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Dienstag, 27. Zebruar 1923

173. Jahrgang

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Regiment nur blieben.

ig entlassen (!) sein soll.

Die Warenkontrolle im Einbruchsgebiet.

Essen. 26. gebt. (WTD.) Die Kontrolle, die im Einbruchsgebiet ausgeübt roird, soll sich nunmehr nach Besohlen der Desahungsbehörden nicht nur auf Kohlen und deren Rebenpvvdukte sowie metallurgische Maren beschränken. Seit zwei Tagen kontrollieren die Franzosen a_(le Ma­gen und lassen keinen Waren durch. Selbst ilm» zugsgut ist heute festgehalten worden, weil sich ein Küchenherd darunter befand. Die Mahnah- men stehen im schärfsten Widerspruch zu den anfangs angeorbneten Maßnahmen der französi- chen Eisenbahnkommission.

Dortmund, 26. Febr. (WTD.) Die fran­zösischen Soldaten ziehen Gräben durch die Strafen, um die Führwerke anzuhalten und

iflage toieberM)

Vorschläge zur rrtvuPNL.

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Die Lügenpropaganda des - Ministeriums Poincar6.

Paris, 27. Febr. (WTD.) Ein Dericht- erstatter des .Scho de Paris" meldet, in gut unterrichteten politischen Kreisen erkläre man, daß sowohl in der Kannner als auch im Senat sich die Lage des Ministeriums Poincarö womöglich noch verstärkt habe, fettbem der pas­sive Widerstand der deutschen Regierung dazu gekommen sei, die Rückkehr zum nationalistischen und alldeutschen Regime vorzubereiten. Die 'Sr» mutigungen, die man den militaristischen Gesell­schaften gebe, die gehrirnen Rüstungen, die Häu­fung der Defehle zur Sabotage und Auflehnung gegen die französische Autorität int Ruhrgebiet und in den Rheinlanden seien ebenso viele Syrnp- tome, die, wie man es auch vorausgesehen habe, die französische Regierung dazu fichten könnten, unerläßliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Man habe sich höheren Orts deshalb in den. letzten Tagen mit der Entlassung eines Telles der Iahresllasse 1922 beschäftigt, die erfolgen nmsse. Es sei noch keine Entseherdung getroffen ax>tben. Die Regierung werde, man könne davon über­zeugt sein, und das Land werde sie auch billigen, jebe Maßnr^me treffen, nicht nur um die Truppen im R, h . ebieft und in dm Rh-inlan^en zu er­halten. sondern auch, wenn es möglich sei, sie zu verstärken. Eine besonders über die Frage unter­richtete Persönlichkeit 'habe erklärt, die Indu­striellen. die für die Verschlungen Deutschlands verantwortlich seien, müßten ebenso wie die deut­sche Regierung Sicherheiten geben, die die Zah­lungen gewährleisten, auf die Frankreich ein 2ln- recht habe. Poincare habe gesagt Frankreich werbe bis zum Schluß g^hen. Man könne dem die fünf Worte hinzufügen: Koste es, axrs es wolle

Schwarze Truppen.

Paris, 26. Febr. (WTD) Havas wider­spricht der englischen Rachricht, der zufolge schwarze Truppen als Verstärkung nach dem Ruhrgebiet geschickt worden seien. Der Effektivbestand der französischen Truppen sei im­mer der gleiche: fünf Divisionen seien seit Be­ginn der Aktion im Ruhrgebiet. Jüngst sei eine dieser Divisionen durch eine andere erseht worden. Unter dieser Division habe sich ein Regiment befunden, das 200 Soldaten aus Martinique, also Kreolen, enthalten habe. Die Bewohner von Mar­tinique seien heute, wie sie es gestern gewesen seien, französische Bürger. 3m übrigen sei dieses

untersuchen.

Die Tat eines betrunkenen Marokkaners.

Die Ausweisungen genügen nicht.

