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Samstag, 24. Hedruar 1925

Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Zweites Blatt

M. 47

der

biS

(Nachdruck v^doten.)

«8. Fortsetzung.

der der

t Tönungen zur wirksameren Bekämpfung Preistreiberei und des Schleichhandels zu lassen. Die Ermächtigung-Vorschriften gelten zum 1. 3uni 1923.

Don der deu tschnativnaten Fraktion ist

men Lage zu bezeichnen. Auf breiter Grundlage will die Pivvinzialrerwaltung einen zielbewussten Kampf gegen die Sfrophulose und Tuberkulose führen. Mit vollem Recht vertritt sie den Stand­punkt, dah die einzelne Gemeinde allem hierzu zu schwach ist, dah mir durch das Zusammen­wirken aller der im Interesse unserer Volks-

Cs waren seltsame Nächte, die jetzt tonen, man konnte bei einem klaren Mond-- und Sternen» schein lesen. In solch Hellen Nächten war weniger »u befürchten als In den dunkeln, m : Ixe fein Licht des Himmels hineinschetttt. -Und kwch hatte der Juge de paix von Lutzerath ungeordnet vay

wo sich etwas angesponnen hatte zwischen dem dummen Jungen und ihr. Nein, sie muhte vorerst noch in der Mühle bleiben, unten brauchte «7 he und oben nicht Ei, was'gab's viel in der-Mühle zu essen! Er hatte auch in die Mahlstube hmein-- geblinzt: viele, viele Säcke mit weißem Mehl, über das hin vergnügte Mäuse Purzelbaum schossen. Auf dem Hof stolzierten Hühner tn buntem Gemenge, den Kropf voll Korn; aus dem Doch gurrten Tauben, von Linsen und Erbsen dick. Kühe standen im Stall und Schweine im Äoben. Er hatte sich alles genau angesehen, □tim muhte er mir noch von der Tochter erfechten, ob der Müller viel Bargeld im Hause hatte, und wo er es verwahrte. Änd es war wichtig zu wissen, wo die Söhne schliefen drei starke junge Kerle im Haas, der Alte stellte vielleicht auch noch seinen Mann. Wußte man das alles genau, dann war es nicht schwer, hier mit Glück etwas

Bast hatte nicht die Absicht, mit Cßüxfter zu teilen; bei dem Zusanunentreffen im

Wald war ihm der zu hochfahrend und eingebildet gewesen die Mühle blieb für ihn und ferne zwei Handlanger allein, vielleicht dah er noch den Metzger Bruttig aus Bertrich hinzunahm. Das war zwar kein Gelernter, aber einer, der damit prahlte, dah es ihm gleich war, ob erjeine Menschenkehle durchschnitt oder eine vom Halb.

Antrag ein gegangen: »Zur Unterbringung aus dem besetzten Gebiet ausgewiesenen Reichs­angehörigen sind in erster Linie die Wohn- und Geschäftsräume heranzuziehen, die von solchen Ausländern, insbesondere ÖfljuZwn, bewohnt mb

Heute war ein garstiges Wehen. Die strengste Kalte schien geftrodym, aber schlimmer als sie war der Wind, der über Lutzerach hinpfiff. Die Post war ausgeblichen. Schneelasten waren nieder­gegangen und hatten ihr den Weg versperrt. Was im Sommer so schön war, war jetzt unbeschreiblich trostlos. Kein Weg. kein Steg im verschneiten Einerlei. (Fortsetzung folgt)

überall, in jedem Hause seines Kantons, von einer Stunde vor Mitternacht an bis zum ersten Tages­sl rahl, ein Licht, und sei es noch so armselig, brannte. Es gewährte einen wunderlichen An­blick, in schneeverwehter Einsamkeit und nächtlicher Sttlle gelbe Pünktchen wie Irrlichter flimmern zu sehen. Diese toiraigen Pünktchm, die gleich durch­dringenden Blicken weit, weit in die Ferne sich behrten, beunruhigten seltsam. Denen, die bec- bräherisch schlichen, waren sie peinlich: denen aber, die unablässig die Runde machten, ein tröst-- liches Zeichen.

