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Nr. <24 Swett« Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 30. Mai 1923

Das Schreiben des Reichsver- bandes der deutschen Industrie

an den Reichskanzler.

'Berlin, 28. Mai. Das Schreiben, in dem ba5> Präsidium des Reichsverbandes der Deut­schen Industrie dem Reichskanzler feinen Bc- jchluft über das Angebot einer sub­sidiären Garantie milgeteilt hat, hat svl- geaöen Wortlaut:

Berlin W. 10, den 25. Mai 1923.

Herr Reichskanzler!

Im deutschen Angebot vom 2. Mai hat die Reichsregierung erklärt, dab sie bereit sei,nach Mähgabe der noch zu treffenden Vereinbarung auch auf gesetzlichem Wege dafür zu sorgen, daft die gefamte deutsche Wirtschaft zur Siche­rung des Anleihedienstes herangezvgen wird". Rochdem die Gegenseite eine Substanzierung der Garantie für die Verwirklichung eines ihr an­nehmbar erscheinenden Angebots fordert, haben Sie, Herr Reichskanzler, zu erkennen gegeben, dah es Ihnen wünschenswert wäre, von dem Prä­sidium des Reichsverbandes der deutschen In- tmslrie eine Erklärung darüber zu erhalten, in welchem Umfange und vor allem in welcher Form es die Hevanziehung der industriellen Wirtschaft als Garantie für den Anleihedienst für möglich erachtet. Diesem Ersuchen entsprechend, beehrt sich das Präsidium, das bei dem Zustande­kommen der obigen Rote nicht mitgewirkt hat, nach eingehender Prüfung nachfolgende Stellung­nahme zu der gestellten Frage zu übermitteln:

I. Rach dem Vertrage von Versailles haften für die Repa rationen ausschlieftlich Ver­mögen und Einnahmequellen des Reiches und der n de r. Eine Haftung des Privateigentums hat gemäh völkerrechtlichen Grundsätzen nicht stattzufinden Der Zugriff des Staates auf seine Bürger, insbesondere die Wirtschaft, ist eine rein innerdeutsche Airgelegenheit. Die unmittelbare Haftbarmachung gegenüber dem Auslande ist ausgeschlossen Im innerdeutschen Verhältnis ist der Staat Selbstschuldner für die Reparationen. Er ist deshalb gegenüber den Bürgern wie auch gegenüber der Entente verpflichtet, zu­nächst die ihm gehörenden Pfandvbjekte des Re i che s u n d de r L ä n de r im Rahmen der Möglichkeit auszuwerten. Reicht dies nicht aus. so hat er die Gesamtheit deS Volkes nach Mahgabe des Kräfteverhältnisses heran­zuziehen, ehe er getrennte Volkskreise zur Tra­gung von Svnderlasten aufsordert. Dies gilt auch für eine etwaige Svnderbelastung der Wirtschaft, d h. insbesondere des landwirtschaftlichen und städtischen Grundbesitzes, der Industrie, des Han­dels und des Bankgewerbes. Die industrielle Wirtschaft bekennt sich zu der für jeden Bürger selbstverständlichen Verpflichtung, für das un Staat verkörperte Vaterland bis an die Grenze der Tragfähigkeit einzu- treten. Das Ziel aller Bemühungen ist die Wiedergewinnung der politischen und wirtschaft­lichen Freiheit. Deshalb kann die Bereitschaft der Uebernahme von großen Sonderlasten auch durch die Industrie nur ausgesprochen werden, wenn gleichzeitig das Gesamtproblem der Repa^ ration sowohl nach außen wie auch innerhalb Deutschlands eine wirkliche Losung erfährt.

II. 3m Rahmen des Gesamtprvblems ist vor allem zweierlei erforderlich: Erhaltun g d e r vollen Substanz der staatlichen V e r- mögensvbjekte. ohne welche eine gesunde Wirtschaft unmöglich ist, und aus dem gleichen Grunde Wahrung der Zollhoheit.

Eine erfolgversprechende Haftbarmachung der .alleinigen" staallichen Pfandvbjelle kann imr vor sich gehen, wenn die Reichs- und Staatsbehörden nach privatwirtschaftlichen Grund­sätzen regeneriert und dauernd betrieben werden Rach Meinung der Industrie wird es möglich sein, auf diesem Wege aus diesen Be­trieben in absehbarer Zeit jährlich etwa 600 Millionen Gvldmark, bei günstiger Entwicklung der Wirtschaft eine Milliarde und mehr heraus- zuwirtschaften.

