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3m Flugzeug zur britischen Reichsausstellung.
Don QL v. Knobelsdorfs, Berlin.
II „Wunderland 3B ent biet)“*).
London steht im Zeichen der Wembley-Ausstellung. Ihre Reklame beherrscht das Straßen- bild, den Lokalteil der Tagespresse Ihre Darbietungen und noch mehr die „Attraktionen“ ihres Vergnügungsparkes biwen den Gesprächsstoff der Dergnügungsreiserrden, mit denen London üle- Kist. Die Hotels machen Riesengeschäfte. Das
stellungsgclande liegt etwa 6 englisch: Meilen im Nordwesten des Hyde Park. Hunderte rlÄtrische Straßenbahnen, etwa 80D Autobusse ünd eine Unmenge sonstiger Fahrzeuge bieten hinreichend Bef örderungsmöglichk-. t.en.
Schon vor dem Eintritt h.tt der Desucher Gelegenheit. das Organisationstalent der Ausstel- Vrngsleitung zu bewundern. Etwa 25 Zugänge nebeneinander vermitteln den Eingang in Wembleys Wunderland, schmal und nur für eine Person Raum lassend, aber aus organisationstechirischen Gründen gesondert für Erwachsene und SWnber. Eine unaufdringliche aber zuverlässige Sichtung. Geldwechsel findet an den Eingängen nicht statt, auch werden keine Eintrittskarten verabfolgt. Wechselkassen vor den Eingängen sorgen dafür, daß jeder erwachsene Desucher sine anderthalb Shilling, jedes Kind seine dreiviertel Shilling bereithält. Den Obolus gibt der Desucher einfach an der Kasse ab und hat das Recht za passieren, indem er durch ein Drehkreuz schreitet. Hierbei wird er gleich autvmatilch gezählt. Durch Addition weih die Leitung wenige Minuten nach Schluß der Ausstellung um 11 Uhr abends, wieviel Erwachsene und wieviel Kinder an jedem Tage die Anlage besucht haben. Ich sah einen Massenandrang an einem Sonnabend nachmittag, wo infolge des Halbfeiertages die Geschäfte früher schließen und viele Angestellte und Geschäftsleute hirekt aus der City nach Wembley fuhren. Da
•) Siehe die Ausführungen QL v. Knobels- borff's in der Freitag-Aasgabe unseres Mattes.
Farbenstudent und sozialer Ausgleich.
Don Kurt S i e m e r s.
Pflicht des national gesinnten Studenten ist es. deutsche Irredenta in verloren gegangenen deutschen Grenzmarken wachzuhalten und zu unterstützen. Diesen Kampf um entrissenen deutschen Do den müssen wir aber auch auf anderes, geistiges Gebiet übertragen, wo dieser Kampf mindestens ebenso wichtig ist: In der Seele des politisch (d. h. sozialistisch) gerichteten Arbeiters hat das Deutschtum erschreckend viel Doden verloren. De- Wris: Die Tatsachen des 9. November.
Qlllerdings ist das nicht von heute auf morgen Schehen, nein, wir haben fast ein halbes Iayr- rbert hindurch, wenn auch uns selbst un- ouht, dazu beigetragen, den Handarbeiter, der ursprünglich so gut Deutscher ist wie wir, seelisch zu isolieren. Hand in Hand ging damit die Industrialisierung unseres Landes, die Mechanisierung der Fabrikarbeit. Das sogenannte Proletariat geriet in wirtschaftliche und vor allem in seelische Not. Wir, die wir ans dem Dürgertum zuzahlen, verstanden das nicht, und so wuchs unheimlich die Kluft zwischen den Klassen. Die Daterlands- liebe begann zu einem Luxusgegenstand für die sogenannten besitzenden Klassen zu werden.
Das Ende des Krieges erhellte blitzartig die Lage und lieh uns allmählich zum Dewuhtsein unserer Unterlassungssünden kommen. Indessen schien nichts mehr zu retten: der Sozialismus aller Schattierungen hatte seit vier Jahrzehnten plan- mäßig und ungehindert die Unzufriedenheit des schaffenden Mannes aus dem Volke mit seinen kärglichen wirtschaftlichen Möglichkeiten ausnuhen und den Doden für seine Zwecke durch utopische Dersprechungen bereiten können. Daß der Polizei- fäbel die denkbar ungeeignetste Waffe dagegen war, ist uns schmerzlich bewiesen worden.
