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Jr. 84 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberheßen)

Samstag, 9. sebniar (924

Die Reform des höheren Schulwesens in Hessen.

Q3on Professor Dr. HuntcmüUer.

3n Ar 303 des .Diehener Qbqeiget* vom fZ. D«,ember 1923 erschien unter obtgec lieber- scheit' ein Ausiun ton DbedtuMrnMrcttor Dr. P i h, ber zur positiven Mitarbeit an diesem für unsere Juaend so bedeutungsvollen Werke aus- forderte. Da ich zunächst die Pädagogrn zu Worte kommen lassen wollte, habe ich bisher ge­schwiegen, nachdem aber reichlich ein Monat ver­gangen ist. ohne dah eine Erwiderung erfolgte, möchte ich mir erlauben, von meinem Stand­punkte als Hygieniker za der Frage der aiehuna unserer Jugend an den höheren ulrn Stellung zu nehmen.

Sine Reform unseres höheren Schulwesens «fchemt auch mir dringend geboten! Doch muh m. S der Schwerpunkt dieser Neuerung haupt­sächlich aus dem Gebiete der körperlichen Orziehung unserer fugend liegen. Bisher ist tmkre Schulerziehung einseitig nach der geistigen VeUe orientiert und hat nach dieser Richtung hin. wie es bei der deutschen Gründiichkcit nicht, anders zu erwarten ist, etwas mustergültiges geleistet und jede Konkurrenz des Auslandes «schlagen 94 ist nicht meines Amtes, aus diesem «biete Besserungen vorzuschlagen, doch muh ich unseren Schulen eine schwere Unterlassung vor- werlen. Gegenüber der rein geistigen Ausbildung unseres Rachwuchies ist die Pflege von Leiv und Seele zu kurz gekommen: ja sie haben, da sie zu /wenig derüfsichtigt wurden, vielfach schweren Schaden gelitten. .Bolkserziehung". so schreibt F. L. Jahn. .soll das Urbild eines vollkommenen Menschen. Bürgers und Volks- rliedes in jedem Elnzclwcs«» verwirllichenl" Di« dchule hat hier versagt.

Auch die Reuregelung des höheren Schul­wesens in Hellen nimmt hieraus ebensowenig Rücksicht als bisher. Turnen und Spiel sind für unseren Jugenderzleher so nebensächlich, dah es sich erübrigt, daraus näher einzugehen. sie werden in dem Aussatz mit vier Worten abgetan. Dies soll feine#tpc;» ein persönlicher Borwurf sein, sondern es ist das System, da- ich geiheln will.

Demgegenüber haben die Griechen, da- viel- ( Kulturvolk des Altertums, nclx n der

Geistesbildung der Körperblldang in ihren Gyym- »asien die gröhte Aus merksam kett geschenkt. Schon Ludwig I. von Bayern klagte »Wie, Gyymnasium nennen die jetzigen Menschen die Stätte, Wo die Jugend versitzt, ach, wo der Körper verdirbt!"

i ihrer körperlichen Entwicklung gegenüber nor-

xv torperlichen (jntttHJlung gegenüber nor- Zeiten zurückgeblieben, insonderheit lieh die icflung des Brustkorbes viel zu wünschen

Malen

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fetzt Ndt

ntwicklung des Brustkorbes viel zu wünschen brig. 3m Gegensatz dazu ergaben Messungen bei or Berufsberatung im Jahre 1920 in Blünchen

Spätere Jollen haben darin keine Besserung Gebracht, denn von den zum einjährigen Dienst Berechtigten muhten vor dem Kriege verhältnrs- eiähig weit mehr als von den sonstigen Mllltär- E Ilgen wegen allgemeiner Schwächlichkeit, cher Brust. Krankheiten des Herzens, der en, des Rervensystems, namentlich aber freoen Augenfehlern vom aktiven Militärdienst

