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Ztr. 2U Erstes Blatt

Kl. Jahrgang

Montag, 8. SeptMber 192$

GietzenerAnzeiger

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Die Einigung in Genf.

Annahme der englisch-französischen Resolution. Vorbereitungen für eine internationale Abrüstungskonferenz.

Vie deutsche rrnegzschuldnote.

Ein Protestschritt Frankreichs. Die

Reichsregierung bleibt fest.

Berlin, 8. Sept. (Drahttneldung.) Die MeimmgSderschiedenheiten innerhalb der französischen Delegation über den Passus in der Bede HerriotS, der die Zustimmung Frankreichs zum Eintritt Deutsch. landS in den Völkerbund enthält, be- ziehen sich hauptsächlich auf die zu erwartende Note der deutschen Regierung über dieKriegS- sch u l d. Nach Informationen aus Gens sehen selbst solche französischen Kreise, die Herriot nahestehen, in der Aebermittlung dieser Note ein ernstes Hindernis für die französische Zustimmung, well darin von französischer Seite ein Vorstoß gegen den Versailler Vertrag zu er. blicken fei. Man rechnet in Berliner politischen Kreisen mit einem inoffiziellen englischen Schritt, der bald nach der Rückkehr Macdonalds nach London in Berlin erfolgen dürfte, mit dem Zwecke, der deutschen Regierung nahezulegen, von sich aus die Initiative zum Ein. Jtritt in den Völkerbund zu ergreifen, dabei aber auf eine offizielle Aebermittlung der Kriegs, schuldnote zu verzichten.

DieMontagspost- will auch bereits erfah. ren haben, daß der französische Botschafter de Marguerie gestern im Auswärtigen Amt vorgesprochen habe, wo er den Staatssekretär Freiherrn bon Malhan, der für den beurlaubten Außenminister Dr. S t r e se. mann die Geschäfte leitet, auftragsgemäß dar. auf aufmerksam gemacht habe, daß eine amt. liche Notifizierung der deutschen K u n d- gebung über die Krieg»! chuldfrage auf das französische Volk und auf die politisch führenden Kreise einen unangenehmen Ein. druck machen wsirde. Die Erklärung des Bot. schasters sei. wie das Blatt berichtet, zur Kenntnis genommen worden. Wie wir ferner aus zuverlässiger Quelle hören, hält die Reichsregierung an dem Plane der Aebermittlung der Rote fest und wird den Kreis der Empfän. ger verhältnismäßig weit ausdehnen, will jedoch der Note eine solche Form geben, auö der unzweideutig hervorgeht, daß die Reichsregierung nicht beabsichtigt, aus dem P r o t e st g e g e n die deutsche Schuld am Kriege die Forde, rung abzuleiten, als ob damit eine Aktion ein. geleitet werden solle, sich den D e r p f l i ch t u n. gen auS dem Versailler Vertrage zu ent- ziehen. In Regierungskreisen wird erklärt, daß man der zu erwartenden Entrüstung bei der französischen Opposition mit Ruhe entgegensetze und daß die D ö l k e r b u n d s a n. g e l e g e n h e i t schon deshalb keinen entscheiden, den Einfluß auf die Haltung der deutschen Re. gierung ausüben könne, weil ein Scheitern der Eintrittsmöglich!eiten toegei dieser Note nur be- weifen würde, daß diese schwierige Frogeüber. Haupt noch nicht so spruchreif ist, um fie endgültig lösen zu können.

Die Militärkontrolle. Der Stampf nm eine neuerliche Um- stcllnng der Schutzpolizei.

(Eigener Informationshienst.)

Berlin, 8. Sept. (Drah!Meldung.) Die Ge- ncraltnfpcl.iDii b:r Milikärtontrollkommission wird sich in erster Linie auf die Schutzpolizei zu er­strecken und zu prüfen Haben, wie wert etwa die jetzige Organisation der Schutzpolizei noch militärischen Charakter trägt und in welchem Umfang? sich die Schutzpolizei zu mili­tärischer Verwendung eignen würde. Die lang­wierigen Verhandlungen mit den französischen Mitgliedern der Kommission haben sich unier anderem auch besonders um das Q£een der Schutz­polizei gedreht, bis in den letzte:' Tagen eine Einigung über die 2lrt ihrer Kontrolle zu- standetam. Von dem Ergebnis der Inspektion wird es dann ab hängen, ob es die französischen Vertreter für erforderlich erachten werden, bei der Vvtschaf.erkonfgrenz eine erneuteAmstel- lungundAmorganisierungderSchuh- Polizei zu beantragen. Deutschland steht auf dem Standpunkt, daß von irgendwelche'' militä­rischen Verwendungsmöglichkeiten der Schutzpoli- zei nicht mehr hie Rede sein kann, und hgt sich aus­drücklich oorbchilten, gegen eine abenma ige Am- stellung der Schutzpolizei Verwahrung ein- zulegen.