Der klassenbewuhte Arbeiter rechnet den Akademiker ohne weiteres zur „besitzenden Klasse", Vie ihn „unterdrückt, aussaugt und aus seinem Felle Riemen schneidet". Daß diese Auffassung manchmal eine traurige Ironie angesichts der Hungerlöhne für geistige Arbeit enthält, das Wird von dem betriebtüchtigen Demagogentum der Leute von der roten Couleur wohlweislich verschwiegen.
Der Farbenstudent hat den zweifelhaften Dorzug, sich zu den vom Arbeiter bestgehaßten Seuten zählen zu dürfen. Der Arbeiter verallgemeinert auf Grund sorgfältig gepflegter Dor- urteile ohne weiteres die Erllusivität einzelner Verbindungen oder Verbände. Man kann ihm das um so weniger recht Übelnehmen, als auch dem Farbenstudententum Fernstehende gleicher Gesellschaftsklassen völlig schiefe und einseitige Vor- Stellungen über das Verbindungsleben haben. Kurzum, zwischen der Masse des Volkes, repräsentiert durch den politisch organisierten Handarbeiter. und dem Akademikertum, dargestellt durch den Farbenstudenten, gähnt eine gewaltige Kluft.
Liegt hier die Schuld lediglich auf einer Seite? Zweifellos nicht. Gewissermaßen passives Verschulden des Intellektuellen, des Aka- tzernikers. ist es, daß er nicht versucht hat, sich dem Handarbeiter zu nähern, sich geistig auf ihn einzustellen. Ihm heute diese Unterlassungssünde vorzuwerfen, ist zwecklos. Ebenso verkehrt ist es aber auch, jeden Arbeiter, der sozialistisch denkt und fikhlt infolge seiner politischen Kinderstube, als unbedingt bösartig oder minderwertig hinzu- stellen. Diese Bemerkung ist nicht ganz überflüssig, denn gerade der jugendliche Aktive, der noch nicht im Leben gestanden hat, ist natürlicherweise leicht zu einseitiger und vorschneller Deurteilung geneigt
Für den Gedanken der Volksgemeinschaft Ware damit auch nicht das geringste gewonnen. Denn wir wollen ja wieder auf bauen, auch seelische Werte, die der Krieg zerstört hat. Wir Wollen Positives schaffen, und das kann man nicht, indem man schlechthin negiert und überflüssige Schuldfragen erörtert.
Wahrlich, einen schier unübersteiglichen Wall von Mißtrauen, verstärkt durch die Dastionen gewissenloser Parteidemagogie und blödesten Schlagwortunfugs, haben wir sogenannten Intellektuellen heute in der Seele des Arbeiters zu überwinden. Nicht in papierenen Entschließungen Und gutgemeinten Leitsätzen darf sich unser soziales Verantwortungsgefühl erschöpfen. Wir
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)
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müssen wahrhaft sozial denken und — vor allem — handeln lernen; nur dadurch können wir dem Sozialismus als Parteidoktrin Paroli bieten.
-Unsere Pflichten gliedern sich in ein Tun und ein Unterlassen. Vermeiden muh der Farbenstudent unbedingt, als bummelnder und renommierender Nichtstuer zu erscheinen. Es ist tief beschämend, wenn sich noch heute Studenten in Dändern und Mützen öffentlichen Alkoholmißbrauch zuschulden kommen lassen. Uebertrie- bene Schn.idigkeck und Stu^ertum m ssen unter den heutigen Umilanden ebenfalls abstoyend und auf den Arbeiter verbitternd wirken. Mütze und Dand sind ja nicht dazu da, um damit Eindruck zu schinden, sondern nach außen hin das Gemeinschaftsgefühl zu betonen.
