Nr. 152 Zweites Blatt
GiehenerAnzelger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dienstag. h Zull (924
(Buchdruck toerbDten.)
4. Fvattfetzung.
Heute abend
8.30 Uhr
Morgenabend 830 Uhr
Konzert-
IIOll) Löberstr. 12
Der Sangerkriefl* tfettiN jer weiblich. Rezitatoren anschl M richtend!«151
Der Alte auf Topper
Avman von Hanns von Zobeliitz.
Das Unzulängliche.
Betrachtungen zur BesoldungS-2keuvegelung.
Bon Albrecht Morat.fr, M. d. R.
Daß die Reichsregierung schneller als die Beamten erwartet Patten, ball sie ihrem Versprechen gemäß, zum erstmöglichen Zeitpunkt eine Aufbesserung der Gehälter anordnete, dafür gebührt ihr Dan! und Anerkennung. Daß das Reichsfinanzministerium die für die Parlaments- lose Zeit gegebene Ermächtigung benutzte, um den Reichstag dabei auszuschatten. ist ihr tut weiten Kreise verdacht worden. Daß die Reu- regelung den unteren Gruppen nicht genügend gerecht wurde, hat allgenrein Kritik gefunden.
Richt gegen eine Erweiterung der Spannung von Gruppe zu Gruppe sollten sich die Beschwerden richtens die Zusammenpressung der Harmonika, den den 'Beamten beim Aufstieg in eine Höhere Gruppe kaum nennswerte Vorteile brachte, ^var sicherlich nicht der Gipfel der Staatswers- freit. Bei aller Anerkennung des Standpunktes, daß in Zeiten der Rot von allen Beamten und von den bestbesoldeten am meisten Gcchattsab- striche ertragen werden müssen, ist doch, der Zustand, der in den letzten Jahren bestand, auf pic Dauer unerträglich. Das Einkommen des Beamten muß, wenn nicht eine Flucht aus dem Staatsdienst gerade der besten einsehen und der Rackwuchs ausbleiben soll, mindestens eine Entschädigung für die Kosten der Vorbildung geben, dem späteren Anfang in den mittleren und höheren Gruppen. Rechnung tragen und cs vermeiden. Laß die Gruppen im Lebcnseinkommen eine geringere Summe betommen als die unteren. Das ist auch, von Ausnahmefätlen abgesehen, von Len Deamlenorganisationen und den Angehörigen der unteren Gruppen stets anerkannt worden. Ebenso richtig ist es aber, baß, jede Desoldungspolitrl davon ausgefren muß, schon den Beamten dev untersten Gruppe das Lebensnotwendige zu geben. Das ist denn auch der Inhalt des von der Reichstagsfraktion der Deutschen Dollspariei zur Besol- dungsordnung eingebrachten Antrags, und ich habe im Plenum des Reichstags betont, daß die letzte Ergänzung der Bssoldungsordnung von der Erfüllung dieser Rotwendigkeit weit entfernt bleibe.
Run hat das Reichsfinanzministerrum sicher- sich nicht aus Mangel an sozialem Empfinden die unteren Gruppen so kärglich bedacht; maßgebend war vielmehr die Erwägung, daß das Einkommen jener Gruppen im Durchschnitt nicht höher liegen dürfe als das Einkominen vergleichbarer Arbeiter- und Angestelltenklassen in der 3n- dustrie. Cs mag sein, daß man nicht mit einem (Schlage von der seit Jahren unter dem Druck der Arbeitergewerlschaften betriebenen Politik der Angleichung der Bearntengchällec an die Ar- beitertöhne loskommen kann, aber es ist höchste Zett, diese Politik zu verlassen. Ich habe im Reichstage oft und mit besonderem Rachdruck jetzt ausgesührt, daß Arbeiterlohnpolitik und Be- amtengehaltspolitik durchaus getrennt behandelt Werden müssen. Arbeiter und Angestellte haben das unbestreitbare Recht, bei günstiger Geschäftslage ihres Wirtschaftszweiges durch Verhandlungen oder im Lohnkampf von der Gunst dev Konjunktur Gebrauch zu machen: sic haben a ich Andererseits die Rachteile einer schlechten Konjunktur in Kauf zu nehmen. Anders der lebenslänglich