigengutachten.

'Berlin, 9. Ma-. (WTD.) Wie derSo- zialdemokratischr Parlamentsdienst" erfahrt, hat ter Vorstand der D. S. P. D. in sei- j ner heutigen Sitzung einstimmig den Beschluß gefaßt, in der Frage der Annahme oder Ab­lehnung der Sachverständigendor­schläge den BolkSentscheid zu bean­tragen. Da der Kampf zwischen den 23 Par­teien die erforderlich: Klarheit nicht gebracht habe, solle das Doll selbst durch Za odetr (Hein entscheiden.

Der sozialdemokratische Parteivorstand hat den Parteitag zum 11. Juni nachBerlin einberufen.

Mütter.

Zu« deutschen Mutt er ta ge­ll. Mai 1924.

Don Martha Radetzky.

Mit dem Kinde zugleich bildet Die Mutter ihr heiliges Ich.

Jean Paul.

Heute gilt es, alle geistigen Kräfte und alle Hände zu regen zum Heil und Aufbau .unseres, aus taufend Wunden blutenden Va- teriandeS. Da wird auch von den Frauen tap­fere, selbstlose Mitarbeit verlangt, soziales Empfinden, geistige Disziplin und ein selbstän- DigeS, klares Mr teil.

Rur in einem geordneten Staatswesen kann ein gesundes und schönes Familienleben gedeihen, und dieses zu schaffen, sind die Frauen an erster Stelle berufen. Sie haben während der langen, harten Kriegszeit eine schwere, bittere Schule durchgemacht, viel ReueS zugelernt. Ob mit Erfolg und zum Se­gen für ihre innere Entwicklung, das sollen sie in der Zukunft zeigen.

Die elementare Krise unseres Vaterlandes /mahnt uns mit erschütterndem Emst, einen hohen Wert den seelischen und geistigen Kräf­ten zuzusprechen, der Entwicklung der Men- ischenseele, der BolkSerziehung.

Wir taten uns bisher so unendlich viel zugute auf unsere Zivilisation, unsere hohe Kultur, aber haben die uns das gehalten, was wir mit ihnen bezweckten, von ihnen er­hofften? Erziehung ist nicht nur Hineinfüllen von Wissen in das menschliche Hirn, ein An- lernen von Fertigkeiten und äußeren Formen, Das Zunutzemachen von Lebensweisheiten; und Zivilisation ist nicht nur Ordnung, Rein­lichkeit, Komfort, LuLUS. Erziehung zu einer wahren Ethik tut uns not und das Erwecken von Aesthetik und sozialem Sinn. Hier gilt es nun vor allen Dingen: Frauen heran! Mit Flammenschrift sei eS in eure Herzen ge­brannt: auf der richtigen Erfüllung eures müt­terlichen Berufes ruht die Zukunft des deut­schen Volkes.

Es ist ein Wunderbares, Mutter sein zu dürfen. Das größte Geschenk des Himmels ist es, und zugleich die allerschwerste Aufgabe. Leider aber wird sich die Frau in vielen Fäl­len dessen gar nicht bewußt. Sie wird nur zu oft ohne jede Vorbereitung und praktische An­leitung für ihren Beruf Mutter, und das süße Wunder im Steckkissen ist ihr wie ein le­bendiges Spielzeug, dessen Dasein ihrem Le­ben einen neuen, lieben Inhalt gibt. Wie schwer, ja fast unmöglich ist es einer jungen Mutter, ihrer Aufgabe auch nur annähernd gerecht zu werden, wenn keine sichere, starke Hand sie bis an den Garten ihrer Liebe ge­leitet hat. Glücklich das Mädchen, dem eine Mutter zur Seite stand, die mit feiner, ver­stehender Seele die Tochter für ihr Weibtum vorbereitete und ihr die große Verantwortung ans Herz legte, die sie einst als Mutter auf sich nehmen würde. Ein so geleitetes junges Wesen geht dann mit tiefem Wissen und offe­nen Augen in die Che und kennt die Größe und den Ernst der übernommenen Pflichten. Rur wer da hat, der kann geben, und (fe reicher und größer die Seele, desto mehr strahlt sie aus und beeinflußt sie jeden, der in ihre Rähe kommt. Der Satz:Die Lösung des Pro­blems! der Kindererziehung ist Elternerzie­hung" schließt eine tiefe Wahrheit in sich. Aber wer erzieht die Eltern, besonders die Mutter, deren Leben noch mehr mit dem be*? Kindes verwächst, als das des Vaters? Wohl werden beide, oft ganz unmerklich, von ihren Kindern erzogen, und wohl ihnen, wenn diese unbewußte, kindliche Erziehung sie auch wirk­lich fördert. Vor allem aber muß die Muter die Erkenntnis gewinnen, daß es ihre Pflicht ist. zugleich mit ihrem Kinde ihr Ich zu bil­den, das heilige Ich, denn sie hat die gewal­tige Aufgabe vorzuleben, durch ihr eigenes ^Beispiel zu wirken und zu fördern.

