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Erstes Blatt

Jahrgang

Momag, 7. April 192$

Pntrf wirft Ptrlag: »rkhl'lche Unio«rM!s-vuch- und Steinöriiderei N. £anie in Sietzen. Schriftleitung und Seschäfirftelle: SchnlM-tzr 7.

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sietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Der kritische 15. April.

Der Gntscheidungstermin tes 15 Apr l an dem die Micumverträge ter Ruhrin ustr e unb des Kohlenbergbaues ter befehlen G?bie.e altlausen. riiett immer näl>?r. Am Dienstag i e- ginnen in Dusielters die Derhandlunge > der sog. Sechferkvmmissu»! mit der Mirum. 213t? soll |i^ die Reichs regierung verhallen? Auf die Be­richte der Pariser Sachverständigen un) e ne tel ige Repnrnt vnstonseien, htt man ier<e lich gehoftt. Die Berichte der Heiden Ausfchäsi^e en vorerst an die Rrparationskommrs ton. Die e w rd sich mit ihren Erttschlüssen nicht beeilen. Zunächst soll es zu einer turzer-ea Besprechung zwi ch n Pviltcarv. Theunis un) Ramsay Macoonal) kom­men. Hierauf folgt Ende Olpril nach Pariser Meldungen eine interalliierte Kvnsernz Mög­lich sei alter auch, datz mit Rücksicht auf die deut­schen Retchstogswnhlen (foll Hessen: unter p o- pugandiilischer Ausnutzun; des (Sr3ebn f e3 d es r Ada hl en!) die zweite Eilt nt.kvnferenz er I ffä er stattsintet. Der 15. April ist also dann längst überfchritlen unb das ist eben der Zweck der Hebung.

Die französischen Behörden und die Parier Presscagitation arbeiten mit Hochdruck. um e n? IJage za schaffen, in der die Ruhr-industriellen und dann auch die deutsche Regierung zu n Rach- geben gezwungen w?rten soll Di? deutsche Re­gierung konnte bisher bei den trostlosen Der- h.ltniffen nicht mehr tun. als den Cn)uftriellen ver> Preten. test sie die ihnen entstehenten auh?r» vrteirtlich hohen Kosten für die Micumlieserungen teils durch Steuenmchlatz ausgleichen, teils zu- rückzahlen werde, sobald Deutschland von der Repa-ationslasten frei wird un) eure Besserung der deutschen Finanzen eintritt. Etwas ande es kann die Reichs reg ierung auch zum 15. April nicht Zusagen, selbst wenn die Ruh industrie be­reit ist. die Micumverträge zu verlängern. Si? ist aber durchaus nicht so freudig bereit, wie es die Franzosen un) Belgier von ih. erwarten. Insbesondere erklärt der Bergbau, des en Leistung etwa 80 Prvz. der Mi.umlie'erungcn ausnmcht. tast er das Risiko der französischm Ausbeutungseiktion nicht länger tragen kann Hii- Kit tommt, datz die Bergarbeiter ihr Tarif- ablüinnien zum 30. Ap il gekündigt Haden. Benn also auch am 15. April neue Micumverträge zu laufen beginnen, was geschieht, wenn die deut­schen Erubenleute am 1. Akai ihre Werkzeuge Hinwersen? Poincarö hat hierfür bereits sein Schlagwort auf der Pfanne: Frankreich wird in teilt Qlbbnui) der Micumsteferungen eine Wie­de r a u s n a h m e des passiven Wider­standes leben. Sv wenigtters Lauten die An­deutungen. die aus dem In ormatioiuburei u am £luai d'Orsay in die Presse der ganzer Welt übergegangen sind. RirgenvS dn Prvte 1. nirgends ein Verständnis für die ungeheuerliche Gewalt­politik. die her im harmlosen Gewände privat- wirtschaftlicher Anspruch? auftritt. Wir Deut che sind diese Haltung der übrigen W lt gew h t un) legen s zum Mebrigen. Wie f.;n> aber Pvincare selbst den Mut zu dieser Wendung? Mar must die letzten Berhandlun en her fra izösisch n Kam­mer verfolgen. Obwohl Pün^arä in fei i n-ue3 Ä bi nett zw i < mSgesprochene Gegnerier Ru,r- beselzung dufgeiunnmen Hut gaa e; vor tei Ab­geordneten e ne Ccll'rung üb r di: Ruhrtesehnig ab. die sogar in diesem stets gefälligen Kr i e äleberraschung erregte und ihn den Zuruf cin- trug: ,Soviel haben Sie bis'-er noch nie ter» Ä Er sagte nämlich ran) h.-raus:Wir das Ruhrgebiet nicht vor vZlli er Be­zahlung räumen! Früher hatte er date: imm.r hinzugefügl: oder doch, wenn wir gleichwer­tige Garantien erhalten. Davon dermal kein Wott mehr. Poincars stimmt? ein L)blie> auf die Ruhoakion an. brachte Zis ern. di? be­weisen sollten, last Frankreich im z aus den Ruhrgebiet mehr Kohle erhalten habe, als die Lleferuirgsveyräge und das fruh.ne P.wg'-amm vorgesehen hätten. Die Frauen lürze le en n chl durch die Duhrbesehung vermr ach! w r en 3.n Gegenteil, wenn Frankreich einm Erfolg erzielt drbe. so verdanke es ihn dem Ruhrwormarsch Deutschland aber sei leinen Augenblick b reit ge­wesen, seine Pflichten zu erfüllen. Ange.ichtZ ter Beweise des schlechten deutschen Willms b'eire er aus jeden Fall im Ruhrgebiet und er werde sich mit feinen Verbündeten schon darüber einigen Franlrcich werde aus jetei Fall unbeuefam |e n Mil dieser Fanfare hat Pvincarä de n Zweck im) Sinn der «Aichverständ!g enartei t inJ Gencht geschlagen. Wozu noch di? 40 000 Wort? des Dawes- und Mc. Kenna-Berichts in die Welt fabeln? Poincars erklärt am 15. April dem Deutschen Reiche wieder einmal den Krieg Fällt lhm jemand in den Arm? Macdvnald? Di? Sachverständigen? Die eigenen Volksgenossen bei den französischen 2leuwahlen?