«ls dauernd untauglich ausgeschieden werden. De» Militärdienst, diese hervorragende Körper­schule für unsere männliche Jugend, hat ausgehört zu bestehen (3(ne allgemeine Musterung wurde «ber sicher infolge der Hungerblockade und des hoffentlich überwundenen Balutaelends noch höhere llntauglichseitswerte ergeben als vor dx!U Xtittt wo die Ernährung der Besucher der höheren Schulen im allgemeinen als reichlich bc-

scickmet werden konnte Schulärztliche Unter­suchungen. die in anderen Bundesstaaten schon KU längeren fahren auch in den höheren Schulen iaitfmben. haben et geben. dah sich hier die Duchstuine- und GelundheitSve^häktnisse nach hem Kriege wieder in dein Mähe gehoben brbcn. Gie es in den Volksschulen beobachtet werden bnnte, ein Ergebnis, das ja in d-m wirischtfk- hchen Riedergangc des Mittcliandes in der Rach- Plegszeit seine Erklärung findet.

Untere Befunde, die wir im Institut für Körperkultur bei der Durchuntersuchung unterer Etüden ton schäft erheben konnten, decken sich ganz ill diesen Beobachtungen. Die jungen Stubcitien, le soeben die Schust- i'ertaflen hakten waren

ei 1200 Lehrlingen im Alter von 14 Jahren, ah diese an Körperlänge und Körpergewicht ne Abnahme von 2 bzw. 5 Proz. gegenüber cm Jahrgang 1913 auftoiefen, diesem icöoch

'rustumfang um 0,4 Prvz. überlegen waren, it Abnahme von Gänge und Gewicht fällt fraa- 4 der Unterernährung zur Last, dagegen glaubt rofellvr Kauv. die Zunahme deS Brustumfanges »aus zurückführen zu müllen, bah infolge des ehrermangelS während des Krieges nur halb- lgig Schale gehalten wurde, und die Knaben sich »her mehr wie früher brausten in frischer Luf» tommeln tonnten, und diese körperliche Hebung Wirkte als Reiz und veranlastte ein stärkeres Bveitenwach-tum des Brustkorbes. Bei den Mäd­chen, die ihren Müttern Im Haushalte helfen Buhten, konnten nämlich keine gröberen Brust- Was)e festgestellt werden.

Diele Beobachtur^ fiimmt ganz mit den Be­fanden überein, die Mathias auf Grund umfang- »icher Messungen an Schweizer Turnern er- |*cn konnte. Die Turner sind den Richtturnens an Länge und Gewicht, besonders aber an Brust­umfang (um 2.4 cm) überlegen. Ohne eine äuherc Anregung bleibt nach Mathias ein im Derbältnis Pir Körperlänge stehendes Breitenwachstum aus. ,Das Ausbleiben dieses Anreizes ist bann Schuld

an der zu lange dauernden Längen zu nähme und damit Urlache tk*r meist groben Körperhöhe der «ule mit einseitig sitzender Beschäftigung Korpevarbeit und Körperübungr'. verhelfen des­halb dem im flnluHdhing6aItcr stehenden Manne 8U einem gleich n^stegen Wachstum. allo zu einer normalen und lräftigen Körperkonsttrucion. was unter Umständen von grober prophylaktischer Be­deutung sein kann! (Zusammenhang zwischen Tubertulofc und Brustkoroausblldung -

Wollen wir also einen gefunben. kräftigen Rachwuchs heronziehen. so müssen wir dafür sorgen, bah er in ben Entwicklunasjahren aus­reichend körperliche Hebungen treibt.

Der Morgen sei der Betätigung mit den Wissenschaften gewidmet, der Rachmittag soll fürdie Körperkultur f re i b l e t b e n!

