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Hr. 67 Sroettes Blatt

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Aus Stabt und Land.

©ieften, den 20. März 1923.

Die Dollarschatzanweitungen.

Unter Hinweis auf die in unserem Blatte veröffentlichten Bekanntmachungen über die Dol- larschatzanweis ungen, bringen wir unseren Lesern nochmals die wichtigsten Ginfelchriten, die der Interessent wissen nrul;, in Erinnerung :

HSHe der Anlei'ye 50 Milllon-rn Dollar, Zeich­nung büS zum 24. d. M. bei den bekannten Banken und Girozentralen. Zeichnungspreis 100 Prozent.

Einzchhiung in amerlkaTTifchen Dollar und an­deren Devisen, auch Olafen zu bestimmten Um« rechssrungskursen, und zwar mindestens 40 Prozent Einzahlung bei der Zeichnung, der Rest bis zum 14. April 1923.

Vergütung für EinzaMungen vor dem 14. April 1 Promille in Mark für jede volle Woche der Boraus-cchlung in Boten oder telegraphischen ÄützzcMungen

Stückelung: 5, 10, 20, 50 und 100 Dollar.

Rückzahlung nach 3 Jahren zu 120 Prozent in Dollar ooer Gold, mithin eure Verzinsung von über 6 Prozent.

Verleihbarkeit. Die Dollarschahanweisungen werden bet den Darlehnskassen beließen zu 60 Progent des Börsenkurses, wenn der Darlehns­nehmer die Verpflichtung übernimmt, seine Rück- zcchlung 4 Wochen vor dem in Aussicht genom­menen Zahlungstage anzu kündigen, ohne solche Bindung zu 40 Prozent, wobei der Kurswert des Dollars höchstens mit 20 000 angenommen wird.

Steuerliche und sonstige Erleichterungen. Die Rückzachlung erfolgt ohne jeden Abzug. Die Hin­gabe der ausländischen Zahlungsmittel zum un­mittelbaren Erwerbe der Dvllarfchahanweisungen auf Grund einer Zeichnung ist von der Devisen» irmfattfteuer befreit. Die selbstgezeichneten Dollar­schatzanweisungen tonnen für die Veranlagung zur Stufemmen» und Körperschaftssteuer mit dem­selben Werte eingesetzt werdet!, mit dem die als ^Segenwert hingecebenen Devisen einzusetzen sein würden. Aktiengesellschaften und Kommandit­gesellschaften auf Attien, die ihre gesetzlichen Re­serven oder einen Teil davon in Dollarschah» anti>eifungen anlegen und aus diesem Besitz Ver­luste infolge Rückganges des Dollarfurses erlei­den, bürfen diesen Verlust vom gesetzlichen Re­servefonds abschreiben. DvllaZchahanweisungen werden als Sicherheit für Zollkcedite angenonv- men

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* Zwangsinnung der Bau Unter­nehmer und Maurermeister im Land­kreis Giesten. Rachdem bei der Abstimmung die Mehrheit der beteiligten Gewerbetreibenden sich für die Einführung des Beitrittszwangs er­klärt hat, ist Dom Kreisamt angeordnet worden, dah zum 1. Mai 1923 eine Zwangs Innung für Bauunternehmer und Ma arermeifter im Land­kreis Diesten mit dem vorläufigen Sitz in Diesten und dem Romen ZwangSinnung für die Bau­unternehmer und Maurermeister des Landkreises Diesten" errichtet wird. Bon dem genannten Zeit­punkt an gehören alle Bauunternehmer and Maurermeister des Landkreises Diesten dieser ZwangSinnung an.

