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Mittwoch, 5. September 1924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Sberheßen)

Nr. 207

Zweites Blatt

Die Mihernte in Hessen

Dr. Lehr.

ernte ist die Jdlge.

für

deutsche

Dr. Günther.

überzugehen.

Löberstr-12

mußte in schwer verletztem Zustande Wittenberger Krankenhaus übergeführt

Den Tod in den Wetten.

Zürich, 2. Sept. (WB.) Zwei

LUHNS mit Rotband hat sich nunmehr rund 30 Jahre bewährt und ist überall wie­der zu haben, wo im Schaufenster sichtbar

58251)

Aus dem Alsfelder Bezirk.

Genaue Zahlen der diesjährigen (Snriaergefr» mffe lasten sich jetzt noch nicht ermitteln, da noch keine Halmfrucht restlos das Feld im Alsfel­der Bezi rk geräumt hat. Die AuswinterungS- schäden waren in einzelnen Gemeinden sehr be­trächtlich. ft> hatten y D Romrod etwa 75 Pro-., Ober-Dreitenbach 60 Prvz., Gleimenhain 60 Pio- zent, Otterbach 50 Proz. Ai oder - Gemünden 45 Prozent, Elpenrod 35 Praz., Maulbach 50 Prvz., Zeilbach 30 Prozent Auswinterungsschaden an Roggen. Außer diesen Gemeinden sind noch viele vorhanden, die Auswinterungsschäden zwischen 525 Prozent haben. Der Roggen, der nicht attzustark ausgewintert hatte, ftefa dafür sehr dünn. 3m allgemeinen wird inan nur 2530 Prozent an Roggen ernten, wie in nor­malen Jahren Bei Weizen war die Aus­winterung nicht ganz so stark. Bei dieser Frucht dürfte mit 5060 P rozent der normalen Ernte zu rechnen sein. Mit den Sommerftüch- ten Hafer und Gerste toürDe man im all­gemeinen eine gute Ernte erzielt haben, wenH dieses trostlose Erntewetter nicht alle Hoff­nungen zunichte zu machen droht Wenn auch der Ertragsrückgang bei diesen Fruchten von keiner Bedeutung ist, so dürfte dxh jetzt aus dem Felde bei der anhaltend i-egnerstchsn Witterung viel Frucht vernichtet werden, denn hiervon steht noch alles auf dem Felde, zum groben Teil noch auf dem Halm. Auch mit den Hackfrüchten sieht es sehr schlimm aus Runkelrüben versprechen eine gute Ernte zu geben Kartoffeln werden eine Miltelerirte geben, in schweren und aasten Boden hat sehr stark die Krautfäule und leider auch die Qtaßfäufc der Knollen stark überhand genommen. Bleibt dieses regnerische Wetter noch längere Zeit, so dürften die meisten Kartoffeln vollständig von der Raß- säule befallen sein, und eine vollständige Miß-

too-Jnij] Ufa

taiz-1* alle Men luletalat MilgigMja

in das werden.

Die RvKleebestände muhten, besonders in der Grünberger G> gerri», stark dezimiert werden, da sie trotz aller Versuche, die Pflanzen im Frühjahr zum Wachstum zu bringen, versagten. Auch diese Mahnahme bedeutet eine Mehrausgabe an Saat­gut für Wicksuttergemenge und ein Minus an Einnahmen infolge des Ausfalls an Milch durch die Lauernde, naste Gemengfutterfütterung. Dies wären in kurzen Zügen die Leiden und Freuden der diesjährigen Mlhjahrsbestellungsarbeiten.

Die weitere Entwicklung der diesjährigen Be­stellung schien eine recht günstige za werden, auch die vorwiegend mit Gerste neu angesäten Winter- fruchtäcker machten ein recht gutes Gesicht, so daß man sicher in meinem Bezirk mit einer Mittel­ernte hätte rechnen können.

Die Heuernte wurde vorzüglich einge­bracht, das Grummet entwickelte sich üppig, die Kartoffelbestände zeigten eine sehr gute Enttvicüung, da setzte in der letzten Juliwoche eine Regenperiode ein, die bis heute, also fünf Wochen lang, unvermindert andauert, ja sogar strichweise noch durch Hagelschlag verschliinmert wurde.