Paris. 26. Febr. (WTD.) Rach einer Havasmeldung aus Koblenz hat die 3nteralliierte Rh . inlandkummission unter dem Dorfitz des fran- zösischrn Oberkommissars Tirard beschlossen, eine Ordonnanz zu erlassen, wonach jeder bisher und künftii ausgewiesene bratsche Deamte mit der Ausw.isung auch gleichzeitig rechtskräf-

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Verlag.) - M ^udes Hegen die Sr. Preuh. Äriegimlnl. en vor. Damit ist jfc wn deutscher Ürbciti» Ilonsfähjgkeit zur <Jr< s Heeres unö fdna -be. Denn man in Die m ständiger Fäh- die Ausgaben gelost g schwerster Beschütze t zugewendet wurde duckiäien und Dell- ni> Unterstände, wenn oer Fabien die weit- njerer Lindesgenvss.il 'Mgegenüber alle JU? ieges und nach seiner ist persönlicher ZmÄl> nixiitiing erhoben vor» : mit Hochachiunz zu istung aufbliM

Itr. 49

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T r i e r, 26. Febr. (WTD.) 3n der Rächt zum Sonntag ist lautTrierischer Landrszeitung" in der Drückenstraße der Postsekretär Schwacke, der ruhig seines Weges kam, plötz­lich von einem betrunkenen Marokkaner durch Messerstiche in den Unterleib schwer verletzt worden. Der Täter konnte verhaftet werben. Hierbei ergab sich ein Zwischenfall, in­dem eine Ansammlung von ftameraben des Täters diesen zu befreien suchte. Die Polizei verhinderte dies jedoch bis zum Eintreffen der französischen Militärpolizei, wohin der Täter nach der Auf­nahme eines Protokolls übergeben wurde.

Die beschlagnahmten 12,8 Milliarden.

Paris, 26. Febr. (WTD.) Aach einer Havasmeldung aus Düsseldorf werden die in einem DerlinKölner Zug vorgestern beschlag­nahmten 12,8 Milliarden Papiermark heute nachmittag nach Düsseldorf geschafft, da die Ilntersuchung über die Bestimmung der Summe noch im Gange sei.

Belgische Räuber«

Buer, 27. Febr. (MTB.) Einem Landwirt in Buer-Hasse, der schon mehrfach von den Bel­giern zur Abgabe von Kartoffeln gezwungen war, wurden am 21. Februar wieder 8 1 0 Ztr. Kartoffeln ohne Bezahlung abge- nvmmen.

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Die Franzosenherrschaft in Bochum.

Bochum, 26. Febr. (WTD.) Rach einer Verordnung des französischen Generals müssen alle öffentlichen Lokale ab 8 LI h r abends geschlossen sein. Innerhalb, eines bestimmten Bezirkes der Stadt, wahrscheinlich der Innenstadt, ist jeder Verkehr verboten. Rur die dort wohnenden und solche Personen, die sich als Angestellte der öffentlichen Verwaltung von Bochum ausweisen können, dürfen sich hier be­wegen. 3n mehreren Geschäften von Bochum ist der Verkauf von Waren durch die Franzosen verboten worden. Rach Berichten von Reisen­den, die heute früh von Bochum kamen, ist die Stadt seit heute vormittag von allen ©eiten durch französische Truppen abgefperrt. Die Mehr­zahl der vom Freitag zum Samstag festgenom- menen Personen ist wieder freigelassen worden. Das Schloß Berge bei Buer ist von einer Eskadron frcmzösiscfer Häger belegt worden. Auf der Strecke Dortmund-Heng st ei sind die Postsäcke und Postpakete aus dem Postwagen geholt und die Reisenden auf Zigarren und Ziga­retten untersucht worben.

Die ernste Lage.

Essen, 26. Febr. (WTD) Gestern besetzten die Franzosen den Dahnhof Schee in der Rähe von Hatting. Die Lage ist aufeerorbent» lich gespannt. Die Personen- und Güterzüge erleiden große Verspätungen.