* Eine öffentliche Mieter »Ber­fa m m l u n g. etnberjfen vom Giestener Mieter- Verein. beschäftigte sich am Sonntag abend im Katholischen Dereinshaufe mit der Wohnungs» p c l i t i v und mit dem Wohnungsw i che r. Der Vorsitzende, Kaufmann Weihbäcker, wies m seiner Eröffnungsrede den Vorwurf, der Mieterverein bestehe aus oerfoppfrm Sozmlde.no- freien, zurück. Der Vorstand umfasse alle Par­teien und finde deshalb immer einen Ausweg zur Verständigung. Das Reichsmietengeseh solle nicht aufgehoben, sondern zum Wohle aller ausgebaut toetben. Der Hausbesiherverein treibe Kala- strop^mpolitik, die Rot der Mieter fei mindestens so grob wie die der Hausbesitzer. 'Der letzte Za- schlag auf die Friedensmiete sei vom Kreisamt ohne Rücksicht auf die Einsprache des Mieter­vereins festgesetzt worben. ReichstagLabgeordneter Beckmann sprach hierauf über das Thema Wvhnungspolitik".' Das Reichsmietengeseh sei von den Hausbesitzern betämpft worden, weil die freie Wirtschaft ihnen jede Forderung an die Mieter gestatte. Wenn die Hausbesitzer mit ihrer Forderung von 24 755 Proz. Zuschlag auf die Friedensmiete durchdrängen, bedeute dies eine Steigerung des jährlichen Friedensmietpreises von beispielsweise 650 Mk. auf 129 246 Mk. ober 10 770 Mk. monatlich. Auch was bte Haus­besitzer an Betriebskosten (210 Pr,z.) ver­langten, sei za hoch Zu der aas 15Ö0 Proz. festgesetzten Wvhnungsbauabgabe könnten die Ge­meinden ebenfalls 1500 Proz. erheben: indes fei zu bemerken, dast bestimmte Einwohnerkategonen, wie SÜetn- und Sozialrentner, Kriegsbeschädigte, alte Leute, bis zu einem gewissen Einkommen von

Unter dem KreiheitZbaum.

Roman von Clara Biebi^.

68. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Rdamis scharfes Ohr horte Widerwillen, Granen, Schrecken heraus. Es durchfahr ihn: da, da dieses Mädchen, das in feiner Einfalt nicht all das verbergen konnte, was es doch gern Der» bergen wollte, würde ihm, ohne dast es das be» abfWigte. helfen, vieles aufzudecken. Gr durfte Maria Rikolai nicht aus ben Augen verlieren, ilnb kurz entschlossen sagte er freundlich: »Augen­blicklich weist ich Ihr kernen Platz, auher einem bei mir

3u Lutzerath?" sagte sie zögernd. Oh, das war nicht weit genug weg für sie, lange nicht wett genug Da konnte der Martin sie ja allzeit erreichen.Ich must viel weiter in die Wett," sagte sie leise

.Das kann Sie ja auch Ich werde Ihr schon etwas verschallen, ich weist Leute genug. Aber das geht nicht so pasch ich must deswegen erst toreiben, ilnb wenn Sie gleich aus der Muhle fort will

,3a, ja," fiel fte ihm hastig inö Wort-

Dann pastt's ja gerade gut bei nur Meme Haushälterin will schon lange ihre Tochter an

-Mosel besuchen, ich suche einstweilen jemanb, der sie vertritt.'

Es war nicht so, ferner Alten würde cs sogar «icht recht sein, zu dieser Jahreszeit eine Reise m machen, aber das half nun nichts; und nwchte fie denken, was sie wollte, sie matzte sich fügen. Wit einer ileberredungskmst, die ihn selbst Der» Hungerte, sprach er atf Maria ein. Er sah chr Zdgern, ihr ZwestÄn, er sühtte ganz genau: bte

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen) Dienstag, 20. März (925 .ÄfTOCL« .-JOBWiM

