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Willen werde die englische Regierung gezwungen sein, sich eine D o p p e l p o l i t i k zu eigen zu machen, um sein lebenswichtiges Ziel, die Fest- landsmärkte wiederherzu stellen. zu verwirklichen. , Die Politik Poincares, gerade heerausgesagt, st ehe in direktem Gegensatz zu den lebenswichtigsten Interessen Groh- brrtanniens. In diesem Punkte sei die eng­lische öffentliche Meinung nahezu einer Meinung. Don dieser Tatsache lege man sich in Frankreich nicht genügend Rechenschaft ab und die grobe Presse hüte sich wohl, sie aufzudecken. Die öffent­liche Meinung Engla.lds würde eines jener wert­losen Kompromisse aus der Zeit Lloyd Georges selbst dem Bruch vorziehen.

London. 20. Juni. (Wolff.) Dem Parla- mentsberichterstatter desDaily Expreß" zufolge hat Premierminister Baldwin gegenüber Ver­tretern der Arbeiterpartei und des Derg- arbeitervrrbandes. di: ihn gestern unter Führung Ramsay Macdonalds aufgesucht haben, um mit ihm die Frage der K o h l e n i n d u st r i e zu er­örtern. folgende Erklärung abgegeben:

Von grundlegender Wichtigk.it ist augenblick­lich in Europa, daß eine Regelung der Ruhrfrage erfolgt. Soweit ein Mensch irgend etwas tun kann, mach: ich meine äubersten An­strengungen, um sie zustande zu bringen. Die Lage im Ruhrgebiet berührt die industrielle Lage Englands nachteilig.

LautTimes", die ebensowenig wie die übri­gen Blätter obige Meldung derDaily Expreß" enthält, wurde mit Bezug auf dir Zusammenkunft grösste Verschwiegenheit gewahrt. Die Abordnung wurde ersucht, keinerlei Berichte über die Unter­redung zu geben.

DieTimes" über den kritischen Augenblick Frankreichs.

Paris, 20. Juni. (WTB.) Der Pariser Berichterstatter derTimes" schreibt, man wünsche in Paris den Zeitpunkt der Z u s a m - menkunft zwischen Pvincare und Baldwin schneller herbeizuführen. Man fei der Ansicht, daß alles beseitigt werden mühte, was die Herstellung eines Einvernehmens mit Großbritannien verzögere. Der französi­sche Frank falle. In besten Bankkreisen sei stets angenommen worden, daß die Fran­zosen wohl in der Lage wären, den Frank bis Zulimitte vor Schwankungen zu bewahren, dah er aber nach dieser Zeit außer Kontrolle ge­raten würde, wenn keine Regelung in Aussicht stehe. Das Fallen des Frank'in den letzten Ta­gen scheine darauf hinzuweisen, daß dieser kritische Augenblick vielleicht früher kommen werde, als erwartet wurde. Weiter sei es klar geworden, daß. was sich auch immer in Belgien ereigne, die französische Regierung nicht länger auf die vorbehaltlose Unterstützung Belgiens rechnen könne. Die Ruhrpolitik, wie sie sich seither entwickelte, wurde von den belgischen Ministern im Januar niemals in Aussicht genommen. Es sei nach ihrer Ansicht wesentlich, daß irgendwelche Ergebnisse ge­zeitigt würden. Die belgische Forde­rung könne in Frankreich nicht unberück­sichtigt gelassen werden. Nichts habe die Franzosen seit dem Waffenstillstand so sehr ibe- rührt, wie die Möglichkeit einer Absonderung Belgiens. Ein weiterer wichtiger Faktor sei das wachsende Gefühl in Frankreich, daß ein neuer Bruch mit Großbritannien nicht wieder gutzumachen sein könnte.

Die Opposition der Radikalen Partei.

Paris, 21. Juni. (WTB.) Der ausführende Ausschuß der Radikalen Partei tagte ge­stern abend und nahm eine Resolution an. in der die der Partei angehörenden Minister, Kolonialminister Sarraut, Hygienemi.nster Strauß sowie der älnterstaatssekretär Paul Assant auf­gefordert werdcn, ihre Mitarbeit bei einem Ka­binett nicht fortzusehen, bc-m bi: traditionellen Gegner der Republik einmütig ihre Stimme ge­währt haben. Endlich werden die AuseiwähltLU der Partei zum Respekt dec Disziplin ausgefordert. die bei der letzten Abstimmung nicht gegen die Regierung Poincares gestimmt haben.

