Mittwoch, 20. Juni 1925
175. Jahrgang
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläts-Vuch- und Steindrmkerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7-
Erscheint idglid), außer Sonn» und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GießenerFamilienblätter MonotlicheSezusspreife: [»OCO Mark einschließlich Trögerlohn,durch die^Oost stvOOMark.auchöeiNlcht- crscheinen einzelner Nummern infolge höherer (Bemalt - F ernsprech, Anschlüsse: für dieSchrift» ’ Ititung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. lichten: Anzeiger Gießen.
poftschealonio:
Sraafturt a. M. 11686.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorhrl ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v.27 mmBreits örtL 160 Mk., auswärts 200MK.; für Reklame- Anzeige n von 70 mm Breite 800 MK.Bei Platz« Vorschrift 20"/, Aufschlag. • Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Go?tz; für den übrigen Teil: Ernst Blumichein; fürden Anzeigenteil: Hans ‘BeJt, sämtlich in Gießen.
Beratungen in Berlin.
Berlin, 19. Ium. Wie «Die Zeit" hort, «erden der Reichskanzler und der Mmister ,b«3 Aeußern am Donnerstag die Vertreter der Reichstagsfraktronen empfangen, um mit ihnen die außenpolitische Lage zu tefpre= ",che n.
Berlin, 19. Juni. Der Reichs'anzler hatte, riie die Blätter hören, vonnit ags eingehende Be- syrechnngrn mit den maßgebenden Vertretern der Banken über die durch den neuen Markst urz geschaffene Lage. Rach dem bisherigen Lauf der Bcrl.-andlungen dürfte, der «Zeit" zufolge, die Börse allen Anlaß zur Vorsich t haben. Das Ziel der Besprechungen, dessen Erreichung mit Sicherheit angenommen wird, besteht in durchgreifenden, wirksamen Maßregeln zur Dcernflussu'.g der De- visenentwicklvng. 3n bim mittags eingeireteaen Rückschlag der Devisenkurse scheint bereits das Reagieren der Baissespekulation auf die in Aussicht stehenden Maßnahmen zum Ausdruck zu lom- nen. Wie das Blatt betont, sollen die bevorstehenden Maßnahmen diesmal nicht geeignet sein, der Spekulation das Kausen auf Vorrat ratsam erscheinen zu lassen.
Dem «Vorwärts" zufolge soll die Ursache des augenblicklichen Rückganges der Dev.s.nkursr eine neue Stützungsaktion der Reichsbaiik sein.
Der wertbeständige Lohn.
Berlin, 19. Jura. (WTB.) Hclwr die Frage eines wertbeständigen Lohnc-s hat im Reichsarbeitsmi'isterium eir.e D.sprech'.'.ng mit den Spitzenvrga" i'ati nm der Arbeitnehmer stattgesunden. Es ergab sich dabei, daß sich die Absichten des Ministeriums und di: Vorsch'äge der Gewerkschaften ungefähr in gleicher Richtung b:= v egten. Verschiede 72 Fragen b.dürfen noch der Klärung, svwohl seitens der Regierung als auch seilens dir Gewerkschaften. Man stosst aber, schon im Laufe der nächsten Woche in gemeinsamen Verhandlungen zu c.ner endgültigen Regelung zu kommen.
Griiic französische Lüge.
Man schreibt uns:
3n der Generalversammlung der Gesellschaft Radio-France in Paris hat nach dem .Temps" vom 8. Mai M. Jules C a m b » n eine Ansprache gehalten, in der er u. a. ausführte: .Mit der schweren Last ihrer Re'ara'iv en, an- gifichts eines Deutschland, das, wenngleich es keine Mittel findet, uns zu bezahlen, moralisch und materiell fcbte nationalen Funkgesellschaften unter ftütjt, hatte die französische Regierung weder die finanziell-m Möglichleiten, roch die erforderlich: Hwrdlungsfrm- heit, um gege-nüb r der gieriger Konkurrenz der fremden Privatgesellschaften kal.it zu narren, uns einen würdigen Platz in der Kontrolle und in dem Besitz d r i tter atiD.talen Verbindungen zu sichern." Diese Aussüstrungen des Herrn Jules Cambon ze'gin von n:uem, mit welch in verwerflichen Mitteln der Haß cegen Deutschland in das französische Volk hi eingetragen wird. Die Angaben, daß die deutsche Regierung die Funk- cesellchaft.n unterstützt, ist einfach aus der Lust gegriffen. 3m Gigeiiteil müssen di: xv.m össentl.chen Terlehr auf Grund einer Reichs- konzession zu gelassenen Fankgesellschastin aus ihren Einnahmen so erhebnche Abgaben zahlen, daß das Re ch aus dem privaten Fu.ckrerlehr bisher größere E.nrünfte bezogen hat als die Kon- zess'wnäre selbst.
