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Abbruch Der englisch- russischen Verhandlungen

(Sn einem Teil der Auflage wiederholt.)

London, 5. Aug. (WB.) Eine amtliche Meldung des Auswärtigen Amtes über die eng­lisch-russische Konferenz besagt, daß, nachdem die Ausschüsse der englisch-russischen Konferenz den ganzen Samstag und Sonntag getagt hatten, am Montag nachmittag eine Vollsitzung stattfand, die bis heute früh 7 ülhr 15 dauerte, die russische Abordnung außerstande war, die Abänderungs- anträge und Bedingungen hinsichtlich der Art. 14 des Vertragsentwurfes anzunehmen: eine Eini­gung kam nicht zustande. Die Verhandlungen wur­den abgebrochen, irgendein Abkommen wird nicht unterzeichnet.

London 6. Aug. Die letzte Sih mg fand unter dem Vorsiatz des älnterstaatsselretärS Ponsonbh statt. Auf rassischer Seite nahmen u. a. Rakowsky, Tomski und Scheinmann teil, letzterer war erst vor wenigen Tagen m i t neuen S n ft r u 11 i o n e n aas Moskau nach London zurückgekehrt. Es wird ferner berichtet, daß der in dem offiziellen Kommunique erwähnte Artikel 14, über den eine Einigung nicht statt- finden konnte, sich auf die russischen Forderun­gen gegenüber den Ansprüchen der englischen Aktionäre und auf die russischen Kompensattons- fvrderungen gegenüber anderen englischen An­sprüchen bezog. Diese Fragen sollten durch einen besonderen Vertrag geregelt werden. Sn den vorhcrgegangenen Verhandlungen seien seitens Engländer Konzessionen bis zur Grenze des Mög­lichen gemacht worden.

Die Ansicht der Russen in Berlin.

(Eigener Snformationsdienst.)

Berlin, 6. Aug. Der plötzliche Abbruch der Verhandlungen Englands und Sowjetrußlands hat in den Kreisen d-ersowjet-russischenDot- schäft in Berlin durchaus nicht überrascht. Man erklärt, daß nach Wiederherstellung der guten Be­ziehungen zwischen Deutschland und Rußland rus­sischerseits absolut nickt die Notwendigkeit ein­gesehen werden kann, die englischen Bedingungen, die im letzten Augenblick außerordentlich verschärft worden waren, anzunehmen. Das Scheitern der englisch-russischen Konferenz sei im übrigen höchst­wahrscheinlich a u f amerikanische Ein­flüsse zurückzu führen. Die englische Regierung versuche noch immer die sowjet-russische Delega­tion zum Weiterverhandeln zu veranlasien. Rus­sischerseits sei man überzeugt, daß England das größte Sntereffe an der sofortigen Wiederauf­nahme der Besprechungen habe, während die sowjet-russische Delegation kaum irgendwelche Nei­gung besitze, die fruchtlosen Erörterungen mit Eng­land fortzusetzen.

Reichsregierung und Sozialdemokratie.

(Eigener Snformationsbericht.)

Berlin, 6. Aug. Sn parlamentarischen Kreisen verlautet heute, daß die Reichsregierung ernsthaft entschlossen ist, die mit der Sozial­demokratie während der letzten Zeit eingetretene ernste Verstimmung z u b e f e i t ig e n. Als Entgegenkommen an die Sozialdemokratie werde sich die Regierung dazu bereit finden, das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag in absehbarer Zeil zu ratifizieren, und zwar nach der Rege­lung der außenpolitischen Fragen. Als Grund für diese Haltung der Reichsregierung wird ange- aeben, daß man nach Möglichkeit die Gefahr einer Reichstagsauflösung vermeiden wolle und Ijc^er schon jetzt daran denken müsse, die Gefahr Siner verschärften sozialdemokratischen Opposition zu vermeiden. Dagegen scheint es, daß die Reichs­regierung nicht in der Lage sein wird, die Deutschnationale Forderung auf sofor- trgeBe abschi dang der S ch u tz z o l l v v r l a g e zu erfüllen. Berde Probleme, sowohl das Washingtoner Achtstundentagabkommen als auch ldre Schutzzollvorlage könnten vor dem Spät­herbst dieses Sahres nicht mehr zur Erledigung kommen. Wenn vorgesehen ist, daß die sozial­demokratische Snterpellation noch in der kom­menden Tagung des Reichstages beantwortet werden soll, so bedeutet dies keineswegs etwa einen sofortigen Beschluß über die Ratifizierung des Washingtoner Abkommen. '

Eine Entschließung des Land- Lundes.

