fit eine Sitzung abgehalten und gab folgendes Offizielle Komuniquee heraus: „Das Transfer- Komitee hielt gestern feine erste Sitzung in Berlin unter dem Vorsitz Owen Poungs, dem bisherigen Generalagenten für die Reparationszahlungen, ab. Gilbert, dec heute die Funktionen des Generalagenten und den Vorsitz des Transfer- Komitees übernehmen wird, war ebenfalls zugegen. Anher der Eröffnung verschiedener Organisationsangelegenheiten und des Geschäftsbetriebes 'hat das Komitee die folgende Entschließung über den Zinsen dien st der deutschen Anleihe 1 92 4 angenommen: „Das Transfer- Komitee har einmütig beschlossen, dah während der Gültigkeitsdauer der deutschen Anleihe oder eines Teiles derselben alle genügenden Vorkehrungen zu jeder Zeit zu treffen und alle zu diesem Zwecke notwendigen Maßnahmen zu erlassen sind, welche ungeachtet aller Reparationsleistungen einschließlich des im Dawesplan vorgesehenen Zinsen- dienstes die P r i o r i t ä t sichern. Die Treuhänder müssen die Möglichkeit haben, ohne Anterbre- chung und ohne Rücksicht auf irgendwelche Rückwirkungen auf dem Auslandwechselmarkt Rückzahlungen aller derartigen Leistungen vorzunehmen, und zwar an die verschiedenen Banken und Kreditinstitute, denen die Verwaltung der Zinszahlungen in den Währungen der einzelnen Länder obliegt, die in Aebereinstimmung mit den Verordnungen der Gläubigerverwaltung (General Bond), die die Sicherheit der Anleihe übernimmt, erfolgt.
Räumung der ersten gone am 10. Januar.
Köln, 1. Rov. Die „Kölnische Volkszeitung" meldet aus Düsseldorf, daß nach Mitteilungen von zu st ändiger belgischer Seite die belgischen Truppen am 10. Januar die erste Zone des besetzten Gebietes räumen werden. Eine belgische Zeitung richtet an die belgische Regierung die Frage, ob tatsächlich schon Maßnahmen eingeleitet worden seien, um die belgischen Truppen am 10. Januar hinter die Linie Düren — Sinzig zurückzuziehen.
Der Lebenshaltungsindex.
Berlin, 31. OH. (Priv.-Tel. des WTD.) Der Gewerkschastsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Dcamtenverbäirde teilt mit: Die Feststellungen ds Statt st ischenReichs- a m t s über die Entwicklung des Lebenshaltungs-- index haben in letzter Zeit in gewerkschaftlichen Kreisen Beunruhigung heroorgerusen. Die Indexfeststellungen der Gewerkschaften und anderer privater Stellen Weichen von denen des Statistischen Reichsamts ab. Die Gewerkschaften sind der Auffassung, dah die amtlichen Feststellungen hinter der tatsächlichen Teuerung zurückgeblieben sind. Die gewerkschaftliches Spitzenverbände bearbeiten Vorschläge über eine Reugestaltung der Indexverrechnung. Anfang de» Woche haben im Statistischen Reichsamt zwischen Gewerkschaftsvertretern und den statistischen Bearbeitern des amtlichen Lebenshaltungsindex Besprechungen über die Methode der Ii.dexberechnungen statt-gesunden. Im Laufe der nächsten Woche tritt zur Prüfung der gegenwärtigen Berechn ungsmethode eine große In dexkom Mission zusammen, die aus Der- tretem der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände besteht.
i Auslösung des Flüchtlirrgs- 7. Kommissariats.
Berlin, 1. Rov. (TU.) (Halbamtlich) Rach- dem die Auslösung der Heimkehrerlager in der Hauptsache durchgeftihrt ist, ist das unter ' Leitung des Reichskommissars S t ü ck l e n stehende Reichskommiffariat für Zivilgefangene und Flüchtlinge durch Verordnung dÄ Reichspräsidenten . aufgelöst worden. Mit der Abwicklung der laufenden Geschäfte hat der Reichsminister des Innern dem Referenten im Reichskonrmissariat Brinkmann beauftragt. Die Abwicklungsstelle besindet sich in den bisherigen Geschäftsräumen des Reichs- 1 kommissariats, Berlin W 9, Potsdamer Str. 134.
