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M. 133 Drittes Biart

Das liebliche Fest.

Eigentlich ist Pfingsten eine rein gedankliche Angelegenheit. Wenn man von dem Standpunkt einer abstrakten Naturphilosophie abweicht dann ist das Pfingstfest nicht so sehr Sache des Natur-- myl'hos wie ystern, die große Auferstehungsfeier, es ist inmitten des gewaltigen Theaters. in dem wir nur Staffage sind mit unserem welterfchüt- trrnden Tun und Lassen eine Sache des Geistes, nicht aber phantasiebeschwingter Feierlichkeit. Und dessen füllten wir Deutsche jetzt bewußt sein, daß es das Fest dec Ausbreitung des heiligen Geist>.s ist und wir sollten uns bemühen, inmitten der jubelnden Natur etwas von der optimistischen Lebensbejahung zu verwirklichen, die Pfingsten Heidt.

Ader man hat sich im lieben deutschen Vater­lande nur allzu sehr an jene konventionelle Go-, geben'heit gewöhnt, die die Feste feiert, wie sie fallen. Wir sind so naturfremd geworden ob= wohl unser ganzes Sein naturabhüngig ist. daß wir den harmonischen Zusammenklang unseres SPnnern mit dem geheimnisvollen Wesen der Na- turkräfte verloren haben; gleichzeitig bemühen wir uns um nichts so sehr als um die Zurückeroberung der Natur. Es gab eine Zett, die sich eine Pe­riode der Aufklärung nannte, da war die Losung retour ä la nature!" Man verpönte den Spi­ritualismus zugunsten der Intellektualität und kam so vom Regen in die Traufe. Heute ist es Geistigkeit die wir mit Gefühl garnieren, wir sind lauter Faustens, die alles studiert haben, Heiden Magister und Doktor und quälen uns mit sauerm Schwelst, zu sagen, was keiner weih. Da aber wo die Begriffe fehlen, sich immer noch ein Wort zur rechten Zeit einstellt, so haben wir ein reich- asfortiertes Lager von allen möglichen Theorien und Systemen, nach denen man die grohen Welt­rätsel löst und sich selbst beglückt. Ja, es gibt sogar Leute, die selbst an diese Rezepte glauben. Idealisten und Betrüger. Phantasten und Pro­pheten. meistens aber gute Deutsche, denen nichts fehlt als em wenig Pfingstgeist.

Marr soll an einem Fest, das derart in Schön­heit wrd leuchtende Farben getaucht ist wie Pfing­sten, nicht bitter werden über Menschlich-Allzu­menschliches. Aber man soll inmitten der blühen­den Pracht, wo altes in schwellendem Reichtum glänzt und das aufgeblühte Leben ein einzigen Hosrannarus zu Ehren des gütigen Schöpfers ist, den geistigen Charakter des Festes nicht ver­gessen. Denn Nachtigallenschlag und Lerchensang sind tiefempfundene Angelegenheiten der Lyrik uiib em Gang über die Fluren gewinnt land­wirtschaftliche Bedeutung, öhne daß diese gegen­sätzlichen Dinge, für die wir volles Verständnis besitzen, dem Wesen der Zeit entsprechen. Was wir brauchen und worauf wir auch im Frieden pfingstlicher Stille den Blick hinwenden müssen, das ist die Notwendigkeit, etwas von dem lieb­lichen Fest und seinem Geiste, fetwas von dec offen­barten schöpferischen Kraft der Natur und seiner ethischen Bedeutung für unser praktisches Sein zu verwirklichen.

