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Montag. 28. Mai 1923

175. Mrgang

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis -,um Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtL 100 Mk., auswärts '.25 Mk.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 500 MK.Bei Platz- Vorschrift 20Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. ^oet}. Verantwortlich sür Politik: Aug. Goetz; -,ür den übrigen Teil: ü-rnst Blumichein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

Rr. 122

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vruck und Verlag: vrilhl'sche Univerfitcttr-Vuch- und Zteindruckerei K Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

gur Beantwortung der Entente-Noten.

Und) Blättermeldungen haben die Verhand­lungen innerhalb desReichs Verbandes der deutschen Industrie zu einem bestimmten Ergebnis geführt. Der Reichsverbcr.id war in der Loge, der Regierung konkrete Vorschläge in der Qknxmtiefrage zu rnachen. Die Parteiführer er- kairnten durchaus die Opfer an, welche dir Indu­strie auf sich zu nehmen bereit ist.

In parlamentarischen Kreisen rechne man da­mit, da ßdie Beantwortung der Le­nden Ende kommender Woche erfasst kann.

Derlin. 27. Mai. Den Blattern zufolge empfing der Reichskanzler gestern zuerst die Fühver der sozialdemokratischen Fraktion, dann bte bet Arbeitsgemeinschaft der Mitte, schließlich die der Deutschnationalen, um sie gemeinsam mit dem Außenminister v. Rosenberg über die Grund­linien der deutschen Antwort auf die Roden der Alliierten zu unterrichten. Die Be­sprechungen sollen in der kommenden Woche fort­gesetzt werden. Am Rachmitlag empfing der Reichskanzler in Gegenwart des Außenministers und des Reichswirtschaftsministers Vertreter des Reichsverbandes der deutschen In­dustrie, der der Reichsregierung mitgeteilt hatte, daß die Industrie bereit sei, die Iusatzgarantie für die Reparations­anleihe zu übernehmen. Bei dem Emp­fang wurde besonders die Frage der praktischen Durchführung der Garantieleistung besprochen. Die Reichsregierung dürfte, wenn es zu einer Vereinbarung kommt, den Weg der Gesetzgebung beschreiten. Die Konferenz mit den Minister­präsidenten der Länder, die nach Berlin eingelabcn werden sollen, sobald die Besprechun­gen mit den Führern der Reichstagsfoaktion be­endet sein werden, dürfte spätestens in der Mitte der kommenden Woche stattfinden. Ob die nächste Reichstagssihung an dem vor der Pfiiigst- pause auf den 5. Juni angesehten Dermin ftatt- finden kann, steht noch nicht endgültig fest; falls nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, soll an dem genannten Termin festgehalten werden. Ob eine allgemeine politische Aussprache im Reichstagsplenum stattfinden wird, steht gleich­falls noch nicht fest.

Berlin, 28. Mai. Wie die Morgenblätter melden, wurden die Besprechungen des Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteiführern am Sonnaz sort- geseht, und zwar wurden die Deutschnationalen empfangen. Auch ihnen machte der Kanzler Mit­teilung von den Vorschlägen, die der Reichs­verband der deutschen. Industrie für eine Ga­rantieleistung der deutschen Wirt­schaft unterbreitet hat. Der Loka ^anzeig er" will wissen, das) der Reichskanzler heute Besprechun­gen mit den Vertretern der Landwirtschaft urcd deS mobilen Kapitals über die Frage der Garantieleistung führen werde.

DieTimes" über die europäische Not.

London, 26. Mai. (WTD) Bezugnehmend auf die in Europa augenblicklich herrschende Rotschreibt dieTimes", es bestehe kein Zweifel, das) die Lage Europas schlimmer werde. Eine neue akute Krise fei in Sicht in der Ent­wicklung der Beziehungen zwischen den siegreichen Alliierten und Deutschland, eine Krise, die die Be­ziehungen Großbritanniens zu Frankreich tief be­rührte. Die französische Regierung sei ent chlotscn, in ihrer Verfolgung der separalen Politik, die sie im Ruhrgebiet angenommen, zu verharren.

