Kreis Frieovertz.
Sf. Friedberg, 6. Sept 3n der Stabt« verordnetensitzung vom 28. 2Iug. hatte ter Stabt« verordnete 3 a t d b flehen die hiesigen Dau - Handwerker die Beschuldigung erhoben, tah eÄ bei der Einreichung von Qütgeboten bei ausgeschriebenen Arbeiten, besonders bei den Her- stelluirgsarbellen in den flöht. Schulhäu'ern ft ab bei den Fußsteigen, nicht ordnungsmähig hergehe, sondern eine vorherige Derstandigung über die cinAu reichen den Preise und eine Trustbildung fiattfänbc Dah diese Anschuldigungen bereits in der Versammlung selbst auf heftigen Widerstand fliehen, ist begreiflich! es wurde deshalb ter De- schluh gefaxt, die Sache an den Dauausschuh zu verweisen und einer unparteiischen Prüfung zu unterziehen. Aber nicht nur auf dem Rathause, sondern in allen beteiligtet) Kreisen ist bic Erregung über die Anschuldigu.agen groß. Sämtliche hiesigen Innungen und kaufm Vereine (21 an der Zahl), darunter auch die Friseure, (Bäder. Uhrmacher usw., obwohl dieselben durch die Sache nichts im mindesten betroffen sind, er- lassen gegen den Urheber der Sache eine 6rf(ä- rung. in welcher sie die Angriffe als in jeder Beziehung unbegründet .yurüdtocifm und sich weitete Schritte Vorbehalten. 3eberfalI6 wäre es am Platze gewesen, das Gutach en des eingesetzten Untersuchungsausschusses abzuwaten. Stadtverordneter Jakob hält in einem ringeandt feine Behauptungen unter Angabe tüfjerer Degrün- bung aufrecht und verwahrt sch dagegen, bah man auch die ganz unbeteiligt.« Vereine und Korporationen gegen ihn mobil grnacht habe, to> bei er u. a. sagt, „ober svlltnr vielleicht die jetzigen Fuhsteige glatt rasiert oder die Platten in Brotteig verlegt werden, wou man allerdings die Friseur- und Däckerinnung benötigen würde." Jedenfalls kann man dem Gutachten des Untersuchungsausschußes mit Jntersse entgegenshen — Die Iber Ortsgruppe der (De t s chenVvl ks- Partei angealieberte Fraungruppe zeichnet sich durch eine besondere Rühogkell aus; monatlich finden Zusammenrünfte fta:, welche den Zwed haben, durch Vorträge und Besprechungen Las politische Verständnis und 3rereHe der Frauen zu heben und zu vertiefen: Le Zusammenkünfte erfreuen sich einer immer göherert Teilnahme und steigenden Beliebtheit. Vorsitzende der Frauengruppe ist Fvau Prvfssor Kloos.
Starkenburg und Rheinhessen.
• Aus dem Obettoalb, 4. Sept. In bem Städtchen Walbürn starb vor einigen Jahren ein Latow irt, der ein leibenschaftlicher Münzeisammler war unb im Laufe feines Danns einen wahren Schatz alten unb uralcn MünzguteS Fusammengebracht hatte. i)a bie Sammlung u. a. verschiedene Stücke aus der Zeit der römischen Imperatoren enthielt, war ber Lanbtoirt baue mb von s.dttschen Münzliebhabern umschwärmt: abemoch so verlockende Angebote, bie barauf abelten, ben bteberen Mann zu bestimmen, sete Schätze zu veräußern, zerschellten an da Sammlerstolz unb ber Sammlerfreude ihre Besitzers, ber allmählich so sehr um sein Sammlung besorgt ward, baß er sie eineschönen Tages un- auffinbbar verstece. Als er kurz bar» auf bas Zeitliche segnet, forschten die Angehörigen vergeblich nach im Münzenschatz, ber spurlos verschwunen blieb, bis jüngst die S ch e u n e des Bersrbenen infolge Baufälligkeit abgebrochen ur neu aufgesührt werden sollte. Bei den hrbei vorgenommenen Schachtarbeiten würbe ir vermißte Münzenschatz in einer Tiefe d> etwa einem Meter unter ber alten cheunenbiele aus der lehmigen Erbe heuSgebubbelt — ben lachenden Erben zu Frb' unb Wonne.