Politische Prozesse.
Karlsruhe, 31. Okt. (Wolff.) Das Schöffengericht verhandelte eine öffentliche Beleidigungsklage des Generals von Deimling gegen den Verlagsleiter Karl Taver Ziegler aus Baden-Baden und den früheren Hofapotheker und Stadttat Albert Senfs aus Oos-Scheuern. Letzterer hat in der „Badener Morgenzeitung" einen Artikel veröffentlicht, wonach unter Bezug auf den Heidelberger Dozenten Gumbel und General von Deimling gesagt wurde: „Wäre es nicht besser, wenn die beiden den deutschen Staub von den Füßen schütteln und nach Frankreich ziehen würden, wo sie mit offenen Armen ausgenommen und eine feine Versorgungsstelle erhalten würden? Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu je 100 Mark Geldstrafe. In der Begründung wurde gesagt, daß es sich um eine schwereDe- leidigung handele.
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Oberst a. D. Schraudenbach hatte seinerzeit bei dem Hitlerprozeh die Erlaubnis erhalten, der geheimen Prvzeßsitzung beizuwohnen. Von der Verteidigung war damals behauptet worden, daß Schraudenbach sich einem gewissen Kaufmann gegenüber verpflichtet habe, Berichte über den Prozeß zu liefern und sich bereit erklärt hatte, auch Mitteilungen über die geheimen Sitzungen zu machen, was durch Schraudenbach bestritten wurde. Die „Münch, Post" befaßte sich in einem Artikel mit dieser Angelegenheit und richtete in diesem Zusammenbange Angriffe auf Schraudenbach, weshalb dieser gegen den verantwortlichen Schriftleiter des Blattes Beleidigungsklage stellte. Das , Gericht erkannte gegen den Beklagten auf 300 Wart Geldstrafe bzw. 10 Tage Gefängnis wegen übler Rachrede.
Rach dem „Bayerischen Kurier" haben der Kardinal Faulhaber und Gras Soden (Frauenhofen) Strafantrag gegen den Bezirks- oberlehier Karl Weinländer in Weißenburg .(Bayern) wegen Beleidigung stellen lasten Die Beleidigung wird in der Broschüre „Die entdeckten schwarzen Henker des deutschen Volkes und das blutige Komödienspiel um Bayern i;nt> Reich" erblickt, als deren Verfasser Weinländer bezeichnet wird.
Ein Nachspiel zur Potsdamer Bannerweihe. Berlin, 1. Rov. Das Wolffbureau verbreitet folgende Meldung: Die von dem
Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold tn Potsdam vorgenommene Ban nerweihe hat gestern abend ein Rachspiel in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung gehabt. En von der Rechten eingebrachter Dringlichkeitsantrag, durch den der Magistrat aufgefordert wurde, dafür zu sorgen, daß „derartige herausfordernde Velästtgungen durch fremde Elemente in der durch schwarz-weiß- rote Erinnerungen geheiligten Stadt in Zukunft unterbleiben", wurde unter großem Lärm angenommen. Der Magistrat faßte darauf eine Resolution, in der es heißt: Die städtischen Körperschaften fordern auf das Entsch ebenste, daß die Staatsregierung künftig auf die Empfindungen der Mehrzahl dec Potsdamer Bürgerschaft Rücksicht nimmt und im Rahmen der Gesetze derartige Kundgebungen verbietet, die dem Empfinden der Bevölkerung offen zu wider- laufen. Die Sitzung war von ohrenbetäubendem Lärm begleitet, so daß die Reden kaum zu verstehen waren.
Die Auslieferung politischer Verbrecher.
