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Erich eint lägt ich. «nrher Sonn» unb Feierlags, mit berSamstagsbeilage GiehenerFamilienblätter Monatliche Vezvorpreife: 2S5OMark unb ISOMark Zrögerlobn.burd) biePost 3000Ulark,aud) beiNicht» erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt - Ferniprech- Anschlüsse: sürdieSchrist- lei'.nng 112; für Verlag unb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: rlnreiger Giebea.

poltscheälonto:

Frankfurt t. M. 11686.

Erster Blatt

173. Jahrgang

Samstag, 24. März 1923

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

VrvS rmd Verlag: Vrlihl'sche llniverfilölr-vuch- und §teindruckerei B. tanze in Gießen. Zchrlftleltrmg und Geschästrstelle: §chnlftraße 7.

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Wochenrückblick.

Die Münchener Rede des Reichskanzlers Dr. Cuno bedeutete eine Enthüllung der Lage. DemGerede von Verhandlungen" zog er nun entschiedener und bestimmter zu Leibe. Wir hören da mit einigem Erstaunen, das) die Franzosen es waren, die das Bedürfnis hatten, die Frucht zu befühlen, ob sie reis sei, die Welt mit DerhandlungSgerüchten zu erfül­len, um dann mit dem Brustton unerschütter­ter Kraft fremde Vermittlungsversuche abzu­weisen und auf direkte deutsche Schritte hin­zudrängen. Der Reichskanzler hat in der Rich­tigstellung der verwirrenden Meldungen keine diplomatische Aengstlichkeit verraten. Erstellte fest:Die Re ich S regle rung hat nie­mand um Vermittlung gebeten, da­gegen aber manche Fühler empfan­gen, nicht, wie Herr Herbette vom Quai d'Or­say behauptet, täglich drei, wohl aber jede Woche einen." Wir können aus dieser Fest­stellung die Schlußfolgerung ziehen, daß die Eisenfresser im Westen von einiger Hngeduld, wenn nicht von Aengstlichkeit, ergriffen sind. OhreFühler", denen unsere Regierung nach­gegangen ist, waren freilich keine Eingebun­gen wirklicher Vernunft und Erkenntnis, son­dern täppische und dreiste Griffe. Dr. Euno er­wähnte die Rede Lvucheurs und wandte sich gegen die Odeen vom Pufferstaat, die wohl auch dieBefreiung" der Pfalz von Bayern und Rheinhessens von Hessen einschlössen. On diesem Punkte war des Reichskanzlers Rede eine unbedingte und unaufschiebbare Rotwen- bigkeit. Rach der Brüsseler Konferenz sprechen gewisse Kreise der Entente ja wieder beharr­licher von der notwendigenSicherung" Frankreichs. Wir müssen dem zuvorkvmmen und, wie Dr. Cuno, fragen, ob die Welt nicht lieber ein Verständnis dafür habe, daß das entwaffnete und gemarterte Deutschland einer Sicherung und eines Schützes vor frem­der Willkür dringend bedürfe?

