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Erscheint täglich, trotz« Sonn* und Feiertag«, mit derSamstaysbeilage: GietzenerFamilienb lätter Monatliche vezuaapreife: 2850 Mark und IbOMark 2rogerlohn,durch diePost' SOOOMark.auch beiNicht* erscheinen einzelner Num* mern infolge höher« Gewalt - Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Siehe«.
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175. Jahrgang
Dienstag, 27. März 1925
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oherhesfen
Druck und Verlag: Srschl'sche Univerfitäls-Vuch- uni> Zteindruckere« R. Lauge in Gießen. Zchriftleirung un6 Geschäftsstelle: Schnlstratze 7.
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Die englisch-französischen Beziehungen.
London, 26. Marz. (Wolfs.) Gin Teil der englischen Presse schenkt dem am Samstag im Pariser „Figaro" veröffentlichten Artikel große Beachtung. 3n dem Artikel wurde die Unzufriedenheit Frankreichs mit der Ent» wicklnng seit dem Waffenstillstand, namentlich auch mit der Haltung Bvnar Laws, aaägebrücEt und am Schluß betont. Frankreich müsse seine Zukunft durch neue Bündnisse sicherstellen und zwar mit Mächten, die durch die Gegenseitigkeit ihrer Interessen mit Frankreich verbunden wären. Zum Teil wird in der Londoner Presse der Artikel als ein Angriff auf die Entente betrachtet. „Daily Aews" wirft die Frage auf. ob P o i n -- täte der Verfasser sei. Der Pariser Berichterstatter der „Times" schreibt, es sei bemerkenswert. daß nach der Entmutigung, die in der letzten Zeit das gange Gerede über neue europäische Gruppierungen erfahren habe, und nach den Versicherungen, daß die Entente die Grundlage jeder europäischen Politik bleiben müsse, einem unbekannten Publizisten in einem derartigen Blatte eine so hervorragende Stelle eingeräumt werde, um die alnmöglichkeit eines französisch-britischen Einvernehmens darzulegen und offen die Aotwendigkeit neuer Völkerverbindungen zu prüfen.
Die „W e st m i n st e r Gazette" schreibt in einem Leitartikel, es sei unmöglich, zuzugrben, daß die Interessen England und Frankreichs miteinander unvereinbar und einander entgegengesetzt seien. England sei ebenso wie Frankreich vital an der Sicherheit Frankreichs und an dec Bezahlung der Reparationen bis zur vollen Leist ungsfähigkeit Deutschlands interessiert. Aoch weniger als ein bankerottes Deutschland wolle England ein bankerottes Frankreich sehen. Die Interessen Englands und Frankreichs seien dieselben, es sei denn, daß Frankreich andere Interessen habe, die gegenwärtig zu erklären ihm seine Politik verbiete. Schließlich legt das liberale Blatt den Franzosen nahe, ihre Interessen unter einem größeren Gesichtspunkt zu betrachten, denn wenn sie endlich die Entente preisgäben, wären sie es und nicht die Engländer, die den Preis bezahlen müßten.
Dem Parlamentchberichterstck^ter des „Daily Telegraph" zufolge werden in der Unter» haus - Debatte gm Mittwoch auswärtige Angelegenheiten erörtert unter besonderer Bezugnahme auf die Lage im Ruhrgebiet und die englisch-französischen Beziehungen. Es werde erwartet, daß Lloyd George an der Aussprache teil nehmen werde. Da die Erörterungen wahrscheinlich einen besonderen Umfang an- nehmen würden, werde Sonar Cato für die Regierung antworten. Dem Berichterstatter zufolge würde dec Bericht der ins Ruhrgebiet entsandten Abordnung der englischen Arbeiterpartei nicht rechtzeitig genau vorliegen, um vyn dem Wortführer der Partei in der Debatte verwendet werden zu können.
Die sozialistischen Konferenzen.