Berlin. 1. Rcv. (TU.) Die „Voss. Ztg." berichtet aus Budap.st: Dir ungarische Re- gierung hat der d.uffchon Gesandlsch.fft die ablehnende Antwort au, die le tc Role der deutschen Reg erung in dec Affäre des Erz- b^rgermörders Schulz überreicht. In dem künftigen deutsch ^ungar ischen Ausliffwungs- und C'egenseitigkeitsvei'trag soll die wichtigste Bestimmung fein, dah Mör de runter keinen Umständen als polütische Verbrecher angesehen werden.
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Vie Prüfung der französischen rkolouialMUNdate.
Genf 1. Rov. (TA.) Der ständige Mandats- ausschuß des Völkerbundes beendete die Prüfung der französischen Mandate über Syrien und den Libanon. Dec französische Ober- kommissar de Caix hat nicht wie Sir Herbert Samuel einen ausführlichen Bericht dem Ausschuß vvrgelegt, sondern, nur auf Fragen der Ausschußmitglieder ausführliche Antworten erteilt. In einer allgemeinen Erklärung versicherte er, daß die Lage Syriens und des Libanons unter dem französischen Protektorat zufriedenstellend sei. Diese Mitteilungen sind um so befremdender, als bei der Mandatskommission des Völkerbundes zahlreiche Beschwerden der Bevölkerung der in Frage kommenden Gebiete vorliegen sollen.
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Kritische Lage des belgischen Kabinetts.
Paris, 1. Rov. (TA.) Rach Meldungen aus Brüssel wird in belgischen Regierungskreisen eine Krise für immer wahrscheinlicher gehalten. Das Kabinett T h e u n i s dürfte bei der Abstimmung über das Budget, das 100 Millionen Franken neue Steuern vorsieht, unterliegen. Theunis hat den größten Teil der Konservativen und Sozialisten gegen sich. Der Minister wird in diesem Falle dem König die Auflösung des Parlamentes und die Ausschreibung von Reu- Wahlen Vorschlägen.
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Der griechisch-türkische Konflikt.
Paris, 1. Rov. (TA.) Der Völkerbundsrat wird heute nachmittag zar Beratung des griechisch-türkischen Konsftkts über die Ausweisung von Griechen aus Konstantinopel zusammentrcten. Die griechische und die türkische Delegation haben den Standpunkt ihrer Länder darg l-gt. Sachverständigenberatun- gen sind gefolgt. Rim mehr wird der Berichterstatter des Völkerbundsrats, Graf I h i i, seine Schlußfolgerungen ziehen, damit der Rat Herde abend noch feine endgültige Entscheidung treffen Tann. Die griechische Del.gation vertritt den Standpunkt, daß die vor dem 30. Oktober 1918 in Konstantinopel ansässigen Griechen das Recht haben, in der Stadt zu bleiben, auch wenn sie nicht dem Bezirksamt gemeldet wä ea. Von türkischer Seite wird das weitere Verbleiben der Griechen ausdrücklich davon abhängig gemacht, daß die Anmeldung erfolgt. P«lichtet ' der Völkerbundsrat dem türk schein Standpantt bei, dann muffen 180 000 Griechen Konstantinopel verlass en. Behalten die Griechen Recht, so erfolgen nur 20 000 Aasweisungen. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß der Rat sich mit der Feststellung begnügen w ri>, daß die gern schte Kommission die Entsch.idung t.effen kann. Verschiedene Delegierte, darunter D.anffng, wünschen sobald als möglich die Heimreise anzu- treten.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 1. Rovember 1924.
Rcformationsfest.
Man spricht in unseren Tagen viel von dem Geiste von Potsdam und dem Geiste von Weimar, viele sehen hier zwei Größen, die einander diamettal gegenüberstehen. Man nennt das Wort Potsdam und denkt an unschöne, nach dem Lineal aufgeführte Kasernen- bauten, an weite Exerzierfelder, an Regimenter, die in wohlgeordneten Kolonnen ausmarschieren. Man hört Kommandoworte, rauschende Musik und den scharfen, zischenden Ton der Kugeln auf dem Schießstande, man denkt an Felddienstübung, an Wacht- parade, an Löhnungsappell und Soldbuch. Darüber hinaus sieht man den Willen zur Macht, man erkennt, daß Deutschland heute noch ein loses Gefüge von großen, kleinen und sehr kleinen Staaten wäre und heute noch po- littsch und wirtschaftlich auf dem Standpunkt des Jahres 1850 stünde, wenn das preußische Heer mit seiner festen Geschlossenheit und seiner Hingebung an den Dienst nicht gewesen wäre.
