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Dienstag, 8. April 1924

U4- Jahrgang

Erstes Blatt

GietzrnerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Bre<f mid verlos i vrLhl'lche Univers!tStr-Vnch- mi LteiildruSerei R. Sange in Metzen. Schriftleitnns imd SeschästsfteSe: SchslMatze 7.

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Das deutsche Gefängnis.

Das Reiseverbot der Reichsregierung hat in Weiten Kreisen Die eine Bombe eingeschlagen, Lausende von Mittelstandsexistenzen durchaus nicht Schieber und Gewinnler - hatten sich nach 10 Jahren unsäglicher Entbehrungen und nach einem unerhört harten Winter darauf ge­freut, mit em paar Hundert ersparten Renten- mark tvieder fremde Luft zu atmen, ftch vielleicht von südlicher Sonne bestrahlen zu lassen und die Lugen zu öffnen für das, Das außerhalb der so eng geworbenen deutschen Grenzpfähle vorgeht. Diese Hoffnungen fallen nut einem Schlag in Trümmer. Der Ukas des Finanzministers, der eine besondere Pahgebühr von 500 Goldmark verlangt und das MarLausfuhrverbot auf den Gohvlungsreisenden ausdehnt, schafft em .deutsches Gefängnis, wie es im Kriege war, schafft eine Selbst blockade, deren verheerende Wirkung auf daS deutsche Kultur- und Geistesleben nicht ausbleiben wird. Denn Wer Wirb nun reisen und wer Wirb zu Hause bleiben? Reisen wirb Weiter der, den das Gelb juckt, um es auf snobistische Art an internationalen Luxusorten zu verprassen. Raffke und Reureich mit Familie werben weiter in den ersten Hotels der Fremde sich breit machen, werben bie Sektpfropfen schon beim Frühstuck knallen lassen unb bas Deutschtum durch ihr abstoßendes Benehmen in Verruf brin­gen. Zu Hause bleiben die bescheidenen Durch­schnittsmenschen, bie Bildungshungrigen, die Leute, bie ihre Verwandte im Auslande besuchen wollten unb nun um biefe einzig mögliche, Weil verbilligte Erholungsreise gebracht sind. 3m Blockade- gefängnis sitzen jetzt wieder die Angehörigen der verschiedensten Berufsstande, die Lehrer, vor allem die Sprachlehrer, die Techniker, bieStudenten" im weitesten Begriff, nicht nur die Akademiker. Sie alle könnten sich, da Deutschland der teuerste Boden für Reisende geworden ist, eher das Aus- land als das Inland für ein paar Ferienwvchen leisten. Die Derordnung über das Reiseverbot enthält also schon beim ersten Anblick bedenlliche Lücken. Wollte man sie ausfüllen, so muhte man so ziemlich alle Schranken, die man errichtet hat, Dieder fallen lassen. Es stellt sich heraus, dah man mit der bureaukratischen Eindämmung der Reiselust nicht das erreicht, Das man sich dachte, Im übrigen aber nur Unheil anrichtet. Am 1. April waren an allen deutschen Grenzen tot eher die Zustande eines Kulturlandes hergestellt wor­den, indem man bie Zollkontrolle in die Züge verlegte. Dom heutigen 5. April ab soll sie wieder in den engen, unzulänglichen Abferttgungsräumen der Grenzbahnhöfe ausgeübt werden. Unendlicher Aerger, Verdruß, Verluste. Gesundheitsstörungen unb neue Empörung Werben bie Folge sein. Unb welche Wirkung auf das Ausland, mit dem der Strom der deutschen Reisenden Dieder Fäden der Annäherung und Verständigung knüpfen sollte? Das Betrübendste ist, daß bie Sperre am aller­meisten bie deutsch böhmischen Bäder, die Deutsch- Schweiz, das dei'.ffchsprechende Süd­tirol unb bas verhältnismäßig deutschfreundliche Italien trifft 1 Welch politischer Schild- bürger st reich liegt also in bem Reiseverbot I Reichssinanzminister Dr. Luther hat in der denk­würdigen Kabmettsihung, die bie Freizügigkeit des deutschen Staatsbürgers mit einem Feder­strich ohne Ermächtigungsgesetz aufhob, geltend gemacht, dah das viele Reisegeld der Rentenmark- toährung gefährlich Werben dürfte. Warum Wird dann die, man kann nicht anders sagen, als: zügellose Einfuhr von Austern, Kaviar, Hummern, Ananas, kalifornischem Obst unbausgerechnet Bananen" gestattet? Hier Wäre eine cinbärn» menbe Verordnung viel eher am Platze gewesen. Unb warum läht man bie Grohverdiener unb Spekulanten Weiter bas deutsche Gelb in Mil­lionen Rentenmark ins Ausland schleppen, wäh­rend man die Kleinen, bie sich erholen und bilden Wollen, zu Heloten unb Hörigen macht? Das War fein Meisterstück. Man lasse den Blockade- plan fallen unb besinne sich auf etwas Besseres!

