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Montag, 25. Zuni 1923

173. Jahrgang

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis fvr l mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Brette örtl. 320 Mk., auswärts 400MK.,-fürNeklame. Anzeigen von 70 mm Breitel 500 M.Bei Platz- Vorschrift 20°/, Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Polittk: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in (Bieben.

General-Anzeiger für Gberheffen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäls-Vuch. und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Schulfttatze 7.

mit Rückslchtslvsigkett gegen

nicht mir für ans, sondern für unsere Kinder and KindeskinLer. Deutschland ist nicht verloren and wird nicht verloren sein, wenn es sich nicht selbst aufgibt I

Die Rede des Reichskanzlers wurde wieder­holt von Lebhaftem Beifall unterbrochen. Rach Schluß der Rede brachte Oberbürgermeister Dr. Lohmeher ein Hoch auf das deutsche Vater­land und Reichskanzler Cuno aus.

Pslich en mrd ich ' die Krei

sein.

Ost Preußen ist dir Kornkammer des Rei­ches. Deshalb must gerade hier alles gschehen. um dem Volt für die nächsten Jahre und die Zukunft Las Brot ZU sichere. Das Schicksal der Ernährung und damit auch das Schicksal der Landwirtschaft selbst ist in die Hand der Land­wirte gelegt. Ich darf erwarten, daß alles getan wird, um diese große Aufgabe gegenüber dem Volk zu erfüllen, s o gut es mir irgend möglich ist. Lassen Sie uns das Letzte an Opfern herausholen

ziehen.

manche Meß eahm

Aus Dem Reichs.

ReichLralsbefchlüfse.

Berlin, 23. Juni. (Wolff.) DerReichs- rat beriet heute einen Gesetzentwurf über ote Aenderung des Landes steuerges ehes. Die Reichsratsausschüsse sind zu dem Ergeb.ns ge­kommen, von der Erhebung eines Gins-pruchs ab­zusehen. Die Vollversammlung schloß sich rem Vorschlag der Ausschüsse an. AngMonnnen wurde eine neue Verordnung über die H o ch st - sähe in der Erwerbslosenfürsorge. Die Erhöhung soll ab 25. Juni eintreten und zwar werden die Höchstsätze um 8 0 Proze n t er­höht Der Re'chsrat erklärte sich mit der Novelle zum Hausarbeitsgesetz in der Fassung des Reichstages einverstmreen.

Sme Walther-RachenallsStistmrg.

B e r l i n, 23. Juni. (Wolff.) Hm 12 Hhr mit­tags fuhren der, Reichspräsident, der Reichskanzler und der Reichsminister des Innern Oeser und der Reichsminister des

paganda zu verbreiten und Zeitungen zu gründen. Das Oberkommissariat habe jedoch ein Zusammenarbeiten mit Dorten offiziell nicht zugeben dürfen Die Parole sei gewesen, Zwischen- älle zu vermeiden, infolge deren das Oberkom- missariat unfehlbar wehrlos gemacht worden wäre.

Man habe ja nichts mit Politik zu tun , fügt der Verfasser des Berichts ironisch hinzu, und fährt fort, infolgedessen sei Dorten allmählich aus das Riveau eines untergeordneten Agenten in französischem Solde herabgesunken. Seine Feinde seien nur zu froh gewesen, dies zu finden, und im ^antipreuhischen, aber durch und durch deutschen" Rheinland hätten Dortens Feinde es verstanden, diese Tatsache als eine tödllcl>2 Waffe zur Beeinflussung der rheinischen Politik zu be­nutzen. Dorten habe versucht, Beziehungen zwi- chen Frankreich und den Industriellen des Rhein- lankes hcrzusteNen. In Wiesbaden habe er das Gemischte Bureau und später den Rheinischen Verein gegründet. Der Bericht erklärt, obgleich diese Versuche vom Oberkvmmissariat unter, tüpt worden seien, seien sie fruchtlos geblieben. Es heißt weiter, Dorten habe versucht, die rheinische separatistische Bewegung mit den übrigen separa­tistischen Mittelpunkten des nichtbesehten Deutsch­lands zu verbinden. Er sei in Verhandlun­gen mit Dr. Heim in Bayern getreten. Dorten sei jedoch gezwungen gewesen, diese Pläne aufzugeben. Er sei dem Programm treu geblie­ben, das er allmählich für die Schaffung eines autonomen Bundesstaates innerhalb des Reiches ausgearbeitet hatte.