Anders ist der Geist von Weimar. Da wird der Horizont mit einem Male unendlich weit, unser Augenmerk wird auf die höchsten Fragen des Lebens gerichtet, die Küsten Gnechenlands leuchten in ewiger Schönheit (wf, Lorbeer und Myrte blühen, Homer und und Tasso stimmen ihre Leiern, deutsche Art und deutsche Innerlichkeit ringen
nach Ausdruck, die Stimmen der •jsotkt m Liedern erklingen, das Drama geht seinen erhabenen, streng abgemessenen Gang, das Epos rauscht einher wie ein Bergstrom, Gott gibt den Dichtern, zu sagen, was sie leiden, was sie empfinden, alles ist Schönheit, Rhythmus und Harmonie.
Es tft jedoch ein großer Irrtum, wenn man glaubt, mit dem Geiste von Potsdam und dem Geiste von Weimar den deutschen Geist überhaupt umschrieben zu haben. Der deutsche Geist, das ist im wesentlichen der Geist von Wittenberg. Als Luther 1508 dorthin kam, war die Stadt, wie sein Freund Mh- conius schreibt, einem alten Dorf ähnlicher denn einer Stadt, sie hatte kleine, alte, häßliche, niedrige, hölzerne Häuslein. „Die Einwohner," so hat Luther selbst geurteilt, „standen an der Grenze der Zivilisation, noch ein wenig weiter, so wären sie mitten in die Barbarei geraten.“ Diese armselige Stadt hat durch Luther weltgeschichtliche Bedeutung gewonnen, durch ihn hat die deutsche Seele Inhalt und Gepräge bekommen. Luther war allezeit von dem Glauben erfüllt, daß der persönliche, lebendige Gott mit ihm fei. Auf der Reise zu dem Reichstage in Worms schrieb er in Frankfurt am Main an seinen Freund' „Ich vernehme, daß ein kaiserlicher Befehl ausgegangen ist, mich zu erschrecken, doch Christus lebt, und wir werden in Worms einziehen trotz allen Pforten der Hölle und den bösen Geistern, die in der Luft herrschen^" Indem Luther dieses ®ottöertcauen in die Seele seiner Deutschen senkte, hat er sie stark gemacht, nach dem Dreißigjährigen Kriege wieder emporzukvmmen und die Röte der Zeit zu überwinden. Weil er mit Gott verbunden war, konnte er auch alle Menschensatzungen, die das Gewissen der Christen gefangen hielten, zerschlagen. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Ding und niemand untertan." Mit diesem Worte ist Luther der Borkämpfer für die Geistesfreiheit geworden. Indem er aber diesem Worte das andere anfügte: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Ding und jedermann untertan,“ hat er die Christenheit zur höchsten Gewissenhafttg- keit aufgerufen, und niemals hat ein Führer der Menschheit so den hohen Wert des bürgerlichen Berufes anerkannt, als wenn der Wittenberger Theologe schreibt: „Ein Schuster, ein Schmied, ein Bauer, ein jeglicher seines Handwerks Amt und Werk hat, und doch alle gleich geweihte Priester und Bischöfe." Leopold von Ranke hat in hinreißender Darstellung Luthers religiöse Eigenart und Ar- sprünglichkeit geschildert, Gustav Foeytag wird nicht müde, hervorzuheben, was der Reformator für das deutsche Bolk, für das Bürgertum und Staatsleben bedeutet, der katholische Gelehrte Döllinger betont seine Bolkstümlich- keit und Sprachgewalt. Hätte Luther seinem Volke nicht die Geistes- und Gewissensfreiheit erkämpft, ihm nicht seine Sprache gegeben, so wären Goethe und Schiller kaum denkbar, unverkennbar steht Lessing auf den Schultern des Wittenbergers, und der strenge Pflichtbegriff, wie ihn das preußische Heer verkörpert, ist eine Frucht der Reformation. 'So sollte es nicht mehr heißen: hier Geist von Potsdam, dott Geist von Weimar, beide nebeneinander wie Feuer und Wasser, sondern es sollte heißen Geist von Potsdam und Geist von Weimar, beides eine Auswirkung des Geistes von Wittenberg, und der Geist von Wittenberg ist der rechte deutsche Geist. Das ist Grund genug, daß die ganze deutsch-evangelische Christenheit, darunter auch die, die das Kirchgehen verlernt haben, das Reformationsfest feiert. H.B.