Die französische Liga tut Mensfl «'nrrck tr.

Paris, 21. Juni. (WTD.) Di: Liga für Menschenrechte veranstaltete gestern abcnd eine Kundgebung gegen die Ruhrbesehung, bei dec als Redner auftraten: der radikale Abg. Daissant, der sozialistisch? Abg. Mouwt, der so­zialistisch: Abg. Vincent Auriol, der die Besetzung des Ruhrgebiets den Friedhof des Friedens und den Friedhof der Reparationszahlungen nannte, der elsässisch» Abg. Grumbach und der Aktivist st Emile Cahn.

Belgisch - französische Verhandlungen.

Paris, 21. Juni. (WTB.) Derbelgische Botschafter hatte gestern nachmittag ein: Tl n t e r r e d u n g mit dem Ministerpräsidenten P o i n c a r 6. Hierauf verhandelte Poincare mit dem französischen Delegierten in der Reparations- fommiflion, Barthvu.

Eine Reichsverordnung zur Unterbringung Ausgewiesener.

Berlik, 20. Juni. (WTB.) Der Reichs­präsident hat über die vorläufige Unter­bringung Ausgewiesener folgende Ver­ordnung erlassen:

Die Franzosen und Belgier fahren täglich fort, aufrechte deutsche Männer mit Frauen und

Kindern aus dem besetzten Gebiet zu vertreiben, weil sie sich weigern, di: vertragswidrige Aus­beutung des Rhei-standes und des Ruhrgebietes durch die französisch-belgischen Organe zu unter­stützen. Die Zahl der seil dem Ruhreinbruch aus dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen beläuft sich schon jetzt auf über 50 000 und täglich kommen Hunderte dazu. Es ist Ehrenpflicht des ge­samten deutscyen Volkes, für eine a n g e m e s - seneälnterkunft der Vertriebenen zu sorgen. Schon bisher bemühten sich in alten Seiten Deutschlands Behörden. Vereine und Private in anerkennenswerter Hilfsbereitschaft erfolgreich um die .Unterbringung. Der Reichspräsident hat nunmehr eine auf Artikel 48 der Reichsoerfassung gestützte Verordnung vom 14. Juni erlassen, durch die die vorläufige Unterbringung der Ausgewiesenen auf eine gesetzliche Grund­lage gestellt wird.

In der Verordnung wird die Pflicht zur Unterbringung d:r Verdrängten den Gemein­den auferlegt. Diese haben alle Vorkehrungen für die Unterbringung zu treffen und können ihrer­seits für die Zweck: der Unterbringung Räume jeder Art beanspruchen. Ausgewiesene mit Fa­milie sollen womöglich in Kur- und Bade­orten oder auf dem Lande untergebracht wer­den. Die Verteilung der Ausgewiesenen auf die Gemeinden erfolgt auf Antrag der Fürsorge- ocgane durch die örtlichen Verwaltungsbehör­den. Wünsch: der Ausg-'wiesenen werden hierbei nach Möglichkeit berücksichtigt. In Orten, ioo dne Verpflegung zu angemessenen Preisen nicht er­haltbar ist, können die Verwaltungsbehörden den Gemeinden auch die Verpflicht u n g auf» erlegen, die Verpflegung dec Ausgewiesenen sicherzustellen. Di: Gemeinden können nötigenfalls von Dritten entsprechnrde Leistungen anfurbern.

Die Verordnung regelt noch die Frage der Vergütung für die gewährten Leistungen und sonstige Einzelheiten und hebt ferner nachdrücklich hervor, daß die 'Bestimmung des Artikels 5 des Rotgesetzes vom 24. Februar, wonach die Aus­gewiesenen auf Wohnunaszuteilung vor allen übrigen Personen Anspruch haben, aufrechterhal­ten wird. Die Verordnung tritt sofort in Kraft.

Die Gewaltherrschaft im Westen.