Adami hatte bet den Behörden durchgesetzt, dah, Einwohnerwehren bewaffnet wurden. Die deutsche Behörde war ängstlich: es sollte doch nicht sein, daß die Einwohner Waffen hatten, man fürchtete stch, die von dein Franzosen gegebene Order zu übertreten. Oh, diese hündische Furcht! Adami war bleich geworden vor Zorn: war denn Leben und Gut eines einzigen deutschen Untertanen nicht mehr wert als eine französische Order? Un­erschrocken wendete er sich an das französische Oberkommando. Er verbürgte sich mit feinem Ehrenwort, mit seiner ganzen Person mochten sie ihn gegebenenfalls verhaften und was er be» sah konfiszierendah die Waffen sich nicht gegen die französische 'Besatzung kehren würden. Der Franzose wusste diese Mannhaf tigfeit zu schätzen: noch waren keine acht Tage vergangen, als in den gefährdetsten Dörfern jeber_ Einwohner über siebzehn Jahre eine Flinte in Händen hielt. Eine Flinte, eine Flinte! Munttion war auch geliefert worden. Das war ein Geknalle!

Adami gönnte sich keinen Tag mehr Ruhe. Er lieh sich ein Pferd satteln, auf dem ritt er'm der Oeaexib umher. SS war nötig, die Leute zu

gesundheit dringend wünschenswerte volle und an­haltende Erfolg dieses Kampfes erzielt werden ' kann. Dah an der energischen Bekämpfung der Tuberkulose alle Gemeinden, Stadt und 2ant>, wirklich in gleich hohem Mähe interessiert sind, ; mögen einige Zahlen beweisen: sie berichten zwar über Preußen, die Ziffern unserer engeren Heimat sind uns im Augenblick nicht greifbar, ihre Lehren sind aber im großen und ganzen auch für Oberhessen mahgebend und müssen das Gosch des Handelns diktieren. Im Staate P r e u h e n starben 1913 von je 10 000 Menschen an Tuber­kulose tn den Städten 15,81, auf dem Lande 11,65, im Jahre 1919 in den Städten 21,16, auf dem Lande 16,84. Die Gesamtzahl der Tuberkulose- slerbefäUe betrug 1913: Städte 31653, Land 25 208; 1919: Städte 51 965, Land 34 031; 1920: Städte 35 315, Land 24 275; 1921: Stadt und Land zusammen 52 098; im ersten Halbjahr des Jahres 1922 aber schon wieder 30 273. Bei diesen Ziffern ist zu beachten, dah der preußische Staat von 1919 erheblich kleiner ist als der von 1913, dah mithin die erschreckende Tuber­kulosesterblichkeit in einem verringerten Staats­gebiet eintrat. Im Regierungsbezirk Kas° e l slaxben an Tuberkulose von je 10 000 Menschen 1913 in den Städten 14,35, aus dem Lande 11,88: 1919: Städte 23,24, Land 13,68. Die Gesamtzahl der Tuberkulofetvdesfälle betrug 1913: Städte 589, Land 749; 1919: Städte 934, Land 878; 1920: Städte 694, Land 777; 1921: Städte und Land zusammen 1196; im ersten Halbjahr 1922 aber bereits 692. Im Regierungsbezirk Wiesbaden starben an Tuberkulose von je 10 000 Menschen 1913 in den Städten 14,57, auf dem Lande 14,99; 1919: Städte 27,94, Land 19,33. Die Gesamtzahl der Tuberkulosetodesfälle betrug 1913: Städte 1149, Land 788; 1919: Städte 2009, Land 987: 1920: Städte 1440, Land 841; 1921: Städte und Land zusammen 1862; 1922 aber im ersten Halbjahr schon wieder 1105. Die Sen­kung in dem Ziffernbild von 1920 gegenüber 1919 ist wohl darauf zuruchzuführen, dah in jener Zeit die Lebenshaltung infolge b.Iligerer Kaufmoglich- teiten sich etwas besserte. Seit dieser Zeit ist aber eine so ungeheuerliche Verteuerung aller Lebens­rnittel eingetreten, dah die Kaufkraft der breiten Devölkerungsschichten damit immer weniger Schritt halten kann. Die hievaus entstehende Unterernäh­rung ergreift immer weitere Dolksmasten und hat natürlich ein starkes Anwachsen der Tuberkulose zur Folge. Mit grober Besorgnis sieht man na­mentlich auch in den Kreisen der Aerzte der dro­henden schweren Gefahr für die Gesundheit unseres Dolles entgegen. Sin Arzt schreibt uns auf unsere Anfrage nach seiner Meinung in dieser Angelegen­heit u. a.:Die durch die enorme Geldentwertung bedingte Erschverung der Ernährungslage, beson­ders die Schwierigkeit der Beschaffung von Fett für die Minderbemittelten, hat eine Zunahme der Unterernährung zur Folge, wodurch die Leistungs­fähigkeit und Widerstandskraft des Körpers gegen (Srhxm Fungen aller Art, vor allem auch Srtäl- tungskrcmcheiten, herabgesetzt wird. Ss ist zu be­fürchten, dah die Folgen dieser Verhältnisse bald in erhöhtem Matze bei den Kirchern und der Heran­wachsenden Jugend sich zeigen werden. Leider geht schon jetzt aus den neuesten statistischen Berichten hervor, dah die Tuberkulose seit dem letzten Jahr wieder im Steigen begriffen ist; so ist die Zahl der tn Preuhen bis zum 1. Oktober 1922. also in den ersten drei Vierteln vorigen Jahres eingetretenen Todesfälle an Tuberkulose höher als die Gesamt­summe der Todesfälle an dieser verheerenden Krankheit im ganzen Jahre 1921. Besonders be­denklich erscheint die gesundhettliche Zukunft un­seres Nachwuchses; der Mangel an Milch für die Kleinkinder führt zu bedrohlichen Erscheinungen, und über die Zunahme von Skrophulose. Drüsen­anschwellungen und Rachitis wird aus allen Tei­len des Reiches bereits berichtet. Die Folgen der Einschränkung oder gor des völligen Nlangels der Milchnahrung werden und müssen für die Kinder geradezu vernichtend wirken, da es im Kindesalter fetne Ersatznahrung für dieses für die Entwicklung beg kindlichen Körpers unentbehrliche Nahrungs­mittel gibt Besonders gefahrdrohend wird dieser ernste llmftaiw noch dadurch, dah unter unseren Schulkindern sich eine grvhe Menge befindet, die schon einmal während des Krieges unter den Fol­gen der Hungerblockade gelitten haben." Diese ernste Bettachtung eines Arztes und die oben- stehenden eindrucksvollen Ziffern werden alle Per­sonen, die verantwortlich an der Spitze eines Ge­meinwesens zu wirken berufen sind, beherzigen und bei ihrer Entscheidung richtunggebend sein

