Ausgabe 
5.5.1924
 
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Erstes Blatt

U4- Jahrgang

Montag. 5. Mai 1924

Vrvck md Verlag- vrühl'Iche llnivers!ISt5°vvch- und Lteindruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7.

Das Ergebnis der Reichstagswahlen

Wahlresultate aus 22 Wahlkreisen

919 446),

9175, Dem.

selbst und für unsere

5007, Q3ÖLL

1122, Hess.

der Technik bringen kann. Für das Handwerk

18 423, Häuher 185, Deutschnatl. 5578, Zentrum 43 319, A.S.P. 1144, Dtsch W. P. 344, Völk. 1464, Geuhen 1332, Hess. W. Vd. 218, Hess. Bauern­bund 13 608.

Sozialdemokraten 4 120 700, (1920: 6104 398),

Zentrum 2 235 350 (3 845 001),

Deutsche DolkSparte! 2 047 200 (3

1997, Deutzen 5998, Hess. W. Bd. Dauernbd. 27 261.

Rheinhessen:

Soz. 45 947, D. Vp. 21 767, Komm.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichZ, auswärts 10 Goldpsennig; für Re­klame-Anzeigen d 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20U/O2luf. schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Will). Lange; für den übrigen Teil: ErnstDlumschein.-fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

Pfalz.

Ludwigshafen: Demokr. 3413, Kommu­nisten 10 673, Sozialdem. 11835, Zentrum 8171, Verein, nat. Rechte (Dtsche. Volkspartei und Deutschnat.) 5009, Dayr. Vp. 1262, Völkischer Block 1827, Wahlbeteiligung 78 Prozent.

Landau: Demokr. 698, Kommunisten 252 Sozialdem. 777, Zentrum 572, Verein, natl. Recht» 1752, Vayr. Vp. 1114.

Speyer: Demokr. 705, Kommunisten 2803, Sozialdem. 2480, Zentrum 1724, Verein, natl.* Rechte, 2742, Völl. Block 877 .

Frankenthal: Demokr. 1061, Kommu­nisten 2272, Sozialdem. 3839, Zentrum 1470, Der« einigte natl. Rechte 1677.

Reu stadt a. H.: Demokr. 1160, Komm. 1334 Svz. 2147, Zentr. 460, Deutschnatl. 2111, Dayr V.-P. 1598, Völk.-soz. 336.

Ein deutsch-russischer Zwischenfall

Berlin 3. Mai. (WTD.) Am Samstag nachmittag hat die Berliner politische Polizei in einem Teil der Räume der Handelsvertre­tung derSowjetrepubliken in der Lin­den strahe eine Durchsuchung vorgenommen. Der- anlal.ung hierzu bildete folgender Vorfall: Der vom Staatsgerichtshof der Republik gesuchte Kommunist Bozen Hardt, der ein Ange­stellter der vorgenannten russischen Handels­vertretung ist, war in Württemberg festgenommen worden und sollte gemäß den Weisungen des ülntersuchungsrichters von Württemberg nach Pommern verbracht werden. Beim Durch- transport durch Berlin veranlaßte ter fest-» genommene Doze '.Hardt die ihn begleitenden bei­ten württembeigischea Polizeibeamten, das Ge­bäude der Handelsce.tretung in der Lindenstratze aufzusuchen, indem er den ortsunkundigen würt- tembergischen Beamten vorspiegelte, daß sich in diesem Gebäude ein C a f 6 befinde, in welchem eme kleine Erfrischung eingenommen werden sollte.

Nach Eintritt in daS Gebäude befreite sich Dozenhardt unter Beihilfe mehrerer An­gestellter der Handelsvertretung; die württem- bergischen Beamten selbst wurden von An­gestellten der Handelsvertretung einige Zeit festgehalten; erst nach energischsten Vorstel­lungen war es den Beamten möglich, die Frei­heit wiederzugewiuuen.

Die nach diesem Vorfall von der Berliner politi­sch n Polizei vorgenommeae Durchsuchung führte zur F e st n a h m e von fünf Ange e lten der rusft- sch n Handclsvertte'.ung. dir sich demnächst wegen Beihilfe zur Gesangenenb.'freiung, Freiheitsberau­bung und Nötigung vor Gericht zu v.cantworten pabm werden, außerdem von drei weiteren An- aestellten der' Handelsvertretung wegen Wider-

Nr. 105

Erscheint täglich, anher Sonn» und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GietzenerFamilienblütler MonatS'vezuorpreir:

2 Goldmark u. 20 Gold- pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsfe: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51.