Eingefahren ist in meinem Bezirk etwa die Hälfte des Roggens und der Gerste, alle übrige Frucht steht und liegt noch auf dem Feld und wird bei weiter anhaltendem Regenwetter zur menschlichen und tierischen Ernährung, sowie zur Saatgutgewinnung entweder verloren oder stark minderwertig sein. Aatürlich schwankt die Qualität der aus dem Felde befindlichen Futterbestände in den einzelnen Gemarkungen je nach der Lage und der Bearbeitung. Am besten hat sich bis jetzt die Frucht gehalten, die mit Hüten versehen und in Puppen aufgestellt wurde, aber auch in den letzteren beginnt es stark zu muffen und zu keimen. Da infolge der dauernden Regengüsse viel Hafer und vor altem Weizen umhegt, sind diese Früchte sogar auf dem Halm ausge­wachsen eine Erscheinung, die man in den ver­flossenen Jahren kaum beobachtet hat. Hafer Roggen und besonders der Weizen sind durch die Aäste und die Aeberretse in einer der­artigen Beschaffenheit, dah bei einsetzendem war­mem Wetter beim Einfahren mit einem sehr starken Körnerausfall zu rechnen sein wird. Die Aehren und die Halme bekommen ein schwärz­liches Aussehen, eine Erscheinung, welche durch einen Pilz verursacht wird, der sich auf absterben- den und faulenden Pflanzen teilen aasiedelt und natürlich auch die Qualität des Strohs und der Körner sehr vermindert: hierdurch können letztere für die menschliche Ernährung großenteils gar nicht mehr, zur tierischen Ernährung nir als Rotbehelf zur Verwendung gefangen; auch als Saatgut kommt die minderwertige Frucht infolge schlechter Keimfähigkeit kaum mehr in Frage. Alles in allem wird man bei vorsichtiger Iteber- schähung der Körnerfrüchte meines Bezirkes mit einem Minderertrag von mindestens

30 bis 40 Prvzen t rechnen muffen, und die restlichen 60 Prozent sind in der Qualität ihres Wertes sicher um die Hälfte gemindert.

Zu bemerken ist ferner, dah Kleef eidestark auftritt und auch die späten Kartoffel­sorten seit einiger Zeit stark von Kraut­fäule befallen werden, so dah ihre Haltbar­keit hierdurch, sowie durch den Mangel an Sonne sehr nachteilig beeinflußt wird.

Das Wetter, der größte Risikosaktt-r des Bauern, hat in diesem Sommer und Herbst für meinen Bezirk bereits gewaltige Schäden ver­ursacht.

Wir wollen hoffen, dah ein baldiger Wit­terungsumschlag eintritt, damit die Frucht noch einigermahen unter Dach und Fach gebracht wer­den kann und die reichliche Grummeternte we­nigstens zum Teil geborgen wird; wie wollen aber auch hosten, dah unseren Landwirten durch lang­fristige Kredite zu erträglichem Zinsfuß und durch sachliche, steuerliche Entlastung unter die Arme ge­griffen wird, damit sie in der Lage sind, die Herbstbestellung auszuführen.

Direktor Trautmann, Landwirtschaftsamt Grünberg.

Die Lage im Bezirk des Landwirtschaftsamles Lich.

Soweit sich die diesjährigen Ernteaussichten übersehen fassen, kann mit einer mittelguten Körnerernte und einer guten Hack- frucht ernte gerechnet werden. Vorausgesetzt muh allerdings bleiben, dah ein baldiger Witte­rungswechsel eintritt, andernfalls stehen schwere. Schfabi g u ngen bevor. So zeigt die Halm- frucht, die zum größten Teil noch nicht ein- gckracht werden konnte, bereits Reigung zum Keimen.

Aach den bis jetzt vorliegenden Druichergeb- nisten lieferte Roggen im Durchschnitt pro Morgen einen Ertrag von 12 bis 16 Zentner, Win terweizen 12 bis 15 Ztr., Winter­gerste 18 bis 20 Ztr., Sommergerste 10 bis 14 Ztr. Am besten wird wahrscheinlich der Hafer abschließen, da ihm die Feuchtigkeit am meisten zusagt. Die Sommergerste hat be­sonders unter dem ilnfraut (Zottelwicke) and dem eingesälen, zu üppig gewachsenen Rotklee gelitten.

Die Korner selbst zeigen im allgemeinen bei sämtlicher Halmfrucht eine unvollkommene Ausbildung, die auf mangelhafte Befruchtung (Roggen), Lagerfrucht, zu hohe Feuchtigkeit und Mangel an Licht und Wärme während der Reifezeit zurückzuführen ist. Die Landwirte tollten deshalb bei der Auswahl des Saatgutes für das kommende Jahr die größte Vorsicht wallen lassen.