der Abgabe befreit feien. Redner betonte die Rot- wembigkeit. der Delämpfung des Daustvffwuchers, uirter dem weite Volksschichten zu leiden hätten, er bezeichnete ferner als Ausweg aus dem Woh- nungselend die Gemeinwirtschaft im Dau- und Grtlndstückswesen. An der Wohnungsfrage sollten alle Mitarbeiten, die soziales Verständnis haben, denn fic fei eine Kulturfrage. Eine Erhöhung der Mieten sei zu billigen, aber nur zu einem Satze, der das Erträgliche nicht übersteige. Der Refe­rent über den 2. Punkt der Tagesordnung: Wohnungs Wucher", Rechtsanwalt Horn­berger. bemerkte, dah das Reichsmietengeseh ganz gut sei, hätten auch die Hausbesitzer heraus- gefunben, denn es Neste sich auch gegen die Mieter an wenden. Die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches seien durch das Reichsmietengeseh nicht aufgehoben. Roch sei der Hausbesitzer ver­pflichtet, die vermieteten Räume im Stand zu er­halten; es fei verkehrt, anzunehmen, dast dies erst geschehen könne, wenn das Geld hierfür von dem Mieter aufgebracht sei. Es sei recht und billig, dah gegenüber den Einschräirkungen, die sich die Mieter auferlegen müßten, sich auch die Haus­besitzer einschränken. Hohe Mietpreise gefährden auch die Volkstoohlfahrl in sanitärer Hinsicht. Die Wohnungsbauabgave werde drucken, aber sie ge­reiche den M eiern zum Vorteil; sie müsse auch vom Hausbesitzer mitgetragen werden. Redner kritisierte weiter die Art und Weise der Fest" sehung der Friedensmiete durch das Mieteini­gungsamt. Die Degründüng der Mietsteigerung mit höheren Hypothekzinsen sei nicht gerechtfertigt, weil die meisten Hypotheken gar nicht inehr be­ständen; die Gold-Hypotheken würden mit Papier abgetragen, es sei bedauerlich, dah hier der Staat nicht eingreifen konnte. Wenn alle in Gold errich­teten Hypotheken ebenfalls in Gold zurükge;ahlt werden mühten, dann wäre die Reparations­frage gelöst, bann würden auch die Mieten in Gold gezahlt. Redner behandelte weiter die Be­triebs- unb Verwaltungskosten, die Grundsteuer usw. Auch der Hausbesitzer fei za Opfern ver­pflichtet im 3ntereffe des Ganzen, die Mieter mühten ja auch auskommen, nachdem sie ihre Goldwerte verloren. Grund und Boden seien keine Ware, denn beide seien vorhanden und nicht erst herzustellen. Der Handel damit sei Wucher. Stadtv. Mann erwartet eine Besserung in den Wohnungsverhältnissen nur von der ülebernafjme des Wohnungs- und Bauwesens in den Besitz der Allgemeinheit. Er wies auf die Schädlichkeit des Daustvffwuchers hin und bemerkte, dah bie Ein­wohnerschaft bzw. die Mieter selbst einen großen Teil der Schuld an den jetzigen Zuständen tragen, weil sie die Qfertretuhg ihrer Interessen in un­richtige Hände gelegt hätte. Schliehlich mißbilligte der Redner die Höhe des PachtgellreZ für die städtischen Triebviertel. Währ«rd die Frankfurter Stadtkämmerei für Kleingartenland pro Ar unb Jahr je nach A röste 300, 250 unb 200_ Mk. fest­gesetzt habe, fordere die Stadt Giesten für den Ar 6 Pfund Roggen, was einem Pachtpreise von 2400 Mk. gleich komme. Die Folge sei eine un­geheuere Verteuerung der landwirtschaftlichen Er­zeugnisse, besonders von Kartoffeln und Gemüse, denn die Landwirte legten der Preisstellung die städtischen Pachtpreise zu ©runbe. Der folgende Redner, Herr Bock, hält dieWvhnungsbauabgabe für zu hoch und empfahl stärkere Heranziehung derjenigen, die ihre Häuser in Miyivnenwerte um­gewandelt haben. Herr Hebermehl brachte nachstehende, von der Versammlung einstimmig angenommene Gntscchiestungen ein: 1.Die am 18. März 1923 in Giehen tagende stark besuchte Versammlung der Mie erschaft der Stadt Giehen erhebt einmütig Protest gegen die sprunghafte Steigerung der Mietzuschläge. Sie geht dabei von der Erwägung aus, dah bei der Festsetzung dieser Zuschläge nicht nur die Interessen der Haus­besitzer, fonbern auch die Existenzmöglichkeit der Mieter zu berücksichttgen ist. Es ist weiter dabei zu erwägen, dah der feines Goldbesihes jetzt voll­ständig entkleidete Richtgrundbesiher nicht die AusgÄre hat, aus seiner Arbeit den Wertbesitz- stand des Haus- und Grundbesitzers zu erhalten.

2.Die am 18 März 1923 in Giehen tageirde öffentliche QEicterberfammlung richtet an das Hessische Ministerium für Arbeit und Wirtschaft die dringende Ditte, dahin zu wirken, dah das Wohnungsbauabgabegesetz dahin abgeändert wird, dah die Höhe der Abgabe nicht nach der Groste der bewohnbaren Fläche, sondern in erster Linie nad) der Steuerkraft des Inhabers bemessen wird. Das seitherige Verfahren hat zur Folge, dah die weniger bemittelten Volkskreise darnach trach­ten, enge, kleine und deshalb billige Wohnungen zu beziehen, was im Interesse der Volksgesund­heit nicht gefördert werden darf."