Unter Hinweis auf die letzte franzögsche Re­gierungskrise schreibt dieTimes", soweit die Ruhr-Frage in Betracht komme, zeige die fran­zösische öffentliche Meinung für den Augenblick keinerlei Zeichen von Schwache. Augenblicklich s.r es wesentlich, daß nicht gestattet werde, das) die Uno Innung in Deutschland sich ausbreite. Es gäbe fein beunruhigenderes Symptom als die Ausbreitung der t vm m u n i st i s chen Un­ruhen im Ruhrgebiet. Die Besetzung Gelsenkirchens durch die Kommunisten und lu Ausschreitungen in Dortmwid und Bochum se en ernste Ereignisse, die die Franzosen in dem Gebiet, das sich unter ihrer starben militärischen Kon­trolle befinde, und das sie des Polizeischutzes beraubt hätten, nicht hätten gestatten dürfen.

Eine interalliierte Konferenz?

P r, r i s, 27. Mai. <WTD) Rach demJour­nal des Debats" erklärt man am Quai d Orsay d'e heute vormittag vomEclair:" wiedergegebene Rcchrick t über eine demnächst stattfindende in­teralliierte K onfere z in der corlic-jen- fce-.i Form für u-rrichlia Mussolini soll etwa E ade Juni nochParis.ommen, vorher aber werde er vor der Italic rischen Kammer das Pro­gramm seiner zukünftigen Pott it verhandeln. Erst ba:i i werde man w.ss.n, ob eine interalliierte Kcufcre z in Paris statt,indea werde^ Inzwischen aber, so hem a lt üa-3 Debais selt­

samer-e/e *ci die fianwtt «)-b.tgl.ch- eroaerenz aus unbestimmte Z i- vertagt worde

Die belgische Neparations- politiL.

Paris 26 Mai. (WTD.) Wie derPetit Pmcksien" mitteilt, ist Poincare gestern abend von Brüssel verständigt worden, oat) die Repe der bcckciiscken Minister angesichts der älnpaßlia)keit Ilgspars um einige Tage verschoben werden muffe. Die belgische Regierung habe aber, inzwi'chen durch ihren Botschafter in Parts erne Anzrhl Dokumente überreichen lassen, m denen dre Er - aebnifse der Studren niedergelegt sind, ßie die belgischen Delegierten bet R^xi- rationskommissiou D e l a c r o tf und B^eme.- manö über das Reparatronsprvblem

verfaßt haben. Diese Studien sollen eine Anzahl Vorfragen regeln vor dec allgemeinen Diskussion und beziehen sich besonders auf dte wirklichen Einnahmequellen Deutschlands, auf die geforderten Garantien und auf die staatlichen Monopole, die errichtet werden könnten. Man glaubt zu wissen, daß die belgischen Sachverstän­digen die Ansicht vertreten, dah man aus einem Eisenbahnmonopol und aus einem Mo­nopol für Alkohol, Zucker und Tabak Annuitäten im Betrage von über 2 Milliarden Goldmark ziehen könne. Die französische Regie­rung wird nunmehr diese Dokumente prüfen und die Beratungen mit Theunis und Iaspar, denen auch Barthou und Delacroix beiwohnen sollen, würden dadurch wesentlich erleichtert werden. Das Blatt fügt hinzu, es verstehe sich von selbst, dah die Ruhrpolitik in keiner Weise in Frage gestellt sei.

DasPetit Journal" schreibt, es sei möglich, dah die französisch-belgischen Minister auch be­stimmten, welche Minima die neuen deutschen An­gebote enthalten mühten, damit die französische und belgische Regierung sie als ernst uitd der Prüfung würdig anerkennen. Rur in dem Falle, dah die kommende deutsche Rote diese Bedingun­gen erfülle, würden sich Frankreich und Belgien mit England und Italien zwecks Ausarbettung einer gemeinsamen Antwort in Verbindung setzen. Aber es verstehe sich von selbst, dah diese Frage nicht gestellt würde, wenn die deutsche Regierung die neuen Vorschläge übergebe, bevor Verhand­lungen aller Alliierten über die endgültige Rege­lung eingeleitet worden seien.

