Ur. 285 Drittes v!<m
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tderheffen) Mittwoch, s. Dezember 192-1
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Aus dem Reiche der Frau.
kaht uns den Kindern leben!
Don Marie 'Bo uff et
Die A dve n t S z e i t bricht an und damit die Zeit seliger Erwartung für unsere Kleinen. Wie sie miteinander plaudern in heimlicher Neugier, was das Christkind wöhl bringen werde, wie sie uns bestürmen mit Fragen, wie lange <s nun noch dauere bis xur wundervollen Weihnacht, ilnb wir Erwachsens, wir sollten ihnen folgen in das Kinderland trotz der drückenden Schwere der Zeit.
„Laßt uns den Kindern leben!" Niemals enthielt dies Wort des alten Fröbel eine dringlichere Mahnung als jetzt Denn wir Aelteren, die wir mit heiyem Schmerz den Zusammenbruch unseres geliebten Vaterlandes erlebten, die wir so viele unserer stolzen Ideale sttrrzen sahen, die wir mit Trauer all die -ersehenden Erscheinungen in unserem Volksleben wahrnehmen — wir wissen cs, für uns sind die guten Jahre vorüber, unser Leben wird im Dümmerschern vergehen. Ader unsere Kinder sind unsere Hoffnung. Sie sollen einst bessere Zeiten sehen, sie werden, so hoffen wir, herangcrrist, einem verjüngten, neu erstarkten Deutschland ihre Kraft widmen. Do müssen wir sie auch tüchtig und stark machen, das) sie diese besseren Zeilen mit herausführen Helsen, daß sie späteren Ausgaben gewachsen sein werden. Die beste Quelle der Kraft aber ist eine glückliche, sonnige Jugendzeit. Darum schafft den Kindern Freude, zeigt ihnen fröhliche Gesichter, toftf ihr Kinderland wirklich ein Stück Paradies feint
11 nb feiert auch Feste mit ihnen! Gerade in dieser Zeit, wo alle errtftgefinnten Menschen sich abwenden von allen lauten Vergnügungen, von dem bunten Treiben auf den Stvahen und in den Sälen, da sollten unter* Mütter darauf bedacht sein, die guten Geister einer reinen, heimlichen Fröhlichkeit im Innern des Hauses wachqurusen. Es braucht so wenig, ein Kinderherz froh zu machen. Wir sollten öfter tletnc stimmungsvolle Hausfeste feiern außer der üblichen Geburtstag^ und Weihnachtsfeier. Matthias Claudius schildert es uns in feiner Estrichen Weise, wie das Fallen des ersten Schnees in seinem Hause mit einem gemeinsamem Vratäpfelschmaus festlich begangen wiid, wie die Kinderol)ren das verheißungsvolle Zischen der Aepfel im Ofenrohr fröhlich auf- fangcii und die Kinderaugen öfter neugierig hineii'gucken Und wie wunderschön Iaht sich ein Adventsfest ausgestalten mit den geschmückten Adventszweigen oder dem Adventskranz, auf dem das erste das Kommen des Christkindes ver- heihende Lichtlein brennt während der feierliche <5>efang: „Macht hoch die Tür" angestimmt wird!
Wahrlich es braucht nicht vieler äußerer Mittel, um Feste zu gestalten. Die der Feier geweihten Tage oder Stunden müssen nur einen besonderen Glanz erhalten, sie müssen herausgehoben werden aus der Sphäre des Alltäglichen, dann werden Phantasie und Gemüt des KindeS unbewußt ihren Sinn in sich aufnehmen und hinter den äufieren Zeichen die verborgenen seelischen Schätze ahnen. Solche Feste können die Wurzel für innige Heimatsgefühle, eine Quelle der Kratt für das innere Leven werhen. Lasst uns den Kindern leben!
Wie erziehen wir unsere Kinder zur Religiosität?