angestellte Deamtel Ihm wird eine .Rente zum standesgemäß en Unterhalf vom Ar- bettgeber Staat gewährleistet nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Beamten haben jah.elang tnit ihrem Einkommen tief unter dem vergleichbarer Derufskreise gelegen. Sollen sie nun. da man einsieht, daß der Staatsapparat nicht länger sanktionieren lann. wenn man ihnen nicht ein angemessenes Einkommen zubilligt, lediglich des- Wb weiter der Verelendung ausgesetzt fein, weil feine Wirtschaftskrise Arbeiter und Angestellks aus einen sehr niedrigen Lohnstand hoffentlich vorübergehend gebraut hat? Cs ist richtig und gewiß bedauerlich, wenn beispielsweise im Bankwesen oder in den bergbaulichen Betrieben Angestellte die' wahrend der günstigeren Konjunktur der letzten Jähre das Einkommen von Regierungsräten hatten, sich jetzt mit dem Cin- fommen von Postschaffnern oder Bahnwärtern begnügen müssen. Aber es gehl nicht an, die Br- amten, welche damals sich mit Bruchteilen der von diesen und anderen Unternehmungen gezahlten Gehälter begnügen mußten, nicht wieder Hochrommen zu lassen, weil es eben diesen Wirtschaftszweigen jetzt besonders schlecht gehl.
3m Kampf um eine bescheidene, aber menschenwürdige Existenz dürfen die unteren Grub- pen der Beamtenschaft nicht allein stehen. Cs muß Ehrenpflicht gerade der Angehörigen der höheren Gruppen fein, ihnen zur Seite zu stehen.
Anerkannt sei, daß für diese Ghrenpflicht viel Verständnis ist. Zahlreiche Zuschriften gerade aus den Kreisen der mittleren und höheren Beamten ersuchten die Reichstagsfraktion der Deutschen Vvlksparlei sich der unteren Gruppen anzunehmen.
Parlamentarisch lag die Sache so daß eine neue Bosoldungsctttion auf Grund der noch bestehenden Ermächtigung vom Reichssinanzminrster bzw. dem Reichskabinett im Wege der Verordnung vorzunehmen ist. Cs war aber selbstverständlich. daß der Reichsfiuanzmiinster die Reu- ordnung nicht ohne Zustimmung einer Mehrheit im Parlament vornehmen wollte. In den Verhandlungen der Regierungsparteien mit dem Rcichssinanzministerium zeigte fid) wenig Steigung. dessen Vorschlag anzunehmen, der darauf hinaus ging, eine Verbesserung lediglich bei den Kinder- und Frauenzulagen zu gewähren. Der Reichstag hat sich mal gegen eine Progression der genannten Zuschläge ausgesprochen. Roch be- denllicher, ja gerade unsinnig wäre es zweifellos, die hier beabsichtitte Degressron einzusührsn. Man kann damit auch feine Zufriedenheit erreichen!. Worauf es anlomntt, ist eine Erhöhung der Grundgehälter. Ich habe beantragt, sie in der Weife zu gewähren daß. man zwischen der untersten und der höchsten Stufe in jeder Gruppe in den Gruppen von 1—6 die günstigere Spannung einführt, die in den Gruppen 7 an aufwärts bereits besteht. Die bestehende Schlechterstellung der unteren Gruppen ist durch nichts zu rechtfertigen und muß verbitternd wirken!. Mein Vorschlag hälfe dem einzelnen Beamten bescheidene Verbesserungen. aber immerhin viel mehr gebracht, als das Reichsfinanzministenum mit der Rücksicht auf die Löhne und Gehälter in der Wirtschaft glaubt geben zu können. Zur Verfügung steht eine Summe von ZI1/« Millionen, sie ist, wenn man nur die Beamten der untersten 6 Gruppen und die dazu gehörigen Ruhestands- beamten, Wartegelbempfänger und Angestellten berücksichtigt, auf rund 700 OOO Menschen zu verteilen. bringt also für jeden einzelnen eine Erhöhung von etwa 10 Marf im Monat. Man bat im Hauptausschuß und im Plenum mit großer Mehrheit den Antrag Morath angenommen, nach