Heffen-Naffau.

fpd. D a d Homburg v. d. H, 19. März. Eine nach sehr starker Romantik riechende Ge­schichte trug sich am Sonntag hier zu. Im

wollte, ihrem Herzen entgegen, fort, weit fort Unb zwar nur ihres Vaters wegen. Ja, es war so, tote er sich's dachte: der Alte war ein Ver­brecher, bte Tochter wustte darum, and nan suchte sie zu entfliegen. Aber das durfte nicht sein, die wichtigste Zeugin durfte ihm so rasch nicht tzus dem Gesicht kommen. Seine Miene war gütig, es wurde ihm nicht schwer, bleiern ge­quälten Geschöpf wahre Herzlichkeit zu zeigen. Ziehe Sie nur fürs erste getrost bei mir an. Ich sorge schon." Er naht» einen Taler aus dem Perlbehäketten Deutelchen, das ihm Susanne einst gegeben hatte als erstes Brautgeschenk, und steckte ihr den in die Hand:Also abgmnacht!"

Abgemacht," sagte sie fast tonlos. Dann reichte sie ihm die Hand.

Er sah ihr noch nach, wie sie langsam, mit gesenktem Kops den Weg hinabscUich die war schwer beladen!

War denn heute ein Tag, an dem alles zu­sammen traf ? Adami war kaum oben in fein Haus getreten, als ihm ein Landjäger gemeldet wurde. Der Wann kam von der Mosel herauf. Da hatte man eine Stunde von Alf einen Men­schen auf gegriffen; der muhte Tag unb Rächt da im Dusch gefteft haben,, er war ganz Dcrflammt, denn die Rächte waren noch kalt. Er bellte vor Husten wie ein heiserer Fuchs und schlang wie ein verhungerter Wolf. Er schien einer von der Bande des Bückler-Hannes zu sein. Heraas- zubekommen war aas dem Kerl zwar weiter nichts. Wenn man ihn nach dem Bückler fragte, war er wie aufs Ma al geschlagen und sehr furcht­sam. Der Landjäger hatte ihn nicht gleich herauf- transportieren können, weil er krank war ob wirklich ober ob's nur Verstell ang war, liest sich nicht sagen man hatte ihn einstweilen zu Alf

Stadtwalbe wurde ein junger Mann an einen Baum gebunden Dorgcfunben. Er war nur mit Hose und Hemd bekleidet und trug keinerlei Darschaft bet sich. Der junge Rlann be­richtete, er sei von zwei Personen, die ihn auch dem Ruhrgebiet nach hier gebracht hätten, aas- geplünbert worden. Bei diesen Personen handele es sich um Mitwisser an der Grschiehung der beiden französischen Oftiziere m Buer, vielleicht um die Täter sechst, die jetzt auf dem Wege nach der Schweiz seien, um sich in Sicherheit zu bringen. Beide Personen seien Franzosen. Die zu­ständigen Behörden sind eifrig bemüht, Liebt in die Geschichte zu bringen.

Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhcssen.

Sitzung vom 15. März.

Die Lauterbacher Blechwaren - f a b r i k soll vom 5. März an den gelernten Ar­beitern über 25 Jahre 1200 Mk. Stttndenlobn zahlen statt bisher, seit dem 15. Februar, 600 Mk., und die übrigen Löhne in demselben Verhältnis erhöhen.

Der Grubenho z^ andüng Gerhard in Alsfeld gab der Sch ichtungsauZschutz auf, vom 5. Mär' an den vollwertigen Arbeitern über 25 Jahren 1175 Mk. Stunden lohn zu zahlen und abweichende Entlohnung etwa minder leistungsfähiger Arbeiter mit dem Holzarbeiter­verband zu vereinbaren.