Wir brauchen Stunden der Einkehr, um zu überlegen, wo wir am nächsten Tage den Kampf weit erführen,' denn fett zehn Jahren ist unser Dasein Kampf und die hohen Feste sind Pausen im Feuergefecht, llnö weshalb das? Weil wir in einen Weltkrieg gezwungen wurden, weil wir diesen Krieg verloren haben, weil Anabänder-- liches unser- Schicksal bedingte oder weil wir, wie der geistreiche Franzose Goncvurt einer der bei­den Brüder, sagte ein Volk von höherer Art als die Franzosen sind? Noch hundert Gründe könnte man aufführen, hundert Fragen stellen, hundert Thesen mit Antithesen beantworten. Nein, es hat keinen Zweck, sich in politischen und unpolitischen Abstraktionen zu verlieren, es must Klarheit ge­schaffen werden! Wir müssön in gewissem Sinne guiüa. zur Natur und wir müssen einsehen, daß es nur der Geist ist, der uns den Weg in eine erträgliche Zukunft weisen kann- der Geist der Arbeit Wenn dieser Geist endlich in dem Matze über uns kommt, wie über die Jünger, über die er ausgebreitet wurde dann wandelt er sich auch zur fruchtbare Tat, dann wird die seelische Not ein Ende haben und dann wird die sommerliche Zeit des Blühens und Reifens wieder über uns kommen, die aus der Saat des Leids und der Schmerzen Früchte reifen läßt. Wir müssen Klar­heit des Pfingstgeistes gewinnen, damit wir wie­der ein einiges Volk werden, wir müssen dies spekulative Politik der Zwietracht von uns weisen, um unser eigenes Schicksal meistern zu können. Vertrauen zu uns selbst, Vertrauen zum Segen opferwilliger Arbeit das sind geistige Er­rungenschaften, ohne die wir aus den Sackgassen der Not und Würdelosigkeit nicht hevauskommen.

Die Pfingstweide.

Don Rektor Frischholz, z. Zt. Wetzlar

Wandere auf und hin durch die schmucken Dörflein unseres Hessenlandes und über seine Grenzen, und dann sage mir, ob du mir eins nennen kannst, das nicht seine Pfingstweide be'iht oder ein einziges, in dem dir nicht jedes Kind den Pfingstbrunnen zeigen kann. Fünf Minuten oder zehn mutzt du vom Dörfchen abseits gehen, um auf den Anger zu kommen. Auf einer An­höhe grützt dich von ferne die Linde, dicht am Waldesrand, wenn nicht der Schattenspender in den letzten Jahrhunderten Axt und Hacke zum Opfer gefallen ist. Freya, du liebliche, du rot­bäckige Göttin, die Linde dort war dein Tempel, unter ihr klang das frohe Lied deines Dienstes durch die Jahrhunderte, gesungen von frischer Dorfjugend nach ihrer Weise. Die letzten Stürme eines eisigen Germanenwinters waren über die Landschaft dahingebraust. Die junge Sommer­sonne spann goldene Fäden über die Fluren, lockte Blumen und Schmetterlinge, lockte Jugend zu Jugend zu Spiel und Tanz. Harte Arbeit des Alltags Ausgleich am Sonntag, so will es die weise Mutter Natur. Leichtfüßig eilte die Jugend am Pfingstnachmittag zum Anger, gemächlich folgte das Alter. Jauchzende Freude jene auf Zunge und im Auge, mit sinnenden Gedanken diese. Voll Hoffnung die Jungen und voll Erwartung und im Herzen das ewige Rätsel vorn Menschen: voll Erinnerung die Alten und vorahnend das Neue und fühlend den Wechsel In Zeit und Menschentum. So will es die weise Weltordnung Allvaters. Weithin schallte das Jauchzen der Burschen in den sonnigen Pfingst­tag, verschämt und errötend kicherten die Mäd­chen. Auf dem Hute schwankte der Lindenzweig, ans Mieder schmiegte sich Flieder und Linden- ktatt. And dann drehte sich der Reihen, und

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, Z. Juni (924

Erst wenn wir in uns selbst diesen Geist der Klarheit haben dann haben wir auch Weg und Ziel gefunden, dann werden alle die guten Eigen­schaften unseres Volkstums wieder blühen and reifen und dann werden die seelischen und geisti-- gen Eigenschaften mit denen wir auSgestattet sind, die heute aber teilweise verschüttet sind durch, das Chaos der Zeilen und Schicksale, die wir durchs machen mußten, wieder zu grohen, gewaltiger, Kräften werden, die Deutschtum, Vaterlandsliebe, Einigkeit und innerer Frieden heißen.