Nach Ablauf der Micumverträge

Berlin, 5. April. (Wolff.) Do schofler von H ö s ch wurde beim französisch» M i nisterpräfidenten bcrffellin, um mH ihm in einen Sedankennus aufch darüber ettjiite* Jen, wie nach Ablauf der Micumverträge die Vage im besetzten Gebiet ge. regelt werden könne. ES gilt bekannt ich, die zw sHen dem Ablauf der Micumberlräge und der auf Grund dcs<rcFbcrftärii-enguiadtond

Bettung d r wir schoftlichen DerchTltms e rm besetzten Gebiet erttstehende Zei spanne für die Devölkrrunz der besetzten Gebiete erträglich zu gestalten. Sie Unter* jebnng deS DolsHafters von Hösch mit dem Ministerprcs.dertt.'n hat leider kein posi­tives Ergebnis ge^itigt,

Frankreich und die deutschen Wahlen.

Eine Rede Dr. Stresemanns: MicumverLräge und Sachvcr'Ländigengutachten.

Kiel. 6. April. (WTB) 3n einer Ver­sammlung der Deutschen Dolkspartei sprach Mi­nister des A.'U^L.e.t, Dr. Stresemonn, über die politische Lage. Der Minister b.-rührte die gegenwärtigen austenpolitischen Derhanolungen und führte dazu folgendes aus:

Der Bericht der Sachverftändigen- k o m m i s s i v n soll in der nächsten Woche er- scheuten, er kommt also noch vor dem Miaus der Micumvetträge an die Öffentlichkeit. Am Dienstag sollen Verhandlungen zwischen der M i c u m und den deutschen Jndastriel en statt- sinden. Es ist vor aller W?lt klar, d-atz das Deutsche Reich nicht in der Lage ist. die Finan­zierung für die F).Führung der Mi u ntetträge zu übernehmen. Das gleiche, gilt auch für die deutschen Industriellen. Gegenüber dm französi­schen Mitteilungen, nach denen sich die deutschm Industriellen bereit erklärt hätten, die Mimm- veriräge zu verlängern, kann ich versichern, dast die mastgcbcnden Vertreter der dortigen Industrie dies für ganz unmöglich erklärten.