dem „die von der Reichsrcgierung zur Verfügung zu stellende Summe ausschließlich zur Erhöhung der Grundgehälter der Besoldungsgruppen i bis 6 zu verwenden ist". Man kann cm aufrichtiger Freund der Familienzulagen fein aber in dre- fem Falle hätte ihre Berückiichtigung lediglich die an sich schon geringe Verbesserung des Grundgehalts noch mehr vermindert. Es war deshalb unlogisch, diesen Antrag anzunehmen und außer diesen Verbesserungen noch Erhöhungen der Kinder- und Frauenzulagen zu fordern. Unlogisch, weil ja für den erstgenannten Zweck die gesamte zur Verfügung stehende Summe verwendet werden soll. Daß die Kommunisten nicht 71, sondern 800 Millionen für Defoldungsaufbosserungen forderten. wird nicht allzu viele Beamten von ihrer Beamtenfreundlichkeit überzeugen. Daß bi: Rationalsozialisten die Verteilung der zur Verfügung stehenden Summe auf die Gruppen 1 bis 8 verlangten, ist nicht recht verständlich. Damit würde die dem einzelnen zuslteßende Summe nur noch geringer werden. Alle übrigen dem Reichstage vorliegenden Anträge find durch die Abstimmung als erledigt erklärt worden, nur diejenigen welche eine sofortige Aufhebung der der Regierung zustehenden Ermächtigung verlangten, wurden dem Haushalts-Ausschuß überwiesen. Sehr erfreulich ist, daß bei bei Abstimmung über die wichtigsten Teile eine Einheitsfront, van der nur die Kommunisten ausgeschlossen waren, bestand. Mag in solcher Zeit es denen überlassen bleiben, die Beamten mit demagogischen Versprechungen aufzuhetzen, wer wirklich helfen will, wird daran mitarbeiten müssen, daß mit dem Unzulänglichen, was jetzt gegeben wurde, die Regelung nicht als abgeschlossen betrachtet wird. Sie bedeutet nur einen Schritt vorwärts.
Regierung und Spitzenorganisationen.
Berlin, 30. Juni. <WTB.) In einigen Blättern wird die Mitteilung verbreitet, baß die Reichsrcgierung die Reichstagsbeschlüsse über die letzte Regelung der Deamtenbesoldung ohne vorherige Verhandlung mit den Spchenorgani- fattonen durchgeführt habe. Hierzu erfahren wir, daß die Beschlüsse des Reichstags besonders diesen Beschlüssen und den vorhergegangenen Verhandlungen in den Ausschüssen und mit den Parteiführern der Regierung so genaue Richtlinien gegeben hatten, daß sich Verhandlungen mit den Verbänden erübrigten.
Saß auf seinem Bauernschemelchen, starrte f« das trübe Licht der Unschlittlerze, Gestern um bie Mittagsstunde noch siegesgewiß, heut ein Feld- fberr ohne Armee, ein König ohne Laru> Ja, es gar alles verloren! Verfolgten Sattykow und Laudon — und wie sollten sie anders ---, I) war's aus mit Preußen. Dann würden f-e iriumphieren in Wien und an der Rewa und in Vcriailtes! Zu Boden geworfen, vernichtet. Cs war das ®nbfe — —
Tief, tief sank das sorgenschwere Königshaupt Auf die Brust. , .
Kolin und Hochkirch hat er überstanden, hat nimmer den Mut verlor n Doch la war die Armee in musterhafter Ordnung abgrzogei-, b'-it- gefügt und geschlossen. Heut ist, was noch lebt zersplittert in Atome. Trümmer! Trümmer! Hatte & nur zu deutlich geschaut In der lchtrn Kamvr- ftünbe, auf dem langen ‘"Ritt: alle Bande gelöst alle Subordination zum Teufel ... es gab leuu ÄCt llnb er tastete mit der Hand nach der Brust. Cine kleine Phiolo trug er dorten, schon eil langem, ein letztes Arkanum, das von allen Leiden erlöste —
Der Page kam und ging. C> und ein Be- f fetter, der sich cingesunden, richteten em paar Bund Stroh zum Rach!lager. Der König schüttelte nur mit dem Kopf, Wies nach der Tür. Allein njoftte; yc sein.