| lasten müssen. Gewiß wäre es wohl das beste

benutzt toerben, die feit dem 1. Februar 1919 au« dem Osten tn das Reichsgebiet eingewandert sind."

Abg. Krätzig (S.) sieht in der Vorlage keine wirksame Maßnahme gegen die Not. Durch­greifende QHafrnafxmen seien nötig, vor allem auf böm Gebiet der Steuerpolitik unb durch Erfassung der Sachwerte. Die Hauptschuld bei der Preis­treiberei liege bei den Produzenten, den Land­wirten. Auf die moralische Beeinflussung der landwirtschaftlichen Spitzen verbände dürfe man sich nicht Oerlafen. ®me Regierung, die nicht für eine ausreichende Volksernährung zu angemefle- neu Preisen sorge, zerstöre die Widerstandskraft des Volkes. So sei es nicht zu erklären, dah die Regierung die Genehmigung zur Ausfuhr von 10 Prozent unseres wertvollen Viehes erteilt habe und noch dazu an dasjenige Ausland, das man im Augenblick als feindlich bezeichnen könnte. Wenn Viehhändler den Vvehhvf in Berlin wegen der Preiskontrolle boykottieren, mühte diesen Leuten rücksichtslos die Handelserfaubnis entzogen wer­den Gr beantrage deshalb das Verbot der 2Iufr ttoneii lebenswichtiger Waren. Mrt der an sich nötigen Bekämpfung der Schlemmerlokale und Den erhöhten Strafen für Wucher werde der Not des Volkes nicht gesteuert, solange nicht die Stabili­sierung der Mark durchgeführt werde. Aber nmn wolle merkwürdigerweise dem größten Spitzbubm unb Preistreiber, dem Devisenspekulanten, nicht zuleibe gehen. Wir stimmen der QJorlage zu, wol- Unter öemMheitrbtMM.

Roman von Clara Liebig.

Wohnungsfrage handelt, will man fein Augenmerk auch auf die Schaffung gefunber Wohnmöglichkeit richten, denn eine Luberkulche-- heilung würde wohl nicht von Dauer fein, wenn der Patient nach seiner Wiederherstellung in un­gesunden Wohnräumen Hausen mühte Es ist be- grühenswert, dah die Provinzialverwaltung auch diese Seite des Problems von vomherein mit ins Auge gefaßt hat.