Aber, so fährt der französische Oberkom­missar fort, Dorten verfolgte, wie er mir wiederholt sagte, den Zweck, das Hnbehagen der Mehrheit feiner Anhänger zu beruhigen, die zwar antipreußisch, aber deutsch eine ve rhüllte Annexion befürchteten. Rach Dortens Ansicht könnte ein solches Erzeugnis nicht Bestand haben und würde bald erseht werden durch einen unab­hängigen Staat mit Anlehnung an Frankreich Der Berichterstatter fährt fort, Dorten habe vor kurzem eine große Anstrengung im Ruhrgebiet gemacht und ein Sekretariat in Düsseldorf ge­gründet. Der Bericht befaßt sich hierauf mit Dortens Arbeitsmethode. Da Dorten gefunden habe, daß große Ausschüsse Indiskretionen be­günstigen, berufe er nur die Häupter der Bezirke, seinen vertraulichen Generalstab, ein durch die Beschlüsse den unteren Stellen übermittelt würden. Dortens Arbeit beschränke sich auf die ländliche Bevölkerung und den Mittelstand. Pro­paganda unter den Arbeitern, so sagte Dorten, könnte zu sozialistischen Gegenoffensiven führen. Der französische Oberkommissar erklärte, im Ver­laufe von Hnterredungen, die er mit gewissen Vertrauensleuten Dortens, wie Grand'Ry und Dahlen aus Aachen, Müller aus Köln und Simon aus Wiesbaden gehabt habe, habe er sehen können, daß Dorten als der einzige Führer be­trachtet werde, der in der Lage sei, die rhei­nisch: Bewegung zu einem erfolgreichen Ziel zu bringen.

Der Bericht fährt fort: Ende Februar 1923 habe das Oberkommissariat Dr. Dorten vor­geworfen, daß er nichts tue. um die separatistische Bewegung zu entwickeln, daß er wissentlich ihre Bedeutung übertreibe und die französischen Anstrengungen im Ruhrgebiet mit einem völligen Mangel an Aktivität im Rhein­land erwidere. Der Verfasser des Berichts, der Dorten gegen diese Vorwürfe in Schuh nimmt, erklärt, viele Agenten Dortens hätten tckirklich Energie gezeigt und unter Führung Dortens einige zweifellos interessante Ergebnisse^ erzielt. Der Berichterstatter fährt fort: Die Persönlichkeit jedoch, die sicher den größten Einfluß auf Dr. Dorten ausübte und mit ihm immer in sehr engen Beziehungen blieb, war General Mangin. Dorten habe General Mangin als den Mann angesehen, der als einziger fähig sei, Frankreichs Geschick am Rhein zu erfüllen. Der Bericht schließt, die Gründung des Rheinland­staates werde natürlich nicht ohne Widerstand stattfinden. Die Arbeiter und die ehemaligen! Kriegsteilnehmer, alle diese Elemente, übten eine Rückwirkung aus. Andererseits verfüge Dorten über eine Organisation, die nützlich sein werde. Schlimmstenfalls könnte Dorten den Franzosen wertvolle Informationen liefern sowohl bezüglich der Leute als auch bezüglich der Art, sie zu behandeln. Es wäre ein Fehler, sich seiner Hilfe tu berauben, besonders da Sorten sich selbst den Rückzug abgeschnitten habe; denn in Paris habe er seine Politik als in völliger Hebereinstimmung mit Frankreich befindlich bezeichnet.

schädige und die italienische in Mitleiden- l schäft ziehe.

Ein neuer Mord.