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Aus unserem Leserkreis erhalten wir u.a. frigenbe Zuschrift, der Wir um so lieber Raum geben, als sie zeigt, welche Kreise in Wahrheit von der Verordnung betroffen Werden. Es heißt dort:

Seit einiger Zeit beschäftigte sich bie Presse des In- wie Auslandes in längeren Artikeln mit den Reisen Deutscher ins Äisland, besonders nach Italien, und Dies darauf hin, Die sehr durch das unverantwortliche Schlemmen unb Protzen deutscher Reisender dem Ansehen Deutschlands, dem internationalen Hilfswerk für unsere not­leidenden Dolksgenossen unb der DarlehnsWürdig­keit unseres Staates geschadet Werbe. Wie nun gestern veröffentlicht, Werden diese Auslands­reisen in Zukunft durch eine Verordnung des Reichsprä sidenten in Uebereinft imnumg mit dem Reichskabinett dadurch unterbunden, dah für die Ausstellung dersteuerlichen Unbedenklichkeits- errlärung" eine Gebühr von 500 Mark erhoben Wird, und insgesamt nicht mehr als 500 Mark mit nach dem Ausland genommen werden dürfen. Glauben das Reic^öabinett unb der Herr Reichs­präsident wirklich, bah bamtt das Aergernis be­hoben wird? Die Herrschaften, bie burch ihr Auftreten im Ausland unser Volk in Mihkredit gebracht haben, bie S>e'.Ten Raffke, Reureich unb Schieber, werben Wahrscheinlich auch bie 500 Mark für ihre unverdientesteuerliche Unbedenk­lichkeit serllärrmg" aufbringen. Unb ihren Geld­bedarf im Ausland, der 500 Mark übersteigt, werden sie auch auf bargeldlosem Weg in Mai­land, Rom ober Venedig zur Abhebung bereit» gestellt haben. Also diesen Herren geschieht nichts. Dagegen derkleine Mann", der unserem An­sehen sicher nicht geschadet hätte, wenn er~ mit dem Rucksack im Reiseanzug nach den Kunstslätten

Der Bericht der Sachverständigen.

Ein Auszug dssMatin": Kontrolle der deutschen Einnahmen. Die Goldemissionsbank. - Die wirtschaftliche Einheit Deutschlands. - Herabsetzung der Zahlungsverpflichtungen. - Eine internationale Anleihe. Die Reichsbahn.

des Südens gewallfahrt Wäre, darf nicht fort, Weil die 500 Mark für biesteuerliche UnbebenE» lichkeitserklärung", bie man einem Lehrer ober Richter sicherunbedenklicher" geben kann,_ als einem andern, seinen gesamten Reiseetat über­schreiten. Es ist immer das alte Lied: Die Kleinen hängt man, unb die Großen läßt man laufen. Beim Mittagstisch sitzen mir zwei junge Lehrer gegenüber deren einzige Unterhaltung seit Wochen die Italienreise ist. Jeder Pfennig wird gespart, der Reffeplan dem Geldbeutel entsprechend jeden Tag burchgesprcchen und jetzt ist ihre ganze Freude durch einen Federstrich zerstört. And wieviel Donne^ Würden diese beiden jungen Men­schen nicht nur selbst in sich getrunken haben, nein, ich sehe sie, wie sie im Lateinischen, im Geschiehts° oder Erdkundeunterricht ihren Gym­nasiasten erzählen vom alten Rom, von der Ratur des Südens, vom Colleoni und all den Kunst- schähen Italiens, und so der ganze Unterricht in der Schule neu belebt Wirb. Wenn jetzt mittags nur das Wort Italien fällt, schmeckt keinem das Essen mehr; unb ich sehe im Geist, wie Herr Raffke im Süden nichtunter Palmen wandelt", fenbern am Golf von Reapel im Auto sausend, Benzingestank, Staub unb Aergernis verbreitet ober in einer römischen Bar mehr trunken von Schaumwein unb Asti spumante als von der

Paris, 8. April. (WB.) DerMatin" ver­öffentlicht einen Auszug aus bem Bericht des Sachverständigenkomitees. Der Bericht des Ko­mitees Dawes umfaßt 60 Seiten.

Erste- Kapitel: Sanierung der deutschen Finanzen.