Bei Einführung der Kurzstunden von 45 Min. Dauer, die durch JrL d Preust Min. 18. Rov. 190-* in P neusten gestattet sind, heben an den Dor- mittagen 5 mal 6 30 Wochen stunden für die

wissenschaftlichen Fächer zur Derfügung. so können die Aachmittagc. auhcr Mitwvch und Samstag, die wie bisher freidletbcn. der körperlichen Aus- bilk'ung zugute kommen. 3d) rechne hierher auch Zeichnen und Sinken und für die Mädchen den Handarbeitsunterricht bzw in den oberen Klaffen den Haushaltung-unterricht, an besten Stelle bei den Knaben im Winter der Handfertigkeit-- und im Sommer btr Gartenbau unter richt zu treten hält«. Doch künftighin sollen nicht, wie bisher beim Militärdienst den Kräftigen und Wohl- gewachsenen die Borteile einer Orperlichen Aus­bildung allein zutell we'-d.m. sondern alle Kinder. Knaben wie Mabüxn, Gesunde und Kranke, Starke und Schwächliche sollen schon in jungen Jahren, solange der Körper noch biegsam und bildt-ar ist. rcarimästige Körperübu igen trei­ben, damit die vorhandenen Fehler und Schwächen nach Möglichkeit behoben toerben können

Um Uclc Fehler unb Schwachen aber festzu- stellen unb bic für den Gi.rzeifall paffenden Uetungcn auszuwühlen, ist die Mitarbeit et nee Arztes erforderlich, der zu diesem Zwecke fpeziell ooigebiltet fein mufr. (3r wird dafür sorgen, bah Kinder mit leichter en Gebrechen ihre körperliche Ausbildung in orthopak fchen Sonbcrfurlcn ge­niesten unb schwerere Fälle der spezialurztlichen Behandlung zugefuhrt werden

Die moberire Orthvpak bat auf biefem Ge­biete glän'.ende Erfolge erzielt, unb bas pieuhlsche Kruppclfüriorgegefetz (auch in Hellen sin> für die einzelnen Provinzen Kruppelfurfo'geiteUen gc- fchaffen) verlangt txn jebvm. ber in Ausübung seines Berufes bei einer Person unter 18 Jahren eine Dertruppelung wah.nimmt, hiervon inner­halb eines Monats An cige zu eritaf.cn. Unter den Perfonc-n. für die eine An.zeig"pflicht besteht, werden Aerzte und Lehrer bei i nbert heraus­gehoben

Wenn diese Ginrichtung aber ihre segens­reichen Folgen zeitigen soll, so muh

1. der Arzt Gelegenheit haben, die Kinder re- gelmästig auf ihren Körperzustand zu untersuchen unb

2. der Lehrer in den Stand gesetzt werden, derartige Fehler b~i den ihm anvertrauten Kin­dern auch zu erkennen.

Wir müsten daher verlcmgcn. bah einmal die schulärztliche Deriorgung aller Schulen durchae- fübrt, unb bah andererseits bic Lehrerschaft, in 3- befonbere die Turnlehrer, die ble körperliche Aus­bildung unseres 'JlachwuchseS übernehmen sollen, aus dem Gebiete der Körperkultur auSgebildet werden. So wirb es gelingen, unsere Jugenb zu heilen von den Schäden der RhachitiS. die man jetzt mit Recht denn je die englische Krankheit nenn en kann unb zu kräftigen gejen die Gefahren der Tuberkulose, bie an ber Wurzel unserer Bolks- krast zehrt.

