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Der oeutfcy-russiscye Konflikt.

Berlin, 6. Mai. (Wolff.) Die tommu» »istische Fraktion des Preußischen Land­tags hat eine grohe Anfrage eingebracht worin sie unter Hinweis auf die polizeiliche Durchsuchung der Berliner Handels­vertretung der Sowjetunion erklärt: Diese grobe Verletzung von Verträgen und voller- rechLlichenGepslogenheiten gefährdet aufs schwerste die politischen und wirtschaftlichen Interessen, dio die deutschen und russischen Arbeiter und Dauern verbinden. Die Fraktion fragt das preußische Staatsminisleriunr. wer dem Polizeipräsidenten Richter und dem Oberrcgierungsrat Weih den Auftrag zu dieser Polizeiaktion erteilt hat, ob der Polizeipräsident vor Einleitung der Poli­zeiaktion den preußischen Minister des Önncrn informiert hat, und ob der Minister deS Innern und daS Staatsministerium die Tat-- sache und die Art der Durchführung der Polizei­aktion billigen.

Hierzu teilt die D. A. 3 mit, dah der preu­ßische Minister des Innern über das ihm von der Berliner Polizei übermittelte, in der Handels­vertretung beschlagnahmte Material berichten dürfte. Die in der Handelsvertretung Vorgefun­denen Druckschriften seien bereits ün vorigen Ok­tober derDe schlag nähme verfallen. Der kommunistischen Partei sei es jedoch gelungen, größere Destände dieser und anderer Flugblätter in dieRäume der rufsischenHandels- Vertretung zu verbringen, wo sie jetzt von der Polizei entdeckt worden sind. Schließlich sei von der Polizei auch wiederholt beobachtet worden, daß anläßlich der Waffen- k ä u s e für die kommunistische Partei immer wie­der Persönlichkeiten feftgestellt worden feien, die zu der Handelsvertretung in irgend­einer Beziehung standen, die jedoch jebeSmoI, wenn die Polizei zu gegriffen habe, üls entlasse ne Angestellte bezeichnet wurden.

3*i dem Vorfall sagte

Litwinow

tn einer Unterredung mit einem Vertreter der Russischen Telegraphen-Agentur u. a : Das Sin- dringen in Handelsreetretung bedeute eine formelle Mißachtung der Exterrito­rialität und eine Verletzung der Sowjetregierung. Die Exterritorialität der Handelsvertretung sei in dem Abkommen v)m 5. Mai 1921 seßgel-rgt und in dem Rapallovertrag bekräftlgt worden. Die Frage, >b der Zwischenfall das Ende deS Freundschaftsverhältnisses bedeute, müsse selbstverständlich verneint werden, lei­nen Augenblick könne angenommen werden, daß die deutsche Regierung ben zwischen dem Sowjet­bund und Deutschlano bestichenden freundschaft- lichen BeztkHungen mit Bedacht ein Ende machen wolle. Fraglich sei, )b es zweckmäßig sei, die «-uflisch-deutsche Freundschaft auf die Probe 5? stellen und alle Folgen zu übersahen, welche ein«' feindliche Handlung der Leutchen Regierung nach fich ziehen könne.

Der deutschen Regierung dürfe begreiflich fein, daß der Zwischenfall Len deutsch-rnfsifchen Beziehungen eine» empfindlichen Stoß ver­setzt habe.

Bon der deutschen Regierung würde es abhängen, den bedauernswerten <^vischenfalt wieder gutzu- machen. Unterdessen sei der Botschafter Kre­it i n s I i angewiesen worden, nach Moskau a b z u r e i s e n, falls er keine volle Genugtuung erhalte, um hier Bericht zu erstatten und über die weiteren Schritte zu beraten. Die Sowjetregirrung ?ei jedoch fest überzeugt, daß die deutsche Regie­rung die Aufrechterhaltung der Festigung der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder nicht geringer einschähe als die Sowjetrepubliken, »und bemüht sein werde, den Zwischenfall aus der Welt zu schaffen.

Hierzu erklärt die 2L3": Der Ton der Aeußerungen Litwenows muh zurückgewie- f e n Lerden. Die Voraussetzung, von der das In­terview ausgeht ExtecritoriÄität der Handels- vertrÄung ist falsch.

Mit allem Nachdrucke maß die Frage gestellt werde», welchen polltifcheu Nutzen sich die russische Negierung von dieser Behandlung des Zwischeufalls verspricht?