Die Frage, in welchem Umfange die Pri^ll- wirtschaft nach volle. 2luswertung der staatlichen Pfänder als subsidiär haftender Bürge cmzu- treten hätte, hängt in erster Linie von der Hohe der jeweiligen Jahresleistung des Staates ab. Sie Garantie der Wirtschaft für die Erfüllung ! ihrer Zusahbiirgschaft kann trotz größter Be- denken nur in einer Verpfändung ihrer Sachwerte liegen.

Das Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie ist der Ansicht, daß die Wirt­schaft und zwar ländlicher und städtischer Grundbesitz, Industrie, Handels- und Bank­gewerbe unter Anspannung aller Kräfte neben sonstigen schweren Lasten und der Erfüllung einer Reiche von Voraussetzungen jährlich eine Z u s a fr- garantie b is zum Höchstmaß von 5 0 0 Millionen Gvldmark auf die Dauer bon drei Jahren übernehmen sollte. Der Kapitalweit einer derartigen Jahresleistung über­schreitet die Halste des gegenwärtigen Deriaufs- wertes desjenigen gesamten privaten Immobilien- bcsibes welcher als Pfand dienen must Die industrielle Wirtschaft erklärt sich bereit, 40 Prozent der genannten Garan­tiesumme zunächst ohne Rücksicht auf das normale Kräfteverhältnis der Wirtschaftsgruppen zu übernehmen. Der Bewertungsmaßstab der verschiedenen Wirtschaftsgruppen must sich in Zeit- abschnitten von mehreren Jahren je nach der Veränderung der wirtschaftlichen Lage sowohl nach oben wie nach unten ändern. Insbesondere wird es erforderlich fein, den städtischen Haus besitz innerhalb angemessener Fristen zunächst durch Abbau der Zwangsmiete wieder tragfähig zu machen, ehe er entsprechend heran­gezogen wird. Die gleichmäßige Verteilung der zu übernehmenden Lasten innerhalb der einzelnen Wirtschaftsgnippen bedarf alsbaldiger Feststel­lung Als Pfand für die Erfüllung der übernom­menen Verpflichtungen kann unseres Erachtens nur der Besitz an unbeweglichem Ver­mögen dienen. Die Haftung ist durch dingliche Eintragung auf den Fundus der einzelnen Sach­vermögen in den Formen des deutschen Rechtes auszusprechen. Die Modalitäten der Verzinsung mid Amortisation hängen wesentlich von den De - bingungen für die notwendigen äu- stören Anleihen ab. Bei Unternehmungen, bie ihrem (^aralter nach über entsprechenden unbeweglichen Besitz nicht verfügen, können Titel für geeignete persönliche Haftung geschaffen wer-

den. Die beschleunigte Ablösung der dmgllchen Belastung und sonstigen Titel durch steuerfreie Kapitalleistungen ist zuzulassen. Die Lasten der- artiger Bürgschaften können von der ohnhin schon kranken Wirtschaft nur getragen werden, wenn der Staat die allgemeinen Lasten des Volkes durch äußerste Sparsamkeit im Innern möglichst verringert und wenn das gesamte deutsche Doll, insbesondere auch die gewerblichen nb landwirt­schaftlichen Arbeitnehmer, ihre volle Kraft für die Abbürdung der Reparativnslast im 'Wege der Intensivierung der Arbeit (III) ein­sehen. Rur so kann jene Aktivität der Zahlungs­bilanz wiedergewonnen werden, die zu einer Stabilität der W äh r u n g fuhrt. Dies wiederum ist die unbedingte Voraussetzung für langfristige Geldzahlungen eines verarmten Landes.

III. Die unter II. genannten Verpflichtungen können nur übernommen und die daraus entsprin­genden Leistungen nur erfüllt werden, wenn | Deutschland durch entsprechenden Aufschub der Zahlungen die Möglichkeit erhält, feine innere Lage zu stabilisieren, und wenn der deut­schen Wirtschaft die volle Bewegungsfreiheit im Verkehr mit dem Auslande und im Ausland« selbst, so wie sie allen anderen Staaten gewahrt ist, wieder zugebilligt wird.