Professor D. EmiWatter Mayer.
-£ie Gießener Theolenschaft bittet uns um den Abdruck der nachsteh >en Zellen:
Am 9 Septemb- feiert der Senior der evangel.-theologrschen Flltät an der hessischen Ludwigs-Universität, P f. v. E m i l Wa 11 e r Mayer, seinen sicbzigsl Geburtstag. Von der Tätigkeit unfeies allwhrten Jubilars gilt fo recht das Psalmwort. . „und wenn es köstlich gewesen ist, dann cs Mühe und Arbeit gewesen".
Der erste Tell sein Lebensarbeit war dem praktischen Schuldienst widmet, in dem er — 1854 in Lyon geboren nach feinen Schul- und Studienjahren bis 1893 standen Hal. Vom Lehramt an der höheren Erle ging er sodann zur wissenschaftlichen Qaufbn an der Universität über, der er nunmehr2 Jahre lang all fein Können geschenkt hat. in 1893 bis 1919 war er Dozent an der deutsch Universität Straßburg, bis 1900 als außero-ntlicher, seit 1900 als ordentlicher Professor uf dem Lehrstuhl der systematischen TheologiDas Vertrauen, das er sich in seiner langjähen Straßburger Tätigkeit im Kreise feiner »liegen erworben hatte, kam zum Ausdruck du feine Wahl zum Vektor der Universität im senschweren Jahre 1918. DaS traurige Schickst das über das deutsche Voll mit Krieg und'riegsfolgen hereinbvach, griff auch in fein pönlichcs Leben auf das Empfindlichste ein. 2 an ibn das Ansinnen geficlU wurde, an dfranzösischen Universität weiter zu dozieren kbrachte er es nicht über das Herz, da noch wirten, wo er jahraus jahrein seine ganze raft als Deutscher ein- geictzl hatte. Freiwi verließ er die Stadt, die ihm zur zweiten imat geworden war, um Deutschlands Not in ttschen Landen mittvagen und -lindern zu Hel Sein Bekenntnis zum Deutschtum fand im che doppelten Widerhall: Berlin und Gien zugleich öffneten ihm Ihre Tore, riefen ihn ein neues Arbeitsfeld. P.of. Mayer zog Eßen vor. Unter Zurücklassung des großen ilc8 seiner Möbel, seiner Bibliothek und — x Gelehrten am schmerzlichsten — seiner nustripte nahm er feine Tätigkeit als Nachfkr des verstorbenen Prof. D Samuel Eck auf ordentlichen Lehrstuhl der systematischeix Theo« auf. Eine kümmerliche Avtwohnuixg beheizte ihn lange Zeit: getrennt von seiner u mußte der Gelehrte in einem Alter, wo a-'e Menschen sich auf einen sriedsamen Lebensrb rüsten, an neuer Statte, in neuem Kreise btorne anfangen.
Aber seine sxe Fähigkeit, die eigenen Interessen dem Eox unterzuordnen, seine in die Tat -X-schäft, d. h. sein wirklich ge
lebte- Christen tum, ließen ihn in kurzem auch hier die Früchte seiner Tätigkeit reifen sehen: die theologische Jugend Gießens brachte ihm ein ausgeschlossenes Herz entgegen, in dem das von ihm gestreute Samenkorn aufging und wuchs. Gerne lieh sie sich von ihm in die Probleme ber Systematik ein führen, lieh sich von ber gereiften Lebenserfahrung ihres Dozenten vor den oft übereilten Schritten der Jugend zurückhalten. Dankbar bewunderte sie immer wieder die ruhige Sachlichkeit, mit der bie brennenben Fragen ber Nachkriegszeit auf bem Gebiete feiner Disziplin erörtert würben. Seine Auffassung vom Christentum, wie es ber einzelne 'in ber Welt unb an bet Welt zu betätigen hat, legte er in seiner 1922 im Verlag Töpelrnann erschienenen .Christlichen Sittexllehre nieder.die schon manchem Theologen und Laien zum Führer geworden ist.