Rückkehr der Ausgewresenen und Gefangenen.

Mainz, 8. Sept. (WTD.) Wie von zu­verlässiger Seite mitgcteilt wird, ist eine Ver­fügung des Kommandierenden Generals der Rheinarmee, D e g o u t t e, an die französischen Divisiönsgeneräle ergangen, wonach hie poli­tischen Gefangenen sofort zu ent­lassen sind. - Rach einer Havasmeldung aus Düsseldorf ist allen im neubesehten Gebiet und im Düsseldorfer Bezirk wohnenden Ausgewie- senen die Rückkehr gestattet mit Aus­nahme von sechs Personen: Regierungspräsi­dent G r ü tz n e r - Düsseldorf, Landvat Schön- Essen, Regierungspräsident 21 i e h er meyer- Essen, Landrat Hamm-Recklinghausen. Polizei­inspektor Reisenrat in Herne, Polizeikommis­sar P orath-Wann«,

In Gens haben der britische und französische Ministerpräsident in einer Zusammenkunft sich über die zur Debatte stehenden Fragen her Si- qjerung und der Rüstungsbeschränkungen auf eine Formel geeinigt, die deutlich den Stempel des Kompromisses an der Stirn trägt. Sie geht allen tatsächlichen Meinungsverschiedenheiten aus dem Wege und beschränkt sich darauf, den Verlauf des technischen Verfahrens festzustellen, das der Ein­berufung einer internationalen Konferenz voraus- aehen sott. In diesem engeren Rahmen hat die französische Auffassung ganz offensichtlich einen Steg davongetragen. Der von Macdonald so hef­tig abgelehnte Garantiepakt erscheint im Mittelpunkt der sogen. Einigungsresolution, die folgenden Wortlaut hat:

Die Versammlung nimmt von den Erklärun­gen der vertretenen Regierungen Kenntnis, in welchen sie mit Genugtuung die Grundlagen einer Verständigung zur Aufrecht­erhaltung eines endgültigen Frie- dens erblickt.

Am die Meinungsverschiedenheiten, die zwi­schen den verschiedenen hier ausgesprochenen Ge­sichtspunkten weiterbestehen, miteinander zu ver­söhnen und, wenn dies geschehen ist, in möglichst schneller Frist

durch den Völkerbund eine internationale Konfe- renz über die Abrüstungsfrage einberufen

zu können .beschließt die Versammlung folgendes:

l. Der Dritte Ausschuß wird damit be­auftragt, die Dokumente über die Sicher hei t s- frage und die Rüftungsbschrän- kungsfrage zu prüfen, vor allem die Bemer­kungen der verschiedenen Regierungen über den Plan eines Vertrages zur gegenseitigen Hilfe­leistung (G a r a n t i e p a k t), der infolge der Resolution 14 der Dritten Versammlung ausgear­beitet wurde, sowie die anderen seit der Ver- öffeirtlichung des Vertrags Projekts vorbereiteten und dem Völkerbundssekretariat übermittelten Pläne. Die Dritte Kommission soll ferner die Verpflichtung prüfen, die der Völkerbundspakt hrnsichtsich der Sicherheitsgarantien e,tt- hält, die im Falle eines Schiedsverfahrens odrr einer Rüstungsbeschränkung nottoen- dig werden könnten.

2. Die Erste Kommission ist beauftragt,

a) die Artikel des Völkerbundspaktes über die Regelung von Streitigkeiten im Hinblick auf etwaige Abänderungen zu an ersuchen,

b) zu prüfen, innerhalb welcher Glenzen die Bestimmungen des Artikels 36 § 2 der Satzung des internationalen Gerichtshofes zum Zwecke der Erleichterung einer Annahme dieser Klausel präzisiert werden können, und zwar dies alles mit dem Ziel, die Soli­darität und die SichUheit der Völker der Welt zu festigen, indem auf friedlichem Wege alle Strei­tigkeiten, die zwischen den Staaten entstehen könn­ten, gelöst werden."