Anschrift für Drahtnach­richten: AnzeigerGiehen.

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686.

*

Darmstadt Stadt: Soz. 13266, D.V.P. 13127, Komm. 2988, Demokr. 3622, Deutschnatl. 5529, Zentrum 3052, 11. S. P. 168, Deutsche Wert- schaftsbund 619, Völk.-soz. Dl. 4190, Geusen 2487, Hess. Wirtschaftsbd. 25, Hess. Dauernbund 146, Häuher 36.

Mainz Stadt: Soz. 18054, (1920: 16 414), D. V. P. 4419 (5554), Komm. 4053, Demokr. 3363 (7276), Deutschnatl. 2511 (2832), Zentr. 13 090 (13 528), 11SP. 424 (7417), Dtsch. Wbd. 62, Völk.- soz. Dl. 463, Geihen 467, Häuher 55.

Offenbach. Soz. 12732, DVP. 4128, Komm. 8496, Dem. 2872, Häuher 83. Deutschnat. 3072, Zentr. 5046, 11SP. 326, D. Wirt. P. 1756, Völi.-Soz. 1715, Geuhen 616, Hess. W. Dd. 99, Hess. Dbd. 47. |

Worms: Svz. 6424, DVP. 7305, Komm. 1997, Dem. 1471, Häuher 25, Deutschnatl. 578, Zentr. 2504, HSP. 120, D. Wirt. P. 23, Völk.-soz. 206, Geuhen 273, Hess. Wbd. 5, Hess. Dauernbd. 13.

Hessen-Nassau.

Dos Ergebnis im Wahlkreis Hessen- Nassau ergibt vorläufig folgendes Bild: D. Dolksp. 192 000 (1920: 183 511), Dem. 98 000 (116 084), Völk. 59 600, Deutschnatl. 187 000 (177 273), A.S.P. 93 000 (139 321), Komm. 58 400 P(16 524), Soz. 222 000 (310 735), Zentr. 178 000 (192 808).

Kreis Wetzlar: D. Vp. 5918, Völl. 1484, Dtschntl. 2746, Dein. 470, Komm. 1598, Soz. 9984.

Kreis Marburg (außer Stadt): Dem. 470, D. Vp. 865, Deutschnatl. 2746, Deutsch-svz. 638, Zentr. 5008, Nat. Freiheitspart. 621.

Marburg (Stadt). Nat. Freiheitsp. 8, Häuherbd. 3, Dem 964, ASP. 53, Soz. 888, Wirtsch. P. 632, Ztr. 676, D. Vp. 1686, Pölk. Soz.

17 494, Häuher 389, Deutschnatl. 17 059, Zentr.

42 537, A.S.P. 1686, Dtsch. W. P. ---- ----

Dl. 1983, Dn. 3434, Komm. 680. Es fehlen noch einige Bezirke.

Marburg (Kreis). Nat. Freiheitsp. 395. Häuherbd. 16, Dem 1302, ASP. 225, Soz. 2505, Wirtsch. P. 121, Ztr. 694, D. Vp. 1612, Völk. soz. Dl. 1791, Dn. 6640, Komm 1743.

Kirchhain, 5 Mandate. Nation. Freih.-P. 521, Häuherbd. 7, D. 470, ASP. 68, S 1488, Wirts. P. 91, Z 5008, VP. 865, Völk.-soz. Block 3638, Dn. 2746, Komm. 293.

H ö ch st a. M.: D. Vp. 1630, Deutschnatl. 577. Völk. 199, Zentr. 3350, Soz. 3553, Dem 1177, Komm. 2605.

Hanau-Stadt: Deutschnatl. 2523, D. Vp, 2923, Völl. 1913. Zentr. 1988, Dem 1928, Sog. 3351.

Frankfurt: Svz. 66105, Stornm. 27325, A.S.P. 3528, Zentr. 29 147, Dem. 24 476, D. Vp. 23 899, Deutschnatl. 38 951, Völl. 15 410, Häuher 256, Dtsch W. P. 994.