Amsterdam, 25. Febr. (Wolff.) Der Sonderberichterstatter desRieuwe Rotter- damsche Courant" veröffentlicht einen Auf­satz über seine Deobachtungen bei seiner Reise in das Ruhrgebiet. Was auf ihn den tiefsten Ein­druck gemacht, sei die in den Kreisen der Ar­beiterbevölkerung gegen die Franzosen entstandene ungeheure Erbitterung, die sich bis auf die Führer erstrecke. Die Grohindu- striellen seien eher zum Rachgebeii geneigt. Der Mittelstand scheine die meisten Besorgnisse zu ha­ben. Die Arbeiter aber seien unerschütterlich und rücksichtslos in ihrem Hast. Dieser Eindruck bestehe bei den meisten Beobachtern der Lage, auch bei den französischen. Die Arbeiter feien anscheinend schon über den Punkt hinaus, wo sie sich durch Ent­behrungen noch zermürben lassen würden. Solche würden sie eher zu Ausbrüchen der Verzweiflung treiben. An der Haltung der Franzosen, beson­ders der Soldaten, sei zu beinerken, dah sie sich über die Lage klar seien. Man schaudere bei dem Gedanken, was alles geschehen könne, wenn es zu Zusammenstößen käme. Die größte Sorge Öer noch vorhandenen deutschen Behörden sei, wie man die Leidenschaften der Bevölkerung zügeln könne. Es sei die bedenklichste Seite, dah durch das fran­zösisch-belgische Verhaftungs- und Ausweisungs­system die Zahl der Männer, die Autorität genug besitzen, um die Erregung zu zügeln, immer ge­ringer werde. Die Franzosen wagen noch nicht, fährt der Berichterstatter fort, dem Hah der Fa­brik- und Bergarbeiter zu trotzen, das ist praktisch auch kaum möglich, da die Dergarbeiterkolonien sich über das ganze flache Land verbreiten. Alles ist solidarisch, einschließlich der Polen, letz­tere teils aus Furcht, teils aus Tleberze-ugung. Die­sem Strom kann gegenwärtig niemand widerstehen.

Von einer Uneinigkeit unter Arbeitern ist nichts bemerkbar. Die unter den gegenwär­tigen Timständen unvermeidlichen Zwischenfälle, die sich mit der wachsendeii Nervosität der fran­zösischen Truppen vermehren, erhöben noch die Er­bitterung. Die Ausdrücke sozialistischer Führer sind so scharf, wie ich sie niemals von anderer deutscher Seite gehört habe. Es ist eine neue Erscheinung, dah das Deutschlandlied in den Fabriken populär geworden ist. Ich habe zur Zeit des Krie­ges Hunderte besetzten Städte besucht, rt mals aber habe ich eine Stimmung vorgefunden, wie sie bei­spielsweise in E s s e n herrscht. In Bochum wird sie ständig angespornt, weil dort immer wieder Gelegenheit gegeben ist, um die Schlachtopfer der Besetzung zu beklagen. Das beste, was man wün­schen könne, sei, dah die Lage solange wie möglich stationär bleibe. Der kritische Punkt sei die Er­nährungslage. Die Mahregeln der Franzo­sen könnten in dieser Beziehung eine Stockung her­beiführen; das würde aber nicht zur Kapitulation, sondern zu einer Katastrophe führen. Es sehe so I aus, als ob man noch am Beginn des Kampfes stehe, wie auch der Ausgang sein werde, Geld werde Frankreich nicht erhalten.

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In Witten wurden vier Arbeiter verhaftet, weil sie einer deutschen Frauens­person, die mit Franzosen umgegangen war, die Haare abgeschnitten hatten.

In Wetter wurden der stellvertretende Amtsvvrsteher und der Postinspektor verhaftet.

In den letzten Tagen werden in größerem Umfange als bisher Koh len Vorräte in Wit­ten, Oberhausen und Wanne weggenommen. Außerdem liegen zahlreiche Meldungen über Koh- lenfentrungen, die Auf der Bahn fortgenommen und verschoben wurden, vor.

Berlin, 26. Febr. (Wolff.) Die franzö­sische Eisenbahnkontrolle in Scharn­horst vor Hamm holte den R?ichstagsabgeord- neten Dr. Hugo bei seiner Ausreise aus dem Ginbruchsgebiet aus dem V-Zug. Die Fest­nahme erfolgte auf Grund des französischen Be­fehls, wonach deutsche Abgeordnete anscheinend als agents provocatcurs behandelt werden sollen. Rach eifrigster Durchsuchung des Gepäcks und ergebnisloser Vernehmung wurde Dr. Hugo nach dreistündiger Sistierung gestattet, die Reise ins unbesetzte Gebiet fvrtzusehen.

