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Mittwoch, 25. Apri! 1925

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Kr. 96 Zweites Blatt

im

Roman von Luise Schulze-Brück.

(Nachdruck verboten.)

T2. Fortsetzung.

Olfvnb Aurüd stets Programm, das stand fest bei ihm. Sie E was ihr fehlte, legten sich gewissermaßen eine Marschroute zurecht, s^lebensstark die sie vielleicht einmal durch kleine Launenhaft! g°

doch auch seine Frau verloren

Hessischer Landtag

(Schluß aus dem ersten Blatt.)

Der Reichstag verweigert zunächst die Ge- StvafversoLgung des Olbg. Simon-

stellen. daß in den Reichstagsverhandlungenvmi deutschnativnaler Seite niernals für das Orts- klassensystem eingetreten werde, vielmehr crxir von seiner Partei ein Antrag ein geb rächt worden, das Ortsllafscnsystem zu beseitigen. Vom Zentrum wurde dann der 'Antrag dahin geändert, bzw. ergänzt, einen Wckhnungszus haß zu gewähren. Der Ausschußantrag - Äckedigterklarung wird angenommen.

Ein Antrag Ebner und Roth geht am Gleichstellung des Teuerungszuschusses für alle Deamtenklassen hinaus. Die Reichsrsgierung und die der anderen Länder haben sich für die prozen­tualen Zusä^äge erklärt. Der Ausschuß beantragt, den Antrag Ebner der Regierung als Material zu überweisen. Dem Olbg. Ebner (KPD.) geht dieser Antrag nicht weit genug, weil er sich keinen Erfolg davon verspricht. Der 2lntrag wird

vehmigung zur . _

Schwaben (©.), Bruhn (Dntl.), Thomas (K.)

keilen unterbrachen, im ganzen aber doch em- hielten. Frau Evas Marschroute führte sicherlich zu einem bestimmten Ziele: Frau EnsingM zu werden. Umsonst hatte gewiß Hans Dietrich ihn nicht hierher gelotst. Run gab sie sich kühl.

Abg. Müller-Franken (Soz.) bezweifelt, daß die Vorlage morgen leichter als heute verab­schiedet werden könne. Er beantragt, sie an dre 8. oder 9. Stelle der Tagesordnung zu setzen.

Der Antrag Müller wird von brr bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Es bleibt beim Vorschlag des Präsidenten.

Schluß gegen 8 Mr.

Deutscher Reichstag.

341. Sitzung, 2 Mr.

Berlin, 24. April.

Da stand er auch schon vor ihr. Tadellos von der Bügelfalte des Beinkleides bis zum Knoten des Scarfs. Das brachte sie schnell zur Wirklichkeit zurück, sie lächelte kühl und gab ihm zurückhaltend d« Hand.

Er merkte es kaum. Oder wenn er es merkte, amüsierte es ihn. Er hielt diese Zurückhaltung für einen Teil ihres Programms. Frauen hatttn

ab, sich heute von einem Oesterreicher (Zurufe: Hitler!") in eine Revolution treiben zu lassen, wie sie es bedauert habe, daß Bayern damals von einem anderen Ausländer in eine Revolution hineingezogen worden sei.

Abg. Levi (6.) bedauert die Haltung des Reichsjuslizministers gegenüber den Auswüchsen in Bayern. Es fei kein Zufall, daß alle französi- scheu Projekte zur Reichszersplitterung nach Bayern hinführen. Es wäre nicht das erste Mal. wenn die Wittelsbacher eine Königskrone aus französischer ^uid bekämen.

Abg. Dittmann (Soz.) beantragt Zurück­verweisung des Entwurfs an den Ausschuß, Abg. Schultz (Dtschnll.) namentliche Abstimmung für diesen Antrag. Der Antrag Dittmann wird mit 193 gegen 148 Stimmen abgelehnt.

Abg. Dittmann (Soz.) beantragt nun­mehr Vertagung der Sitzung vor der Abstimmung über den Entwurf, während die Linke bereits den Saal verläßt Außerdem bezweifelt er die Be­schlußfähigkeit des Hauses. Die Abstimmung über den Vertagungsantrag ergibt 197 Rein und 4 Za. Das Haus ist also n i ch t b e s ch l u h f ä h i g. Der Präsident beraumt um 7 Mr abends eine neue Sitzung auf 71/2 älhr an.