.Biel großer nvch als der leibliche Rutzen kann bei einsichtsvoller Leitung der moralische Rutzen der Leibesübungen sein Di.' Erweckung bes starken Lustgefüh's. das körperliche Gesundung unb Leistungsfähigkeit, die Herrschaft über den eigenen Körper verleihen. Ist eine kräftige Schutz- wehr gegen hygienische Sünden unb Laster: bi? E, weckung bei Frcube an einfacher Lebenswllse, an barmlofcm Zeitvertreib, an den Schönheiten bei Ratur ist eine ungemein wertvolle und nütz­liche Bereicherung des Dasein- Der weitaus wertvollste moralische Grsolg Ist die Schulung des Willens, die Befähigung zu raschem. kraftvolllmr. bct<i3tem und btfonr.cnem Handeln, zum Einsetzen der ganzen Krait, Wenns nottut, zur UeberWin­dung der Wehleidigkeit. zum 8 tragen von Hun­ger unb Duilll. kurz die Erziehung zur Mann­haftigkeit, ba» alles nicht um feiner selbst willen, sondern zur Erreichung des höheren Zweckes, den 'einzelnen ben Kampf um- Dafein ober zur Arbeit an seinem Leben »werke zu kräftigen, ihn zu einem nützlicher StaaÄbürger zu machen." (Prof M v. Gruber.)

öinen jeden, der sich ernstlich für die Wieder- gebürt des deutschen Bolte» einfetzt, besonder» abet die Sttern, die um das Wohl Ihrer Kinder besorgt sind, sollen die obigen Ausführungen wachrütteln! Richt abbauen dürfen wi r unsere Schulen, sondern wir müssen sie im Gegenteil neu a u »bauen bzw. umbauen.

Die Kosten für die schulärztliche Untersuchung unb Bcauslichtigung sind nicht fo sehr grofk 3ch habe berechnet, bah, wenn auf ben Kops ber Schüler bei- höheren Lehranstalten vierteljährlich 0 50 Gvldmarl ausgebrachr werben, auch in Hellen, insbesondere aber in Sie den. eine derartige Einrichtung durchführbar Ist. Man könnte hier die Unkosten ftaffefiörmig auf die tragträhigen Schullern verteilen, und ich bin fest überzeugt, bah niemand von den Eltern, die in besseren Der- hältnisten leben, sich weigern wird, bieie geringe

Mehrbelastung zu tragen, wenn es sich um die Gesundung und Gesunderhaltung a.i'e.es 2U4>- ünchfee ber Zukunft unteres Iküfo handelt. Denn viel billiger unb leichter Ist es. Krankheiten zu verhüten, als eine au-gebrochene zu beden. auch 1inb die für die (Wefunbben unWirr fügend aufgewandten Summen werbendes Kapital unb werben leicht eingebracht durch Grtparung von Krankengelbern unb 3nhfllibrnrcntcn, von Kran- fenbäufern unb Sibolungshelmen, von Irrenan­stalten unb Zuchthäusern

Dahingehende Bvrschlägr lieb vc-, mir m I einer Sitzung, die wegen der ichularztllchen Ber- forgung der döheren Schulen in per Gelundhells- I abteUunfl des Ministeriums des Innern (tattland. gemacht worben, es wäre aber von grriet Be­deutung. bah auch bie Eitere einmütig ver­langten unb bahin wirkten, bah in den Schulen und besonders in ben höheren Schulen die körper- liche Eiriehung künstig bk gleiche Berücksichti­gung findet wie die geistige.

.Mit einem Worte, eine gänzliche Deränbe- rung beS brtbeiigcn Erzie!>uugs'.'.e'e,is ist es. was ich, als bas einzige Mittel, die deutsche Ration im Dasein zu erhalten, in Bvrschlag bringe. So sprach einst Fichte, und Ich möchte ihm völlig beistimmen.

Doch kann eine derartige Deränberung nicht von heute aus morgen Platz greifen, sonbern muh sich allmählich organisch entwickeln. Ader jeder, der von Amtswegen ober durch Eltern­pflicht zur Mitarbeit berufen ist. muh seine Kräste in ben Dienst ber Ougenbfürforge stellen In Conbcrbeit müssen mich ble Kommunen, ble bic wichtigen Aufgaben, bic tb.cr auf dem Gebiete der Bolksaesundung harren, leider Immer noch nicht begriffen haben, durch Einillchtung von Spiel­plätzen. von Licht-, Luft- und Schwimmbädern die Bedingung für eine gefunbe Entwicklung unserer Dollsjugend schaffen.