Bettachtet man da« Unternehmen vom Wirt­schaftsstandpunkt der Gemeinden aus. so ist auch hier nicht zu verkennen, dah die Gemeinden, und zwar alle miteinander, Stadt und Land, ein eigenes Interesse an der Bekämpfung ber Tuberkulose, an der Vermeidung einer verbreiteten Kindersterblichkeit, an der Schaffung gesunden Wohnraums, kurzum, an allen Fragen dec Dollö- gesundheit haben Nicht nur in der Stadt gibt es tn dieser Hinsicht sehr viel Elend, sondern auch in den Landgemeinden ist die Not groh. Nicht jedes Kind, bas braufoen mit roten Pausbacken herum- springt, ist gesund; gar manches, bas man lediglich auf Grund des blühenden Aussehens für gesund hält, ist schon leidend. Geht man nun zur Prüfung der finanziellen Seite der Frage über, so ist ja nicht zu beftreiten, dah den ohnehin schwer be­lasteten Gemeinden hier eine ziffernmähig nicht unbeträchtliche Beitragszahlung zur Gemeinwirt- schäft zugemutet wird. Jedoch ist zu beachten, dah dieses Geld nur als einmaliges Darlehen ge­geben wird und dah es Zinsen einbringt, bah es in Yen meisten Fällen nicht aus ben laufenden Einnahmen genommen werden soll, sondern b< i ben waldbesitzenden Gemeinden aus dem Erlitt für einen Extra-Holzeinschlag, der nur für diesen Zweck genehmigt wird, sonst aber nicht gestattet würde, und bei den waldlosen Gemeinden aus einer Sonderbeisteuer, über deren Act in Der Vorlage der Provinzialverwaltung zwar nichts Näheres gesagt ist, von der man aber wohl an­nehmen darf, dah sie nicht allzu drückend gehalten sein wird. Ein weiterer Einwand, der virlieicht erhoben werden konnte, wäre der, dah man Geld­werte der Zukunft heute schon für diesen Zweck mobilisieren soll. Da wäre aber die Frage am Platze: Ist es denn ein Anrecht. diese Geldwerte der Zukunft heute mobil zu machen zum Nutzen der Zukunft, zum gesundheitlichen Vorteil der künftigen Generation? Diese Frage muh doch Wohl jeder verneinen, ülebrigens muh man sich in den Gemeinden, die heute noch Wald besitzen, vor Augen halten, welchen Wert der Wald früher gehabt hat. Diese Gemeinden, die infolge der höhen Holzpreise jetzt vielfach Im Gelbe schw.mmen, sind früher nichts weniger als glücklich in ihren Finanzverhältnissen gewesen. Jetzt haben diese Gemeinden von der Entwertung deS Geldes Nutzen. Sie sind daher auch moralisch verpflichtet, den anderen Gemeinden, die weniger glücklich dran sind, helfend beizustehen. Auf das moralische Sichverpflichtetsühlen ber gutgestellten Gemeinden bauend, hat man wohl mit gutem Grund davon abgesehen, einen Zwang zum Deittitt au^nüben. In sehr richtiger Weise hat man sich an den Grundsatz der Freiwilligkeit, cm die er­neute Bewährung des gesunden Gemeinsinns ge­halten. Dom eigenwirtschastlichLN Standpunkt aus wird sich also jede Gemeinde, auch die finanziell am übelsten gestellte, sagen müssen, dah ihr der. Beitritt zu diesem großzügigen Gemeinschafts­werk immerhin verhältnismähig leicht ge­macht wird, und dah es sich dabei um ein Werk handelt, dessen Kräfte auch in irgendeiner Form der eigenen Gemeinde zu­gute kommen werden. Die Gemeinwirtschaft Obere Hessen soll ja, wie schon gesagt, nicht nur eine soziale Aufgabe erfüllen, sondern sie hat auch die Bestimmung, mit ihren Geldmitteln die ihr ange­schlossenen Gemeinden zu unterstützen bei den Aufgaben, die diese im Interesse ihrer Ein- wohner auf wirtschaftlichem Gebiete zu erfüllen haben, ilnb diese Art der Betätigung dürfte wohl auch nicht in letzter Reihe zu suchen sein. Die Gelder werden ja übrigens auch nicht etwa für einen großen Derwaltungsappacat in starkem Ausmaß beansprucht werden; nach der Dcrlage der Provinzialverwaltung soll vielmehr die Vec- waltungstätigkeit der Gemeinwirtschast bei der Provinzialdirektion selbst mit erledigt winden.