Litwinow erklärt auch, daß der Zwischenfall selbst- 'verständlich rein Ende des Freundschafts verhält- vjsses bedeute, seine Erklärung dient jedenfalls diesem Zwecke kaum. Stehen doch zu ernste Dinge aus dem Spiet als daß aus diesem Anlaß eine Haupt - und Staatsaktion hervocgerufen werden dürfte. DasD. T." bemerkt: Eine un- »uretchende Berichterstattung über den Zwischen­fall muh die Klarheit des Urteils in Moskau außerordentlich getrübt haben. Sonst könnte nie­mand hinter dem Vorfall, der durch die Unge-

Himrnel und Hölle.

Don Fritz Müller (Partenkirchen)-Cannerv.

Als ich neulich über die Straße ging, spielten sie Himmel und Hölle.

Ein Geschrei war und ein Aufstand, als wäre daS Jüngste Gericht.

Ich drückte mich in einen dunklen Winkel und schaute zu. Zuerst verstand ich's nicht. So einfach war die Technik von Himmel und Hölle nicht.

Da waren neben- und aufeinander fünf dicke Rechtecke mit Kreide auf dem festgestampften Boden ausgezeichnet. Dann kam ein langes schmales Rechteck. Und darauf aufgebaut sieben Kreidekreise.

Nach und nach brachte ich's aus dem Geschrei heraus: Die fünf dicken Rechtecke waren Höllen verschiedenen Grades. DaS schmale Rechteck war daS Fegefeuer, UnZ> die Kreise waren nach­einander sieben Himmel.

Alle Buben und Mädel hatten anscheinend dasselbe Sündenregister auf dem Buckel. Denn alle fingen sie nach dem Tode mit dem Tode! erst begann das Spiel mit der dicksten unteren Hölle an. Und alle muhten sie sich nach und nach mit viel Geschrei und wechselndem. Erfolg zum siebenten Himmel durcharbeiten.

Und das merkwürdigste war: Diese Arbeit geschah auf einem Dein, nur auf einem Deine hüpfend war es möglich, sich durch die Höllen in den Himmel aufzuschwingen. Wer innerhalb der Kreidefiguren auf zwei Deinen zu stehen kam, der muhte unter unerbittlichem Hallo zurück to die Figur, aus der er kam.

Eins nach dem andern von den Mädeln und Buben hüpfte unter scharfer Aufsicht aller Mit­bewerber innerhalb der Kreidestriche wild herum pnd stieß leige Seele mit dem Fuße vor üch her.

schtMchren zweier württiemberglfcyer Vottpaivp- ften Plötzlich entstanden ist, einen vorbedach­ten Plan, ja ein politisches Komplott der Rcichsregierung wittern. Nur in ernem fttm- mcn wir mit Litwinow volllommen überein, daß man hier wie in Moskau nicht imgeringsten Sehnsucht nach, einer Trübung des Verhältnisses zu Rußland hat.

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Der Bot schafter der Union tec Sozialisti­schen Sowjetrepubliken verließ heute abend Ber­lin und trifft morgen abend im Flugzeugin Moskau ein. ®er gestern abend aus London nach Berlin zurückgekehrte Leiter der Ber- linerHandelsvertretung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken reist morgen nach M 0 s k a u ab.

Die hannöverschen Separatisten.

Berlin, 7. Mai. (WTB.) Beim Reichs­kanzler ist heute aus Hannover folgendes Telegramm eingegangen: Eine reibungslose Vor­ab st i m m u n g ist durch die maßlose Be­einflussung der preußischen In - st a n z e n schwer gefährdet. Die preußische Regie­rung unter Führung des Ministerpräsidenten und des hannoverschen Oberpräfidenten stellt die ver­fassungsmäßige Durchführung der Abstimmung am 10. Mai in Frage durch amtliche Lei­tung einer Gegenagitation und Be­reitstellung namhafter Geldmittel des Staates sowie durch die Verwirrung der Dolksmeinung durch amtliche Flugblätter, ferner durck einen weitgehenden Druck auf die Beamten und vieles andere mehr. Die reichsmini st erlichen Aeußerungen tragen daran die Mitschuld. Wir legen Verwahrung ein vor der aller Demokratie hohnfprechenden Vergewaltigung der Reichsver­fassung und der unerhörten Hetze gegen die kern­deutsche, nur ihr verfassungsmäßiges Recht for­dernde Bewegung.

Wir rufen den Schatz der Reichsregisrimg an und fordern als einzige Gewähr für eine lo­yale Abstimmung sofort' einen unparteiischen Reichskomissar für Hannover.