Liewer guder Zeitnngsonkel!
Ich, des Katlche aus der Zohelsgaß, wolld der eigendlich schon am farigde Samsdag schreirve, ivie's getoäfe es, wo ich mei Gedruckdes in dere Schulsttaß gelese hab.
Also: Schonn um dreifferdelzwels hab ich am iorigde Samsdag uff der Gaß geschdanne unn hab als unn als geaxytt biß der Kasdemann di neu Zeidung uffgehunke hadd. Ann weis Godt, do hadd wchrhambelig mei Brif, denn ich an dich geschriuwe hob, o&gebrurfb drinn geschdanne. Aiuiufai hab ich mich gefreud, unn do bin ich Ham gelaase unn hab's dem Vadder unn de Mudder erzehlk, unn die howwe iwwerhaubt nett glaatve wolle, d)ß ich klaner Kärl fdp im Dlädche schdche unn do h)we se gelachd, unn hawwe nett abwarde kenne, biß di Deppelers Anna ihne deß Blädche gebrochd had, u» di Reuichkeide drinn fchdehn dhu unn ich fein einfdweile hinners Gerichd go= faafa, unn hob geguckd, )b die Fliecher nett bahld kumme dhäde. Ann uff amol hads agefange ze ragene unn do h)t aner von dene Siwwegescheidte gefachd, etzend lende mer grob am besde Wahei> fluchzeuche komme fasse, unn do h)b ich ze Millersch Filibp, der, wo in der Sonn wohnd, gesagd mer wolle emol abwarde, wer räächd behähld, unn obs de Sondag rägne duhn dähd. Ann uff amol binn ich froh worn, weil's hell wvrn is nun toi ich om Sonndagmorchen uffgewachd bin, h)t warhambelig di Sonn geschiene, unn mei Mudder hott mich erscht gewäckd, wie e fliecher üwers Walldor gesloge is, unn Hot uns all nxh emol inngclade, doß mer sofard in di Wisse, komme fallde, wo sonsl des Häu unn Krümmet for di Bauern wächsd, wann se mit rre Leiderwage unn mit rre Schdumbröck in di Wisse mache unn wo aach dismol Widder aner von dene cmß Hochel- ham gescholle hadt, weil di stele Mensche ihhm sei Schdick for nechsdes Iohr ferdrammbeld hädde, unn wo ich zu em gesagd hob, sodas mich Hern hobt misse, mir Gäißer sein aach noch do, unn toir Fluchdog hawwe, dann hawwe mern aach gleich oddendlich. unn dann sein ich vord- gelaafe, denn en Zotzelsgäsfer gibt sich mid so ahm gor net ab W i ich uff di Wisse gemachd bin, get Can Mensch nix a - ich war druff unn hob nebig dem Owermußickmeisder selwer geschdanne ivnn kann etzend for mei Läbdag verzehn, wies gewase iß. Es hodt zwor Ban Lufdkamf net gerne, uim mei Dadder der doch, weis Godt e Ge- ^idter mann is, Hot gesachd, die wo in dere Schdadt feror dne tese i s ame lu:«g qege de Garandie- ft>n3 geschdnmnd hädde, hädde dos nur gedah
von Wege: ni trtber lZuffttNsch. Urat vo y» ity dann «rch gvseh, toi fa e ftaa mb Ktnnerballomrche grob newig bere Mußick tn di Luffc gepfkoge iS. unn dann fei noch zwa schwarze Rawe trmver de Dladz gepsloge unn hawwe gemachd, daß fi sich for dere Luffdkohnkuienz in Sicherheit» brächde. Ann mei Vadder Hot noch gesagd, er hädt als Arweider bei dem Fluchdag sei Geld ferdient, unn wenn er gewußd hädt, doß tn dehm Schdadttahd Leu sitze dhäte, die gege de Garandiefonz schdimme dhäde, dann hädt er sich aach tn de Schdadttot wähle losse unn hätt vier ihn geschdiinnrdt unn ich hab em bei fall gewwe, weil iwwerhaubt unn so mer nix ferkertes gege de farkersseretn mache soll, denn der hodt nett blss de ahle Leu, farmern aach unn deß ganz bescmners uns Gäißer Bauwe, Schbaß gemachd, unn Bauer fon dene fite Frernnve wv Hai gewäse sei, kennd söge, doß di Gäißer nett aa<ch ire Dlikke uff edwas heheoes -e richde fer» möchte. Ann daß näx de Mol fliech ich fältoer nttdt sv war ich Kallche heiß.
