Am 14. Juni betrug der Lohn in
148000 (Woche)
5100
4700
Bauhandwerker Metallarbeiter
4550
4300
Wetzlar 4000 4868
Giehen 3415 4576 3200 4550 4300
Gegensatz zu Darmstadt unb vieler anderer deutscher Städte billig sei.
Was waren nun die Ursachen, die mich zu dieser Feststellung veranlaßten? (Einmal versuchen die am Orte bestehenden Arbeitgeberverbände das Lohnniveau bedeutend hinter das Darmstädter zurückzudrängen. Wie sieht es beim mit den Lohnen in Darmstadt und Giehen aus. Aur ein einziger Tag sei als Stichtag angeführt.
Darmstadt für städt. Handwerker 4225
„ Schreiner 5112
„ Arbeiter d. chem. 3nb. 3940
verwiesen wurde.
Die verschiedenen Löhne smd Natürlich den Reichsstellen auS den statistischen Berichten sehr genau bekannt. Wenn bann noch fortgesetzt Versuche gemacht werden, die Gießener Lohne noch weiter heradzudrücken, insbesondere auch vor unparteiischen Aegierungsvertreiern, wie eS In den vergangenen Wochen gelegentlich von Beratungen der Gießener Metallindustrie vor Herrn Geh. Reg- Rat Dr. Dtetrlch> als die Gießener Metall- igdustriellen die Schlechterstellung der Gießener Metallarbeiter gegenüber den Wetzlarer Metallarbeitern erstrebten, geschehen ist, wenn bei den Verhandlungen vor 2 Monaten im Retchsarbetts- ministettum von dem Arbeitgeberverband für das Baugewerbe (Herr Stadtverordneter B e ck e r wird da sicher sehr gut tin Bilde sein) versucht wurde, den Unterschied von 11 Prozent zwischen den Bauarbeitern von Darmstadt noch weiter zu erhöhen, wenn es möglich tft, daß die Bauarbeiter Gießen- in ihrer Entlohnung noch 5 Prozent hinter denen von Butzbach zurücksleben müssen, und dies alles damit begründet wird, daß Gießen m seinen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht zum Frcmlsur- ter Ähem°Mainwirtschaftsgebiet, sondern zum Kasseler Wirtschaftsgebiet gehöre, bann soll sich nur derjenige wundern, der die Kenntnis der Reichsstellen in diesen Dingen unterschätzt.
Wundert sich jemand über die schlechte De- handlung der Gießener gesamten Beamten, wenn der Holzarbeiter lohn in Wetzlar pro Stunde um 290 Mk. über dem Gießener liegt, daß die Re- gierungsstelt'en darauf achten?
Wenn es möglich war, daß ein Syndikus des Gießener Arbeitgeberverbandes für die ^abat- industrie gelegentlich pon Verhcurdlungen bor dem Schlichtungsausschuß in Berlin erklärte, die in der Gießener Industrie beschäftigten Arbeiterin neu könnten Nüch Butter m Hülle und Fülle verzehren, dann mpß hier ja Milch und Honig fließen.
GS sei in diesem Zusammenhänge noch einmal daran erinnert, daß in einer Aprilnummer von diesem Jahre rn der in Berlin erscheinenden „D e u t ss ch en A rb ei t g e be rz e i t u n g" ausgerechnet die Billigkeit Gießens itt einem Artikel besonders betont wurde!
II -l»,«m 1 mil! INIII l,.l> - I»------.1 MH.I-
„ Transportarbeiter 209950
Diese Beispiele mögen genügen.
Aber das Wichtigste ist, daß diese Lohnhöhen bei der Festsetzung der Zuschläge für die Beamten eine große Rolle spielen. Ss sei hier nur noch einmal daran erinnert, daß seinerzeit in dem ReichStagsausschuß bei der Eingruppierung der Städte in die einzelnen Klassen gelegentlich der Einstufung Gießens vom Regierungsvertreter auf das Lohnniveail (insbesondere der Buchdrucker)
MchöFev^richt.