Um das deutsche Budget auszugleichen, verlangen die Sachverständigen vom Deutschen Reiche eine sehr strenge Kontrolle über die Ergebnisse der deutschen Steuereinnahmen. Falls trotz der ge­troffenen Vorsichtsmaßnahmen wiederum die Fi­nanzen in Anordnung gebracht unb Verfehlungen in der Ausführung der Reparationsverpflichtun­gen eintreten würden, Würden die Sachverständi­gen die a u t o m a t i f ch e E i n r i ch t u n g e i n e r alliierten strengen Kontrolle vorneh­men, der man bie weitgehendsten Befugnisse zu- erfcnne. Die Sachverständigen schlagen aufeerbem vor, bah Anteile ber Budget einnahmen, wie Zölle, sowie gewisse Verbrauchssteuern auf Tabak unb Alkohol, bireft an bie bei ber neuen Goldemmis- sionsbank errichtete Kasse abgeführt werden

Zweites Kapitel: Die Goldemissionsbank.

Die Sachverständigen hätten deshalb einen sehr vollkommenen Plan für die Schaffung einer inter­nationalen Goldemissionsbank aufgestellt, bie spä­ter die Reichsbank, die Rentenbank unddie Schacht- sche Goldkreditbank in sich aufnehmen solle. Die Goldemissionsbank habe ihren Sih in Ber­lin. Sie werde gegründet mit einem Kapital von 4 Millionen Goldmark. 1 Million Aktien werbe der Reichsbank gegen Hebermittelung ihres Al- tivumS effffchl. des Immobilbesitzes übermittelt und 3 Millionen Aktien würden den internationalen Zeichnern angeboten, bie natürlich im Aufsichts­rat vertreten sein sollen.

steuer, die 200 Millionen Goldmark einbringen soll. Im zweiten und dritten Jahr soll Deutsch­land je 1200 Millionen Goldmark unb im vierten Jahr 1750 Millionen Goldmark zahlen. Deutsche land könne nad> Ansicht der Sachverständigen vom fünften Jahr ab jährlich 2460 Millionen zahlen. Dom sechsten Jahr ab werde bie Reparativ nskom- mission von Deutschlanb jährliche Zahlungen verlangen, bie je nach einem gewissen Desserungs- schein festgesetzt werden sollen, den bas Komitee Datoes bestimmt hat.

Fünftes Kapitel: Die Reichseifenbahnen

sollen auf 50 Zähre an eine Gesellschaft mit einem K/rpffal von 26 Milliarden Goldmark kon­zediert werden.

Sechstes Kapitel: Die Konvertierung der deutschen Zahlungen.

Summa-Summarum hingen die verschiedenen Ka­pitel, bie zu dieser minimalen Annuität von 2Vs Milliarden beisteuerten, eng miteinander zusam­men. Jedes Defizit unter einem dieser Punkte Werde einer gleichartigen Forderung ber Repara- tionskommission gegenüber den anberen Kapiteln entsprechen. Ein Defizit bet den Eisenbahnen oder den Hypotheken würde, tote oben erklärt, gedeckt Werben durch Mittel aus den fisüolffchenEiirnahme- quellen des Reiches, die über die vorgesehenen Beträge hinaus erhoben würden.

Mit Recht betrachteten bie Sachverständigen dieses letztere Problem als schwieriger, denn bie Frage, wieviel unb wie Deutschland zahlen solle. Sie hätten es lange studiert unb schlügen die Er­richtung eines ständigen Komitees, bestehend aus 5 Kommissaren, vor, von denen jeder einzelne Speziallst sein und zu denen je ein von ber Reparationskvmmffsion vorgeschlagener unb

Drittes Kapitel: Das Ruhrgebiet.

Die Sachverständigen glauben, dah die wirtschaft­liche Wiederherstellung Deutschlands nur unter einer Bedingung auf bie Dauer gesichert Werden könne, nämlich Wenn die Wirtschaftliche Einheit in Deutschland Wiederher» gestellt Werbe. Ohne die militärische Besetzung des Ruhrgebiets anzuschneiden, erftären bie Sach­verständigen, dah es nötig sei, Deutschland die

von den Regierungen genehmigter Vorsitzender hinzukommen solle. Dieses Komitee solle bie Lei­tung eines verwickelten und heiklen Mechanismus innehaben, ber in letzter Linie die Ausgabe hätte, einerseits bie Konvertierung der Kapitalien vor­zunehmen, bzto. einzelne anderseits gewährte Ka­pitalien zu vermitteln, die vorübergehend in Deutschland belassen werden müssen, weil sie sich im Augenblick nicht konvertieren lasten.