Berlin, 26. März. (WTB.) Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der sozialistischen Parlamentsfraktionen Englctnds, Frankreichs, Belgiens und Italiens und dem deutschen sozialdemokratischen Parteivorstand sind am Montag abend abgeschlossen worden. Mit dem Ergebnis wird sich am 29. März die erneut in Paris zusammentretende Konferenz der sozialistischen Parlamentarier befassen, zu deren Auffassung dann der deutsche Parteivorstand wiederum Stellung nehmen wird. Die Aussprache in Berlin ergab vollkommene Aebereinstimmung der sozialistischen Parteien in dem Entschluß, ihre Kräfte darauf zu konzentrieren, dem Ruhr- abenteuer ein möglichst schnelles Ende zu bereiten und die endgültige Lösung der Reparativnsfrage herbeizuführen, die zur Wiedergutmachung der Kriegszerstörungen führen, der Wahrung des europäischen Friedens dienen und der deutschen Leistungsfähigkeit Rechnung tragen soll.
Maffenausweisungeo.
= Mainz, 26. März. In Auswirkung des Befehls, nur der französischen Eifenbahnregie zu gehorchen, wurde heute im Bezirk Mainz mit Mafsenausweisungen von Eisenbahnbeamten begonnen. In den Stationen Wiesbaden, Mainz, Dingen, Bingerbrück, Gaualgesheim und Kreuznach mußten bisher mehr als 50 Eisenbahner die Dienstwohnungen sofort räumen und wurden erbarmungslos auf die Straße gesetzt.
Mainz, 26. März. (Wolfs.) Die Franzosen haben heute früh weitere sieben Zollbeamte sowie den Privatmann Thiele in Mainz-Cas.'el verhaftet und ausgewiesen. Der 'kürzlich verhaftete Direktor des „Mainzer Anzeigers". Will, ist gestern mit Familie ausgewiesen toorten.
fpd. Wiesbaden, 26. März. Heute vormittag zwischen 5 und 8 Uhr wurden unter einem großen Aufgebot von der französischen Desahungs- behörde nicht weniger als 2 0 Ai11g lieber der hiesigen Regierung aus ihren Wohnungen geholt und zwangsweise bis an die Grenze des besetzten^Jebiets vor Frankfurt geschafft und hier ausgewiesen. In einigen Fällen gingen die Franzosen mit besonderer Härte vor. Es han-
dell sich prn folgende Herren: Regierungsrat Dr. I Zaun. Regierungs- und Gewerberat Dr. Hesse. Oberbaurat Stiehl, Daurat Dr. Reumann, Re- | gierungsrat Trapp, Gewerbemedizinalrat Dr. Bethke, die Regierungs-Obevsekretäre Leber, Flick. Lange, Geibel, Ries, Sander, Dehre, Kusche, Cron- Hardt, Müller. Kanzlei-Inspektor Uhlsmann, Kanzleisekretär de Marne, Hauptkassenkassierer Dattenfeld, Bureaudiätar Opfermann. Ferner wurde der 18jährige Oberprimaner Weyrauch, der einen Protest wegen der Ausweisung seines Schuldirektors mitunterschnsben hatte und deshalb seit drei Wochen in Unter» suchungshaft sah, ausgewiesen.
Der Bürgermeister von Kettwig zu <» Monaten Gcfängnkü und
5 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt.
Doch um. 27. März. (WTD.) Bon dem Militärpolizeigericht in Werden ist Bürgermeister H o p m a n n aus Kettwig zu 6 Monaten Gefängitis und 5 .Millionen Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er dafür verantwortlich gemacht wurde, daß die Eisenbahnarbeiter, die aus ihren Wohnungen fortgezvgen waren, das Eisenbahnmaterial mitgenommen hätten und er dem Requisitionsbefehl, 55 Decken zu stellen, nur zögernd Folge geleistet habe unD daß er bei dem Besuche der Be- sahungsbehörden auf dem Bürgermeisteramt nicht anwesend gewesen fei.