Zwischen Paris und London schwebt ein Meinungsaustausch über militärische Kontrollfragen in Deutschland. Herr Poin- carö möchte in dieser Zeit ttefster deut­scher Erregung seine militärischen Hand­langer auch ins unbesetzte Deutschland auf RuhmeSfahrten aussenden, und seine Anregung neuer Beschnüffelungen deS Reiches findet anscheinend in London eine rücksichtsvolle Behandlung. Ein englisches Blatt umspann diese Art eines französischen Fühlers schon mit einer Erneuerung deS Frie­densvertrages überhaupt, freilich nicht in dem Sinne, daß wir endlich zu einer möglichen und durchführbaren Friedensverständigung ge­langten, sondern eben in den Bahnen einer Aeutralisierung der Rheinlande. Die englische Kompromißgeneigtheit zeigte sich beängstigend auch in den letzten Reden, die im Oberhaus ge­halten wurden. Wir wissen allerdings nicht, Vie weit die Londoner Regierungskreise der augenblicklich zutage tretenden innerlichen Bangigkeit der Franzosen, ihrenFüh­lern", die sie vielleicht auch in London auf mancherlei Weise spielen lassen, durch ein be- mhigendes Klopfen auf die Schultern entge­genkommen wollen. An der Themse wartet man geduldiger als an der Seine auf die Reife der Frucht. Das deutsche Volk kann kei­nen Sonnenschein dazu liefern. Der energische Ton des Reichskanzlers, seine scharf umritte­nen Ziele, bedeuten einen zerschmetternden Hagelschlag in die belgisch-französischen Blü- tenträume aber der Frühling ist kaum noch sehr ferne, das Eis mutz bersten, und bersten müssen vor allem die Ketten, die an der R u h r ein ehrliebendes Volk bis aufs Blut quälen und Peinigen". Vorbehaltlose Räu­mung des Einbruchsgebietes das ist nach Cunos wiederholtem Wort die Vor­bedingung aller weiteren Erörterungen, auch derjenigen, die sich um die gegenwärtig in Berlin vorsprechenden Bemühungen der so­zialistischen Onternationale drehen mögen. Wir gewinnen nach dieser Rede des Kanzlers die Heberzeugung, daß es um unseren Abwehr- ikampf gut und aussichtsreich steht.

Am so wirksamer müssen auch die Vorhal­tungen sein, mit denen der Reichskanzler auf ia£ Herz unserer inneren Polittk hinwies. Er verlangte die Einstellung alles Tuns und aller Gedanken des deutschen Volkes auf das -rohe und wichtigste Außenziel: auf die Be­freiung von fremder Willkür und Barbarei. Ans dünkt, er sagte zu diesem Punkte nichts anderes, als was auch wir vor einigen Tagen bei einer Betrachtung grundsätzlicher Mei­nungsverschiedenheiten unter den Parteien hier ausgesprochen haben: Wir müssen uns alle mit vollem Herren zum h e u t i g e n Staat be­kennen, ihn in seinem schweren Existenzkampf mit allen Kräften unterstützen und ihn vor allen Anfechtungen, sowohl von Links wie von Rechts, schützen. ES war ein vortreffliches Wort des Herrn Dr. Cuno, mit bem er die politische Feuerprobe der Parteien tmtüntiigte: Diejenige Gruppe, die durch Auf-

Cunos Rede in München.

On der Rede des Reichskanzlers, die er bei dem Empfang im Alten Rathaus zu München gehalten hat, sind folgende Abschnitte von be­sonderer Bedeutung:

Jede Diskussion über die Beendi­gung des g g^nwärttgen Konfliktes muh da'er von der vorbehaltlosen Räumung des Einbruchsgebietes au ge en Solan,e daZ Regime der DeWalt und dec Rechtlosigkeit nicht endgültig aufgegeben worden ist, ist ein Regime vertragsmähiger Erfüllung undenkbar. Darum faim ich auch in dem Brüsseler Communiquz nicht irgendwie einen Fortschritt erblicken, und ich ver­stehe insbesondere nicht, wie diese Verlaut­barung ein Zeugnis dafür sein könnte, dah Frank­reich sich von dem Gedanken der Annexionen, unter welchem Wort er sich auch immer verbergen mag, abgewendet hätte. Wir haben vielmehr gerade in den letzten Tagen Auslegungen der uns nicht bekannten Brüsseler Beschlüsse gehört, die einen völligen Hmsturz des Versailler Vertrages bedeuten würden. Herr Loucheur und er muh wohl im Geheimnis sein hat in Grenoble angekündigt, dah es auf nichts weniger abge- fetjen sei, als auf die Loslösung der Rheinlands von der deutschen Souveränität. Solchen Plänen gegenüber gibt es nur ein unbeugsames Rein. Daran vermag das Gesumme von der angeblichen deutschen Dermittlungsbitten und Derhand u g3- fühlern, mit denen von Paris aus die Lust erfüllt wird, nichts zu ändern. Kein Wort i st wahrdaran. DieReichsregierung hat niemanden um Vermittlung gebeten, dagegen gar manchen Fühler emp­fangen. Richt, wie Herr Herbette vom Quai d'Orsay behauptet, täglich drei, woU aber jede Woche einen. Wir sind allen nachgegangen. Aber immer waren die Vermittler schlecht legitimiert oder die Vorschläge Attentate auf Ehre und Ver­nunft. Bei aller Bereitwilligkeit zu einer vernünf­tigen und ehrenhaften Verständigung konnten und können wir uns auf derartige Fühler nicht ein­lassen. Das sind wir unserem Volke, sind wir dem Gedanken des Rechts, dessen Gesätz nun Deutschland In Händen trägt, sind wir auch den Tausenden schuldig, die für die Er­füllung ihrer treuen Pflicht im Rhein- und Ruhr- plan ausgewiesen, verhaftet und verurteilt sind, den Toten, die für Deutschland in einem Kampfe fielen, dessen Ehre nicht geringer ist als die des ehrenvollsten Soldatentodes.