! Rur diese in der Selbsterziehung treuen ,unb eifrigen Frauen können rechte Mütter sein, ^Priesterinnen eines neuen Menschengeschlech­tes, einer neuen Art, die aus dem Jammer-^ tale dieser Welt, durch die das Seufzen der ganzen Kreatur klingt, einen Garten Gottes schafft. Wahrlich ein gewaltiges, ein hohes , und ein heiliges Ziel! Ihr könnt alle dazu bei- tragen, ihr Mütter, ihr alle könnt die Seelen 1 eurer Kinder mit herrlichen, unvergänglichen ! Werten erfüllen, ihr Mütter eurer Ration, ihr ,

Gespannte Lage im Ruhrrevier.

Berlin, 10. Mai. (Prtv.-Tel.) Die Blätter sprechen in ihren Meldungen aus dem Ruhrgrbirt von einer Verschärfung des Kampfes im Bergbau. Kommunisten und die jetzt im Ruhrgebiet sehr rege tätigen Sepa­ratisten gewännen an Einfluß unter den auf gezerrten bzw. streckenden Bergarbeitern. Die Zahl der Hüttenwerke, die infolge Koh­lenmangels zur Stillegung des Betriebes ge­zwungen sind, hat sich weiter erhöht. Auch mußte Die Gasversorgung mehrerer Städte, darunter Essen, eingestellt werden. Die Verhandlungen, die in der.Bergwerks­direktion Recklinghausen zwischen einem Vertreter des preußischen Handelsmini­steriums, dem Präsidenten der Dergwerks- direktion Geheimrat Raiffeisen und Ver­tretern der Bergarbeiterverbände bis in die späten Nachmitt rgLstunden hinein staltf andern sind erfolglos geblieben.

Reichs- und Staatskommissar M e h l i ch, Ser heute von einer Reise zurückgekehrt ist, leitete unverzüglich eine DermittelungS- aktion zur Beilegung des Kampfes ein; es sind zunächst Vertreter der vier Bergarbeiter- Verbände zu einer Besprechung geladen; mor­gen sollen die Besprechungen mit Vertretern der Zechenverbände stattfinden. Don meh­reren Zechen wird gemeldet, daß Belegschafts­mitglieder, welche zur Arbeit gehen wollten, tätlich angegriffen und bedroht worden sind. Auf den K r u p p s ch e n Werken wird durch Anschlag der Direktion bekannt- gegeben, daß voraussichtlich vom 11. Mai an infolge Kohlenmangels Kurz-undFeier-- schichten eingelegt werden müssen. Auch die G u te Ho ssnun gShü 11 e in Oberhau­sen ist bereits gestern wegen Gas- und Strom­mangels zum größten Seil zum Erliegen ge­kommen.

Die französischen Kammerwahlen.

Das neue Wahlgesetz. Der Kampf um den nationalen Block

vr.N0

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Der neue Reichstag.

