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Zratlksurt a. Ul. 11686.

173. Jahrgang

Dienstag, 26. Jrnit 1925

E;ehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheflen

vnlck und Verlag: vrühl'sche UnwerfiLStr-vuch- und Zteindruckerei H. Lange in Giehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

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Eine Rede Severings auf dem Rheinischen Provinziallandtag.

Elberfeld, 25. Juni. (WTB) D-rr rhei­nische Provinziallandtag ist heute mit­tag um 2,45 Tlhr im Rathaus zu Därmen zu- sammengetrelen. Die Tagung ist in erster Linie dazu bestimmt, den Etat und dessen Voranschlag unter Dach und Fach zu bringen. Die Tagung er­öffnete der preußische Minister des In­nern Severing, der folgendes ausführte:

Das preußische Ministerium hat sich auch diesmal für verpflichtet gehalten, zu der Eröff­nung des Provinziallandtages einen Vertreter zu entsenden, um damit den engen Zusammenhang ztv-ischen dem Staat und der Rheinprovinz zum lebendigen Ausdruck zu bringen. Ich bin aber auch hierher gesandt worden, um den Rheinlän­dern Hu danken für den Widerstand, den sie nunmehr vier Jahre den fran­zösischen Belästigungen gegenüber geleistet habSn. Es drängt sich jetzt auf aller Lippen die Frage: Wie lange wird der Leidenszustand rwch dauern? Wohin führt der Weg? Es ist niemand hier, der uns diese Frage beantworten könnte. Wir gehen den Weg weiter, weil wir wissen, daß es keinen anderen Weg gibt. Würden wir den Widerstand aufge­ben, den wir bis jetzt dem Einbrecher geleistet haben, dann hätten wir nicht nur den Krieg, sondern auch den ehr­lichen deutschen Rach krieg verloren. Es ist selbstverständlich, daß die Regierung alles tun muß und jede Gelegenheit ergreifen muß, um xnit dem Gegner zu einer ehrlichen Ver­ständigung zu gelangen. Dabei ist es ebenso selbstverständlch, daß die Volksgenossen im unbesetzten Gebiet alles tun müssen, um die Leiden der rheinisch-westfälisch-n Brüder abzukürzen. Das ist der Zweck des ganzen Wider­standes, daß die junge Republik zu einem gleich- geachteten 'Glied in der großen Völkerfamilie Europas und der West wird. Ich sagte: Cs gibt keinen anderen Weg! Würden wir einen anderen Weg gehen, einen beguemeren, so hätten wir allerdings die Gewißheit, wohin das führt. Mer diese Gewißheit wäre nicht tröstli/ch. Er würde todsicher ins Verderben führen und da­hin, daß mit den Provinzen Schacher g etrie­ben würde. Dazu werden und können wir uns niemals verstehen. Die französische Regierung lwird binnen kurzem Gelegenheit erhalten, zu den Plänen der französischen Annexionspoliffker Stellung zu nehmen. Sie wird erklären muffen, ob sie die Pläne dieser Politiker billigt oder nicht. Unsere Stellungnahme ist klar. Wir wissen, daß jede wie immer geartete Annexion der Rheinland« nicht zu Reparationen und nicht zur Wiederher­stellung führt, sondern daß durch diese Annexion ein neuer Weg zu neuem Blutvergießen und neuen Zerstörungen beschritten wird. Wir erklären derartige Plä.'.e ein für allemal als undisratabel. Ich kann nur wiederholen, daß das Rheinland ^ins nicht feil ist. und daß es nichts in der Welt gibt, was das rhei­nische Volk und das rheinische Land zu einem S ch a ch e r g e s ch ä f t bei den Verhandlungen machen könnte. Das gilt für Annexionen in jeder Form. Jede Lockerung der Rheinlande im preußi­schen Staatsverbande wäre gleichbedeutend mit der Lösung der Bande, die die Rheinländer an das Reich fesseln. Deswegen kann augenblicklich von einer Entpreußung der Rh ein lande nicht die Rede sein. Gerade gegen diese Formel haben wir uns heute mit der größten Entschiedenheit zu wenden, weil ich mir sehr wohl denken t'an.s daß aus Gründen der inneren und mehr noch der äußeren Politik die Feanzosen zu einer offe­nen Annexion einstweilen nicht schreiten werden. Sie sprech:n von S i ch e rungen. Auch wir wünschen Sicherungen für den Frieden Europas. Aber klingt es nicht wie ein grausamer Hohn, wenn man Sicherungen von uns, einem geschlage­nen und entwaffneten Volke, verlangt? Wenn von Sicherungen gesprochen wird, dann hätten wir das Recht, Sichenrngen gegen französische lieber- griffe zu verlangen Man sprach von dec Entsen­dung e'.:er internationalen Miliz und einer internationalen Po.'iZeitruppe. Soll diese uns einen größeren Schatz verleihen, Und soll diese die industriellen Anlagen gegen Zu­griffe verbrecherischer Elemente schützen? Wir ha­ben -es ja erlebt, daß diesen Schutz uns die To- fahungsmächte i ch leisten wollen Die rheinische, preußische, und deutsche Eigenart am Rhein zu e - halten, ist unser T.streben, wovon wir niemals lassen werden! (Lebhaftes Bravo.) 3n diesem Sinne erkläre ich den 63. Provinziallandtag der Rheinprovinz für eröffnet.