Kleinarbeit im täglichen Leben vermag viel Es ist durchaus nicht „uncouleurfähig", etwa in der Elektrischen einer alten Frau den Marktkorb verstauen zu helfen. Wahre Ritterlichkeit kann hier das überlegene Lächeln einer Schieberseele geruhig ertragen. Es beschmutzt auch nicht die Farben, wenn ein Student mit dem einfachen Mann von der Straße gelegentlich ein paar freundliche Worte tauscht. Diese Fühlung mit dem Volke ist dem Studenten erst im letzten Jahrhundert verloren gegangen. So war es beispielsweise im Anfang des 19. Jahrhunderts in Halle Brauch, daß die Halloren, die Bruderschaft der Salzwirker, mit den Studenten auf sich in kleineren Universitätsstädten noch länger Duzfuß standen. Aehnliche Gepflogenheiten haben erhalten. In der Eichendorffzeit sind Studenten und Handwerksgesellen noch gut Freund gewesen. Einern Fraternisieren soll hier nicht das Wort geredet werden, wohl aber einem gegenseitigen Kennenlernen.
Wir haben bisher der Vorstellungswelt des einfachen Mannes so erschreckend fern gestanden. Seine kleinen Nöte, seinen Alltag, seine Umwelt müssen wir wieder kennenzulernen versuchen und uns Mühe geben, die Erscheinungsformen dieser Welt auch einmal mit seinen Augen zu sehen. Dann werden wir manches an ihm verstehen. was uns vorher unbegreiflich schien. Denn aus dem Begreifen wächst das gegenseitige Ver- steheu — und damit ein Einfluß im edelsten Sinne.
Der ältere Student soll sich nicht scheuen, an der Volkshvchschulbeweguug mitzuarbeiten, selbst wenn er in ihr zweifelsohne vorhandene Fehler und Mängel erkennt. Denn der Gewinn aus dieser Mitarbeit ist gegenseitig. Für tfy;t bielet sich hier günstige Gelegenheit, terra incognita der Volksseele tennenjulemen. Freilich gewinnt man nicht durch gnädige Herablassung und fach- gelehrtenhaffe Ueberh.bung Doden. Als Primus inter Pares sollte hier der Student, als geistiger Mittler, zum Arbeiter sprechen, nachdem er, wie es ein Luther tat, dem gemeinen Mann aufs Maul gesehen hat. Aus eigener Erfahrung heraus vermag ich festzustellen daß man nach anfänglichem Mißtrauen und Mißerfolgen r.ich be- löhnt wird.
Sagt dem Qlrbeiter bei solchen Gelegenheiten, was ein Philologe oder ein Jurist im Staatsdienst mit 30 Lebensjahren verdient, deckt ihm das klagelofe wirtschaftliche Martyrium weiter Kreise des akademischen Mittelstandes auf. Dem Arbeiter, der für solche Gegenständlichkeiten besonderes Verständnis hat, wird derartiges von seinen Parteibonzen geflissentlich verschwiegen. Laßt ihn erkennen, daß euer Konservatismus eine Weltanschauung darstellt, die aus einem reinen, selbstlosen Idealismus geboren ist. Lehrt ihn durch euer eigenes Beispiel, abweichende Meinungen anderer zu achten. Zeigt ihm das Klünget- tum engflirnigei Parteipolitit und helft, den Arbeiter zum Selbstdenken zu erziehen. Führt ihn allmählich darauf hin, daß noch! immer im Dater- landsbegriff die starten Wurzeln unserer Kraft ruhen. Seid ein Vorbild der Sachlichkeit. Dor allem, zeigt euch selbst als Persönlichkeit, die nicht eine durch Schlagworte eingeengt: Herdei- meinung nachbetet. Denn dem Einfluß einer Persönlichkeit kann sich der Durchschnittsmensch auf die Dauer nicht entziehen.
Ein weiteres dantbares Betätigungsfeld bietet die Jugendbewegung. Die Sozialdemokratie w.iß, daß derjenigen Idee die Zukunft gehört, die die Jugend hinter sich hat. Warum fühlt sich der Farbenstudent nicht berufen, die nationale Arbeiterjugend, die nationalen Handlungsg hilfon- Dereinigungen" mit Einsehen seiner Per on tätig zu unterstützen durch Mitwirkung an Veranstaltungen
war kein Geschrei, kein Gedränge, alles ging in ruhiger und meist humorvoller Weise vor sich.
