Einzelbild herunterladen

173. Jahrgang

Druck vnd Verlag: Srühl'sche llniverfitäts-vuch' und Steinbruderei H. Lange in Giehen. Schriftleitung und Gefchäftzftelle: Schulftratze 7.

Gewalt abgenvmmen.

Wiederaufbau

dem

altem militärischen Brauch eine Plch)pattone so Las) kein Schütze wühle, ob er einen scharfen Schuh abgegeben habe ober nicht. Als der Feldwebel den Säbel senkte, krachten die Schüsse. Schlageter war sofort tot. Die Kugeln, die den Körper durch, bohrten, lösten auch die Fesseln, so dah der Körper vornüber sank. Der Luftdruck der Salve wir so stark, dah sich auch die Augenfri de löste.

Zur Beraubung der (Offener Neichsbank.

Essen. 30. Mai. (Wolff.) Anläßlich der Wegnahme von 92 Milliarden aus den Beständen der Essener Reichsbank- Ha u p t st e l l e durch die Franzosen veröffent­licht die Reichsbank folgende Erklärung:

Aus dem Cetebe.

Kundgebungen der Dresdener Arbeiterschaft.

Dresden, 30. Mai. (WTB.) Heute nach­mittag fanden unter gewaltiger Beteiligung De - monstrationsumzüge der Dresdener Arbeiterschaft gegen Teuerung und Wucher statt, wozu die Parteien der Linken und die Gewerlschaften im Berem mit dem Erwerbs- losenrat auf gerufen hatten. Unter Borantrag ung roter Fahnen und unter Abtragung von Arbeiter­liedern bewegten sich die Massen vom, Wiener Platz aus in drei geschlossenen Zügen in guter Ordnung begleitet von Radfahrern nach den ver- schiedenen Richtungen der Stadt. Die Demonstra­tion verlief ohne Zwischenfall. Die Züge lösten sich in Ruhe und Ordnung an den vorher festgesetzten vier Punkten auf.

125MK.; für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite 500 Mk.Bei Platz. Vorschrift 20°/, Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Giehen.

fügen Zölle vereinbaren.

Die Denkschrift der belgischen Regierung.

Paris, 31. Mai. (WTB.) Rach einer Meldung desPetit Parifien", die vomEcho de Paris" bestätigt wird, hat die belgische Regierung durch ihre diplomatischen Ver­treter allen alliierten Regierungen die Denkschrift in der R e p a r a t i o n s - frage überreichen lassen, die sie in der vori­gen Woche der französischen Regierung über­mittelt hat und die in der am 6. Iuni in BrüsselzwischenPoincareundden belgischen Ministern stattfinden- den Konferenz erörtert werden soll. Rach dem gleichen Blatte werden auf der Tages­ordnung der Konferenz gewisse Fragen bezügl. der Ruhrbesetzung stehen, namentlich die Mittel, den französisch-belgischen Druck zu ver­schärfen, um den deutschen Widerstand gegen den Abtransport der Kohlen, den Eingang der Steuern und die Beschlagnahme der metallur­gischen Produkte zu brechen.

Die Abstimmung in der französische» Kammer.

Paris, 30. Mai. (Wolff.) Rach demJour­nal Officiell" vollzog sich die Annahme der Ruhrkredite in der gestrigen Kammersihung mit 4 81 gegen 73 Stimmen.

Der Abbruch des Streiks im Ruhrgebiet.