Die belgische Regierung hat, wie Havas berichtet, gestern nachmittag der fran­zösischen Regierung eine lange Rote von etwa 50 Seiten zugehen (affen, in der sie ihre Auffassung von den Riöglichkeiten zur Sicherung der Reparationszahlun­gen auSeinanderseht. Das Dokument erörtert nach Havas nicht die Frage der Ruhroesetzung oder die früher für die Räumung des Ruhr­gebiets festgesetzten Bedingungen, sie habe viel» mehr technischen und finanziellen Charakter und weife in dieser Beziehung, wie versichert wird, neue und interessante Punkte auf.

London, 26. Mai. (WTD.) DieWest, m i n st e r Gazette" schreibt in einem Leit­artikel, dah Belgien anfange zu zweifeln, ob es klug war, das Duhrunternehmen zu unterstützen. Es habe nichts wesentliches für feine Mühe erhalten. Die belgischen Staatsmänner seien besorgt über die Lockerung der Bande, die die Alliierten zusammenhielten, dies sei die Be­deutung der bevorstehenoen Konfere.rz über die Reparationen zwischen Frankreich und Belgien. Wie gefährlich die Lage sowohl für Frankreich als für Deutschland geworden sei, gehe aus der Ausbreitung des kommunistischen Auf­standes im Ruhr gebiet hervor.

Paris, 27. Mal. (WTD.) Havas berichtet aus Brüssel, Minister Ja spar sei heute mir Erfolg operiert worden, so dah feine voll­kommene Genesung in zwei ober drei Tagen er­wartet werden könne. Die belgische Telegraphen­agentur glaubt zu wissen, dah Poincare auf- gefvrdect worden ist, die Konferenz, die anfäng­lich in Paris stattfinden sollte, in Brüssel zu ermöglichen. Falls Poincare sich nicht nach Brüssel keg-eben wolle, soll nach demTemps" die Be- latung im Laufe dieser Wvche in Paris statt- finden, selbst wenn Ministerpräsident Theunis sich allein dorthin begeben sollte.

Baldwins Pläne.

London, 27. Mai. (WTD.) Der diploma­tische Berichterstatter desOberserver" schreibt, es verlaute, dah Baldwin entschlossen sei, fefort die Fragen der Reparation, des Ruhrgebiets und der französischen Sicherheit in Angriff zu nehmen. Es werde in Regierungskreisen ar.erEannt, dah die wirt­schaftliche Seite des Reparativ rsproblems an Be­deutung hinter der Frage der französischen Sicher­heit stehe, und dah eine Regelung des Repaca- ticnsproblems nicht erfolgen könne, bevor die französische Furcht vor Deutschland beseitigt wer­den könne. In diplomatischen Kreisen werde daher der Gedanke aufgeworfen, dem militärischen Pakt, der Frankreich in Cannes angeboten wurde, eine der Jetztzeit mehr entsprechende Form zu geben. Es werde angenommen, dah dieser Weg zu einer Vereinbarung mit Frankreich nur Der» felgt M:ifcen könne, wenn die französische offent- lich. Meinung sich einigen könne, eine Garantie anzunehmen, die nur gegen einen douischen An- orifT gerichtet sei. Eine Förderung sonstige- fran­zösisch,er Pläne gegen Deutschland könne *J>t in Frage kommen.

Dic Ernennung Mac Kennas zum britischen Schatzkanzler.

London, 26. Mai. (Wolfs.) Reuter meldet: Ma cK e n n a. der unter Asquith Schahkanz» (e r war, hat denselben Posten im Kabinett Bal- n-iii angenommen. Indessen wird er mit Rück­sicht auf die kürzlich durchgemacht schwere Kranr- hcit sein Amt erst übernehmen, wenn er vollstän­dig genesen ist. Insalgedessen wird Baldwin feine Tätigkcii fortsehen, bis die Frnanzbill endgültig angenommen ist.

Paris, 26. Mai. (WD.) Jacques Dain- Ville erklärt über die Ernennung Mac Kennas zum Schahkanzler im Kabinett Baldwin in derLiberte": Man habe mit einem gewissen Erstaunen erfahren, dah Stanley Bild- wni Ma cKenna, der ein befreundeter Liberaler von Asquith sei, angeboten habe, Schatzkanzler zu werden, das heiyt den zweiten Posten in einer I stockkonservativen Regierung anzunehmen. Wir sehen darin weder eine Intrigue, noch ein poli­tisches Kalkül. Wir erinnern uns nut daran, dah

man ihm ben Reparationsplan, den Do­nar LL aw i m Jan uar in Paris unter­breitet bat, zuschreibt. Man muh sich also fragen, ob dieser für Frankreich annehmbare Plan von neuem vorgebracht werden wolle.

