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Montag, 26. Zedruar 1923

173. Jahrgang

Erster Blatt

und verlangte die sofortige Herausgabe des Kom­passes. Als der Arbeiter seine Unschuld be­teuerte. lieh ihn der Offizier eine Stunde Lang in der Ecke stehen, worauf er ihn mit der Wei- sung fortschickte, innerhalb einer halben Stunde den Kompaß herbeizuschaf en. andernfalls ec ver­haftet und vor ein Kriegsgericht gestellt werden würde. Am andern Tage stellte sich heraus, daß ein zwölfjähriger Knabe, der zufällig in das Zimmer gekommen war. den Diebstahl aus- g. rt lalle. Der Oberbürgermeister hat wegen des Vorfalls beim Kommandeur Protest erhoben, die Bestrafung des Täters gefordert und Genugtuung für den vergewaltigten Arbeiter verlangt.

Eine Kritik Londoner Blätter an Englands Politik.

London, 26. Febr. (WTD.) Die beiden bedeutendsten Sonntag b'ätter ^Sunday Times" undObserver" üben heute Kritik an der un­klaren Haltung der britischen Re­gierung gegenüber dem Ruhrkonflikt. Die Sunday Times" schreibt in ihrem Leitartikel, die Regierung würde einen großen Fehler be­gehen, wenn sie sich einbilde, dah die Mehrheit, die sich im Unterhause über das französische Ruhrunternehmen ausspricht, die wahre Ansicht sowohl des Hauses als auch des Landes dar­stelle. Vlan sei nicht befriedigt von der Rolle, die Grohbritannien in dieser Frage spiele. Wenn die Regierung der Ansicht sei, dah man im gegenwärtigen Augenblick nicht wirksam inter­venieren könne entweder direkt oder durch den Völkerbund, so könne sie wenigstens eines tun, sie könne herausfinden, worauf die Franzosen aus seien und könne ein freundliches Gr uchen um Information über die Pläne und Absichten der französischen Regierung nach Paris richten. Das Blatt fährt fort: Seien die Reparationen der wahre und der einzige Grund dieser allmäh­lichen Invasion und bilde sich die französische Re­gierung ein, dah sie damit Sicherheiten erreiche, oder sei sie darauf aus. Deutschland zu schwächen, verarmen zu lassen und zu zerstückeln? Wie stellten sich die Franzosen das endgültige Schia al des Ruhrgebietes vor, französisch oder deutsch oder eine Reutralisierung des entmilitarisierten Gebietes unter internationaler oder französisch-

Amerikarrnd her internationale Gerichtshof.

Paris, 25. Febr. (Wolff.) Nach einer Havas-Meldung aus Washington ver­langte Präsident Harding vom Senat die Ermächtigung für die Teilnahme der Ver­einigten Staaten am internationalen Gerichtshof des Völkerbundes. Er be­ziehe sich dabei auf den Vorschlag von Staats­sekretär Hughes, der der Ansicht sei, dah die Vereinigten Staaten unter gewissen Vor­behalten sich an diesem internationalen Ge­richtshof beteiligen könnten, ohne von ihrer traditionellen Politik abzuweichen. Einer der amerikanischen Vorbehalte wäre der. daß die Beteiligung am Gerichtshof keine Annäherung der Vereinigten Staaten an den Völkerbund

kämme fr in Bochum ist letzte Rächt von fran­zösischem Militär demoliert wvrdrn. Die städtischen Betriebe bleiben heute ganz ge­schlossen. Die Gewerkschaften Haden von 12 bis 5 Uhr chten Proteststreik angesagt. Der Oberbürger­meister und ein Teil der Stadtverordneten sind letz!« Rächt wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die übrigen verhafteten S ch-tverordnelen befinden sich noch in französischem Gewahrsam.

Wanne, 24. Febr. (Wolff.) Heule morgen gegen 8 Uhr zogen französische Kavallerie, Infan­terie, eine technische Cisenbahnabteilung und eine Anzahl Tanks von Herne und Recklinghausen kommend, in die S.adt ein und beseh ten sofort den Bahnhof. Die Beamten, Arbeiter und Fahrgäste wurden gezwungen, ihn zu verlassen, sodaß der ganze Delriebruht. Weitere Trup­pen stehen in der Umgebung des Bahnhofs bis zum Amtshaus in Bereitschaft.