Vertreter sämtlicher deutscher Landband- vrganisationen nahmen in Berlin zur Gage der deutschen Landwirtschaft in einer Entschließung Stellung, die gegen die Steuer Politik der Reichs regierung protestiert. Die Behandlung, die die Zollvorlage bisher durch die Preußische und andere Länder- kegierungen erfahren habe, habe zu einer

Der Planet Mars in Erdnähe.

Don H. O st ho f f - Köln.

Ein hervorragendes astronomisches Ereignis wird in diesem Sommer eintreten: der Mars ge­langt am 22. August 1924 in die größte Nähe zur Erde, was nur alle 79 Jahre einmal stattfindet. Seine Entfernung von der Erde beträgt dann nur 3,37 Crdbahnhalbmesser und sein scheinbarer Durchmesser 25 Bogensekunden. Er befindet sich dann zugleich in Opposition zur Sonne. Man versteht darunter die Stellung eines Planeten, in der die Erde sich zwischen ihm und der Sonne befindet. Dann sehen wir ihn wie demnächst Mars -- voll von der Sonne beleuchtet: er steht ihr ebenso eie der Vollmond gegenüber, er geht auf, wenn die Sonne untergeht und ist während der ganzen Nacht sichtbar. Die diesjährige Erdnähe des Mars wird in unserem Lande wegen seiner zu südlichen (tiefen) Stellung voraussichtlich Den Beobachtungen nicht ganz den gewünschten Erfolg bieten. Er steht dann im Stern bilde des Wassermanns. Besser daran sind die Sternwarten der südlichen Erdhalbkugel.

Mars erscheint uns als 'ein Heller Stern von roter Farbe, die von der Färbung seinen Oberfläche herrührt. Da seine Entfernung von der Erde stark wechselt, so wechselt dementsprechend auch seine Helligkeit stark und zwar um mehr als vier Größenklassen.

Es zeigen sich zwischen Mars und der Erde manche äußerlichen Aehnlichkeiten, die von jeher dazu geführt haben, in dem roten Planeten eine zweite Erde zu vermuten. Die Lage seiner Um»

Verschleppung der Entscheidung über dieses für das Schicksal der gesamten deutschen Land­wirtschaft ausschlaggebende Gesetz geführt. Die Resolution schließt mit einer Verurtei­lung der Londoner Verhandlungen, die bisher das Sachverständigengutachten in seinen wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen für das deutsche Volk in unerhörter Weise ver­schlechtert hätten.

3m Kampf gegen den Kommunismus

Auf dem Balkan.

Sofia, 5. Aug. (WTB.) Sm Kampfe gegen den Kommunismus, der in Rumänien und a u f dem ganzen Balkan mehr an Boden gewinnt und der die Ruhe und Sicherheit in allen Dallanftaaten bedroht, haben sich in Bulgarien in mehreren Städten die Bürger zufammengetan, um die Ordnung auf­recht zu erhalten. Sn Drazigowo haben die Kom­munistin den Versuch gemacht, die Kommune auszurufen. Dank dem energischen Wider­stand der Bürgerschaft ist der Versuch gescheitert. Die Behauptung, daß die bulgarische Regierung die Armee ohne Erlaubnis der interalliierten Kommission verstärkt und die Reservisten unter die Waffe gerufen habe, entbehrt jeder Begründung. Es handelt sich um bürgerliche Organisationen, die sich der Regierung zur Ver­fügung stellten, um die Ruhe im Lande aufrecht- zuerhlten.

In Polen.