Bayern.

Zn Mün chen ist das Gesamtergebnis der abgegebenen Stimmen 287 491, davon erhielt Dn. 35 079, DVP. 3055, Völl. Dl. 81 380, Zentr. 3729. Dayr. VP. 58 730, Soz. 47 268, Komm. 43 232, Demokr. (D Dl.) 7737, Freie Wirtsch.-Bund 282, Häuherbund 328, Bahr. Bauernbund 636, Bund für das Gast wirtsgewerbr 534, ASP. 1375. Republik. 423, Dayr. Mittelstandsbund Südgau 1548.

Aschaffenburg: DVP. 209, Dtsch.--natl. 1247, Dem. 866, Zentr. 1447, Soz. 7827, Komm 1715, Völk. 1562, Dayr. Vp. 13 416.

Lands hut: Soz. 1093, Komm 1052, Bahr. Vp. 4607, Dtschnatl. 479, Völk. 3302.

Passau: Völl. 1355, Dayr. Vp. 3469, Soz 729, Komm 740, Dem 167, Zentr. 597.

Nürnberg. Soz. 69211, Ztr. 3700, D. Vp. 913, Dn. 14 900, Dem 7343, Dayr. Vp. 12 919, Komm. 26 919, Dayr. Bauernb. 13 030, ASP. 310, Völk. 59 958.

sichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Die Bedeutung des deutschen Handwerks für die Volksgemeinschaft.

Von Dr. M e u s ch, Generalsekretär des Deutschen Handwerks- und Gewerbetammertages.

Stürme sind über die deutsche Wirtschaft hinweggegangen, wie sie in solchem Umfange wohl kaum eine andere zu bestehen hatte. Nun scheint auch diese Krisis ihren Höhepunkt über­wunden zu haben, und man kann daran denken, das Trümmerfeld auszuräumen und an den Wiederaufbau zu gehen. Dei dieser Sichtung wird man finden, dah auch das deutsche Hand­werk zusammen mit dem übrigen gewerblichen Mittelstände in dem Kampfe um seine Existenz besonders schwer gelitten hat. Es wird ange­strengtester Arbeit bedürfen, um die Wirtschaft­lichkeit des Handwerks zu bessern und seine Leistungsfähigkeit zu heben.

Die Kräfte, die zu einem solchen Wieder­ausbau nötig sind, sind glücklicherweise im Hand­werk in ausreichendem Mähe vorhanden. Nichts beweist mehr die volkswirtschaftliche Notwendig­keit des Handwerks und die in ihm vorhandene Lebenskraft, als dah es die schwere Prüfung der Inflationszeit bestanden hat und bereits mit neuer Zähigkeit an der Konsolidierung seiner Verhältnisse arbeitet.

Die Geringschätzung des Handwerks als einer absterbenden Drtriebsform muh der Ueber^eu- §ung weichen, dah das Handwerk ein selbständiger Berufsstand ist, aus dem unserem wirtschaftlichen Leben immer neue Energie zuflieht. Der in der Meisterlehre durchgebildete Geselle mit seinem vielseitigen fachlichen Können und seiner Ma­terialkenntnis ist der gesuchte gelernte Arbeiter für den Grohbetrieb, ist der gesuchte Werkmeister. Das Handwerk vermittelt nicht allein technische Fertigkeiten, sondern bildet den Geist und stellt die Verbindung von Geist und fachlichem Können zu einer Einheit her, die allein einen Fortschritt

Derrtschnatlonale DolkSpartei 3 968 300 (4 249 100),

Demokraten 1 280 700 (2 333 741),

Bayerische Dolkspartel 881300 (1 557 712),

Kommunisten 2 970 300 (589 454),

Völkischer Block 149 700,

Hannoveraner 125 000,

Bayerischer Dauernbund 595 000 (307 396).

Um 6 Ahr lagen auS 22 Wahlkreisen die vorläufigen Resultate vor. Demnach sind ins­gesamt 244 Kandidaten als gewählt zu be­trachten. Sie verteilen sich folgendermaßen:

Sozialdemokraten 38.