142. Sitzung.

Rach halb 8 Mr eröffnet Präsident L ö b e die neue Sitzung. Er schlägt für die nächste auf Mitt- 1 woch 2 Mr anberaumte Sitzung eine Tagesord- I nung vor. an deren Spitze die Fortsetzung der heute abgebrochenen Beratungen über die 2kr= sammlungssprengungsvorschläge steht. Daneben stehen kleinere Vorlagen und der Eiat des Reichs»

I Wirtschaftsministeriums auf der Tagesordnung.

ihm fehlte auch das. was das Leben erst volleick>et das Einssein mit dem anderen, das ja freilich selten genug ist. aber dessen Fehlen man schmerz­licher empfitrdet. wenn seine Vorstellung sich an ein Gestorbenes knüpft, als wenn der Lebende neben uns es uns nicht geben kann. Sie wußte freilich noch nicht genug von ihm. um beurteilen zu können, welcher Wurzel bieä gelassene Frohsein entsprang. Aber sie würde ihn ja näher Barnen3 lernen, Hnd die Tochter? Solch ein Mädchen wünschte sie sich für Hans Dietrich, schön und em rrenig herb. Die würde ihn aufrütteln, ihm die Frische vielleicht geben, die ihm fehlte.

Gedankenvoll ging sie hinunter. 3n der Caulk war der Frühstückstisch gedeckt, aber es war noch niemand da. Sie schritt langsam auf und ab, stand vor dem blühenden Rebstock, der heute be­täubend duftete sie verlor sich immer mehr, weit und hoch schweiften ihre Empfindungen.

Sie schwärmen maßlos," würde Ensingen

Zum Antrag des Abg. Ruh (Ztr.), die Borbereilungsdienst stehenden Staats» dienstanWärter, insbesondere die Studienreferen­dare betr., beantragt der Ausschuß, bei der Reichs- regierung dahin zu wirken, daß für die Referen­dare eine höhere als die Gruppe 7 der Besvl- dungsordnung angeseht werden möge.

Abg. R u ß ist diesem Antrag einverstan­den. zumal die Regierung dem ersten Teil seines Anttages, betr. die Auszahlung von 80 Prozent tato. 70 Prozent im ersten und zweiten Jahr der Verwendung stattgegeben habe.

Abg. Sturmfels (Soz.) und Abg. Kindt (Deutsc^itl.) begrüßen den Antrag ebenfalls, der

gesprochen zu 'haben.) .. .

Bayerischer Gesandter von Prager: Wrr «stauben nicht, daß man eine geiMge Bewegung wie die nationalistische oder auch dre kommu- mistische durch Polizeimaßnahmen unterdrücken tarnt. 3n Bayern besteht volle Versammlungs- frecheit. Daß die bayerische Regierung bei der Mterdrückung von Auswüchsen herzhaft zugretst,

hat die Verhängung des Ausnahmezustandes in Bayern bewiesen. Für Bayern würde es eine Erleichterung sein, wenn dieser Entwurf Gesetz würde.

Abg. Remmele (3t) bezeichnet die befür­wortenden AeuHerungen des bayerischen Gesandten als schamlose Heuchelei und wird deswegen zur Ordnung gerufen. Auch die Behauptung, daß in Bayern die Versammlungsfreiheit gewährlristet sei, sei eine Heuchelei. Alle Kommunistischen Der- etnigungen würden in Bayern bereits verboten, und proletarische und republikanische Versamm­lungen würden planmäßig von den Hitlergardisten und von der Polizei gesprengt.

Abg. Dr. Levi (S.) fordert unter heftigen Angriffen gegen die Bayerische Regierung und die bayerischer Gerichte, daß der Reichsjustiz­minister die Autonomie des Staatsgerichtshofes zum Schuhe der R«aublik auch in Bayern durch­setzt. Rur die Arbeiterschaft könne der reichs­zerstörenden Wühlarbeit der Hitlerbanden ener­gischen Widerstand entgegensetzen. Der vorlie­gende Entwurf wolle aber gerade den Widerstand der Arbeiter gegen dir Faszisten brechen und das int jetzigen Augenblick, wo sich das Reich in seinem Abwehrkampfe nur auf die Arbeiterpar­teien stütze. Diesem Fetzen Papier gegenüber könne man nur sagen: Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit!