England und Frankreich.

P a r i s, 26. Mai. (Wolff.) Anläßlich des Empire Dah" haben der Präsident mit der Republik und König Georg von England in herzlichem Tone gehaltene Tele­gramme ausgeiauscht. Millerand sagte, er spreche die aufrichtigsten Wünsche für das Ge­deihen des vereinigten Königreichs, der Do­minions und Indiens aus. Der König von England dankte ihm und sagte, er erneute bei diesem Anlaß den Ausdruck seiner Hochach­tung und der herzlichen Wünsche für die Ge­sundheit des Präsidenten und das Gedeihen des französischen Volkes, das mit dem Im­perium durch Bande der Freundschaft und ge­meinsame Beziehungen verbunden sei.

Warschau, 27. Mai (Wohf.) DasJour­nal" schreibt, r<i einigen Tagen werde man das Programm des neuen britischen Ka­binetts kennen. Das sei umso wichtiger, als dieses Ministenum nicht volllvm.nen tert Hoff- TiU.ngen dieser ernsten Stunde entsprech?. Baldwin sei gezwungen gewesen, durch Hinzuziehu g Mac K e n n a s und Lord Cecils in feiner Regierung zwei Elemente einzuführen, die eine ausgesprochene Evolution im Si..ne einer radikalen Tendenz be­deuteten. Auch dasEcho de Paris" spricht in abfälliger Weis? über den Eintritt Lord Rorbert Cecils mrd Mac Kennas in das Kabinett Baldwin.

Die Kommunisten-Kümpfe im Ruhrgebiet.

Bochum, 26. Mai. (Wolff.) In den gestrigen Abendstunden rückten einige kommunistische Hundertschaften vor das Gebäude der Feuerwehr und forderten die Hebergabe und Ent­waffnung der Mannschaften, was abgelehnt wurde. Darauf griffen die Kommunisten die Feuer­wehr mitRevolvern undeinernStein- Hagel an. Gegen neun Ufjr abends gebrauchte die bedrohte Feuerwehr die Waffe. Die Feuer­wehr war inzwischen durch, neue Beamte verstärkt wocden. Dci dem Feuergefecht gab es mehrere Verwundete und einen Toten. Ilm elf­einhalb nachts griffen die Kommunisten die eben­falls Verstärkungen erhalten hatten, nochmals an. Bei der Schießerei wurde eine Person ge­tötet und eine grohe Anzahl verwundet. Wie heute morgen durch die Feuerwehr festgestellt wurde, gab es gestern 2 Tote und 33 Ver­wundete. Unter den Verwundeten befinden sich ein Kommuncilbcamtcr und ein Feuerwehr­mann. Dic Angreifer bestanden in über wiegend em Mast? aus unbekannten Elementen.

Bochum. 27. Mai. (Wolfs.) Gestern abend kcmi es wieder zu größeren 11 n ruhen. Die De­monstranten zogen zum Stadtpark und drangen in d i e Villa eines Kaufmanns ei n. den sie Mitnahmen. Die zu Hille geru enc Feuer­wehr befreite den Ge-a.g.aen und vertrieb die Unruhestifter toob.i es Tote u n d Verwun­dete gab. Bei einer Razsta der Feuerwehr wur­den etwa hundert Gefangene eingebracht, die zu­meist mit Revolvern und Karabinern bewaffnet waren. Rachts kam es zu einem Zasammen- st ost in der Rvttstrciße, wobei einige Personen verwundet wurden. In der Frühe gegen 5 Uhr wurden Feuerwehr- Posten von cer Eisen­bahnbrücke aus mit Gewehren beschossen; ein Feuerwehrma.m wurde durch Ko-i schaß ge­tötet und zwei schwer verwundet, von denen eiiier im Sterben liegt 3m Stcrdtinnern ist die Feuerwehr Herr der Lage. An den Sladt- eingär.ge<i stehen rote W.'-chm, die die ©traben- babnaagen und Autos anhalten und die Insassen nach Waffen untersuchen. Seit gestern früh sind in den Krankenhäusern weitere vier Tote und dreißig Verwundete einaelicfert worden; die Ver­wundeten schweben gröstiemteils in Lebensgefahr.