Berlin, 9. Moi. (WTB.) Rach den neuesten amtlichen Feststellungen des Wahlergeb­nisses, die zum Teil bereits auf den von den KL-viswahlausschssen anerkannlen Berechnungen beruhen, wurden abgegeben: Insgesamt 29311 442 Stimmen. Davon entfallen auf:

Der. Sozialdemokr. Partei 5991 547, Deutschncrtior.ale Volkspartei 5764 628, Zentrum 3 SOI 087, Deutsche Vollspart ei 2646 747, Demokratische Partei 1651 425, Kommunistische Partei 3 728089, Bayerische Dolkspartei 941932, Bayerischer Bauernbund 685273, Deutsch-Hannovertche Partei 318505, Leutschvc Nische Frttheitspartei 1922 626. Landliste 568780, DcutschSozi- -le 338348, älSPD. 234 708, Bund der Geusen 58890, Christlich Soziale Volksgemeinschaft 124 626. Arbe.tnehinerp-artei 36199, Freiwirtschaftsbund 36024, Häußerbund 23 862, Rationale Freiheitspariei 59114, Rationale Minderheiten 133 540, Partei der Mieter 46991, Republik-mische Partei 45867, Sozialistischer Bund 25617, auf nicht an die Reichsliste angeschlossenen Grap« Pen 16967 Stimmen. Die Verteilung der Man­date, nach Kreis-, Verbands!i}en und nach den Reichswahlvorschlägen ausgesch-iedm. ist folgende-

Vereinigte Sozialdemokratische Part i Deutsch, londs 82+11+7=100.

Deutschnationale Dolkspartei 80+3+13=96 Zentrum 52+5+8=65,

mtfeßen, falls nur die feste Abgeordnetenzahl nicht überschritten wird. In Frankreich wird also nicht diese oder jene Liste gewählt wie in Deutsch­land, sondern immer nur dieser oder jener Kandidat. Die Zuläss gkeit solcher Mischung erschwert es sehr, die Bedeutung des Wahlaus­falles rasch zu erfassen, da neben den bekannten Parteivertretern Außenseiter auftauchen, die ihre Wahl rein lokalen Erwägungen verdanken und zunächst oft selbst noch nicht wissen, welcher Partei sie sich im Parlament anschließen sollen, älnter diesen älmständen kann das politische Er­gebnis der Wahlen des 11. Mai auch nicht annähernd vorausgesagt werden.

Die geheimnisvolle Frage dieser Wahlen ist, ob der bloc national in genügender Meir- heitsstärke wiederkehrt oder ob cs demMeck der Linken gelingt, eine Mehchei s^ilvung far Poincare in der neuem Kammer zu erschweren oder unmöglich zu machen. In deutschen Kreisen, die Frankreich nicht kennen, spricht man häufig vc>n einer royalistischen Gefahr inF air­re ich, die man befürchtet, oder von einem kom­munistischen Vorstoß, den man crh>s,t. Beides eine Illusion. Die Royalisten, die Anhänger der Action fvancaise, deren Führer Daudet ist, bilden die äußerste Reche des französischen politischen Lebens. Sie predigen dei Putsch, den coup de force. Sie ertoar.en das Heil nur von der Gewalt. Sie könnten ganz wie gewisse Leute in Deutschland jungen uigebiileten Menschen den Kops verdrehen und sammeln bei Adeligen Geld. Angesichts des ihnen ungünstigen Wahlgesetzes haben sie sich mit den extrem-natio­nalen Republikanern verbündet. Aber die er Freund rettet sie nicht mehr. Ihre Bedeutung als politische Partei ist für die Geschicke Frank­reichs gleich null.