Schönheit des Südens in den Armen einer Römerin liegt. Dr. Sch-r.

freie Dersügu ng in den von den Truppen besetzten Gebieten in feinen Zolleinnahmen, in seinem gesamten Staatsbesitz und seinen Eisen­bahnen in Gestalt von regionalen Direktionen Wieberzugeben. Die Eisenbahnen des Rheinlanbes unb des Ruhrgebietes Werben von einer interalliierten Kommission über­wacht, um den normalen Betrieb, b. h. die Sicherung ber Desetzungstruppen sicherzustellen unb um alle Erleichterungen zu gewähren für eine evtl. Wieberaufnahme der Besetzung.

Viertes Kapitel:

Steigen der Jahre semnahmeu.

Um die finanzielle unb wirtschaftliche Wiederher­stellung Deutschlands zu ermöglichen, schlagen die Sachverständigen vor, daß man Deutschland eine Herabsetzung seiner Zahlungsver­pflichtungen gewährt. Deutschland werde im ersten Jahr 1 Milliarde zahlen, aufgebracht durch eine internationale Anleihe von 800 Millionen Goldmarkund durch eine Verkehrs»

England

und die MieumverLrLge.

Paris, 7. April. (WTB.) DerTemps" schreibt in seinem Leitartikel zur gestrigen Rede des Ministers des Aeuhem Dr. Stresemann in Kiel, der deutsche Botschafter habe in einer Unterredung mit Poincare den Auftrag gehabt, Verhandlungen zwischen den beiden Re­gierungen über die Micumvertr ä g e cin^u» leiten oder vorzuschlagen. Der französische Mi­nisterpräsident, der auf dem Standpunkt stehe, bafj über die Erneuerung der Verträge un­mittelbar zwischen den deutschenIn- dustriellen und der Micum verhan­del t werden müsse, habe eine birerte Ausein­andersetzung zwischen Paris und Berlin ad- gel e b n t. Cs handle sich darum, die Verhand­lungen abzuwarten, zu denen e§ im Ruhrgebiet kommen werde. Habe Stresemann etwa dadurch, daß er noch vorher die Debatte in eine Wahl- Versammlung getragen habe, bie deutschen In­dustriellen beeinflussen ober habe er auf bie französische Regierung einWirten Wollen, in der Hoffnung, dah Frankreich seinen Beschluß rück­gängig mache ober sich zu Verhanblungen mit

Kanzierbesuch auf der Frankfurter Messe.

F r a n k f u r t a. M., 7. April. (Wolff.) Zum Besuch der Frankfurter Messe sind heute Per eingetreffen Reichskanzler Tr a r x mit Staatssekretär Bracht. Reichswirtschaftsminister Dr. H a m m, Reichsfinanzminister Dr. Luther, preußischer Staatssekretär Dr. Dönhoff, baye­rischer Ministerpräsident v. Änilling, der bayerische Gesandte in Berlin Drv- Preg er, badischer Staatspräsident Dr. Kohler, bei ba» dische Minister Trunk, hessischer Staatsprasl- beto Ulrich, hessischer Minister Raab und Ministerialdirektor Dr. v. Schonebeck. Rach einem Rundgang durch die Messe fanden sich die Reqicrungsvertvet'er, Vertreter der Stadt F.ank- fur? unb der Messe sowie eine Anzahl von Pressevertretern, darunter auch mehrere aus bem Ausland, aus Oesterreich, Ungarn, ber Scoweiz und Italien zu einem Essen im Klub für Handel, Industrie unb Wissenschaft zusammen, wo Ober­bürgermeister Voigt die Erschienenen namens der Stadt unb ber Messe begrüßte.

Der Reichskanzler Dr. Marx hob in seiner

Berlin bereitfinbe? Wie bem auch sei, Strese» mann habe sich eines Arguments bedient, bas ihm die Verhanblungen nicht erleichtern Werbe, inbem er erklärt habe,

daß die. englischen Großbanken ben deutschen Industriellen allen Kredit verweigerten, so lange die Micumverträge beständen.