Der Reichskanzler gedachte dann der Opfer der französischen Gewalt und mahnte, dem fran­zösischen Genie du Rhin nun einen wahren deut­schen Geist vom Rhein entgegen-usetzen, den Geist

wühlung politischen Haders bei dem entschei­denden Abwehrkampf versagt, wird in der Zukunft von der DolkSmeinung gerichtet und verfehmt sein! Heute herrschen noch mancher­orts Kurzsichtigkeit und Verblendung; später wird Klarheit und Wahrheit herrschen, und für Dolchstöße auf die heutige Kampffront wird es bei künftigen Volksabstimmungen kein Verzeihen geben.

Die Kanzlerrede ist auch in diesem Kapitel höchst aktuell. Die Zeitungen sind voll von be­unruhigenden Berichten Über Putschpläne rechtsradikaler Clemente und von Verhaftun­gen einer Reihe von deutsch-völkisch-freiheit­lichen Wortführern. Wir müssen abwarten, was die weitere Untersuchung ergibt. Mit der aufgedeckten Münchener Verschwörung, deren Schuldige, Fuchs, Machhaus und Konsorten, glücklicherweise nicht allzu ernst genommen zu werden brauchen, haben die neuen Verhaftun­gen anscheinend nichts zu tun. Ohre Frankfur­ter Sendboten, die von den französischen Mili­tärbehörden alspolitische Kinder" fort- geschickt wurden, haben das Reich gleichfalls nicht erschüttert. Aber die Rede, die der preu­ßische Minister des Onnern, Severing, am gestrigen Freitag im preußischen Landtag hielt, als er die sozialdemokratische Interpellation über die Tätigkeit der S elbstschutzver- bände beantwortete, wirst ernstere Heber- legungen auf. Er will geheime Fäden gefunden haben, die sich zwischen den verhaf­teten Personen und gewissen Führern der äußersten Rechten angeblich entspannen und nannte die Organisation Roßbach sowie die Namen Wulle, Hitler und ßubenborff. Hm welche Putschabsichten oder Gewaltpläne es sich hierbei handelte, wurde von dem sozial- demokrattschen Minister nicht gesagt. Er will das Endurleil der Zuständigkeit der Gerichte überlassen. Warten wir also weiter ab! Viel­leicht stellen sich die Zusammenhänge harm­loser heraus, als der von rechts stark befehdete Minister sie jetzt hinstellt. Herr Severing hat sich übrigens gehütet, etwa die berüchtigte Parole Wirths: Der Feind steht rechts! zu wiederholen. Er versprach, gegen jede Selbst­schutzorganisation, sei es auf der rechten oder auf der linken Seite, mit aller Energie vor- zugehen. Es ist sein gutes Recht, ja, seine Pflicht, staatsfeindliche Organisationen auözurotten, aber auch der Minister Severing wird beherzigen müssen, daß jetzt alles auf die Gesichtspunkte unseres großen Außenzieles eingestellt werden muß, damit der Feino sich nicht freut, wenn der innere Zwiespalt bei uns sich vergrößert.