IBcr überfliegt ben Nordpol?

Don Prof Dr. h. c Major von Parfeval.

Das Projekt, ben Rotbpol auf bem Luftwege zu erforfchen, ist nicht neu, vielmehr fchon von Graf Zeppelin studiert worden, der es mit feinen Schiffen au-zuführen gedachte Doch find auch schon oft F ugzeuge füi diesen Ztreck in Aussicht genommen worden. Tine solche llnter- r.ebmung ist die von Roaull» A m u n d s e n, der mit drei F ugzeugen, unterstützt von Heri n Haa­kon H Hemme i, von Spitzbergen au» den Pol ei reichen will. Hierbei tritt ber sportliche Gesichtspunkt in ben Bvrbergrunb. Wlslenschast- lich« Grgebirisse sind nur In bescheidenem Maste zu erwarten, da die mitzulührcnden Mittel nur gering sein können, unb bie Zeit bn Gkoeditlvr, beschränkt ist Tir. weit grobärtigerer und besser funbierter Plan ist aber von ber amerikani­schen Regierung entworfen. Hierüber schreibt ber Präsibent Lvolibge an ben Staatssekretär ber Marine Denby am 20. Rovernber 1923: Hierdurch möchte ich meine bereits mündlich ge­gebene övmadjigung bestätigen, mit der Organi­sation einer scemännilchen Rordpolar-Lrpedltion vvrzugchen, ble im nächsten Hahrc ftattfLiben soll. Den Zweck ber Unternehmung kenuzrichnet er fvlgenbermasten: GS gibt über eine Million Qua» bratmetlen unerforschtes ßanb in ben Polar- gegenben zwischen bem Rorbpol unb Alaskä, unb so viel als möglich soll hiervon erforscht werden. Insbesondere soll festgestellt werden, ob bic be- stehenbe Dermutuna ber wissenschaftlichen Sach­verständigen, dah Dort rin grober Konti­nent ekistiere, zutrifft. Auch soll eine Unter­suchung über die AuSsührbarkeit internatio­naler Reisewcge über ben Pol von Oft nach West zwisckeu Europa un> bc.n P.i i tc angcftcllt werden. Der Weg von Rordamerika nach Rord- curopa Ist über ben Pol wesentlich kurzer als über den Atlantischen Ozcan Eine ähnliche Ab­kürzung würbe erreicht aus ber Linie London- Tokio Hier würbe ber Weg durch baS Eismeer unb Sibirien führen Für bleien Zweck könnten also wichtige Erfahrungen gesammelt werken.

AIS Äusgangsbasis ist 71 o m e In ber Ror» tonbai an ber Halbinsel Alaska in Aussicht ge­nommen. Der Weg von ba bis an» Rordlap von Schweben führt gerabc über ben Rorbpol unb beträgt in ber Luftlinie 5700 Km, für ein Luft­schiff eine Fahri von 57 Stunden. Für ble Ar­beiten würbe eine Kommission von 8 Mllgliedcrn eingesetzt unter dem Bvriiy be» Admiral» M o f- fett Dos Luftschiff .Shcnanbvah" ist für den Zweck zur Derfügung gestellt Äusterkem fall noch bas Polarichiff .Ttoofeodt", das schon ein­mal eine erfolgreiche Fahri zum Pol gemacht hat, auf» neue starten, um einen fe.bstänbigen Derfuch zu machen, im Eife eingeschlossen unb mit ihm lreibend, ben Pol zu erreichen. Aus ber Route- ber .Shenandoah" sollen, soweit möglich. Lande- maste aufgestellt werden, um ihr bei schlechtem Wetter einen Zufluchtsort zu bieten. Diese mühten natürlich genügend besetzt fein Doch ist gerade in ber gefährlichen Zone bieses HilfSmiUer aws- gesch losten.