Heute ist unser Los nichts als Arbeit. An- sere Wirtschaft kämpft mit verzweifelter Energie um ihren Bestand, wir haben unsere Währung stabilisiert, aber wir müssen noch mshr als die Wirtschaft stabilisieren. Die großen Schmerzen, sagt Cicero, heilt der Tod, die kleinen haben ihre Zeit der Ruhe, über die mittelschweren aber sind wir Herr. Das ist das materielle Leben. Den Tod haben wir hinter uns, die kleinen Schmerzen spie­len bei Männern und lebenskräftigen Völkern keine Rolle, die mittelschweren jedoch erfordern Geist und Charatter. An beiden darf es nicht fehlen, wenn wir den Genesungsprozetz erfolgreich durchführen wollen. And wenn es wahr ist, was wiederum ein Franzose gesagt hat, daß,' nur Deutschland das geeignete Land zu sein scheint, das berechtigt ist, die Welt durch, Vernunft zu beherrschen, so wird dies Wort in E^ullung gehen, sobald wir den Geist der Pfingsten in in­nerer Einigkeit erstarken lassen und die schweren Lasten, die uns nun noch bevorstehen, auf uns nehmen in dem Vertrauen zur sieghaften Kraft unserer Arbeit, unseres überlegenen Geistes; so­bald wir mit geeinter Willenskraft zu neuem Auf­stieg entschlossen sind, der uns trotz aller Wider­stände einer feindlichen Welt doch, letzten Endes die Achtung der Welt wiedererringt.

Das ist der Geist, der aufs neue einen Kör­per baut und die Welt besser wandelt als sie war. Dieser Geist muß sich ausbreiten und Klarheit schaffen, dann brauchen wir eines Tages lischt mehr in bitterer Freude zähneknirschend ein frem­des Joch auf tounben Nacken zu spüren, dann werden wir wieder frei und hinter uns bleibt nichts als der Schmerz über das, was vergangen und niemals wiederkehrt, während vor uns ein neues und so wollen wir gläubig hoffen - besseres Leben liegt, das Leben unserer Träume, das unfern Kindern frohe Wirklichkeit werden soll. H. DH. W.

Ium Niedergang der Demokratie in Deutschland. Von Tr. Fciedr. Lenz, o. Professor der Staats-

Wissenschaften an der Aniversität Gießen.

Als 6ie russische Revolution des Jahres 1917 denDerfassungsausschuß" des Deutschen Reichs­tags und dieNeu-Orientierung" des Kanzlers Dethrnann hervorrief, da gelangte die deutsche Demokratie zum ersten Male in ihrer Geschichte in den Bereich staatlichen Machtgewinns. Aus der Neuen Aera" und jenemKonflikt" geboren, den Bismarck zugunsten der Krone gegen das Parlament entschied, hatte die Partei Eugen Richters im Widerspruch, zum deutschen Gegen­wartsstaat verharren müssen. Noch schärfer hatte der' Widerspruch gegen die Sieger von König- gräh das Antlitz jenerSüddeutschen Volkspar­tei" gezeichnet, die unter Sonnemann und Hauß­mann ein Sammelpunkt süddeutschen Partikula- rismus und Anti-Militarismus ward. Vergebens war Fiiedrich Naumanns Versuch gewesen, macht- politische und natvonalstaatliche Ansichten dem sozialen Gedanken zu verschwistern; die außenpoli­tische Ziellosigkeit und innerstaatliche Ansicherheit unserer nachbismarckischen Reichsleitung gaben der.', national-sozialen Versuch keinerlei Hand-- 'fjabe. Obschon die Abkehr von Rußland, welche im Augenblick des Sturzes Bismarcks einseht, deutsch-demokratischen Forderungen gemäß war, blieb Preußen dennoch der Eckstein deutscher Na- tionalelNheit, und die Feindschaft wider das jun­kerlich-reaktionäre Regiment der Boden, auf dem sich alle Teile desFortschritts" fanden. Hatte der Sieg von Königgrätz einst die Nationallibera­len von den Demokraten getrennt, hatte Bismarcks Staatskunst fett 1878 denFreisinn" weiterhin zersplittert, so war nunmehr, im Jahre 1917, der Augenblick gekommen, die Parteikräfte in breiterer Front einzusetzen: zum Umbau der bismarckischen Reichsverfassung fanden sich, zumal die Gegner des bismarckischen Daus Zentrum. Demokratie, Sozialdemokratie zusammen. Aus dem Nieder­bruch von 1918 haben die gleichenMehrheitspar­teien" das Reich in die Weimarer Verfassung überführt freilich nicht, ohne der Einzelstaaten wie auch des Rätegedankens halber ihr demokra-