Mittel, wenn man vorbeugend gegen die Erkran­kungen wirken würde. Aber das kann leider nicht ausschlaggebend und überall ermöglicht werden, denn dazu sind die Fälle der Hilfsbedürftigleit viel zu groß und die verfügbaren Geldmittel lei­der viel zu nein, üllan wird sich notgedmngen zu­nächst darauf beschränken müssen, die Möglichkeit zur Heilung zu schaffen, und da hierzu das ein­zelne Gemeinwesen finanziell nicht leistungsfähig genug ist, bleibt, wenn unser Volk, unsere Kinder nicht dezimiert werden sollen, nur der Weg einer gemeinschas tl ichen Heilu ngsbef chaf- f u n g übrig. Diese Vlöglichkett will die Gemein- wirtschast Oberhesten schaffen. In der richtigen Erkenntnis, daß es sich hier aber auch um eine

Deutscher Reichstag.

306. Sitzung, 2 Uhr.

Der! in. 23. Februar 1923.

Die zweite Beratung deS Reichswehr­etats wird fortgesetzt.

Abg Frölich (Äotrun.) sieht in der offiziö­sen Mitteilung zur Angelegenheit der .Roten Fahne" ben Beweis dafür, daß zwischen dem Reichswehrministerium und den illegalen Schuh­verbänden Derttäge unb Vereinbarungen beste­hen. die erst zum 31. März d I. gekündigt seien. Dachgewiesen sei, daß hohe Offiziere der Reichs- I wehr für die Bewaffnung der Orgesch-Verbände I gewirkt hätten Verwalter solcher Orgesch-Waffen- fciger seien ofstttell bei der Aufdeckung entdeckt worden. Vielfach seien sie rechtzettig gewarnt und zum Teil von ber Reichswehr direkt geschützt worden. General von Sveckt trete Gesetz und Recht mit Füßen. So werde die Reichswehr der Repu­blik zu einer Zuchtanstall für monarchistische Ver­schwörer. Herr Severing habe die Oberpräsidenten zur Vorbereitung einer Art Mobilmachung auf­gefordert. WaS hat man mit dem bayer. Minister- piäsidenten verhandelt? Zeitfreiwillige Truppen reisen jetzt im Lande umher mit Ausweisen hoher Beamten der politischen Polizei unb mit Unter- stützung der Reichswehr Das ist nicht der Weg | zur Abwehr des französischen Militarismus. Das ist der Weg zum Bürgerkrieg. Redner beantragt Annahme einer Entschließung, welche die Entfer­nung des Generals Sseckt aus der Reichswehr und seine Stellung dot «einen neuen Staatsgerichts- Hof verlangt.

Aus Ansuchen des Präsidenten wird die Weiterberatung des Reichswehretats unter­brochen, um erst das Notgesetz zu erledigen.

Der Ausschuß, über dessen Verhandlungen Abg. Dr. B e l l (Z.) berichtet, hat die Bestimmun­gen der Drrlage, welch- Beschränkungen für das Gastwirtsgewerbe enthält, auch auf Klub» und andere geschlossene Gesellschaften ausgedehnt. Dranntoxin darf nicht an Personen unter 18 Jahren verabfolgt werden, ebensowenig Nikotin» haltige Tabakwaren. Mit Gefängnis bis zu zwei Jahren und Geldstrafen bis zu 100 000 Mark wird bestraft, wer in selbstverschuldetem Rausch straf­bare Handlungen begeht. Die Veröffentlichungen bctreffenb Verurteilungen wegen Preistreiberei sollen durch Anschlag an deutlich sichtbarer Stelle erfolgen. Die Mindeststvafe für schwere Fälle von Schleichhandel und Wucher wird von 20 000 auf 100 000 Mark erhöht. Durch Beschlagnahme fteigowordene Räunte verbotener Schanklokale usw. feiten den aus dem besetzten Gebiet 01.18- gewiesenen zugeteilt werden. Das allgemeine Er­mächtigungsgesetz ist beschränkt auf Vorschriften zur Abwehr fremder Einwirkungen auf bie deutsche Gerichtsbarkeit oder auf die deutschen Finanzen zur Fürsorge für Sozialrentner, Kleinrentner und andere notleidende Personen unb Anstalten. Weiter wirb die Regierung ermächtigt, neue Der-

Das Madchm war erschrocken: der Vater? W<^ wollte der hier? Der wollte sie doch nicht holen f!