Warschau, 5. Aug. Sn einer foziali- ftischen Versammlung im Theatersaal kam ai gestern zu Zusammen flößen mit einer star­ken k o m m u n i st i s ch e n Gruppe, die zum Worte gelassen zu werden verlangte, was ihr die So­zialdemokraten verweigerten. Dabei ver­wundete ein Kommunist namens Dialh durch einen Messerstich einen Sozialisten und ergriff die Flucht. Als einige sozialistische Arbeiter ihn fest­zuhalten versuchten, gab ein zweiter Kommunist einen Schuß in die Menge ab. Die Kugel traf Dialy in die Lunge. Es entstand eine allge­meine Schießerei, mobei elf Personen teils schwer verwundet, teils leichter verletzt wurden. Dialy wurde ins Spital gebracht, wo er kurz dar­auf seinen Verwundungen erlag.

Polnisch-russischer Grenz-gwischensall.

Warschau, 5. Aug Pvlni sche Tele- graphenagentur. Gestern früh haben etwa 100 Banditen die russi sche Grenze über» schritten, das polnische Grenzstädtchen Stvltph bei Wilna über fallen und das Stadtamt und die Post beraubt und demoliert. Während des älebersalls sind einige Personen ums Le­ben gekommen und einige verwundet wor­den. Sie Behörden haben eine energisch» Unter» suchung eingeXeitet, um Art und Charakter des äleberfalls festzustellen.

Ein weiterer Drah bericht aus Danzig besagt, daß die Banditen, nachdem sie die Stabt voll­kommen ausgeplündert hatten, die Flucht in der Richtung auf die russische Grenze ergriffen. Sie wurden von pvlni scher Kavallerie ver­folgt. Sn der Nähe der Grenze kam es zu einem Gefecht, wobei ein Bandit gefangen ge­nommen wurde. Einem Teil der Bande gelang es, über die russische Grenze zu entkommen. Die polnischen Verfolger wurden von den russi­schen Grenzposten lebhaft beschossen. Der gefangene Bandit gab an, daß die Frei­schärler auf russischem Gebiet organi­siert worden seien. Es ist ein polnischer Ministerrat zusammen berufen worden, der diplomatische Schritte Polens bei Rußland vorbereiten soll.

Kleine politische Nachrichten.

Die auf Befehl der Entente umgefärbte Schupo.

Berlin, 5. Aug. (Priv.-Tel.) Die von der Entente geforderte blaue-Urriformierung der Schutz­polizei wird bis zum 1. April 1925 durchgeführt sein. Bis zu diesem Termin werden die noch vor- banbenen grünen Uniformen im Snnenbienft auf­getragen. ülebrigens ändert sich an der Aus­rüstung und Bewaffnung der Schutzpolizei nichts.

Flucht bulgarischer Minister nach Serbien.

Paris, 5. Aug. Havas berichtet aus Sofia: Heber die Flucht der beiden der Partei Stam» dulinski angehörenden ehemaligen bulgarischen Mini st er Athanassow und S t o j a n eto , die zu zehn Sahren Gefängnis verurteilt worden waren, verlautet, daß die beiden Exminister kürz­lich krankheitshalber nach dem Alexanderhospital verbracht worden waren, von wo aus sie unter Mitnahme eines Wärters die Flucht ergriffen. Heute vormittag sei ihr Eintreffen auf serbischem Gebiet in Zaribrod gemeldet worden.

Drehungsachse zur Bahnebene ist der der Erde ähnlich, so daß der Mars ähnliche Jahreszeiten hat wie die Erde. Ferner trägt er auf seinen beiden Polen eisähnliche weihe Flecken, und er zeigt auf seiner Kugel Helle und dunkle Flächen, die den Eindruck von Ozeanen und Festländern machen. Die allgemeine Aufmerksamkeit weiterer Kreise aber erweckte er durch die berühmt ge­wordenenKanäle".