Die Vertrauensmänner und Bevollmächtigten für die Abstimmung: Hofkammerrat Meyer, Graf Dernstorff, Iustizrat Ra^en, Alpers.

Der Reichskanzler sandte daraufhin an den Hofkammerrat Meyer-Hannover folgendes Telegramm: Die verfassungsmäßige Durchführung der Dorabstimmung ist durch die Maßnahmen und Leitung der Reichsreg'.erung vollkommen gesichert. Die Ausführung der Anordnungen liegt in den Händen der Äeichsbeamten in Hannover und die Bestellung eines Rsichskom- missars ist danach völlig überflüssig. Wenn zur Abwehr der Abtrennungsagitation das beteiligte Land Preußen, durch seine berufenen Vertteter den preußischen Standpunkt wahrt, so ist hiergegen verrassungsmähig nicht das mindeste einz uiw enden. Ebenso haben die Mitglieder des Äeichskabinetts in ihrer Stellungnahme zur hannoverschen Frage mir ihr gutes Recht zur Meinungsäußerung als Reichs- und Staatsbürger, insbesondere als Angehörige der durch die Abstimmung mit be­ttoffenen preußischen Westprovinzen, ausgeübt und dabei lediglich der in diesen Laudesteilen herrschenden Stimmung Ausdruck verliehen.

aez. Marx.

> i > ~ --:

Die mecklenburgische Regierungskrise.

Schwerin, 7. Mai. (WTB.) Bei der heu­tigen Wahl des Ministerpräsidenten im Mecklenburgischen Landtag wurden 63 Stim­men abgegeben, davon entfielen auf Freiherrn von Branden st ein (Dtschntl.) 24, auf Stel­ling (Soz.) 15, auf Höllein 8 und auf Wendthausen eine Stimme: 15 Stimmzettel teuren unbeschrieben. Da sich hiernach keine ab­solute Mehrheit für von DranLenstein ergibt, die Z.chl der übrigen Stimmen vielmehr ebenfalls 24 beträgt, wurde eine Stichwahl notwendig. Bei der Stichwahl erhielten von Brandenstein 24 und Stelling 22 Stimmen, während 16 Stimmzettel nicht beschrieben waren und eine Stimme ungültig war. von Brandenstein ist somit wieder- gewählt. Da er sich aber nicht im Hause be­fand und infolgedessen seine Zustimmung nicht erteilen konnte, muhte auch die Wahl der Mi­nister verschoben werden.

Amerika und die japanische Einwanderung.

Washington, 8. Mai. (Hcwas.) Die ver­einigten Ausschüsse des Repräsentantenhauses und des Senats haben auf Vorschlag des Präsidenten Evolidge beschlossen, als Tag des Inkrafttretens des neuen Auswanderungsgeseyes, das die Ja­paner aus den Vereinigten Staaten aus- schliehen wird, dem Parlament Sen 1. März 1925

Su empfehlen, unter der Bedingung, daß in­zwischen Verhandlungen über die Ausübung des Settlementagrement begonnen würden, das solchen Japanern den Zutritt zu den Vereinigten Staaten gestattet, die keine mit der amerika­nischen konkurrierende Handarbeit betreiben.

Kleine politische Nachrichten.

Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages wird am 13. Mai zusammentreten, um sich mit dem Staatsvoranschlag für 1924 zu beschäftigen. Die Verhandlungen werden mehrere Tage dauern. Auch der GesetzgebungSausschuß wird demnächst mit seinen Beratungen beginnen.

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Der'Berliner Lokalanzeiger" und das als Nachfolgeblatt der ZeitschriftLicht und Leben" erscheinende BlattIn der Familie" sind für das besetzte Gebiet verboten worden.

Wegen Aufforderung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilte das Volksgericht den Redakteur derVölkischen Deutschen Press e", Scheidle r, zu 600 Mark Geldstrafe. Scheibler hatte in einem Leitartikel erklärt, daß die Verurteilung Hitlers nicht hingenommen wer­den könne.

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Im britischen Unterlaufe tellte der Unter­staatssekretär Vonsonby mit, daß die Ernennung eines britischen Konsuls im Saar­gebiet augenblicklich zur Erwägung stehe.