Heberfann wieder, aus gequältem, verzwel- feltem Herzen Heraus, die eituafton. Der Bruder Prinz Heinrich stand noch mit ungebrochener Armee Daun gegenüber. Aber Dresden und Sachsen mit allen Ressourcen war so gut wie verloren. Und wenn frier, hier morgen die Verfolgung einfetzte, konnte er ihr nichts entgegenstellen. Dann fiel auch Berlin rettungslos in Feindeshand.
Raffte sich noch einmal auf, griff noch einmal zum Gänsekiel.
Schrieb an den Generalleutnant von Finck: Weilen Mir eine schwere Krankheit zugestoßen, so übergebe Ich das Cornrnando Meiner Armee an den General Finck. Er kriegt ehre Schwehre Commission, die älnglückliche Armee ist nicht mehr im S'rnde, mit die Russen zu schlagen, Hadek wird ’n ad) Berlin eitlen villeicht Laudon auch, Gehet der General Finck diesse beide nach, So kommen die Russen ihm im Rücken, bleibet er an der Oder stehen, So kriegt er den Hadek diesseits . . . Zeit gewonnen ist Sehr vi'hl bey diesen Desparaten umstände, die Zeitungen auS Torgau und Dicsden wird ihm Cbper Meyn Segreter gehen er muß Meinem Bruder den Ich Generalissimus bei der Armee Deelaire von allen berichten, dieses Ünglüd' wiederherzustellen gehet nicht an, indessen was Meyn Bruder befehlen wirbt, das wus geschehen, an Meynen Reveu muß die Armee Schwehren Dieses ist der einhige rath, den ich bey denen unglücklichen ilnibftanben tm Stande zu geben bin, hätte Ich noch resoursse. So wehre ich darbet) geblieben. Friedrich "
Sv war auch das geschehen. Den Oberbefehl abgegeben, dem Thron entlaßt ------Traum
bildern gleich zogen die Ereignisse der letzten ^ahre. an be£ Königs Seele vorüber, Kampf und Steg
und immer neues Ringen. Daß nicht er diesen Krieg gewollt, wenn er ihn auch begonnen halte. Daß er Ihm aufgezwungen war, daß halb Europa sich gegen ihn veroundet halte: Oesterreich, Frankreich, Rußland, das Reich und Schweden - wav's nicht immer ein aussichtsloses Beginnen gewesen gegen die erdrückende llebermacfrt? Unb w.eiter tastete die Rechte nach der erlösenden Phiole —
Ein Entschluß — und alle Erdensorgen glitten nieder —
Aufstand Friedrich, durchmaß em paar Male mit schwerem Schritt den engen Raum.
Daß er den Entschluß, den befreienden nicht fassen konnte? Warum nur nicht? Warum zögerte die Hand, warum versagte der Wille? War'- denn'nicht sein Recht, aus einem Leben zu schei- den, das ihm nichts mehr bot, bas ihnr nur Demütigung bringen konnte?! Das wohl aus dem König von Preußen, dem Sieger von Lowositz und Prag, von Roßbach unb von Leuthen, den kleinen Bterquis de Dranbeboura machte, wie sie ihn im Boudoir der großen Königshure zu Versailles schon genannt hatten!
Unruhig flatterte das Licht der Unschiit'kerze, verlosch ganz. Aber durch da« niedrige Fenst-w dämmerte der Taa —
Da weiß eS der König, was ihn am Leben sestfrält, fefthalfen muß mit eisernen Zangen und Banden. Die Pflicht ist's gegen den Staat, gegen sein Preußen! Denn dies Preuften ist Sri Er allein! Keiner seiner Generale, auch der Bonder nicht, konnten teilen, was vielleicht vielleicht, doch noch zu retten war. Keiner seiner Minister kannte die verschlungenen Fäden der Politik we er selbst Keiner seiner 'jjertvauten wußte des Landes Ressourcen gleich ihm zu inerten, ilnb
wenn irgendeiner dem Gegner Achtung und Respekt abrang, auch im tiefsten Unglück, so wav er es: 'Friedrich!
Er durste nicht den Tod leicht nehmen Ec mußte leben — und wenn es nur wav, am den Schmerzensbecher biS zur Hefe zu leeren — — Leben und leiben: um Preußens willen!