Sn den zwei Jahrhunderten, während derer der Mars wissenschaftlich beobachtet worden ist, hat sich die Gestalt der Hellen und dunklen Flächen auf ferner Oberfläche nicht geändert, abgesehen von sehr geringfügigen Veränderungen, die mit seinen Jahreszeiten in Verbindung' zu stehen schei­nen. Daraus folgt, daß diese Flächen wirklich der festen Oberfläche angehören und ferner, daß die Lufthülle des Planeten Marner und nicht so wolkig ist wie die der Erde. Enthält sie wirklich Wasser­dampf, so doch nur äußerst wenig. Man pflegt stets nie dunklen Flächen (deren Grundfarbe blau­grau ist) für Meere zu halten, die Hellen (gewöhn­lich dunkelgelb bis orange erscheinend) für Fest­länder. Ob das richtig ist, läßt sich nicht mit Sicherheit behaupten. Wenn auch eine Wasser­fläche auf der Erde, aus weiter Entfernung oder von oben gesehen, sehr dunkel erscheint, so wird doch immer unter dem geeigneten Gesichtswinkel sich mitunter auf der dunklen Wasserfläche das spiegelnde Bild der Sonne sehen lassen. Das hat man auf dem Mars noch nie gesehen. Deshalb hat man zur Erklärung auch an Wüsten und Oasen gedacht, hat auch auf dem Mars eine Eis­zeit vermutet. Die rötliche Farbe könnte dann von eisenhaltigem Staub herrühren, der die Eis­flächen bedeckt. Gegen alle diese Erklärungen lassen sich Einwendungen machen, und wir müssen ge-

Aus StaDt und Land.

, Gießen, den 6. Aug. 1924.

Luftschlösser.

Der bedeutendste Kirchenvater des Abend­landes, Aurelias Augustinus, der vor rund 1500 Sahren lebte, hat das Wort geprägt:In aere aedificatur!

Wir gebildeten Deutschen übersehen das mit: Luftschlösser bauen.

Nun ist das zwar nicht ganz sinngemäß, aber schließlich ist es doch dasselbe.

Wie Pater Augustinus in seiner einsamen Zelle viel und lange seinen Gedanken nachhing, so auch toir.heutigen. Wkr bauen uns aus ahnen ein luftiges, nebelhaftes Gebilde, ein Wunsch­heim prächtig und hehr, lassen uns locken and umgauMn von den holden Bildern and von der Vorstellung einfangen, wie es fein könnte, wenn manches hienieden anders wäre.

Schon als Kind hat man mit Wonne Luft­schlösser gebautWenn ich mal groß bin, liebe Mutti, dann.....AlnD Mutti hat in die

glänzenden Augen geschaut und mit Liebe und Sorge vernommen, was sich da in dem Köpfchen ihres Kindes für ein Luftschlößchen aufbaut.

Oder welcher junge Mann hat sich nicht schon weit in die Welt hinaus gewünscht, Pläne ge­schmiedet und Unternehmungen ersonnen, älnd hat man nicht in späten Lebensjahren manchmal davon geträumt, was man alles anders machen würde, wenn man noch einmal jung fein könnte.

Man weiß bei all diesen Luftschlössern mit ziemlicher Sicherheit, daß sie nicht verwirklicht werden können. Aber das macht nichts aus. Man ist trotzdem glücklich dabei, und es ist eigentlich dies das einzige Glück, daß man ohne Kosten genießen kann. Es gehören nur einige Minuten Der Ruhe, der Muße dazu.

Muße aber haben heute viele von ans. Shnen fehlt heute die geregelte Arbeit, die alle Kräfte anspannende Tätigkeit. Drum verfallen sie so leicht dem Bauen von Luftschlössern.

ilnD es baut sich heute so leicht.

Da durchstöbert man die Zeitungen and Zeit­schriften nach den jetzt so massenhaft erscheinenden Preisaufgaben. Wenn man so lieft, daß man 5000 Rentenmark für einen zugkräftigen Zigarettennamen bekommen kann, oder für einen Likör-Reklamevers ein Auto, Dann geht's an ein Nachdenken, Suchen und Probieren, das einer besseren Sache wert wäre, älnb kaum ist man Dabei, schon ertappt man sich beim schönsten Lustschloß. Sal Wenn ich erst die 5000 Märker­chon habe, bann könnte ist . . . .! Na, mal so weiter. Weng schließlich bei der ganzen Raterer auch bloß ine Niete rauskommt, das macht nichts. Man tröstet sich mit dem Vorsatz, es beim nächsten Mal besser zu machen. Vielleicht daß es doch noch gelingt, ilnD gelingt es wieder nicht, so hat man doch sein Vergnügen gehabt. Man hat mal diese miserable Gegenwart vergesien, sich die Geldknappheit weggeträumt und ist über alle Steuerschwierigkeiten mit einem Suchhel hrnweg- gesprungen.

ilnD ist der schöne Traum zerronnen, haben sich die lieblichen Bilder in Nichts aufgelöst, dann geht's wie auf dem Theater. Die rauhe Wirk­lichkeit zkcht den Vorhang herunter. Auf ihm aber steht mit goldenen Lettern:

Es kommt im Leben immer anders, als man denkt. '

Bovuotizen.

