Willen werde die englische Regierung gezwungen sein, sich eine D o p p e l p o l i t i k zu eigen zu machen, um sein lebenswichtiges Ziel, die Fest- landsmärkte wiederherzu stellen. zu verwirklichen. , Die Politik Poincares, gerade heerausgesagt, st ehe in direktem Gegensatz zu den lebenswichtigsten Interessen Groh- brrtanniens. In diesem Punkte sei die englische öffentliche Meinung nahezu einer Meinung. Don dieser Tatsache lege man sich in Frankreich nicht genügend Rechenschaft ab und die grobe Presse hüte sich wohl, sie aufzudecken. Die öffentliche Meinung Engla.lds würde eines jener wertlosen Kompromisse aus der Zeit Lloyd Georges selbst dem Bruch vorziehen.
London. 20. Juni. (Wolff.) Dem Parla- mentsberichterstatter des „Daily Expreß" zufolge hat Premierminister Baldwin gegenüber Vertretern der Arbeiterpartei und des Derg- arbeitervrrbandes. di: ihn gestern unter Führung Ramsay Macdonalds aufgesucht haben, um mit ihm die Frage der K o h l e n i n d u st r i e zu erörtern. folgende Erklärung abgegeben:
Von grundlegender Wichtigk.it ist augenblicklich in Europa, daß eine Regelung der Ruhrfrage erfolgt. Soweit ein Mensch irgend etwas tun kann, mach: ich meine äubersten Anstrengungen, um sie zustande zu bringen. Die Lage im Ruhrgebiet berührt die industrielle Lage Englands nachteilig.
Laut „Times", die ebensowenig wie die übrigen Blätter obige Meldung der „Daily Expreß" enthält, wurde mit Bezug auf dir Zusammenkunft grösste Verschwiegenheit gewahrt. Die Abordnung wurde ersucht, keinerlei Berichte über die Unterredung zu geben.
Die „Times" über den kritischen Augenblick Frankreichs.
Paris, 20. Juni. (WTB.) Der Pariser Berichterstatter der „Times" schreibt, man wünsche in Paris den Zeitpunkt der Z u s a m - menkunft zwischen Pvincare und Baldwin schneller herbeizuführen. Man fei der Ansicht, daß alles beseitigt werden mühte, was die Herstellung eines Einvernehmens mit Großbritannien verzögere. Der französische Frank falle. In besten Bankkreisen sei stets angenommen worden, daß die Franzosen wohl in der Lage wären, den Frank bis Zulimitte vor Schwankungen zu bewahren, dah er aber nach dieser Zeit außer Kontrolle geraten würde, wenn keine Regelung in Aussicht stehe. Das Fallen des Frank'in den letzten Tagen scheine darauf hinzuweisen, daß dieser kritische Augenblick vielleicht früher kommen werde, als erwartet wurde. Weiter sei es klar geworden, daß. was sich auch immer in Belgien ereigne, die französische Regierung nicht länger auf die vorbehaltlose Unterstützung Belgiens rechnen könne. Die Ruhrpolitik, wie sie sich seither entwickelte, wurde von den belgischen Ministern im Januar niemals in Aussicht genommen. Es sei nach ihrer Ansicht wesentlich, daß irgendwelche Ergebnisse gezeitigt würden. Die belgische Forderung könne in Frankreich nicht unberücksichtigt gelassen werden. Nichts habe die Franzosen seit dem Waffenstillstand so sehr ibe- rührt, wie die Möglichkeit einer Absonderung Belgiens. Ein weiterer wichtiger Faktor sei das wachsende Gefühl in Frankreich, daß ein neuer Bruch mit Großbritannien nicht wieder gutzumachen sein könnte.
Die Opposition der Radikalen Partei.
Paris, 21. Juni. (WTB.) Der ausführende Ausschuß der Radikalen Partei tagte gestern abend und nahm eine Resolution an. in der die der Partei angehörenden Minister, Kolonialminister Sarraut, Hygienemi.nster Strauß sowie der älnterstaatssekretär Paul Assant aufgefordert werdcn, ihre Mitarbeit bei einem Kabinett nicht fortzusehen, bc-m bi: traditionellen Gegner der Republik einmütig ihre Stimme gewährt haben. Endlich werden die AuseiwähltLU der Partei zum Respekt dec Disziplin ausgefordert. die bei der letzten Abstimmung nicht gegen die Regierung Poincares gestimmt haben.
Die französische Liga tut Mensfl «'nrrck tr.