Da die Religion nicht wesentlich Denken noch 'Dorfteilen, sondern Berührung des Gemüts mit einer höheren verborgenen Welt ist, so ist der Unterricht in religiösen Vorstellungen stets nur dann wertvoll und wirksam, wenn zuvor Berührungen mit religiösen Realitäten stattgefunden haben und der Unterricht eben an solche erinnern kann.
Wichtiger als Schulunterricht ist das religiöse Leben des Haukes, eine Hauptsache der Mutterunterricht. Wir sind nun einmal sinnliche Geschöpke. So bedarf auch unsere Religion, darin Leib und Seele sich freuen^ sollen un lebendigen Gott, der sinnlichen Gewöhnung an Andacht. ES ist von fast nicht nachzuhvlendem Sinflub. wenn die Andacht der Malter durch Suggestion in die Kinder übergeht, wenn ihre Haltung der Ehrfurcht vor Gott, ihr Händefalten, ihr Ausdruck der Feierlichkeit, ihr Blick in wette, verborgene Fernen sich ansteckend überträgt auf die mxhahmenden Kleinen Seien wir nicht zu geistlich und erhaben! Es ist etwas Wahres an Herders Wort- An dacht ist Mechanismus
Bilderbuch, Mutter und Kind
Don Elisabeth Gerlof f.
2ln guten Bilderbüchern von künstlerischem Werl ist kein Mangel. Sie find fogar reichlich auf dem Büchermarkt erschienen! Dieser Reichtum verführt nun Eltern und Tanten häufig dazu, das Bübchen oder das kleine Madelchen mit Bilderbüchern zu überschütten. Es sind ja_ so vorzügliche Bücher , von schätzenswerten Pädagogen und Künstlern empfohlen! Gewiß! Doch hat man nicht über die viel erörterte und mit der Tat beantwortete Frage: Wie mutz ein gutes Bilderbuch beschaffen sein? die andere ebenso wichtige: Wie muh es von dem Kinde besehen werden? ein wenig vergessen? . r
Da ist zunächst beobachtenswert: Nicht zuviel Bücher! Wenn das Kind mit schnellen Händcken ein Blatt nach dem andern, ein Buch nach dem andern wie ein Windstoh umblättert, und sich schliehlich daran macht, es zu zerreitzen, wobei die „Unzerreißbaren" seinen Stolz besonders lockern so ist fein Gehirn mit blotzem Sehen, mit Dildeindrücken überfällig!. Das macht das Kind oberflächlich, es holt nicht mehr die geistige Anregung und Unterhaltung aus den Dächern, die es seinem Alter und seiner Auffassungsgabe nach sehr wohl den Bildern entnehmen könnte. Dieselbe Ermüdung tritt ein wie bei dem Erwachsenen, der stundenlang durch eine Bildergalerie rast und statt eines bleibenden Eindrucks, der ihm bei liebevoller Betrachtung von wenigen Kunstwerken zuteil geworden wäre, nur Abgespanntheit Heim-
Hat man mehrere Bilderbücher, so mache man
der Fibern aus erster Kindheit. Seien wir dankbar, dah unsere Sinnlichen so unserer Seele den Halt bietet an festen Gewöhnungen, an Geleisen, in die sie ohne Besinnen zurücklettet, sobald sie ihnen nahe kommt!
Feierliche Stimmung, Leben in der Welt des Mysteriums, Hinaussehnen aus dieses Tales Gründen aus die Berge der Ewigkeit, wo die Freiheit wohnt — wenn das die tiefste Richtung der Seele der Mutter ist, während sie das Kind trägt, ich glaube eS bestimmt, das geht irgendwie über in den stillen Seelengrund des Kindes. Und wenn cs dann zum Leben erwacht und sich umweht findet von der Luft der Ewigkeit, wenn es dann zum Verstand kommt und sich getragen findet von jener Ehrfurcht, die sttmmungs- und ahnungsvoll sich in stillen Stunden ausspricht — ich /glpube nicht, datz solches Erlebnis auf die Kindern wirkungslos ist, wenigstens auf den Durchschnitt.