Severing berief sodann den Mgevrdneten Krawinkel zum Mterspräfidenten, der seiner­seits ebenfalls unter lebhaftem Bcksall der Ver­sa mm u g das Treu be kennt nis der Rycin- ländei ausdrückte. 5)iernuf wurde zur Bureau ° Wahl geschritten. Zum ersten Vorsitzenden wurde Oberbürgermeister Dr. Jarres- Duisburg ge­wählt, der in einer längeren Aussprache als Bei­spiel für die brutale -Unterbrüchmg der besetzten Gebiete, die in der Weltgeschichte ihresgleichen nicht habe, folgende Zahlen an gab: 7 0 0 Jahre Gefängnis wurden verhängt. In der Westmarl, int Rheinland und in Westfalen sind über 1,5 Billionen Mark Geldstrafe ausgesprochen worden gegen Deutsche, die nichis getan haben als ihre Pflicht. Zwei Todes-' urteile wurden g 'fällt neben mehreren Ver­urteilungen zu lebenslänglicher bzw. langj'ihriger Zwangsarbeit. Die Zahl der Ausgewiese- n en mit ihren Familienmitgliedern beläuft sich auf 1 6 0 0 0 0. Diese Schreckenszahlen müssen immer wieder und wieder in die Welt hinaus­gerufen werden, damit man sieht, wie wir hier

im Rhernlande und Westfalen leiden, wir, die wir trotzdem ungebeugten Ruckens sind.

Der Geheimbericht Tirards.

Paris, 25. Juni. (WTB.) DaS Mini­sterium für auswärtige Angelegenheiten d e- mentiert, daß ein Bericht des rheinischen Oberkommissars, dessen Text der Londoner Observer" veröffentlichte, bestehe. Der gute Glaube des englischen Blattes, das ihn ver­öffentlicht habe, sei unzweifelhaft irregeführt worden. DerMatin" gibt aber zu, daß es sich um Roten französischer Agenten handele, die die Grundlagen des Berich.>.s bil­deten, aber niemals bis zum Quai d'Orsay ge­langt seien. Sie müßten in Koblenz oder an­derwärts entwendet worden sein und hätten gewiß deutsche Hände passiert, wo sie zum Observer" durch den Kanal irgendeiner bri­tischen Behörde gelangt seien.

Auch dasEcho de Paris" sagt, die­ser Bericht berechtige nicht zu den Konklusio­nen, welche die daraus ziehen wollten, die ihn veröffentlicht hätten. ErbeweisedieKlug- heit und Amsicht des französischen Delegierten in der Rheinlandkom­mis s i o n, andererseits verpflichte er keines­wegs den Ehef, der hierdurch von seinen Dienststellen Mitteilung erhallen habe. Mas werde Lord Curzon sagen, wenn er die Ver­antwortung für all das, was seine zahlreichen Agenten im On- und Ausland schreiben, über­nehmen wolle und wenn die Acußerungen ihm zugeschrieben würden.

DerM a t i n schreibt an der Spitze seines Blattes, d:r Londoner Obscrver, der Enthüllungen über die französischen Absichten im Rheinlande bringe, habe eine wesentliche Sache vergessen. Die rheinischen Deputierten seien jüngst nach Berlin gerufen worden, da die Regierung des Reichskansters Cuno den Eifer der Bevöllerung für die Fortsetzung des passiven Widerstandes habe aufsrischm wollen. Eie seien gezwungen worden, dem Reiche einen neuen Treu­eid zu leisten, aber zu gleicher Zeit hab? man durchblicken lassen, daß, um Frankreich scheinbar Befriedigung zu geben, es vielleicht in kurzem opportun erscheinen könne, die Rheinprovinz und das Ruhrgebiet zu einer Art Pufferstaat, zu machen. Sie würden nicht als Verräter angesehen, wenn sie sich einem derartigen Unter­nehmen anschlössen, unter der ausdrücklichen Be­dingung, daß es im Einverständnis mit England und unter Führung im voraus bestimmter Per­sonen erfolge.