Der erste Eindruck beim Betreten ber Ausstellung ist der einer verwirrenden Viel eck g eit. Das englische Weltreich auf eilige Quadra Mo» meter zusammengedrängt. Neben indischen und burnesischen Templn westafr kmische Dörfer, !a- nadische Rauchen und südafrikanische Str-mßen- fatmen. Hochqualifizierte englische Industrieer- zeugnisse neben primitiven Han darb ilen, rle i e Maschinen neben dem Handw bstuhl aus dem Innern Afrikas. Weiß und gelb sin) die vorherrschenden Farben der Gebäude, daneben ab r auch Gold- und buntschillernde Töne. Archi el- tonisch ist der Durnesrsche Pavillon das Glanz- stück, technisch das rielge Stab on aus Beton und in der inneren Ausstattung die sehr vornehm gehaltene Ausstellung Kanadas. Jede Kalorie hat ihr eigenes Gebäud', meist typisch und den Landescharakter entsprechend. Indiens Pavillon nach Tempelmotiven aus Agra und Delhi, Ceylons Anlage nach dem Muster des Tempels Kandy. Ostafrika stellt seine Erzeugnisse in einem Gebäude in arabischem Stil zur Schau.
Etwa 15 englische Meilen Wege schlängeln sich durch das Gelände, so daß es unmöglich ist, an einem Tage einen Ueberblick zu gewinnen. Die Ausstellung hat daher ihr eigene3 Befördern ngssystem in einer dauernd in Bew guag befindlichen Stufenoahn, einer Tamp klein la n und einer Unmenge kleiner schienenlosen elektrischen Wagen.
Die Idee der Ausstellung stammt von dem verstorbenen L o r d S t r a t hc o n a , der si' schon im Jahre 1913 anregte. Sie dient der Propagierung des bekannten Chamberlainschen Gedankens, der politisch in dem Commonwealth of Nations und wirtschaftlich in dem Imperial pre- fetenco seinen Ausdruck findet. Mutterland und Kolonien sollen sich gegenseitig ergänzen, indem sie ihre Erzeugnisse g geneinander austauschen.
Am treffendsten finden diese Gedanken in dem Regierungsgebäude der „Downing Street" der Ausstellung ihren bildlichen Ausdruck. Für deutschen Geschmack etwas kindlich gehalten, aber
verschiedener Art, durchi tätigen Kontakt mit dieser begcisterungsfähigen Jugend? Auch hier ist ein weites Gebiet zu beackern, für des Vaterlandes große Sache; auch hier kann er um Verständnis werben für feine eigenen Ideen.
Mißerfolge bei dieser geistigen Pionierarbert bütfen nicht abschrecken. Ein grotzes Ziel verlangt heißen Kampf, und wir haben viel gutzumachen, was aus Gedankenlosigkeit veIäumt wurde. Die Mensur ist zwar ein wertvolles von vielen Mitteln niemals aber ein Ziel!
Unser erhabenes Ziel ist, das Vaterland wieder stark, groß und frei zu machen. Dazch dürfen tcu kein Mittel außer acht la Jen. Machen wir uns nicht lächerlich und schuldhaft, wenn wir unsere Zeit nur mit Me.isurblatsch, Früh choppen und später enger Examenspauterei ausfallen?
Der Vertrag von Versailles wird so lange Dauer haben, tote das deutsche Volke nochi nach verschiedenen Richtungen hin an den Kellen zerrt.
Unsere Feinde wissen es leider besser als ton selbst, daß unser Siebzigmillionenvoll, wenn es von einem einheitlichen Freiheits- willen durchgluht würde, seine Ketten zer.eißen könnte. Darum heißt gut deutsch sein auch frei sein. Wir Intellektuellen vermögen ohne den Handarbeiter ebensowenig wie dieser >öhne uns. Unsere Schuldigkeit ist es, den Anfang zu machen und dem Arbeiter näher zu kommen suchen, ihn zu lehren deutsch zu sein und deutsch zu.handeln. Alles andere, was wir sonst unternehmen mögen, sind gulg.meinte Tersuche mit untaugllchen Mitteln. Nicht in politischen Parteioersammlun- gen überzeugt man den Arbeiter, nrcht in Zeitungsartikeln, sondern im lebendigen Getriebe des Werktags, im persönlichen Verkehr.
Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß ähnliche Gedanken auch auf der Pfingsttagung der Deutschen Landsmannschaft in den Marburger Neuerungsvorschlägen angebeutet wurden. Bei den Duiichenschaften, hier und da auch in andern Verbänden, findet man gleichlaufende ©ebanlengängp. Wir wollen stolz sein, zum deutschen Volke zu gehören.
Arbeiten wir, jeder äu seinem Teile, daran, daß alles, was m Entschließungen und Leitsätzen „v:».ankert" wird, nicht nur klingende Phrase bleibt. Seid Vorbild und Beispiel ihr Farben- studentcn! Der Geist ist lebendig, aus dem heraus zu schaffen ihr berufen seid Seid tätig im Sinne des sozialen Ausgleichs: Das Vaterland fordert das von euch! >
Die erste kommunistische Gewerkschaft.
Von Gewerlschaftsvorsitzendcn Streiter.
Die „Erfolge" der Kommunisten bei den letzten Wahlen haben die Partei gegen die sozialistischen („freien“) Gewerkschaften einen Schlag ausühren lassen, der eigentlich erst auf dem bevorstehenden „Kongreß der revolutionären Betriebsräte" feierlich beschlossen werden sollte. Getreu dem Oluf» rufdesrussischenVolksbeauftragteii Sinowjew in der „Prawda" vom 7. Januar 1924 wonach „die Aufgabe der deutschen kommunistischen Partei die Vernichtung der Gewerkschaften" ist, ist ein kommunistischer Fabrikarbeiterverband gegründet worden. Er trägt den stolzen Namen „Industrieverband der Chemie" mit dem Sih in Ludwigshasen.
Nach dem wahnsinnigen Geschrei der kommunistischen Presse und dem angstvollen Verhalten der sozialistischen Gewerkschafts.,führer" mußte man annehmeu, daß mit dem Hervortreten einer kommunistischen Gewerkschaft das Ende der Welt einhergehen werde. „Wir werden zeigen, wie der Kampf zwischen Kapital und Arbeit geführt werden muß", so las man cs in kommunistischen Zeitungen. Als ich nun jetzt Einblick in die Satzungen der neuen kommunistischen Gewerkschaft erhielt, war ich — enttäuscht. Das sind ja die ersten gewerkschaftlichen Gehversuche, die darin unternommen werden! Hier paßt Severings Wort von den „politischen Kindern". „Gefüh'srevolu- tionäre“, wie man in Rußland sagen würde.
Nach § 1 der Satzungen der neuen kommunistischen Gewerkschaft sind ihre Ziele:
,,a) Hebung der wirtschaftlichen Lage ihrer Mitglieder,
b) Wei ertreibung (!) dne bisherigen Errungen schäft en ( die es ja doch eigentlich bisher überhaupt nicht gibt! Der Vers.) auf dem Gebiete der sozialen Ee,etzgebung, durchaus dem Massengeschmack entsprechend, ist in einer Reihe beweglicher Modelle in Bildern und Wandgemälden der gesamte Waren- und Menschenaustausch Englands mit den Kolon.en bargeftellt Zahlen sind nach Mögl chkeit vermieden, alles auf das Bildliche zugschnitten. Da wird zum Beispiel gezeigt, daß England viele seiner wichtigsten Produkte (Baumwolle, Gummi. Holz, Tabak usw.) aus dem „Auslande", d. h. aus nichtenglischen Gegenden bezieht, während seine Kolonien alle diese Stoffe sellst produzie en. Und weiter: von seiner gefam en Produ.t.on konsumiert das Mutterland 68 Proz, die Kolonien 10 Proz., während 22 Proz. ins nichtenglische Ausland gehen. Bei der Darstellung der Bevölkerungsbewegung z^iqt man daß sih in Großbritannien eine übermäßig große Bevö k rung auf einem kleinen Raum zu^arnm nb.ängt w h* nd ix den Kolonien weite Gebie e aus Ma. gel an Menschenmaterial ungenutzt li gm. Di: Überlastung der engl'.scken Lantwrtchxft wrd turch ein schwaches Pferd dargestellt. das den r'e igei Reiter der einheimischen Tevöllerung nicht zu tragen vermag, während die Landwirtschaft der Kolonien einem gewaltigen Lastpferde gleicht, auf dem ein winziger Reiter sitzt.