Cs ist auch ebenso wahr wie schön, was Pestalozzi vom Einflutz der Pietät auf die Religiosität sagt: Sie haben einerlei Wurzel. Denn die starke trauende Liebe, die das Kind, her Mutter folgend, dem leiblichen Vater widmet, ihm, dem es einfach alles zutraut, alles Gute und alles Vermögen, und das mächtige blinde Vertrauen, das eS der Mutter, der Quelle und ersten Nährerin seines Lebens, entgegenbringt, diese fromme Liebe oder Pietät schließt in sich Glauben, Ahnen und Vertrauen gegen Gott, gegen ein ewiges, schlechthin übermächtiges Wesen. Nichts ist dem Kind natürlicher, als im Gefolge, in der Nachahmung der Mutter die tiefen Gefühle, Ahnungen und Sehnungen der Pietät zu übertragen auf den himmlischen Vater, auf den ewigen Schöpfer: durch dar Gebet der Mutter betet es sich yinein in die Nähe und Gemeinschaft des lebend.gen Gottes.
Die Luft des Mysteriums umweht das kleine Kind. Es ist liebenden, beglückten Eltern selbst ein heiliges Geheimnis, und wiederum ahnt es in der heiligen Einheit, der es fein Dasein verdankt, das Geheimnis einer Liebe, die all unser Denken übersteigt. Ich weih wohl, wie stark diese Auffassung der Eltern idealisiert ist. Aber ich glaube, datz die Kinder durchschnittlich so idealisieren. Wohl ihnen und uns! Darum ist ihrer das Himmelreich. Geheimnisvolle mystische Berührungen sind ihnen keine seltenen Erlebnisse: das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind und der Kinder liebster, natürlichster Gedanke.
So verläuft der Mutterunterricht mehr in unbeabsichtigten, unmittelbaren Eindrücken, als in absichtlichen Belehrungen, aber auch die letzteren sollen nicht fehlen. Man fürchte sich nicht vor der Zumutung von Lehrbetrieb. Es handett sich da wesentlich um schlichtes Erzählen weniger herzlicher Geschichten und Dorsprechen kleiner lieber Lieder. Das geschieht am besten — da doch die Sinnlichkeit mächtig helfen mutz, und die Reizbarkeit der Nerven und Gefühle im Halbdunkel wächst — in den Schummerstunden, wo die Kinder außer Rotkäppchen, Schneewittchen in derselben Sprache das Geheimnis erzählt bekommen vom Paradies und dem Wandeln Gottes unter den Bäumen, von David und Goliath, vom Chrisckind, feiner Geburt und ferner Liebe zu den Kleinen. Solche Kinder begehren immer Wiederholung derselben schonen Geschichten, kvrrigieven sofort, wenn man sie anders erzählt, und sind unendlich dankbar und gespannt. Und wie leicht und gern lernen sie von der Mutter die Lieder aus Heys Anhang, das rührende. „Weiht du, wieviel Stemlem stehen" und ähnliche.
Wie schön, wie feierlich sind endlich die kurzerr Augenblicke, da die Mutter am Bett des Lieblings sitzt, mit ihm plaudert über die Ereignisse des TageS und es bann beten Iaht zum himmlischen Vater, nicht immer das gleiche: „OHübe bin ich, geh zur Ruh", auch ganz frei wie es ihm kommt. Denn der liebe Gott ist so gut, er kümmert sich um alles, was dem Kind weh tut.
Ach. dah so viele Mütter sich dieser Weihe ihres Berufes berauben! Dah sie einen Abend fehlen mögen am Bettchen oder im Sofa neben dem andächtigen Lockentopf!
Solch eine Mutter ist doch das seligste Ge- schöps Und Kinder, die solchen Morgentau auf ihr kleines Herz empfangen haben, können nicht mehr ganz vertrocknen in ihrem Gemüt.