Auf einen besseren Ertrag läßt die Hack» frucht schließen. Besonders die Rüben haben sich in bezug auf Masse gut entwickelt, während bei- Zuckergehalt hercibgenrindert ist. Ebenso be­friedigend ist der Stand der Kartoffeln, doch beginnen hier infolge der feuchten Witterung die empfindlicheren Sorten (Ella) bereits in Fäulnis

möglich ist. Getreide zu verkaufen, der Landwirt muß sogar noch ersehen, wie Getreide und Kar- toffeln verderben. Die ohnedies schon große Knappheit an Betriebsmitteln wird immer noch mehr gesteigert.

Besonders ist auch zu beachten, daß die Ge­winnung von Saatgut nach dem Ernteergeb­nis jn Hessen große Schwierigkeiten bereitet, da bis letzt noch nicht alles Getreide abgserntet ist und das gegenwärtige als Saatgut nicht verwendbar ist. Da besonders in Rheinhessen und Oberhessen durch Auswinterung des Gelrei- des großer Schaden angerichtet wurde und viel­fach nachgesät werden mußte, fo ist es unmöglich, Saatgut für die Herbstbestellung in genügender Menge zu beschaffen. Ein Glück ist es, daß in einzelnen Teilen Qtorbbeutfa>lanb£ in den ersten Wochen der Erntezeit günstiges Wetter war, so daß dort größere Wmgeu Roggen vorhanden sind und ein gewisser Ausgleich durch den Bezug dorther geschaffen werden kann.

Bei dieser Sachlage ist. es der Landwirtschaft ganz unmöglich, die ihr gewährten Erntekredrte in der festgesetzten Frist zurückzuzahlen. Es muß deshalb der Landwirtschaft durch eine Ver­längerung der Kredite geholfen werden: daneben müßte auch Stundung von Steuern oder bei einzelnen Landwirten Steuererlaß in Frage kommen.

Die Not in Oberhesten.

Der Stand

hn (Brünberger Bezirk.

Mit sorgenvollen Blicken muß heute der Landwirt in die Zukunft schauen; er hat seine Aecker mit Fleiß bearbeitet, gedüngt und bestellt, aber auch dem Tüchtigsten wird es in diesem Jahre in unserer Gegend nicht gelingen, seine Ernte in gutem Zustand in die Scheune zu fahren ober auf dem Felde auszudreschen. Jeden Morgen sieht der Dauer mit fragendem Gesicht nach dem Himmel und jeden Morgen dasselbe Bild: Graue diesige, regenschwangere Luft oder lautes Plätschern auf den Dächern.

Ein großer Teil der Landwirte meines Be­zirks hat bereits in diesem Frühjahr eine teure und arbeitsreiche Zeit hinter- sich gehabt, aber trotzdem wurden die Schäden des Winters, so gut es ging, durch neues Arbeiten und neue Aus­gaben ausgeglichen. Durch Mäusefraß und Kälte waren viele Roggen-, Weizen- und Kleeschläge derart geschwächt oder zerstört, daß eine Aeu- aussaat dieser Aecker mit Gerste, Hafer, Sommer­weizen Erbsen und Wicken stattfinden mißte. Aus diese Weise gingen von den Roggen-, Weden- und Rotkleebeständen in einzelnen Ge- marnmgen über 60 Prozent verloren. Dieser Ausfall muß großenteils wieder käuflich von den Lcardtoirten erworben werden, um gutes Brot backen zu können und Saatgut zu erhalten: außer­dem find natürlich die Kleien und sonstigen Ab­fälle von diesen Früchten, welche im Vieh- und

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Welche Beendung die Landwirtschaft das deutsche WirtschafMeben hat, ist wellen Streb

Aus aller Welt.

Schweres Autounglück bei Wittenberg.

Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Auto und dem Leipziger Messezug ereignete sich gestern abend bei der Station Gräfen­hainichen in der lllähe von Wittenberg. Ein mit drei Personen besetztes Auto wollte die Bahnstrecke kreuzen und fuhr gegen den in voller Fahrt befindlichen Zug. Das Auto wurde vollständig zertrümmert. Zwei Insassen waren sofort tot, der dritte

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w* 8.30 Vhr: Ne»er=N* KamnerfnU q« übt:

Pr^seberichte

eenabend

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Kaufleute aus Karlsruhe, die ihre Ferien im Berner Oberland verbrachten und mit einem sogenannten galt boot auf dem Tuner See, dem Bregenzer See und dem Züricher See Ijerum- fuhren, hatten die Absicht, in dem (leinen Fahr­zeug nach der Heimat zurückzukchren. Sie fußten Montag nachmittag die Li mal hinunter, um über die Aar den Rhein zu erreichen. In D i c t i k o n gerieten die beiden nach dem Passie­ren des dortigen Wehrs in einen Strudel. Das kleine Doot kippte um, wobei der 30jäbrtge Her­mann Montag ertrank. Sein Begleiter foirnte sich aus der Strömung herausarbeiten und retten.

Eröffnung der Wiener Hochschulkurse.

Wien, 2. Sept. (WB.) In Anwesenheit des diplomatischen Korps, darunter des Vertre­ters der deutschen Gesandtschaft, Legationsratcs v. Scharfenberg, sind die Wiener inter­nationalen Hvchschulkurse durch den Bundespräsidenten H a i n i s ch mit einer An­sprache eröffnet worden, in der er auf die Be­deutung der Hochschulkurse für das geistige und kulturelle Zusammenwirken der Rationen verwies und die Hoffnung auf eine segensreiche Wirkung dieser Zusammenarbeit aussprach.

Schweres Grubenunglück in Mähren.

Mährisch-Ost rau, 2. Sept. (WTD.) Auf der Grube Luise Witkowih stieß der Förder­korb bei der Einfahrt im dritten Stock auf die Auffatzvorrichtung. Don den einsahrenden Berg­leuten sind 10 schwer, 14 leicht verletzt worden. Einer der Verletzten ist nachmittags seinen Ver­letzungen erlegen.

Kunst und Wissenschaft.

Ein norwegischer Historiker Ehrendoktor der Ber­liner Universität.

Dem norwegischen Historiker Dr. Hermann Harris A a l l in Kristiania ist von der philo­sophischen Fakultät der Berliner Universität der Chrendoktortitel verliehen worden. Aall ist in den letzten Jahren besonders in neutralen Komllees zur Erforschung der Kriegsurfachen hervorgetreten.

Die Temperatur des'Mars.

Bei der Beobachtung des Mars in seiner größten Erdnähe ist aus dem Observatorium in F l a g e st a f s in Arizona versucht worden, die Temperatur des Planeten zu messen. Mit ganz außerordentlich feinen Instrumenten, die von Dr. W. Coblentz konstruiert und hergestellt worden sind, hat dieser die Messungen vorgenommen. Da­nach herrschte zur Zeit der Beobachtung auf dem Wars eine Durchschnittstemperatur von ungefähr 48 Grad Fahrenheit, also etwa 91/2 Grad Celsius, was daraus schließen ließe, daß aus dem Mars tatsächlichpflanzlichesundtierisches Leben möglich ist. Aus der südlichen Halb­kugel des Mars wurde eine Zunahme der Tem­peratur festgestellt, weil dort Sommer herrscht

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Vielen Tel. 149.