Anmerkung des Wolffbureaus: Die Frawo» fen bestätigen also, dah farbige Truppen im Ruhr­gebiet verwendet wurden. Die Angabe, dah die aus farbigen französischen Bürgern bestehende Truppe nach 48 Stunden wieder zurückgezogen wurde, bekundet das schlechte Gewissen der fran- zössichen Regierung.

Scharfe englische Kritik.

London, 26. Febr. (Wolff.) DerDaily C h r o n i c l e" schreibt in einem Französische Ge­walt! Soll Großbritannien untätig bleiben ? überschriebenen Leitartikel, die Erregung im Ruhrgebiet steige. Die Franzosen schienen es so zu wollen. Wie anders könne man sonst die Tatsache erflären, dah sie schwarze Truppen ins Ruhrgebiet schickten, oder wie anders die Ab­scheulichkeiten erklären, wie sie aus Bochum be­richtet würden. Dies sei nicht eine Politik, die beruhigen, sondern eine sieche, die herausfor­dern wolle. Schwarze Truppen würden feit lan­gem von Frankreich im Rheinland benutzt. Dies sei eine widerlicheMahnahme, die von der öffentlichen Meinung aller zivilisierten Völker ver- urteilt werden müsse. Mit Rücksicht darauf hätten die Franzosen bei dem Vormarsch ins Ruhrgebiet angekündigt, dah sie nur weihe Truppen benutzen würden; nunmehr werde dieser letzte Rest von Anständigkeit wieder aufgegeben. Afrikanische Truppen, davon etwa die Hälfte Vollblutneger, seien in drei Ortschaften untergebracht, und es sei der gemeine Plan angenommen worden, sie nicht in Kasernen oder öffentliche Gebäude zu legen, sondern in Privathäusern unterzubrmge.i. DerDaily Chrvnicle" fragt, ob Donar Laws wohlwollende Reutralltät die England verpflichte, Frankreich am Rhein gewähren zu lassen so wett gehe, dah einer derartigen Grausam'eit Vorschub geleistet werden müsse. Die Rachrichten über die Politik der ülmzingekung, der Provokationen, der Einschüchterung und des Raubes, die in Esten, Bochum und anderswo mttwiderlicherBru- t a 11 t ausgeübt werde, mühten auf die Eng­länder einen peinlichen Eindruck machen. Sei es nicht ein furchtbarer Gedanke, dah der Dienst, krcfft dessen die englischen Soldaten ihr Geben da­hin gegeben hätten, von P o i n c a r 6 heute in einer Weise ausgenuht werde, die mit Sicherheit neue Kriege Hervorrufen werden?!

Die Beschlagnahme deutschen Gel» des, das für die Kölner Zweigstelle der Deut­schen Dcichsbcmk und für die wirllchafllichen Rot- wendig leiten des britischen Gebietes be­stimmt gewesen, sei vom Standpunkt der britischen Behörde aus, die die Aufgabe habe, dieses Ge­biet ruhig zu hallen, ein unfreundlicher Akt und müsse die britische Behörde in der Ausübung ihrer Pflichten behindern. Wünsche Poincare sie zu behindern? Die Zeit werde sicherlich kominen, wo Grohbritaimien bem französischen Vorgehen nicht länger mehr eine Art von Zustimmung gewähren werde, die sich in Stillschweigen ausdrücke.

(^isenbahnnnsätte.

Koblenz, 26 Febr. (WTB.) Heute nacht zwischen 11 und 12 älhr ereignete sich auf der militarisierten Strecke von Kobken; bei dem Bahn­hof K ö n i g s b a ch ein Unfall, wobei die Lokomotive und sieben Wagen eines Zuges ent-

Eine neue deutsche Protestnote.