Sprechenlernen des Kindes.
Glückliche Ötunben wird stets derjenige verleben. der fuf> den gefunden Sian erhalten hat, mit kleinen Kindern stundenlang spielen und sich
zur Regel — Regeln liebt das Kind —, bestimmte Bücher nur Sonntags, andere nur in stiller, ein wenig seierlicher Abendstunde mit ihm zu besehen.
Die Mutter kann mit ein paar Worten, die ganz genau der Derständnisstuse und dem Gemüte ihres Kindes angepaht sind, den Inhalt eines Bildes zum Erlebnis gestalten, und von dem Bild aus werden sich Fäden der Vertrautheit zwischen ihr und ihrem Kinde knüpfen.
Es ist nicht wahr, datz diese Vertrautheit zwischen Mutter und Kind immer „ran selbst" im ausreichendem Matze vorhanden ist. Sie kann und soll diese Vertrautheit in jedem Kindesaltcr bemüht pflegen. Als „verlorene Zeit" wird eine richtige Mutter diese Dermittlertätigkeit zwischen Bild und Kindesseele, dieses Fragen. Antwori- geben und Erklären, nicht ansehen. Erfordert dies Tun ja die höchste Anspannung jenes Sinnes, den untere gelehrten Psychologen gewiß nicht gelten lassen wollen, den ich den Mutte rsinN nennen möchte.
Sie kann zur Abwechslung wohl einmal ein Bilderbuch für Erwachsene vor dem Kinde auf* schlagen. Ich denke da z. B. an die blauen Bücher von Langetoiesche und an die K u n st w a r t - Mappen. Sie wird bann mit Erstaunen bemerken. dah das Kind nicht nur für das Gegenständliche. für das. was das Bild an Vorgängen darstellt, sondern auch für den Stimmungsgehalt, für das. was der Künstler von seiner Seele in das Vild hineingemalt hat. durchaus empfänglich ist. Die reichste Bilderquelie, die Mutter und Kind zugleich erquicken kann, bleiben unzweifelhaft die Dildermappen von Ludwig Richter.
mit ihnen treuen zu formen Er wird nicht müde werden, dem scheinbar so törichten Plappern der Kleinen geduldig zuauhören un) aut die schwierigsten Fragen der Wissensdurtttgen eine Antwort zu geben. „Onlel, wo tr-vhni das Tanzen?* tragt die lleine Nichte, als die Ellern zu einem Vergnügen mit Tanz gegangen sind, und ha ist es denn oft mit dem Latein des Onfels zu Ende. Schier uncrgrünMid) aber ist der Sprachschatz einer Mutter, d:e mit ihrem Kinde plaudert und kost, und kein Wörterbuch kennt so viele Wörter mit • „chen" und „lein“ al8 das Muttergefühl und das in Liebe überquellende Mutterherz. Mit ihrem Kinde wird sie zum Kinde, sie dentt, lallt und jubelt mit ihm in feiner Sprache. Wie die Mutter am besten das unklare Gevlapper des Kindes, anderen unverständlich, zu deuten wcitz, so versteht dieses am besten die Mutter. Wie lieblich und drollig ist das erste Kindergestammel mit dem Suchen nach Ausdruck, dem Stolpern über einzelne Laute oder Wörter, dem Verdrehen des Satzes, aler stets mit dem Willen, sich verständlich zu machen. Jeder muh seine Freude daran haben und oft lachen, ob er will aber nicht. Man hüte sich aber, es nachzumachcm Die Kinder werden gröher, und puppenhafte Drolligkeiten im Sprechen und sonstigen Angewohnheiten werden später zu Lächerlichkeiten, schwer ausrottbaren Fehlern und Ungezogen- hesten. Darum ist es besser, ihre kindlichen Sprachdummheiten nicht mehr mit Wohlgefallen hin- zunelimen, sondern ihnen immer wieder, nicht mit schulmeisterlicher Pedanterie, sondern gelegen!- lich richtig vorzusprechen, was ihnen Schwierigkerlen macht. Dann lernt ein Kind nicht nur gut und richtig sprechen, sondern es werden die für das Kind später sehr unangenehmen n>nh schwer zu lassenden Fehler beim Sprechen, das Stottern, Stammeln, Lispeln, meist von vornherein vermieden. Das schließt für die Erziehung des Kindes zugleich den Dorleil in sich, dah es auf sich achteir lernt und sich nicht erst die kleine Eitelkeit angewöhnl, seine eigenen Fehler beachtenswert und drollig zu finden. Auch schon für die Erziehung des spreätcnlernenöen Kindes gelte: Nicht für die Kinderstube, sondern fürs Leben!