Berlin, 23. Juni. (WTB.) Aus dem Ruhrgebiet wird gemeldet: $>cute morgen ge­gen 4 Hhr ist in der Rahe des Güterbahn- Hofes Frintrop der Arbeiter Hugo Schulz von einem französischen Posten erschossen worden. Näheres ist noch nicht bekannt.

Verbot derKölnischen Zeitung" im französisch besetzten (gebiet.

Paris, 23. Juni. (WTB.) Rach einer Havosmeldung aus Düsseldorf ist der Verkauf derKölnischen Zeitung" in den besetz­ten Gebieten cnbgültig verboten worden.

Die Ausweisungen.

F r a n k f u r t a. M., 23. Juni. (WTB.) Am 22. Juni wurden aus den Dienstwohnungen m Nassau verdrängt Bahnhofsvorsteher Koß- mann mit Frau und Tochter, außerdem Eisen- bahnassiste. t Schäffer und Frau. Aus Lud­wigshafen, Kaiserslautern und Hoch­speyer wurden gestern abermals acht led.ge und 34 verheiratete Eisenbahnbedienstete mit ihren Frauen und 69 Kindern ausgewiesen. Aus Trier und Cochem wurden am 22. Juni 28 Eisenbahner mit 6 9 Familienangehöri­gen ausgewtesen.

Die neue Devisenverordnung.

Berlin, 23. Juni. (WTB.) Der Re i ch s- kanzler erließ ein telegraphisches Rundschreiben an die Regierungen der Lander,' worin auf die Bedeutung der neuen Verordnung über den Handel mit Devi­sen zum Einheitskurse hingewiesen wird.

In dem Schreiben wird betont, daß, wenn auch möglicherweise dem Handel und dem Bankverkehr durch die neuen Bestimmungen gewisse Schwierigkeiten erwachsen würden, die­ser Gesichtspunkt hinter der Erfordernis zurück­treten mußte, dem kurstreibenden Devisen­handel außerhalb der Börsenstunden entgegen­zutreten. Ferner werden die Regierungen der Länder ersucht, die Reichsregierung bei der Durchführung der beschlossenen neuen Maß­nahmen durch rücksichtsloses Eingreifen gegen den illegitimen HanDel und dieschwarzen Börsen" zu unterstützen, wie auch die Reichs­regierung mit allen zu Gebote stehenden Mit­teln solche Erscheinungen rücksichtslos unter­drücken würde.

Wie wir zu der Verordnung noch erfah­ren, sollen Ausführungs- und Hebergangs» beftimmungen erst dann erlassen werden, wenn sich ihre Notwendigkeit zweifelsfrei ergibt.

Ein Unfall des belgischen Königs.

Drü s sel, 22. Juni. (WTB.) Bei einem Ausritt des Königs in der Hmgebung des Schlosses Laeken st ü r z t e d a s P f e r d des Königs. Der König zog sich einen Knochen- b r u ch am Handgelenk zu.

Eine englische Enthüllung der französischen RHUnpolitik.

Dortens Vcrräterpolitik.

London. 24. Juni. (WB.) DerObserver" veröffentlicht ßcut? s ensationelle Ent h ü l- I u n g en über die f ranzösischen Pläne für die Lostrennung des Rhein lan- des vom Reich in Gestalt eines ausführ- lichrn. vom 16. April 1923 datierten G eheim- Berichts des fraw'.ösischm Oberkommissars im Rheinland an seine Regierung in Paris. Der als ^persönlich und streng vertraulich" b^cichnete Be­richt befaßt sich, wie der französische Oberkom­missar darin selbst zugibt. mit denAnstr-engun- aen die von dem französischen Oberkommissariat und "dem Führer der rheinischen Separatisten während zahlreicher Monate und nach dem Maße ihrer Mittel unternommen wurden, um ihr ge­meinsames Ziel, die Befreiung des Rheinlands, zu erreichen".