es flochten sich die Hände ineinander und so manche Herzen. Freha lächelte und die Alten in der Runde.

Bist eingeschlossen in mein Herzelin, Zerbrochen ist das Schlüsselin, Du sollst ewig brinne sin."

So klang ber Gesang; urtb weiter:

Auf dem Westerwald

Da geht der Wind so falt, Wo die Vöglein pfeifen, Wo die Bürschchen nach den Mädchen greifen. Ober:

Rot lieb ich, weiß ich warum?

Weil mein Schah ein Sol bat ist. Grün lieb ich, weiß ich warum? Weil mein Schah ein Jäger ist. Schwarz lieb ich. weiß ich warum? Weil mein Schah ein Schmied ist. In hellem Jubel floß ber Pfingsttag dahin, und keine künstlichen Mittel zur Steigerung seiner Freude bedurfte der an Leib und Seele gesunde Bauernschlag. Aebertrank sich in Auge. Lunge und Herz, und Iugendlust und Hugendkraft sprühte zurück. So ging es Sommers hindurch allsonntäglich bis ber Blätterschmuck ber Linde sich gelb von den Zweigen löste. Aufgespeicherte Lebensfreude in Kristalltlacheit flutete durch die Werktagsarbeit und veredelte sie, und der Aeber- schuß langte für einen langen, harten deutschen Winter.

Wasserbränchc und Wasserfeste zu Pfingsten.

Das Wasser spielt im deutschen Pfrngstbrauch eine besondere Rolle, denn es ist ja das Sinn­bild des befruchtenden Elements, dessen dec Bauer im Frühling und Sommer so notwendig bedarf. Man will durch einenRegenzauber" dem Him-

tisch-einheitsstaatliches Wunschbild erzwungener- maßen abzuwandeln.

Der Versuch alle Kräfte außerhalb des Zen­trums und der Sozialdemokratte in einer deutsch- demokratischen Einheitspartei zu sammeln, ist kaum ein Jahrfünft alt; sein Scheitern, das die Wahl zur Nationalversammlung 1919 bereits an­zeigte, haben die Reichstagswahlen von 1924 vollends offenbar gemacht. Woher dieser Nieder­bruch einer Partei, die 1917 bis 1919 auf den Gipfelpuntt ihrer Wünsche zu gelangen schien, die unter Rathenau und Siemens so viele Wict- schaftsträfte um sch scharte, deren Presse im 3n= und Ausland Widerhall findet, der auch die Lehrkanzeln der Aniversitäten keineswegs ver­schlossen sind?

Ter Niederbruch der Demokratischen Partei kann nicht aus einer innerlichen, unheilbaren Schwäche des demokratischen Gedankens selber ab­geleitet werden; denn dessen schärfster Gegner darf nicht übersehen, wie fruchtbar die Demokra­tie sich dem Gedeihen fremder Völker zumal unserer Feinde erwiesen hat. Ebensowenig brächte bas Unterfangen, aus ber Anreife unserer Wählermassen oder aus den Tücken radikalen Flügelparteien den Verfall der Demokratie zu er­klären, uns einer Lösung näher. Die Erklärung ist vielmehr dort zu suchen, wo bas Schicksal aller innerstaatlichen Fraktionen sich entscheidet: in ihrem Verhalten zur Außenpolitik, zum interna­tionalen Schicksal ihres Volkes.