Die Harmonie zwischen Theorie unb Praxis macht Pros. Mayer vor allem zu bem, was er ber Gießener Theologenschaft seit langem geworben ist, zu ihrem väterlichen Fteunb unb Lehrer. Wer erinnerte sich nicht gerne an die Stunden, bie er in seinem Hause verleben durfte, wer sähe nicht sein eigenes Leben unter bem Zeichen christlicher Gesinnung stehen, bie in Professor Mayers Heim auf jeben Besucher überstrahlt, ber Herzlichkeit, mit ber er im Verein mit seiner Frau allen sein Haus öffnet?
Gießen barf stolz auf solchen Bürger sein! Doller Dankbarkeit grüßen wir ben Jubilar am Tage seines 70. Geburtstages unb wünschen ihm ein ferneres gefunbeö Leben unb gesegnetes Wirken in unserer Mitte!
Heldenehrung des Gießener M. T. D.
Mit einer nach guter Tumersitte schlichten und würdigen Feier enthüllte gestern mittag der Männerturnverein Gießen das Ehrenmal, das er auf seinem Turn- und Spielplatz seinen im Weltkriege gefallenen 48 Mitgliedern errichtet hat. Die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, befreundete Vereine und eine große Menge von Mitbürgern und Mitbürgerinnen aus allen Schichten nahmen an der Heldenehrung teil, deren stimmungsvoller Verlauf von dem herrlichen Sonnnerwetter, das wir nach den langen Regenwochen gestern zum erstenmal wieder hatten, besonders begünstigt war.
Die Kapelle Weller leitete den eindrucksvollen Gedenkakt mit dem Riederländischen Dankgebet ein, dem der BauersVhe Gesangverein unter der Leitung seines Chormeisters Göriach das feierliche „Wie sie so sanft ruh'n" folgen lieh. Ein Vorspruch, von dem Turner R. Rautenberg gesprochen, war der kernige Auftakt zu der Gedenkrede, die an Stelle des ir- sprünglich als Redner gebetenen, plötzlich aoer erkrankten Schulrats (3. Schmuck-Darmstadt der Gauvertreter Fabrikant Pfeiffer- Wetzlar hielt. Er fand in seiner Ansprache packende Worte des dankbaren Gedenkens an die für Volk und Vaterland gefallenen Tumbrüder, die in echtem Tumergeist reinen Herzens und reinen Willens den schweren Weg ihrer vaterländischen Pflicht gegangen seien, unerschütterlich treu bis zum heldenmütigen Ende. Wenn ihr Leib auch von uns gegangen ist unb da draußen auf den Schlachtfeldern in fremder Erde gebettet liegt, so werde ihr Geist doch immer in den Turnern lebendig bleiben, und er müsse namentlich von der heran - wachsenden Jugend als ein leuchtendes Vorbild der Vaterlandsliebe uxxb ber treuen Pflichterfüllung bis zum Letzten angesehen werden. Dieses Denkmal möge immer sein ein Zeichen des unauslöschlichen Dankes an die Gefallenen, ein Erinnerungszeichen für die Lebenden unb ein mah- nenber Ansporn zur Nacheiferung für bie kommenden Geschlechter. Dem Andenken ber teuren Toten widmete ber Redner ein stilles Gut Heil! Hierauf legte der 1. Sprecher des Männerturnvereins, Lehrer Georg Kling, namens des Vereins zu Ehren ber gefallenen Drüber einen Kranz nicber, wobei er in beherzigenswerten Worten betonte, baß das vergossene Blut unserer Brüder uns ilebcrlebenbc verpflichte, getreu dem Beispiel ber Dahingegangenen einig und geschlossen zusammenzustehen zur Wiederaufrichtung des Vaterlandes durch hingebungsvolle Arvcit in einer wahren Volksgemeinschaft. Nachdem der Dauersche Gesangverein den eindrucksvollen Chor ..Das Heldengrab" gesungen, spielte zum Schluß die Kapelle Weller das Gieb „Ich halt' einen Kameraden". Das Denkmal wurde nach dieser Feier unb auch noch am Nachmittag von bem Publikum eingehend besichtigt.