Die Ausweisungen.
Ludwigshafen. 19. Jun'. (WTB.) Heute sind hier acht Eisenbahner nebst Frauen und zehn Kindern au’geirie'c.i toor:en.
Frankfurt a. M., 19. Zu.tt. (WTB.) 3m , Gebiete von Ober- und Riederlahnstein lind heute 21 E i s e n b a h n b e d i e n ste ' e der größte Tril mit ihren Familien, ausgewiesen worden. Die i Leute dursten nur Kleider und Leibwäsche mit- nehmen. 3n Wo ms und Umgebung sind 68 Bedien stete und aus Bingerbrück 148 Eisenbahner ausgewieseu werden: mor- ' gen werden aus Bingerbrück wahrscheinlich noch ; Leiters 153 erwartet. Bingerbrück soll dann von deutschen CisinLahnern vollständig entblößt sein.
Nruc 2(ir5wctftitißcn rtiib Drau ifnÜcrnuflcn an der N?oscl!
Gießen, 16. Jun«. Gestern traf wieder ein größerer Transport Ausgew'.esenrr aus den Alosekorten Salmrohr. Bu'lry, Alf und Koblenz u,«l. dem Cifelort Erdorf in Gießen ein. Ohne ^ate mu'.t?i sie ihre Heimat verlasstn Morgens in aller Früh: gegen 61/» rl.hr erschienen plötzlich sranzösische Gendarmen mit einem g oße i Aus- gebot Marokkaner und sperrten d e Straßen ab. Hierauf drangen sie in dir Wohnungen der srred- lichen Schläfer ein und befragten die Leute teil- ioeisc sogar in de n Schlafzimmern, ob sie die Arbeit für die französische Ersen bahn regia aus nehmen wollten. Keiner der Befragten ist von der deutschen Sache abgefallen, feiner hat seinen Diensteid gebrochen. Hierauf erfolgte die Au-wei ung Man liSß den Armen laum Zeit zum An! eiden. Alle mußten den Cchlüsscl für ihr: Wohnung abgeben. und halb en gezogen wurden sie durch ein Aufgebot der DLarlcka'aner mit ausgepslanztem Seitengewehr zum Bahnhof abgrfü >tt. Die herbeigerilt.n Dorf- klrchner, die von ihren Bekannten Abschied nehmen wollten, wurden unter Mißhandlungen ft stoss abgeü .e e Da es einigen beherzten jungen Wienern des Ortes gelungen war, zum Bahnhof brrzudringen und die Wagen mit Laub und Dünnen zu schmucken, wurden sie vom französischen Kommandanten, der sich besonders durch
seine Schienen hervortut, gezwungen, den Schmuck wieder abzureihen und dann mit der Reitpeitsche da von gejagt. Einige von ihnen wurden sogar zur Strafe 5 Stunden in einen Keller eingesperrt. Unter den Vertriebenen befand sich eine 66jährige kranke Frau und eine Mutter mit einem kaum drei Wochen alten Kinde. Da das Kind kränklich und schwach war und der lange Transport für das Kind mit Lebensgefahr verbunden war, bat die Mutter, chr Würmchen e ner Verwandten zur Pflege übergeben zu dürfen. Rach langem, vielem Bitten lieh sich der Offizier dazu herbei, dies zu gestatten. Ein Marwttaner riß ihr bas schreiende Krad aus den Armen und übergab es mit höhnisch- tierischem Grinsen cher danebenstehenden Verwandten. Schweren Herzens mußte die bedauernswerte Mutter Abschied nehmen von dem Liebsten, was sie besessen und mit ihren Leidensgenossen den Zug besteigen.