Berlin, 26. Febr. (WTD.) Der deuffche Geschäftsträger w Paris ist angewiesen worden, der französischen Regierung folgende Rote nebst Anlagen zu überreichr.r:

Die Gewalttätigkeiten der französi­schen und belgischen Truppen gegen die Bevölke­rung des R'ihrgebiets häufen sich in erschrecken­der Weise. Wenn es in erster Zett nach dem Einmarsch zunächst noch den Anschein haben konnte, als ob es sich bei den Gewalttätigkeiten um Aus­schreitungen von einzelnen Angehörigen der Be­satzungsarmee handelte, so zeigt sich in den letzten Wochen immer deutlicher, dah die milttärischen Befehlshaber selbst systematisch darauf ausgehen, die Bevölkerung zu terrorisieren. Die neuerdings vor gekommenen Fälle, die Wegnahme von Privat­eigentum, Ausweisung und Verhaftung von Be­amten. Strasmahnahmen gegen ganze Städte sowie die Mihhanolung und Tötung von Privatpersonen sind so zahlreich, dah es der deutsch«r Regierung schlechterdings nicht mehr möglich ist, jeden Einzelfall, feiner Bedeutung entsprechend, gesondert zu behan­deln. Sie muh sich deshalb einstweilen daraus beschränken, einzelne Fälle herauszugreifen. Eine Liste solcher Fälle, die das Vorgehen der Be­ tzungstruppen hinreichmd kemizeichnen, ist bei­gefügt. Rach der Behandlung, die den deutschen Protesten bisher zuteil geworden ist, kann die deutsche Regierung nicht darauf rechnen, dah ihre Mitteilungen die französische Regierung jetzt zu einem Einschreiten gegen die Gewal akte ih er Truppen veranlassen werden. Sie hält es gleich­wohl für ihre Pflicht, der französischen Regierung durch die Darstellung einzelner Beispiele das unerhörte Vorgehen der Truppen immer wieder otr Obigen zu führen und so die Verantwort­lichkeit für dieses Vorgehen festzustellen. Dabei ist sie keineswegs gewillt, mit der Aus­wahl solcher Beispiele die übrigen Fälle der Vergessenheit prei sz u ge be n. Vielmehr behält sie sich auf Grund des von ihr fortlaufend gesammelten Materials vor, für jedes begangene Unrecht volle Genugtuung zu fordern.

In der umfangreichen Oknlage, welche die deutsche Regierung dieser Olote beigesügl hat, werden die Bluttaten der framöfifdjen Einbruchs­truppen in Oberhausen und Bochum, ferner die Gewalttaten gegen die Bevölkerung von Reckling­hausen, die Vorfälle auf dem Bahnhof von Wanne und weitere Fälle von Mihhandlung, Qkrbaftung und Ausweisung zur Kenntnis der französischen Regierung gebracht.

Die neuen Gewalttaten.

Ober stein, 26. Febr. (WTB.) Am Sonn­tagabend kam es in den ©trafen Obersteins zu schweren Ausschreitungen derBesat- zungstruppen. Soldaten mit ausgepslanztem Bajonett gingen auf die wehrlose Menge vor und schlugen blindlings auf sie ein. Eine Zivilperson wurde durch Bajonettstiche erheblich verletzt, an­dere Personen wurden mtt dem Gewehrkolben niedergeschlagen. Die Erregung der Bevölkerung ist ungeheuer. In der Rähe der Stadt wurde ein junges Mädchen von Marokkanern überfallenunb vergewaltigt. Heute mittag wurden der Bürgermeister der Stadt, Berg 6, und der städtische Syndikus Schwarz ausgewiesen, weil sie angeblich nicht genügend dafür gesorgt hätten, diese Vorgänge in den Strafen zu unterbinden. Eine gewaltige Men­schenmenge umzäunte die Strafen am Bahnhof und brachte dem scheidenden Bürgermeister Ova­tionen dar. Die städtischen Beamten sind als Zeichen des Protestes in einen 2 4 stündigen Proteststreik eingetreten. Zwischen Ober» flein und Idar ist eine militärische Kontrollstelle eingerichtet worden. Die vorbeifährenden Autos und Strafenbahnen werden angehalten und durch­sucht. Den Passanten werden ohne Grund gröbere Geldbeträge abgenommen.