Schweres Unheil ist über daS Hessenland hereingebrochen Die anbauernben Regenfälle der ätzten acht Wochen haben das kostbare Gut un­serer heimischen Ernte in schwerster Weise beschädigt, ja es,vielfach sogar völlig vernichtet. Wo man in früheren Jahren um diese Zeit schon seit Wochen die Dreschmaschinen arbeiten horte, ist es diesmal still: die geringen Mengen, die vor Beginn der Regenperiode eingebracht wurden, find schon ausgedroschen, der große Rest der Getreideernte liegt aber noch draußen auf den QLedem, da das andauernd strömende Raß feine ^Bergung unmöglich macht. An manchen Stellen fit bte Frucht nicht einmal mehr so viel wert, daß sie emgefaßren wird; in einer Gegend der Wetterau z. D. sind hier und da die Garben schon lieber mit eingepflügt worden. Der Schaden, den die Bauernschaft durch diese Katastrophe erteiltet, ist natürlich außerordentlich groß, er trifft aber nicht nur den Landmann, sondern auch die Städter, deren Brot Versorgung aus der hei­mischen Ernte unter diesen Verhältnissen natür­lich wenig erfreuliche Aussichten bietet Ebenso unheilvoll wie bei der Getreideernte sieht es bei den Kartoffeln aus Hier hoben die Regelfälle allenthalben etne starke Raßfäule herbeigeführt, die den Verlust für die bäuerliche Wirtschaft und für die affgemeine Ernährungslage noch empfindlicher macht. Die Lage ist jetzt schon überaus besorgniserregend. Schlimmer noch als der große Gegenwa rtsschaden ist aber die Schädigung der Wirtschaftskraft der Land- toirtschaff für das nächste Jahr. Mit den größten finanziellen Schwierigkeiten bei der öaalgutbe» Schaffung ist schon heute zu rechnen. Die Lage ist Dach dieser Richtung hin einfach so, daß man den Gedanken einer Rotstandsaktion zu Gunsten unserer heimischen Landwirtschaft in irgendeiner Form ins Auge fassen muß. Dabei hcmde.lt es sich nicht etwa darum, einem ein­zelnen Berufsstand das Risiko seines Betriebs abzunehmen, sondern lediglich darum, dem R ä h r- stand unseres Volkes die durch die jetzige Katastrophe verlorene Wirtschaftskraft wieder zu- zuführeu, die er braucht, wenn er seiner Ausgabe gls Rährquelle des Volksganzen in der Zukunft voll gerecht werden soll.

Das Gesamtbild.

sen erst in der Kriegs- und ^Nachkriegszeit offen­bar geworden, insbesondere, welche Ausgabe ihr zutommt, die Ernährung unseres Volkes sicher-- zusteffen. Die Gegenwart zeigt nun, wie wichtig biefer Wirtschaftszweig außerdem noch für unsere Währung ist, denn alles, was der Landwirt erzeugt, totrb im Lande verbraucht, auch der Geldumlauf der Landwirtschaft vollzieht sich inner­halb der Landesgrenzen. Die Geschichte Isth.'t uns, wie bedeutsam die Landwirtschaft für den Wiede r- auftxru eines Staatswesens ist, und daß die Län­der sich am ehesten von den Olachwirkungen eines Krieges erholt haben, deren Landwirt sch.'ft sich entwickeln konnte. Bei dieser Sachlage darf die Allgemeinheit nicht gleichgültig an deren Srijid- sal" vorüber gehen; es kann niemand verborgen bleiben, daß sie durch die außerordentlich ungün­stigen Witterungsverhälttrisse schwer zu leiden hat. Um einen Ueberblid über das Ausmaß der Schä­den zu gewinnen, haben wir uns an eine Per­sönlichkeit gewandt, die eine führende Stellung in der hessischen Landwirtschaft etnnimmt und die auch die Verhältnisse in den drei Provinzen des Landes kennt; es wurden uns die nach­stehenden Mitteilungen gemacht, die nicht ver­fehlen werden, auftlärend zu wirken.

Der Regen in den letzten Wochen hat die Landwirtschaft Hessens vor eine Katastrophe gestellt man darf ohne Uebertretbung von einer Katastrophe sprechen- , denn in allen Teilen des Landes ist ein großer Teil der Ge­treideernte verloren. Der Schcchen durch Auswinterung war bereits groß, aber dann Halen, namentlich Rheinhessen und Oberhessen, durch Unwetter und Ueberschweinmungen außer» ordentlich zu leiden gehabt. wird von den Landwirten auch über großen Hagelschaden ge­klagt. Außer den Ueberschwemmungen am R! ein und im Ried sind vor allem die durch das Ueber- treten von Ridda und Ridder verursachten zu nennen. Die Folgen der Ueberschwennnungen find hier in diesem Jahre besonders verhäng- nisvvff. Es ist unbedingt notwendig, daß Hessen und Preußen sich über die Regulierung der Ridda und der Ridder einigem

Tic ältesten Leute können sich eines so schlech­ten Erntewetters nicht erinnern, tote es in diesem Jahre der Wochen lange Regen gebracht hat. Das Ergebnis ist, uaß der Svrn me rweizen noch tollflänbig, Winterwetzen zum größten Teil, ©erfte und Roggen zum Teil noch aus dem Felde stehen. In Gegenden, wo Roggen Haupt- getveide ist, liegt er noch vielfach, in Haufen ge­schichtet, auf dem Felde; daneben haben wir noch Bezirke in Oberhessen, im Vogelsberg und in der W e 11 e r a u , wo das Getreide in großem Umfang noch auf dein Halm steht. Das abgeerntete Getreide in durch das wochenlange Verbleiben auf den Feldern vom Regen vollkom- kvmmen ausgewaschen worden. Stellenweise zei­gen die Spitzen der Aehren des noch auf dem Felde stehenden Getreides, daß die Korner bereits begonnen haben, zu keimen.