Paris, 21. Juni. (WTD.) Di: Liga für Menschenrechte veranstaltete gestern abcnd eine Kundgebung gegen die Ruhrbesehung, bei dec als Redner auftraten: der radikale Abg. Daissant, der sozialistisch? Abg. Mouwt, der sozialistisch: Abg. Vincent Auriol, der die Besetzung des Ruhrgebiets den Friedhof des Friedens und den Friedhof der Reparationszahlungen nannte, der elsässisch» Abg. Grumbach und der Aktivist st Emile Cahn.
Belgisch - französische Verhandlungen.
Paris, 21. Juni. (WTB.) Derbelgische Botschafter hatte gestern nachmittag ein: Tl n t e r r e d u n g mit dem Ministerpräsidenten P o i n c a r 6. Hierauf verhandelte Poincare mit dem französischen Delegierten in der Reparations- fommiflion, Barthvu.
Eine Reichsverordnung zur Unterbringung Ausgewiesener.
Berlik, 20. Juni. (WTB.) Der Reichspräsident hat über die vorläufige Unterbringung Ausgewiesener folgende Verordnung erlassen:
Die Franzosen und Belgier fahren täglich fort, aufrechte deutsche Männer mit Frauen und
Kindern aus dem besetzten Gebiet zu vertreiben, weil sie sich weigern, di: vertragswidrige Ausbeutung des Rhei-standes und des Ruhrgebietes durch die französisch-belgischen Organe zu unterstützen. Die Zahl der seil dem Ruhreinbruch aus dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen beläuft sich schon jetzt auf über 50 000 und täglich kommen Hunderte dazu. Es ist Ehrenpflicht des gesamten deutscyen Volkes, für eine a n g e m e s - seneälnterkunft der Vertriebenen zu sorgen. Schon bisher bemühten sich in alten Seiten Deutschlands Behörden. Vereine und Private in anerkennenswerter Hilfsbereitschaft erfolgreich um die .Unterbringung. Der Reichspräsident hat nunmehr eine auf Artikel 48 der Reichsoerfassung gestützte Verordnung vom 14. Juni erlassen, durch die die vorläufige Unterbringung der Ausgewiesenen auf eine gesetzliche Grundlage gestellt wird.
In der Verordnung wird die Pflicht zur Unterbringung d:r Verdrängten den Gemeinden auferlegt. Diese haben alle Vorkehrungen für die Unterbringung zu treffen und können ihrerseits für die Zweck: der Unterbringung Räume jeder Art beanspruchen. Ausgewiesene mit Familie sollen womöglich in Kur- und Badeorten oder auf dem Lande untergebracht werden. Die Verteilung der Ausgewiesenen auf die Gemeinden erfolgt auf Antrag der Fürsorge- ocgane durch die örtlichen Verwaltungsbehörden. Wünsch: der Ausg-'wiesenen werden hierbei nach Möglichkeit berücksichtigt. In Orten, ioo dne Verpflegung zu angemessenen Preisen nicht erhaltbar ist, können die Verwaltungsbehörden den Gemeinden auch die Verpflicht u n g auf» erlegen, die Verpflegung dec Ausgewiesenen sicherzustellen. Di: Gemeinden können nötigenfalls von Dritten entsprechnrde Leistungen anfurbern.
Die Verordnung regelt noch die Frage der Vergütung für die gewährten Leistungen und sonstige Einzelheiten und hebt ferner nachdrücklich hervor, daß die 'Bestimmung des Artikels 5 des Rotgesetzes vom 24. Februar, wonach die Ausgewiesenen auf Wohnunaszuteilung vor allen übrigen Personen Anspruch haben, aufrechterhalten wird. Die Verordnung tritt sofort in Kraft.
Die Gewaltherrschaft im Westen.
Mün ster, 20. Juni. (WTD.) In der Feldmark Sude r wich bei Recklinghausen wurde am 18. Juni die Frau des Schuhmachers Schubert von französischen Soldaten überfallen und verge wa l t i g t. — Zwischen Eickel und Herne sind zwei französische Güte rzügezusammengestoßen. — In Wetter wurden gestern und heute sämtliche Eisenbahner von den Franzosen verhaftet.
Elberfeld, 20. Juni. (WTB.) Die infolge der Stillegung fast aller Eisenbahnstrecken ber besetzten Ruhrb.'zirke v)rübergehend aufgehaltenen Lebensmittelsendungen für di? stillgelegten oder auf dem Schienenwege nicht mehr erreichbaren Bahnhöfe dieses Bezirks wurden nach Festsetzung der Erfahbahnhose und Regelung der Ad.uhr wieder in Gang gesetzt.