DerObserver" schreibt zu dem Bericht: Obgleich die Teilhaberschaft Frankreichs an den beharrlichen Versuchen, die unternommen wur­den und weiter unternommen werden, um das Rheinland vom Deutschen Reiche loszutrennen, niemals ernstlich angc?weiselt worden seien, so sei doch das heute Veröffentlichte Dokument wich­tig als eine au the n tische und ein­gehende Darstellung der französi­schen Aktion zu dies-em Zwecke und als die denkbar klarste Bloßlegung des Zieles und der Methode. Der französisch: Geheimbericht enthülle die Verschärfung der französischen Politik der Zerstückelung Deutschlands nach der Invasion des Ruhrgebiets.

D-cr Geheimbericht des französischen Oberkom- missarö im Rheinland beginnt mit der Feststel­lung, daß die früheren Berichte die verschiedenen Krisen behandelten, die die französischen Be­ziehungen mit Dorten seit dem Monat Mai des Jahres 1921 durchgemacht haken, in dem der Verfasser des Berichts mit der Aufgabe be­traut wurde, mit ihm in Fühlung zu treten. S s heißt weiter, mit Hnterftüßung des französischen Ober kommissars sei Dorten in der Lage gewesen, seine Anhänger zusammenzubekommen, ihre Begeisterung hochzuhalten, seine Prv-

Eine Kundgebung der Gewerk­schaften des Einbruchgebiets

Bielefeld, 24. Juni. (Wolff.) Vertreter aller Verbände des Deutschen Gewerkschafts­bundes aus dem Einbruchsgebiet haben gestern erneut Stellung genommen zu der durch den Ein­bruch ins Ruhrgebiet und die damit in engstem Zusammenhang stehenden französischen Dernich- tungs- und Eroberungspläne geschaffene Lage. Sie erklären in vollster Einmütigkeit:

1. Eine Aufgabe des passiven W i d e r st a n d e s, der wirksamsten moralischen Waffe unserer schwer bedrängten Volksgenossen, kann erst dann in Frage kommen, wenn der DruckBer brutalen fremden Militärgewalt von uns genommen und annehmbare, unsere Gleichberech­tigung anerkennende Verhandlungs- und Derstän- digungsgrundlage gesichert tft.

2. Äe von der fremden Willkür durch Ver­urteilungen, Ausweisungen und sonstigen Schikanen betroffenen Angehörigen weihen wir unser herzlichstes Mitgefühl und unsere wärmste Sympathie. Wir werden alles tun, um ihr Los nach Kräften zu erleichtern . Vor allem werde: wir den passiven Wider st and nichteher auf geben, als bis das von den Franzosen und Belgiern verübte brutale Hnrecht wieder rück­gängig gemacht wird.

3. Durch die Lahmlegung fast des ganzen Eisenbahnwesens im inneren Industriegebiet ge­kältet sich die Ernähr ungs läge für dieses Gebiet täglich gefaßrbroßenber. Hnter Aufbietung aller Kräfte ist der Zusammenbruch der Ernäh- rungswirtschaft bisher verhütet worden, dank der Bemühungen der für die Ernährung verantwort­lichen Stellen, vor allen der Konsumgenossenschaf­ten. So ist die Ernährung für eine gewisse Zeit noch gesichert; aber die R o t ist im schnellen Wach­en, und wir fragen: W o bleibt die Stimme des We-ltgewifsens ange'ichts der Tatsache, daß die französischen Gewalt­politiker Millionen von fi-iedlichen Menschen dem Hunger entgegen treiben zur Erreichung ihrer ver­derblichen Pläne?

4. Eine Rheinlandfrage im Sinne einer Aenderung des gegenwärtigen Verhältnisses des Rhein landes zum Reich und zu Preußen existiert für u i?s nicht. Mit unseren links­rheinischen Brüdern werden wir leben Versuch einer Hmgestaltung der staatsrechtlichen Formen, wie auch der Hnterstelliing der Eisenbahner unter fremde Hoheit schärfsten und dauernden Wider­stand entgegensetzen.

Beschlagnahme aller Kohlenlager.

