Oer Alte auf Topper.
'Xdoktb a» Hanns V2» Zvbeltitz.
BO. gortteOung. (Rachdrock Verben.)
Ser Äönig aber tat einen zw^achen Meisterwurf, einen diplomatischen, einen militärischen. Ad 1: er persuadierde den Russen, nur noch Drei Tage bei ihm zu bleiben; nicht zur 'Bataille, bewahre, nur zum Schein, nur zur Parade gleichsam. An Dorwänden fehlte es nicht, die Dec- Pflegung muhte das Derbleiben der zwanzig lausend Russen bedingen. Ad II aber: er schlug den Daun, während die Russen in Parade standen, als ob sie an seinem Angriff teilnehmen wollten, schlug den Daun so kräftig, dah ihm Hören und Sehen verging.
Das war bei Burkersdorf, am 21. Juli glorreichen Angedenkens, und wie der König schlug, das war wieder ein Meisterstück. Gleich als ob er in der letzten grvhen Schlacht des Krieges, in der er selber das Kommando führte, allen seinen Dataillen die Krone aufsetzen wollte.
General Graf Wied muhte im weiten Dogen die feindlichen Schanzen umgehen, lat s in drei Rachtmärschen. unbemerkt vom sonst so vorsichtigen Daun, rristete sich im Weihtrihtale ein mit zweiunddreihig Bataillonen. Vierzehn Bataillone *- und die lieben Sommergäste, die Russen — blieben in der Hauptfront, den Weihröcken gegenüber, sie hübsch zu beschäftigen und abzulenken. Sv war die Disposition.
3n der Rächt zum 21. ist der König aufge» sesfen mit seinem Gefolge, zu den detachierten Truppen herüber geritten. War wieder bei gutem
Jjumore und deS Erfolges gewEV, Totoen etn Schlachtenlenker das sein kann. Der Zabeltitz Hit noch den Dienst bei der Toilette gehabt, und wie er Majestät den Kaffee präsentiert, Haden Majestät ihm zugenickt: »Heut gilt'8! Er hat doch <Sourage ?"
Ob der Page Courage hatte! Gar nicht geantwortet hat er, ist nur rot geworden bis unter die Haarwurzeln. Da haben Majestät gelacht.
Als sie im Weihlritzlal anlangen, tummeln sich da zwei Reitersleute. Der König ruft sie an, kann in der Dämmerung nicht erkennen, wer es ist. Sind zwei Regimentsprediger, Seegebanh und Grolich, die auch dabei sein wollen, ihres Amtes zu warten, ünb im Weiterreiten erhascht dec Page noch einen festen Händedruck seines Cajetan. „Mit Gott!"
„Pro Deo! Pro rege! Pro patria!" gibt er zurück, und wie er's so sagt, schiehen ihm mit einem Male allerlei Erinnerungen durch den Sinn an seinen guten Informator, der so fleihig und so vergeblich mit ihm Latein traktiert, il nb damit bunte Gedanken an die liebe Heimat. Alles wie im Fluge. Hat auch keine Seit, ordentlich auszudenken, denn da hebt der König schon die Hand zum Gruß: der Graf Wied kommt heran«*- gesprengt und der General Mollendorf. Roch ein paar Orders, die Adjutanten jagen davon — die Bataillone treten an, lautlos —
Der Tanz kann beginnen. Bergan klimmen sie, hin aus Ludwigsdorf; zu dem stieg der Prinz von Anhalt mit seinem tapferen Regiment hinaus, Möllenbors auf Burkersdorf zu. Die Weihröcke, scheint's, haben heut die Rachtmützen besonders tief über die Ohren gezogen. Da sind schon die vordersten Posten überfallen, überwältigt. Aber
jetzt tnattcrt das Kletngewehr, imb die Kanonen krachen den Morgengruh. DvrwärtS! Dorwärts!
Mitten im feindlichen Feuer hält der König Der Tag will kommen, doch die Hänge und Schluchten sind noch nebelschwer. Man sieht nicht weit. Einmal hat der König sich das Perspektiv reichen lassen, gibt es gleich kopstchüttelnd zurück. Rur das ist sicher: jetzt haben die da oben sich den Schlaf aus den Augen gewischt, wehren sich flohen gegen, das Feuer wächst, wird immer heftiger. Es geht dem Kriegsherrn zu langsam, alle- kommt heut auf den ersten Chock an. Lentulus muh hinaufjagen, zur Eile zu treiben. Drauf und dran, kein unnützes Pulver. Bajonett, Bajonett! 3m Rebel taucht der General unter, verschwindet. Aus den wogenden Rebellchwaden blitzt es wie beim Gewitter aus den Wolken. —
Zehn Schritte hinter Seiner Majestät hält der Page.
ilnb plötzlich schaut fein Auge etn seltsames Bild. Mit einem Male stöbt ein Windstoh die Qicbei zur Seite, und hell und klar steht die Iulisonne am Himmel. Grad' über dem König, übergießt ihn mit ihren Strahlen, umflutct ihn. Wie in Himmelslicht getaucht erscheint er. die vergilbten Tressen am Hut leuchten auf, es ist. als ob er wüchse — wüchse —
Unb er sprengt an. Mächtig greift sein Rot- schimmel Cäsar aus, immer durch die leuchtenden Sonnens luten hindurch. Da ist der lentulus zurück: „Euer QHajeftät, die grobe Schanze ist unser!"
Dem jungen Blut pocht da« Herz gegen die Rippen. Richt Der Äugeln wegen. Aber der leuchtende, strahlende König ... der tut'S ihm an. Ilnb wieder schiebt ihm solch lateinischer Brocken durch den Sinn: „Bee soll cedit —"
Der Rotschimmel stehl. QKeöung vom Grafen Wied: „Regiment Anhall hat das Retranchemack bei Leutmannsdorf mit dem Bajonett genommen Der Feind weicht."
Hebt der .König die Hand: „Page!"
„Euer Qllajeflät!"
„Reit' Er zurück nach Bohendvrf: die Bataille ist gewvnnenl Sie sollen Diktoria —
Bricht plötzlich ab —
Weit vornüber fällt der Page, auf den H»S des PferdeS. Greift mit der Zügelhand in die Luft. Der Gaul bäumt auf — zur Seite sinkt der Junker, lautlos, hängt noch mit einem Fuß im Steigbügel ... sie sind schon um ihn .
„Feldscher her!" rüst Der König. Sieht einen Moment zur Seite. „Braver Bursch! . . . Also muß Er reiten, Krusernark . . sie können Dik- toria schießen. Meld' Er auch Dem Tschernyschow, die Bataille wär' gewonnen, ich lieh mich bedanken. Der Eichler soll Rachricht schicken nach Breslau." Und häut Dem Cäsar die Eisen ein, jagt in die vorderste Reihe zu seinen Tapferen —
Sie waren um ihn. Der Feldscher reißt den Rock auf und das Hemd herunter. Hat nicht Diel zu tun. Da hilft keine Kunst. Grad' überm Herzen tropft das Blut.
Marzanke ist da. Sie tragen ihn ein wenig seitwärts, denn auf der Straße jagen grab’ die Bevern-Dragoner. Legen ihr gegen die Felswand, betten den Kopf auf einen Haufen Gras. Sr liegt ganz stille, muß keine Schmerzen haben, so friedlich ist das junge Gesicht.
Einmal sprengt dec Lentulus vorüber, hält einen Augenblick. „Armer Bursch — Sv jung — 3ft halt nit anders . .
(Fortsetzung folgt.)
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