Diese Resolution kam in der Samstagsitzung der Völkerbundskonferenz durch den Präsidarten Motta zur Verlesung. Der Präsident gab bekannt, daß der Annahme dieser Resolution, obgleich sie nicht auf der Tagesordnung steht, keine Schwie­rigkeiten entgegenstehen, und erteilte

Macdonald

das Wort. Der englische Ministerpräsident er­läuterte kurz Wesen und Sinn der R^olution, gab dann einen Aeberblick über die Debatte zur Sicherheitsfrage, wobei er Leon Dourgois als Vorkämpfer des Schi^»sgedankens feierte und dann H e r r i o t die Versicherung feiner .An­erkennung und Freundschaft aussprach. Er er­klärte mit besonderem Nachdruck, daß die eng­lische Regierung nicht daran denke, ihre Augen vor wirklichen Gefahren zu schließen, die Inter­essen der Heinen Staaten zu verkennen und ihre Garantien zu zerstören. Aber man dürfe nicht rückwärts gehen. Man müsse vorwärts schauen in der Richtung des gemeinsamen englisch-fran­zösischen Vorschlages, dessen einstimmige Annahme dazu beitragen werde, daß her Name dieser Völkerbundsversammlung in goldenen Lettern in der Geschichte der Menschheit strahlt.

Herriot,

der hierauf das Wort ergriff, wies ebenfalls mit beredten Worten auf die gemeinsame Zusammen­arbeit der englischen und französischen Minister­präsidenten hin. Er und Macdonald seien in dem Gefühl ihrer schweren Verantwortung hierher ge­kommen, diesen Saal nicht zu verlassen, ohne die notwendige Einheit zu vol^iehen. um das Det- spiel zweier Männer'zu geben, die alles tun, um eine für alle annehmbare Verständigung herbei- zusühren. Das Ergebnis dieser Bemühungen sei

Rückzug ausgeführt, nae^em sie zwei S el- lungen geräumt hab?n. Der Feind hat die Legio­näre angegriffen, die guten Widerstand geleistet haben. Die Verluste lind, obschon fühlbar, im Verhältnis zu der Wirksamkeit des Kampfe; we­nig zahlreich Bei dem spanischen Rück-ug han­delt es sich um die Aufgabe der Stellungen von Adgos und Tagesut. die im Tale be£ Lau-

bic Resolution, zu der er auch im Namen feiner belgischen und italienischen Freunde bte Znstnn- mung bringe. Es wäre beklagenswert, wenn diese große Debatte nur akademischen Charakter trage und jetzt nicht verwirklicht werden würde, wenn die letzten Jahre, in denen man einen Weg zum Frieden suchte, vergeblich bleiben sollten. Die Me- thode, die hier angewandt wurde, war gut. Sie müsse zum Erfolg führen. In hem Augenblick, in dem er diesen Saal verlasse und zu seinen Re­gierungsgeschäften zurücklchre, setze er seine Hoff­nung auf das Gelingen des Werkes.

Sowohl Herriot als auch Macdonald waren in der Versammlung stürmisch begrüßt worden. Beiden wurden beim Verlassen der Tribüne lange, anhaltende Ovationen dargebracht. Der greife L6on Dourgois erhob sich von feinem Sih und sprach zu Macdonald hin, dem er die Hand schüttelte, wobei die Versammlung wieder in stür­mischen Beifall ausbrach. Unter stürmischem Händeklatschen wurde dann

die Resolution einstimmig angenommen.

Mit der Annahme der Resolution ist vorläufig die Debatte über die Sicherheitsfrage im Rahmen der Versammlung abgeschlosien, da jetzt die 3. und die 1. Kommission das Wort haben.

Macdonald und Herriot, die Samstag­abend zusammen mit den Delegationen zu Abend gegessen hatten, sind um 9,40 Ahr mit demselben Zuge nach Paris gereist. Auf dem Bahnhof waren die meisten Delegationsführer der Völker­bundsversammlung und zahlreiche Pressevertreter erschienen. Die beiden Ministerpräsidenten unter­hielten sich noch lange an den geöffneten Fenstern ihres Waggons mit den Delegierten und Jour­nalisten und erklärten wiederholt ihre Befrie­digung über den Verlauf der Verhandlungen, während sie darauf hinwiesen, daß man mit Ge­duld und ohne Aeberstürzung an den jetzt auf- gestellten Richtlinien weiter arbeiten müsse. Als der Zug sich in Bewegung setzte, brach die Menge in begeisterte Hochrufe aus.

Beide Staatsmänner kamen Sonntag vormittag i n P a r i s an. Die Nacht verbrachte Macdonald im Salonwagen der französischen Regierung. In Paris brachte Herriot den britischen Premier m feinem Automobil zum Nordbahnhof, von wo Macdonald über Doulogne nach London zurück­kehrte. In einem Interview äußerte er: die Grundlagen für den zukünftigen Frieden sind gelegt.