Essen, 30. Mai. (WTB.) Das Lohn ab- kommen im Bergbau verfehlte, trotzdem es sich bei dem jüngsten Borkommniisen im Ruhrgebiet nicht um eine allgemeine Lohnbewegung im Berg­bau hantelte, seine Wirkung im Ruhrgebiet nicht. Auf den meisten Zechen ist die 21 r freit toteber ftufgenommen, auf den übrigen die Wieder­aufnahme in kurzer Frist zu erwarten. Die Zen- tralstreikleitung. in der sich nach-den Feststellungen der Gewerkschaften, kein Mitglied der großen Bergarbeiterverbände befand, fordert selbst, dem allgemeinen Druck nachgebend, in einem Aufruf zum Afrbru chdes Streiks und zur Wieder­aufnahme der Arbeit auf. Gleichzeitig mit der Arbeitswiederaufnahme trat eine allgemeine Be­ruhigung im Industrie geb-et ein, wenn auch noch nicht überall die gesetzmäßigen Zustände in vollem Umfange wiederhergestellt werden konnten. Die Gefahr eines Wiederaufflackerns der 21 jfrufrrfce- wegung besteht indessen immer noch, ebenso die Gefahr, die durch die widerrechtliche Vernichtung des polizeilichen Schutzes in ten Groftstäfr'en her­vorgerufen worden ist. In einer Reihe von Städten des Ruhrgebietes wird zur Zeit über die Bildung eines Selbstschutzes verhandelt, an lern alle Bevvlkerungsschich en beteiligt sein sollen. Durch die Unruhen der letzten Tage, deren Aus­dehnung in her Hauptsache an der ablehnenden Haltung ber Bevölkerung ui d insbesondere der or­ganisier.en Arbeiterschaft scheiterte, ist zweifellos erheblicher materieller Schaden verursacht worden, die Front des passiven Widerst andes konnte aber dadurch nicht erschüttert werden.

In einer Meldung aus Essen stellt dieBoss. Zeitung" fest, dah bei den kommunistischen Un­ruhen im Ruhrgebiet etwa 40 Tote zu be­klagen sind. In den Krankenhäusern lägen 300 mehr ober weniger Schwer verletzte.

m. 125

Erscheint täglich, außer Sonn« und Feiertags, mitderSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatlichevezuorpreise: 3400 Mark und 200Mark Trägerlohn,durch diePost 3600Mark,auchbeiNicht« erscheinen einzelner Rum« mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech« Anschlüsse: für dieSchrift« leitung 112; für Derlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Blutiger Sirtzen.

poftscheälonto:

SraRlfurt a. M. 11686.

Kohlenpreiserhöhungen.

Berlin, 30. Mai. (WTB.) In einer ge- meinschaft'ichen Sitzung des Reichskohlenv.r'mndes und der großen Ausschüsse des Reichskohlenrats wurde über die Kohlenpreiserhöhungen verhandelt, die im Hinblick auf die eingetretenen: Mate-rialpreise und- Lohnerhöhungen notwendig geworden seien. Es wurde beschlossen, die Kohlen- preise ab 1. Juni um etwa dense.ben Pro-eat atz zu erhöhen, um den in den einzelnen Revieren die Bergarbeiterlöhne ab 1. Juni erhöht toürben, das ist um rund 5 0 fris 5 9 Prvzent. Außer­dem wurde die Erhöhung des in den Kohlenpr.isen enthaltenen Beitrages für Bergarbeiterwohnungs- bauten von 600 auf 2100 Mark je Tonne ab« gesetzter Steinkohle beschlossen. Im einzelnen stellen sich die Preiserhöhungen für die einzelnen Reviere netto, also ohne die noch hinzukommen^ Steuern usw. je Tonne für Ruhrfellförderkohls auf 86 210 Mk., oberschlesische durchschnittlich 46 500 Mk., Riederschlesien durchschnittlich 56240 Maik, Riedersach'en-Talsinghau en durchch n tllch 58 782 Mk., Riebe rsachsen-Ibbenoüren durchs schnittlich 53 774 Mk., 2lachen-Rvrdstern durch-- schnittlich 74 208 M., Aachen-Eschweiler dura^ schnittlich 65 399 Mk., Rheinische Rohbraunkohle durchschnittlich 9930 0E!., Rheinische Briketts durchschnittlich 34 520 Mk. Die Beschlüsse erfolg­ten einstimmig. Demgemäß wird sich beispiels­weise die Ruhrsettförbeckofrle brutto von den jetzigen 143 510 Mk. auf 228 200 Mk. erhöhen. Mr das Mitteldeutsche und Ostelbische Braun­kohlensyndikat stehen die Preise noch nicht seit, da eine Einigung zwischen den Syndikaten und dem Reichswirtschaftsministerium nicht erzielt werden konnte.

Donnerstag, 3s. Mi 1925

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen o. 27 mm Breite örtt 100 Mk., auswärts

GietzenerAnMer

General-Anzeiger für Oberhessen

last verschont blieben.