Die deutsche Wirtschaft kami ferner bei der bestehenden inneren Wirtschaftslage keinerlei Ver­pflichtungen übernehmen und Leistungen vollbrin­gen und wird es niemals können, wenn nicht fol­gende unerlästliche Voraussetzungen mbezug auf innere Wirtschaftsreformen erfüllt werden, die auch die deutsche Regierung in ihrer am 14. Rovernber 1922 an die Repacatimskom- Mission gerichteten Rote im wesentlichen als not- | wendig bezeichnet hat:

1. grundsätzliche Fernhaltung des Staates von derprivatenGütererz e u - g u n g und -Verteilung, unbeschadet schärf­ster Bekämpfung wirklichen Wuchers, mithin

a) Aushebung der Kriegs- und Zwangs­wirtschaft einschließlich des AusbauL der Außen­handels kvrrtrolle, soweit letztere nicht zur Sicher­stellung einiger weniger lebenswichtiger Er­zeugnisse für Volksernährung und dergleichen, erforderlich und tatst ich durchführbar ist,

b) Aushebung anci Demobilmachungsvor- schriften und Beschränkung der Staatsgewalt auf das Schiedsrich'.ecamt bei Wirtschaftsstrei­tigkeiten von allgemeiner Bedeutung.

2. Erhaltung des Betriebskapitals und Ermöglichung angemessener Reubildung von Privatkapital zum Zwecke der Erhaltung und Ent- wicklung der Wirtschastsbetriebe, mithin ent-

sprechende Umgestaltung der heute vielfach will- kürlichen Steuergesetzgebung (zum Beispiel Ge­werbesteuer), insbesondere Hebung der Steuer-- moral und Schaffung eines klaren, den Sparsinn anregenden Steuersychems.

3. Voller Einsatz der vorharchenan Arbells- krast und quantitative und qualitative Hebung der Prduftin, als Steige roo u n g de r allge­meinen Arbeitsleistung. Dies setzt vor­aus: bei grundsätzlicher Aufrechter ha ltung . des Achtstundentages QhiStpeitung der Tariffreiheit im Sinne der Vorarbeiten des Reichswirtschaftsrates, Schäftung eines Arbeitszeitgesetzes; ferner Ent- | laftung der Wirtschaft von unproduktiven Löhnen.

Ein oftenes Bekenntnis von Regierung und Voll zu Derartigen Grundsätzen sowie s ofortige Verwirklichung derselben durch alle beteiligten Faktoren insbesondere Regierung ist uner­läßlich. In anberem Falle werden alle Opfer des Volkes, einschließlich der Wirtschaft fruchllos fein und nur die letzte Hoffnung auf eine bessere Zu­kunft vernichten. Dir Mitverantwortung für einen derartigen Fehlschlag zu übernehmen, ist die Wirtschaft nicht in der Lage.

Gezeichnet: Sorge. Hücher. Ernst v. 35ar­tig. Peter Glöckner. Reuch. Fritz Thyssen. Karl Bosch. Hans Kcaemer. Riepsri. Karl Friedrich v. Siemens. Hugo Sünnes. Vogler. Dulsberg. Lammers. Silverberg. Frank. Hans Jordan. Piatscheck.

Hessischer Landtag.

56. Sitzung.

St Darmstadt, 28. Mai.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 21/4 Mr. Das Haus setzt die Spezialdebatte zum Hauptvoranschlag fort.

Zum Kapitel 68, Techn ische Hochschule, wird einstimmig der Antrag der Fraktionen (außer K. P. D.) angenommen, der Akademischen Fliegergruppe den Betrag narr 20 Mil­lionen Mark zur Verfügung zu stellen

zum Bau eines Segelflugzeuges, das Spezialzwecken dienen soll, und zwar in erster Linie des motorischen Aufstiegs von der ebenen Erde.