Ess en, 25. Febr. (WB.) Die grenzten gehen nunmehr dazu über, die Strahenba h n - wagen anzuha l ten und von den Fahrgästen A u s w e i s e zu verlangen btto, alle diejenigen zu verhof en, die größere 3 Gepäck mit sich füh­ren. Gestern abend zwischen 10 und 11 Uhr wurde ein Straßenbahnwagen der Linie 16 von einem französischen Kommando mit ausgepflanztem Bajo­nett an gehalten. Nachdem die Fahrgäste ihre Aus­weise vorgezeigt hatten, wurden mehrere Damen und Herren, die größeres Gepäck bei sich führten, auf die Wache gebracht.

Ein Gewerkschaftssckretär verhaftet und mißhandelt.

Berlin, 24. Febr. (Wolff.) Aus Düssel­dorf erfährt der Gewerkschaftsbund der Ange­stellten, dah der Gewerkschaftssekretär des Bundes der Angestellten, Arthur Georg, am Sonntag von den Franzosen verhaftet und bei seiner Verhaftung bis zur Be i i u igslc s grell mißhandelt wurde. Er befindet sich noch in Haft. Ein weiterer Mitarbeiter des Gewerkschafts­bundes wurde verhaftet und nach einer bei ihm vorgenommenen Haussuchung toieber freigelassen

Essen ohne Zeitungen.

@ffen. 24. Febr. (Wolff.) DerEsse­ner A n z e i g e r" ist heute für 15 Tage ver­boten worden. Damit muß auch die letzte bürgerliche Zeitung Essens ihr Erscheinen vor­übergehend einstellen.

Zeitnnqsverbote.

fpd. Höchst a. M.. 25. Febr. Die in Frank­furt erscheinenden sozialdemokratischen Organe , Freie Presse" und ..Volksstimme" wurden von der Besahungsbehörde mit Wirkung vom Samstag ab auf weitere sechs Tage für das be­setzte Gebiet verboten.

Ein empörender Vorfall in Offenburg.

Offenburg. 24. Few. (WTD.) Ueber fol­genden Vorfall herrscht zur Zeit unter der hie­sigen Bevölkerung große Empörung. Der Ad­jutant-Chef Vergeade, der in einer Privatwob- nung einquartiert ist, vermißte dieser Tage sein n Kompaß. Er erfuhr zufällig, dah während seiner Abwe enheit ein Arbeiter in seinem Zimmer e was ausgeführt hatte. Darauf begab er sich an die Arbeitsstätte des Maines, erklärte ihn für ver­haftet und führte ihn auf sein Zimmer, stellte ihn dort in eine Ecke, hielt ihm seinen Revolver vor die Brust und beschuldigte ihn des Diebstahls

Die angebliche Vermittlung einer neutralen Macht.

B'-rltn. 25. Febr. (WTD.) DI- ,EH!rrg° Srtbune bringt aus Berlin eine Meldung über eine unmittel a bevorstehende Verml t t l u n g s- aktion einer neutralen Macht, über einen ungeheuren Wechsel in der Berliner offi­ziellen Meinung während der letzten 24 Stunden und über eine Kabinettskrise. Das Blatt nennt als angebliche Vermittler emen hollän­dischen Staatsmann und als Kandida.en für ein neues deutsches Kabinett mehrere Ramen yr Auswahl. Gleichzeitig bnidEt bas W-att eme Londoner Meldung ab, wonach das Foreign Office keine Kenntnis von Derrntttlungsbemuhungen habe Dies können toir unsererseits für Bertm bestätigen. Weder ist hier etwas ufcr eine neu­trale Vermittlung bekannt, noch haben die An­schauungen der Reichsregierung emen irgendwie gearteten Wandel erfahren. Auch hegt fein An­iah vor, sich mit Kombinattonen über einen Kabinettswechsel zu befassen.

Dreizehn Milliarden von den Franzosen beschlagnahmt.

Köln, 24. Febr. (Wvlff.) Wie wir er- fahren, beschlagnahmten die Franzosen heute vormittag in dem Schnellzug Berlin Köln Rr. 38 einen großen Geldtrans- pvrt der Reichsbank in Höhe von drei­zehn Milliarden Papiermark und den dazu ge­hörigen Druckplatten auf dem Bahnhofe Hengstei.