Demokraten 12,

Zentrum 39,

Deutsche DolkSpartei 25,

Deutschnatioaale DolkSpartei 42;

Außerdem entfallen auf den DoMsch-fo- zialen freien Block in Ostpreußen 1, auf den Landbund in Thüringen 1 Sitz, auf den Döl- kifch-soz. Block in TWringen 1 Sitz.

Das Ergebnis in Hessen.

Darmstadt, 5. Mai. (WTD.) Amt­liches Gesamtergebnis von Hessen. Soz. 171132, D. D.-P. 64 986, Komm. 54 926, Dem. 44 240, Häusser-Dund 624, Dn. 36 281, Zentr. 93 707, A. S. P. 3655, Wirtschaftspartei 7057, Völk. Dund 17 989, Wirtscch-Dund 4925, Dauernbund 81823.

Bestimmt gewählt sind: Staatspräsident A l r i ch und Reichsminister Dr. Davi d (Soz.), Dr. Decker (D. D.-P.), Dr. B r o ck i u s (Z.) und Dorsch (Dauernbund). Voraussichtlich wird noch ein 3. Sozialdemokrat, Dr. Ques­se l, in Frage kommen.

I stau des gegen die Staatsgewalt und Paßverge- hms. Dozenhardt selbst wurde nicht mehr in dem Gebäude der Handelsvertretung angetrofien.

Wegen die'es Verhaltens der Angestellten der Handelsvertretung hat das Auswärtige Amt bei der Berliner russischen Botschaft eine Verbal­note überreicht, in der es u. a. heißt: Das Aus­wärtig; Amt b:eh.t sich, der bevollmächtigten Vertretung (Botschaft) der Anion dec Sozialisti­sche Sowjetrepubliken unter Bezugnahme auf den heutigen Vorfall in dem Gebäude der hie­sigen Handelsvertretung der Union der Sozia­listischen Sowjetrepubliken anbei eine Aufzeich­nung zur übersenden, die auf der amtlichen Vernehmung der beiden beteilig en deut chen Kriminalbeamten beruht. Nach dieser Aufzeich­nung steht fest, dah I

Angehörige der Handelsvertretung die Flucht des deutschen Gefangenen ermöglichten, indem sie die begleitenden Kriminalbeamten an der

Verfolgung gewaltsam verhinderten;

es steht weiter fest, dah Angehörige der Handels­vertretung die beiden Kriminalbeamten wider­rechtlich in dem Gebäude eine Zeitlang fest­hielten und zu bestimmten Handlungen nötig­ten. Dieses Verhalten von Angehörigen der Han­delsvertretung gab der hiesigen Polizeibehörde Anlah, das Gebäude der Handelsvertretung m i t Polizeikräften z u um st eilen und eine Durchsuchung des Gebäudes nach dem ent« wichenen Gefangenen vorzunehmen und fünf An­gehörige der Handelsvertretung, die sich an den Mahnahmen gegen die Kriminalbeamte betei­ligten, in Haft zu nehmen. Ferner sind bei der Durchsuchung zwei weitere Angehörige der Handelsvertretung wegen Wider st andes gegen die Staatsgewalt sowie der Angehörige der Handelsvertretung Ionas Poh wegen des bei dieser Gelegenheit festgestellten P a h v e r - gehens verhaftet. Hinsichtlich dieses Vorgehens Der Polizeibehörde beehrt sich das Auswärtige Amt auf die Tatsache hinzuweisen dah den von der Handelsvertretung gemieteten Gebäuden nicht etwa besondere Vorrechte zustehen, wie sie die Gebäude der hier beglaubigten Missionen genießen. Das Auswärtige Amt muh gegen das Verhalten der Angehörigen der Handelsvertre­tung, daS einen groben Ver stoh gegen öle deutschen Gesetze darstellt, nachdrück­lich Verwahrung einlegcn. Es wird Sache der deutschen Strafverfolgungsbehör­den sein, die Verantwortlichkeit der Beteiligten nach Maßgabe der deutschen Gesetze sestzustellen.