Hans Bast mußte eine Lüge erfinnen, und das wurde ihm ja nicht schwer: drei Wochen schon war seine Tochter nicht mehr oben bei ihm gewesen, er sehnte sich riach ihr. ,

Maria war gerührt. Ste schämte sich daß der Anblick des Vaters ihr Schrecken eingefagt hatte. Eie wurde rot. Jetzt sah man erst, wie schon dies bräunliche Gesicht war. die Waagen waren weich gerundet, die Augen leuchteten b ank von Glanz. ^Muß ich beim?" fragte sie und zaghaftz

Neto nein, sie konnte noch bleiben. Man sah es ihr ja an, wie gut es shr ging. Hier gab es wohl noch viel zu elfen? .....

Hatte der Vater Hunger? Sie rannte ins Haus und kam nach kurzer Wette toebö, em (rito duftendes Brot unterm Arm. in ber Schurze Wurst und Käse unb ein

Das hatte die Müllerin ihr f^r den

Vater; sie drängte es ihm auf. Aber lud ihn picht ein, ins Haus zu treten. Sie war froh, als er wieder ging. Früher wäre das fcretoelen, aber jetzt -?! Frnster zog jie dte Stirn Zusammen: die Gestalt des Vater» stand chr Lon übergenug hier in alten ©cteit ®Afam Bein kAnnenschcin auf ihr Gesicht den ganzen Tag

H^ns Bast fühlte es, daß die Tochter sich von lhm wandte. Sollte er ste zu sich zwingen? Et brauchte ihr nur zu befehlen, wieder nach Haus yt kommen, sie nicht mehr dort hinunter zu lassen,

len aber unser Doll nicht tn den Glauben versehen, als könne ihm dadurch geholfen werden, ©teilen Sie unser Volk auf keine zu harte Geduldsprobe. Sie spielen mit Sein oder Nichtsein Deutschlands.

Abg. Bruhn (Dtnl.) ftimmt den verschärften Bestimmungen gegen ben Wucher zu, warnt aber davor, jede wirtschaftlich gebotene große Preis­steigerung ohne weiteres als Wucher zu be­zeichnen. Kartoffeln z. B. seien nur um das Acht­fache gestiegen, während der Dollar um das Fünf­zehnfache gestiegen sei. Die Eisenbahn müffe den Anfang mit dem Preisabbau machen. Redner begründet bann den beutschnationaten Antrag und bezeichnet die Ostjuden als eine Gefahr für Deutschland.

Aba. Dr. Bell (3fr.) verweist auf die groben Auswüchse des SchanMättengewerbes auch in den Mittel- unb Kleinstädten unb bedauert, daß die Rechtspflege von ben strengen Straf» beftimmungen gegen Wucher und Preistreiberei xu wenig Gebrauch mache. Die Bekämpfung der Preistreiberei dürfe sich aber nicht auf die Klein­händler beschränken, sondern müsse die ülrhebm freffen. Der deutschnationale Antrag sei nach Form und Inhalt unannehmbar.

Ein Antrag Groth fuß (Dem.) enthalt die gleichen Forderungen wie der deutschnationale Anttag, will sie aber gegen alte Ausländer an- gewendet sehen.

Ein Antrag 6 tref emann (D. Vp ) bringt die gleiche Forderung in Form einer Entschließung.

Minister O e s e r lehnt den Anfrag Bruhn als zu weitgehend und zr einseitig ab and bittet, die Angelegenheit der Regierung in Form der Sfresemannschen Entschließung zu überlassen. Die Regierung werde sich übrigens tn dieser Frage nicht von dem Boden des Rechts entfernen und da nicht eingreifen, wo eine einwandfreie Rechts­lage vorliege. Wo keine rechtsmäßigen Verträge vor liegen, werden die Interessen des deutschen Volkes und vor allem die der Ausgewiesenen

! dem Anspruch der Ausländer vorgehen.

Qlbg. Leutheuser (D.Vp.) stimmt den Ausschußbeschlüssen zu.