Die Nutzanwendung des Gedankens im Sinne einer engeren Verbindung wird so dem Be ußer auf Schritt und Tritt eingehimmert, w'rd ihm in hundertfacher Form unauffällig aber wi kun s- voll suggeriert. So ruft jedes der ausgestellten Bilder dem Beschauer zu: Sieh', so reich sind wir, was können wir aus uns machen, wenn wir die ruhenden Kräfte richtig zu nutzen verständen, wenn wir uns gegenseitig stützen würden. Wie sich Mutterland und Kolonien im Warenaustausch ergänzen können, so können sie sich auch in dem Austausch ihres Menschenmaterials helfen. So alt b e e Idee ist, so ist sie doch eine Nutzanwendung der Erfahrung des Weltkrieges, daß nur diejenige Nation den Erschütterungen eines solchen Ringens ruhig entgegensetzen kann, die, wie die Vereinig- ten Staaten, selbstversorgend ist und ihren Standpunkt in sich findet. Daher findet diese AuSstel-
Montag, 7. M (924
c) Arbeiter- und Arbeiterimrenschuh, sowie volles Einsetzen für die Interejen der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, d) volle Erhaltung (!) und voller Ausbau des Mitbestimmungsrechts der Arbeitern klasse in den Betrieben,
e) Kampf gegen Akkordarbeit und Prämien-- shstem, Äb,chaffung der Sonn- und Feiertagsarbeit (in der chemischen Industrie! Der Derf.) und Erkämpsung eines ausreichenden Urlaubes,
t) Einreihung in die allgemeine Kampffront der Arbeiterllasse zur 'Besei igung des privatkapitalistischen Systems und (nun wird's ganz schrecklich! Der Vers.) Einführung der sozialistischen Wirtschaft."
Das alles sind Bestimmungen, die in jeden leiblichen „freien“ Gewerkschaft auch stehen. Ola* türlich wird auch die „Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern grundsätzlich abgelehnt". 06 wohl die „Unternehmer" große Lust zu einer Arbeitsgemeinschaft mit den kommunistischen Gewerk-, schäften verspüren werden?
Den einzigen Gegensatz zu den sozialistischen Gewerkschaften habe ich in folgender! Bestimmung der Satzungen (§ 2) gefunden:
„Da wirtschaftliche Konflikte zu politischem Auseinandersetzungen führen, kann eS für di« Organisation kein Bekenntnis zur politischen Neutralität geben. Jedes Mitglied Hal ba4 Recht, sich politisch zu betätigen.“ Das heißt natürlich nichts anderes, als daß jedes Mitglied der kommunistischen Gewerkschaft die Pflicht hat, sich kommunistisch eifrig zu betätigen, denn die neue Gewerkschaft ist ja doch ein Teil der Partei, die sich nennt: „Kommunistische Partei Deutschlands, Qlbteilung Gewert- schaften".
Beiträge werden natürlich auch erhoben, trotz der- „Beitragssperre", zu der die Mitglieder bisher erzogen worden sind. Auch Unterstützungen! werden gezahlt, erstaunlicherweise aber nur »nach Maßgabe der vorhandenen Mittel" und „frei* willig". „Ein klagbares Recht steht weder den Mitgliedern noch dritten Personen zu". In der. bisherigen „Gewerkschaftsbureaukratte" war ba6 \ natürlich einfach unerhört! Sehr bezeichnend ist der \ § 7: „Jeder Streikende hat sich den Bestimmun« \ gen des Streikreglements zu unterwerfen." Wa» sagt dazu die „Rote Fahire", die immer bafL, eingetreten ist, daß die Mitgliedschaft in jeder Zahlstelle selbst zu bestimmen habe, waS sie tun will? Aber die „Gewerkschaftsbureaukratte“ durch „Bonzen" wird noch gesteigert durch die Desttm» mungen, wonach „Aktionen nur im Einverständnis mit der Zentralleitung vorgenommen werdenkönnen. DaS ist ja eine unerhörte Anmaßung gegenüber der „Masse des Proletariats"!