15Dedttn.tete der Giestener städtischen St rastenbahn sind durch die Bftriebsein- fteUüng einer Teilstrecke anfangs März über­zählig gewo ben. Die Stadtverwaltung ersuchte unter Hinweis auf den § 74 des Betriebsrä.e- gesehes den gemein amen Arbeiterrat der städti­schen Betriebe, vorzusch'agen, welche Leute ent­lassen werden sollten. 2str Ar beiter rat beantragte aber zunächst gemeinsame Sitzungen mit den De- trieb&Dor ,ä den und der Detr.eb de u ation der Stadtverordnetenversammlung über die Frage der Unterbringung tvomöglich al er über ä l gen Sttastenbahnarbeiter in den anderen städtischen Betrieben in Stellen, die durch Pensionierungen, Sterbefälle unb Entlassungen frei geworden Ira en, und allenfalls über Ent.aisung besieraesiell ec Ar­beiter und Pensionierungen in allen Betrieben. Die Detriebsdepu ation gab diesen Anträgen auf gemeinsame Sitzungen nicht statt, konnte aber die allgemeinen Anregungen des Aroeiterrais zum Teil noch berücksichtigen. Aus Grand ihrer Be­schlüsse brachte die Stadtverwaltung 7 Strnhen- bahner in den anderen Betrieben unter und kün­digte weiteren 8 Strahenbaenarbe.tern. sowie vier Arbeitern des Gaswerks. In der Ab e jnung der gemeinsamen Sitzungen mit der Betriebsdepu­tation unb den Detr iebsvorständen sah der Qlrberterrat eine Verletzung des § 74 beä De- triebsrätegesetzes und rief deshalb den Schlich­tungsausschuh gegen die Kündigungen an. Dieser gab dem Einspruch nicht ftatt Gr stellte fest, dah weder dem Arbe'cterrät noch der Stadtverwalturag aus Anlast 8ev EntlassungsverHandlungen ein Vorwurf gemacht werden könne, gab jwvch der Erwägung der Stadtverwaltung anh im, etwaige besvirdere Härten zu vermeiden, wenn sich bei nochmaliger Prüfung der Verhältnisse der Betei­ligten noch toeniger hart Betroffene finden sollten.

®em Kündigungseinspruch eines Arbeiters der öadfabrif Megerle in Friedberg auf Grund der Demcchilmachungsverordnung gab der Schlichtungsausschuh statt. Die Entscheioung mich § 87 des Betriebsrätegesetzes in derselben Sache setzte er aus bis zur Betbringung der Unterlagen für die Berechnung des letzten Jahresarbeits- Verdienstes.

In allen Sachen erhielten die Streittelle Er­klärungsfrist.

Sitzung Dom 16. März.

In der ©treitigfeit des Deutschen Me­tallarbeiterverbandes uno des Ar­beitgeberverbandes für Lahngau Oberhessen über die tarifliche Regelung der Entlohnung, Aufwandsentschädigu'.geti undstvnsti- gen Zulagen der Montagearbeiter der Firmen Schaff st aebt und Appel in (Siehe) regelte der Echlichtungsausschuh die Streitpunkte durch Schiedsspruch. Die Parteien erhielten Erllä- rungsfrist.

Gießener Strafkammer.

Giesten, 16. März.

Der Raturheilftmdige W. W. von Foredberg trat vom Schöffengericht Friedberg zu einer Geld­strafe aus Grund der Gewerbeordnung verurteilt worden, weil er sich den TitelHomöopach", eine Bezeichnung, durch welche der Anschein erweckt toeröen könnte, dast e1 eine geprüfte Medizinal­person sei, beigefegt .hatte. Seine auf Frei­sprechung gerichtete (Berufung hatte Erfolg,

in einen festen Stall gesperrt, bis er nach Lutze­rath laufen konnte.

Ich komme herunter," sagte der Friedens­richter rasch. Er enlschlost sicy kurz: es toar das beste, er ritt mit dem Landjäger zusammen Helle abend noch bann blieb er die Rächt unten in Als, nahm morgen in aller Frühe den Vaga­bunden ins Verhör and konnte noch am selben Tage wieder hier oben sein. Er toar nicht dafür, unnütz Zeit zu verlieren. Hub nun hörte er noch etwas, das ihn um so mehr zur Elle anspornte.

Der Landjäger erzählte: Gestern war ein Kommando Franzosen von Koblenz gekommen, berittene Chasseurs, die hatten am Reifer Hals den Bückler abfangen wollen, der sich da Löse­gelb hinbeftellt hatte für ein Frauenzimmer, das von ihm verschleppt worden war in ein Hans im Wald. Das Haus gehörte einem gewissen Edinger, zu Pütcherich wohnhaft. Die Franzosen hatten sich in der Kapelle versteckt, aber der Bückler tarn nicht; und auch sonst keiner. Da waren sie barm überall berumgeritten ujtb hatten auch richtig das Haris von dem Edinger auf gefunden.Et toar en französische Tänzerin, die drin sah. Die soll mächtig spektakelt haben, all ifjre schönen Ringe waren weg. Die hätte ihr en Kerl abge­nommen. Sie wustt aber nit, wer der Kerl war."