Dieses Ehrenmal unterscheidet sich in seiner Form ganz wesentlich von den sonst meist gewählten Denkmalsarten. Es fy.it bie Form eines kleinen Ehrenhofes, der durch eine kannelierte Säule in zwei gleichgroße Teile getrennt ist. Auf der oberen Fläche der rückwärtigen Wand dieser Telle sind das Turner-Kreuz unb d e Anfangsbuchstaben der Deutschen Tumerschaft ID. T.) in Bronze auf entsprechendem Grund angebracht, barunter befindet sich im Stein in erhabenen Buchstaben die durchlaufenbe Inschrift „Im Geiste Jahns treu bis zum Tod", hierunter ist in jedem Teil eine kleine Nische angebracht, die mit einem Metallbehälter mit Blumenschmuck ausgefüllt ist. An den seitlichen Flächen der beiden Telle des Ehrenhofes sind die Namen der 48 Gefallenen verewigt. Aus der Stirnseite der massigen Dette des Ehrenzeichens ist die Widmung „Unseren Gefallenen" zu lesen, darunter sieht man das Gießener Stadtwappen, umschrieben M T. V. Gießen. Rechts und links und an der Rückseite des Denkmals sind gärtnerische Anlagen hergerichtet, vor dem Ehrenmal befindet sich eine freie Fläche, bie nach dem Turnplatz zu durch niedrige Steinpfeiler mit verbindenden Drvnzeketten abgegrenzt ist.
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(Siebener Wochenmarktpreiss
am 6. September. (Händlerpreise.)
Es kosteten das Pfund: Butter 210 bis 220, Matte 35, Käse 60, Wirsing 12, Weißkraut 10, Rotkraut 20, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 10, Römischkohl 10, Bohnen 15, Unter-Kohlrabi 5, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 30. Kürbis 10, Pilze 20, Kartoffeln 41/2 bis 5, Falläpfel 5, Aepsel 10 bis 15, Dirnen 15, Brombeeren 50, Preiselbeeren 80, ZweIschen 18 bis 20, Mirabellen 25, Reineklauben 30, junge Hahnen 100, Suppenhühner 75 bis 80, Gänse 100; das Stück. Eier 15, Blumenkohl 50 bis 200, Salat 5 bis 12, Salatgurken 10 bis 50, Einmachgurken 3 bis 4, Endivien 15 bis 30, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Lauch 8 bis 10, Sellerie 30 bis ! 50; das Bund: Radieschen 10 PI,
Landesseft desHesfischenLandes- vereins des (kvang. Bundes.
)( Büdingen, 6. Sept. Das Hessische 2an- desfcst des Evangelischen Bundes wurde heute nachmittag mit einer geschäftlichen Tagung des Dorstaxxdes unb der Vertrauensmänner der Dekanate im hiesigen Evangelischen Gemeindehaus eröffnet. Eine große Anzahl Teilnehmer hatte sich bereits eingefunden, die Stadt zeigte zu Ehren der Gäste Reichen Flaggen- und Blumenschmuck, eine Ehrexxpforte war in der Hauptstraße errichtet, und eine Festabordnung empfing die Gäste am Bahnhof. In der eröffnenden Sitzung wurde zunächst ein interessanter Bericht über die großartig Der», laufene Tagung in München und über die Gage ber evgl. Kirche in Hessen und den Blind selber gegeben, im Anschluß daran wurden besonders zeit- notwendige Glufgaben des Bundes behandelt unb sonstige wichtige Fragen durchgesprochen Heute abend folgt in der Feststadt ein musikalisch reich ausgestatteter Eröffnungsabend, in dessen Mittelpunkt ein Dortrag des bekannten Heimatforschers Lehrer H e u s 0 n steht, der „Die Geschichte ber Reformation in der Grafschaft Büdingen" behandelt, in den Dekanatsgemeinden sprechen verschiedene Redner über die Aufgaben des Bundes. (Weiterer Bericht folgt.)
Aus der Tätigkeit der Handelskammer Giehen.
Der- Badische ßanbtag hat in seiner Sitzung vom 1. August ds. Js einen Antrag der süddeutschen Tabakpslanzer auf Erhöhung des Tabakzolles angenommen. Die Handelskammer hat den Dorort des Hessischen Handelskammertages gebeten, in dessen Namen bei ber Hessischen Regierung gegen den Antrag vorstellig zu werden.
Die Handelskammer hat die Hessische Regierung gebeten, sich im Interesse der Tabakindustrie für eine Verlängerung ber ©teuer ft un- b u n g von zwei auf vier Monate gegen ent» sprechenbe Sicherheitsleistung einzusehen.