Die meteorologischen Dcrhält» nlssc sind auch nach beulschen Untersuchui gen in dem betreffenden Gebiet günstig. 3n ben Mo­naten Mai Juni kommen starke Winde kaum vor, da die zus.immerhüngc-nde Gis- und Waiscr- bebedung bes grohen GebiereS gleichmähige Tem- peraturverhälmisfe über ganze Strecken gewähr­leistet. 3m Sommer find allerdings Rchcl sehe bäufig. boch reicher ste nur in geringe Höhen. Io bah Die Fahri hoch über ber Rebelbecke in der Senne, von statten gehen farm. 3m Wrmer ist das Gebiet fast ivrllenfiei. weshalb manche ben Winter für bie günstigste Hahrcs^lt halten Die Orientierung kann ennveber nach der Sonne oder nach den Sternen oder mittels Radio Peilung er­

folgen Man bat neuerdings Audio-Aufnahme- appara.e. welche gestalten. Me Richtung festzustel- len. aus welcher dre Dellen kommen Denn nun vrm zwei wri: auscinandeiln genben Statwnen aus griunli wird, fo Unn man hieraus ben Ort des Schiffs destimmen. Die Ausgaben H-. Ravlgatlon sind allo lösbar. Der Kompast auch ber Ärelld- k.'mpah sind allerbing* in der Rade des Pols undiauchhar. Gegen bie Polarkäf.e kann man sich schützen Dem Material ist sie nicht gefährlich Uepiigros ist die Temperatur nicht niedriger ais Flugzeuge in gr.h.n Höhen sic schon in Europa antrvffeit Sie beträgt im Hanuai 40 50 Grad Kälte, im Sommer ist sie nur mähig. Adniiral Mosselt hat crflärt. dah der Flug Im arktischen Sommer uxibeschein!ich nicht gefährlicher »st als rin gleich lunger Flug über Brasilien ober zwr- lcken iüuropa und Ikeuyork. .Denn die Relle der Shenandeah erfüllt, was »pir erwarten, bann wird es einen regclrnählgcn Schiffsverkehr über ben P o l Innerhalb 10 3abron geben

Fiagen wir uns nun: Was können wir ge-

warlen. fo können wir fagen Dlc 2 rn u n b f e n f ch e llnteriuchung ist eine reine Sportfache unb bat keine naheliegende Bedeutung für den Verkehr Mit ben gegemuärügen Flugzeugen ist es nicht möglich, einen tpirtschafilichen Derkch» auf fo weite Strecken einzurichten, weil rhre Trag­kraft nicht ausrclch!. neben bem Brennstoff noch eine genügende Rutzlast mtt.zuführen. Mir fchel.u bas Unternehmen fo gefährlich^ bah ich es mit ber bekann:en Audi eschen 3n>cMilon auf «ine Li­nie stellen möchte. Da« Luftschlfl hingegen Ist zu der Aufgabe, Lasten über sc» uvlle dniTcmungcit zu tranopprticrcn, voll befähigt. Rötig ist aber zweierlei ein geschulter Führer unb ein leistungs­fähiges Schiff Daf> beides in genügendem Grad da ist, möchte ich nicht unbedingt bejahen.