Unerhörte Behandlung der gefangen gehaltenen Beamten.
Berlin, 26. März. Die Behandlung der in den französ iUen Unters uchungs- gefängnissen befindlichen deutschen Beamten ist nach den hier eingegangenen Aieldungsi eine geradezu schmachvolle und skandalöse und schändet den Ramen Frankreichs als den einer Kulturnation auf ewig. Richt nur, daß die Behandlung eine unerhört strenge und oft grausame und schimpfliche ist. sondern auch die Verpflegung ist die denkbar schlechteste- Geradezu unerhört ist es aber, daß Gefangene für die Verrichtung ihrer Notdurft und das Essen ein and dasselbe Gefäß benutzen müssen!! Die Zellen sind oft derart Nein, daß man sich kaum darin bewegen kann. In solchen Räumen müssen alte, in Ehren grau gewordene hochverdiente Beamte, d'.e «udem noch krank sind, ihre Untersuchungshaft zabringen.
Was sagt das neutrale Ausland zr diesem schmachvollen Verhalts Frankreichs? Wo sind jetzt die Kommissionen der Reutralen, die während des Weltkrieges durch die deutschen Lazarette und Gefangenenlager reiften and ängstlich darauf bedacht waren, daß jedem gefangenen Turko und Spahi sein Menschenrecht ward?
Ein Anschlag auf einen französischen Offizier im Saargebiet.
Saarbrücken, 26. März. (Wvlff.)Der „Reue Saarkurier" meldet, daß am letzten Samstag, abends 1 Ahr, der Platzkvm- mandant von Neunkirchen, Kapitän Deschamp, von Personen angegriffen worden sei, die chn au Boden warfen und auf ihn losschlugen. Es ist dies das erstemal, daß Im Saargebiet ein Anschlag auf einen ft an» zösischen Offizier ausgeführt wurde. Der Präsident der Regierungskommission hat über die Gemeinden des Kreises Ottweiler, dem Neunkirchen angehört, folgende Polizei- maßnahmen angeordnet: Schließung der Wirtschaften und aller öffentlichen Etablissements abends Vl'9 Ahr, Verbot aller Versammlungen und Verbot von Ansammlungen von mehr als zwei Personen in den Straßen.
Cmtc neue Zugentgleisung.
Oberhausen, 26. März. (WTD.) Ein von französischem Personal geleiteter Personenzug ist am 24. März auf der Strecke Ober- Hausen-West—Duisburg kurz vor der Einfahrt mit sämtlichen Achsen entgleist. Zwei Wagen fuhren ineinander, während die Maschine um» stürzte. Wer bei diesem Eisenbahnunglück zu- schaten gekommen ist, konnte nicht ftstgestellt werden, weil die Anfallstelle von der Desatzungsbehörde abgesperrt worden war. Es konnte jedoch beobachtet werden, daß verschiedene Personen, die den Zug benutzt haben, davongetragen wurden.
Die Zeugetr von Buer.
Berlin, 27. März. Einer Meldung des „Lokal-Anzeigers" aus D u e r zufolge wurde gestern enoltch der deutsche Hauptzeuge in der Angelegenheit der Ermordung der beiden französischen Offiziere, der Dergmann W t n - fing, freigeiaffen, nachdem elf Tage lang von französischer Seite ein Druck auf ihn aus- geübt worden ist, eine Erklärung zu unterschreiben, in der er seine Aussagen widerrufen sollte.
D u e r, 26. März. (WTD.) Das französische Kommando hat der Stadtverwaltung mitaeteilt, daß die geplante Kirchenfeier für Die in Ducr am 11. März getöteten Deutschen angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse nicht gestattet werden könne.
Am Samstag mittag ist ein französisches Tankgeschwader, das über acht Tage in den gärtnerischen Anlagen vor dem Rathause gestanden hatte, in der Richtung auf Recklinghausen abgerückt. Die Anlagen haben erheblich gelitten.