Volksgemeinschaft liegen in dieser Verbindung grobe kulturelle Werte. Nur derjenige, welcher seine Arbeit mit dem Geiste durchdringt, kann Werte schaffen, die auch einen Ginfluh auf die Umgebung ausstrahlen. Wie der Umgang mit ge­bildeten Menschen unbemerkt erziehend einwirkt, so auch Handwerkserzeugnisse, in denen sich die Persönlichkeit des Meisters' wiederspiegelt. Was tonnen dem Menschen die Serienwaren einer mechanischen Industriealisierung, die bestenfalls durch eine glänzende Fassade Den Mangel ihres inneren Wertes mühsam zu verdecken suchen, für Gemütswerte schaffen, da er die gleichen Formen an tausend und abertausend Stellen wieder antrifft in der gleichen Anpersönlichkeit. Wie anders wirkt der gut handwerkerliche Haus­rat, aus dem die Liebe des Schaffenden und zugleich eine persönliche Note des Besitzenden spricht. Zwar war auch die Kunst des Handwerks in den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung verflacht, well sowohl das Publikum geblendet war bqji den technischen Errungenschaften, als auch dem Handwerkk die Pflege seiner Kunst erschwert wurde durch den Wettkampf ums Dasein. Aber in diesem Kampfe besann sich auch das Handwerk auf seine Tradition und bemüht sich wieder, das zu werden, was es war, der Verfertiger künst­lerischer IndiviDualitätsprodukte.

Neben diese kulturelle Bedeutung stellt sich gleichwertig die sittliche. Selbständig zu werden ist immer noch der innerste Trieb aller Menschen. Selbständigsein erfordert aber immer das Ein­setzen der ganzen Persönlichkeit und des Besitzes. Die Erhaltung der Selbständigkeit verlangt vom Handwerker einen steten Kampf mit dem tag» licken Leben und oft die Zurücksetzung persön­licher Wünsche, verlangt Verzicht auf mancherlei Bequemlichkeiten und Genüsse, wobei man durch­aus nicht an leibliche Genüsse zu denken braucht. Wie wenige Handwerker können sich einen Theater- oder Konzertbesuch gönnen, wie selten finden sie Zeit, ein gutes Buch zu lesen! Diesen Kamps kämpft aber mit ihm zumeist seine ganze Familie, die Frau, die Kinder. Die Kinder, die einer solchen Gemeinschaft entsprießen, werden schon früh mit dem sittlichen Ernst des Lebens Dertraut Sie lernen schon beizeiten, dah ein Aufstieg nur möglich ist bei ernster Arbeit und ehrlichem Streben.

Die enge Arbeitsgemeinschaft zwischen Meister, Gesellen und Lehrlingen kann die so­zialen Gegensätze, die in den industriellen Groß­betrieben offenbar sind, ausgleichen. Der Geselle sieht, dah der Ausstieg nicht mühelos gewonnen wird, dah der Meister ringen muh, um den Be­trieb durch die Fährnisse des wirtschaftlichen Lebens hindurchzubringen. Der Geselle lernt dabei die Bedingtheit kennen, unter der sich die wirt­schaftliche Betätigung seines Betriebes abspielt. Er wird deshalb ein besseres Verständnis für die gegenseitige Verknüpfung der Vollsgemeinschaft erwerben können als Der Industriearbeiter.

Auf Der anderen Seite ist das Handwerk noch immer Die Tür, durch die der Aufstieg der unteren Schichten des Volkes zu eigenem Besitz und zur Selbständigkeit möglich ist. 3m Hand- trerk ist Die Grenze, an der Der Besitz und die QIrbeit zusammenstoßen und die der Arbeitswille immer noch überschreiten kann. Groh ist Der Prozentsatz Derjenigen im selbständigen Hand- Dert die caiä kleinsten Anfängen ihren Besitz auf­gebaut. Groh aber auch Die Anzahl industrieller Betriebe, Die ihre Keimzelle in einem kleinen Handwerksbetriebe hatten. So sorgt das Hand- teerk dafür, dah immer neue Säfte in die Spitzen plerer weitverzweigten Wirtschaft dringen

Die

Berlin. 5. Mai. kW TD.) Die Wah­len verliefen im ganzen Reich, soweit bisher bekamttgeworden, ruhig und unter ziemlicher Deteiligung. Eine genaue Aebersicht über das Ergebnis ist zur Stunde noch nicht ersichtlich, da noch nicht auS allen Wahlkreisen die Er­gebnisse vorliegen. Soweit wir zur Stunde er­fahren konnten, erhielten bisher

können, und daß Derjenige, Der ein Handwerk erlernt, nicht hoffnungslos Der immerwähren­den wirtschaftlichen Abhängigkeit preisgegeben ist.