Die Besetzung von Königstvinter.

Königswinter, 25. Febr. (WB.) Heute nachmittag gegen halb 4 Uhr wurde Konigs- Winter von den Franzosen, und zwar von Ma­rokkanern, beseht. Von Obeckassel kamen etwa 40 Mann Kavallerie und 60 Mann Infan­terie an; gleichzeitig landete der DampferRhei - stein' noch etwa hundert Mann. Sie besetzten das Rathaus, das Zollamt und die Zugänge zum Bahnhof. Dec Bürgermeister pro­testierte gegen die Besetzung des neutralen Ortes. Rach halb 6 Uhr zog sich die französische Kavallerie wieder nach Oberkassel zuruck

belgischer Kontrolle? Diese Fragen, die von großer Bedeutung für England und für ganz Europa eien, dürften, wenn es in der Macht der britischen Regierung liege, nicht einen Tag länger im unklaren gelassen werden.

Der .Observer" schreibt, die britische Ehre und die britischen Interessen ständen am Rhein auf dem Spiel. Das Äabinct. Bonar Lato sei verpflichtet, zu handeln. England dürfe nicht hoffnungslos sein in einer Sage, wie sie Großbritannien nie zuvor gesehen habe Frankreich habe nicht den Schatten eines Rechtes darauf, nach Belieben über das Ergebnis des gemeinsamen Sieges ohne Rück sicht auf Großbritannien und Amerika zu ver­fügen. Ohne die Anstrengungen und Opfer Grost- britannieng und Amer.kas wäre Frankreich, statt am Rheine zu stehen, im Kriege vernichtet worden. Poincares Politik sei eine direkte Verrohung des Erwerbslebens unb dyc kommerziellen Wieder- herslellunng Englands und ein Hohn auf jede Moral und jedes Ideal. England sei immer noch bereit, Frankreichs Wünschen nach wirklicher. Sicherheiten stattzugeben und einer Vereinbar.,ng mit Frankreich nicht entgegenzustehen zur Erzwin­gung gerechter Reparationen, die durch einen un­parteiischen Gerichtshof festgesetzt werden müßten. Wenn die Atternative, die in ernster Form in Paris unterbreitet werden müßte, nicht annehm­bar sei, dann müßte England ebenso entschieden tote Frankreich seine Freiheit zu einer be­sonderen Unternehmung geltend machen. Das Blatt ist der Ansicht, daß der Ruhrkonflikt nur durch eine amerikanisch- englische Vermittlung gelöst werden könne, und fordert, daß die britische Regierung hierüber in eine vertrauliche Erörterung mit den Vereinigten Staaten eintrete.

Die versteckte Annexion.

London, 24. Febr. (Wolff.) Der gut unter­richtete diplomatische Berichts stat'er des -Daily Telegraph" schreibt, die brttische Regierung habe keine offizielle Kenntnis von dem in einslußreichim Organen dec französischen Presse vorgeschlagenen Plane, einen ständigen interalliierten Ausschuß zur Kontrolle der Rhein- undRuhrfrage zu schaffen, der eine Garantie für die militärische Sicherheit Frankreichs biete. Ein derartiger Plan würde, wie klar ersichtlich sei. in vollkommenem Widerspruch zu den von der französischen und belgischen Regierung wieder- hwlt ergebenen Versicherung stel-en, daß keine Annexion beabsichtigt sei. Em Organismus b-ie'ev Art würde vielmehr nichts anderes bedeuten als eine versteckteAnnexion. In amtlichen bri- tischen Kreisen werde auch von der von denselben französischen Blättern der französischen und bel­gischen Regierung zu geschriebenen Absicht, mit Deutschland einen neuen Vertrug, unabhängig von Großbritannien, abzuschließen bzto. ihn

Annahme von Anzeigen für die lagesmimmer bte zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit preis für 1 mm hohe für Anzeigeno 27 mm Breit« örtlich 50 Mk., auswärts 70 MN.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 240 Mk.Dei Platz. Vorschrift 20 "/.Außchlag. Hauplschristleiter: Aug. tdoetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, mtlich in Gießen.