Gießen, 19. Juni 1923.
®cr mehrfach vorbestrafter Fuhrmann auS Wreseck, der zur Zeit in Freiendiez Strafe ver- Düßt, unterhielt, obwohl er verheiratet war und tfeine Frau im Wochenbett lag, mit einem Dienst- imädchen aus Marburg und einem solchen aus Gießen ein Liebesverhältnis und benutzte diese Gelegenheit, um den Dienstherrschaften der Mädchen Mäntel, Schuhe, Schals, Handschuhe u. dgl. zu stehlen. Gr erhielt eine Gesamtgefängnis- [träfe von 2 Jahren.
Eine jetzt in Frankfurt ä. M. wohnende Frau wurde von ihrem Ehemann, von dem sie fetzt geschieden ist, des Diebstahls mehrerer Wäschelegen stände, die einem bei ihr wohnenden Mädchen abhanden gekommen waren, bezichtigt. Da lediglich die Aussage ihres unbeeidigt gebliebenen Ehemannes gegen sie vorlag, wurde sie mangels Beweises freigesprochen.
Zwei Arbeiter von hier haben im Rovember gemeinschaftlich eine stehende dürre Eiche von 16 Zentimeter Durchmesser und eine stehende grüne Birke von 12 Zentimeter Durchmesser mittels Beils aus dem Schiffenberger Wald entwendet. Der eine von ihnen, der auch einen halben Zentner Kohlen, den er später verkaufte, gestohlen hat und sich im strafrechtlichen Rückfall befindet, erhielt eine Gesamtgefängnis- strafe von 3 Monaten 1 Woche, während der andere an Stelle der an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 3 Tagen eine Geldstrafe von 6000 Mk. erhielt.
Wegen Diebstahls einer Brieftasche mit 90 000 Mark Inhalt zum Nachteil eines Kameraden wird ein Soldat vom hiesigen Regiment zu 6 Wochen Mittelarrest verurteilt.
Ein mehrfach vorbestrafter Former von hier lst 'm an Blockhaus im Schiffenberger Wald an» gebrochen und hat dort eine Reihe Gegenstände entwendet. Auch war er im Besitz zwaer Gewehre nebst Munition, die er hätte abliefern müssen. Er erhält eine Gesamtgefängnis- strafevvn2 Jahren 1 Woche, die Gewehre nebst Munition werden eingezogen.
Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhessen.
Zweite Sitzung vom 21. Juni 1923.
In der Lohnstreitigkeit in der Metallindustrie im Bereich des Arbeiigeberverbtin- des für Lahngau und Oberhessen erging folgender Schiedsspruchs
1. Die Lohnforderung für die Woche vom 17. bis 23. Juni wird in Höhe von 5700 Mk. Spitzen!ohn anertantnt Die Entscheidung über die Zubilligung eines Akkordausgleiches wird davon abhängig gemacht, daß die zu einer Beurteilung notwendigen älnterlagen beigebracht werden.
2 Die Entscheidung über den Antrag auf Aenderung der Lohnslaffel wird vorläufig ausgesetzt, damit der Arbeitgeberverband die Möglichkeit hat, den heute voogelegten Vorschlag be5 Deutschen MetallarbLiterverbandes zu prüfen.
3. Die tarisliche Festlegung der Lehrlings- entfchädigung wird als unzulässig abgelehnt.
4. Di« Festsetzung der Akkorbpreise erfolgt nach der Leistung eines Arbeitnehmers durchschnittlicher Leistungsfähigkeit unter normalen Arbeitsbedingungen in der Weise, daß er bei durch- schniNiicher Arbeitsleistung mindestens 15 Proz.
über den für ihn gültigen Tariflohn verdient. Für Giehen tritt diese Vereinbarung erst nach Ablauf des bisherigen Abkommens in Kraft.