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Der Vertrag zwischen England und den Ver­einigten Staaten über den. Transport gei- stiger Getränke aus Schissen hat die Unterschrift des britischen Königs erhalten. Nach seinen Bestimmungen können nunmehr britische Schiffe unter Verschluß gehaltene geistige Ge­tränke innerhalb der amerikanischen Gewässer be- fordern. Die amerikanischen Zollbeamten erhalten das Recht, des Schmuggels verdächtige Schiffe anzuhalten und zu durchsuchen innerhalb einer Entfernung vom Ufer, die man in einer Stunde Dampferfahrt zurücklegen kann.

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Bei den Vorwahlen für die Präsidentschaft in St. Franzisko hat Präsident Evolidge 240 000 Stimmen erhallen, während Johnson nur 195 000 Stimmen erhielt. Die Niederlage Les letzteren ist um so bemerkenswerter, als Kali­fornien seine Heimat ist.

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Das amerikanische Repräsentantenhaus hat mit 211 gegen 115 Stimmen ein Gesetz angenom­men, nach dem China der Rest d?r Doxerent- schädigung erlassen wird.

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Nach demEcho Le Paris" weichem bei dem am 25. Mai zu erwarteten Desuchdes serbi­sche n^Konigspaares in Paris möglicher­weise ähnliche Verhandlungen wie zwischen Frank­reich und Rumänien auch zwischen Paris und Belgrad ausgenommen werden.

Das rumänische Königspaar ist zum Besuch des schweizerischen Bundesrats in Bern eingetragen.

Der bekannte Schachmeister Capablanca soll sich eifrig an der kubanischen Revo­lution beteiligen. Gr habe die Rolle eines Rat­gebers Ler Aufständischen gespielt und In einem Neuyorker Hotel ein politisches Bureau eröffnet. Alle seine Pläne fügt das Blatt hinzu seien fix und fertig, um die Regierung schachmatt zu setzen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 8. Mai 1924.

Gietzeuer Mochenmarktpreise

am 8. Mai 1924 (Händlerpreise).

Gs kosteten auf dem heutigen Wochemnarkt: Butter 1,90 Mk., Matte 35 Pf., Käse 50 bis 70 Pf. das Pfund, Eier 10 Pf. das Stück Wirsing 60 Ps., Weißkraut 50 Ps., gelbe Ruben 25 Pf rote Rüben 30 Pf., Spinat 70 Pf Spargel 1 bis 1,40 Mk. das Pfund, Blumen­kohl 2 bis 4 Mk., Salat 50 bis 70 Pf., (Salat» gurken 1,50 Mk., Lauch 10 bis 20 Pf., Sellerie 30 bis 80 Pf. das Stück, Feldsalat 2,50 Mk. Meerrettich 40 Pf. bis 1,50 Mk., Schwarzwurzeln 1 Mk., Rhabarber 50 Pf., Aepfel 15 Pf., Dörr­obst 35 Pf. das Pfund, Radieschen Dd. 30 Pf.

* Militärpersonal ie. Hauptmann Flörke, bisher im 111. (Häger-) Bataillon des 15. Infanterie-Regiments Kassel, ist mit Wirkung vom 1. Mai in den Stab des 15. Infanterie;'' Regiments nach Gießen versetzt worden.

Die Seele hatte die Form eines platten Steins. Und nun galt es, diese: Seele vermittels des hüpfenden Fußes in die nächste Kreidefigur zu stoßen.

Teufel, das ist nicht leicht,' "murmelte ich, so­lange die Seele in den höllischem Bezirken herum- ftatterte.

Simmel, das hat der Teufel gesegnet," mur­melte ich, wenn es aus dem Fegefeuer in den Himmel gehen sollte. Jetzt eben war es einem hüpfenden Mädchen gelungen, ihre Seele aus der letzten Hölle herauszuschleudern. Aber 0 Jammer, die Seele übersprang das allzuschmale Fegefeuer und tauchte in den ersten Himmel.

Höllisches Hohngelächter ringsum.

Zruck, Sophie, zruck! Der Sophie ihre Seel muß wieder in die letzte Hölle, hurraxdaxl"

Die Sophie war nahe am Weinen. Jetzt kam ein Heiner, dicker Junge an die Reihe. Dessen Seele lungerte noch in der ttefsten Hölle. Mit Schwitzen und mit Vorsicht bugsierte er sie durch drei Hollen durch. Hetzt verschnaufte er ein wenig. Dabei vergaß er aber, daß das linke Bein nicht auf die Erde durfte.

Halt, der Sepp steht auf zwei Fuß!" erscholl es in der Runde,zurück mit feiner Seel!"

Enttäuscht schaute der dicke Sepp an seinen zwei Fußpseilern herunter und trug seine Seele mißmutig wieder in die vorhergehende Hölle.