Deutschland aufzuzwing?n, fein Glauber gescheit:. Ein solcher neuer Vertrag würde den Versailler Vertrag nicht ergänzen, sondern ihn zerstören: denn nach dem Versailler Vertrag könne leine all- allgemeine und endgültige Reparationsregelung erfolgen, außer durch eine einstimmigeVer- einbarung der in der Repara.t ionslvni- rn iss io n frertretenen Mächte, zu denen Groß bütonnten gehöre. Es sei auch völlig unbegründet, daß die augenblickliche italienische Regierung mit einem Scp ratvertcag dieser Art in Verbindung gebracht treibe. Mussolini habe niemals in seinem Widerstand gegen die Ausdehnung ber mili­tärischen Belebung beS Rubrgebi"ts geschwankt und die Ergebnis^ dieser Des hung bis zum heutigen Tage hätten ihn nur in fernem Widerstand bestückt. Der Gedanke einer toiri - lieben Trennung des Rheinland es front Rckche und eine Annetten, direkter oder tnbiretter Art würde Italien vollkommen zuwider sein. Der Bericht­erstatter erklärt, er wisse, daß die verantwortlich71 Staatsmänner Belgiens derselben Ansicht feien.

Der Köniq von CPnqfanb an die Witwe D"lcass^s.

Paris, 24. Febr. (WTB.) Der eng­lische Botschafter in Paris hat vom König von England den Auftrag erhalten, der Witwe Delcasses die königliche Anteil­nahme an dem Tode ihres Mannes auszu- sprechen und ihr mitzuteilen, England werde sich stets danlöar Delcasses erinnern als dem­jenigen Staatsmannes, der mit den Anfängen der englisch-französischen Entente aufs engste verbunden sei. Die kostbaren Dienste, die er durch die Herstellung dieses Einvernehmens den beiden Ländern erwiesen habe, seien vofn König Eduard stets anerkannt und geschätzt worden.

Mannheim wird nicht besetzt.

Paris, 25. Febr. (Wolff.) Das Ministerium desAuswäcttgen dementiert durch 2arai d.e I Behauptung, »xrh vte fvcrn^ösi che Reglung beab­sichtige, Mannheim zu besetzen.

Wettere Gewalttaten.

Berlin, 24. Febr. Die .Deutsche Allgem. Zeitung" meldet: Französische Polizisten schos- f e n auf eine durch Riederlahnstein fah­rende Lokomotive, die auf ihr Haltesignal nicht anhielt und verletzten den Heiner durch einen Knieschuh schwer sowie den Lotomo.iosührer durch einen Schuh in die Hand. Trotz dec Verwundun­gen brachten die pflichttreuen Deam.e.t den Zug an den Bestimmungsort Ehrenbceitstein.

Rach einer weiteren Meldung bewerben Blat­tes überfiel n frier französische Polizist« l in Ziml in Moselweih bei Koblenz in einem Restaurant deutsche Eisenbahn beamte, die an die von den Franzosen von den Bahnanlagen vertrre- benen Eisenbahner Löhne und Gehälter auszahl­ten, und nahmen ihnen 65 Millionen Mark ab.

Essen, 24. Febr. (WB.) Heute früh wurde das Haus des Beigeordneten Dvlsdor ff von etwa 30 französischen Soldaten umftellt Die Leute drangen mit Gewalt durch die hintere Haus­tür und erklärten Frau Bolsdorsf für verhaftet. Der Grund für dte Verhaftung ist folgender: Seit mehr als 14 Tagen versuch en die Franzosen sechsmal in das Haus des Deigeord- neten einzudringen, um an dem Telephongestänge auf dem Dache zu arbeiten. Trotz starrender Ba­jonette und ausgestohener Drohungen verwei­gerte Frau Bolsdorsf den Eintritt, bis heute die Franzosen sich den Weg in das Haus gewaltsam bahnten. Der Beigeordnete Bolsdorsf verlangte, seine Gattin in das Gefängnis be­gleiten zu dürfen, was nach wiederholter Verweigerung gestattet wurde. In B r e d e n e h wurde nach der Aufnahme eines Protokolls er­klärt, die Dame könne gehen, aber der Herr müsse da bleiben. Herr Bolsdorsf wurde zunächst ins Dredeneher Rathaus und von dort nach dem Zucht­haus Werden gebracht, wo neuerdings Räume für die Gefangenen sceigemacht werden.