der festesten innerlichen Geschlossenheit. Dieser Geist vom Rhein ist es, den wir den Kämpfern an Rhein und Ruhr schulden. Och wiederhole es hier als meine Heberzeugung und als ernste Mahnung, daß die Zukunft Parteien und Männer einst danach werten wird, wieviel sie in dieser Zeit für die Einheit und Erhaltung unseres Volkes gewirkt haben. Wie an der Ruhr und am Rhein, so ist auch jetzt in unserem Volke keine Zeit zu Hader und Zwiespalt, sondern es ist die Zeit, Anschauungsgegensähe zurückzustellen und auch im gegnerischen Parteilager die Gemein­schaft deutscher Brüder zu achten, die in einem Kampfe stehen. Lind sollte es wirllich so schwer sein, über den Kamps der Staatsform nun diesen Staat, wie er ist, nicht allein mit der Kraft der Hände zu verteidigen, sondern auch mit der Wärme des Herzens zu erfüllen, da wir sehen, wie für diesen Staat, der nun unser deutscher Staat ist, an Ruhr und Rhein die Menschen stehen, kämpfen, leiden und zu sterben bereit sind? Zeder Kampf hat seine Ehre. Auch die Ehre dieses Kampfes heißt Tapferkeit und Disziplin. Wehe dem, der die selb st gewollte einträch­tige Disziplin stört oder zerstört. Der Schaden, den er tut, die Schuld, die auf ihn fällt, ist nicht geringer als die des Versagens der Tapferkeit. Hnd ein anderes gehört dazu: Vertrauen zu den Führern, die jetzt die drückende Aufgabe haben, unser Voll zu führen. Wir sind doch eins im Ziele, im Ziele der deutschen Freiheit. Heute liegt die Bewahrung der nationalen Einheit wieder ausschließlich in der Hand des Volkes, aus dem sie erwuchs. Wir wollen sie in treuen Händen halten.

Der Reichskanzler in Stuttgart.

München, 23. März (Wolff.) Der Reichs-, kanzler fuhr heute früh in Begleitung des Reichspostministers Slingl und des Staatssekre­tärs Hamm nach Stuttgart weiter. Zur Ver­abschiedung hatten sich u. a. Ministerpräsident Knilling und der Minister des Onnern Schweyer auf dem Bahnhof einaesunden.