Berlin, 21. Juri. Wie die Blätter aus Gelsenkirchen melden, sollen di: von den Franzosen in ben letzten Wochen durchgeführten Derkehrsabschnürungen im Ruhrgebiet jetzt auch auf die Straßenbahn ausgedehnt werden. Die Straßenbahngesellschasten sollen di: Linien, die erst von 1921 ab in Betrieb genommen worden sind, sämtlich stilleren. Da der Lebensmitteltransport auf den Eisenbahnen vollständig unterbunden ist und die Lebensrnittel zum größten Teil auf den Straßenbahnxn befördert wurden, bedeutet die ton den Franzosen in Aussicht gestellt? Maßnahme eine weitere Erschwerung der Lebensmittelversorgung des Ruhrgebiets. Di: Blätter befürchten bereits das schlimmste und weisen darauf hin, daß mit dieser Methode der Franzosen das Ruhrgebiet systematisch dem Bolschewismus in die Arme getrieben wird.
Der Reichspräsident in Weimar.
Weimar, 20. Juni. (Wolff.) Zu Ehren des Reichspräsidenten sand gcTtcrn nachmittag 5 Uhr ein Empfang statt, an dem die Mitglieder der Landesregierung und das Land.agspr'istdtum, Führer der Fraktionen des Landtags, die Vorsitzenden der Wirtschafts- und Berufsrerbä.nde. die Spitzen der Behörden, der Vorstand des D.uftchin Schillerbundes, Staatsse.retär Schulz vom Reichs- Ministerium des Innern und andere teilnahmen. Abends besuchte der Reichspräsident die Eröff- nungsvorstclffing der unteiLeitung des Generalintendanten Hardt vom Deutschen Schillerbund für die deutsche Jugend im Rationaltheater veranstalteten Rationalfe st spiele, zu beiten Advrdnugen vieler Schulen aus dem ganzen Reiche, insbesondere auch aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet hter eingetroffen find. Ramens des Deutschen Schillerbunds hteh Professor Dr. Scheidemantel den Retchspräsidenten mit herzlichen Worten willkommen. De.- Reichspräsident erwiderte mit Worten des Dankes und der Begrüßung an die deutsche Jugend.
Mit besonderer Herzlichlert begrüßte er bte Vertreter der Jugend aus dem Rheinland und dem R u h r g e b i e t, die hier am frischen Quell deutschen Geistes und deutscher Kultur neue Stärkung finde möge zum tapferen Aushalten in all der brutalen Drangsal unserer Gegner. Er schloß mit den Worten: „Ihr, deutsche Jugend, seid die Hoffnung, seid die Zukunft unseres Vaterlandes, um deretwillen wir in duldendem Ausharren die schwere Last der Gegenwart tragen. Ihr sollt und Ihr werdet wieder lichtere Tage sehen! Seid aber stets eingedenk, daß auch Ihr Pflichten habt gegen Euer Vaterland und Euer Volk. Fühlt Such
mit Hingabe und Liebe als Glieder der deutschen Volksgemcinschaft; lebt nicht allein den deutschen Taten der Vergangenheit, sondern wirkt mit an den Aufgaben der Gegenwart. Steh' in geg mastigem Verständnis in Einigkeit zusammen, die allein uns stark machen lärm; habt Fr u? ? am L.r- nen und an der Arbeit, nehmt von dieser Stätte, wo die Großen im Reiche des Geistes Unsterbliches schufen, Begeisterung mit für alle- ©u.e. Edle und Schöne, dann werdet Ihr, unsere Jugend, einst tüchtige, pflichttreue Burger im deutschen Bofts- ftaat werden, und, auf sicherem Boden stehend, in einem Vaterlande leben,da? wieder gleichberechtigt und kraftvoll in der Reihe der Bolter wirkt. In diesem Wunsche wollen wir zusammen rufen: „Deutschland, unser in aller Rot doppelt teures Vaterland, es lebe hoch!"