Sodann wird die Entschließung Stresemann an genommen, ebenso die Restvorlage nach den Ausschlußbeschlüssen. Eine Gntschltehung der Kommunisten auf Erfassung der Sachwerte wttd dem Ausschuß überwiesen.

Dienstag 2 älhr Weiterberatung des Reichs- wehretatS. S«chluß 7 Ubr.

Die Gemeinwirtschast Oberhessen.

Dor wenigen Tagen ist ein Plan der Pro­vinzialverwaltung zur öffentlichen Kennwis ge­kommen, der die Lösung einer brennenden Gegen- warts- und auhervrdmtlich wichtigen Zukunfts­aufgabe in grofeügiger Art erstrebt. Es handett sich um die Gemeinwirtschaft Ober- Hessen, deren Zwecke und Grundsätze imGieß. Anzeiger" Nr. 35 vom 10. Februar ausführlich mit geteilt wurden.

Drei Ausgaben sind eS, die auf dem Wege der freiwilligen Zusammenarbeit der oberhessischen Selbstverwaltungskörper (Stadtqemeinden. Land­gemeinden, Kreis« und Provinz) zur Lösung ge­bracht werden sollen: 1. Die Mittel für die ein­heitliche Bekämpfung der Skrvphu- lose und Tuberkulose bei Kindern zur Verfügung zu stellen, 2. den Selb st Verwal­tungskörpern der Provinz Q5e t r i e be­im 11 e l auf kurze Frist bereitzuhalten, und 3. den Selbstverwaltungskörpern der Provinz Dar­lehen in erster Linie für werbende An­lagen und, soweit noch Mittel vorhanden, für Wohnungsbauten zu gewähren

Für die Finanzierung des gemeinwirtschaft­lichen Unternehmens sind zwei Wege in Aussicht genommen. Die waldbesihenden Städte und Land­gemeinden sollen in den Rechnungsjahren 1922 und 1923 je ein Zwölftel aus den Erträgen ihrer Waldungen, die Städte und Gemeinden ohne Wald einen entsprechenden Betrag aus anderen Mitteln an die Kasse der Gemeinwirtschaft ab- führen. Diese Gelder sollen als Darlehen gegeben und verzinst werden. Man hofit, auf diese Weise ein Kapital zu erlangen, dessen wirtschaftliche Ausnutzung so hohe Erträge abwerfen kann, daß etwa 1000 kranke ober hessische Kinder jahraus, jahrein in Fürsorge genommen werden können. Die wirtschaftliche Ausnutzung des Kapitals soll vor allem in der Hergabe von Darlehen an die Gemeinden zur Durchführung tnerbemer An­lagen usw. bestehen, wobei ein entsprechender Zinssatz für die Gememwirtschastskasse heraus- springen soll.

Prüft man den Plan der Provinzialverwal­tung vom Etandpuntte der Voltsgesundheitsfür- svrge, vom Jnteressengesichtspunkt der breite­sten Allgemeinheit aus, so ist das Dor- Haben als ein glücklicher Ausweg aus einer schlim-

untertoetfen. In jedem Ort wurden Hauptlette ernannt, die die Wehren befehligten, für Mannes­zucht sorgten und auch dafür, daß die kostbare Munttion nicht unnütz verknallt wurde.

So hatte es nur eines einzigen starken Willens beburft, um eine Organisation, die wenig­stens doch einigermaßen Schuh und Sicherheit versprach erstehen zu lasten. Adami wurde oft­mals gewarnt wenn ihn ein Schuß aus dem Hinterhalt träfe?! Er ritt meistens allein.

,Mich kann ein Schuh treffen, sagte er ernst, aber ich glaube es nicht. Leute wie ich werden alt, denn sie werden gebraucht." Er fühlte tief innen, ganz ohne Eitelkeit, die LleberzeuFung von der Motwendigkeit feines Daseins, ilnb dieses Gefühl gab ihm den Mut, den er zeigte, unb die nötige Ausdauer.

Schon mehr als einmal war es dem Richter gewesen, als habe man es auf ihn abgesehen. Männer, die ihm begegneten, im Kittel des Dauern, sahen ihn oft so eigentümlich an, dah es ihn umerlto zwang, sich dann rasch und un­versehens nach ihnen umzuwenden. Sie waren darin jedesmal im Gebüsch am Wege verschwun^ den, oder er sah hinter einem dicken Baum noch gerade einen Streifen ihres Kittels. Zuweilen fiel auch ein Schuß. Liber er ritt unbekümmert Wetter.

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