Selbstanfertigen von Spielzeug.
Don Marie Reuter.
Mit der Adventszeit beginnen die Dorbereitungen für Weihnachten. Sind wir Hausfrauen cs doch vornehmlich, auf denen die ganze Arbeit, die das Fest mit sich bringt, ruht. Da heiht es, um fertig zu werden, früh anfangen und schon jetzt' überdenken, wie wir den Unseren viel Freude bereiten können, auch ohne große Ausgaben zu machen: denn das können sich wohl die meisten von uns noch immer nicht leisten. — Ich denke an die Zeit zurück, wo meine Kinder noch klein waren, was hat sie damals wohl am meisten erfreut? Nicht die gekauften Sachen waren es, sondeon solche, die ich selbst fabriziert. „Ute", die grohs Flickerpuppe, war nicht nur dem Mähelchen, sondern auch den Jungen der Inbegriff her Höchsten Puppenschönheit, obgleich das kugelrunde Gesicht nur gemalt war, und braune Rebbelwolle die krausen, kurzen Haare vorstellte. Aber daß an ihr wirtlich etwas zu — tragen war, dah ihr die Kleinkindersachen dds jüngsten Brüderchens, die Mutzen, Jäckchen so gut pahten, das war das Großartige dabei. Selbstgeklebte Bilderbücher — aus Katalogen und Zeitschriften gesammeltes Material — machen wett mehr Freude als die gekauften. Ein länglicher Bastkorb, an zwei Querleisten vier von einem runden Stämmchen abgesagte Räder, vorn eine bewegliche Deichsel, gab den schönsten Derdeck-Puppenwagen ab. — Aus einem Papierbilderbogen geschnittene Soldaten, aus Pappe gellebt und mit Stützen versehen, geben die prächtigsten Regimenter.
Eins der immer wieder gewünschten Geschenke war die sog. „Aufstellung". Alle Jahre in etwas veränderter Form machte sie stets neue Freude. Eine Schachtel, betitelt „Stöbt", aus dem Spielwarenladen, mit einigen Holzhäusern und einer Kirche war die Grundlage her Aufstellung. Nun machte ich erst eine Menge Bäume (Stäbchen von braunen Ruten in Pfropfenscheiben gesteckt, oben ein Büschel grünes Moos angebunden), damit man eine lange Straße, Kirchenplatz und Gärten bepflanzen konnte: bann Blumenanlagen (verschieben geformte Pappstücke mit etwas Leim bestrichen, seinem Poos bestreut und bunten Seidenpapierbüscheln verziert), Zäune, von brauner dünner Pappe ausgeschnitten, zum Zusammenlegen, damit kleine Gärten einzufassen: ein Teich, größeres, längliches Pappstück mit Papier und
Die Nibelungen in der Kinderstube.
Don Erika Rosenthal-Deutzen.
Meine Kinder haben von der Sommerreise zu Derwandten mit größeren Kindern ein neues Spiel mitgebracht, das sich mit ungeheurer Schnelligkeit in bet ganzen „ Spielgemeinschaft" — in einer kleinen Stadt bildet doch jede Straße eine Epielgemeinschaft, was man im Gegensatz zur Großstadt, wo sich kaum die Kinder aus her gleichen C:agc kennen, als sehr hübsch empfindet — .verbreitete. Das waren die Nibelungen.