♦
Diesem Ausgewie'enen-Transpo t folgt: heute ein weiterer in Stärke von etwa 503 Köpfen aus Trier und der Eifelstrecke Ehrang—Gerolstein. Auch diese Leute, die man ebenfalls um 6 Llhr morgens aus den Betten heraus ausgewiesen hatte, war das Mitnehmen irgendwelcher Habseligkeiten untersagt. Verschiedenen, die trotzdem sich einige notwendige Kleinigkeiten mi.genommen hatten, wurden diese auf dem Bahnhof von den Spahis und Marokkanern abgenommen. Unter den Ausgewiesenen befanden sich fünf Cisenbahnbeamte der Reichsbahndirektion Trier, die vor der erfolgten Ausweisung 4 Tage in einem französischen Mili'.ärgefängnisse in Trier schmachten mußten und hier die denkbar schlechteste Behandlung erfahren hatten.
Wie uns soeben gemeldet wird, sehen die Franzosen die Ausweisungen in Trier in verschärftem Maße fort.
Neue Verfügungen Degouttes.
Essen, 20. Juni. (WTB.) General De- g v u t't e hat eine Reih» weitern Verfügungen erlassen. D'.e Verfügung 44 ordnet an, daß sämtliche Kraftfahrzeugbesiher sich bei der Besatzunglbehörden Er.aubn ssch.i .e ausstll- len lassen müssen. Bei Zuwiderhandlung sollen schwere Strafen verhängt und außerdem die Gefährte beschlagnahmt werdem Durch die Versüßung 46 wird der Verkehr von Lastkraftwagen zwischen dem Cinbruchsgebiet und den d:r Ge- rchtsbarckei: der Rhein la. Kommission unterstellten Gebieten geregelt. Die Verordnung 47 betriift die Sperrung von Roh-, Halb- und Fertigprodukten, di: vo.r, den Hüttenwerbm derjenigen Gesellschaften oder Konzerne hergestellt s.vd, wrlck: di: Kohlersteu-er an die Frau- zrsen n'cht bezahlt haben. Auch diele Verfügung sieht für Zu wide r hand!ungen Gefängnis- o'cer Geldstrafen vor.
Münster, 20. Juni. (WTB.) Die deutschen Eisenbahner in Gelsenkirchen sind, soweit sie sich überhaupt noch im Dienst befinden, der größten Willkür Der Besatzungstruppen unterworfen. So wurde gestern das Lokomotiv- und Zugpersonal, das von Gelsenkirchen-Bismarck nach Buer fahren wollte, um cir.cn Kindertransport abzuholen, von L-elgi'chen Ei en- bahwro mit vor gehalten em Revolver gezwungen, den Dadnkorper zu Verlasses. Rach der Rücklehr des Personals nach Bismarck wurde cs einem zweistündi;em Verhör unterworfen. 3n Gelsenkirchen-Schalke wurden sechs Lolomo- t i t> e n beschlagnahmt. 3n Langendreer verhafteten die Franzofen 40 Eisen.ahnw von d.r Straß: w:g. die 11 mit ihren Familien aus- gewiesenen Kollegen beim Tlmzug Hilfe lllsteten.
Ein neuer französischer Mord.
Trier, 19 Juni. (WTB.) Ein: frevelhafte Mordtat wird aus Beurig an der Saar gemeldet: Am 8. Juni ging der Zugabfertiger Rik. Weber auf d:m Fußwege nm Bahndamm nach Hause. Von d:m marolkan'schen Posten wurde er gezwungen, art der gegenüberliegenden Böschung hinaufzusteigen, worauf der Poften 5 Schüsse auf ihn abgab, von d:n?nWeoer drei trafen. Erst nach ein gen Stunden ließ ihn ein französischer linier cf fixier nach H-au'e bringen. Weber erlangte nochmal vorübergehend das Bewußtsein .wobei er l i? Angaben machen konnte, und starb drei Tage später. Der Posten behauptet, daß er von Weber angegriffen worden fei, was aber nicht glaub- wördig ist, dr weder der Posten -eine Verletzung aufweist, noch bei dem Erschossenen irgendeine Waffe gesunden wurde.
Eine neue Panik in Dortmund.