Vinc Anfrage im englischen Unterhaus über die französische Nheinpolitik.

London, 25. Juni. sWTD.) Ramsah Macdonald fragte im Unter Hause, ob die Aufmerksamkeit des Premierministers auf den Bericht über geheime Beziehung.n zwischen dem französischen O b e r k o m in i s s a r im Rhein lande und deutschen Staat.an e 5 i;en gelenkt worden sei, wobei es sich um den Versuch La b V, c'nrn separaten Äh einland st aat zu schassen, und ob der Premierminister beab­sichtige, irgendtvolche Vorstellungen bei Fran kre ich und anderen Alliierten in dieser Frage zu erheben. Baldwin erwiderte, die Antwort auf den ersten Teil der Anfrage lnu'e bejahend, aber die Regierung habe keine Kenntnis bezüglich der Echtheit oder Unechtheit des in Frage kommenden Berichts. Die Antwort auf den zweiten Teil laute verneinend.

Das Abwarten Baldwins,

L o n ö o n, 25. Juni. (MTB.) Der Brüs­seler Berichterstatter terTimes" schreibt, er erfahre, daß der britische Premierminister Baldwin Theunis mitgeteilt habe, daß die i n- teralliierten V er Handlungen erst in ein ernstes Stadium treten könnten, wenn der belgische Premierminister von den Schwie­rigkeiten der inneren Lage befreit sei. B ald- w i n beabsichtige, wie in Brüssel versichert werde, nichts in Eile zu tun.

Zwei Franzosen von einem französischen Poften erschossen!

Berlin, 25. Juni. Wie die Zeitungen aus Herne melden, wurden in der Rackst zum Samstag am Bahnübergang bei der Station Börnig ein f r a n z ö f i s ch e r K a p i.t ä n und ein Feldwebel vom französischen P v st e n e r s ch v s s e n, als sie auf den An­ruf des Postens nicht antworteten. Schon durch den ersten Schuß wurde der französische Offi­zier getötet. Der Feldwebel wurde so schwer verletzt, daß er am folgenden Tage starb.

Eine belgische Gräueltat.

Berlin. 25. Juni. (Wolff.) Das deutsch; Rote Kreuz erhielt von feinem Delegierten nachstehenden telegraphischen Belicht:

,.3'n meiner Gegenwart lieferten fcte Bel­gier in das Gefängnis in Sterb ade den f u r ch t- b ar mißhandelten und gefesselten K a p i t ä n z u r S e e H a n s R o s e a u s E s s en mit schweren Kopfwunden ein. Ich haste einen Arzt und Anwälte bestellt. An dem Äufkirnmen des Kapitäns wird gezwettelt. Die neuen belgi­schen Maßnahmen gefährden aufs äußerste das Leben der in der belgischen Zone wohnenden Deutschen."

Das vorstehende Telegramm wurde sofort an das internationale Rote Kreuz-Komitee weiter- gegeben, mit dem Zusatz:Das deutsche Rote Kreuz erhebt schärfsten Protest gegen diese un­menschlichen Brutalitäten und erbittet sofortiges Eingreifen."

Die Ausweisungen.

pd. Bingen, 25. Juni. Die französische Desatzungsbehörde hat am Samstag nachmit­tag den Beigeordneten Pennrich von hier ausgewiesen. Pennrich befand sich seitdem 9. Mai in Kreuznach in Haft und war vor einigen Tagen vom französischen Kriegsgericht wegenGehorsamsverweigerung" zu 40 Ta­gen Gefängnis und 5 Millionen Mark Geld­strafe verurteilt worden, weil er sich geweigert hatte, für Regieeisenbahner 31 Wohnungen zur Verfügung zu stellen und den Franzosen eine Liste der deutschen Eisenbahner in Bin­nen auszuhändigen. Die Hrftstrafe wurde durch die Untersuchungshaft ais verbüßt erach­tet. Die Möbel des 'Ausgewiesenen sind be­schlagnahmt und seine Wohnung ist bereits von einem Regiebeamten bezogen.

Worms, 25. Juni. Das Hausgerät der ausgewiesenen Eisenbahner wird bei der Fortschasfung von den Franzosen auf der Rhein brücke angehalten und durchwühlt. Die Möbelwagen müssen stunden­lang auf der Brücke halten. Sämtliche Behäl­ter werden rücksichtslos erbrochen, die Möbel auf die Straße geworfen und durcheinander gewürfelt, wo sie stundenlang dem Wind und Regenwerter ausgesetzt sind. On vielen Fällen behalten die Soldaten die wertvollsten Stücke für sich zurück. Der den Eisenbahnern zuge­fügte Schaden ist außerordentlich groß.