Mün ster, 20. Juni. (WTD.) In der Feld­mark Sude r wich bei Recklinghausen wurde am 18. Juni die Frau des Schuhmachers Schubert von französischen Soldaten über­fallen und verge wa l t i g t. Zwischen Eickel und Herne sind zwei französische Gü­te rzügezusammengestoßen. In Wet­ter wurden gestern und heute sämtliche Eisenbahner von den Franzosen ver­haftet.

Elberfeld, 20. Juni. (WTB.) Die infolge der Stillegung fast aller Eisenbahnstrecken ber be­setzten Ruhrb.'zirke v)rübergehend aufgehaltenen Lebensmittelsendungen für di? stillge­legten oder auf dem Schienenwege nicht mehr erreichbaren Bahnhöfe dieses Bezirks wurden nach Festsetzung der Erfahbahnhose und Regelung der Ad.uhr wieder in Gang gesetzt.

Berlin, 21. Juri. Wie die Blätter aus Gelsenkirchen melden, sollen di: von den Franzosen in ben letzten Wochen durchgeführten Derkehrsabschnürungen im Ruhrgebiet jetzt auch auf die Straßenbahn ausgedehnt werden. Die Straßenbahngesellschasten sollen di: Linien, die erst von 1921 ab in Betrieb genommen worden sind, sämtlich stilleren. Da der Lebensmitteltrans­port auf den Eisenbahnen vollständig unterbunden ist und die Lebensrnittel zum größten Teil auf den Straßenbahnxn befördert wurden, bedeutet die ton den Franzosen in Aussicht gestellt? Maß­nahme eine weitere Erschwerung der Lebens­mittelversorgung des Ruhrgebiets. Di: Blätter befürchten bereits das schlimmste und weisen darauf hin, daß mit dieser Methode der Fran­zosen das Ruhrgebiet systematisch dem Bolsche­wismus in die Arme getrieben wird.

Der Reichspräsident in Weimar.

Weimar, 20. Juni. (Wolff.) Zu Ehren des Reichspräsidenten sand gcTtcrn nachmittag 5 Uhr ein Empfang statt, an dem die Mitglieder der Landesregierung und das Land.agspr'istdtum, Führer der Fraktionen des Landtags, die Vor­sitzenden der Wirtschafts- und Berufsrerbä.nde. die Spitzen der Behörden, der Vorstand des D.uftchin Schillerbundes, Staatsse.retär Schulz vom Reichs- Ministerium des Innern und andere teilnahmen. Abends besuchte der Reichspräsident die Eröff- nungsvorstclffing der unteiLeitung des General­intendanten Hardt vom Deutschen Schillerbund für die deutsche Jugend im Rationaltheater ver­anstalteten Rationalfe st spiele, zu beiten Advrdnugen vieler Schulen aus dem ganzen Reiche, insbesondere auch aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet hter eingetroffen find. Ramens des Deutschen Schillerbunds hteh Professor Dr. Scheidemantel den Retchspräsidenten mit herzlichen Worten willkommen. De.- Reichspräsi­dent erwiderte mit Worten des Dankes und der Begrüßung an die deutsche Jugend.

Mit besonderer Herzlichlert begrüßte er bte Vertreter der Jugend aus dem Rheinland und dem R u h r g e b i e t, die hier am frischen Quell deutschen Geistes und deutscher Kultur neue Stär­kung finde möge zum tapferen Aushalten in all der brutalen Drangsal unserer Gegner. Er schloß mit den Worten:Ihr, deutsche Jugend, seid die Hoffnung, seid die Zukunft unseres Vaterlandes, um deretwillen wir in duldendem Ausharren die schwere Last der Gegenwart tragen. Ihr sollt und Ihr werdet wieder lichtere Tage sehen! Seid aber stets eingedenk, daß auch Ihr Pflichten habt gegen Euer Vaterland und Euer Volk. Fühlt Such

mit Hingabe und Liebe als Glieder der deutschen Volksgemcinschaft; lebt nicht allein den deutschen Taten der Vergangenheit, sondern wirkt mit an den Aufgaben der Gegenwart. Steh' in geg masti­gem Verständnis in Einigkeit zusammen, die allein uns stark machen lärm; habt Fr u? ? am L.r- nen und an der Arbeit, nehmt von dieser Stätte, wo die Großen im Reiche des Geistes Unsterbliches schufen, Begeisterung mit für alle- ©u.e. Edle und Schöne, dann werdet Ihr, unsere Jugend, einst tüchtige, pflichttreue Burger im deutschen Bofts- ftaat werden, und, auf sicherem Boden stehend, in einem Vaterlande leben,da? wieder gleichberech­tigt und kraftvoll in der Reihe der Bolter wirkt. In diesem Wunsche wollen wir zusammen rufen: Deutschland, unser in aller Rot doppelt teures Vaterland, es lebe hoch!"