Droße englische Danken haben jeden Kredit an teu sche Uriternehmungen afcgcle' ni, so­lange dir Micumverträge bestchrn, da s e die^e Derträge als Erdris elungsderträge ars.hen, die die Rentabilität, ja auch auf die Dauer jede Existenz der d?u s cheu UnLernehmML^" vernichten.

-Unter diesen Umständen Hit e es nahe gelegen, «u versuchen, an Han> der Sachverständigen ui- ad>ten das Prinzip der Sa ch l e i st u n g e n wäh­rend des Mo atoriums. falls es von len M chten anerkannt werden f l.le. auch zur Grundlag? der B.lieferung Frankreichs zu machen, un) eine pro­visorische Lösuitg ter Finanzietmngsaa- e eb.n o SU suchon, wie für die deutschen Sachl.istungcn wäh.en) des Moratoriums, de en Fina tzicrung vrm austrn sichergestellt werden muh. Gcwih lann dem eutgegengclMlten werten, tast das Sach er= ständ-igengutachten solange keine Kraft le äste, als es nicht von den Mächten angenommen wäre, aber schliestlich könnte auch über diese Fruge ein prvvisorstches Abwnvnen getroffen toerCx n. tt>enn man t«n Willen hnt. zu einer (SMamt- Verständigung zu kommen Pros e i elburg n eng­lischer Blätter aus Paris sagen, baf) n.an von der Wie.er -ufr.ahme tes pafnoen W iderstan c3 an der Ruhr in Frankreich rede. Wir musst-n uns ganz entschUn tag gen verwah.rn, dast die Unmöglichkeit von Letstungen s l- tens des Deutschen Reiches, die d?r französiiche Ministerpräsident selbst anerlannt hat. jetzt

L»m Ausoangspurkl einer neuen Kcnstruktion des passiven Widerstandes gemacht

wird. Unter dem Vorwande, das; der passive Widerstand noch fortdauere, wurd? im vorigen Herbst jede verstandi e Au'spräche üjer das Re­pa vattonsproblem zwischen F a kreich und Deutsch­land fvanzösischcrseits vereitelt. Soll jetzt, wo das Gutachten der Sachverständigen eine große Diskussion über die endgültige Losung der Repa- rationsfcage in die Ööege leitet, dasselbe Spiel wieder beginnen? Die Repara-- tionslösung ist nur möglich, wenn an der Ruhr Friede und Arbeit herrscht. Beginnt aber eine neue Aera von Zwangsmahnahmen, so ist nicht nur di? Atmosphäre für eine Verständigung, sondern .auch die wirtschaftliche Grund­lage dafür gefährdet. Deutschland gab durch den Wunsch direkter Derhandlungen von Staat zu Staat über diese F.'age zu erke.men, tote sehr ihm daran liegt, die Grundlage der Derständigung zu zerstören. Die Derantwort.ung für das Schei­tern dieser Bestrebungen würde bei denjenigen liegen, die eine solch? Verständigung u n m ö g - l i ch machen. DerTemps" hat kürzlich die Politik des französischen Ministerpräsidenten gepriesen, der gesagt habe, beginnen muhte man damit, gute Franzosen zu sein, um gute Europäer zu werden, und der als einzigen Wunsch Frank­reichs hinstcllte den Respekt vor den bestehenden Verträgen. Poincarö hat für seine Politik gute Reden gesunden. Aber

man darf Wohl fragen, durch welche inter­nationalen Abmachungen dir Mlcumterträge Destandlel: test chmder intzr.iafonakr Ver­träge geworden sind, und welche alliierten Nationen bei diesen Verträgen mitgesprochen haben.