Paris, 24. Juni. (WTB.) Wie Havas aus Düsseldorf berichtet, hat der Ober- kom mankierende der Be ahurgttruppe i, um die von Deutschland nicht sichergestellten Kohlenlieferungen zu gewährleisten, eine neue Ordonnanz erlassen Alle Kohlenlager im besetzten Gebiet, deren Ausschließung die fran- hös sch-b.lösche Kmtrcl k mmi s on für notie big erachtet, werden beschlagnahmt Den Direk­toren der Fabriken und Bergwerke wird nicht mehr gestattet, den Vorräten irgendetwas zu entnehmen. Ausnahmen können nur für den Fall besonderer Genehmigung gestattet werden. Im Falle einer Zuwiderhandlung gegen diese Ver­ordnung oder im Falle den Feststellungs- ober Heberweisungsorgani'ationen Hindernisse in den Weg gelegt werden, werden Strafen er­lassen von mindestens 100 Millionen Mark sowie G e f ä n g n i s st r a f e n bis zu fünf Jahren oder ein; dieser beiden Strafen. Jeder Widerstand gegen die Ordonnanz wird auch für die Angestellten des betreffenden Hnternehmens, die es an der Heberwachnng haben fehlen lassen, Strafen nach sich ziehen bis zu einer Höhe von 190 Millionen Marl und 5 Jahren Gefängnis ober einer dieser beiden Strafen. Die Ordonnanz tritt sofort in Kraft.

Der Präsident der britischen Handels- kannnern in Paris.

London, 23. Juni. (WTB.) Wie der Pa­riser Berichterstatter der$tmes" schreibt, be­findet sich der Präsident der britischen Handelskammern, Arthur Balfour, augenblicklich in Paris, um die eventuelle Bil­dung eines Ausschusses von französischen Ge­schäftsleuten, die das Problem der Reparationen von einem prattischen Standpunkt aus bettachter, vorzubereiten. Der amerikanische Vertreter Willis B o o t h werbe im Zusammenhang mit dieser Frage demnächst in Paris erwartet. Arthur Bal­four hat, d-em Berichterstatter zufolge, den Ein­druck, daß, soweit die wirtschaftlichen Kreise und, wie hinrugefügt werden könne, auch politische Kreise in Frankreich in Betracht kämen, jeder angemessene Ausweg aus der augenblicklichen Lage willkommen sein würde.

Rückgang der französischen und italienischen Valuta.

Rom, 23. Juni. (WTB.) Bei der Be- sprechung des Rückganges des Lira- k u r s e s weist die Presse auf die R u h r e x - i pedttion hin, die die französische Valuta

Eine Rede des Reichskanzlers in Königsberg.

Königsberg, 24. Juni. In der Aula der Hindenenrg-Oberroallchu'e hatten sich heute mittag die Vertreter sämtlicher staatlichen, provinzialen und städtischen Behörden sowie Vertreter der großeii Wirtschaftsverbände und politischen Par­teien eingefunden, um eine Ansprache besReichs- kanzlers Dr. Cuno entgegenzu nehmen. Rach einigen k irzen Begrüßungsworten des Ober- bürgermeifterä Dr. Lohmeher ergriff Reichs- kanzler Dr. Cuno das Wort.