Stuttgart, 23. März. (WTD.) Zu Ehren des Reichskanzlers fand heute abend auf Ein­ladung ber S^aatsregierung und der Stadt Stutt­gart ein geselliges Zusammensein statt, zu dem an die Vertreter des Landtages und der Stadtverwaltung, der Ondustrie und des Handels, der Arbeiter unb Angestellten, der Landwirtschaft, des Handwerks, der Dsamtenschaft, der Presse sowie der staatlichen und kirchlich«! Behörden zahlreiche Einladungen ergangen waren. Der Staatspräsident Dr. H i e b e r bewillkommnete den Reichskanzler namens der Staatsregierung und des württembergischen Volles mit herzlichen Wor­ten. Hierauf nahm der Reichskanzler das Wort zu einer Ansprache, in der er betonte, dah er wie In Bayern so auch in Württemberg die Einstellung auf das große Ziel der Befreiung unseres Volkes und Vaterlandes von fremdem Joch gefunden habe. Das habe ihn nicht über­rascht und gebe der Reichsrcgierung neue Kraft unb Entschlossenheit, den eingeschlageuen Weg weiter zu gehen. Man müsse sich in dem unbesetz­ten Gebiet zu demselben Opfermut und derselben Btterlandsliebe bekennen, die an der Front herrsche. Der Reichskanzler erinnerte sodann an das, was geschehen ist, um abzuwenden, was sich nun an der Ruhr abspielt. Er erwähnte das Angebot zu der Konferenz in London, durch das Frankreich sofort zu Geld gekommen wäre. Ferner erwähnte er die Ankündigung eines neuen Vorschlags an die Pariser Konferenz unb das Anerbieten eines Zusammenwirkens mit der französischen Ondustrie. Die Antwort auf alle Angebote war jedoch, fuhr der Kanzler fort, nicht nur em Rein, sondern der rechtswidrige Ernbruch. Jedenfalls konnte unsererselts nicht mehr gesche­hen, um die Franzosen davon abzuhalten, als ge­schehen ist. Natürlich kann einem Volle nicht mehr zugemutet werden, als mit der Aufrechterhaltung der Souveränität unb Freiheit vereinbar ist. Der passive Widerstand ist unüberwind- 1 i ch, wenn die Voraussetzungen über seine Weiter­führung so wie heute gesichert bleiben. Wer die innere Front stört unb unbesonnen handelt, von welcher Seite es immer kommen mag, vergeht sich am Vaterlande. Der Reichskanzler sagte bann, daß htan ihn vielleicht fragen werde, ob bald ein glückliches Ende kommen werde. Die Antwort sei sehr einfach Wenn wir den bisherigen Weg ver­lassen und uns unterwerfen werden, so sei es um Deutschland, das deutsche Doll und seine Frei­heit geschehen. Em Angebot, das die Souvemäni- tät des Reiches, die Unan taftbarfeit der Lande am Rhein und an der Ruhr, die Hnabhängigkeit und Freiheit des deutschen Volkes zum Opfer bringe, werde das Kabinett nicht machen. Verhandlungen nrübten von der vorbehaltlosen Räu­mung der Ruhr ausgehen. Was uns aber von der Gegenseite entgegenftinge, sei nicht so, als ob man bald darauf rechnen könne. Der Reichs­kanzler betonte zum Schluß, daß, wenn eine Ver­ständigung zustande komme, diese niemals leicht tragbar sein werde. Mit einem begeistert auf­genommenen Hoch auf Deutschland schloß der Kanz­ler seine häufig von stürmischen Beifallskundgebun­gen unterbrochene Rede.

Ramsey Maedonald über die Vermittlungsmöglichkeil.

London, 23. März. (Wolff.) Ramsah Macdonald hielt gestern vor der Vereini­gung der ausländischen Presse eine R ede, in der er sagte, FrankreichundEng- land müßten Freunde bleiben. Die schwebenden Probleme könnten nicht durch Gewalt ober durch eine Allianz gelöst werden, sondern

ausschlleßllch durch die moralische Heberzeugung der Rationen. Dies sei der große Grundsatz, nach dessen Verwirllichung die Arbeiterpartei in der auswärtigen Politik strebe. Die Albeiterpartei bil­lige die Aktion im Ruhrgebiet nicht. Man könne sich fragen, ob Frankreich seiner Sache sicher fei. Die Regierungen könnten sich zuweilen ui e.nc Lage bringen, aus der sie sich nur schwer wieder herausfinden könnten. Der allgemeinen Wohlfahrt könne kein größerer Dienst erwiesen werden, als wenn einer solchen Regierung geholfen werde, aus den Schwierigkeiten Herauszugelwigen und den Weg neuer Verhandlungen zu eröffnen. Dies habe die Arbeiterpartei, die die offizielle Opposition im Parlament sei, bei den jüngst im Unterhaus stattgehabten Erörterungen sich ,;um Ziele gesetzt. Die Arbeiterpartei habe, wie erinner­lich, vorgeschlagen, daß die Vertreter der briti­schen, französischen, italienischen und belgischen Parlamente gemeinsam einen Ausweg aus der gegenwärtigen Schwierigkeit suchen soll­ten, die infolge des französisch-belgischen Vor­gehens im Ruhrgebiet entstanden sei. Er und einige seiner Kollegen hätten darüber vor einigen Tagen in Paris mit französischen, italienischen und bei» gischen sozialistischen Parlamentsmitgliedern ge­sprochen. Man habe dort beschlossen, eine Ab­ordnung nach Deutschland zu schicken, um die deutsche Partei zu fragen, was sie für die Repara­tionen und die Sicherheit Frankreichs zu tun ge­denke. Diese Abordnung komme heut-« inDerlinan. On der folgenden Woche würden die sozialistischen Vertreter der vier genannten Parlamente von neuem zusammenkommen, uni) bann über vollständigere Mittellungen verfügen. Wenn diese zweite Zusammenkunft zu einem Er­folge führe, sei zu hoffen, daß etwas getan oder vorgeschlagen werden könne, was den beteiligten Regierungen die Möglichkeit gebe, sich aus der schwierigen Lage herauszuhelfen.