Tages kalender für Mittwoch. Stadttheater, 8 ilhr:Der Ehest reik." Ab­schiedskonzert der Reichswehrkapelle 8 ilhr auf der Liebigshöhe. D. H. V.: Mitgliederversamm­lung 8V2 illyr im Kaufm. Vereinshaus. Schle- sierversammlung 8Vs -Uhr im ..Hessischen Hof". Ruiidfunkhaus, Löberstvaße: Ab 8 ilhr buntes Programm. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Peter der Große".

Der Gießener Schwimmverein hat den Vorverkauf Der Eintrittskarten für die großen Schwimmwettkämpfe am 17. August er­öffnet. Näheres in der Anzeige.

Wettervoraussage

Heiter bis wolkig, Winde aus westlicher Rich­tung, tags über wärmer, sonst wenig Aenderung der Temperaturen, durchweg trocken.

*

** Provinzial Direktor Graef hat gestern seine Amtsgeschäste als Provinzialdirektor Der Provinz Ober Hessen und KreisDirektor Des Kreises Gießen übernommen. Er ließ sich nachmittags die Bsamten Der Provinzial­verwaltung und der Kreisverwaltung vorstellen, wobei er eine kurze Ansprache hielt, in Der er u. a. seinem Heimgegangenen Amtsvorgänger Worte der wärmsten Anerkennung toiDmete, Dann die Pflichten der Beamtenschaft, alle Kräfte zum Wiederaufbau des Staates einzusehen, betonte, und schließlich der Hoffnung auf gedeihlichste Zu­sammenarbeit mit allen Beamten Ausdruck gab.

stehen, daß wir heute noch nicht wissen, was wir uns eigentlich unter jenen Flecken vorzustellen haben. Ganz sicher glaubte man aber von An­fang an zu gehen, als man Die weißen Kappen auf Den beiden Polen des Mars für Schnee und Eis hielt. Um so mehr, als diese weißen Polflecke je nach der entsprechenden Hahreszeit größer oder kleiner werden, vermutlich abschmelzen, fast bis zum völligen Verschwinden. Aber dieser Wechsel in der Größe geht manchmal so schnell vor sich, daß er nicht recht zu erklären ist. 2Eud)i bleibt es ein Rätsel, woher bei der geringen Wolkenbildung und der geringen Luftfeuchtigkeit dort überhaupt diese Schneemassen kommen und sich oft schnell vergrößern können. Vielleicht ist es weder Eis noch Schnee, sondern eine Wolkendecke. Einige Beobachter haben auch an Reif oder sogar an eina.i Niederschlag fester Kohlensäure geglaubt. Wenn sich auch die genaue Temperatur auf dem Mars nur unsicher auf ilmmegen ermitteln läßt, so kann man doch sicher annehmen, daß die Durch­schnittstemperatur auf feiner Oberfläche tief unter Dem Nullpunkt liegt, eine Folge seiner großen Entfernung von Der Wärmequelle, Der Sonne. Dann kann das Wasser dort nur als Eis Vor­kommen.