Die das Rationalthsater bis auf den letzten Platz füllende Jugend nahm das Hoch begeistert auf und ließ es in das Deutschlandlied au.stlm» gen. Dann begann die von Ernst Hardt geleitete Festvorstellung vonHamlet". In der Th,?.:v- pause cm'/fing der- Reichspräsident Abordnun­gen von Lehrern und Schülern au5 dem Rheinland, dem Ruhr- und Saargebiet, bi: ihm erneut den Willen zum zähen Au^hnlien bis zur Stunde der Freiheit versicherten. Aach der Thea­tervorstellung wurde dem Reichspräsidenten von der Acbeiterjugend und anderen Iug.-ndvereinrn Weimars und aus den Rach' 7 stn >'.en ein Fackelzug dargebracht. Der Reichspräsident hielt vom Ballon des Rationaltheaters aus au die nach Tausenden zählende Mmge eine Ansprache, die wiederum in ein Hoch auf das deutsche Vater­land austlung.

Aus dem Reiche.

Verbot des freien Devifenhandels?

Berlin, 2!. Juni. Unter dem Bvrsitz des ReichswirtschaftSministerS fand gestern im Reichstag eine Konferenz von W irt- schaftssachverständigen statt, die sich mit den gegen einen wetteren Marksturz zu ergreifenden Maßnahmen beschäftigte. Außer dem Reichswirtschaftsminister nahmen an der Konferenz der Wiederaufbauminister, meh­rere Bankvertreter, führende Industrielle, Mitglieder des Reicksbankdirektoriums, Direk- toren verschiedener Handelskammern sowie an­dere hervorragende Persönlichkeiten des Wirt­schaftslebens teil. Die Konferenz war von der Regierung einberufen worden, um die Gutach­ten der maßgebenden Vertreter der Wirtschaft zu hören. Wenn die Besprechungen gestern auch noch zu keinem abschließenden Ergebnis geführt haben, so besteht doch kein Zweifel mehr darüber, daß diesmal ganz beson­ders einschneidende und scharfe Maßnahmen ergriffen werden sollen, um die Auswüchse an der Börse zu ver­hindern. DemB. T." zufolge kann mit einem Verbot des freien Devisenhandels ge­rechnet werden. Die Beratungen sollen heute fortgesetzt werden.

Die Emkommrnsteuerregelung.

Berlin, 20. Juni. (WTB.) Im Steueraus­schuh des Reichstags ist bei der Frage der Ein­kommen st euer regelung allgemein in eine Verfünffachung der Abzüge fürWer- bungskosten sowie für Ehegatten und Kinder beschlossen worden.

Der Münchener Hochverrats- prozsh.

Berlin, 20. Juni. (WTD.) Fuchsprozeh. In der heutigen Sitzung gab der Verteidiger Graf Pestalozza in einer Beleidigung Zredc zunächst ein Bild von den politischen Verhält­nissen, aus denen die Tat Fuchs herausgewach^en sei. Der Verteidiger führte weiter aus, dah Fuchs bei seinen guten Leistungen als Literat auch ein Projektemacher gewesen sei, jedoch seine Ideen immer von anderer eite.-' erhalten habe und irr der Ausführung immer geradezu, kindisch ge­wesen sei. Da er außerdem leicht zu beeinflussen gewesen sei, wurde er ganz von Richert gefangen: genommen. In ihm setzte sich ferner der Gedanke eines bevorstehenden Kampfes mit dem Bolsche­wismus fest, und er glaubte, dem ganzen deut­schen Volke einen Dienst zu erweisen, wenn er Fäden dieser Art nach Frn.strstch spannte. An Daterlandsverrat dacht: er hierbei nicht im ge­ringsten. Schließlich sei er entschiedenen Ver­tretern vaterländischer Organira tonen, von deren Se.te er keinen Verrat erwartete, in die Hände gefallen. Sein menschliches Vertrauen wurde von icsen getäuscht. D:r Verteidiger nannte dann das Bewiiscrgebnis lückenhaft und wenig stich­haltig. Der Hochverrat fei mit ganz un ruglichen Mitteln geplant worden. Ein? ehrlose Gesinnung zeigte Fuchs nicht. Zum Schluh rief der Vertei­diger das Zeugnis der Toten Machhaus und Dr. Kühles als Beweis dafür an, daß hier ein schwerer Hochverrat gegen das menschlich: Ver­trauen verübt worden sei: er wandte sich an Richert mit der Bitte, bei Abschluß dieses trau­rigen Dramas versöhnend wirken zu lasen.