3n Dortmund sind, wir la at «Voss. Ztg." jetzt sestgestlll'. wurde, am Sonntag abend zehn Schüsse au; einen französischen Posten abgegeben worden. d'e indessen nicht trafen. Da in der Stadt das Gerücht kursierte, daß der Posten erschossen werden se., und man deshalb d'e Verhängung .Her neuen V rllh sperre über Soiimunb befürchtete, Verl ieß alles fluchtartig die Straßen. Die Vorstellung im S adttbeater wurde vorze'tig abgebrochen. Der S.adt s.nd wegen des v.rfuch'.e-n Attentats neue Strafmaß nahmen angedroht worden.
Dortmund, 19. Juni. (WTB.) Die organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten von Groh-Dortmund haben ein: Kundgebung erlassen, in der es hellst: 3nsrlge der Besetzung sämt.ich-er Bahnhöfe einschließlich der Werkstätten ist der Personen- u L Frachtgütervellehr durch die Eisenb ahn völlig lahmgelegt. 3n Zukunft sollen die Eifenbahner mit der Ausweisung bedroht werden wenn sie nicht gewillt sind, für die französische Regie zu arbeiten. Die Angestellten und Beamten
nehmen an dem Schicksal der Eisenbahner innigsten Anteil und versichern sie ihrer t a 11 r ä f t i g ft e n Hilfe, iln cre Mitbürger dürfen versichert sein, daß seitens der berufenen Stellen alles geschieht, um auch der neuert Schwierigketten Herr zu werden.
Eisenbahnnnfättc der Franzosen.
Köln, 19. Juni. (WTB.) 3n der Rächt vom 17. auf den 18. Huni e n t g l e i st e ein G ü t e r z u g der französisch-b.'g schen Re^ie bei dem Block Ohndorf an der Strecke Elsdorf- Bedburg. 3m Bahnhof Pfalzdorf entgleisten beim Rangieren sieben Personenwagen und ein beladener Güterwagen der französisch- belgischen Regie An der im Dau befindlichen Strecke Libiar-Dernau werden zur Zeit in der Rühe des Bahnhofs Rheinbach die dort lagernden Schwellen von den Franzosen aufgeladert und abbefördert.
Unpatriotische Gemeinden.
Frankfurt a. M., 19. Juni. (WB) Von gut unterrichteter Seite wird uns mitgeteüt, daß in den Gemeinden der Kreise Bittburg un) Daun (Di.-eltionsbezirk Trier) das Zus-ammenarbetten der Gemeinden mit d.r französisch - belgisch-' n Eisenbahnregie zunimmt. Stellenweise versehen Gemebrde.atsmi glieder Stleckenüär e - und Sch.anleawärterdienste. Auch aus de n Dir^ktions- bezirk Mainz wird gemeldet, daß die Bewachung der Bah (Übergänge unter Beteiligung der deutschen Vürgerm^isterämter e.folgt, und das trotz der Widerstände des Eisenbahnperso-.als und ter entgegengLsetzten Anordnungen der Regi-wungs- stellen. Es braucht ja nicht weiter betont zu werden, daß ein solches Vorgehen dem deutschen Widerstand den schärfsten Abbruch tut. Hauptsächlich aus der Strecke Ti gerbrück—Koblenz sollen die Gemeinden zu diesem Zwecke fast durchweg Arbeitslose eingestellt haben.
Auf der Strecke Grünstadt—Ockeunheim und Freinsheim—Frankenthal Halen die Franzosen den Eisenbahnbetrieb wieder auf genommen.
Die Pfälzischen Zuck rfnbrikcn von den Franzosen beschlagnahmt.
Ludwigshafen, 19. 3uni. (WTB.) Die Zuckerfabriken in Frankenthal, Frie- den sau (Limburger Hof) und Offstein sind gestern von den Franzosen besetzt und die Vorräte beschlagnahmt worden. Man nimmt an, daß sich das Vorgehen ähnlich wie in der Badischen Anilinfabrik oder wie in den Höchster Farb- we'.i'en gestalten wird. 3n Offstein haben die Arbeiter den Betrieb sofort stillgelegt: von den anderen besetzten Werken ist noch keine Rach- richt eingetroffen.
Die von den Franzosen besetzten Zechen.
Münster, 17.Juni. (WB.) Aus einer älelersicht über die bis zum 17. Juni besetzten Zechen des Ruhrgebiets ergibt sich, daß von ben bis zu dem genaunten Tage besetzten 55 Zechen- antagen 9 wieder geräumt worden sind.
Eine Rede Severings im Preußischen Landtag.