Man darf weiter fragen, ob Poincarö glaubt, bah Europa, auf d.,s er in seinen Erklärungen beson­ders hinweist, Bor.eile davon haben wird, wenn in diesem reichen europäischen Wirtschaftsgebiet Kampf und Erbitterung statt Ruh- und Frieden h?rschen. Der franzöli^ch? Ministerpräst- dent Hut sich, über die Reden deutscher Minister beschwert und sie als ein Zeichen der in Deutsch­land herrschenden S immur.g gebnnzeichnet. Dabei ist Pvincare ansch. inend von irrigen oder ten­denziösen Berich en ausgegangen. So ist es eine f r e i e E i s i n d u n g, w n i er behaup e', dah der deutsche Minister des A?uherm auf das Urteil des Münchener Dclksgerich s eing.'toirlt und Luden­dorfs verh.-rrlichl habe. Die Wertschih ing des F e l d he r r n Ludenderff wird leine Kri it einer auswär.ig?n Macht einem deutsch n Miii er ver­wehren können. Der Politiker Ludendorsf mutz sich eine Kri ik g.'fallen lassen, die jeder ertra- «en mutz, der im öffen.l'ch^n Leben steht. 2Ln dem

politischen Ludrndorfs habe ich in meiner Rede in Hannover ein? b>:rb? Kri.ik geübt.

Don einer Dee'influs ung des Münch n?r Ge­richts durch die Neichsrsgie?ung zu sprechen, zeugt von einem volltsmuienrn Mißdcrstcheu der deutschen Terhältni-sc.

Man will weiter in Frankreich die Aufmerksam­keit iter Welt auf a n g c b l i d>e deuts che Rü­stungen lenken, indem man tert Begriff vaterländische Verbände" gle ch ed u - tend erklärt mit be wa ffneten Orgauifa- t i o n e n. Auch gegen diese Irreführung muh ich mich verwahren. Maa gibt fich schüehlich im Auslände und nicht nur in Frankreich groher Sorge darüber hin, ob die deutsch? Reichsverfassung g gen eine Erchütte.u.tg im Innern gesichert sei. Die Veras!ung d>es deutschen Reiches ist eine deutsche Ange­legenheit. Soweit das Austtm) daran in­teressiert ist, mag ihm aber das eine gefajt sein, dah einmal auch b'.e enige i Parteien, d e p vgremmatisch nicht aas bi? ie ubl ka ische Vers, s ang eingestellt sind, genügen) Vcran wo.t- lichkeitsgefühl befit.e-.t, um das Deut ich? Reich in dem heutigen schwe en Leid nicht der Be­last unge probe solcher Käm s? < uüzu e ea.

Der Wiederau.bau Deutjchla ib3 kann nur aus der Grundlage de? b.utigen Staatsjc-rn erfolgen, üxil jeder Versuch ih er Ae:ide.ung Erschütte­rn tg en im Gefolge haben Wirde, die diesen Aus­bau selbst zerstö.en war.en. We'nn aber das Wirken der t-eifa ssungst reuen Parteien in Deutschland nicht immer wieder aufs neue erschüttert werden soll, dann ist es vor allem nötig, dah man einer vernünftigen Reparationslösung zustrx bt. Den schland die Grundlagen wirtschaftticher Entwichlung and politischer Selbständigkeit gewährleistet, es vor fortgesetzten nationalen Demütigungen und Beleidigungen, wie sie kürz ich er ft seitens des franzö,Ischen Kriegsministers evfolgt sind, be­wahrt und damit die ätrsachen beseitigt, die am meisten zur Entwicklung der Extveme in Deutsch­land mitgewirkt haben, die weit weniger ein Produkt deutscher Anmaßung als ein Produkt der gegen Deutschland seit dem Frie- densschlud getriebenen Politik sind.

Der Reichskanzler über deutsche AutzenpoMik.

Bremen. 6. April. (Wolff) Reichskanzler Marx sprach in einer öffentlichen De smnmlung der Zentrumsparl.i Barmens. Der Reichskanzler führte u. a. etwa folgendes aus:

Es sch?int, als ob wir jetzt vor ernsten, für unser Volk entscheidenden Ereignis en steten. Die Gutachten der ausländischm Sachverständi­gen werden in wenigen Tagen bekannt sein. In Den nächsten Wochm dürste auch die Entsch.idung dcr Reparationskommission über die Sachvcrständigengutacht.n fo len. Di? Regierung wird nach dem Belanntwerden der Gutochten mit aller Gevifsenhaf.igkeit und Gründlich^ it prüfen, ob die darin nieder gelegt m Folgerunge'.i und ilr» teile für das deutsche Volk tragbar und die errechneten Leistungen richtig bemessen und erträglich sind.