Als zweiter Verteidiger ergriff der Ver­teidiger des Angeklagten Munk das Wort und führte aus, es- sei nicht richtig, und auch nicht erwiesen, dah Munk die Pläne von Fuchs gekannt habe. Von den französischen Be­ziehungen wuhte QKunf nicht das geringste. Den Ramen Richert hörte er ebenfalls erst nach der Verhaftung. Munk habe an die bolschewistische Gefahr geglaubt und für die Abwehr dieser,

Donnerstag, 21. Mi 1923

173. Mrgang

GietzenerAmeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck und Verlag: VrLhl'sche UniverfilStr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7-

wischen Regierung und G:werk-

dasB. T.'

schreibt.

zu einer Verständigung geführt,

fester G r u n d l o h n gezahlt w.wdcn soll, zu

vuerungszufchtag kommen

dem ein te'.vegli

Le-

fönner:

insofern als ein

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schäften hat, wi

soll, der sich nach dem neu aufzustellenden bensmittelindex -.ich'.et.

Der wertbeständige Lohn.

Mitten im Rasen der Marksturzwelle hat sich die deutsche Reichsregierung mit den Arbeitern und Beamten zusammen getan, um die neuen Löhne und Gehälter festzusehen. Mit den Staatsarbeitern ist man sehr schnell ins Reine gekommen. Sie er­halten ab 15. Juni durchschnittlich ungefähr die doppelten Bezüge. Aber auch mit den Reichs­beamten und Angestellten ist rasche Verständigung möglich geworden, weil man sowohl bei den Ge­werkschaften als auch auf feiten der Regierung den furchllaren Ernst dieser Stunde erfor.mt hat. Die Disziplin unter den Arbeitern der- Staatsbetriebe erweist sich diesmal als musterhaft. Die Gewerk­schaften scheinen bis jetzt die Massen fest in der Hand zu haben. Die Regierung ist bereit, neben der Lohnerhöhung auch Sntschuldungssummen und Wirtschaftsbeihilfen zu bewilligen.

Das erlösende Wort fiel auf der Arbeitneh­merseite, alö män dort einsah, daß das neue Problem des Festmarklohnes nicht übers Kni: gebrochen werden fann. Die Verhandlungen darüber sind hinter die sofortige Rotaktion einer allgemeinen Aufbesserung zurückgestellt worden. Es sollen zunächst einmal Richtlinien ausgestellt werden. Denn es ist offenbar geworden, daß man sich weder auf der Arbeitgeberseite noch in den Gewerkschaften über den Begriff des wertbe - ständigen Lohnes schon ganz klar ist. Sicher ist nur das eine, und davon geht der Streit aas: Angesichts der userlosen Geldentwertung läßt sich das Arbeitseinkommen nicht mehr von Monat zu Monat, geschweige denn iür ein Vierteljahr im voraus bestimmen. Ja, selbst eine wöchentlich: Regelung der Löhne reicht kaum noch aas, dem Lvhnbezieher ein einigermaßen gesichertes Aus­kommen zu gewährleisten. Dar Arbeiter, der noch am Freitag einen auskömmlich erscheinenden Ver­dienst erhalten hat. kann schon am Dienstag oder Mittwoch der neuen Woch: vor derart hochge- netterten Preisen stehen, daß er auch die nötig­sten Lebensmittel im ßaben stehen lassen muß.