In ber Tat unterscheibet sich die deutsche Demokratie pnter solchem Gesichtspuntte von ihren westlichen Vorbildern. Diese bildeten sich, da England sein Königtum im Kampf wider den den Papst und Frankreich ausstietz, als Nord­amerika die Fesseln britischer Oberhoheit abstreifte als Frankreich seine revolutionäre Trikolore an Rhein und Schelde vortrug.Die Republik schließt mit keinem Feind Frieden, der ihr Gebiet beseht hält," so schrieben die Franzosen in ihre radikale Verfassung von 1793. Wie anders unsere Demo­kraten. Durch den Zusammenbruch ber alten Ge­walten emporsteigenb, konnten sie keinerlei Anter- fangen stützen, bas einen äußersten Widerstund im Geist der Konventsheere oder Paribaldis forderte; indem sie das Machtinstrument ihrer inneren Feinde Krone und Heer zerbrechen ließen, nahmen sie sich selber jede Möglichkeit, den Frie­den mit ber Entente auf gleichem Fuß zu ver- handeln. Kein Wunder, wenn sie seither durch jedes Ausflackern nationalen Selbstbehauptu.ngs- willens ihre parlamentarische Mitherrschaft ge­fährdet finden.

Verbietet aber die unglückselige Konstellatiion, unter ber die deutsche Demokratie eniporstieg, nicht jeden Vergleiche mit den westlichen Revo­lutionen des 17. und 18. Jahrhunderts? Wäre es gerecht, unseren Amsturz auch nur mit den Er­hebungen eines Lenin, Kemal Pascha, Mussolini zu vergleichen? Gewiß, die Lage ist nach Zeit und Ort verschieden, die Aufgabe als solche aber bleibt bestehen. Worin besteht sie? In der Freiheit und Anverlehlichkeit. sowohl der Selbstbestimmang wie bei- Würbe eines großen Volkes. Diese Rechte sind, gleich denen der Einzelperfönlichkeit, voll­kommen unverlierbar und unverjährbar. Es find wahrhafte Naturrechte, im Sinn der großen Staats denker des 16. bis 18. Jahrhunderts. Sie immer aufs neue zu verkünden, wird um so mshr zur Pflicht, je weniger sie durchzusetzen augen­blicklich möglich ist; auf sie verzichten, sie takti­schen ober nichtpolitischen Debenken unterwerfen, bedeutet den moralischen Tod jeden großen Volks.' bas Auslöschen seines Daseinsrechts. Hier liegen die internationalen Verfehlungen, hier entschrll>et sich bas Schicksal unserer Demokratie.

Niemals durste es bahin kommen, daß unser Voll sein Schicksal als ein Wirtschaftsproblem an= sehen (ernte, wir vor der Welt als unehrliche Schuldner dastehen. Die Vorherrschaft dec Wirt­schaft im Staat, ihre AeberWertung im internatio­nalen Zusammenleben ist ein Zeichen sittlichen Niedergangs, eine Arsache unseres außenpoliti­schen Abstiegs feit 1890. In denReparationen" liegen keinerlei letzte Antriebe, sie sind nur ein Ausdruck staatlicher Energien, die es zumal in Frankreich zu erkennen gilt. Eben jenes Grund­recht freier Selbstbestimmung, das unsere Feinds durch Wilsons Mund verkündeten, haben unsere Staatsmänner für uns M fordern. Indem sie es von Frankreich bei jedem Anlaß vor dem Areopag der Völler fordern, haben sie darum die Kriegsschuld"-Frage in die Mitte aller Erörte­rung zu bringen. Dann können ihnen jene Ele­mente nicht folgen, die selber mittels ber Kriegs­schuldlüge emporgekommen find: vor allem die ehemaligenUnabhängigen. Jedes Bündnis mit den ehemaligen Landesverrätern beschmutzt das Andenken unserer Gefallenen; jedes Amgehen ber