* * *
Als der König am Früfrmorgen aus ttef Bauernhütte trat, traf er auf eine kleine Gruppe Versprengter, die grab über den Dorfanger zogen, bet Oder zu.
Ein Hüne in Offiziersmontierung schritt in der Mitte. Blieb stehen, salutierte mit der linken Hand.
Friedrich winkte heran: „Ist Er nicht der Stabstapttän von Zabeltitz vom Regiment Zastrow?"
„Zu Besebl, Euer Maiestät. Melde unter- tänigft: mit zwanzig Abgekommenen, die ich im WaU> um Dischofssee fand."
„Euer Regiment hat gestern brau sein Devoir getan . . . Er ist schwer blessiert, fefr' ich Herr, such' Er den Feldscher auf. Ich will Ihnr meinen Eholenius schicken, wird fich Wohl inzwi.chen heran- gesunden frjbeit'
Wollte tociterßf)retten, der König. Auf dem Anger hielt schon ber Page mit den Gäulen Auch ein paar Offizier« standen barten, rangierten ihre Leute. Uno au« der anderen Dorfs»laße bog grab eine Kolonne vom Regiment Dierickc heran, in leidlicher Ordnung
Blieb der König noch einmal stechen. „Seid Ihr nicht ein Topperscher?"
(Fortsetzung folgt.j
Srttie Turner Wieseck - D.f.R. 1900 Offenbach.
£. Auf dem schön gelegenen Wiefockep mitten im Wald immer mehr als beliebter Aus- Sportplatz, der [ld> ob seiner günstigen Lage flugSort cinbürgert, sand am Sonntag ein Wettspiel obiger Mannschaften statt Wieseck ist A- Klafse unb als solcher Dezirksmeister tm frte- figcn 3. Bezirk für 23/24. Offenbach beste süddeutsche Sonderklasse und ebenfalls Im dortigen Bezirk Meister. Die Uebertegenfreil der Offenbacher gab dem Spiel bei Spielbeginn das Gepräge, aber nachdem sich Wieseck denr Gegner angepaßi hatte wurde bi« zum Sd-knß ein offene« Sptet vorgeführt, an dem jeder Sportler sein« Freude haben konnte. Der An-gang deS Spiels« (4:2 für Offenbach, Halbzeit 2:1) entspricht dem Spielverlauf; der Schiedsrichter Kneip Mar- borg war ebenfalls Soirderklasfe. Die zahlreichen Zuschauer waren von dem ohne jeden Mißklang getrübten Spiel voll befriedigt.
Gerichtssaas.
Ein sozialistischer Stadtrat und Staatsrat wegen Meineid« verurteilt.
Kassel 30. Juni. DaS Schwurgericht, verurteilte. nad) dreitägiger Vertändlung den ■rat Ehristian W t I t r o ck, Mitglied des Preußischen StaatSrats und Mitglied des Ärnnntunal* landtags für den Regierungsbezirk Kassel, toegyt wissentlichen Meineides tn zwei gälten zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, und sprach ihm die Fähig-t^ ab jemals als Zerige oder Sachverständiger irtb* lich vernommen werden zu können.
Dieser Prozeß hatte einen Pr'essebelcidigung«- prozest! zum Gßorläufer. In der „Kasseler Post" war im Oktober v. Is. gegen lölttrod ttec Vorwurf der Wohn u ng s s ch i e b lu n g erhoben worden. Aus Antrag von W., der sich beleidigt! füfrlte. wurde öffentliche Anklage er-i hoben, und W. fchloß sich dem Verfahren al«1 Reben klüger an. Die Angeklagten erboten sich zum Wahrheitsbeweis und behaupt leen, Wittrock habe sogar seine eigen« Wohn u ng unter Mtßibraach seiner Amtsstellung erlangt. Es wurden nun- mefrt die Akten des Wohnungsamtes frei geholt, unb in ihnen wurde ein Schriftstück vargefunden, in bem gerade der Wol^nlngstaufch des Rebenklügers als jngemeff en empsöfr- len worden war. Wittrock wurde in ein St re u A- verhör genommen und in dessen Verlauf gefragt. ob er wisse, wie dieses Schriftstück zu- flanbcgetommen fei. Er verneinte eS unter seinem Eid. ttlad) der Verhandlung stellte bis Staatsanwaltschaft Ermittelunnge.n an, die zur Vernehmung einer früher auf dein Wohnungsamt angesteltten Stenotypistin führte. Dles^ erklärte daß Wittrock selbst das Schreiben diktierl habe Hierin unb in einigen anderen Angaben Wittrocks wurde der Melnttfr erblickt.