Richt besser geht es den moskautreuen Kom­munisten, deren Führer C a ch i n ist. Sie stehen allein. Ihre Internationalisierung ist nur sehr oberflächlich. Da sie offiziell den Moskauer Befehlen gehorchen, sind sie koalitionsunfährg. Der bloc national, auf den es bei diesen Wahlen mehr als je ankommt, ist keine Partei. Er hat keine Organisation, keine Pactercadres. Er ist vielmehr die etwas ungenaue Bezeichn | nung aller Parteien, die von ausschließlich der Action fran;aife bis zu ausschließlich den Ra­dikalsozialisten seit 1919 die Regierungs­mehrheit gebildet haben. In der Kammer sind es vier Gruppen, die den bloc national I ausmachen: Die Entente democratique, die action republicains et social, die Grenze des republicatns de gaud/e und die Gauche democratique. Außerhalb dec Kammer machen 2 große Verbände den bloc national aus, nämlich die Action nationale re- publicaine und dec Parti democratique et social. Letzterer hat als Präsidenten 3 o n n a r t. Die Gruppe Zonnart bildet den äußersten linken Flügel des bloc national. Sie ist die Grenze zwischen der Rechten und der Linkern der Kam­mer. Die nächsten Bänke führen bereits in das Gebiet der Rationalsozialisten, zu den Sitzen der größten bürgerlichen Partei der Oppo­sition, die so lange die Macht inne hatte und sie bei den morgigen Wahlen wieder erringen möchte.

Kürzlich beschlossene Zu atze zum Wahlgesetz von 1919 verbietenunvollständige" Listen. Das soll heißen: Zede Liste muß jetzt soviel Kandi­daten ausweisen, wie das betreffende Departe­ment Abgeordnete zu wählen hat. Es steht den Wählern aber nach wie vor frei, die Ramen der verschiedenen Listen nach Belieben zu

Eine Zusammenkunft Poincarss mit Macdonald.

Paris, 10. Mo'. (WTB.) Der englische Botschafter Lord Erewe hat eine Unter* redung mit dem politischrn Direktor des Außenministeriums Peretti della Rocca gehabt, dem er den Wunsch Ramsay Macdo­nalds übermittelte, baldigst mit dem Mini­sterpräsidenten Poincarö zusrmmenzutres- fen, um über den Sachverständigenplan mit ihm zu verhandeln. Da die parlamentarischen Arbeiten Ramsay Macdonald nicht gestatten, London zu verlassen» wird die Zusammenkunft zwischen den beiden Staatsmännern am 20. Mai in EhequerS stattfindsn. ES han­delt sich, wie HavaS betont, um eine offiziöse und private Aussprache, die jedenfalls ohne Mitarbeiter der beiden Mwisterpräsidenten durchgrführt werden soll.

H^rzu schreibt dasEcho de Paris": Die Ent- scheu/ung des französischen Ministerpräsidenten sei erst gestern vormittag erfolgt. Seit seiner ilnter- relxing mt tben belgischen Ministern Theu n is und Hymans scheine Macdonald darüber nach­gedacht zu haben, man dücfe bei dem französi­schen Boll nicht den Anschein erwecken, daß ir­gendeine Entscheidung ohne die f ran»

französischen Wahlen des morgigen , - erfolgen nach dem neuen Wahl- aes etz von 1919. Dieses Gesetz hat die Zahl der Abgeordneten von 629 auf 534 vermindert Jedes Departement wählt jetzt einen Abgeordneten auf 75 000_ Einwohner und einen weiteren auf den etwa überschießenden Bruchteil. Jede Partei muß eine Kandidatenliste aufweisen. Unabhän­gige Kandidaturen sind unzulässig. Wer sich um ein Mandat bewarb, mußte sich als Kandidat einer Partei oder einer politi­schen Gruppe aufstellen lassen. Riemand kann in mehr als einem Departement als Kandidat auf­treten. Ergibt die Wahl eine gleiche Sttmmen- -ahl, so gilt der ältere Kandidat als ge­wählt. Wenn die Zahl der abgegebenen Stim­men weniger ist als ein Drittel der Zahl der eingeschriebenen Wähler, so wird die Wahl als ungültig erklärt. Dies die wichtlgsten Eigen­arten des französischen Wahlversahcens.

Jahrgang Samstag,(0.Mai 1924

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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