Wir alle haben mit Ernst und mit Einmütigkert hinsichtlich der Ziele uns bemüht um di? Greuel des Krieges zu verhüten, zu welchen die Welt ge­trieben werden würde, wenn die Mißverständnisse und Eifersüchteleien der Rüstungen weiter be­stehen könnten. ~ Die Namen herriot und Genf würden für immer mit einer neuen Welt­ära verbunden. Dies ist nur der Anfang, die Einzelhetten müssen noch ausgeführi werden! Aber ein gesunder Anfang ist gemacht. Das Werk wird stetig und täglich fortgesetzt werden, bis wir das Ende sehen können.

Herriot fagte, in einem Interview: Für die erste Zeit haben wir ernstliche praktische Maß­nahmen ins Auge gefaßt, um den Frieden zu sichern. An allen Schulen muß gelehtt werden, daß unsere Länder den Frieden wünschen. So müssen wir die zukünftige Generation .erziehen, welch? nach dem Abkommen von Gens leben toirb," das aufgebaut ist auf der eng­lisch-französischen Verständigung. D:r französische Ministerpräsident begab sich Sonnag mittag in Begleitung des Senegals N o l l e t und des Ma­rineministers Dumesnil nach Meaux. wo er einem Festesten zur Erinnerung an die Mar­ne schlacht beiwohnte. Er hat im Laufedes Festessens das Wort ergriffen. Seine Rede war zum größten Teil der Verherrlichung der Schlacht an der Marne gewidmet. Immerhin ent­hielt sie eine Stelle, die als Antwort auf die be­absichtigte Proklamation der deutschen Regierung überbie Kriegsschuld aus­gelegt werden kann. Herriot erklärte:3n Genf habe ich vor allen Nationen unseren großen Anschuldsschrei ausgeswßen, gleichzeitig aber auch unseren Willen, unsere Sicherheit garan­tiert zu sehen. Angesichts der ganzen Welt habe ich diesen Schrei ausgestvhen und ich wiederhole ihn heute unter Vertrauten. Dch glaube nicht, daß geistig gesunde Menschen noch behaupten können, daß Belgien Deutschland den Krieg erflärt habe oder daß Frankreich es gewesen sei, das den ger­manischen Horden an die Gurgel gesprungen ist. Diesem Frankreich aber muß seine Kraft und seine Jugend zurückgegeben werden." Nachdem Herriot seine Rede beendet hatte, sangen alle Anwesenden die Marseillaise.

slusses liegen. Während des Rückzuges in Rich­tung auf Tetuan griffen die Rifleute die Nach­hut, die aus einem Bataillon Frundenlegionäre gebildet war. heftig an. Diese leisteten heroischen Widerstand und hatten dabei die gemeldeten fühl­baren Verluste.

Nach einer Havasmeldung aus Madrid hat anläßlich der Wiederkehr des Tages der Ein­setzung des Direktoriums Primo de Rivera eine Kundgebung erlapen, in der da­rauf hingewiesen wird, daß es dem Direktorium unmöglich gewesen sei, in einem Jahre hu Aufgaben zu bewältigen, die es sich im Iah e 1923 gestellt habe. Gegenwärtig hab? die militä­

rische Aktion in Marokkko ihren größten Um­fang erreicht, und cS bleib? zu hoffen, daß es gelingen werde, zu einer Lösung zu kommen. Man müsse aber dabei bedenken, daß Spanien sich einer allgemeinen islamitischen Be wegung gegenüber befinde. Das Di­rektorium werde deshalb noch einige Mo­nate an der Macht bleiben masten, um die verschiedenen Probleme des öffentlichen Lebens und besonders die Marokkosrnge zu lösen.

Die sozialistifcheOppofition

Gegen Zollvorlage nnb Biirgcrblock.

(Eigener Informationsdienst.)