Der „Luftfahrdank" ein großer Schwindel.
Berlin, 30. Juni. Vor bem Großen Schöffengericht in Efrarlottcnburg sank» ..freute ein Prozeß }tattk der sich mit einer bett größten Wöhltätigkeitsiintemehmungen des Krieges dein sogenannten „Q u f t f a 6 re rbaTrf, beschäftigte. Angeklagt war der Kaufmann Franz Ausfahrth, bei zuletzt das Generalsekrata- riat des älntcrnc'frmcn« geleitet hatte. Die Be- weisanfna'frme ergab, baßi es sich bei bem Luftsahr dank, ber angeblich den Zweck hatte, durch Sammlungen bei ber Bevölkerung bie Fliegertruppe zu unterstützen, um einen g r ofv- än gelegten Schlvindel handelte. Don den eingegangenen sehr erheblichen Beträgen hat auch nicht ein Pfennig die. Flreger er reicht. Das Gericht bcrurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis und fünf! Jahren Ehrverlust.
Wirtschaft.
Die Kohlenprodnktion in Hessen
Die mvncttliche Statistik ber Köhlenproduk- lion bcS Volksstaats Hessen weist für den Monat M a i 1924 folgende Zahlen nach: 2ln Roh- braunkvhlen wurden gefördert 48 025 Tonnen, verkauft mürben davon 11 416 Tonnen: der größte Teil ber Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur melieren Verarbeitung bestimmt. Anden verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Gchwe- lereip rod ulten erzeugt: 3282 Tonnen Braunkohlenbriketts, 2133 Tonnen Raßpreßsteine.
Unter Berücksichtigung der aus den Vormonaten übernommenen Bestände sowie des Abfat>e- und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschlüft absatzfähig: 21 328 Tonnen Rohkohlen, 1816 Tonnen Briketts 3116 Tonnen Raßpreßsteine, zu-
MA s u'ot' "SÄ IBM
Turnen, Sport und Spiel.
S. C. 1900 — D. f. D.
Anr SamStag gbenb fand da« Mit großer Spannung erwartete L o k a 1 1 r c f f c n statt, über dessen Verlaus folgendes zu belichten ist:
Rach anfänglichem Hin und Her, Suchen und Tasten nach den Schwäd;en des Gegner« vermag 1900 einige Zelt den Ton airzugeben, drückt gewaltig auf« Tempo und sendet nach einem forschem Durchbruch sein erste« und einziges Tor ein. D. f. B. ist etwas verblüfft und versucht sein Heil in gut vorgetragenen system- vollen Angriffen. Halbzeit 1:0 für 1900. V. f. B. nimmt eine glückliche Umstellung feiner Mannschaft vor und gehl nadji Anpfiff mächtig nach vorne. In glänzender Kombinationssolge rollt Angriff auf Angriff gegen das 1900er Tor, demzufolge V. f. B durch Plazierten Schuß ausgleicht. Die Ueb erlegen frei t der D. f. D.-Mannschaft. die hervorragenden füöbeutfdjen Fußball demonstriert, wird für 1900 immer erdrückender. Die Leute jenseits des Wassers werden gänzlich in ihrer Spielhälfte elngeschnürt und wehren fidj wie die Löwen mit vielen Deinen. Im V. f. B.-Sturm fehlt dec gesunde Schuß sonst wäre das Resultat bereit« ein anderes. Reben den vielen Bällen, die daneben, drüber oben gegen bie Latte gingen, fand noch einer den Weg ins Reh und kurze Zeit darauf war Schkußi.
Gaumeisterschaften von Hessen—Hannover auf bem Platze des Gießener Sportel u b s v. 1 9 0 0.