Sie wird ihre Zustimmung nur zur Aeber- nahme von Leistungen peoen, die t n er An­spannung aller nationalen und wirtschaftlichen Kräfte von dem deulschen Dolle auch wirklich getragen werden können.

Die trüben Erfahrang-m der leien Zeit werten wohl a-uch bem kurzsicht'gsten deutsche i Staats­bürger die Augen darüber geöffnet hab n, tast unser Handeln in erster Linie sich nach der Auhenpolitik zu richten hat und dadurch bestimmt wird. Die Au'.e.rpolitlk selbst ve läuft nahezu zwangsmähig. la wir mehr Ob.ekl in ter Politik fremder Mächte sind, als das> wir selbst in ihre Gestaltung einzugvetsen veinnöchten. Diese Erkenntnis und Einsicht bedeutet leine stumpfe Ergebenheit in ünabän er.iches. Sie soll Vie Vernunft und Klughett Wecken und uns zu Daten ermutigen, die uns in Besonnenheit frei machen und nicht nur uns, futtern ganz Europa vor dem Untergang retten, ülnse iges D.rhäng- nis ist es. dast unsere Gegner immer un) immer wieder das heilige nationale Feuer im deutschen Herel auslöschen woll n. Sie er­reichen dadurch nur, dast unoerantworttiche D.andflister b^ses Wesen mit dem deutschen Volke treiben. Gerade weil wir uns in tiejter Se le deutsch fühlen, rationale Gesinnung nicht nur auf den Lippen tragen, darum mutz immer wieder betont werden, dast

Politik nicht Sache de» Her-enS, sondern Cache ruhigerAebe.l guug imb kalt.rDe nunft ist, und kühle äleberlegung mutz uns sagen, dast nach dem Verlust des Weltkrieges auch die durch den Friedensschlutz uns aafertogten Saften ge­tragen werden müssen, soweit das in den Gren­zen unserer Leistungsfähigkeit liegt.

Es must einmal mit aller Entschiedenheit fcfl- gestellt werten, dast kaum etwas mehr den Be­strebungen nationalistischer Phantasten Vorschub leistete, alS das unser nationales Emp­finden häufig f o stark verletzende Verhalten der Ententemächte, nament­lich Frankreichs und Belgiens. We-nn tatsächlich in Deutschland die nationalistische W.tte stärker angeschwollen ist denn je, und wenn vielfach die Dcsurchtung gehegt wird, dast der kommende Reichstag durch ZunahAe der extremen

giftet werden.

Parteien nicht arbeitsfähig sein wird, so wird da ran die hemmungslose De drück

u n g Deutschlands durch Frankreich einen grosten Dell Schuld tragen. Ohne Achtung vo» dem deutschen Rationalgefühl wird die Inter- nationale Atmosphäre nie entspannt und ent-

Eine Rede des Vizekanzlers.

Elberfeld. 6. 2lpril. (WTB) In einer Wahlverfamnrlung der Deutschen Dolksp-attei be­schäftigte si>ch der Reichsm nister des Innern, Vizekanzler Dr. Jarres, mit dem in den nächsten Dagen zu erwartenden Gutachten und betonte, cs komm? nicht allein darauf an, dast die deutsche Wirtschaft einhe-tlich geleitet und verwalte! werde, es komme fn demselben Maste darauf an, dah die Derwaltungshoheit des Rei­ches und der einzelnen Staaten a>ieter» b?rgeftcllt werde wie früher. Staatshoheit und Wirtschaftsführung gehörten zusamm-.m. ci. es oder das andere form? nicht hefteten. Wir müfjten eine unbeschränkte Verfügung über das besetzt? Gebiet im Rahmen des Friedensvertrages und des Rheinlandabkommens t>?tl<Kigen. Leider höre man nichts über eine Ein'ch änfung derB e satzungs« kosten, die s.it dem Waffenstillstand schon übel 5 Milliarden betragen. Die Kosten seien unge­heuerlich: die Behauptung, sie könnten von Deutschland getragen werden, daneben auch noch die Kosten für di? Wiederherstellung und die Sachlieserungm, sei kein Zeichen gesunden Men» schenrerstand.s. Es mülf? daran gezweifelt wer­den. dast das de'ntsch? Volk die Kosten auf bringet könne, die es während des vierjährigen sogenann« ten Moratoriums tragen solle. Das deutsche V>1? werde zu entscheiden haben, ob es die ihm zuge» dachte Zumutung annehmen könne.