Entgegen anderslautenden Meldungen wird der Dergmann Winking von den Franzosen noch
immer in Haft gehalten. Sie unterwerfen ihn täglich einem scharfen Verhör über die näheren Umstände der Mordtat, für die Winking einer der Hauptzeugen ist.
Beschlagnahme der AZeiuban-Domänen.
Wiesbaden, 26. März. (Wolff.)Nachdem die Weinbaudvmänen an der Mosel bereits von 10 Tagen beschlagnahmt worden sind, wird jetzt laut „Rheinischer Volkszeitung" in einem Erlaß der Rheinlandkommission auch die Beschlagnahme der Wein- bcuidomänen im R h e i u g a u angeordnet. Die Beschlagnahme bezieht sich auf die Weinberge, die Gebäude und die in den Kellern lagernden Weine.
Die Stimmung der Arbeiter.
Amsterdam, 27. März. (WTD) Der Sonderberichterstatter des sozialistischen „H e t Volk" chatte in bei Zentrale des ^Bergarbeiter» v-eibandes Xn Dochum eine Un'erreoung mit mehreren bedeutenden Persönlichkeiten. Hierbei wurde u. a. gesagt: Der französische Optimismus ist unbegründet für Diejenigen, Die Die Tatsachen kennen. Wir begreifen, daß die Regierung Pom- care nach zwei Monaten fruchtloser Besetzung das Bedürfnis 'hat, dem französischen Volke nut optimistischen Mitteilungen neuen Mut zu machen. Aber wer wie wir täglich mit diesen Tatsachen zu tun hat, 'weiß Den Wert dieser Mitteilungen einzuschätzen. Wir können uns nicht oorstrllen, daß französische Sachoer ständige den Optimismus ihrer Regierung teilen. Es ist keine Rede davon, daß Die deu tschen Arbeiter in einigermaßen nennenswerter Zähl auch nur einenAugenblick dieReigung hätten, für Die Desetzen den Handlanger'- Dienste zu leisten. Wenn bei Den Arbeitern eine Veränderung bemerkbar ist. Dann ist sie in entgegengesetzter Richtung erfolgt. Die französisch-belgischen Maßnahmen Der letzten Zeit, die Roheit des Auftretens, das Riederschießen von Kameraden und Die Quälereien gegen die Bevölkerung haben Den Geist des Widerstandes eher gestärkt als geschwächt. Vor einer imperialistischen Macht Die uns mit Dem Bajonett zur Arbeit zwingen will, werden wir uns nicht beugen.
Aus dem Offenburger Bezirk.
K a r l s r u h e, 26. März. (Wolff.) Eisenbahnoberinspektor H e r 11 e i n in Offenburg wurde von dem französischen Militärgericht in Kehl zu 15 Tag en Gefängnis und 50 000 Mk. Geldstrafe verurteilt, weil man bei einer Haussuchung, Die bei ihm nach Dienstakten, Plänen und Lohnlisten vorgenvmmen wurde, einen alten Revolver, von dessen Existenz ihm nichts 6damit war, gefunden hatte. Der Eifenbahnoberinspektor Meier würbe zu 30 000 Mk. Geldstrafe verurteilt, well man bei einer Haussuchung einige Patronen, jedoch ohne Schußwaffen vorgefunden hatte.
Die Franzosen haben noch Arbeitslose aus Straßburg nach Offenburg gebrckcbt zur Verladung Der Dort noch lagern Den Reichsoienst» kohle. Die Kohlenzüge werden dann durch Elsaß nach Der Pfalz geführt und Dann erst nach Frankreich gebracht. Damit wollen Die Franzosen Dem Anschein nach einen regen Kohlentransport aus Deutschland nach Frankreich vor täuschen. Ferner haben Die Franzosen aus der Offenburger Reparaturwerkstatt mehrere Werkmaschinen, Drehbänke unD verschiedene Kräne Wetzgeführt, außerdem eine Anzahl in Reparatur befindliche Lokomotiven, Darunter eine Schnellzugslokomotive.