5. Der Spitzens >hn der Wetzlarer optischen und mechanischen Industrie wird auf 6380 Mark ÄeMMyi. D e übrigen LoJne erhöhen sich nach 'demselben Schlüssel.
6. Die Arbeiterinnen erhalten 75 Prozent der Löhne ihrer Arbeitergruppe und Altersklasse.
7. Die Sozialzulagen erhöhen sich um 30 Proz.
8. Im Ergebnis sind 5 Riark und mehr nach oben, weniger als 5 Mark nach unten abzurunden.
Die Streitteile erhielten Frist zur Erklärung über Annahme ober Ablehnung des Schiedsspruches bis zuM 23. Juni, nachmittags 1 älhr.
SihuNg vom 22. Juni 1 923.
In der Streitigkeit des Deutschen Holz- arbeiterverbanbes, bes ZeNträlverbandes der Zimmerer unb des Arbeitgeberverbandes für Lahngau und Oberhessen über die Entlohnung der Sägewerksarbeiter erging folgender Schiedsspruch: Der Stündenlohn der Arbeiter über 25 Jahren der Gruppe A beträgt in der 3. Ortsklasse vom 7. Juni art 2800 Mk., vom 14. Juni an 3800 und vöM 21. bis 27. Juni 4800 Mart. Die übrigen Löhne sind in demselben Verhältnis zu'erhöhen. Sollte eine wefentltchie Der- schärfung der Teuerung eintreten, so kann für die Zeit vom 21. Juni an über eine Revision der Löhne verhandelt werden.
Die Vereinigten Fuhrwerksbesiher von Gießen soNetz vom 15. Juni an den Fuhrleuten 260 312 Mk. WochenlöhN zahlen.
Die Firma Klön ne soll in ihrem Quarzit b r u ch bei Homberg a. b. Ohm drei Arbeiter weiterbeschäftigen, denen sie geliinbigt hatte, ohne zuerst Ärbsitsstreckung zu versuchen.
Zu biesen drei Schiedssprüchen erhrelten die Streitteile Erklärungsfrist.
(kittgesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber kepiepldi Verantwortung.) Arbeitgeberverband und Stadtverordneter
Mann.
ZUm Eingesandt des Arbritgeherverbai^es trt unserer Ar. 141 Seht uns von dem Dladtv.Ma rtrt die nachstehende Zuschrift mit der Ditte um Aufnahme zu:
„Nachdem ich es abgelehrtt hatte, mich lm Dunkel eines Schriftwechsels mit dem Arbeitgeberverband über meine Ausführungen im vtadt- verordnetenkollegium zu rechtseriig-^r und den Arbeitgeberverband ersucht», sich öffentlich an Mich zu wenden, damit auch in der Oesfentlichkeit einmal Gelegenheit gegeben ist, die Ursachen, die zu der ganz bedeutenden Schlecht Herstellung der G.e- ßener Reichs-, Staats- und städtischen Beamten gegenüber Darmstadt führten, klaiJulegen, kam endlich die langersehnte Rotiz im „Gießener- Anzeiger" vom letzten Dienstag.