Auch die Kartoffeln, die eine Mittel- ernte hatten erwarten lassen, sind in großer Ge­fahr, durch Fäulnis unter der Wirkung des an­haltenden Regens zum größten Teile zugrunde zu gehen. Dic Fäulnispilze breiten sich außer- ordertlich stark im Boden aus; aber man sieht auch ganze Felder, auf denen bereits die Blatter von Fäulnispilzen befallen find.

Sie Auswirkungen der ungeheuren Schäden find ungewöhnlich schwer. Die Landwirtschaft wird dadurch fast vollkommen von Betriebs­mitteln entblößt; nicht allein, daß es un-

* * *

In den südlichen Ausläufern des Bogels- b e r g e s und in der W e 11 e r a u sind die Ernte- Verhältnisse in gleicher Weise betrüblich tote in den vorstehend zu Wort gekommenen Kreisen.

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Aus dem Kreise Schotten.

Im Monat Juni-Juli berechtigte der Stand der Halm- tote Hackfrüchte zu den schönsten Hoff­nungen für die diesjährige Ernte. Selbst Roggen und Weizen erholten sich von den Answin leungs- schäden zumal dort, wo im Frühjah hinsicht­lich Pflege und Düngung der geschwächten Saaten nichts versäumt wurde in so erfreulicher Weise, daß ihr Stand als recht befriedigend angelegen werden durfte. Unter dem Einfluß des günstigen Frühjahrswetters entwickelten sich weiterhin die Frühjahrssaaten, wie auch Kartoffeln und Rüben in einer vielversprechenden Form.

Durch die seit Ende Juli herein gebrochene, fast ununterbrochene Regenperiode müssen wir die schönen Hoffnungen meranefjr als fast zugrunde gerichtet betrachten. In den unteren Gemeinden des Am t sbez i rkes Scholten ist saft sämt­liches Getreide geerntet und liegt und stehl dem völligen Verdecken ausgesetzt auf dem Felde. Jn erster Linie ist es der Roggen, der unter dem anhaltenden Regenwetter stark durch Aus­keimen der Körner gelitten hat, und der vor allem auf den ungedeckten Haufen üppig zu er­grünen beginnt Bei der geschnittenen, auf dem Boden liegenden, auskeimenden Gerste ist viel­fach das Stroh dem Verfaulen nahe. Auch Wei­zen und selbst Hafer keimen, da die Korner schon auf dem Halme stark vorgequollen sind, nunmehr stark aus. In den hoher gelegenen Ge­meinden des Amtsbezirkes, wo vielfach die Ab- erntung des Roggens, Weizens und Hafers be- dorsteht, konnte festgestellt werden, daß der Kei­mungsprozeß sich bereits auf dem Halme abspielt. Abgesehen davon, daß in einer ganzen Reihe von Gemeinden durch Hagel sch lag empfind­liche Schäden (bis zu 5060 Proz.) angerichtet worden sind, werden bei Eintritt besseren Ernte­wetters als unausbleibliche Folgen einerseits recht ansehnliche Körnerverluste und andererseits eine beträchtliche Wertverminderung der Ernteproduckle erst volfaus in Erscheinung treten. Auch bei den Kartoffeln wird das fortdauernd regnerische und kalte Wetter nicht allein eine Quantitäts­minderung durch Wachstumhemmung und eintre­tende Fäulnis heckeisühren, sondern auch Halt- barteit und Güte der Kartoffeln, wie auch der Rüben empfindlich beeinträchtigen.

Die Landwirte, die hier schwer von den steuer­lichen Lasten bedrückt werden und vielfach, ohne Betriebskapital wirtschaftend, schon Eingriffe in die Vermögenssubstanz machen mußten, sehen sich nunmehr in den großen Hoffnungen auf stärkeren Absatz von Ernteprodukten im Herbst und damit aut Besserung ihrer finanziellen Lage bitter ent­täuscht. Diese recht betricklichen Ernteaussichten sind jedenfalls gerade für unsere schon an und für sich schwer ringenden Vogelsberger Dauern ein harter Prüfstein. Wzl.