Werm man bedenkt, daß es dem Verfasser dieser Broschüre nur gelungen ist, einen kleinen Seil der französischen Verschwendungssucht aus eigener Anschauung fennenya lernen, wi'viel größer muß erst die Verschleuderung deutscher Guthaben sein, wenn man einmal einen Einblick tn die französischen Hauptbücher gewinnen wurde, dae der deutschen Regierung zur Verrechnung Nicht pvrgeleqt werden. In dieser Werfe verfahrt man im Rheinland nun schon feit vier Jahren, wahrend man gleichzeitig die eiserne Stirn hat, Deutschland wegen seiner Reparationsleistungen die aller­größten Vorwürfe zu machen. Es Ware höchste Zeit, daß sich vor einer Regelung dieses für den Weltfrieden so wesentlichen Problems eine inter­national? Unter suchunqskommission mit den Ausgaben ter Rheinland'omvittion be­schäftigt Tausende von. Millionen werden für eine Te^atzungsarmee verausgabt, duen Vornan- denl'ein infolge der völlige r Entwaffnung Deutsch­lands geradezu unsinnig geworde r i-t. Milliarden f<Ölucft die französische Rheinlandbeatzung, Mil­liarden geben dem Wiede' verloren. Wann wird dieser unsinnigen Ver­schwendung Einhalt getan werden ? W. S.

rod stillgelegt. ,CE.,

Ludwigshafen, 30. Mat. (Wolff.) Gestern nachmittag explodierte zwischen Landau Und Insheim der Kessel einer Lokomo­tive eines Perfonenzuges. Die Strecke ist gesperrt. Ob Verletzungen von Personen vor- gekvmmen sind, formte nicht festgestellt werden.

Von den Franzosen sind aus Franken­thal Landau und 21 e u ft a fr t a. fr. H. wie­derum 20 Eisenbahnbedienstete mit Familien ausgewiesen worden.

Von dem Kriegsgericht in Landau wurde der Dahnschlosser Philipp Krämer aus Kaiserslautern zu 2 Jahren Gefängnis und einer Million Mark Geldstrafe verurteilt, weil er einem bei den Franzosen arbeitenden freut- chen Eisenbahner Dorhaltungen gemacht hatte.

Verkchrsspcrre in Ludwigshafen.

Ludwigshafen, 30. Mai. (WTB.) Don heute Mittwoch abends 8 tihr an wird bis em- ch/.ießlich 7. Juni abends 8 ilfrr jeder Ver- k e h r über die Rheinbrücke zwischen Mann­heim und Ludwigshafen und die Altriper Fähre gesperrt. Außerdem wird im Bezirk Lud­wigshafen bis auf weiteres jeder Verkehr mit Kraftwagen ober Rädern aller Art vollkommen unterlagt Für die Ortschaften Mutterstadt und Rheingönnheim ist ein Rachtverkehrsverbot von abends 8 41frr bis morgens 5 tihr angeordnet worden. Diese außerordentlich schweren Eingriffe der französischen Behörden in das Verkehrsleben werden auf angebliche Sabotageakte zurückgeführt, die in den (elften Tagen gegen die Eisenbahnen in der Pfalz verübt worden fein sollen.

(£hie neue Verkchrsverorduung der Rheinlaudkommisfiou.

Kc fr lenz, 30. Mai. (Wolff.) Die Rhein- landkommisfion hat eine neue Verkehrsver- vrdnung (179) erlassen, nach der 21ut->sahrz^ge einschließlich der Motorräder eine vom zuständigen Kreisd elegierten ausgestellte Aatogenehmigung haben müssen. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. Die Genehmigungen werden afr 10. Iuni gefertert. Ferner wurde eine weitere Verkehrs- Verordnung erlassen, nach der Autofrroschken und Personenautos, die mehrere Personen verschiede­ner Familien befördern, als gewerbsmäßige Transportmittel zu betrachten sind. Ihre Fahrer müssen mit einer vorgeschriebenen Bescheinigung versehen fein.

Der Krupp-Prozeft vor dem Kassationshof.

Paris, 31. Mai. (WTB.) Wie der Matin" berichtet, wird jedenfalls heute die Strafkammer des Kassa tionshvfes un­ter dem Borsitz des Richters Bard sich mit dem Prozeß gegen Krupp von Bohlen und Halbach und die mit ihm angeklagien Direktoren der Kruppschen Werke beschäftigen.