Reichsjustizminister Dr. Heinze: Die Ver­sammlungsfreiheit ist &u einem öffentlichen Rechts­gut geworden, das eines Schuhes bedarf. Der Entwurf ist eine Mahnung an die Oeffentlichkeit, dieses Recht besser zu achten als bisher. Die Reichsregierung wird diese Ergänzung des Straf­gesetzes völlig unparteiisch nach rechts und links zur Anwendung bringen. Was die R-eichsregie- rung zu den Vorschlägen Bayerns getan hat, braucht das Licht der Oeffentlichkeit nicht zu

reserviert, um sich nichts zu vergeben. Ach, fie war doch entzückend, die kleine Frau.

Kühl-kritisch betrachtete er sie. Wahrhaftig, sie hatte einen unvergleichlichen Charme. Trotz aller reizenden Frauenhaftigkeit doch etwas mäd­chenhaft Zartes. Md bann, wie famos wußte sie mit Hans umzugehen, wie geduldig ertrug sie seine Launen und wechselnden Stimmungen! Er war doch manchmal geradezu unausstehlich feit seiner Krankheit. Aber Frau Eva blieb stets die gleiche, stets die liebevolle, teilnehmende, entschuldigende Schwester.

Da kam Hans Dietrich auch angeschlendert. Er sah übrigens heute morgen ganz heiter aus. der gestrige Abend schien ihm gut bekommen zu sein, und da Frau Eva sich bemühte, ihm diese gute Stimmung nicht zu trüben, frühstückten sie sehr gemütlich.

Es schien sehr heiß zu werden. Schon letzt war es fast drückend, auch am Moselufer. So be­schlossen sie. Echten weiten Spaziergang zu machen, sondern nur die Mosel entlang zu schlendern. Hans Dietrich schlug den Wea stromauf ein, der zum Durghause führte. Wit doppeltem Interesse betrachteten sie jetzt das prächtige Bauwerk.

Jenseits der Sttaße erhob sich ein neues großes Gebäude, lang gestreckt mit mächtigen, weit offenen Toren.

Das ist die Arnoldssche Kellerei." erklärte Ensingen.Haben Sie sie schon einmal gesehen? Olein? Dann wollen wir hinauf. Arnolds ist stolz auf die Musteranlage und zeigt sie gern.

Sie erstiegen die Keine Anhöhe und betrach­teten die Gebäud^ruppe. 3n der großen Halle, deren Tore geöffnet waren, herrschte lebhafte Tätigkeit. Evi Pferdegespann fuhr gerade beraub. b'.öbnfe gewaltig auf dem steinbelegten Boden.

bann angenommen wirb.

Der Antrag Ebner und Roth (KPD.), betr. Dorschuß^rhlung an die Beamten und Staatsarbeiter, wird für erledigt erklärt, da in­zwischen eine entsprechende Regelung gleich den Reichsbeamten erfolgt ist.

lieber die Regierungsvorlage, betr. bre Dienstbezüge der Staatsbeamten, Lehrer usw., erstattet Olbg. Reiber (Dem.) Be­richt. Es handelt sich um die erforderlichen Er­höhungen der Gehälter durch die Teuerung seit der letzten Regelung. Der Ausschuß beantragt Zustimmung zur Vorlage. Abg. D. Dr. Diehl (Dntl.) erinnert an die früheren Kämpfe gegen das Ortsklassensystem. Diese Kämpfe haben nicht nur zu keinem Erfolg geführt, sondern es sei noch schlimmer geworden durch dre Beschlüsse bet Reichsregierung. Das muh bei uns zu starken Mißstimmungen und Spaltungen führen. Es ge­nüge nicht, bah der Ausschuß erklärt, er bedauere das, es müsse energisch gegen diesen Unfug pro­testiert werden.