Noch einmal: enttäuscht legte ich die Satzungen aus der Hand. Ben Akiba hat immer wieder recht! Ein neues Bonzentum wird sich breit machen und zu „Verrätern an der Arbeiterklasse- Werben.
Das „Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale" in M o s ka u hat durch den „großen" Sinowjew Qlnfang Mai d. Is. einen Brief nach Deutschland gelangen laffen, der weiter nichts barstellt als ein schmähliches in den Armfallen der radikalsten Hetzer in Deutschland. ES ist plöh- llch mit einem Worte gebremst worden von oben' Daher mit einem Male die Bescheidenheit und Zaghaftigkeit im Kampf gegen die Gewerftchaften> denn es handelt sich nach diesem Moskauer Briefs nicht so sehr um das Schicksal der Gewerkschafts-t betoegung, sondern um das Schicksal der K.P.D^ selbst. Hier handelt es sich darum, ob dieK.P.D. tat« sächlich eine proletarische Massenpartei sein wird' oder nichll" Immer wieder heißt es „Drin- bleiben in den sozialistischen Gewerkschaften!" „Gründet keine besonderen kominunistischen Gewerkschaften!" „Zerstört sie von innen heraus!-
Moskau weih ganz genau, wohin dann die Reise gehen würde. Es heißt denn auch in dem Sinowjewschen Briefe:
„Wenn ihr versucht, sofort parallele Gewerkschaften .... zu schaffen, so werdet th« einen Kuddelmuddel erhalten. Machtvoll« proletarische Organifationen werdet ihr auf diese Weise nicht zustande bringen. Es würden eher Erwerbslosengewerkschaften, nicht aber Gewerkfchaf > ten arbeitender Genossen fein,* Sehr interessant fährt Sinowjew fort:
„Am Tage nach der Bildung dieser parallelen Gewerkschaften durch euch werden di« Massen sofort an euch die Forderung stellen.
hing zu einem außerordentlich günstigen Zeitpunkte statt, denn die meisten Besucher lind füc diese Gedankengänge durchaus zu haben.
Qlber unter dem Gedanken der tvirtschaftllchen. Propaganda schlummert ein politischer Hintergedanke. Imperialistische Warner haben oft genug erklärt, daß es nötig sei, die Zügel deS Reiches etwas straffer zu fassen. Die Unabhäng'g- keitsbetvegungen in Indien und Aegyp!en. der- Ausfall der Wahlen in Südafrika reden eine beredte Sprache. England fühlt dies instinktiv. Des-. halb soll die Ausstellung eine stumm? Mahnung und zugleich eine Aufforderung an die Kol anien und Dominions zum engeren Zusammenschluß s in.. Hier sollen die kolonialen Desucher seh.m. daß sie im Qliutterlartbe nicht nur den besten Abneh->. mer haben, sondern auch den besten Beschützer. Gleich dem Vater, der den Söhnen das Gleichniss von dem Rutenbündel erzählt, zeigt die Mutter England ihren Kindern in bilderreicher Sprache , so stark sind wir, wenn wir zusammen halten und uns gegenseitig helfen. Auch hier die Rutz-- anwendung des Gedankens der neuen Zeit, die im Zeich?n der Verselbständigung der Völker steht. Dem Gedanken soll im Rahnen der liberalen. Politik Enalcnrd soweit als möglich Raum gelassen werden, aber doch nur bis zur Grenze englischer Opportunität. So bi.bet dies? Ausstellung eine ideale Propaganda für die al’s. Chamberlainsche Idee, indem sie die ungeheure Kraft dcs Zusammenwirkens und die Stark? den Einigkeit predigt. Denn neb:n ten Verwendungsmöglichkeiten der Kolonialprodukte, neben ter Leistungssähig'eit Englands, zeigt der Pavilloi' in einer Reih? wirkungsvoller Stücke die Lei stungen Englands in friedlichen und kr'egrri ü.en Zeiten. Er lehrt die Erfolg? der D. kämpfung der tropischen Krankheiten, er zeigt die En'Wick? hing der Kolonisation, die Fortschritte im Sied lungswesen usw. Er zeigt aber auch die militcv rische Stärke zu Land, zur See und in der £?jr( Der starke Arm der Mutter überall, wo der Union Jack weht.