Erwähnen wir zum Schluß die berühmten Kanäle, so betreten wir ein Gebiet, auf Dem seinerzeit viel Unfug getrieben worden ist. Es handelt sich da um graue, meistens gerade Linien, die netzartig in geometrischer Anordnung die rot- gelben, Hellen Flächen durchziehen. Shr Entdecker, Der italienische Astronom Schiaparelli, beging den Fehler, sie Kaiiäle zu nennen, ohne sie allerdings für solche zu halten. Er beabsichtigte Damit nur eine Benennung: aber zahlreiche Schriftsteller, die nie diese Linien selbst gesehen hatten, nahmen

I*" Zur Verfafsungsfeier am 10. tue» 11. August im Stadttheater und auf Der Liebigs­höhe wird im Anzeigenteil unseres heutigen Blat­tes eingeladen. Sonntag vormittag werden im StaDttDealer Polizeioberst Dr. Schützinger und Reichstagsabgeordneter Pfarrer Korell spre­chen, als Redner für Den Montagabend ist Prof. Dr. Fritsche gewonnen. Siehe Anzeige.

** Auszeichnung eines verdienten Geologen. Die Deutsche Geologische GesellB schäft hielt vom 28. Sult bis 2. August ihre dies- jährige Hauptversammlung in Königsberg i. Pr. ab. Dem am Erscheinen verhinderten Ehwenmit- gliede Geheimvat Prof. Dr. S e n h s ch - Gießen schickte Die Tagung folgenden telegraphischen Gruß: Shrem hochverdienten Ehrenmitgliede, dessen Name mit Der Königsberger Geologie untrennbar verknüpft ist, entbietet die Hauptversammlung Der Deutschen Geologischen Gesellschaft herzliche Grüße." DieKönigsberger Allgemeine Zeitung" schreibt hierzu noch folgendes:Prof. Dr. Sentzsch war am Ende des vergangenen Sahrhunderts über ein Sahrzöhnt Direktor des damaligen Pro» vinzialmuseums DerPhysikalisch-ökvnomischen Ge­sellschaft" und gleichzeittg außerordentlicher Pro­fessor für Geologie an Der Albertus-ilniversität. Allbekannt ist seine umfangreiche Tätigkeit in Der geologischen Kartierung und Erforschung Ostpreu­ßens: und wenn es gewagt werden konnte, die Deutsche Geologische Gesellschaft" dieses Sahr nach Ostpreußen einzuladen, so basiert die Mög­lichkeit hierzu neben den Arbeiten seiner Vor­läufer und Mitarbeiter, wie Zaddach, Berendt, R. KXebs und seiner Nachfolger wie Schellwien und Tornquist, sowie Der zahlreichen in den letzten Jahrzehnten Hierselbst tätig gewesenen preußischen Landesgeologen, vor allem auf seiner Tätigkeit."

** Der Gaspreis in Gießen. Sn Der jüngsten Zeit hat man aus mehreren größeren und mittleren Städten, auch in unserer Nachbarschaft, hören formen, daß Dort der Gaspreis im Hinblick auf Die Ermäßigung Der Kohlenpreise herabgesetzt wurDe. Verschiedsne Meldungen Dieser Art haben wir unseren Lesern zur Kenntnis gebracht. Sn unserer Stadt war von einer gleichen Maßnahme bis jetzt nichts zu vernehmen. Warum und wann?, so fragt man jetzt vielfach in Der Bür­gerschaft. Es wäre zu begrüßen, wenn man auf diese Fragen von zuständiger Stelle Aufschluß bekäme.