Die immer stärker werbende Erregung ber Kaufmannschaft über bie unerträglichen Steuerlasten, im besonderen über die von Staat, Gemeinde, Provinz unb Kreis erhobenen Gewerbesteuern, haben die Handelskammer veranlaßt, die Regierung durch den Dorort des Hessischen Han- delskamryertages an die gemachte Zusage zu erinnern, wonach die Ergebnisse ber gegenwärtigen Besteuerung dem Ganbtagc und den Handelskammern vorgelegt unb alsbald in eine Beratung über die völlige Neuregelung der Hessischen Gc° Werbesteuergesetzgebung eingetreten werden soll.
Klagen aus den Kreisen von Handel und Industrie über die hohen Kirchensteuern haben ber Handelskammer Veranlassung gegeben, sich mit bem evangelischen Gesamtkirchenvorstanb in Gießen ins Benehmen zu setzen. Es ist von dieser Stelle die Zusage gemacht worden, baß jeder Reklamation gegenüber das größte Entgegenkommen gezeigt werden soll.
Das Finanzamt Gießen ist gebeten worben, an ben Steuerzahltagen, besonders am 17. eines jeden Monats, zur schnellereir Bewältigung des staxcken Verkehrs, mehrere Schalter offen zu halten.
Die Hanbelskämmer hatte mehrfach Gelegenheit, auf Ersuchen des Finanzamtes die Begutachtung für die Bewertung der Anteile von Er- werbSgesellschaften, für bie Steuer - bzw Ver- kaufswerte nicht festgesetzt sind, vorzunehmen.
Die Tarifpolitik ber Reichsbahnverwaltung entspricht noch immer nicht ben lebenswichtigen Bedürfnissen ber deutschen Wirtschaft. Die Handelskammer hat hierauf bei jeder sich bietenden Gelegenheit hingewiesen und eine Ermäßigung der Gütertarife nach Maßgabe der wirtschaftlichen Tragbarkeit gefordert.
In einer Eingabe an das Reichsverkehrsministerium hat bie Handelskammer die Wiedereröffnung der Station Frischbvrn (Oberhessen) beantragt.
In Gemeinschaft mit ben anderen beteiligten Handelskammern hat bie Hanbelskammer die Frage der Ausgestaltung einer direkten Verbindung Köln — Siegen — Gießen — Debra — Geipzig unter Benutzung der Strecke A l s - feld — Hersfeld in eiher Eingabe an das Reichsverkehrsministerium erneut zur Sprache gebracht.
Die Bemühungen der Handelskammer, bah von ber Eisenbahnverwaltung Sonntagskarten von ber Station Bad-Nauheim aus gleichwie nach Marburg so auch nach Gießen ausgegeben werden, sind erfolglos geblieben.
Die Handelskammer hat sich dafür eingesetzt, daß der 8,05 Uhr von Marburg nach Gießen gehende Personenzug auch an Sonntagen verkehrt, damit die Besitzer von Sonntagskarten diese Karten auch ausnuhen können.
Im Interesse ber Einwohnerschaft ber an der Strecke Gießen — Marburg gelegenen und benachbarten Ortschaften hat sich die Handelskammer um eine spätere Fahrgelegenheit als schon um 7 Uhr abends bemüht.
Einem gemeinsamen Anträge der Handelskammern Dillenburg, Gießen, Siegen und Wetzlar Folge gebend, hat ber Reichsverkehrsminister mit Rücksicht aut bie außerordentliche Notlage bes Eisenerzoergbaues im Sieg-, Gähn- unb Dillgebiet sowie in Oberhessen trotz ber sehr schwierigen Finanzlage ber Reichsbahn sich entschlossen, durch weitere Ermäßigungen ber Frachtsätze des Ausnahmetarifs 7a für Eisenerze um 25 Prozent helfend einzugreifen.
Die Hessischen Handelskammern haben die Einrichtung von Kursen für Sisenbahntarifange- legen Hellen und bie Einrichtung eines gemein- famen D e r ke h r s b u r ea u s grundsätzlich beschlossen und Verhandlungen mit ben Vereinigten Handelskammern Frankfurt a. M.-Hanau wegen Angliederung unb Ausbau des dort bereits bestehenden Derkehrsbureaus eingeleitet.