Als autzerordentlich schwer wird es empfun­den, dost der Fernsprechverkehr, der feit Mmaten von den Franzosen gesperrt ist, auch jetzt nicht freigegeben wird. Bei den blutigen Vor­fällen können daher Aerzte nicht zu Hilie gerufen werden und Angehörige von Oranten können von ten Krankenhäusern nicht benachrichtigt irerden. Unure erbrochen irren Eltern and Angehörige von Vermuten. Toten oder Verwundetem in der Stadt umher, um zu erfahren, wo ihre Lieben sich be­finde!'.

Gerüchtweise verlautet, datz gestern auch in CEitten sich Unruhen ereigneten, wobei an­geblich zwei Personen getötet unb dreizehn verletzt Worten seien.

Berlin, 28. Mai. Rach einer Meldung der Morgenpost" aus D o ch u m wurden in ler Rächt zum Sonntag der 2iachtwächter Otto Krü­ger aus der ZecheHannibal" und der Ober- stadtsekretär Blum, Ler dem Selbstschutz ange­hörte, erschossen.

Wie den Morgenblättem aus Elberfeld gemeldet wird, ist das erneute Gesuch des Regierungspräsidenten Gruetzner um Zulassung von Schutzpolizei in den durch die Kommunisten geiährde'en Gebieten wie­derum von General Denvigres abgelehnt wor­den. Der General hat jedoch erlaubt, dah die kom­munale Polizei in ien Ortschaften verwendet wer­den darf, wo die Lage gerade bedrohlich ist. Die Erlaubnis ist an die Bedingung geknüpft, dah der französische Kommandant der Orte, aus denen die Polizei kommt, und des Ortes, in dem sie ver­wendet werden soll, sich mit der Verwendung und dem Transport der Polizei einverstanden ertlärt

Bochum, 26. Mai. (WTD) Aus verschie­denen Zechenanlagen haben heute früh QI b ft i m- m u n g e n über die Weiterbetei i i g u n g am Streik ftattgefunöen mit dem ernevnis, dah weil über drei Viertel der Bele.aichaften arbeitswillig waren. Der von den Kom- munistischeli Hundertfdxvten aiüg ü.L? Terror nimmt z u, da Verstärkungen eingetroffen sind. In der leht-rn Qkacht ist auf der ..Hannidil- Zeche" ein patrouillierender W a ch t m e i . e r e r= schossen worden. Qlu3 den groben Werken und Betrieben wurde heute früh dae> technische und Bureaupersonal vertrieben. Die beio.n gro'Ben Wochenmärkte in Bochum sind :

Morgen wird überall in großen Ve. a,iimlun^e.n zu der Lage Stellung genommen werden.

Berlin, 26. Mc>i. (Wolfs.) Wi: ?ei Blo­tem von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist die gesamte grüne Schutzpoliz i aus . e n Rubrgcb'et a u s g e w i e s e n u. d di 5urüagc» bliebe ne blaue Polizei ist durch 2l isweii jn- gen auf die Hälfte geschwächt und unge­nügend dewafsnet. Ober-präsuteni G 0nowsli auf Anord.ung des preuhllchen Mi..inertnäsieeil- ten von der Besahungsbchörde Wi derzulas- sung der Schutzpolizei gefordert. Die Aoiehnung französischerseits steht noch nicht ?>?:. In gieichec We se fordert der Oberpräsident die geseuntr fried­liebende Bevölkerung zur Teilnahme an dem Selbstschutz auf.

Rach Dlättermcldungen hat die Deutsche Volkspartei im preuhisch.n Landtags eine grche Anfrage eingebracht, in der gefragt wird, was die Staatsregieru.ig getan habe, um dcm Ausbruch der Ruhrunrahen verzubeugen, und was sie zu tun gedenke, um ähnliche Tlnruhen unmöglich zu machen.

DieNeutralität" der Besatzuugs- bchvrdcn.