melwasser Mut machen, sich gleichsam auf die jungen Saatenfelder niederzustürzen, und bringt zur Aufmunterung irdisches Wasser mit dem fn- schen Grün in Berührung. Alle die vielen Psingst- auszüge und Pfingstseste, in deren Mitte ein in Laub gehüllter Bursche steht, ber in den Bach oder Brunnen geworfen wirb, find aus diesem Glauben erwachsen. So kennt man in Thüringen denGrünen Mann" und dasLaubmännchen", im Erzgebirge denWilden Mann", in Bayern benPsingstel", im Elsaß dasPfingstklöhl". anderwärts auch den Pfingstlümmel, ber neben­her noch Pfingstesel ober Pfingstochse heißt. In­teressant ist bas Wasser vogel spiel, bas noch bis vor kurzem in Südbayern ftattfanb. Am Pfingstmontag nachmittags versammelten sich die jungen Burschen des Dorfes und entschieden durch bas Ziehen von Hölzchen oder durch Wettlaufen, wer der Wasservogel fein müsse. Alle Burschen erschienen im Feststaat und beritten. Während derWasservvgel" in grüne Birken- und Buchen- reiser gehüllt wurde und sich alle Teilnehmer zuqi Zuge aufstellten, sammelten zwei Reiter bocf- auf und bovfab Geldspenden, Eier und Schmalz. Dann gings unter lautem Freubengeschrei der Kinder zum Bach. Dort hatten schon zwei Män­ner mit Brettern das Wasser etwas eingedämmt, und bei dem aufgestauten Tümpel standen zwei kräftige Dvrfschöne in Werktags!widern. Sie pack­ten den grünen Wasservogel, dessen Gesicht mit der Rinderlarve, der klotzigen Nase und dem Nußknackermaul, sehr wüst aussah, rissen ihm die Larven ab und wuschen ihm sein Gefieder vom ßeibe. Dann legte er seine Arme um den Nacken ber beiden Mädchen, und gemeinsam tauch­ten sie nun dreimal unter. Mit diesem uralten Fruchtbarkeitszauber ist zugleich ber Wunsch ver­knüpft. bie Geister, die im Wasser wohnen, zu versöhnen unb zu besänftigen. In manchen Gegen­den iQurben zu Pfingsten Mädchen dem Flusse

Kriegsschuldfrage nimmt dem eigenen Handeln bie internationale Aeberzeugungskrafl. Parteien, die diesen Richtlinien nicht entsprechen, treiben keine nationale Politik, wer diesen Richtlinien aber folgt, der kann auf lange Sicht arbeiten. In Wandel ber Außenlage wird einem Volk, dessen Führer ben internationalen Lebe ns gesehen treu bleiben, dec Aufstieg nicht für alle Zeit ver­sperrt hleiben.

Welche Aufgaben für bie Innenpolitik einer wahrhaften Demokratie hieraus fließen, sei zum Schluß wenigstens angedeutet. Eine Erzieh.i.rg zur nationalen Persönlichkeit wird das Schicksal bei- Heimat nach Zeit und Raum verstehen lehren mithin die Grenzen und die Geschichte des eige ien Volkes im internationalen Zusamme rhang abhan­deln. Wre weitder Geist der Völleroecsöhnung", den die Weimarer Verfassung oorschceibt. hinter solchem Erfordernis zurückbleibt, lehrt abermals em Blick auf jene westlichen Demokratien, denen die Nationalgesinnung im Mittelpunkt aller Dolkserziehung steht.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Fleisch- und Wurstpreise auf dem Lande.