Er führte etwa folgendes aus. Richt um eine politische Rede zu halten, bin ich hierher gekommen, sondern um persönliche Fühlung zu nehmen mit meinem lieben Königsberg, an das mich vier Jahre froher Kindheit er­innern. Ich sehe in Ostpreußen wertvollste n wirtschaftlichen Wiederaufbau. Ich bin mir nicht darüber im Zweifel, baß der Angelpunkt und der Mittelpunkt des östlichen Wiltschasislebens. schon weil die russische und b-e randstaatliche Wirtschaft nicht ohne deutsche Mtt- arbeit und deutsche Technik erstehen kann, durch Ostpreußen gehen muß. Bei allen unseren (Sor­gen für Rhein und Ruhr wird Ostpreußen nicht vergessen werden Ein Gedanke erfüllt uns vor allem. Was wird die Zukunft dem Reich im ganzen bringen? Wird es in der Lage sein, seine Versprechungen einzulösen, die es heute gibt? Diese Frage lenkt den Blick nach den am meisten gefährdeten Gebiet en des deutschen Vater­landes. Aus eigener Heberzeugung und Erfah­rung kann ich sagen, daß der Geist der Ab­wehr und der Wille zum Widerstand noch ebenso fest sind wie damals, als die fremden .-nippen ihren Einzug hielten. Das gibt unS i e Hoffnung, daß. sich, wie der Wille bes Voltes an Rhein und Ruhr unüber- wiadlich ist, in politischer und wrrtschaftlichev Beziehung die ganze Volksgemeinschaft ebenso urüberw.ndlich erweisen wird. Daher muß inrfere Politik eine aufrichtige und grnabe. gber mich eine Politik fein, die bestrebt ist. die Leiden dieser echten deutschen Menschen nicht über Gebühr zu verlängern. Richts ist un­versucht geblieben vor und seit dem Einbruch in das Ruhrgebiet, was ba?)i dienen könnte, eine vernünftige und tragbare Lösung bei Reparationsfrage zu finden, eine Lösung, die endgültig ist und nie wieder wie jetzt Deutschland einem Einbruch an Rhein und Ruhr aussctzt, die mit der Abtragung der Lasten funs auch die volle Freiheit unseres Vo lkes gewährleistet. Was von dem Memo­randum entartet werden konnte, ist im wesent­lichen erreicht worden; denn von vornherein war es" klar, daß man nicht durch einen wie immer gearteten Schritt von heute auf morgen zu Ver­handlungen am selben Tisch mit Frankreich kom­men tonnte Was erreicht tcerben konnte, war, die Welt zu überzeugen, daß es ber aufrichtige Wille Deutschlands ist, nachbarlich mit anderen Völkern zu leben, Reparationen nicht zu ver­sprechen, sondern zu zahlen und hierzu alle Kräfte unseres Volles bis zum 2teuß-ersten anzuspannen. unter der Voraussetzung freilich, die es immer voranstellen muß, daß wir sagen können: Am Ende bieser Leistungen steht die Freiheit! Es ist, wenn ich die ausländische Presse recht verstehe, ein ftarler Fortschritt gemacht worden, teonn- pleich Frankreich noch nicht verhandlungswillig ist und immer noch die Einstellung des passiven Widerstandes verlangt, eines Widerstandes, der nicht auf Befehl, sondern aus dem Willen ber Bevölkerung erwachsen ist. und ber nicht na ch- la ff en wird, solange noch ein deutsches Herz - in jenen G bi Ic;t für Deutschland schlagen wird.

Diesen Widerstand könnte reine Regierung, selbst wenn sie es wollte, durch einen Befehl beenden, wenn sie nicht der gemarterten Bevölkerung den gesicherten Weg ;u einer Lösung der Gerechtig­keit u"d Rilligleit aufzeigen kann.

Richt der Gedanke an Gewinn und

. u ./ten, die sich dieser Pflicht ent- W- hat uns entgegergehalten, daß ,ie einer gesunden wirtschaft- lichLn Cteiteai tng widersprech.n. Aber leben wir bevr : . .i.i r . . malen Wirtschaft? Zu einer wirklitt - n Gesa dang unserer Währung können wir reif/ w mmen, solange wir die Desetzuna von Rbein u d Ruhr und di : Frage der Reparationen nicht gi-regrlt Halen. Aber auch die Maßnahmen der Behörden v erden nicht helfen, wenn nicht daS s-r e Bel. l, ltt. wenn jeder einzelne sich nicht sagt, iaß es Verrat wäre, spekulativen Eigen n u tz auf Kosten der Gesamtheit zu trete bm und dem Lu ras und Wohlleben sich hin^zu- geben, das dem Rechtsempfinden die Schamröte ins Gesicht trete . Wenn es gelingen soll, die Lage zu beherrschen, müssen wir in ber Frage ber Währuna, der Anpassung der Löhne und Gehälter an die Teuerung sowie in ber Frage der Volksernährung gesichert

seine S i ch r u n g darf vorangestellt werden, sondere- der Gednn.e, wie wir Volk und Va­terland am besten dienen. Auch wir. die: te in der Heimat leben, müssen un5 in die .. te teilen. Die Reichsr-egterung