Dao die Führung betrifft, so hat nun von groben amerikanischen Lufüahrien bisher nichts gehört, unb bic Führer können also noch keine geniigcnbe Flugpraris haben Der Führer ist aber bie Hauptsache Unb wenn clngeaxmbct wirb .Du weiht ja gar nicht, wieviel Fahrten unsere Führer haben", so mochte Ich bagcgcti fragen: Wieviel Schiffe habt ihr benn dabei kapnt gefahren? Ohne einen guten Führer flnb aber Dinge zu befürchten, die wir bei der .Dir- muiden" jdxwbemb erlebt haben Auch scheint e» mir, bah bie .Shenanbvah für ben Zweck viel zu Nein Ist. Für ben Fall einer unfrei­willigen ßanbung muh bk Besatzung zirka 50 Rlann mit einer Dollflänbigcn Polavaus- rüftung unb Lebensrnitteln für mehrere Monate ausgerüstet fein. Das Schiff muh allo auher ben Brennst offen eine beträchtliche Rutzlast tragen. Freilich Ist im Falle einer Qlotlanbung wenig Hoffnung für bk Besatzung Aber auch füi eine freiwillige Landung bietet sich nur selten eine Möglichkeit Am wenigsten für Flugzeuge, die auf eine gröbere ebene Fläche angewiesen flnb unb noch Die Schwierigkeit haben, bah nun von oben bic Festigkeit ber Schneeflächen nur fchwer beurteilen kann Ein Luftschiff könnte sich viel­leicht mit Gis- ober Wafferankern festlegen, etwa um Beobachtungen zu machen ober um Ver­unglückten Hilfe zu bringen, aber wenn es auf feine eigenen Borbmlttel angewiesen »ft, nut bei ganz IchLochcrn Wind Zum 2tu,nehmen Der- unglüdtcr mühten auberbem besondere Einrich­tungen vorgesehen sein.

Sin so gefühlvolles Unternehmen muh auf das grünblichstc nach allen Seiten überlegt und vorbereitet fein. Dazu Ist bic Zeit bis Mai/Iuni zu kurz, unb Ich möchte in aufrichtiger Desorgni« mahnen, nicht einen Mlbersolg zu provozieren Gs würbe ber Sache viel mehr schaben, als di« Katastrophe der .Dlrmuiden" sch<»n geschadet hat und auf lange Zell hinaus ble ganze Luftfchiffahri biskreditlcren. Die Aufgabe ist eine grobe unk schöne, unb c - I st wohl ben f ba r, bah ein feder Zugriff Erfolg hat Der Zwcd Ist aber so wichtig und der Einsatz so grob, das) alle- geschehen mub. was möglich ist, um den Erfolg zu sichern Mögen sich also die kühnen Männer von ihrem Ehrgeiz nicht hinteiben lassen. Wir wünschen ihnen bestes Gelingen und schönen Erfolg 3ch möchte ihnen aber zum Schlub derz Rat geben, ben ber Tiroler bem Bergsteiger gib« Zeit lassen!

Bücherkisch.

KarlGjcllerup. 6 in Jünger des Germanen. (Quelle & Meyer, Leipzig) 5Xe Geschichte eines strebsamen dänischen Dorischul> lehcer-, ber Theologie studiert, Im Studium aber in eine liberale Richtung gerät, bk ihm den Psairbcruf verschlieft Daneben läuft bie Liebes» grichichte eine- gutmütigen, unkomplizierten, ro­bust-sinnlichen Bauernmädchens, ba- nicht grob genug Ist, ba» Verlobten Verzicht auf bie Pfarrcrlaufbahn autzuhethen. Die deutsch-däni­schen Kämpfe um Lhlcewig in den siebziger Iah' ren geben k-em frisch erzähllen, von ben früheren Werken Gjellerups aber in vieler Hinsicht ab­fallenden Roman den farbigen Hintergrund.

Otto Wirz: Gewalten eine» Xo» ren. (3- Engel Horn» Aachs., Stuttgart.) Sin Erst­lingswerk und zweifellos em grober Warf, mö­gen ihm auch noch mancherlei Schlacken anhaften. Weite Teile des breitangelegten, oft epischen Ro­mans lesen sich wie Bestes Vvktfried Kellers und da- ganze Werk könnte ein zweiter .Grüner Hein­rich" sein, toerm nicht etwas dämonenhaft <fet» rissencs die abgeklärte, geläuterte Betrachtung immer wieder durchbiiden wurde. Aber vielleicht kann der .Grüne Heinriche unserer Zett gar nicht anders sein, wenn er ein lebendiges Bilh unserer Epoche und seiner aus den Formen aller Tradition hcrausgriprenalen. nach neuen Ufern ringenden Menschheit geven will.

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