Zum Kapitel 75, Ministerium für Ar­beit und Wirts chaf t, macht Abg. Dr. Büch­ner (Dem.) längere Ausführungen zur allgemei­nen Wirtschaftslage, besonders ter Industrie. Tatsächlich fei alles Vermögen, das viele Einzelne verloren haben, heute in Deutschland konzentriert auf einige grofje Industrie- und Finanz-Zentren. Rach dem Kriege wurden lebensnotwendige Dinge monopolisiert und das Volk muhte fein Letztes ^ergeben. Run hat die Regierung versucht, durch die Devifenanleihe konstante Verhältnisse zu schaf­fen durch eine wertbeständige Anleihe. Dah die größte Industrie diese Anleihe sabotiert hat, hit mich geradezu erschüttert. Die chemische Industrie allein wäre in der Lage gewesen, diese Anleihe zehnmal zu überzeichnen. (Hört, hört!) Sie hat es nicht getan. Man hat von dieser Stelle aus auch Stinnes in Schutz genommen. Ich habe vor diesem Mann, ber berufen scheint, ein europäischer Rockefeller zu werden, die grolle Hochachtung. Ich frage aber, ob es nicht eine schwere bedenlliche Sache ist, das gesamte Volksvermögen in einer Hand zusammenzubringen. Ich farm nicht ver­stehen, wie sich ernste Männer, ehemalige höhere Offiziere usw, vor den Pflug dieses Mannes span­nen fönnen, an dessen Ernte sie nie teilnehmen werden. Angesichts der Haltung der Franzozen, die immer deutlicher "zeigen, dah es ihnen nur auf bie völlige Zerstörung Deutschlands ankommt, stehe ich auf dem Standpunkt, bah wir auch das letzte Opfer bringen müssen. Die Regierung möge in Q^rlin dahin wirken, bah die Reichsregierung in ihrem neuen Angebot so weit wie möglich

gehe. Hllft auch dies nichts, dann haben wir we­nigstens das moralische Plus, das uns zugute kom­men wird, wenn es, was kommen muh, wieoer einmal anders ist. Bei den kommenden Lohn­erhöhungen möge die Regierung bedacht fern, dah diese auch denjenigen zukommt, die es wirklich nötig haben, den verheirateten und kinderreichen Arbeitern und Beamten, nicht den Jugendlichen, die ohnehin mehr verdienen, als sie nötig haben. (Hört! Sehr richtig!) Schließlich möchte ich immer wieder auf

das allgemeine Dieustpflichkjahr zurückkornmen, dessen Einführung ich dringend empfehlen möchte. Wohnungsbau. Kulti.ieiung von Oedländereien, Wiederaufbau usw., alles das würde durch baß Dienstpflichtjahr gehoben wer­den formen.

Abg. Dr. Schlinger (Dbd.) kommt zu­nächst aus dieEntwäsfernnq desRiÄ)s zu sprechen, richtiger auf die Rotwendigteit der Veresterung der Wasser- und Wohnverhältnisse im Ried. Sie erforderlichen drei Pumpwerke, der Hauptgraben usw. mühten vorn Staat erbaut werden.

Abg Hahn (D. Vpt.) möchte die Förderungs- mahnahmen für die Landwirtschaft tni allgemeinen besprechen. Sie Regierung hat 4 Millionen zur Förderung der Landwirtschaft eingestellt. Diese Summe ist heute schon wieder so entwertet, datz damit nicht viel anzufangen ist. Die Verordnung über bi2 Errichtung der Landwirtschaftsämter lam ber Landwirtschaft sehr überraschend: vor allem, bah diese Aemter selbständig sein sollen. Wir haben also LandwirischaftLkammer und 18 öanb- wirischaftsämter. die nebeneinander herlaufen. Hier werden sicher Differenzen entstehen und Kompetenzstreftigteiten. Anstatt zu zenf.a i'ieren, hat man zersplittert. Für die .Landwirt cha'ts- nimmer hat man die dreijährige Wahlperiode beschlossen. Diese steht aber nur auf dem Papier. In Wirilichkeft sind noch die 1911 gewählten Mitglieder im Amt. Die Finanzen der Landwirt- fchaftskammer leiden Rot, well die Finanzämter die Beiträge berechnen muhten, und bierc Arbeit sehr verzögert wurde.

Abg. Mann (Soz.) bespricht die Arbeits­löhne im allgemeinen und verurteilt den Versuch der Regierung, die Stabllisierungsaition durch­zuführen und dabei auf die Löhn- zu drücken. In Helsen sind nächst dem Ruhrgebiet die höchsten Teuerungszahleii zu verzeichnen. Es ist unmöglich, die Lohnentwickiung zurüdzu halten. Heut: mutz eia Arbeiter in Deutschland für das gleiche Quantum Eier 71 Stunden arbeiten, für das der Arbeiter in Belgien 3, in Frankreich 5, in England 3' ... in Amerika l1 \ Stunden arbeitet Die Preispolitik ber Industrie, besonders aber der Syndtale, trage mit Schuld an ber schlechten Entwicklung ber 03er* hältnisse in Deutschland. Weite Krefte des Mittel­standes würden von der Syndikatspolitit geradezu erdrückt Man dürfe nicht verkennen, datz es ein ilnbing sei: ungeheure Wohnungsnot auf der einen Seite, und riesige Arbeitslosigkeit auf dem I Baumarft andererseits. Dem Riedentwästerungs- prvjekt schlieste sich die Sozialdemokratie an. Er verkeime indessen nicht, dah die Kostenfrage die entscheidende Rolle spiele. Sann kommt der Redner auf die Frage der