Jetzt kommt die Leni," hieß es.

Und ein schlankes und behendes Mädchen schlängelte ihre Seele gewandt bür') drei Höllen und durchs Fegefeuer hindurch.

Jetzt kommt die Leni als erste in den Him­mel," hieß es ringsum, bewundernd und' be­neidend.

Leni, nimm mich mit taute ein Iunae lustig.

Da muhte die schlanke Leni lachen. Und mit dem Lachen kam der Schwung zu kurz, so daß die Seele der Leni gerade auf den Kreidestrich zwi­schen Fegefeuer und erstem Himmel zu liegen kam.

Durch!" riefen der Leni ihre Freunde,das größere Teil ist schon im Himmel."

Zurück!" riesen der Leni ihre Feinde,das meiste steckt noch in der Hölle."

Und nun begann ein Streiten und Messen um der Leni Seele. Mit Daumennägeln und zuletzt mit Strohhalmsbreiten wurden der himmlische und der höllische Teil von Lenis Seele abge­messen. Und endlich verkündete der Franz mit siegreich geschwungenem Strohhalm:

Hurra, die Leni ist um ein und einen halben Strohhalm mehr im Himmel!"

Die schlanke Leni warf ihm einen Blick zu. einen himmlischen Blick. Und nun geschah es, daß sich auch Franz im Himmel fühlte, trotzdem seine schwarze Seele noch weit unten in der zweiten Hölle schmorte.

Weiter ging das Kampfspiel von der Hölle in den Himmel. Ein Stoßen war und Schreien, ein Jubeln unb ein Brummen: So mochte es am Jüngsten Tage zugehn. Scharf war die Gerech- ttgkeii. Unerbittlicher gerecht hätte auch das Jüngste Gericht nicht sein können.

Rur dah dort die Reden sicher heiliger ge­klungen hätten, wie sie hier erklangen. Eben war der Sepp wieder einen Himmel Weller geflogen, als er hätte sollen.

Empört wies er auf den Kreidestrich, der an der kritischen Stelle ungeometrisch ausgebuchtet war:

Und da stellte sich heraus, dah der Paal den irregulären Himmel mll der Krude voraezeichnet \ hatte.

' ^vvlrsyochschiule. Das neue öemefter beginnt am nächsten Montag. (Siehe heutige An- zeige.)

* * 116er-Verband. Die Vorarbeiten zur Errichtung des Ehrenmals für b-te gefallenen Helden vom Regt. 116 und feiner Kriegsformationen find soweit vorgeschritten, daß die Grundsteinlegung anläßlich des dies­jährigen U6er-Lages Anfang August statt­finden kann. Zur beschleunigten Fertigstellung sollte eine allgemeine Sammlung im Lande veranstaltet werden, die jedoch von der hessi­schen Regierung nicht genehmigt wurde. Man hofft aber von der bewährten Opferfreudig- kett der Kameraden, daß sie auch ohne ein« allgemeine Sammlung die Vollendung des Ehren- und DankeSzeichens durch Dellräge und Stiftungen ermöglichen werden.

* Arbeitsjubiläum. Gestern konnte der bei der Firma Heinrich Fillmann Wwe., Glasergeschäft am Asterweg, beschäftigte Glaser- meister Wilhelm Daubert aus Grünbera, auf eine 25jäh-ttge Sätigfett bei der Firma zurück­blicken.

**WerkenntdenSelb st Mörder? Gestern vormittag gegen 81/» Ahr hat sich ein bis jetzt noch unbekannter, anscheinend geistes­kranker junger Mann in selbstmörderischer Ab­sicht hinter dem Güterbahnhof in' did Lahn gestürzt und ist erttunken. Der Mann war etwa 25 Jahre alt, mit einem Hellen Gummimantel bekleidet, hatte einen hellbraunen Filzhut ans und trug eine schwarze Wachstuchaktentasche bei sich. Die Leiche ist noch nicht geländet. Per­sonen, die Auskunft über den Unbekannten geben können, wollen sich bei der Kriminal­polizei melden.