In elr.er SiadtverordnetentsersaMmlung wurde einstimmig eine Entschließung anäenOlnMdn, worin gegen chie Schl?chterstellung Culspruch erhoben wurde. Bei dieser Geleg-eNheit habe ich darauf hingewiese.'. daß sich die 'Beamten aller Gehalts- gruppeit nicht zu wundern brauchen, denn die von Seiteri der Arbeitgeber organisationcn befolgte Politik Müsse ja bei den Regierungsstellen in Berlin die Meinung aufkoMMcn lassen, daß Giehen im
Wer die TerfrmMungcn vor dem hiesigen SchlichtungSausschuß nur einigermaßen kennt und mit anbören muß, daß von den Syndici des Gießener A G. D. die unverschämt hohen Löhne bet Reichs- bzw. Frankfurter Bezirkstarisverträge als ein Pin-Heil bezeichnet werden, der wird sich nicht wundern, daß bei den Regierungsstellen in Berlin alle Versuche der Gießener Stadtveiwaltung und der hessischen Staatsregierung zur Erfolglosigkeit verurteilt sind. Men, in der Stadtverordneten* Versammlung an die anwesenden Mitglieder der Arbeitgeberverbände, die ja der Entschließung gegen die schlechte Behandlung zugestimmt hatten, gerichtetes Ersuchen, bei ihren Arbeitgeberverbänden für eine andere, den Gießener Teuerungs- Verhältnissen mehr als seither Rechnung tragende Lohnpolitik einzutreten, war sicher berechtigt.
Auch an dieser Stelle sei wiederholt: Ihr Gießener Beamten «werdet erst dann auf eine stärkere Berücksichtigung der Gießener Teuerungsverhältnisse rechnen föwien, wenn die seither von den Arbeitgeberverbänden getriebene Lohnpolitik eine Besserung erfährt. Dann werden die Re° gierungsveriretern bei den DeamtenbesoldunaS- fragen nicht mehr auf das tiefe Gießener Lohn- niveäu Hinweisen können I
Albin Mann."
Kirchliche Nachrichlett.
Evangelische Gemeinden.
Gießen. Sonntag, 24. Juni (4. n.Trinitatis).Stadt- kirche. 8 älhr, zugleich Christenlehre für die Reu- konfirmierten a. d. Markusgem., Pfar. Becker. 9*/,: Pfar. Mahr, Beichte u. Feier d. heil. Abendmahls f. Matthäus- u. Markusgem. 11'/.: Kinderk. f. d.Mal- thäusgem., Pfar. Mahr. Iohanneskirche. 8 älhr, zugleich Christenlehre f. d.Reukonftrmierten a- d. Jo» hannesgem., Pfarrast. Delp. 9'/,: Pfar. Bechtols- Heimer, Beichte u. Feier d. heil. Abendmahls f. die Lukas- u.Iohannesgem. 11: Kinderk. f. d. Lulasgem., Pfar. Bechtolsheimer. —Kirchberg. 10.11: Christenlehre f. d. Männl. Jugend. — Daubringen. 17?. — Wieseck. 9'/,: Kandidat Schneider.
Katholische Gemeinden.
Gießen. Samstag, 23. Juni, 5 u. 8 Deichte. — Sonntchg, 24. Juni, 6'/, Beichte, 7 Meste, 8 Komm., 9 Hochamt m.Pr., 11 Meste m.Pr., 2 Christenlehreü. And,, 8 Aloisiusand. — Hungen. */.?10. — Sich. 7,8 u. 7,3 Llhr. — Grünberg. 97,: Meste m. Pr.
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Jeder Reisende
sollte Heltmann'S stteuovator bet sich ssihren, nm mit diesem ausgezeichneten Mittel Schuhe und alle fonftinen Leder fachen aus die benueihife und billigste Weise stelS in einem eleganten Zustande au erhalten. NcnoviercLcdcr nur mitHeitmann'SRenovator
Unter ichtechten ErnährünÜSvcrbältnisstN buben jetzt die Säuglinge viel zu leiden, denn es fehlt ihtten häufig genug an Milch und Zucker. Was sollen nun sorgsame Eltern tun? 2te sollen Restles KchderMehl zur Ernährung der Kinder Verwendern well dieses alle notwendigen Nährstoffe enihält, leicht verdaulich und wohlschmeckend ist und nur mit Wasser gekocht zu werden braucht, um eine vollständige Nahrung für Säuglinge zu ergeben. Illustrierte Nroschiire über die Pflege des Kindes kostenlos durch „2mda"-Gclellschast m.b.H., Abt. N 5, Berlitz W 57. 151Gss
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