** Straßenbahn und nationale Zwei-Minuten-Trauer. Von der Direk­tion der städtischen Straßenbahn wird uns ge­schrieben:Sm Gießener Anzeiger vom Montag, den 4. August, wird in einer lokalen Notiz über Den Nationaltrauertag am vergangenen Sonntag gegen die Straßenbahn Der Vorwurf der Ober­flächlichkeit erhoben, weil ein Wagen der Straßen­bahn noch nach 12 Ahr durch Die Neuen Bäue gefahren sei. Tatsächlich beruht diese Bemerkung auf falschen Voraussetzungen. Die Straßenbahn hat ebenfalls den Betrieb von 12 bis 12 ilhr 2 Min. stillgeseht, und zwar wurde eben, um eine Gewähr für die bestimmte Einhaltung des Zeitpunktes zu erhalten, Die Stromversorgung für die Straßenbahn von der Zentrale des Elektri­zitätswerkes aus in der fraglichen Zeit unter­brochen Daß es zu dem an und für sich be­dauerlichen Vorkommnis gekommen ist, rührt da­von her, daß Die auf dem Marktplatz befindliche ilhr, nach Der sich die auf dem Marktplatz An­wesenden richteten, gegenüber der Bahnzeit um vielleicht 1/41/2 Minute vorging. Bei einer so kurzen Betriebspause wird sich eine geringfügige Abweichung in den Zeiten nie ganz vermeiden lassen. Hätte die ilnterbrechung längere Zeit ge­dauert, etwa 5 Minuten, so wäre dieser Fehler prozentual nicht so sehr in Erscheinung getreten. Die Abschaltung der Straßenbahn erfolgte, wie am Bahnhof einwandfrei festgestellt wurde, ge­nau nach der Bahnzeit. Anmerkung der Redaktion: Die vorstehende Zuschrift gibt uns keine Veranlassung, von unseren Bemerkungen am Montag, die keineswegs auf falschen Voraus­setzungen beruhten, etwas zurückzunehmen. Was wir beanstandet haben, war ein tatsächlicher Vorgang, Den wir selbst beobachteten und Den nicht nur wir, sondern auch noch andere Bürger peinlich empfanden. Daß die Straßenbahnverwal­tung nach der Dahnuhr Die Stromzufuhr unter­brach, hat, wie die Praxis ergab, Die Ein­heitlichkeit der Kundgebung der Bürgerschaft nicht gefördert. Damtt hatte man vielleicht auch von vornherein rechnen können, wenn man sich vergegenwärtigt hätte, daß in unserer Stadt Die städtischen ilhren und die Bahnuhr nie ganz über» einstimmen, wie man ebenfalls aus Der Praxis zur Genüge weih. Zweckmäßiger und erfolgver­sprechender märe es u. E. gewesen, wenn man Die Wagenführer angewiesen hätte, Die Wagen einfach sofort anzuhalten, sobald Die Glockenfchläge Der Turmuhren das Ende Der zwölften Stunde verkündeten und Die Bevölkerung auf Den Straßen durch Stehen bleiben ihre Trauer bekundete. Diese Anordnung hätte alle älnflarfjetten und Unan» nehmlichkeiten von vornherein ausgeschlossen. Sm übrigen wollen wir noch bemerken, daß unser Vor­wurf sich in erster Linie gegen den Wagen richtete, den wir beobachtet haben.

den Ausdruck wörtlich und phantasierten darüber das tollste Zeug zusammen. Der Entdecker hätte richtiger gehandelt, zu sagen: ich sehe auf Dem Mars graue Schattenlinien, Die ich mir nicht er­klären kann. Es hat sich inzwischen herausge- stellt, daß von Den vielen Streifen nur sehr wenige und zwar die deutlichsten, gröbsten wirklich vor­handen und heute an ihrer Stelle ebenso zu sehen sind wie von Den Beobachtern vor bald hunDert Jahren. Sonst aber ist das ganze geheimnisvolle Netz Der fadenartigen, blassen Linien mit ihren häufigen Verdoppelungen nichts anderes als eine Augentäuschung, hervorgerufen durch undeutliches Sehen. DieKanäle" verflüchten sich bis zum Verschwinden, je stärkere Fernrohre man auf sie anwendet und je näher uns Der Mars kommt. 2Xuch zeigen gute Marsphotographien die Kanäle nicht. Das Auge pflegt undeutlich erfennbare, verschwommene, kleine Gegenstände durch Linien verbunden zu erblicken. And solche undeutlichen Ding«, Unebenheiten, scheinen sich auf Dem Mars zu befinden.

Lilles in allem haben wir in diesem Planeten, der immer als der Erde in mancher Beziehung gleichend hingestellt wird, eine uns fremde Wett vor uns, mit ungelösten Rätseln. Wegen der er­wähnten äußerlichen Aehnlichkeiten mit Der Erde sind schon seit langer Zeit allerlei Vorschläge ge­macht worden, um mit seinen Bewohnern in Verbindung zu treten. Ob dort lebenDe Wesen anzutreffen sind, können wir höchstens vermuten: das aber können wir wohl behaupten, daß sie wegen der viel Dünneren Luft, des viel spär­licheren Wassers und Der viel geringeren Tem­peratur Dort schwerlich den Menschen der Erde gleichen werden