Zur Hinrichtung Schlaqeters.

Düsseldorf, 30. Mai. (Wclff.) Heber frie Hinrichtung Schlageters erfährt die Düsseldorfer Zeitung" noch folgende Einzelheiten: Schlageter wurde in einem Kraftwggen zur Golz­heimer Heide gefahren. Beim Verlassen les Wa­gens umarmte er die ihn begleitenden Geistlichen, bann kniete er vor dem Pfahl nieder und lieft sich in dieser Haltung, die Hände auf dem Rücken, am Pfahl festbinden. Die Augen wurden ihm ver­bunden. Auf der Brust trug er ein Kreuz. In einer Entfernung von etwa sechs Metern hatten sich zwölf Soldaten nebeneinander unter dem Be­fehl eines Feldwebels ausgestellt. Die Gewehre waren vorher mit je ei-rer scharfen Patrone ge­loben und unter die Soldaten verteilt toorfren. In dem Lauf des zwölften Gewehres frefanfr sich nach

Die Verschleuderung deutscher Gelder.

Angesichts der internationalen Debatte über die deutsche Reporationsschulb sowie bet deutschen Angebote an die Alliierten ist es nötig, die Öf­fentlichkeit aller Länder noch einmal daran zu er­innern. fraß Frankreich im - besetzten Rheinland nicht nur ein außerordentlich starkes Heer, son­dern auch einen stattlichen Beamten- und Propa- ganda-2lpparat unterhält, die ganz ungeheure Summen verschlingen, die von Deutschland aufge­bracht werden müssen. Zunächst jene Kosten, die das von der interalliierten Kommission heraus­gegebene BlattEcho du Rhin" verursacht. Einen genauen Einblick in die Verhältnisse dieses Blattes, besonders in die finanziellen, hat der Verfasser der soeben im Vertage von Scherl er­schienenen interessanten BroschüreFranzö­sische Spionage und Propaganda am Rhein und an der Saar", Hans Mayer- Gwensen gewonnen, da er selbst längere 3?it als Mitarbeiter an diesem Blatte tätig war. Schon der Gründer des Blattes gehört zu jenen Groß- und Kleinschiebern, die ncch 2ll>schluft des Waffen­stillstandes das Rheinland zu Hunderten über­schwemmten, um ihre minderwertige Ware frei der ausgehungerten deutschen Bevölkerung abzusehen, tirsprünglich diente dasEcho" nur dazu, die Fettvorräte seines Besitzers os.rzupr eisen, dann aber nahmen Degoutte und Tirard, die beiden französischen Militärgewaltigen im Rheinland, sich dieses Blättchens an, begannen es finanziell zu unterstützen und auf breiter Basis aufzubauen, fr. h. der Fettschieber wurde Administrator des tin- ternefrmens und erhielt für die Zukunft pekuniäre Konzessionen. Es wurden sofort Redaktionsräume beschlagnahmt - ein Anwalt mußte foaar seine Wohnung räumen und auf das eleganteste eingerichtet. Der wahre Besitzer des »Echo du Rhin" von diesem Tage ab, so erflärt Mayer-Gwensen in seiner Broschüre, der alle Kosten fr e ft ritt und bis heute viele hundert Millionen zugeschvs- fen hat, ist Deutschland! Da der Absatz dieses Blattes überaus kläglich war unfr niemand inserierte, so muftte das Unternehmen fortgesetzt Zuschüsse erhalten, was für 1920 ungefähr 1200 000 Mark ausmachte. In der folgenden Zeit verteuerte sich die Herstellung des Blattes wie bei allen Zeitungen um ein Vielfaches, so daß es freute jährlich einige hundert Millionen Mark kosten dürfte.