Poincar^s Wahlpropaganda.

Paris, 6. April. (WDB) DaS frunzöfisch» Publikum wird weiter dui.ch älebermittlaiig bet geringfügigsten Einzelheiten n a 11 o n a 1 i st i - scher Kundgebungen in Atem gehalten.! Erklärlicherweise bieten die Rach richte.! über die Masfenhaussuchungen and Derhaf- t u n g e n , die neuerdings im französisch besetzten Eebict oorgcirammen wurden, einen befDnterd willkommenen Anlast, die Aufmerksamkeit deS französischen Publikums auf alte und neue Ent­deckungen der franzöfischen Propaganda za lenken. Sc berichtet Havas aus Düsseldorf, in Derlnn- dung mit den 240 im Rheinland und im Ruhr- grb et Dorgereommenen Haussuchungen seien in Bochum heute 61 Verhaftungen v^rgenornnlen werten. In Gelsenkirchen würden bi?Haus­suchungen fortgesetzt und hätten bereits za wei­teren Derhäftungen geführt. In Essen feiet 14 Mitglieder eines angeblichen Geheimbuntej festgenommen worden, die militärische Ausbll- dung betrieben und sich zur Eriimerang an Schla- geterSchlageter-Kompagnie" genannt habe. Die eine Ortsgruppe des sogenannten Schla geterbüntes habe mit der Vereinigung Wehrbund" in Beziehung gestanden. Die Schla- geter-Kornpagnie, die vor einigen Monaten in Essen gegründet worden sei, habe sich hinter das Aushängeschild des Wanderveteins .Co­lumbus" versteckt. Eine in Münster wohnende Persönlich'eit sei als peLfönlicher Derbtodungs, mann zwilchen ihr und ten deutschen Militär­behörden in Münster tätig gewesen.

Das Wolstburoau bemertt zu diesen Be­richten: Wenn auch diese phantastischen Angaben von hier aus im einzelnen schwer nachzuprüfen sind, kann doch kein Zweifel darüber bestehen dast es sich hier ebenso wie bei ten aufgebauschtcn und entstellten Berichten, di? die französisch, Presse in ter letzten Zeit über andere Dorgäng« in Deutschland gebracht hat, um französische Tendenznachrichten handelt, die osfenkuw big dazu bestimmt sind, ten Bestrebungen ter französischen Politik eine Scheingrundlag« zu schaffen.

Die Milikärkontroktc.

Paris, 6. Avril. (WTB.) Havas veröffent­licht folgende offi;iöse Erklärung: Die Ansicht ter französilchen Regierung über die Behandlung ter deutschen Entwaffnungsnote wurde in ter Botschasterkonferenz von ter franzörlchen Dele­gation mitgctcllt. Die Konferenz hielt es für opportun, [einerlei Mitteilungen über den zu ver­folgenden Meinungsaustausch zu machen, bevor die interalliierten Regierungen hiervon Kenntnis genommen hätten. Die Kommentare gewisser Blätter, die über die Sitzung erschienen seien,, könnten also nur als persönliche Absicht ihrer Verfasser betrachtet werten. In einer dieser Rote angehängten Erklärung weist Havas darauf hin. dast sich diese halbamtliche Feststellung gegen ten .Temps" richtet, ter verlangte, dah ein vom Völkerbund eingesetzter Ausschuh den augenblick­lichen Stand der deutschen Bewaffnung fest- steilen soll.

Die Beisetzung Dreyers.

B e r 11 n, 5. April. (WTB.) Die BeerdigunA des in französischer Gefangenschaft verstorbenen Ruhrkämpsers Willy Dreyer hat in Eich­walde ftattgefunten unter riesiger Teilnahme ter Bevölkerung der llmgegcnb und b?i Anwesen­heit zahtte.cher Vertreter vaterländischer Der», bände. Die Feierlichkeit begann mit einem Sraucr- gottesdienst m ter Ortsttrche. Zu Futzen des SaogeS stand ein von ter Retchsveaierung geftif*