Pirmasens, 25. Juni. (WTB.) 3m Laufe des gestrigen Sonntags erhielten 25 Personen aller Stände und Berufe Ausweisungsbefehle, die sich auch wff ihre Familien erstrecken. Der Grund der Aus­weisungen ist unbekannt. Die Ausgewiesenen sind heute früh auf drei Automobilen unter spontanen Kundgebungen der Bevölkerung ab­transportiert worden.

Sflübiinq eines französischen Flugzeugs in Marbach.

S tuttg art, 25. Juni. (WTB.) Von zu­ständiger Seite wird mitgeteilt: Am letzten Donnerstag mußte in der Rähe von Mar­bach ein Flugzeug der Compagnie Franco-Roum aine infolge Motor­defekts eine Notlandung vornehmen. Das Flugzeug, das dem Postverkehr zwischen Frankreich und Rumänien dient, ist Privat­eigentum der obengenannten Gesellschaft, die k e i n e E r l a u b n i s hat, ihre Fahrzeuge über Deutschland fliegen zu lassen. Der Flugzeug­führer wurde zunächst in Schutzhaft genom­men, am Freitag aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Flugzeug ist vorläufig zurück­gehalten und nach Stuttgart gebracht worden, wo es bis zur Entscheidung des ReichSver- kehrSministeriums bleiben soll.

Die Politik (Griechenlands.

Paris, 25. Juni. (Wolff.) Der griechische Minister be.3 Qkitßern Alexandris erklärte dem römischen Berichterstatter desPetit Pari- fic.V nach seiner Unterredung mit Mussolini: 3ch babe versucht, die Grundlage für eine An­näherung an Englund im allgemeinen Interesse des Friedens zu schufen. Wenn man dem Mittel­meer feinen wahren Wert im Hinblick auf dis Weltwirtschaft ioieber geben will, ist ei v? herzliche Zusammenarbeit zwischen de 7 verschiedenen üferftaalen, in erster Lirie zwischen Griechen­land und Italien ersorde' ckch. Ich habe Italien, das Kapital und die nötigen Techniker besitzt, angeboten, mit den anbei??n Großmächten an der Audbeutung der natürlichen Reichtümer Griechenlands zu arbeiten. Die Konstruktion und die Tergroßcrung von Häsen, besonders die des HafeaS von Saloniki, bieten berechtigte Absatz­gebiete für Italien, daß sich im Gebiete des Mittelire.ves z,u betätigen wünscht. Mckne Vor­schläge haben di? beste Ausnahme gefunden. Grie­chenland will wie dir kleine Entent? den Respekt vor den Verträgen. Italien hat keinen anderen Wunsch. Griechenland kann also ein nützlicher Mittler zwischen Folien und der kleinen Entente sein.

Der w rtl eftöndige Lohn.

Berlin, 25. Cun . (WTB.) Dir Besprechun­gen zwischen d?n Arieckgebern un) den Arbeit» t e';mem über de Frage des wertbe ständi­gen Lohnes führten insofern zu einem Er- v:f ni5. als die Schaffung eines neuen ver - besserten Lebens hattungsindexe ldi allen beteiligten Kreisen a » notwendig erkannt wurde. -Sieber- d e Frage, ob künftig ein? auto­matische Anpassung der Löhne und Ge jättcr an den n-uci Index erfolgen soll, ist bisher noch keine Entscheidung getroffen worden. Di? Unter- neim?. sprachen die Befürchtung aus. daß die Einführung d.r reinen Ind xlöhne prcisst.igerad wirken werde. Sollte ein? Einkgung innerhalb der , Zentrwlarbeitsgemcknschaft über die Frage un­möglich fein, so wird, wie das Blatt mitteilt, der Re> tswt-; N/»r fnü'feihzff

(Ein sozialdemokratisches Druckereigebäude in Münster in die Lust gesprengt.

Berlin, 25. Juni. (Wolfs.) 3n der Rächt zum 24. Juni wurde das Druckereigebäude der sozialistischen ZeitungVolkswille" in Münster mit Dynamit in die Luft ge­sprengt. Der anschließend an die Explosion ent­standene Brand zerstörte die Druckerei- und Seh- maschinenanlagen fast völlig und vernichtete große Papiervorräte.