An dieser kulturellen, sittlichen und sozialen Bedeutung des Handwerks vvrüberzugehen, hiebe ungeheure Werte ungenutzt lassen.

Dah sich das Handwerk selbst seiner Pflich­ten bewußt ist, dafür zeugen die Bestrebungen, Die es aufwendet, um Anerkennung als beson­derer Derussstand in Der Oeffentlichkkeit zu fin­den. Die Einrichtung Der Handwerkskammern durch die Novelle zur Gewerbeordnung von 1897 brachte diese Anerkennung. Am jedoch seine Auf­gaben ganz erfüllen zu können, bedarf es Der Zusammenfassung aller Kräfte unD die soll ihm ein neues Derufsgeseh mit der Pflichtzugehörig­keit aller Handwerker zu ihrem Fachverbande bringen. Kein Rückfall in zünftlerische Ideen, wie die Gegner so gern behaupten, sondern nur ein Zusammenfassen aller Kräfte zur Erziehung des Gesamtstandes in kultureller, sittlicher und wirtschaftlicher Beziehung zum Zwecke der Ar­beitsleistung für Die Volksgemeinschaft. Es hat sich im HanDwerk die Erkenntnis Dahn gebrochen, dah höchste Werte nur geschaffen werden können, wenn wieder handwerkerliche Tradition entsteht, wenn wieder eine allumfassende Organisation Der NährboDen wird, auf Dem das junge Geschlecht gehegt unD gepflegt wirD. Nicht wie früher auf Die Hilfe Des Staates in wirtschaftlicher Beziehung zielt Das Deutsche Handwerk, sondern es strebt nach Dem Zusammenschluß, innerhalb dessen es seine beruflichen Belange in freier Selbstverwal­tung regeln kann. Bewußt schließt sich Dabei das selbständige Handwerk nicht vom unselb­ständigen ab, sondern fein Streben geht dahin, durch die Berufsstandsgemeinschaft wenigstens in seinen Reihen Die großen Gegensätze zu über­brücken, durch die das deutsche Volk zerrissen ist und die dem Volkskörper schon so viele Wunden schlugen.

Daß das Handwerk bestrebt ist, wirtschaftliche Rückständigkeit zu überwinden, beweisen seine wirtschafllichen Organisationen, Die Die Vielheit Handwerker! cher Einzelbetriebe schützend umfassen beim geschäftlichen Einkauf der Rohmaterialien und die ihm die Aebernahme großer Aufträge er­möglichen.

Ein Forschungsinstilut für rationelle Be­triebsführung im Handwerk ist bemüht. Die ratio­nellsten Betriebsmittel für das Handwerk zu er­mitteln und auf eine rentablere Gestaltung der Betriebe einzuwirken. Gin Forschungsinstitut für I Handwerkswirtschaft arbeitet Daran, einwandfreie I wirtschaftswissenschaftliche Darstellungen Der ein-

Don den abgegebenen tSimmen entfallen auf Oberhessen:

Svz. 36 036, D. Vp. 12 389, Komm. 9106, Dem. 0527, Häuher 146, Deutschnatl. 13 644, Zentrum 7751, A.S P. 823, Dtsch W. P. 1666, Voll. 49 6, Geuhen 1486, Heft. W. Bd. 3565, Hess. Bauern­bund 40 954.

Starkenburg:

Soz. 88 949, D. Vp. 30 830, Komm. 36 085, Dem.

zelnen Handwerkkszweige und des Gesamthand- I Werks abzufassen, um die oft verkehrte Einstel­lung Der Wirtschaftswissenschaft zu diesen Pro­blemen zu berichtigen.

So sehen wir ein stark pulsierenDes Leben im deutschen Handwerk. Nicht Bevorzugung oder Sondervorteile verlangt es für sich, nur Anerken­nung seiner Existenzberechtigung und seiner wert­vollen Funktionen im Organismus des gesamten Staates. Diese Anerkennung muß es finden, soll nicht Der Volks körper Schaden leiDea