Dcr Ursprung des Spiels war leicht zu finden. Die großen Kameraden hatten den Film von den Nibelungen gesehen und ihn in ihrer Weise wieder zu gestalten gesucht, wobei die Kleinen andachtsvoll und begeistert als Fahnen- oder Schleppenträger mitgewirkt hatten. Nun versuchten sie eine Wiedergüre auf eigene Faust. Dabei war's nun amüsant, zu sehen, tote die Primttivforderun- gen ans Theater, wie sie zur Zett des toandernden Theaters galten, doch ganz unverändert in unseren Kindern stecken. Hauptsachen waren das Kostüm und die Prügel. Die Quantität der letzteren wuchs prozentual zu der Zahl der am Spiel teilnehmenden Jungens „Wunderschön war's aber der Drache b aucht noch ine lößeren Schild, Mutter, sonst fühlt er die P: zu sehr." Als
Kostüm würben die unmc a/.cn Gegenstände von Silberpapier bis zu einem abgelegten Zylinder, Fahnen, Stocke, kurz, alle nur erdenkbaren Gegenstände requiriert. „ Für die Nibelungen können wir eben alles brauchen."
MooSrändern bcHebt — Und dazu wurden nun die nötigen Tiere und Menschlein au- dünner Pappe geschnitten. je mehr, je besser Ein Schäfer mir seinen Schafen liebes mit etwas Watte beliebt), Jäger mit Flinte und Hund, Männer, Frauen und Äinher, auf hem -Seid) ein Schiff — von Papier geknifft - - mit Segelstange unb deutscher Flagge und weiße Schwäne mit langem, gebogenem Hals: Schlitten (Die bekannten aus Postkarte,'. geschnitten) mit Bank unb Kutscher hebt unb Pferbe davor, Schimmel, Braune, Rappen. Das alles wirb zur sauberen Ausbewahrung in verschiedene kleine Schachteln unb diese in einen größeren slachen Pappkarton getan. Mit solcher Ausstellung können Kinder sich stundenlang unterhalten Und welche Freude, wenn Mutter in den Feiertagen vielleicht noch manches dazu macht: Eine Pumpe mit der Wasserträgcrin, einen schwarzen Schornsteinfeger mit her Letter u. dgl. - Ost habe ich Kirche und Häuser auch selbst aus Pappc geschnitten, mit ziegelroten Dächern, offenen Türen und Fenstern, was noch hüscher aussieht, größer ist und leicht unb bequem zusammengelegt werben farm.
Gesundheitspflege in der Kinderstube.
Das Kinderzimmer.
Die Wände dar Kinderstube werden am besten mit Oelfacbe gestrichen. Sie können bann am besten sauber gehalten werden. Besonders bei Krank- heitssällen wird sich das sehr praktisch erweisen, da, ohne Schaden anzurichten, die Wände desinfiziert werden können. Die Stube braucht deshalb nicht kalt und geschmacklos auszusehen. Man wählt ein.' freundlich: Farbe und läßt einen FrieS darauf schablo-meren, der dem kindlichen Verständnis entsprechende Darstellungen bieten muh Hinter Tapeten seyt sich zudem leicht Ungeziefer fest.