Abg. Dr. Osann (D. Dp.): Wenn tote tn der Lage wären, dresemUnfug zu fteiern, würde es sofort geschehen. Aber wrr sin^ja ver­ankert mit der Reichsgesehgebung. unck daran kranken wir. Wir werden aber bei jeder Gelegen­heit deutlich und laxt unsere Stimme erheben. Ich erinnere dabei an unsere früheren Anträge.

Olbg. Herbert (Ztt.), Storck (Soz.) und Reiber (Dem.) sprechen in ähnlichen Sinne.

Frnanzminister Henrich stimmt zu, daß die örtlichen Sonderzuschläge schlimmer sind tote das Ortsklaffensystem. Die hessische Regierung rft mit ihrem Kampf gegen dieses System noch nicht durchgedrungen, die Reichsregierung hat srch m dieser Beziehung auf nichts eingelassen. Unser (Vertreter in Berlin hat sehr energisch gearbertet, nnd es wurde ihm in der Oeffentlichkeit bestätigt, daß man schärfer kaum auftreten kann. Dre ge­wünschte Desolbungsordnung wird kommen, so­bald es möglich ift Die Vorlage wird an­genommen. A _

Heber den Antrag des Olbg. Hoffmann (Ollzey), betr. sofortige Rachzahlung der DieM° bezüge bei Desoldungserhöhungen. berichtet Abg. Herbert (Ztt.): Dieser Anttag ist gleichwie der der Olbg. Kaul und Gen. In ähnlicher Rrch- tung inzwischen erledigt. Ebenso der Antrag Engelmann und Gen., Durchführung der Besol- dungsordnung. .

Hebet den Antrag der Abgg. Ebner und Gen die Zahl der Besoldungsgruppen auf drei heiabzusetzen. berichtet Abg. Reiber (Dem.). Der Antrag habe ehren berechtigten Kern, inso­weit eine Herabsetzung der Besoldungsgruppen fefrr erwünscht wäre. Wenn der Antrag srch darauf beschränkt hätte, anstatt direkt drei Klassen zu verlangen, hätte der Antrag Aussicht auf Annahme gehabt. So aber mußte er für erledrgt erklärt werden, da die Reichsregierung die Herab­setzung auf drei Gruppen für unbiskutabel er­klärte Abg. Ebner (KPD.) vertritt noch­mals seinen Anttag, der starke Ungerechtigkeiten crusgleichen sollte. Er wundert sich darüber, daß der Abg. Oieiber keinen Abänderungsanttag ge­stellt 'habe. , _r

Olbg. Reiber (Dem.) meint, daß der An­trag Ebner so gefaßt gewesen fei, bah man ihn nicht verbessern konnte. QKan muß sich aber über die Inkonsequenz des Olbg. Ebner wundern. Als Koinnvinist hätte er doch beantragen müssen, eine Besoldungsgruppe zu schaffen. (Hetterkext, Zustimmung.) .

Olbg. Dr Werner (Dtschntl.) möchte richtig

angenommen.

Ein Antrag der Olbgg. Birnbaum u. Den. (D Dp ) wünscht die Gewährung der Frauenzulage auch an die weibliche Kraft, die den Haushalt führt (wie bei verwitweten 'Beamten usw.), die Haltung der Oiegierung entspricht im Wesentlichen dem Sinne des Anttages. Doch nimmt die Reichs­regierung einen gegenteiligen Antrag an. Der Ausschuß beantragt Srledigterklärung. Olbg. Frau Dirnbaum (D. Vp.) begründet nochmals ihren Antrag, der sozialen Gesichtspunkten ent­sprang. Der Ausschuß antrag wirb angenommen.

Zum Antrag der Olbgg. Diehl- Hochwexsel u. Gen., den Verwaltern von Post Hilfsstellen eine Vergütung zu gewähren, bzto. diese zu erhöhen, beantragt ber Ausschuß, diese Vergütung den ber- zeittgen Geldwerten entsprechend zu bemessen. Olbg. D i e hl (Bbd) begründet seinen Antrag, der eine starke Hngerechtigleit ausgleichen soll. Es komme hinzu, daß die derzeit gewährten Sätze noch nicht einmal ausgezahlt worden sind, trotzdem die Postbehörde bas versichert hat. Der Olusschuß- anttag wird angenommen.