Verschiedene Fälle haben ber Handelskammer Gelegenheit gegeben, ben Deutschen Jndustrie- unb Hanbelsiag zu ersuchen, mll allen zu Geböte stehenden Mitten auf eine schnellere Befv r de- ru ti g der Postpakete hinzu wirken.
Die auch von ber Handelskammer gestellte Forderung auf Herabsetzung der Fern- sprechgebühre n konnte von ber Reichspost- unb Telegraphenverwaltung noch nicht erfüllt werden.
Immer mehr greift der gemeinsame Bezug von Gebensmitteln,Bekleidungsstücken und sonstigen Gegenständen des täglichen Bedarfs unter Umgehung des ortsansässigen Kleinhandels durch Reichs-, Staats- und Gemeindebeamte um sich. Dadurch fühlt sich ber Einzelhandel schwer geschädigt und in feiner Existenz bedroht. Zu
feinem Schutze wird die Handelskrmrner kn Gemeinschaft mit den übrigen Hessischen Handelskammern die notnxmbig erscheinenden Schritte tun.
Die Handelskammer hatte Gelegenheit, sich zu einer Reihe von Fragen, welche die Neugestaltung bes gewerblichen Rechtsschutzes betreffen, gutachtlich zu äußern.
Ein Entwurf deS Reichsarbeitsministeriums über Bestimmungen zum § 7 ber Verordnung über die Arbeitszeit bestimmter Gewerbezweige und Gruppen von Arbeitern wurde auf Verlangen des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft begutachtet.
'Die Hessischen Handelskammern haben nach dem Dorbilde in Preußen unb Württemberg eine Reform des Hessischen H a n b c l £ f a in m c r • gesehes angeregt unb hierzu zweckbienliche Dorschläge vorbereitet.
Klagen aus dem Kohlenhanbel übet die Lieferungsbedingungen ber Hessischen Bergwerks- unb Kraftwerksbirektion Wölfersheim haben bie Handelskammer in Untersuchungen darüber ein treten lassen, ob und inwieweit eine Milderung dieser Bedingungen zu erreichen sein wird.
Landwirtschaft.
Die schwierige Lage der hessischen Landwirtschaft.
Die Landwirtschaftskammer für Hessen veröffentlicht nachstehende Erllärung:
Das seit 5 Wochen anhaltende Regenwetter hat die Getreideernte in Hessen nahezu vernichtet. Der größte Teil derselben stehl noch im Feld. Die Kartoffel- unb Grummeternte ist e cn- fallS in Gefahr. Nachdem bie La'nbwirtsch.rfts- kammer schon vor einiger Zeit burch Eingaben bie Reichs- und Lanbesbehirten auf die schwierigen Verhältnisse hingewiesen, hat sie erneut in Eingaben an das Reichsernährungsministerium, das Hessische Ministerium für Arbeit unb Wirtschaft unb das der Finanzen eine Schilderung der derzeitigen Verhältnisse in der Landwixtschrft gegeben unb dab.i folgende Anträge gestellt:
In Anbetracht dieser trostlo'ea Gag? be. h s- fischen Landwirtschaft bitten ”>ir die Regierung, dafür eintreten zu wollen, baß
1. die gewährten Kredite, einschließlich der Erntetredite, auf vorerst weitere 3—6 Monate ber I ängert werden, außerdem weitere, unb zwar langfristige Kredite der hessischen Landwirtschaft zur Fortführung ihrer Betrieb? als Ersatz für bie ausfallende Ernte zur Verfügung gestellt werden;
2. die Stundung für Reichs- unb Landes steuern sofort bis zum 1. Januar 1925. ausgesprochen werd; ferner:
3. beim Herrn Reichsminister ber Fixranzen dafür eintreten zu wollen, daß die Erhebung der Umsatzsteuer, für bie jetzt eine Vorauszahlung zu erfolgen hat ebenfalls gestundet wird, schon mit Rücksicht daraus, baß hier ernt Steuer bezahlt werden marß sür einen Umsatz, der tatsächlich nicht vorhairden ist;
4. sofort alle Maßnahmen, für das Gebiet der Nidda unb Nidder, auch in Verbind mg mit der preußischen Regierung, za treffen, damit eine Regulierung ber Wasserf 1 üsse sowie Inbetriebsetzung ausreichender Pumpwerke erfolgen fann;
5. beim Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft dahin erneut vorstellig werden zu wollen, bah die Zinsen für die bereitgesteilten Kredite eine wesentliche Herabsetzung erfahren ;
6. bei allen in Frage kommenden Reichs«, 5!axrdes° unb Gemeindebehörden darauf hinwirken zu wollen, daß mit Rücksicht auf die sehr verspätete Ernte alle »er.fügbaren Arbeitskräfte zur Einbringung der Getreide- unb besonders der Kartoffel- und Rübenernte an die Landwirtschaft verwiesen werden und die Cr- werbslosenunterstützung an solche Arbeitslose mcht gezahlt wird, bie sich weigern, Arbeit in ber Landwirtschaft anzunehmen.