So entstand die F.age: Wie bringe ich meinen Lohn in ein elastisches Verhältnis zu den Le­bensmittelpreisen? Gewiß hat man auch bisher daran gedacht. Man operierte mit dem Lebens- kosten-Index, den das Statistisch: Amt berechnete. Da diese Inderziffer aber in der bureaukratischen Mühle aus Preisen herausdestilliert wurde, die zwei Wochen ober noch weiter zurücklagen, stimmten die neu berechneten Gehälter niemals zu den augenblicklichen und kommenden Preisen. Die Folge dieses Rachhinkims aller Arbeitsein­kommen hinter der Teuerung war, daß die Kauf­kraft des größten Teiles des deutscher Publikums immer rascher sank, ©eit dem Zusammenbruch der Stak.ilisierungsversuch: aber ist in weiten Schichten (nicht nur bei den Kleinrentnern, dem verarmten Mittelstand und den unter die Räder gekommenen liberalen Derufsarten) das leiblich: Existenzminimum, d. h. die Kauf­kraft für den nötigsten Lebensunterhalt in Ge­fahr geraten. F.iedenslöhne, also Löhne, die auf den Geldwert der Arbeitsleistung der Vorkriegs­zeit zurückgreifen, sind vorerst undenkbar. Richt etwa nur ein neuer Stabilisier ungsschritt, sondern die voll: Gesundung der deutschen Wirtschaft ist dazu nötig. Was zunächst erreicht werden kann, ist, an txc(!c d er l-i^l/eri.'e c Postnumerand oberech- mmq der Löhne eine Indexziffer, eine Schlüssel­zahl, die den Kampf mit der Teuerung vn?einsacht und das größte Elend verhinderst. Darüber gehen jetzt die Verhandlungen.

Berlin, 21. Juni. DemVorwärts" zu­folge hatten Vertreter des Allgemeinen Dcut- sck'.n G^werkschnstsbundes gestern eine Bespre­chung mit der Rcichsregierung über die Einführung des wertbeständigen Lohnes. Am Frei­tag tvevuen alle Spitzmorganisationen der Ge- we.ls i.aften zur Ausarbeitung eines einheitlichen Vorschlages zufammentretcn. Der bisherige Mei-

Nr. 143

Erscheint täglich, außer Sonn- unh Feiertags, mit derSamstagsbeilage: BießenerFamilienblätter rNonallichevezitaspreffe: 5000 Mark einschließlich Trägerlohn,durch diePost 5000Mark,auchbeiNicht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Dewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrist- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Liehen.

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Borsck . ige Poiu c a res über di: T:srhung des Ruhrgrl icts guihri'' _.i. Eine Billigung der Ruhr- politir oder eine T n.rrä b?i der drutschen Re- gicrung, um bei i Die v nsrelluug des passi­ven Widerstandes ducHzusrhen, sei glatt unmöglich. Viel Wahrs5-:inlich»r sei es, daß die encliixt - Regierung als Pr.is einer Derständi- ffung die Rückkei; r zurunsichtbaren D e- s e tz u ii g fordern werde; 2. Baldwin wmde alles Erd .nrlich: einer Verständigung zulieb: tun und zu großen finanziellen Opfern bereit sein. Aber trenn die Polistl Poincarös oder die seines Rachfolgers dieselbe bleibr. steh: es fest, daß binnen kurzem die Außenpolitik Englands sich völlig neu orientieren werde. Zur ilnferftütjung dieser Auffassung führst der Berichterstatter an: erstens Laß man in englischen Handels- und Industrie- krcisen die W ie d c r her st e l lun g der euro­päischen Märkte für unerläßlich halt:, zwei­tens, daß im Tlnterhaus die MehrhZt der Kon­servativen und die gesamte Opposition einmütig die RuHrpolitik ve:ur eile, drittens, trenn demVer- ständigungsversuch Baldwins der Erfolg versagt werde, werde <s zu keinem weiteren Schritt im Sinne dec Aussöhirmrg kommen. Gegen ihren

Die Rüufttge Politik des ßa^metts Valdwin.

Paris, 20. Juni. (Wolff.) Ein Londoner Mitarbeiter der .,V : Rvuv /ste" glaubt die f ü n f- tige Politik des Kabinetts Bald­win in folgende drei Leitsätze -usammenfassen zu

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