Zum Anttag Dr. Werneru. Gen. (Dtschnll.) bett, die Heberf rembung des hessischen Haus- und Grundbesitzes, hat die Re­gierung in einer längeren Erklärung mitgeteilt, daß hier alle zur Zeit möglichen Maßnahmen be­reits ergriffen werden. Der Ausschuß beantragt hierzu, die Regierung zu ersuchen, alle Kaufgesuche von Ausländem dem Dritten Ausschuß vorzu­legen und den Rotoren Zurückhaltung zu em­pfehlen.

Olbg Dr. Werner (Dtschnll.) beantragt wiederholt ein Verzeichnis ber getätigten Aus­landskäufe. was die Regierung zusagt. Der Aus- schuhantrag wird angenommen.

Heber den Ausbau der Wölfer sheimer Anlage n liegt eine Regierungsvorlage vor. Es soll dort die Pretzsteinfabrikation wieder in (Be­trieb genommen, und die vorhandenen Anlagen dazu ergänzt und vergrößert werden. Der Aus­schuß beairtragt Annahme der Vorlage, der Olbg. Lux beantragt jedoch nochmalige Zurückverwei­sung an den Ausschuß. Dieser Olntrag wird an­genommen.

Ein Anttag des Olbg. Dr. Büchner (Dem.) gegen die beabsichtigte Einstellung der Lokalbahn OffenbachFrankfurt wird angenommen, um auch in Zukunft die Versuche, diese Bahn einzustellen, zu bekämpfen.

Die Regierungsvorlage betr. bte Deckung des Geldbedarfs für außerordent­liche Staatsausgaben wird nach kurzem Bericht des Olbg. Dr. Osann in beiden Lesungen angenommen.

Ohne wesentliche Debatte werden angenom­men ein Antrag Reff betr. Verbesserung der Dahnver indung H e tz b achD e e t f e l be n und ein Antrag HofmanwSeligensMbt betr. die Zug- verbindung OffenbachFrankfurt.

Ein Antrag Glaser u. Gen., betr. dre Hnterhaltung ber Rheinfähre bei Rordheim unb Rhein-Dürkheim wirb abgelehnt. Ein Antrag Ebner u. Gen. betr. ble Eisenbahn-Fahr­preise wird ebenfalls abgelehnt.

Olächste Sitzung Mittwoch 9 Mr. Schluß l1/* ^hr.

Auswahl unter diesen Mitteln bleibe seinem Takt und (fernem Geschick überlassen. Wenn Schtoierig- keiten entstehen, Halle ich mich für verpflichtet, den Hntersuchungsrichter auf solche Bedenken auf­merksam zu machen, um es ihm aber zu über lassem ob er denselben Rechnung tragen will. Die baye­rische Justizverwaltung hat mir versichert, bah die Haftbefehle in Bayern vollstreckt werden. ODerm die deutsche Gesinnung eines preußischen Ministers angegriffen worden ist, so kann ich nur erklären, daß die Reichsregierung solche Olngriffe entschieden zrückweist.

Olbg. Dr. Leicht (Dayr. Bp.): Zweifellos sind die Verhältnisse in Bayern außerordentlich schwierig. Die Bayerische Bolkspartei hat in der letzten Zeit energisch gegen gewisse Bestrebungen Stellung genommen, gegen die man schon früher mit größerer Entschiedenheit hätte vorgehen sollen. Leicht protestiert gegen die Behauptung des Olbg. Levi, daß in Bayern ber Reichsgebanko lebiglich von ber Arbeiterschaft getragen werbe. Alle bayerischen Parteien stünden auf Dem Boden der Zugehörigkeit zum Reiche. Seine Partei sei gegen die nationalsozialistische Bewegung, weil sie das 2ant> in eine Revolution treibe. Sie lehne es

und Rissel 05.).

Dann wird die zweite Beratung des von den Mtttelparteien beantragten Gesetzes gegen HZersammlungssprengungen fortgesetzt. Danach soll, wer nicht verbotene Versammlungrn, Aufzüge oder Kundgebungen mit Gewalt oder durch Bedrohung verhindert oder sprengt oder im unmittelbaren Zusammenhang damit Gewalt- I tätigfeiten begeht, mit Gefängnis bestraft werden. Debenher kann auf Geldstrafe bis zu einer Mil­lion erkannt werden. Der Versuch ist sttasbar.