Bochu m, 24. Febr. (Wvlff.) Die Handels-

Die Derkehrslaye.

Paris, 24. Febr. (WTD) Havas meldet aus Düsseldorf, gestern feten 16 Kohlenzüge nach Italien, nach der Schweiz und nach Holland gegangen. Fünf aufgcgrt|{ene Zu^e seien nach Weddau geleitet worden und drei davon auch Frankreich abgegangen. Zusammen habe man in den letzten 14 Tagen in Weddau 40 000 tonnen Ä£6^,n3t& aus Düss-ldortt Die Militär- und Personenzuge er­reichen jetzt eine völlig normale Verkehc szcffer. Im Lause von 24 Stunden verkehrten zwischen Köln und Aachen in jeder Richtung heben Zuge und zwischen Mainz und Düsseldorf bin und zurück je sieben Züge. Dte Cßerffrätungen gingen durchschnittlich über eine Stunde nicht hinaus. Von'Trier nach Düsseldorf verkehrten täglich drei Züge. Die Düsseldorf-Berliner Strecke sei letzt wieder in Betrieb und werde demnächst völlig ncrmal funktionieren. r. , .,

Eine weitere Meldung aus Düsseldorf schreibt über dte Frage der Regie der Eisenbahnen im Rheinlande und im Ruhrgebiet, dah die Frage zu Beginn dec kommenden Woche von der belgischen und französischen Regierung geregelt toerben stille.

Gelsenkirchen, 25. Febr. (WTB.) Die Bahnhöfe Wanne undR eckl i n g h au se n. dte gestern von den Franzosen besetzt toorben sind, wurden heute wieder geräumt Dte Franzosen haben bei ihrem Abzug 14 Lokomotiven, . 40 Per­sonenwagen, 46 Packwagen und 160 mit Kohle und Eisen beladene Güterwagen wrggefuhrt In Drakel wurde von den Franzosen von gestern abend 7 Uhr bis heute früh 7 Uhr der gesamte Eisenbahnverkehr gesperrt. Etee Begrün­dung dieser Maßnahme liegt nicht vor.

Französische Kriegsqerichtsurteile.

ORain», 25. 5.5t. Der Obetkchn-

meister Johann Schüler aus Gonsenheim hatte sich vor dem französischen Kriegsgericht zu Der- antworten, weil er Cisenbahnarberter am zage des Beginns des Eisenbahner st reiks zur R i e d e fr- legung der Arbeit auf gefordert und den Befehl erteilt haben soll, vier Telephon­drähte zwischen dem Bahnhof Gonsen'erm und Büdesheim zu durchschneiden. Der Ange­klagte bestritt die ihm zur Last gelegten Vorgang^ wurde aber trotzdem zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. r

Außerdem hatten sich wieder 9 E i s e n b ahn­de a m t e und der Direttor dec Diskontobank in Wiesbaden, Wolpert, zu verantworten, well sie 50 Millionen Mark Gevatter und Löhne für die streikendenGisenbahnerzur Auszahlung gebracht und den Streit dadurch begünstigt haben sollen. Acht Beamte erhielten je drei Monate unb der neunte 20 Tage Gefängnis: ter DirektorW o I- frert erhält zwei Monate Gefängnis.

Wegen des gleichen Berge-ens, wöbe- es sich um dte Auszahlung von 200 Millionen handelte, wurden verurteilt der Direktor der Reichsbank­filiale Trier, August Piel, zu zwei Monaten, der Bahnhofskassierer Johann Langenbach und der Lokomotivführer Josef E l s f e l d aus Gerolstein zu sechs Monaten und der Hotelier Jakob Fritsch in Gerolstein, der sein Auto zum Transport des Geldes zur Verfügung gestellt hatte, zu einem Monat Gefängnis.

Erscheint täglich, außer Sonn- unb feiertags, mit berSamstagsbeilagc: GiehenerFamilienblätter Monatliche Sezuarpreise: 1325 Mark und 75 Mark Trägerlohn,durch diepost 1400Mark,auch beiNlcht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer (Beoelt- Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchrist. leüung 112; für Verlag unb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Hmeiatr Stehet», poftfchealonto:

8r<mtfnrt a. M. 1168«.