Dahnverbindmrgeu in Obsrhessrn zu sprechen. Die sog. Verbindungsbahn fei .eine Llmgehungsbahn geworden Der Redner streift bann nochmals bie Wohnungsfrage und bie wirt­schaftliche Rotlage der minderbemittelten Bevölke­rung.

Abg. Kindt (Deutschn.) bebauert dah die Geschästövrdnung die Dringlick^eitsanttäge abge- schafst hat Für die Kriegsopfer ist lange nicht genug geschehen. Die Regierungs<rntwort zu diesem Antrag sei nicht befriebigenb. Wir sehen täglich Bettler auf ber Strafte, Leute, die tm Kriege ihre Gliedmaften verloren hoben. Das ist unwürdig. Herr Dr. Büchner hat von ber Kon­zentration des Volksvermögens in großen In­dustriezentren gesprochen. Ich bin erstaunt, wie ein Mann der Industrie das sagen konnte. (Hort, hört!) Auch die Behauptung, baft die Landwirt­schaft einen graften Teil des Volks vermögens an sich gerissen hat, bars nicht unwidersprochen blei­ben. Herr Dr. Büchner Dergiftt ganz die vielen Millionen, die wir an Reparationen gezahlt haben, bie doch dem Volks vermögen verloren ge­gangen sind. Herr Dr. Büchner hat bann be­hauptet, baft die chemische Industrie allein im­stande gewesen wäre, die Goldanleihe zehnmal zu zeichnen. Man wird in Kreisen ber Industrie doch erstaunt sein über diese Behauptung Dr. Büch­ners. Tatsächlich sind trotz der Dollarsteigerung bie Industriepapiere entwertet worden (Zurufe, Unruhe, in ber weitere Ausführungen des Red­ners verloren gehen.) Einig gehe ich mit Herrn Marrn in der Forderung von Rotstandsarberten. An den Herrn Minister für Arbeit und Wirtschaft mochte ich bte Ditte richten, sich der Verhält- niffem Obe rHess en, besonders ber Bah n- verhältnisse tn Gieft en und Vilbel, mehr anzunehmen.

Abg. v. Helmvlt (Dbd.): Durch den Man­gel an Kunstdünger geht der Bodenertrag an» bauetnb zurück. Wenn wir unsere landwirtschaft­lichen Betriebe nicht so stärken, bah sie ihre Produktion erheblich steigern können, gehen wir einer Katastrophe entgegen. Wenn wir bie Pro­duktion steigern wollen, ist es unbedingt notwendig, baft wir befreit werden von allen Zwangsvor­schriften. So wenig wie der Arbeiter, kann die Landwirischast unter Zwang arbeiten. Saft bie freie Wirtschaft bessere Verhältnisse schaftt. beweist bie Kariosfelversorgung. Aehnlich ist es mit der Milch Die Stickstoffavriken haben ohne Zweifel zu giofre Gewinne gemacht, wie Oppau beweist. In die Landwirtschaft muh Ruhe und Stetigkeit i getragen werden. Dazu ist die schnelle Durch- I führung des SiebtungStoefeng unbedingt not« wendig.

Abg. Ebner (KPD.) bespricht die Lage der | Arbeiterschaft, die, wie im Kriege, auch jetzt in der Teuerung die größten Opfer bringt. Man solle Wohnungen bauen und dadurch der Arbeitsloftg- keit steuern. Die Regierung müsse das Bauholz umsonst zur Verfügung stellen. Wir fordern als Kcmmunisten ein Bündnis mit Sowjetrutzland. Das allein kamt uns Hllfe bringen. Darum for­dern wir auch ein Sowjetdeutschland.

Abg. Dr. Werner (D.-Ratl.) wendet sich in einer persönlichen Demeriung gegen eine unrich­tige Behauptung des Vorredners, and macht noch mehrere Gegenbemerkungen.