Der Olxxsschuß hat einen danach von den früheren Unabhängigen gestellten Antrag abge­lehnt, daß mit Gefängnis ober Zuchthaus die Beamten bestraft werben sollen, welche die ihnen gemäß dem Gesetz zum Schuhe der Republik über­tragenen Pflichten fahrlässig ober absichtlich un­beachtet lassen oder die ihnen übertragenen Rechte mißbrauchen. Die Olbg. Levi und Erispien I haben den Olntrag erneut eingebracht.

Olbg. Vogel- Franken (S.) lehnt den Ge­setzentwurf ab. Die Sozialdemokraten wollen mit dieser Haltung keineswegs Versammlungsspren-- Ig irrigen begünstigen. Der Entwurf habe aber I nichts mit dem Schuh ber Republik zu tun, joIle vielmehr dem Schuh ber rechtsbolschewistischen Bestrebungen bienen. In Bayern habe sich die I Oiegierung schützend vor die rechtsbolschewistischen Dersammlungssprenger gestellt. Diese bayerischen Rationalbolschewiflen hielten in engster Verbin­dung mit Reichswehr und Landespolizei Schieh- unb Felbdienstübungen ab. In ihren Versamm­lungen werbe zur (Srmorbung ber Huben unb Rovembermännec aufgeforbert Versammlungen des Republikanischen Reichsbundes werben ver­boten. Die bayerische Regierung habe von ihren weitreichenden Möglichkeiten zum Eingreifen gegen den nationalsozialistischen Versammlungsterrvr noch nicht den geringsten Gebrauch gemacht. Sie habe mit ihrer Kapitulation vor den Hitler- truppen den letzten Rest von Olutorität verloren. Die Reichswehr liefere die Munition für die sonntäglichen Schießübungen. ODenn em Abge­ordneter in Bayern solche Tatsachen mitteile, werbe ihm von allen bürgerlichen Parteien ein­schließlich der Sozialdemokraten die Immunität I abgesprvchen, und er werbe wegen Lanbesverrats verhaftet. Gegen diesen Terror werde kein Gesetz etwas helfen.

Q3tm mehreren Parteien ist namentliche 2Ib= stimmung über die Vorlage beantragt worden.

Olbg. Henning (deutschvölkisch) stimmt der Vorlage zu, hat aber Bede-cken gegen Einzel- | hellen und gibt der Erwartung Ausdruck, daß das Gesetz unparteiisch nach allen Richtungen angewandt werde und nicht etwa halt macht ber den bewaffneten proletarischen Hundertschaf­ten, gegen die Staatskommissar Weißmann, wie er in einer Verfügung gesagt habe, machtlos sei. Der Redner nimmt dann seine Partei gegen Die Angriffe des Ministers Severing im Landtag in Schuh und betont, baß sich aus den Akten nicht der leiseste Grund zur Olnnahme von Putsch­absichten feiner Partei ergeben werde. Auch Roß­bach habe in Wannfee kein Wort von Politik gesprochen, sondern lediglich die von links bröhen- den Gefahren gefchilbert. Wir haben, fährt Red­ner fort, in Berlin dieselben Zustände wie in Moskau. Ich frage den Minister Oefer, ob Mi­nister Severing zu ber Behauptung berechtigt war er habe in Hebereinstimmung mit dem Reichsminister des Innern ge'handelt. Severings ONoterial besteht nur aus einem phantastischen Plan eines Heißsporns zum Sturz des Ministers Severing, den er dem Abg. Wulle cingefanbt hvt und den dieser lachend in seine Schublade versenkte In Thüringen eregieren- bewaffnete sozialdemokratische Hundertschaften. Die radikale Linke bereitet den Hmsturz vor, unb Minister Severing halt seine schühenbe Hanb über diese Leute Im Ruhrgebiet sind vaterländische Leute vorgegangen. Will Herr Severing zugunsttn ber Franzosen nicht auch gegen sie eingreifen' (Stür­mischer minutenlanger Lärm. Rufe: Verleumder. Ständig wieder kehrendeSchluß-Rufe. Der Red­ner verläßt sch'ictzlich die Tribüne, ohne zu Ende