3m Preust scheu Landtag hielt am gestrigen Dienstag ter Mi.ister des 3nnern Severing eine Rede, in der er aussührte: Wir sind btt den zuständigen Stellen des Rttches vorstellig ßCä'.or € \ tarn t Lebensmittel i t genügen» d.rMeng' in iai befette Seb i et ce a .gen. Alle Ari-tt rann aber nur Erfolg haben, wenn in den Lohnzahlungen feine Ua1cvbr?d)ungen ein setzen. Wenn die Kommunisten an die Herr- schatt kämen, würde das Brot woch teurer werden. Die An rage der Deutschen Voltspartei über die p.oletarischrn Hundertschaften kann ich für) dahin beantworten, daß diese Hundertschaften aufgelöst sind. Gegen S ch l a g e t e r ist ein Steck- brieb von mir rächt erlassen worden. Die Anzeige hat der Bürgermeister von Kaisers- werth erstattet. Sein Brief kann aber dazu nicht beigetragen haben, Sch.ageter d.n Franzosen zu verraten, da dessen Dries an das Preußische Fayndungsamt gerichtet war. Es ist soviel wie s.cher, tast nicht der Düegeeme-ister von Knisers- v:erth, sondern CRoß bad), Götze und Schneider Schladter verrate l haben. (Stürmisches Hört, hört! l.n.s, lärmender Wieeispruch rechts.) Sie drsir.iien lies '.och, geben ab:c bereits zu, mit Geld von dem französischen Spionagebureau gearbeitet zu haben. (Hört, hört! links, Widerspruch rechts.) Sie g:b:n zu, von. dem französischen Spio aqcbi'reau 700 C03 Mark erhalten zu haben.
Ab»e. Rippel (Dnl.).ertklärte, daß die Rede des Ministers die v-erai'-twortungsloseste gewesen wäre, die er je gehalten habe. Es stehe unum^öst- lich fest, daß die Kommunistische Partei sch)n kurz nach lern Ruhreinbruch ihren Putsch -usummen mit den Franzosen vi rber-i.e: hat. (Lärmende, andaueri'.de Zw.schenruse de: Kommunisten.) Der Minister sollte .acht gegen die Leute stehen, die im Lienste des Vaterlandes arbeiten. Der Kamps um die Freiheit darf nicht so geführt werden, daß ein u^rtvoller Teil des Dolles mit Verbrechern und Lumpen in ein en Topf geworfen wird.
M.ttwvch Wei.erberatung.
Die belgische Krisis.
Paris, 20. Juni. (WTB.) Der Brüsseler Berichlerstarter des „Echo de Paris^ scheint I es nicht für ausgeschlofsen zu halten, daß ein katholisch-liberales - sozialisti- scheö Kabinett schliehlich doch gebildet
werden könne. Er nennt in diesem Falle als zukünftigen Ministerpräsidenten den ehemaligen sozialistischen ErnahrungSminister W a u - terS.
Meinungsverschiedenheiten in Lausanne.
Lausanne, 19. Zuni. (WTB.) 3n t ü r t i - sch en Kreisen der Konferenz wurde heute behauptet, daß die französische Delegation, die auf dw Anerkennung d.'s Drk.tti- r»oG Mutarern im vollen -Umfange beharrt, die üe’jer- reichung ein 21* gemeinsamen alliierten Rote mit ultimativem Charakter an die türkische Delegation vorschlige, daß der englische Delegierte aber seine Zustimmung verweigert habe Die französische Delegation dementiert diese Mitteilung und erklärt, daß B.r- handlungen gegenwärtig zwischen den alliierten Staaten geführt werden, daß jedoch feine neuen Instruktionen nach Lauiaan2 geschickt worden seien. Es scheint sich aber zu bestätigen, daß die gegenwärtigen Verho.nd.u:gen zwischen Paris, London und Rom sich mit dem französischen Vorschlag der Entsendung einer entsch.tt enstcn. Rote befassen und daß über die Zweckmäßigk.stl, den stlmfang und den Charakter dieser Demncche beträchtttche Meinungsverschicd.nheit^n bestetzen.
Schweizerische KriiiLr des VölkerbEdes.