Paris, 27. Mai. (WTB.) Die Hav.e - agentur veröffentlicht folgende offenbar be­einflußte Depesche aus Düsseldorf: Man habe angekündigt, die Besatzungsbehörden wollten um jeden Preis bei oen jetzigen Zwischen­fällen im Ruhrgebiet neutral bleiben. ES sei gut, festzustellen, daß die Ruhrbesetzung niemals den Zweck gehabt habe, die Verwal­tung deutschen Gebiets zu übernehmen. Die französischen Truppen Härten sich bis jetzt ab­seits gehalten, weil es nicht in der Absicht der alliierten Regierungen liege, sich in Die i n- nerdeutschen Angelegen hei ten ein­zumischen. Sie seien der Ansicht, daß der deutschen Polizei allein die Aufgabe zufalle, die Ordnung wiederherzuslellen, aber njan müsse hinzufugen, daß es sich nicht um eine Neutralität um jeden Preis handle, und daß die Truppen eingreisen würden, wenn ihre Sicherheit bedroht wird.

Lcbensttirtteluttruhen in Essen.

Essen, 26. Mai. (Wolff.) Auch hier fan­den heute L e b e n s m i t r e l u r^r u h e n auf dem Kvppstadlplatz und dem Gänsemarktstatt. Das Pfund Fleisch mußte mit 3000 Mark ver­kauft werden.

Zwei Autos überfallen und beschossen.

Münster, 27. Mai. (WTD.) In Dorr- m u n b wurde gestern nachmittag ein von Hörde kommendes mit Polizeimanwchasten besetz'es Auto von den Aufrührern aus Häusern und Höfen überfallen und beschossen. Ein P 0 l i z e i 0 b e r wa ch t m e i st e r wurde ge­tötet und sieben andere durch Schüsse schwer verletzt. Zwei zur H i l f e t) c r a e i - eilende Autos mit Polizisten tau.cea eben­falls überfallen. Die am Tleberfall be­teiligten Kommunisten waren mi. den modernsten Waffen, besonders mit Handgranaten, au."geriliie . Ein für die Rächt geplanter allgemeiner Angriff gegen die Polizei unterblieb, an cheinend wegen des Richtcintreffens anderer au gcijo.ener Hun­dertschaften. Im Landkreise Dortmund ist es heute morgen ruhig geblieben. Im Lause des Tages finden überall Versammlungen der Strei­kenden statt.

Gegen den Wucher.

Berlin, 26. Mai. (Wolff.) Im Hinblick auf das Steigen des Dollars wurden, wie der wnt- lichr Preußische Pressedienst berichtet, alle Poli­zeibehörden erneut angewiesen, ter Bekämpfung des Wuchers ihre ganze Kraft zu triamen. Die Polizeibehörden werden besonders ta auf aufmerk­sam gemacht, daß der W i e d e r b e s cha s f u n g s' preis als M a ß st a b für cie Angemes sei heck des GeLllr,.s abzulehnen ift. B.a vielen, für die Versorgung ter Bevölkerung wich.igstenWaren bchsteht die Rotmarktlage, w.lche die Ver­läufer verpflichtet, ihre Pre'isfordernng auf der Gruiidlage der individuellen Ge­st e h u n g s k 0 st e n zu er red;. e 1 Bei dem Ver­dacht der Wark-nzurückhalln g s. l en tb- Poli e".- behörden Lage.kontr ll. . rne mm ' - > e- die Polizeiverwclltungen Angü.anse -e > utJi- kums und W-arenham'icrn, so so len i e Kl in- händ-ler nnahelegen, die Waren in ge-.>tze: ee ll.den- gen nicht mehr abzugeben. Die Poii> i.eböroen wurden ferner erlucht, ihre Ausmerkfam.eii auf die Erzeugerpreise zu lenken, die etwa 25 bis 30 Pro­zent unter dem im Absatzgebiet notierten Markt» p :eis liegen müssen. Ramentlich in ländlichen Ge­bieten soll dieser Standpunkt mit allem Nachdruck vertreten und t ar auf aufmerksam gemacht werden, Laß es ganz gleichgüllig ist, ob der Erzeuge diese hohen Preise fordert oder ob der Händler sie an* bietet und der Erzeuger sie annimmt.