Sie ging ans Fenster und atmete mit tiefen Bügen die herbe Luft ein. Gab es denn noch etwas für sie, was das Leben lebenswert machte Wirklich lebenswert? Sie sah Ensrngen vor sich, den sorgfältig gepflegten Spihbart fkveuhend, mti der woblgeschlungenen Krawatte und dem mv- tanterr Lächeln. .Unb sie wußte plötzlich, was sie Wlte oteT nicht wollte. Otetn, sie wollte bi^ Leben tn diesem Geleise nicht noch «nmal be­ginnen Er würde sich über emRem nicht all- grämen, es würde genügen, ©enn fie: i&m nur erne leise Andeutung machte^ Sie wollte es mcht weiter kommen lassen Wozu auch. Es würde für sie beide peinlich sehr.

Es war auch besser, wenn er bald Sin!9_ ®ie wollte sich einmal ganz in dem sie bis letzt gelebt batte.

tuchen mit sich allem ein neu^ Lebenszi^ flu linden', vielleicht schlummernde Kräfte rn sich zu wecken So ging es nicht röchet, das Mite fie.

batte sie auch nicht viel Emfluß »rnf ®Ä. »eil fie fetber ju wmig s-eMche Kvaft hatte, zu wenig Feftigkett

Sie dachte an den gestrigen «»wiß eins batten diese Menschen, _

toa« Hans Dietrich fehlte: eine so lebensstarke

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Schöffengericht.

Gießen, 20. April 1923.

Ein aus Schlesien stammender, jetzt hier wohnhafter früherer Stallschweizer ist brschul- digt einem Gutspächter aus dessen Frldscheuer mittels Einbruchs Kohlen gestohlen zu haben. Er gibt zu, daß er sich von dem Schlüssel zur Scheuer einen Abdruck gemacht und diesen zwecks Oln- fertigung eines Rachschlüssels einem Schlosser- meister übergeben habe, weil ex Kohlen aus der Scheuer habe stehlen wollen. Dazu sei es aber nicht gekommen, weil der Schlossermeister den Oiachschlüssel nicht angefertigt habe. Dagegen fei

Zwei große Fässer waren aufgeladen, mit Hüh und Hott und Peitschenknall lenkte ber Fuhrmann bie kostbare Ladung. Die Köpfe zweier anderer Pferde erschienen schon wieder am Eingang der Halle. H^ll Girrte das Messingzeug, das an dem hohen Kummet zur Zierde neben einem roten schalartig gebundenen Stück Stoff baumelte.

'Bürgermeister Arnolds erschien neben den Pferden. Er rief ein heiteres Degrüßungswort: Einen OKoment, meine Herrschaften! Wir sind sofort fertig.

Drinnen rollte es, knirschte, knarrte gewaltig.

Hohohopp!" Taktmäßig stießen die Leute die rauhen Töne heraus, während sie die Fässer aufluden.

hohopp l" Run schwang sich der Fuhrmann auf den Docksitz, die Pferde zogen stark an.

Hüh0hüh!" Schwer aufstampfend kamen sie durchs Tor, eS dröhnte in der Wölbung.

Bürgermeister Olrnolds kam erfreut aus fie zu. Er sah erhitzt aus, an seinem staubfarbenen Out- zug hingen Strohhalme.

Verzeihen Sie, gnädige Frau! Olber seit vier Hhr heute morgen laden wir schon Whin. damit es mit dem Transport klappt. Bei dieser Hitze darf er nicht lange unterwegs sein. Da kann man nicht salonfähig bleiben.

Seit vier Hhr?" , r

Hans Dietrich Ohler schüttelte sich unbehag­lich. Seit sechs Stunden arbeitete der Mann hier nun tatsächlich mit? OHan sah t&m an, daß er mit Hand angelegt hatte. Er begriff das eigentlich nicht Dazu hatte man doch seine Leute. Oluch Ensingen klopfte ein kaum sichtbares Stäub­chen von fernem Iackett. Das fab au8 toie eine Abwehr (Forts, folgt)