Darauf wird die Sitzung abgebrochen

Rächste Sitzung Dienstag, 9 älhr. Schsttft 6 Uhr.

Hochschirlnachrichten.

Preisausgaben der Landes Universität.

Aus dem Zinsertrag der Ofann-Denl» wih-Stiftung der älniversität Giesten wer­den R e i s e st i p e n d i e n für Studierende und andere wissenschaftliche Bewerber aller Fakultäten ergeben. Die Bewerber müssen eine von der Pflegschaft ausgeschriebene Aufgabe bearbeitet und ixjfür den Preis erhalten haben. Die Preis- aufgaben für das Jahr 1923/24 sind folgende:

I. Für Studierende, die mindestens an Sommer 1923 ober im Winter 1923/24 an der Universität Giesen immatrilulierl sind:

Aus dem Gebiet der theologischen 5a» tulfät:Kämpfen und Leiden im Urchristentum".

Aus dem Gebiet der j u r i st i s ch e n Fakultät: Sic Durchsetzung beschränkter Haftung im deut­schen bürgerlichen und Prozeßrecht."

Aus dem Gebiet der medizinischen Fa­kultät: 1. .Ist die Katalase bei der Ernährung als Vitamirt,'Ergänzungsstoff ober bgL zu. bewerten?" 2.Die Bedeutung unb Funktion der Leh di g- schen Zwischenzellen'.

Aus dem Gebiet der veterinärmedizi­nischen Fakultät:Die CRetentio fecunbinanim beim Rinde, ihre Ariiologie und Therapie".

Aus dem Gebiet der philosophischen Fakultät:Das «Wortspiel" im französischen Drama".

II. Für andere wissenschaftlich ge­bt l de te Bewerber, und zwar:

1. Dozenten ber iln ioerfität ©leben, soweit sie nt Mchtitglieder des Gesarntfenats sind, bie wissenschaftlichen Beamten ber ilniöerfl- täls-Tibliothek, die Assistenten ber llniDerfttät, soweit sie nicht Mitglieder des ©efamtfenati Repetenten,

2. frühere Studierende der ilnit>r- f i t Dieften:

Aus dem Gebiet der juristischen Fakul­tät:Sic itpoSeapia in den griechischen Rechts­quellen."

Aus dem Gebiet ber medizinischen Fa­kultät:Hat ber Calciumgehalt des Blutserums eine Bedeutung für bie Otvsklerose?"

Aus dem Gebiet der veterinärmedizi­nischen Fakullät:Die Frage ber Dauer ber Immunität irach dem ileberfteften ber Maul- und Klauenseuche ist durch Versuche an Meerschwein­chen näher zu prüfen."

Lius dem Gebiet der philosophischen Fakultät:Die Degegnu rgel, des Propheten bei ber Rachtreise und Himmelfahrt sind unter Zu­grundelegung des Berichtes in der Propheten- biLgraphie des Halabi (Kairo 1320, Bd. I, S. 365 bis 419) darzustellen und ?u mtersuchen.

Voraussetzung für bie Bewerbung inter II. ftt, baft die zu 1. Genannten mindestens im Sommcr- femeficr 1923 oder im Wintersemester 1923/24 an der Universität im Amte stehen, für die unter 2. Genannten, bah sie ihre Studien zu einem er­heblichen Teil an ber Universität Tieften gemacht haben.

Die Preisarbeiten müssen tn deutscher Sprache geschrieben fein unb dürfen mit einen Verfasser haben. Die Arbeiten sind nach Wahl der Verfasser entweder unter Rennung des Ver­fassers ober in ber für bie Bewerbung um bte staallichen Preis arbeiten üblichen Form vor dem 1 April 1924 beim ilnioerfitätefefretartat etnzu» reichen Frühere Studierende haben badet ben Rachweis zu liefern, baft bte Voraussetzungen der Bewerbungen erfüllt sind.

Hebet die Zuerkennung ber Preise entscheidet die Pfl^schaft auf Grund von Gutachten ber Fakultäten. Die Urteile werden bei ber Jahres­feier ber Universität im Jahre 1924 verkündet.

Die Preise betragen für bie Gruppe I je 2500 Mark, für die Gruppe II je 3500 Mark.

Dampfer

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George Washington .. 6. Juni .11. Juli

President Roosevelt . . 13. Juni

America..........16. Juni

President Fillmore - 21. Juni President Harding . . 27. Juni President Arthur..... 4. Juli .