Alßo des näxte Iohr erwarde mer die Fliecher Widder unn dann gewinn ich s^»atts so eme Stemme des Fluchzeuchfas unn dann fahr i ch die Bvrzelbaum in dere ßufft, unn mei Vadder ich die Dorzelburnä in dere ßufft, unn mei Vadder unn mei Mudder hawwe scho gefachd, wann ichs dhäd, frag ich mei Bimb, awwer ich duhs doch.
Ann uns Zotzelsgäßer unn uns Lttrnegäßer Hotts sehr gefreud, daß wo des neu Eihvrn, wie mei Dadder sägd, etzend for die Schdodt gefaaft toom is unn daß mir Duwe etzend fr^the Indritt ins Kino krieche dhu, der wo uns fcho lang ge^ fehld hvdt weil ich do iwwerhaubt totn fo gor ka Sigaredte net rasche dhu unn deshalb als e aftänniger Bub mich iwwerall sehe loste kann unn aach scho e zwaafarbig Prill hob.
Owwer gästern Owend wor Widder Fduhch- dog in unserer Räh. Do wohne fa Leud, uff die mei Vadder un mei Mudder nuhr erobtptcte unn die so godtsjämerlich immer fluchche dhu, daß es ka Mensch in dere Rochberschaffd net aushalde dhu fon unn wo deß fiele fluchche doch Godt far> Sötte Hot, unn wo mei Vadder hechsdens emol sogd Himmelkreuzdunnerwedder, den falld deß Feuer ferzehrn, wo owwer unßer nochberfchLeud gans annersch sluchchx dhu wo ich net ferzehle will, sonst firnmt noch aner fon dehne ins Kiddche womit ich serbleiwe
DeiKallcheauß der ZvtzelSgah.
Gießener Wochenmarktpreise
am 1. Rovember (Händlerpreise).
Es kosteten: Butter Pfd. 200, Matte Md. 30—35, Käse Pfd. 75, Eier Stück 18, Wirsing Pfd. 8, Weißkraut Pfd. 5, Rotkraut Pfd. 9, gelbe Rüben Pfd. 10, rote Rüben Pfd. 8—10, Spinat Pfd. 35, Römischkvhl Pfd. 5, Dlumenko^ Stück 30—150, Salat Stück 10—15, Endivien Stück 10—20, Ober-Kvhlrabi Stück 10, Anter- Kohlrabi Pfd. 6—8, Grünkohl Pfd. 15, Rosenkohl Pfd. 60, Feldsalat Pfd. 60, Tomaten Pfd. 50, Zwiebeln Psd. 12—15, Lauch Stück 5—10, Meerrettich Pfd. 30, Sellerie Stück 6—40, Schwarzwurzeln Pfd. 50, Kartoffeln Pfd. 5, Aepfel Pfd. 13—20, Birnen Pfd. 12—18, Zwischen Pfd. 15, Honig Pfd. 30, junge Hahneni Pfd. 90—100, Gänse Pfd. 100, Rüste Pfd. 60. Mennig.