Bis zu welchem Alter müssen Kleinkinder täglich gebadet werdend
Wenn es die Mutter ermöglichen kann, fvllte sie den Säugling mindestens da^ erste Jahr täglich haben. Selbst die gründlichste tägliche Ganzwäsche kommt der Wirkung des täglichen Bades nicht gleich. Verstärkt wird diese aber »och, wenn dem Bade von kurzer Dauer noch eine lieber- gießung von 2-3 Grad kühlerem Wafler nachfolgt. Diesem Gietzwafser farm zur Kräftigung des Kindes noch etwas'Badesalz (ctiixi eine Handvoll aus einen Eimer- Wasser) beigefügt werden, was ungemein zur Kräftigung des Organismus bet- tiäat. Kleinkinder von 1 2 fahren sollten auch noch möglichst zweimal wöchentlich Vollbäder erhalten und Kinder bis zum schulpflichtigen Alter, wie mich die Schulkinder selbst, wenigstens wöchentlich einmal die wohltätige Wirkung des Vollbades zu spüren bekommen Dieses sollte immer nach vorhergegangenem gründlichem Abseifen des Körpers vom Kopf bis zum Futz erfolgen und am Abcnd vor dem Schlafen vorgenommen werden, tocil es auf diese Weise für den Körper am dienlichsten ist.
„Nene Fraucnkleidung und Arauenkultnr".
Zeitschrift für persönliche, künstlerisch: Kleidung, Körperkultur und Kunsthandwert. Mit Schnittmuster- und Handarbeitsbogen Herausgegeben von der Werbritelle für Deutsche Fravenkultur Karlsruhe. 20. Jahrgang 1924, W ' nachtshest 6 (Dezember! Verlag G. Braun, G. m. b. H. m Karlsr-uhe. Sinzclhest 1.20 Ml. Das soeben erschienene Weihnachtshrit dec „Ne'e t Frauen- Neidung und Frauenkaltar" bringt wertvolle Text- beiträge und viele geschmackvolle Abbildungen Für die weihnachtlichen Vorbereitungen gibt das Heft reiche Anregung. Cs eignet sich auch vorzüglich als Gabe für den Weihnachtstisch. 1438
Aphorismen.
Don Marie von Ebner-Eschenbach.
Wer in Gegenwart von Kindern spottet oder lügt, begeht ein todeswürdiges Verbrechen.
Verwohnte Kinder sind die unglücklichsten, sie fernen schon in jungen Jahren die Leiden der Tyrannei kennen.
Das gibt sich, sagen schwache Eltern von den Fehlern ihrer Kinder. O nein, es gibt sich nicht, es enltoicfelt sich.
„Was wißt ihr denn eigentlich von den Nibelungen?" wagte ich einmal zu fragen: ha kam ein ungeheures Chaos von Namen und Tatsachen ans Tageslicht, so haß ich beschloß, doch etwas bil- benb einzugreifen. Aber nun entstand eine Schwierigkeit, alle vorhandenen, jedenfalls alle bekannten Nibelungenbearbeitungen schienen mir so gar nicht für Kinder geeignet. Da fiel mir ein Büchlein in die Hcrnd, das ich glaube affen Eltern empfehlen zu können, denn die leidenschaftliche Begeisterung meiner Kinder beim Vorlesen desselben besagt mir seine Eignung für Kinder. Es sind dieS die Bilder des Peter Cornelius. des beliebten Malers nom Anfang des 19. Jahrhunderts. Uns Erwachsenen kommen die jetzt wohl freilich etwas süßlich und zugleich übertrieben heroisch vor. aber sie entsprechen so ganz dem kindlichen Geschmack. Diese Bilder hat der Verlag Dietrich Reimer in Berlin in schlichter, aber würdiger Form herausgegeben und den Text des Buches schrieb in einer außerordentlich fein der Art her Bilder angepaßten Weise kindlich und schlicht Estelle du Vois-Aeh- mon 6.
Für kleinere Kinder eignet sich bas Buch am besten zum Dorgelesenwecden, denn die alte Sage bringt doch manche den Kindern zunächst nicht verständliche Ausdrücke mit sich, die eben zu ihr gehören unb sich nicht ohne Schaden des Ganzen ersetzen lassen, aber ist es nicht ein Genuß, so halb spielend den Horizont des Kindes zu erweitern und cs mit zu erleben, wie es unser schönstes Dollsbe'itztum. unsere alte deutsche Sage, lennen und lieben lernt?