Wie der amtllche preußische Pressedienst hier­zu erfährt, muß die Menge des verwandten Sprengstoffes nach ihrer Wirkung zu urteilen, sehr groß gewesen sein. Soweit bisher festgestellt wurde, jtnb durch das Attentat Menschen nicht umgekommen. Als Täter kommen meh­rere Personen in Frage. Die polizeilichen Ermitte­lungen haben bisher kein greifbares Ergebnis. Zwei Täter wurden auf der Flucht gesehen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich umctnpoli - tjsches Attentat. Bereits in den letzten Wochen war mehrfach versucht worden, den Be­trieb desVolkswillen" durch Zerstörung der Matern, Umwerfen der Setzkästen und Einschlagen der Fensterscheiben lahm zu legen. Die Explo­sion war so heftig, daß in der ganzen ilmgegenb sämtliche Fensterscheiben zersprangen. Die Stich­flamme schlug bis zum Boden des dreistöckigen Gebäudes. Die Hinterwand wurde herausgeschleu­dert, so daß die Mauern zusammenstürzten. Der Sachschaden wird auf rund 3 Milliarden Mark geschäht.

'Aus MoAkau.

Moskau, 25. Juni. (WTB.) Der deut­sche Botschafter Graf v. Brvckdvrff- Rantzau besuchte mit sämtlichen Mitgliedern der Botschaft die Gräber ehemaliget deutscher Kriegsgefangener in M o s k a u, die größtenteils unbekannt verstor­ben sind. Rach einer ergreifenden Ansprache legte der Botschafter am Grabe der unbekann­ten deutschen Soldaten einen Kranz nieder. Auch die übrigen Gräber schmückte er mit Eichengrün.

Aus dem Reiche«

Ein politischer Mord.

Berlin, 25. Juni. (WTB.) DaS Poli­zeipräsidium teilt mit: Der Berliner politi­schen Polizei ist eS zusammen mit der meck­lenburgischen Landeskriminalpolizei gelungen, einen politischen Mord der Roßbach- l e u t e aufzudecken. Angehörige deS mecklen­burgischen Roßbachtrupps haben vor einigen Wochen einen gewissen E a d v w, der bis vor kurzem ebenfalls der Roßbachorganisativn an­gehörte, betrunken gemacht, erschla­gen und die Leiche in der Rähe von Parchim im Walde vergraben, weil sie ihn im Verdacht deS Doppelspiels mit der Kommunistischen Partei hatten. Die Polizei hat vier am Mord beteiligte Personen festgenvmmen. Gegen drei bisher noch nicht Ergriffene ist Haftbefehl er­lassen worden. Alle sieben sind Mitglieder der in Mecklenburg noch nicht aufgelösten deutsch- völkischen Freiheitspartei und Angehörige der OrganisationVerein für landwirtschaftliche Berufsbildung".

Hessischer Landtag.

(Schluß.)

Eine Regielrmgs wrlaze zum

Ausbau der Baustvffbeschaffungs- stelle Frankfurt a. M.

303 Millionen Mark zu bewilligen, gab Ver­anlassung zu einer kurzen Aussprache über den Baustoffwucher, an der sich die Qlbgg. Hof­mann- Seligenstadt (Ztr.) und Mann (Soz.) beteiligten Die Vorlage wurde angenommen.

Der Gesetzentwurf zur Aufhebung der S t a n- desvorre chte wurde auch in zweiter Gcjang angenommen.

Bei der zwetten Lesung des Gesetzentwurfes über die

Altersgrenze der Staatsbeamten begründete Abg. D. Schian (D. Vp.) einen An­trag auf Wiederherstellung der ursprünglichen Fassung des § 1 und auf Gleichstellung der Ro­ta re mit den Ministern hinsichtlich ihrer Aus­nahmestellung. Finanzminister Henrich erklärte sich mit dem ersten Antrag einverstanden, den zweiten Antrag müsse er ablehnen. Das Gesetz wurde dann in der Fassung der ersten Lesung gegen einen Teil der Rechten, der erste Antrag S ch i a n gegen die Stimmen der Linken an. genommen, bet zweite Antrag wurde gegen die Stimmen der Rechten abgelehnt.

Die Gesamtabstimmung ergab An­nahme des ganzen Gesetzes gegen einige Stim­men der Rechten. Rach dem angenommenen An­trag Schi an erfolgt die Pensionierung der Acht- undsechzigjährigen erst s«hs Monate nach Voll­endung des 68. Lebensjahres.

Eine Wiederholung der Abstimmung über den komm. Antrag zu dem Antrag bez. der Frak­tionsfahrtausweise, die toegen einer älnklarhelt erforderlich war, ergab nunmehr Annahme des Antrags, wonach statt der Fraktionsausweise Parteigruppenausweise beantragt werden sollen.

Zu den vorliegenden Anträgen betr.

r fl ü h v n a