Der li n, 23. März. DerVorwärts" be­richtet: Die sozialdemokratische ReichZtagsfraltton richtete an den Vorsitzenden des A u s w ä r -- tigen Ausschusses des Reichstages Abg. Stresemann das Ersuchen, eine Sitzung des Aus­schusses in den allernächsten Tagen stattfinden zu lassen. Zu dem Ersuchen gab dem Blatt zufolge die Münchener Rede des Reichskanzlers und die daran geknüpften Aeußerungen der Rechtspressc den Qlniafj.

Berlin, 24. März. Wie der »Vorwärts" mitteilt, tritt der Auswärtige Ausschuß des Reichstags auf das Ersuchen der sozial­demokratischen Reichstagsfraktion heute nachmit­tag 5 Hhr zusammen.

Das nichtgehörig Angebot.

Aus der amerikanischen Hearstpresse er­fährt man jetzt den Wortlaut des deutschen Angebots, das seinerzeit auf der Pariser Kon­ferenz gemacht werden sollte, von Poincars aber (im Januar) hinteririeben wurde.

Die Hauptpunkte der Vorschläge Berg­manns waren folgende:

Zahlung von 30 Milliarden Sold - mark; die Summe sollte mittels dreier inter­nationaler Anleihen aufgebracht werden. Die erste Anleihe sollte 20 Milliarden betragen, die sofort auf das Reparattonskvnto bezahlt werden sollten, damit Frankreich bares Geld erhielte. Die zweite Anleihe nach 5 Jahren sollte 5 Milliarden, die drite nach weiteren 5 Jahren ebenfalls 5 Milliarden betragen.

Die deutsche Ondustrie und die Banken sollten dem internationalen Bankenkonsvrtium die nötigen Garantten und Sicherheiten für die drei Anleihen gewähren. Drei Bedin­gungen waren daran geknüpft: Onternattvnale Handelsfreiheit für Deutschland auf der Grundlage der Gleichheit mit anderen Ratto­nen, schrittweiser Abbau der Rheinlandbeset- zung, um die ungeheuren Kosten zu vermin­dern, völliger Rückzug der Besatzungstruppen von Düsseldorf bis Ruhrort.

Der amerikanische und der britische Bot­schafter waren zu jener Zeit nichtamtlich über den Onhalt der neuen Reparationsvorschläge unterrichtet.

Verhaftungen in Mainz.

Mainz, 23. März. (Wolff.) Von der De» sahungsbehörde wurden heute nach vorhergegan­genen Hmissuch ungen verhaftet: Direktor Will vomMainzer Anzeiger", der Direktor des naturhistorischen Museums Professor Dr. S ch rn i d t g e n und Rechtsan wall S ch w ö r e r

Ma inz, 23. März. (Wolfs.) Wie das »Echo du Rhin" meldet, hat der Ober delegierte der Rheinlandkommisfion für Rhein Hessen den Auto- mobilverkehr über die Brücken von Mainz und Kostheim von 8 Hhr abends bis 5 Hhr morgen- untersagt.

Ausweisungen.

Worms. 23. März. (Wolfs.) Aus ge­wiesen wurden heute nachmittag Zollsekretär Weber und die Oberzollasslstenten Verlach Gönner und Kissel. Gestern wurden aus- gewiesen Oberzollinspektor Stefan, Zollinspek­tor Marquardt und Zollsekretär M i' s ch k a. Die Familien der Ausgewiesenen müssen inner­halb vier Tagen das besetzte Gebiet verlassen haben.

Die Kulturuation.

Berlin, 23. März. DasB. T." meldet aus Oberhausen: Der dorttge Haupt- bahnhof, der bereits zweimal von den