Wie erwartet, standen die Vkeisterfchasts- kämpfe ihrer Bedeutung gemäß auf beachtenswerter Höhe, und die trotz des Autorennens zahlreich crfcfrlenenen Zuschauer konnten mit den Leistungen vollauf zufrieden sein. Sie fratten sogar daS seltene Glück, bei Ausstellung eines neuen Landesrekords anwesend zu fein. Der Rekordbrecher für Westdeutschland war bcc bekannte Internationale Stabhochspringer Ada m s (Kurh. Kassel), der in dieser Konkurrenz am Sonntag 3,68 Meter bewältigte. Ebenso überlegen blieb er auch im Weitsprung mit 6,40 Meter Sieger. Recht ansprecheirde Leistungen zeigten auch der 100 Meter-Sieger P a u l rom Polizei-Spv. Kassel, Lor den beiden Favoriten Freund (Äess.- Preuß. Kussel) und Fischer 11900) mit 2 Meier dos Rachsehen gab; Paulus tm DisluS und Kugelstoßen and die Gießener Sportclub-Leute in ber stets im Brennpunkt solcher Meisterschafts- känrpfe stehenden 4 • 100 Bieter-Staffel. In der kompletten Aufstellung mit 2a n gl o fr, Wal lensels, Äreuter, Fischer gewann man gegen hie gefährlichen Hefsen-Preußener sicher mit 4 Meter Vorsprung
100 Meter: 1- Paul <Pol.-Sp.-V. Kassel) 11,1 S.. 2. Freund lHess.-Preuß. Kassel) 11,4, 3. Fischer (S. E. v. 1900 Gießen) Brustbr zurück.
200 Meter: 1. Schaurig lHess.-Preuß. Kassel) 23,8 S., 2. Fischer (1900) Handbr. zurück, 3. Äreuter (1900) weit >, . Meter zurück
400 Meter: 1. Wittekind (Hess.-Preuß. Staffel) 54,1 S., 2. Süß (Leun) 56,3, 3. Voß (F. E. Wetzlar) 56,4.
800 Meter 1 2111 fr off (Kurhess Kassel) 2,14 Mim, 2 Wege, (Eorbach) 2,16, 3. Pfeil., (V. s. D. Marburg) 2,19.
1500 Bieter: 1. Wege (Eorbach) 4,21 Min. 2. Pfister (Heff.-Preuß Kassel) 4.28, 3. Pfeil (V. f. B. Marburg) 50 Meter zurück
5000 Meter: 1. Me 1 zenbach (23. f. D. Marburg) 17 35, 2. Riefchalk (Eorbach) 18,14 3. Ott (Leun)'18,25
Hochsprung 1 Decker (1900) 1,65 Meter, 2. Peet (21 S. E. Göttingen) 1,65 berührt, 3. Wallenfels (1900) 1,60.
Weitfprung: 1. Adams (Kurhess Kassel) 6,40 Meter, 2. Voß (F. E. Wetzlar) 5,93, 3. Dr. Hundhausen /Hess.-Preuß. Kassel) 5,84.
Stabhochsprung: 1. Adams (Kurh Kassel) 3,68 (neuer westd. Rekord), 2. Peek (21. S. E. Göttingen) 2,80.
Kugelstoßen: 1. Paulus (Dor. Fulda) 11,45 Meter 2. Iungfrenn (Hess.-Preuß. Kassel) 11,22. 3. Adünis (Kurhess Kassel) 9,30.
Diskus D.: 1. Paulus (Dor. Fulda) 38,06 Meter 2. Iunghenn (Hesf.-Prcuß Kassel) 36,74, 3. Becker (1900) 31,35.
Speer: 1. Dr. Hundhausen (Hess.-Preuß. Kassel) 45,80 Meter, 2. Onischke (Pol.-Sp.-D. Kassel) 42,50, 3. Becker (1900) 41,65.
4X100 Bteter.Stafsel: 1. S. E. v. 1900 Gießen 46,1 S., 2. Hess.-Preuß. Kassel 4 Metso zurück, 3. Pol.-Sp.-V. Kassel 48 S.
Olymp.-Stafscl: 1. He ss.-Preuß. Kassel 4,02 Min., 2. F. E. Wetzlar 4,40 Min.
3x1000 Meter-Staffel: 1. Akad. Sportverein Marburg 8,52 Min.
110 Meter - Hürden: 1 Paulus (Bor. Fulda) 19 Sek., 2. Seipp (1900) 19,4 S., 3. Peek (21. S. E. Göttingen) 20 D. ______