Die das Rationalthsater bis auf den letzten Platz füllende Jugend nahm das Hoch begeistert auf und ließ es in das Deutschlandlied au.stlm» gen. Dann begann die von Ernst Hardt geleitete Festvorstellung von „Hamlet". In der Th,?.:v- pause cm'/fing der- Reichspräsident Abordnungen von Lehrern und Schülern au5 dem Rheinland, dem Ruhr- und Saargebiet, bi: ihm erneut den Willen zum zähen Au^hnlien bis zur Stunde der Freiheit versicherten. Aach der Theatervorstellung wurde dem Reichspräsidenten von der Acbeiterjugend und anderen Iug.-ndvereinrn Weimars und aus den Rach' 7 stn >'.en ein Fackelzug dargebracht. Der Reichspräsident hielt vom Ballon des Rationaltheaters aus au die nach Tausenden zählende Mmge eine Ansprache, die wiederum in ein Hoch auf das deutsche Vaterland austlung.
Aus dem Reiche.
Verbot des freien Devifenhandels?
Berlin, 2!. Juni. Unter dem Bvrsitz des ReichswirtschaftSministerS fand gestern im Reichstag eine Konferenz von W irt- schaftssachverständigen statt, die sich mit den gegen einen wetteren Marksturz zu ergreifenden Maßnahmen beschäftigte. Außer dem Reichswirtschaftsminister nahmen an der Konferenz der Wiederaufbauminister, mehrere Bankvertreter, führende Industrielle, Mitglieder des Reicksbankdirektoriums, Direk- toren verschiedener Handelskammern sowie andere hervorragende Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens teil. Die Konferenz war von der Regierung einberufen worden, um die Gutachten der maßgebenden Vertreter der Wirtschaft zu hören. Wenn die Besprechungen gestern auch noch zu keinem abschließenden Ergebnis geführt haben, so besteht doch kein Zweifel mehr darüber, daß diesmal ganz besonders einschneidende und scharfe Maßnahmen ergriffen werden sollen, um die Auswüchse an der Börse zu verhindern. Dem „B. T." zufolge kann mit einem Verbot des freien Devisenhandels gerechnet werden. Die Beratungen sollen heute fortgesetzt werden.
Die Emkommrnsteuerregelung.
Berlin, 20. Juni. (WTB.) Im Steuerausschuh des Reichstags ist bei der Frage der Einkommen st euer regelung allgemein in eine Verfünffachung der Abzüge fürWer- bungskosten sowie für Ehegatten und Kinder beschlossen worden.
Der Münchener Hochverrats- prozsh.
Berlin, 20. Juni. (WTD.) Fuchsprozeh. In der heutigen Sitzung gab der Verteidiger Graf Pestalozza in einer Beleidigung Zredc zunächst ein Bild von den politischen Verhältnissen, aus denen die Tat Fuchs herausgewach^en sei. Der Verteidiger führte weiter aus, dah Fuchs bei seinen guten Leistungen als Literat auch ein Projektemacher gewesen sei, jedoch seine Ideen immer von anderer eite.-' erhalten habe und irr der Ausführung immer geradezu, kindisch gewesen sei. Da er außerdem leicht zu beeinflussen gewesen sei, wurde er ganz von Richert gefangen: genommen. In ihm setzte sich ferner der Gedanke eines bevorstehenden Kampfes mit dem Bolschewismus fest, und er glaubte, dem ganzen deutschen Volke einen Dienst zu erweisen, wenn er Fäden dieser Art nach Frn.strstch spannte. An Daterlandsverrat dacht: er hierbei nicht im geringsten. Schließlich sei er entschiedenen Vertretern vaterländischer Organira tonen, von deren Se.te er keinen Verrat erwartete, in die Hände gefallen. Sein menschliches Vertrauen wurde von icsen getäuscht. D:r Verteidiger nannte dann das Bewiiscrgebnis lückenhaft und wenig stichhaltig. Der Hochverrat fei mit ganz un ruglichen Mitteln geplant worden. Ein? ehrlose Gesinnung zeigte Fuchs nicht. Zum Schluh rief der Verteidiger das Zeugnis der Toten Machhaus und Dr. Kühles als Beweis dafür an, daß hier ein schwerer Hochverrat gegen das menschlich: Vertrauen verübt worden sei: er wandte sich an Richert mit der Bitte, bei Abschluß dieses traurigen Dramas versöhnend wirken zu lasen.