Eifenbahnbetrtebsruhe.

Man schreibt uns:

Dor kurzem tft eine Reche fron Eis«m- äaHnbeamten im Dezick der Reichsbahndirektion Mainz vor das französische Kriegsgericht in Mainz gestellt und mit empfindlichen Gefängnis­strafen ohne Strafaufschub verurteilt worden. Die Verhaftung erfolgte bn Zusammenhang mit den von den Verhafteten torgenommenen Auszah­lungen von rückständigen Gehältern und Lohnen an Sisenbahnbeamte unb Arbeiter. Die Gelder sind größtenteils von den Franzosen beschlag­nahmt worden.

Zur Begründung dieses Vorgehens machten sich die Franzosen die irrige Auffassung zu eigen, daß die Eisenbahn bediensteten der stillaelegten Strecken sich im Streik befänden und Die Ge­hälter und Löhne, die an sie ausgezahlt werden feilten, Streikgelder seien. Wie bekannt, hat jeg­licher Streik ein Zerwürfnis zwischen Arbeitgeber unb Arbeitnehmer wegen aller oder einzelner Be­dingungen des Arbeits- oder Dienstverhältnisses zur Voraussetzung. ®erartige Unstimmigkeiten be­stehen aber nicht zwischen der Gisenbahnverwal- tung und ihrem Personal. Don Streik kann des- fialb feine Rede sein, wenn auch die Franzosen sich bemühen, die Detriebsruhe als Streik zu propagieren. Es handelt sich im Augenblick um ein nicht von dem Arbeitgeber ober Arbeitneh­mer, fenbern von außen her, d.h. durch die Besatzungsmächte verursachtes Ruhen des Dien­stes und ber Arbeit (aufgenötagte Detriebsruhe), die bas Verhältnis ztvischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an sich unberührt läßt. Wenn dem­gemäß auf Grund des fortbestehenden Dienst- unb Arbeitsverhältnisses trotz Unmöglichkeit der Dienst- unb Arbeitsleistung Gehalt und Löhne vom Arbeitgeber fortgezahlt werden, so ist es offenbar, daß von einer Streikunterstützung oder von Streikgeldern nicht gesprochen werben Bann. Die Verurteilung T)er s. Z. Verhafteten beruht beshalb auf einer Verkennung der Sach­lage. Die deutsche Oefsentlichkejt selbst bat ein erhebliches Interesse daran, daß mit der begriff s- frertoirrenben Bezeichnung ber Detriebsruhe als Streik restlos aufgeräumt wirb.

Heber zu seinem Teil unb an seiner Stelle muß bemüht sein, biefen Begriff klarzustellen. Wer in bas besetzte Gebiet reift, hat die Pflicht, dort, wo die Presse ber Wahrheit verschlossen bleibt, von Mund zu Mund aufftärenb zu wirken. 2Iuf den Schultern der Eisenbahner ruht em schwerer Teil der Last des Abwehrkampfes, die sie gerne tragen. Sie ihnen nicht zu erschweren, sie vielmehr zu erleichtern, gebührt jedem Deutschen.

Köln a. Rh., 24. Febr. (WTD.) Ueber die Betriebslage wirb gemeldet: In R h e h b t wurden drei Bedienstete, ber Rangiermeister Koch und zwei Detriebsassiftenten, verhaftet und ihnen 12 Mill. Mack Lvhagelder abgenvmmen. Sie wurden 'von den Franzosen in der Richtung München-Gladbach abtransportieck. In der zwei­ten Klasse eine Militärzuges befanden sich zwei mit Ketten aefeffelte Zivilisten in Begleitung französischer Offiziere. In Gerolstein wurden sämtliche Bedienstete aufgesvrdeck, die Drenst- tooTjnungen zu räumen.

GieheimAMger

General-Anzeiger für Oderheffen

Vrvck rmö Verlag: vrützl'sche Universt1ät§-Vnch- nnd Steinönickerei L Lange in Sieben. Schristleitnng und Sefchaftrstelle: Schnlltratze 7.