Bern, 19. Juni. (Wolff.) 3m Rational- tat hat gelegentlich der Debatte über den Ge- schäftsbettcht des Bundesrates für 1922 der katholisch-konservative Abgeordnete Mülle r-Lu° zern auch die Tätigkeit der s ch w e i ze r i - s che n Delegation im Völkerbund zur Sp ache gebracht. Er führte dabei unter anderem aus: Das Volk hat in den letzten (Jahren so großes Interesse an der internationalen Polittk gewonnen, daß wir keine Vogetstrauß-Politik mehr treiben können und dürfen. 3ch erinnere an die Zustände im Ruhrgebiet, wo Urteile gesprochen werden, die an vergangene Zeiten der Barbarei erinnern, Urteile, die uns erheben machm. Man mutet uns hrnte zu, zu schweigen; man war früher bei uns, gerade ist den ersten (Jahren der Eidgenosst-nschrft, nicht so rücksichtsvoll und man schwieg nicht, als sich Ungerechtigkeiten zeigten. Heute scheint das Rechtsgefühst cingesch'asen zu sein. Der Völkerbund handelt nach dem Wort im Gleichnis vom barmherzigen Samariter: „Er sah ihn und ging vorüber". Dis jetzt ist der Völkerbund nicht gegen die Gewalttätigkeiten eines seiner Mitglieder vorgegangen, man darf nicht einmal davon sprachen. Das hat in unserem Volke bitteren Unmut geweckt, darum verwirft es, was von Bern kommt, weil es sich von den Dundesvätern nicht ein, zweites Mal anlügen lassen will. Man bat das Volk getäuscht mit Ausgaben, die viel höher sind, als man sagte. Wie in Norwegen wird auch, in der Sch,wttz eine 3nitiatite für den Austritt aus dem Völkerbu,rd kommen, wenn er weiterhin die Probleme, die schreiend nach seinem Eingreifen Verlangen, unbeachtet läßt. Die Gegner des Völkerbundes haben diese Entcoick- lung vo.ausgesehen und alle ihre Besürch ungen haben sich leider erfüllt. Die Vertreter der Schweiz brauchen im Völkerbund nicht der Hansdampf in allen Gassen zu sein. Mit F.-euden erkennen wir tie Tätigkeit des Bundesrates Motta an und wir tonnten nicht Zugeben, daß er in unserer Völkerbundsdelegation ersetzt werden soll. Wir wollen im Volke« bunde tun, was wir können. Erweist sich dabei die Arbeit als unnütz, so wollen wir lieber austreten.
Aus dem Reiche.
Der Reich LprafidenL in Msnuar.
Weimar, 19. Juni (Wolff.) Der Reichspräsident ist, von Ministerialdirektor Meißner und dem thüringischen Vertreter bei der Reichsregierung, Minister Dr. M ü n?. e L begleitet, heute vormittag zu einem Besuch der thüringischen Landesregi 2iung und zur Eröffnung der 3 ug endfest spie le des ,,S chi l le r bn n- d e s" hier eingetroffen. Am Bahnhof wurde der Reichsprösrdent von Staatsminister Fröhlrch, dem Vorsitzenden des D^utschan Schillert unoes Professor L>r. Scheidemantel, dem Stadtüirektor und dem Kreisdirektor empfangen. Alm 12 Tlhr fand im Gebäude des thüringischen Fi.ranzmini- ste.iums eine Besprechung des Rttchspr iisidenten mit den Mitgliedern der thüringisch?a Regierung und dem Landtagspräsidenterr statt.
Derläarsrung teS Vejoldungssperrgcsrtzrs.
Berljn, 19. Juni. (WTB.) Der H.aup t- a u s s ch u h des Reichstags hat heute eine Entschließung angenommen, die die Gültigkeit des bisherigen Desoldungssperrae- setzeö bis 1. April verlängert. Die Regierung hat den von ihr vorgelegten Entwurf betreffend die zweite Aenderung des Besoldungsgesetzes zurückgezogen. Ferner wurde eine Entschließung des Zentrums und der Sozialdemokraten angenommen, in der die Reichsregierung ersucht wird, auf die Landesregierungen dahin einzuwirlen, daß diese die Durchführung des BesoidungSsperrgesct- zes gegenüber den Gemeinden und sonstigen öffentlichen Körpersch^f-.en mit Rachdruck betreiben. Rötigenfalls sollen von Reichs wegen Ausführungsbestimmungen zum Besoldungsgesetz erlassen werden. Ferner wurde