Als zweiter Verteidiger ergriff der Verteidiger des Angeklagten Munk das Wort und führte aus, es- sei nicht richtig, und auch nicht erwiesen, dah Munk die Pläne von Fuchs gekannt habe. Von den französischen Beziehungen wuhte QKunf nicht das geringste. Den Ramen Richert hörte er ebenfalls erst nach der Verhaftung. Munk habe an die bolschewistische Gefahr geglaubt und für die Abwehr dieser,
Donnerstag, 21. Mi 1923
173. Mrgang
GietzenerAmeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Vrvck und Verlag: VrLhl'sche UniverfilStr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7-
wischen Regierung und G:werk-
das „B. T.'
schreibt.
zu einer Verständigung geführt,
fester G r u n d l o h n gezahlt w.wdcn soll, zu
vuerungszufchtag kommen
dem ein te'.vegli
Le-
fönner:
insofern als ein
nungöaustausch
schäften hat, wi
soll, der sich nach dem neu aufzustellenden bensmittelindex -.ich'.et.
Der wertbeständige Lohn.
Mitten im Rasen der Marksturzwelle hat sich die deutsche Reichsregierung mit den Arbeitern und Beamten zusammen getan, um die neuen Löhne und Gehälter festzusehen. Mit den Staatsarbeitern ist man sehr schnell ins Reine gekommen. Sie erhalten ab 15. Juni durchschnittlich ungefähr die doppelten Bezüge. Aber auch mit den Reichsbeamten und Angestellten ist rasche Verständigung möglich geworden, weil man sowohl bei den Gewerkschaften als auch auf feiten der Regierung den furchllaren Ernst dieser Stunde erfor.mt hat. Die Disziplin unter den Arbeitern der- Staatsbetriebe erweist sich diesmal als musterhaft. Die Gewerkschaften scheinen bis jetzt die Massen fest in der Hand zu haben. Die Regierung ist bereit, neben der Lohnerhöhung auch Sntschuldungssummen und Wirtschaftsbeihilfen zu bewilligen.
Das erlösende Wort fiel auf der Arbeitnehmerseite, alö män dort einsah, daß das neue Problem des Festmarklohnes nicht übers Kni: gebrochen werden fann. Die Verhandlungen darüber sind hinter die sofortige Rotaktion einer allgemeinen Aufbesserung zurückgestellt worden. Es sollen zunächst einmal Richtlinien ausgestellt werden. Denn es ist offenbar geworden, daß man sich weder auf der Arbeitgeberseite noch in den Gewerkschaften über den Begriff des wertbe - ständigen Lohnes schon ganz klar ist. Sicher ist nur das eine, und davon geht der Streit aas: Angesichts der userlosen Geldentwertung läßt sich das Arbeitseinkommen nicht mehr von Monat zu Monat, geschweige denn iür ein Vierteljahr im voraus bestimmen. Ja, selbst eine wöchentlich: Regelung der Löhne reicht kaum noch aas, dem Lvhnbezieher ein einigermaßen gesichertes Auskommen zu gewährleisten. Dar Arbeiter, der noch am Freitag einen auskömmlich erscheinenden Verdienst erhalten hat. kann schon am Dienstag oder Mittwoch der neuen Woch: vor derart hochge- netterten Preisen stehen, daß er auch die nötigsten Lebensmittel im ßaben stehen lassen muß.
So entstand die F.age: Wie bringe ich meinen Lohn in ein elastisches Verhältnis zu den Lebensmittelpreisen? Gewiß hat man auch bisher daran gedacht. Man operierte mit dem Lebens- kosten-Index, den das Statistisch: Amt berechnete. Da diese Inderziffer aber in der bureaukratischen Mühle aus Preisen herausdestilliert wurde, die zwei Wochen ober noch weiter zurücklagen, stimmten die neu berechneten Gehälter niemals zu den augenblicklichen und kommenden Preisen. Die Folge dieses Rachhinkims aller Arbeitseinkommen hinter der Teuerung war, daß die Kaufkraft des größten Teiles des deutscher Publikums immer rascher sank, ©eit dem Zusammenbruch der Stak.ilisierungsversuch: aber ist in weiten Schichten (nicht nur bei den Kleinrentnern, dem verarmten Mittelstand und den unter die Räder gekommenen liberalen Derufsarten) das leiblich: Existenzminimum, d. h. die Kaufkraft für den nötigsten Lebensunterhalt in Gefahr geraten. F.iedenslöhne, also Löhne, die auf den Geldwert der Arbeitsleistung der Vorkriegszeit zurückgreifen, sind vorerst undenkbar. Richt etwa nur ein neuer Stabilisier ungsschritt, sondern die voll: Gesundung der deutschen Wirtschaft ist dazu nötig. Was zunächst erreicht werden kann, ist, an txc(!c d er l-i^l/eri.'e c Postnumerand oberech- mmq der Löhne eine Indexziffer, eine Schlüsselzahl, die den Kampf mit der Teuerung vn?einsacht und das größte Elend verhinderst. Darüber gehen jetzt die Verhandlungen.