Vornotizen.
w — SagcÄfafcnbcr für ©amStaa. Vortrags-Vereinigung: 8 Achr Aniv-Dnla Achk- bildervorttag des Gouverneurs a. D. Dr Setzm« "Meine Grlebniffe in Deutschlands Ätxfonien“ — Rundfunkhaus Lvbersttaße: 8.30 „Allerseelen"' — Gießener Radfahrer-Verein 1885 : 8 Ahr Turnhalle Oswaldsgarten 39. Stiftungsfest. — Radfahrer-Verein „Fortuna": 8 Ahr hn Poftkeller vrdentl che Genera vcrsannnlung. — L.chtspiechaus Dahnhosstratze „Ranon". — Hessisch Dilder- buhne: „Plastigvamm". — Astvria-Lffchtspiele- „Zum Paradies-Apfel".
— Tages ka lender für Svnntaa. Stadttheater, 6% Ahr: „Alt-Heidelberg". — H^st Wehrgemeinschaft, vorm. 10 Ahr: Sitzung des großen Ausschusses. — Markusgemeinde, nachm. 2 Ahr in der Turnhalle am Oswaldsgsrten: Gemein de feier. — Lukasgerneinde, 8 Ahr im Äon* firrnandenfaal (Liebigstrahe): Familienabend. — Konsumverein, 91/2 vorm. im Gewerkschafts Haus: ordentliche Vertreterversammlung. — Lichtspielhäuser wie Samstag.
Aus dem Stadttheaterburean wird uns geschrieben: In der morgigen Auffahrung von „Altheidelberg" spielen die Hauptrollen des „Karl-Heinz" und der „Käthia" Herr Baum und Fräulein Andr^. Die Vorstellung wird keinesfalls im Abonnement wiederholt.
— Der heutige Vortrag in der Vortrags-Vereinigung, den der Gouverneur a. D. von Deutschostafrika Dr. Schnee hält, fei nochmals besonders zur Beachtung empfahlen. Dr. Schnee gehörte dem verfloffenen Reichstag als Mitglied der Frakttvn der Deutschen Volkspartei an.
— S>ie Ortsgruppe Gießen und Am* gebung des Deu t schen Hhpvtheken- gläubiger- und Sparer schu tz der bände s wird am Montag. 3. Rovember, mtt einem Vortrag des Vorsitzenden des Landesverbandes Hessen, Geheim rat Dr. Best, zum erstenmal in die Oesfenttichkeil treten. Räheres im Inserat.
Wettervoraussage.
Vorübergehend geringe Besserung der Wetter* tage, dann wieder zunehmende Trübung und Regenfälle.
•
O Die Einteilung der hessischen Städte nach dem neuen Ortsklassen» Verzeichnis. Don den tn Hessen gelegenen Städten und Gemeinden entfallen nach dem am 1. Rovember in Kraft tretenden neuen Ortsklassenverzeichnis Z auf Ortsklasse A, 41 auf B, 125 auf C und 812 auf D. Die bisherige Ortsklasse E ist völlig verschwunden.
< Personelle Eisenbahn * Inspektor Daniel vom Bahnhof Gießen wurde ab 1. Rovember als Leiter des Bahnhofs nach Hersfeld versetzt.
** Im Oberhessischen Kunstverein stellen ab Sonntag, 2. Rov., Oskar '2L<f)enba<fy‘ ^"El uiti) Roland Auheißer-Iugenheim kollektiv Werke der Malerei und Graphik aus. Die Ausstellung ist zu den üblichen < eiten geöffnet
. p>ö. Der Raiffeisen-Verband. Be- z i r t F r a n k f u r t a. M., hält sei-ne diesjähr-ige -verrands itzung zum ersten Male in dem neu an- gegliederten Teil des Terbandsbezii-ks Ober Reffen, in G letzen, ab. Die Tagung findet am statt und bringt neben dem rein geschäftlichen auch einen allgemein geno sensch^ lichen Teil, auf dem Pfarrer Blum ans GernS»>