Diese Aeuß-erung werde nur erklärlich. Wenn man annehme, daß keiner von den Krediten, die den deutschen Banken zur Verfügung gestellt würden, direkt ober indirekt, b. h. durch Vermittlung ber neuen Golbbiskontbank, zugunsten der deutschen Unternehmer verwendet werben bürste, die sich für eine Der län gerun g ber Mieum- verträge bereiterflären. Das wäre ein regel­rechter Boykott. DerTemps" geht sogar noch Weiter in seiner Auslegung der Stresemamischen Erllärung. Sie bedeute, bah die größten eng­lischen Kreditinstitute unb selbst bie Bank von England hätten wissen lassen, Deuffchlanb würde die für bie Golbdiskontbank notwendigen Kredite nicht erhalten, wenn bie Ruhrindustrie in den Stand gesetzt würde, die mit den französisch-belgi­schen Behörden abgeschlossenen Verträge noch länger auszuführen. Wenn Stresemann sich also in feiner gestrigen Rede nicht getäuscht habe, ft hätten also die englischen Danken genau da s Ge g enteil von dem getan, was man hätte wünschen können.

Sie gaben ihren Kredit unter der Dedinguug^ daß Deuts^and den passiven Widerstand im Ruhrgebiet wieder aufnehme.

Das Wäre ein Wenig stark. Man begreife, daß die französische öffentliche Meinung das Bedürfnis habe, Aufklärung zu erhallen. Sollte London dementieren, so würbe das bie Erneuerung der Micumverträge erleichtern. Käme aber kein De­menti, so wäre es fraglich, ob Deutschland Grund habe, sich dazu zu beglückwünschen.

Hierzu schreibt das halbamtliche Wolffbureau Die Mifregung, die berTemps" in feinen Aus­führungen an den Tag legt, ist nicht recht ver- stänblich. Der ber Kreditgebung im internationalen Wirtschaftsleben handelt es sich ntcht um poli­tische Gesichtspunkte, sondern um rein geschäf tliche Transaktionen. Die dnttsche In­dustrie hat stets betont, daß sie bie Micumver­träge nur unter Zuhilfenahme internationaler Ärebite überhaupt erfüllen konnte. Dieser inter­nationale Kredit ist ihr nicht in bem Maße zur Verfügung gestellt toorben, als sie hoffte und als es für sie notwendig war.

Insbesondere sind die Hoffnungen auf «ine starke Beteiligung der englischen Dankwell an diesen Krediten vergeblich gewesen. Ma» hat in englischen Dankkreisen die Empfindung ge­habt, daß die Micumverträge eine Rentabili­tät der von ihnen betroffenen Unternehmun­gen unmöglich machten und bei längerer Dauer die Unternehmungen zugrunde richten müßten, wie der Minister des Aeußeren in Kiel aus- ge fuhrt hat.

Infolgedeffen sind aus rein geschäftlichen Erwägungen englische Kredite für bie führenden deutschen Unternehmungen nicht zu erhalten ge­wesen. Mit ber Golbdiskontbank unb ber Bank von England haben diese Dinge gar nichts zu tun, wohl aber mit der Einstellung toirtt schaftlicher Kreise zu der Wirkung der Micumverträge. Diese rein wirffchastliche Betrach­tung über die Wirkung dieser Verträge muß wohl auch von französischer Seite inner­lich als zutreffend angesehen Werben, sie wirb 'sicherlich auch von französischer wirtschaft- sicher Seite als richtig erkannt werben, unb es ist em untauglicher Versuch besTemps", biefe rem wirtschaftliche Erkenntnis dadurch zu trü­ben, dah er bie Diskussion auf bas poli­tische Gebiet überleiten möchte.

Erwiderung den starken Eindruck hervor, den di« Frankfurter Messe auf ihn gemacht habe. Hier zeige sich ber feite Wille des deutschen Volkes, wirtschaftlich Wieder emporzuk^mmen.

Dennoch fehle es in erheblichem Maße an einem starken wirtschaftlichen Fundament, nämlich an der starken Stützung durch Kredite, die wir in so außerordentlichem Maße notwen­dig hatten.

Hetzt sehe man Wirklich, daß das deutsche Volk lebcnskräftig fei, wenn es nur Luft unb Licht von feinen Rachbarn in gerechter Werse zugeteill be­komme Deutschland werbe sich aufschtoingen, wenn man ihm bie Wirtschaftliche Freiheit lasse, wenn man alle Engherzigkeit zu rückstelle unb Wirklich einmal unsere Hanb, die so echt deutsch auch den bisherigen Femben entgegen» gestrickt wurde, ergreife unb mit uns überlege, tras man zum Ausgleich der durch den Krieg herbeigeführten Schäden tun solle, unb zwar nicht nur zum besten Deutschlands, sondern auch Gu­rr Pas uni) der ganzen Welt. Er sehne bie ©tunbe herbei, in der man den Geisteszustand aufgebe, baß man sich nur durch Roten unterhalte and tob man einsehe, daß man miteinander Der« handeln müsse. Die Welt verlange irach einer Kräftigung ber deutschen Wirtschaft. Die Zeit,