Berlin, 21. Juni. Dem „Vorwärts" zufolge hatten Vertreter des Allgemeinen Dcut- sck'.n G^werkschnstsbundes gestern eine Besprechung mit der Rcichsregierung über die Einführung des wertbeständigen Lohnes. Am Freitag tvevuen alle Spitzmorganisationen der Ge- we.ls i.aften zur Ausarbeitung eines einheitlichen Vorschlages zufammentretcn. Der bisherige Mei-
Nr. 143
Erscheint täglich, außer Sonn- unh Feiertags, mit derSamstagsbeilage: BießenerFamilienblätter rNonallichevezitaspreffe: 5000 Mark einschließlich Trägerlohn,durch diePost 5000Mark,auchbeiNicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Dewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrist- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Liehen.
postfcheäkontö:
Frankfurt a. M. 11686.
nglischi? Regierung könne di-:
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit Dreis für 1 mm höhe für Anzeigeno 27 mm Breite örtl 160 Mk., auswärts 200.MK.; für R e k l a m e > Anzeigen von 70 mm Breite 800 MK.Bei Platz. Vorschrift 20 u/0 Aufschlag, hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Bluimchein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtli ch in Gießen.
Borsck . ige Poiu c a res über di: T:srhung des Ruhrgrl icts guihri'' _.i. Eine Billigung der Ruhr- politir oder eine T n.rrä b?i der drutschen Re- gicrung, um bei i„ Die v nsrelluug des passiven Widerstandes ducHzusrhen, sei glatt unmöglich. Viel Wahrs5-:inlich»r sei es, daß die encliixt - Regierung als Pr.is einer Derständi- ffung die Rückkei; r zur „unsichtbaren D e- s e tz u ii g“ fordern werde; 2. Baldwin wmde alles Erd .nrlich: einer Verständigung zulieb: tun und zu großen finanziellen Opfern bereit sein. Aber trenn die Polistl Poincarös oder die seines Rachfolgers dieselbe bleibr. steh: es fest, daß binnen kurzem die Außenpolitik Englands sich völlig neu orientieren werde. Zur ilnferftütjung dieser Auffassung führst der Berichterstatter an: erstens Laß man in englischen Handels- und Industrie- krcisen die W ie d c r her st e l lun g der europäischen Märkte für unerläßlich halt:, zweitens, daß im Tlnterhaus die MehrhZt der Konservativen und die gesamte Opposition einmütig die RuHrpolitik ve:ur eile, drittens, trenn demVer- ständigungsversuch Baldwins der Erfolg versagt werde, werde <s zu keinem weiteren Schritt im Sinne dec Aussöhirmrg kommen. Gegen ihren
Die Rüufttge Politik des ßa^metts Valdwin.
Paris, 20. Juni. (Wolff.) Ein Londoner Mitarbeiter der .,V : Rvuv /ste" glaubt die f ü n f- tige Politik des Kabinetts Baldwin in folgende drei Leitsätze -usammenfassen zu
MM
aller Art. Nu«*
Atm* erbet, 1k* , nähme nm Siy
Million
litn »ri- ne.
for tot.
von •ik, llbr ne»
ort, tnnii 114
NkttiittittkaM
(ikicllidmli
Ml
2L3««1-?! ntufif-'"'* illient1
8öf« 2tütige;
klrlder-
schran! für 300 000 Sdjr. Atm. u. M i nii den (i)lei!, %
ßrillQDieu W
Gold-, i' Silier-, Ws
SegeMnük fnuft fiänbii r höchsten ’Vteiftr ®. Wfc Edelmelnllhmii, Bcuckklr. 19?
von einer Mck ausvärtSfA ftistlge auszulelht
, oiy durch «M
W VS -LU dauern -uru°
A. Leh'
AiflCfi ___
— gegen hohe u. gute vtchrt-- Don TeamUfip leihen gesucht fnjtii n. d.
Reln-ch & 0
Berlin, Ancbfht 1 jyerschiedenü TbisT
I
ncrusta
zahle in nkurrenz.
5 5000 M, lauser- istolen nghr nover, gen,Gießen
I.
^Pczierer unsere e Slch an uns.