B e r l in, 8. Sept. (Drahtmeldung.) Die sozialdemokratische Partei läßt durch ihre Vorbereitungen zu der nächsten Tagung des Reichstages erkennen, daß ein vor einigen Tagen veröffentlichter Aufruf des Parteivor­standes nicht nur als eine agitatorische Drohung gedacht ist. Während auf dem Lande eine große Kampagne eingesetzt hat mit der Einberufung von Versammlungen, in denen in der heftigsten Weise gegen die Zollvor- lageunddenVürgerblock Stellung ge­nommen und die Auflösung des Reichs­tages gefordert wird, hat sich auch die Reichs­tagsfraktion auf eine entschlossene Opposition vorbereitet. Bereits vor längerer Zeit hat die Reichstagsfraktion einen taktischen Aus­schuß eingesetzt, welcher die jeweilige parla­mentarische Lage nach taktischen Gesichtspunk­ten prüfen soll, um für die Fraktion Richt­linien für ihre Haltung aufzustellen. Dieser taktische Ausschuß wird in den nächsten Tagen wieder zusammentreten, um sich schlüssig zu werden, welche Mittel die Reichstagsfraktion künfttg anzuwenden hat, um der Durch­beratung der Zollfrage auf alle mög­liche Weise Abbruch zu tun. Wie von sozial­demokratischer Seite mitgeteilt wird, werden die endgültigen Beschlüsse nach dieser Rich­tung sehr wesenllich davon abhängen, welche Stellung letzten Endes die demokratische Partei und die Arbettervertreter des Zentrums einnehmen werden. 2Iuf jeden Fall kann ein weitgehendes Zu­sammengehen mit der kommunisti­schen Fraktion als gesichert gelten, da die neue Taktik, die den Kommunisten von ihrer Zenttale vorgeschrieben ist, es ihnen zur Pflicht macht, zur Abweßr angeblich reaktio­närer Gesetze und Bestrebungen auch ein zeit­weiliges Zusammengehen mit den Sozial­demokraten nicht zu vermeiden.

Die Süddeutschlandfahrt des Zeppelin.

Das Amerika-Luftschiff Z. R. 3 ist Samstag vormittag 9.10 Ahr bei schönem, klarem Wetter zur zweiten Probefahrt aufgestiegen, die sich über Süddeutschlanh erstreckte. An Bord be­fanden sich außer her Besatzung die Pressevertreter des Auslandes, ferner Prof. Hoff, Leiter des flugtechnischen Institutes der Aniversktät Berlin, Während der Fahrt wurden wissenschaftlich« Funkversuche angestellt.

Der Weg, denZ. R. 3" auf seiner gestrigen süddeutschen Rundfahrt nahm, ging zunächst nach Kempten und von dort über den Staren- berget- See nach München, bann über Landshut nach Regensburg, von hier rwch Nürnberg, Crailsheim, Ludwigs­burg nach Stuttgart und schließlich über Sigmaringen nach dem Bodensee zurück. Die Landung erfolgte glatt um 5,50 Ahr, so daß die Fahrt etwa neun Stunden gedauert hat. Die Fahrt ist zur völligen Zufriedenheit der Leitung aus­gefallen. Die nächste Fahrt findet voraussichtlich nächsten Dienstag statt. Weitere Fahrten sollen nach Norddeulschland und Skandi­navien gehen. Heber den

Besuch des Zeppelins in München erhallen wir von dort noch folgenden Bericht:

Der Münchener Devölierung bot sich Sams­tag vormittag ein übertoältigenb großartiges Schauspiel. Don vielen Tausenden aif den Plätzen, in den Straßen und auf den Dächern erwartet, zog das amerikanische Luftschrsf Z. R. 3 auf feiner zweiten Probefahrt von südwestlicher Richtung kommend, in majestätischer sicherer Fahrt über München. Das Luftschiff, das in hellem Sonnen­schein wie ein riesiger Metallfisch durch den blaue-., Aether zog, machte über der Landeshauptstadt einige Schleifen. Bald nach seinem Erscheinen tauchten am Horizont Flieger auf. die den großen Bruder in den Lüsten begrüßten. Das Schiff machte über dem Exerzierplatz Ober- w i e s e n f e l dl, wo sich ebenfalls tausende von Menschen zur Begrüßung eingefunden hatten, einige Schleifen. Auch dort kreisten in den Lüften Flugzeuge der Transeuropa-Anion, die dem Zep­pelin den Willkommgruß in den Lüften bar* brachten. Gegen 12 Ahr flog das Luftschiff tn der Richtung nach Nürnberg weiter.

Das Luftschiff hat während des 8- bis 12ftünbigen Fluges eine Strecke von weit über tausend Kilometer zurückge- legt. Es wurde eine Durchschnittsge­schwindigkeit von 130 Kilometern stünd­lich eingehalten, ohne daß damit die Höchst­grenze der zur Verfügung stehenden Motoren« leiftung erreicht wurde-

Ernste Lage

in Spanisch-Marokko.

Paris, 8. Sept. (WB.) Nach einer Ha-as- metbung aus Madrid wird folgender amtliche Bericht über die Lage in Marokll> veröffentlicht: Die Truppen der Westzone haben heute ihren