Die 2Iufbringung dieser Summen ist den Franzosen um so leichter, als Paris den Vorschuß leistet, der Betrag dann auf Besatzungs- kosten verbucht unfr von Deut schlanfr zurückerstattet wird. Das gleiche Terfafr- ren besteht auch frei dec Bezahlung des Personals: die Redaktionsmitgliefrer werden als Mitglieder der Bcsahungs truppen geführt, fr oben infolgetef.en inn Empfang ihrer Gehälter auf militärischen Ver° rechnungsbogen zu quittieren, die dann wieder als Unterlagen für die Besahungskosten zu dienen ha­ben Diese Schiebung ging sogar srnveit, fr a ft d a s Refraktionspersonal im August 1920 plötzlich zu Mitgliedern der Rhern- lanfrkommission gemacht wurde, alle Vor rechtes ran zösischerOffizierege- n c>ß unfr vollen Anspruch auf beschlagnahmte Wohnungen und Möbel, Wäsche und fonftiaem Gerät erhielt. Ratürlich zahlte unter diesen tim« ständen dasEcho fru Rhin" auch keine Steuern, wie überhaupt die Angestellten als Mitglieder der Rheinlandkommission von jeder deutschen Steuer­

Die Beratungen in Berlin.

De r 1 i n. 31. Mai. lieber die gestrige Sitzung fred Auswärtigen Ausschusses des Reichsrate's melden die Blatter, daß neben fren Reichsministern fast sämtliche Mmisterprasr- frenten der Länder persönlich erschienen waren.

Reichskanzler frabe über frie ©runölmun pes beabsichtigten deutschen ochrtttes m der Reparationsfrage berichtet

£er Hauptvvritand der Gewerkschaft deutscher R e ich s fr a fr n b e a m t c n erklärt au den Plänen des. Auslandes über frie Ver­waltung der deutschen Eisenbahnen in einer Ent- ^ieftung mit Rachdruck, daß unter allen Um­ständen die Reichsbahnen im Besitz und 'Behieb Lg Reiches bleiben müßten. Die deutsche an ftem Beruf sbeamtentum unerschütterlich feit» baltenfre Beamtenschaft würde es nicht eti rag en, Irgendwie gearteten ausländischen Instanzen,

Die Reichsbank hat die Pflicht, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daft die zur Auf­rechterhaltung des gesamten wirtschaftlich-.m Verkehrs nötigen Zahlungsmittel herbeige­schafft und insbesondere die L v h n g e l d e r rechtzeitig bereitgestellt werden. Silit welcher Mühe und Gefahr diese Bereitstellung der Lvhngelder unter den heutigen Verhältnissen verbunden ist, davon machen sich nur die we­nigsten einen richtigen Begriff. Handelt es sich doch bei der heutigen Entwertung der Mark und den ständig steigenden Löhnen und Prei­sen um ganz gewaltige Summen. Zur Befriedigung eines zehntägigen Bedarfs braucht die Reichsbank etwa 50 Milliarden Mark. Wenn nun im ganzen ungefähr 92 Mil­liarden in den Tresoren der Reichsbank vor­handen waren, worunter sich 30 Milliarden in Banknoten und Kassenscheinen über kleinere Beträge befanden, die heute bei dem Lohn­geschäft gar nicht mehr in Frage kommen, aus dem Verkehr aber zurückflossen und von der Reichsbank aufbewahrt werden müssen, so ist es klar, datz Die vorhandene Reserve gewiß nicht zu hoch gewesen ist. Eine Reserve muß aber stets bereitgehalten werden, da in ^An­betracht der wiederholt borgekommenen Ein­griffe bei Geldtransporten der Reichsbank nie­mand mit Sicherheit sagen kann, ob es gelin­gen wird, die Gelder für die nächste Löhnung zu beschaffen. Gegen eine Beschlagnahme wie die am Samstag vvrgekommene gibt über­haupt keinen Schutz. Der vor der Reichsbank am Haupteingang stehende P o st e n wurde so chnell von ftanzösischen Zivilpersonen über­wältigt, dah es ihm nicht gelang, eine eigens zu diesem Zweck angebrachte Alarmglocke in Tätigkeit zu setzen. Die S ch l ü s s e! wurden sofort den verhafteten schlüsselführenden Be­amten unter Vorhalten des Revolversmit

feien es internationale Svndikate ober sonstige mit frei Souveränität des Reiches unvereinbaren Instanzen unterstellt zu sein.