Essen, 26. Febr. (WTB.) In der ver­gangenen Samstag-Racht wurde ein Herr in der Wellingstraße von einem französischen Soldaten überfallen und ihm seine älhr mit Kette ab» genommen. Außerdem wurde ein Ingenieur über faden und ihm 60 000 Mark geraubt Als er sich zur Wehr setzte, wurde er auferbem blutig geschlagen.

Kupferdreh, 27. Febr. (WTD.) Sämt­liche Räume des hiesigen Polizeireviers wurden von den Franzosen besetzt und resllos aufgeräumt Die Bilder und Spiegel wurden zer­schlagen und die Schreibtische aufge­brochen. Hierauf wurden die Beamten ent- lan<0terfrabe. 27. Febr. (WTD.) Bürger­meister Dr H e u b e r ist am Samstag in seinem Amtshause verhaftetundim Auto nach Wesel geschafft worden. _

E s s e n, 26. Febr. (WTB.) Im Zucht- Haus zu Werden befinden sich -'ur Zeit in Atoci groben Sälen etwa 40 von den Franzosen festgesetzte Gefangene. 3m Amtsgerichtsgesängms befinden sich 28 Gefangene, darunter Regierungs­rat Riederhof, Polizeiwachtmeister Rterhoff, Poli­zeimajor Wagener und Oberstaatsanwalt Ettel- Ötn9@'ffen, 26. Febr. (WTB.) _In Herdeke haben die Franzosen die Olusgange der Stadt besetzt Eisenbahner in Uniformen werden nicht durchgelassen. - In Osterfeld wurde gestern nach­mittag em französischer Offizier, der infolge äln- Vorsichtigkeit dem elettrischen Leitungsdraht zu nahe kam, getötet

Ein Einspruch Bonar Laws gegen die Verhaftungen in der Kölner gone.

London, 27. Febr. (WTD.) Im Unter- Hause sagte Donar Sato, den französische Behörden sei angebaitet worden, sie möchten im britischen Teile des besetzten Ge­bietes keine weiteren Verhaftungen vornehmen, ohne sich vorher mit der britischen Regierung beraten zu haben.

London, 27. Febr. (WTD.) Im Unterbaufe fragte Ramsay Macdonald, welches der gegenwärtige Stand der englisch-französischen Ver­handlungen betreffend die Desehung des Ruhr­gebietes sei oder ob etwa erwogen werde, die eng­lischen Truppen von Köln fortzunehmen. Donar Cato erwiderte, di e Lage weise keine Veränderung auf.

Die angeblichen Dermittlungs- pläne.

Paris, 26. Febr. (WD.) Der Haager De- richterstat:er derChicago Tribüne" meldet seinem Blatt, er sei in der Lage, das von Berlin ausge- cangenc Gerücht, Holland sei im Begriff, durch die Person des Ministers von Karnebeck in der Ruhrfrage zu vermitteln, entschieden zu demen­tieren. sei indessen richtig, dah Verhand­lungen stattgefunden batten zwischeu drei skandinavischen Ländern, die feit eini­ger Zeit den Wunsch hegten, gemeinsam in der Angelegenheit Vorzug hen. Der Ministe prä'i'ent Dranting hätte Lirzlich eine lange Unterredung hierüber mit Kar n ebeck im Haag gehabt. Die allgemeine Meinung gehe dahin, dah der psycho- logffche Augenblick für einen derartigen Schritt, insbesondere nach den letzten Reden im französi­schen Senat, in keiner Weise gekommen sei. Es bestehe ie^ch kein Zweifel, dah drei von den neu­tralen Mächten zu vermitteln bereit seien, sobald sich eine günftige Gelegenheit bie'e Vorher mußte jedoch notwendigerweise bei der französischen Re­gierung sondiert werden, was, wie er von zustän­diger Seite erfahren habe, noch nicht geschehen sei.

Anmerkung des Wolff bureaus: Das Gerücht, gegen das sich der Haager Korre­spondent terChicago Tribüne" wendet, ist von dem Berliner ÄDrreTbrnv n 'n demselben Blat es auf g 'gangm Daß das G r cht rich du s-Hen älr- sprungs war, haben wir sofort festgestellt.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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