Landwirtschaftliche Prämiierung.
Bei der durch den LZanbwirtschaftskammer» Ausschuß für Oberhessen abgehaltenen Ziegen- sta11s chau im Bezirk Alten-Duseck- Lollar konnten folgende Preise vergeben werden: In Klasse I, Besitzer von drei unb mehr Ziegen 1. Preise: Hch. Schupp I. unb Wilh. Schultheis in Lollar, 2. Preise: Ludwig Scheid V. unb Heinrich Wagner XVIII. in in Großen-Buseck. 3. Preise: Hch. Rohrbach VII.-Lollar, Hch. Do lp ert-Großen- Duseck. Johs. Ehelmüller, Bürgermeister Kraushaar unb Heinrich Balser X. in Rödgen. In Klasse II. Besitzer von ein bis zwei Ziegen, 1. Preise: Wilh. Hettche Ii. unb Hch. 2 ein IV. in Treis, 2. Preise: Otto Weiß und Christian Scheib VI. in Großen- Duseck, 3. Preise: Wilh. Diehl unb Aug. Naumann in Lollar, Karl D 0 gel in Daub« ringen, Joh. Wilh. Nickel, Johs. Wllh. Weber unb Karl Heyer in Treis a. b. Gba., Hch. Wagner III., Hch. Wagner XXII., Karl Schwalb unb Hch. Scheib in Großen-Buseck unb Wilh. Wagner in Rödgen. Außerdem wurde in den einzelnen Klassen noch eine Anzahl Anerkennungen vergeben.
Im Bezirk Gießen wurde gerneinschafllich vom Landwirtschaftslammer-Ausschuß unb dem Kreis rinderzuchtverein für Dogeisberger Vieh eine Jungviehprämiierung durchgeführt. unb wurden hier folgende Preise vergeben: In Gruppe Bullenkälber, 1. Preise: Hch. Harbach VIII., Großen-Buseck, 3. Preise: Daith. Hirz VI., Watzenborn, Wilh. Harbach VIII., Großen-Buseck. In Gruppe Kuhkälber, 1. Preise: Johs. Philipp XIII., Steinberg, Wilh Hofmann unb Hch. Faber II. in Grvßen-Linben unb Ferd. D 0 Ikma nn in Heuchelheim, zweite Preise: Fr. Karl R i n n - Heuchelheim, 3. Preise: Gg. Freitag, Heuchelheim. Johs. Doll II., Großen-Linden Balch. Philipp III. unb Karl Hirz I. in Steinberg und Heinrich Becker, Burkharbsseiben. Weller würbe noch eine Anzahl Anerkennungen vergeben.
<cp<eU>[an der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Dienstag, 9. Sept.: Frühling. Hierauf: Tänze von Schubert. Zum Schluß: ZDas Tluge Felleisen. Mittwoch, 10.: Der Widerspenstigen Zähmung. Donnerstag, 11.: Die Dohöme. Freitag, 12.: Der Rosenkavalier. Samstag. 13.: Jrrelohe. Sonntag, 14.: Carmen. — Schauspielhaus. Dienstag, 9. Sept.: Dame Kobold. Mittwoch, 10.: Der G'wissenswurm. Donnerstag, 11.: Dummeistudenten. Freitag, -42.. Die rote Robe. Samstag, 13.: Du nunelstudenken. Sonntag, 14.: Die rote Robe.