H. Prof. Muckermann sprach gestern überWerdende Menschen". Die ^e soll zwei Ausgaben erfüllen. Einmal vereinigt sie Zwei Menschen zur Lebensgemeinschaft und ist dazu bestimmt, das Triebleben menschenwürdig zu regeln. Der tiefere Sinn der Ghr ist aber bi? Fortpflanzung, das Kind. Eine gesunde Ehe kann sich nur auf vollkommener Gleichstellung zwischen Mann und Frau aufbauen. Verlangt man vom Weibe sittliche Reinheit, so muß man sie auch vom Manne verlangen können. Es besteht heute eine große Strömung im Volke, die dafür eintritt, daß in gewissen Fällen eine Tötung des keimen­den Lebens erlaubt sein'solle. Einmal führt man wirtschaftlich-soziale Gründe an. Aber es geht nicht an, daß man aus wirtschaftlichen ©rünben ein Menschenleben beseitigt. Wirtschaftliche und soziale Probleme muß man wirtschaftlich bekämp­fen und nicht durch die bequeme Art der Tötung des Kindes aus der Welt schaffen. Ferner führt man rassenhtzgienische Gesichtspunkte an. Doch auch diese sind falsch. Denn vor allem ist die Wissenschaft noch^ gar nicht so weit, um mll abso­luter Genauigkeit feststellen zu können, ob das werdende Kirw krank oder gesund ist- und auf eine bloße Vermutung hin darf man kein Geben beseitigen. Kommt tatsächlich bann das Kind krank xur Welt, so darf natürlich eine Fortpflanzung dieses Kindes unter keinen Umständen geduldet werden. Zweifellos die schwierigste Frage ist die ob man das werdende Leben vernichten barf um die Mutter zu retten; aber auch dies lehnt der Redner ab. Einmal muß man bet Natur Rechnung trogen, die bei der Geburt der Kinder im Mutterherzen oft ungeahnte Kräfte entfaltet. Dann ist zu bedenken, bah im Siirzelfalle oft viel besser durch Bekämpfung der Krankheit geholfen als als durch Tötung des an der Krankhell völlig unschuldigen Kindes im Mutterleib. Vor allem ober muh man sich beugen vor den Geboten bet natürlichen Ethik, die die Tötung von Menschen­leben verbietet. Zum Schlüsse kam der Redner noch auf das junge Kind zu sprechen. Auch dies­mal wußte der Vortragende feine Hörer voll­kommen zu bannen.

Bornotizen.

TageskalenderfürDvnnerStaL. Stadttheater: 61/2 UhrMignon". Neue Aula: 8 Uhr Vortrag von Prof. MuckermannWer­dende Reife". Rundfunkhaus Loderst raße: 8V3 Uhr Männerquartett. Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Graf Cohn".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns mUgeteitt, dah bei der heutigen Auf­führung vonMignon" Rich. v)m Schenck als Laertes und Adolf Riedel als Friedrich mitwirken werden.

Der Bühnenvvlksb und will jetzt seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Zur Werbung von Mitgliedern hat er Einzeichnungslisten in den Buchhandlungen und bei Challier aufgelegt In Vorbereitung ist zunächstWieland, der Schmied" von Friedrich Lienhard. Die Spiel-

Wenn d' fein bessern Himmel machen kannst, nacha dersst dich Heimgeigen lassen!"

So? Also trenn du ein schöner'n Himmel machen kannst, da hast d' Kceid'n!"

Und der Angerufene schickte sich eben an, ben Duckel aus dem Himmel hinauszubringen.

Halt, des gibt's net wie der Himmel iS, so bleibt er drei sind schon durch ben buckelten Himmel durch die mühten sonst auch wieder zruck tu bei Kreid'n to .j, damischer Hans- wurscht, und laß ben Himmel stehn, sonst hau'n wir dir eine runter, mei Liaber!"

Da ließ der damische Hanswurst ben Himmel wie er war.

Auf einmal war die Sophie niedergefallen, gerade auf die höllischen Rechtecke. Man lachte. Aber wie sie aufstand, zeigte sich das Unalück:

»Iefles, b' Sophie hat mit ihre dummen Röck' die vierte Holl' ausgewischt l"

Aber der Sachverständige für Höllenkreise hatte bald den Schaden wieder gutgemacht.

Eifrig ging es weiter. Die Gesichter glühten und die Augen glänzten.

Ich aber schaute unb schaute. Und auf einmal schaute ich durch die kindischen Kreidekreise durch und sah darunter das Leben der Erwachsenen liegen. Sonderbar es deckte sich genau mit oben ...

2lls ich mich leise aus meiner dunklen Nische fortschlich, war die schlanke Leni mit ihrer Seele unter Iubelgeschrei gerade im siebenten Himmel angelangt Dicht auf den Fersen folgte ihr des Franzens Seele.

Da is nur der windige Himmel schuldF rief er,wer hat beim überhaupt den buckligen Himmel da gemacht?"