Frankreich und die Schweiz.
Genf, 25. März. (WTD.) Die Rote der französischen Regierung, die vom schweizerischen Dundesvat Die Durchführung des vor einem Monat in Der schweizerischen Volksabstimmung mit ungeheurer Mehrheit verworfenen Zonen-Abkommens fordert und diese Vollsabstimmung für ungültig erklärt, hat, wie Die führenden west schweizerischen (Blätter heute feststellen, große Erregung hervor- gerufen. Das „Journal de Gensve" wie Die „Gazette de Lausanne" betonen, daß die französische Forderung ungerechtfertigt und unannehmbar fei und daß Die Bevölkerung sich entschlossen hinter die ablehnende Antwort stellen werde, Die Der DunDesrat nach Paris gesanDt hat. Die Blätter weisen überein ftimmenD Darauf hin, Daß die französische Rote von Poincarä selbst unterzeichnet worden sei. — Deutsch-schweizerische Kommentare liegen noch nicht vor.
Stinnes in Rom.
,R o m, 26. März. (WTD.) Hugo Stinnes ist zu eintägigem Aufenthalt in privaten geschäftlichen Angelegenheiten hier eingetroffen.
Moskauer Todesurteile.
Warschau, 26. März. (WTD.) Rach einer Meldung der Poln. Telegr.-Agentur aus Moskau wurde heute früh das Urteil im Prozeß gegen die katholischen Geistlichen verkündet. Der Erzbischof Zepliak und der Prälat D u t k o w i h wurden zum Tode verurteilt, Die anderen Geistlichen müssen Gefängnisstrafen von drei bis zehn Jahren verbüßen. Die Vollstreckung beider Todesurtelle erfolgt am Donnerstag. — Wie die Warschauer Blätter melden, machte der polnische Ministerpräsident Sikonski gegenüber dem Sowjetvertreter in
Warschau, Obolonski, kein Hehl aus Der Er regung, Die dieses drakonische Urteil in Der polnischen Oefsentlichkeit Hervorrufen wird
Aus dem iReiche.
Leichte Erkrankung des Reichskanzlers.
Berlin, 26. März. (WTD.) Bei dem Reichskanzler hat sich aus Der verschleppten Erkältung eine leichte Rippens elsi entzündung entwickelt. Der Reichskanzler wird genötigt fein, mehrere Tage Das Bett zu 'hüten, führt aber Die Geschäfte fort.
Der Zusammentritt
des Auswärtigen Ausschusses.
Berlin, 27. März. Trotz der Erkrankung des Reichskanzlers ist die für heute anberaumte Sitzung des Auswärtigen Ausschusses nicht abgesagt worden. Laut dem „Vorwärts" wird an Stelle des Reichskanzlers der Reichsminister des Aeußern eine Erklärung über die Politik Der Reichsregierung abgeben.
Die Hochverratssache Roßbach.
Berlin, 26. März. (WTD.) In der Hoch- Verratssache Roßbach und Genossen sind in "Berlin am Montag Dreiweitere Personen polizeilich fest genommen worden: Major a. D. v. Stephani. Oberleutnant a. D. t. Buelow und der früher: Privatsekrc- tär Roßbachs namens Pelz. Alle Drei werden am Dienstag dem Richter zugeführt. Die in Der Provinz von Der Berliner Polizei Fe tgenvm- menen wurden inzwischen sämtlich den zustänDizc"? Gerichten porgcfüört. Gegen zehn Der Borgs- führten wurden richterlich ^Haftbefehle erlassen, nämlich gegen den Major a. D. von Der Oelsnih, Hauptmann a. D. Brinkmann, Schrift leiter Quindel in Hannover, Schriftleiter v. Salomon in Stolp, Architekt Spindler, Landwirt Hern- leben, Maschinenmeister Zimmaas, Kaufmann Eichmann in Naumburg, Kaufmann Eckardt m Kassel und Landwirt Härtel in Bad Kösen.