Dec Vorstand der sozialdemokra 11- chen Reichstagsfraktion befaßte sich lautVorwärts" gestern mit der politischen Lage. Er billigte frie Schritte bet fozialbemokratischm tinterfränbier, bie Reichslegierung zu veranlassen, ein konkretes unb fubftantielleß An­gebot zu machen, das Deatschlanb den "IBeg zu internationalen Derhanblangen offnen solle. Der Vorstanb ersuchte seine Vertreter, in ten entscheidenben nächsten Tagen nachdrücklich in bemselben Sinne zu wirken. Weiter befaßte sich bec Fcaktionsoorftanb mit bem Angebot ber de u tschen Inbu strie unb lehnte es aufs entschiebenste ab, baft bie selbstverstänbliche Er­füllung von Staatsbürgerpflichten von itgenfr- welchen Voraussetzungen ober Debin - gungen abhängig gemacht werde, tiefrer bie Inanspruchnahme der Wirtschaft habe bie ®e» Begebung zu entschnben. Der Fcaktionsvorstanb wendet sich insbesonbere gegen ben Vorstoß ber Inbustrie zum Zweck bes Abbaus ber Errungen­schaften der Arbeiterklasse. Er wisse sich in biesem Punkte mit ben Gewerkschaften vollkommen einer Meinung. ---

Vorschläge der britischen Handelskammern.

Lonbon, 30. 2Rai. (WTB.)Evenrng Stan- txirb zufolge werben bie brei Delegierten des Verbandes der britischen Hanbelskarn- m e r n auf bem geplanten internationalen Handels karnmerkongr in London clgenbe Vorschläge unterbreiten: Gewährung eines Moratoriums für Deutschland für eine verabredete Zahl von 3afrren; Feftsehung der Reparationssumme, die Deutschland innerhalb einer angemessenen Zahl von Zähren ohne Scha­den für den Handel ber alliierten Qlationen zahlen kann: eine Form internationaler Anleihen für Deutschland und Sicherheit für Zinsen unb Amor­tisationen. Mit Bezug auf den letzteren Punkt werbe vorgeschlagen werben, baft bie Abgabe in Golb auf bie Ein- unb Ausfuhr gelegt werden könne. Dazu müßten bie Alliierten eine inter­nationale Kontrolle der deutschen See- infr son-

Die französischen Gewallstreiche.

Düsseldorf 30. Mai. (WTB) Geheimer Degierungsrat Dr. Becke rat fr. La brat des Kre.ses Düsselbarf, wurde gestern am spaten Aach- mittag von ben Franzosen verhaftet. Dte Weiterführung bes La.rdratsamtes hat der deputierte Melles übernommen. Beckeratfr wurde in das Milltärgefängnis übergeführt.

Düsselborf, 30. Mai. (WTB) In ber Rächt zum 1. Mai wurde in ber Kölnerstrafte eine Fernsprechleitung zerstört. Dec Täter wurde noch nicht entdeckt. 2kunmefrr haben bie Franzosen der Stabt Düsseldorf abermals eine Geldstrafe von 25 Millionen Mark auferlegt. Wegen der Zerstöru ig der Fecnsprech- leitung ordneten die Franzosen die Verhaf­tung von zwei beliebigen Eisenbahn- beamten an. Da f;e dieser Beamten nicht hab­haft werden konnten, wurden jetzt zwei andere als Ersah verhaftet.

Düsseldorf, 30. Mai. (Wwlff.) $?ute morgen 7 tifrr wurde Oberregierungscat Hent- z e n. der Stellvertreter des ausgewiesenen Re­gierungspräsidenten, in seiner Wohnung ver­haftet. Den Grund ber Verhaftung bildet, ein an den französischen General wegen der Verhaf­tung des Oberregierungsrats Lutterbeck ge­richteter Einspruch. An Stelle von Hentzen wurde als Vertreter Oberregieiungsrat Tiemann bestellt.

Mülheim, 30. Mai. (Wolff.) Die fran° zösisck:n Tesahungstruppen haben gestern, wie dieRheinischrWestfälische Zeitung" meldet, bx Zechen bes Mülheimer Dergwerks- vereinsbeseht.

Mainz 30. Mai. (WTB.) Aus dem Eisen- bahnbezirk Marn; sind von der französischen De- sahungsbehörde freute 203 Eisenbahner mit Familien ausgewiesen worb en.

Frankfurt a. M., 30. Mai. (WTB.) Dre Franzosen haben heute den Betrieb auf ben DahnhöfenMontabaurfrisWa Urnen-