Das Eingesandt in Ihrem geschätzten Blatte bezüglich der Fleisch- und Wurst Preise kann nur in jeder Weise als gerechtfertigt ange­sehen werden. Wenn aber schon ein Abbau bet Preise in der Stadt begründet ist, um wieviel mehr muß aber auch einmal die Kalkulation ber Landmehger nachgeprüft werden. Die mei­sten Landmehger schlachten nur einmal in ber Woche und verkaufen das Fleisch und bie Wurst­waren an zwei Tagen, so baß sie sich an den übrigen Tagen teils ber Landwirtschaft, teils dem Viehhandel widmen. Es gab eine Zeit, wo die Stadtbewohner auf dem Lande billiger kaufen konnten, unb zu jeifer Zeit setzte auch eine Völker­wanderung nach den in der Nähe Gießens gelege­nen Landorten ein. Aber bald wurde dies anders. Denn eine gewisse stille Vereinbarung regn- , lierte die Preisfestsetzung zwischen Stadt- unb Landmehger, so daß bie minderbemittelten Städter außer abgelaufenen Schuhsohlen nichts mehr beim Einkauf auf dem Lande verdienen konnten Die Betriebskosten auf dem Lande sind wesentlich bil­liger wie in ber Stabt, meist sind nur ganz primi­tive Läben vorh.inben, es wird keine fremde Hilfe gebraucht unb auch die Auswahl der Wurstsorten beschränkt sich höchstens auf 5 Arten, während man bei der Fleischguteilung auch keine Sondor- ansprüche stellen kann. Gegenüber den Einkarrss- £ reifen für das Vieh muß zur Zeit der Verdienst ber Landmehger übernormal fein, unb daß sie nicht Not leiben, erkennt ja auch ber stille Be­obachter auf den ersten Blick. Wer schreitet hier­ein? Ein Landbewohner.

Der Drotpreis auf dem Lande.

Bekanntlich ist der Preis jür Brotgetreide wesentlich tieferalsvor dem Kriege. Damals kostete ein 4-Pfund-Laib Brot 4345 Pf. And heute? Bei einem Mehlbreis von 11 Pf. (Roggen­mehl) verlangen die Bäcker für einen 4-Pfund- Laib 5 5 P f. Sie brauchen für 33 Pf. Mehl, das gäbe also 22 Pf. als Backlohn. Was sagen die Preisprüfungsstellen dazu? Einen Ort ken­nen wir allerdings, da kostet ber ßaib nur 50 Pf. daS ist Holzheim. Sonstwo vielleicht auch?

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symbolisch geopfert. So führte man im Anhal« tischen zu Pfingsten zwei Mädchen mit Musik äum Saalefluß, tauchte sie in den Fluten unter und geleitete sie bann im Triumph wieber zurück. Wenn die Mägbe zu Pfingsten das erste Mal Grünfutter holen, bann lauern ihnen bie Bur­schen auf unb begießen sie mit Wasser. Die Mäbchen legen zu diesem Gang ihr schönstes schwarzes Mieber an unb spähen hinter Zäunen unb Hecken umher, wo die Burschen lauern. Dem gleichen Wasserkult ist auch dec Pfingstbrauch ge­weiht. bei dem sich Mädchen und Burschen am Frühmocgen des ersten Pfttgüfttertages im Mai­tau wälzen, um dadurch Kraft, Gesundheit und Segen zu erhalten. Die Brunnen und Quellen werden zu Pfingsten mit Kränzen, bunten Pa­pierstreifen und langen Ketten aus farbigen Eiern geschmückt. Die Jugend tanzt fröhlich um das sprudelnde Naß unb wirft Blumen ins Wasser, ganz so wie vor vielen Jahrhunderten. als der Italiener Petrarca diesen Brauch zu Köln am Ahein bewunderte unb* seinen Landsleuten mit­teilte. Das berühmteste Brun n e n fest zu Pfingsten ist wohl baS der Stadt Mühlhausen. Ein eigenartiger Wasserbrauch ist auch ber sog. A s che nsack, ber am 3. Pfingstseiectage in Dackleben bei Artern gefeiert wirb. In unmittel­barer Nähr bes Dorfes befindet sich eine Quelle, die ben Ort mit Wasser versorgt; sie wird am frühen Morgen bes dritten Pfing ttages von ben Burschen gereinigt, die in feierlichem Zuge, von einem Tambour geführt, ausziehen unb bann am Nachmittag dafür Gaben einsammeln. Bei den Amzügen nun haben die Burschen Stücke von Säcken unb Lappen an Stangen befestigt, bie man Afchenfäcke nennt. Diese sinb angefeuchtel und mit Asche bestreut. Derjenige, dec nichts geben will, erhält einen Schlag mit dem Aschen­sack, mit dem auch bie gaffende Menge geprügelt wird.