3cna, 26. März. (WTD.) Wie das „Volk" meldet, 'bat die Polizei hier den Geschäftsführer Der Deutsc^ölkischen Freiheitspar-tei, Wünsche, und Den Vorsitzenden der Ortsgruppe, Korvettenkapitän a.D. Gö t tung, f estgen ommen. Pfarrer Traub wetzen Beleidigung des Reichs
präsidenten angeklagl.
L e i p z i g, 26. März. (WTB.) Der süd- deutsche Senat des Staatsgerichtshofes wird am 11. April gegen den Pfarrer Traub wegen Beleidigung des Reichspräsidenten verhandeln.
Ein rechtsradikaler Aufmarsch in München
Berlin, 26. März. Der „Vorwärts" meldet aus München, daß dort am Sonntag früh aus Berlin, Nürnberg, Augsburg, Regensburg usw. Trupps von Haken- kreuzlern eintrafen. An mindestens vier Stellen seien Felddienstübungen abgehalten worden. Ein Parademarsch vor Hitler und v. Kahr schloß Die ilebungen. Wie der „Vorwärts" schreibt, war zweifellos am Sonntag mehr geplant als ein Generalappell. Der Putsch sei im letzten Augenblick durch das Zupacken in Norddeutschland verhindert worden. Nach einer Meldung der „Vossischen Ztg." haben sich an dem Llufmarsch der Hitlerleute auch die Vereinigten vaterländischen Verbände beteiligt. Erst als gegen Llbend die Nationalsozialisten demonstrativ durch den Bannkreis des Landtages ziehen wollten, trennten sich die Angehörigen der Vaterländischen Verbände von ihnen.
Aus Heffen.
Landtagsvorlage».
rm. Darmstadt, 26. März. Dem Landtag ist eine Regierungsvorlage zugegangen, durch welche das Gebührenwesen derVer- waltungsrechtspflege durch eine besondere Verordnung festgelegt werden soll. Durch eine weitere Vorlage werden für die innere Einrichtung des neuen Kreisarntsgebäudes in Offenbach 51000000 Mark ungefüttert, davon etwa 31 Millionen für die Möbel, 15 Millionen für Haustelephon, 5 Millionen für Instandsetzung des alten Mobiliars, 4V1 Millionen für Scheibenvorhänge usw.
In einer Regierungsvorlage wird ferner ein Entwurf tetr, die Aushebung der Standes- rechte (nach dem Antrag des Abg. Schreiber und Gen.), wie er schon dem vorigen Landtag Vorgelegen hat, veröffentlicht. Rach Artikel 1 werden die Vorrechte des bisherigen Adelsstandes, einschließlich des ritterschaftlichen, gerichtsherr- lichen und sonstigen Adels, soweit sie das ö ff ent- siche Recht betreffen' aufgehoben und diese Familien unterstehen dem allgemeinen öffentlichen und bürgerlichen Recht. Rach Artikel 2 werten weiter auf gelten: das Recht einer eignen Gesetzgebung. das Recht, durch besondere Behörden oder Beamte öffentlich'rechtliche D fugniffe auszuuben oder Staatsbeamte mit der Wahrnehmung haus- iechtsicher Aufgaben zu betrauen, das Recht auf Beilegung ter Prädikate: Königliche Hoheit, Grotzherzogliche Hoheit, Durchlaucht, Erlaucht und DeigL, sowie das Recht auf besondere Trauer (Landestrauer, Kirchengebet, Trauergeläute, Ehrenwachen usw), das Recht auf schuldige Ehrerbietung Innerhalb Der Standesherrschrst, das Recht, ihre Besitzungen mit herrschaftlichem Titel zu bezeichnen, das Recht, Titel und Auszeich»