Der Bückler!" Adami schrie laut auf. Aber bann besann er sich: konnte das fein?_ Vorgestern nacht war der lleberfall in der Mühle und feilte zu gleicher Zeit der Bückler an der Mosel unten gewesen sein? Also war beim -üeberfaH der Wühle der Bückler wohl nicht dabei gewesen. Es zuckte etwas in Adami auf: Freude über die Bestätigung seiner Annahnre und doch ein ge­wisses Grauen. Alle Heroen vibrierten in ihm. Immer näher, immer greifbarer trat die Gestatt

da das Gericht mmahm dast di ^ Bezeichnung Homöopath nicht als ein auf die Täuschung des Publikums 'bhpnefe-^'. Titel, sondern als Be­ruf sbezeichnung gewählt toar.

Glcichfalle. Freis p rechn ng erzielte der Arbeiter K. W. von G . en, de.- wegen Diebstahls eines Salles Briketts, bedangen unter erschweren- den älmständen, vorn Lchöfteirgericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wocren toar. Trotz dringender Verdacht so runde, die gegen ihn Vor­lagen, wurde auf ©ruitb der Beweisaufnahme ein voller Beweis für seine Täterschaft als nicht erbracht erachtet.

Degen ein Urteil des Schöffengerichts Mih- bach, drirch das die jugendlichen K St. unb H. aus Rieder-Weisel wegen Kor-rerverleynng zu Geldstrafen und Büste an den verletzten, den sie gemeinschaftlich geschlagen hatten, wrurteiü wor­den axxren, hatte der Verletzte als Rebenkläger Berufung verfolgt, um eine höhere Butze zu er­zielen. Seine Berufung wurde zurückgewie­sen, da er es unterlassen hatte, in der ersten Instanz die geforderte 'Duste ziffermnätziq anzu- geben unb eine Erhöhung des in der ersten In­stanz gestellten Dustanspruche--, als NElcher nur dec vorn Gericht als angemessen erachtete Be­trag gefordert worden toar, in der zweiten In­stanz nicht zulässig ist.

Der aus der ülntersuchungshast vorgeführte Arbeiter A. F von Ober-Wöllstadt hatte im Rrvember v. Is. einem Hllfsschafftrer auf der Fahrt zwischen Frankfurt und Estwtz-Karben erst nach uK'fyrmaliger Aufforderung seine Qlrbeiter* wochmfa'hrkarte zur Kontrolle Dorqc-.eigt, ihm alsdann, nachdem er die Karte zwecks Rach­prüfung an sich genommen 'batte, diese aus dem Dahichos Grost-Karben wieder entrissen. Dabei r<it er dem Schaffner mehrere Schläge mit der Faust in das Gesicht versetzt, so dast er 14 Sage arbeitsunfähig toar, unb ihn dabei mit groben Schimpf wort en überhäuft Unmittelbar daraus hat er den Schaffner wiederum angepadt, ihn nach dem bereits im Anfähren begriffenen Zug hin. gezogen unb dabei die Wor'e gebraucht : »Jetzt fliegst du brunter. Rur dem Umstand, dast sich der Schaftner mit aller Kraft gegen den Rand­stein des Bahnsteigs stemmte, war es zuzu- schrciben, dast ein gröfteres Unglück verhütet tourbe. Der Angeklagte, der behauptet, daft er wegen der Wegnahme der Frhrt'arte gereizt gc- trafen fei, und teeret eines in jüngeren Jahren erlittenen Herzschlaces sowie einer Mittelohr- Operation an Erregungszuständen leiste und rnanchmal nicht wisse, was er tue, wurde auf Grund des Gutachtens des Sachverständigen für vc-st verantwortlich erachtet. Mit Rücksicht aus die Roheit und Rücksichtslosigkeit, die er durch feine Handlnngsw-eise qegenüle: dem vslichtgernäst han° bclnbeit Eisenbahnbram en an den Ta-z gefegt 'hat, die ernsten Folgen, die leicht HLit.en er­wachsen können, fotok die Rotwendigkeit des Schutzes der leider vielfach beim reisenden Pu­blikum bei Ausübung ihrer schwereir Berufs­pflichten Widerstand findenden Ei enbaHnbeamten erschien eine strenge Bestrafung am Platze. Wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Körper­verletzung unb Bedrohung erhielt der Angeklagte eine Gefängnis st rase von 8 Monaten unter Anrechnung von drei Monaten ünter- suchsrngshaft, sowie 10 000 Mk. Geldstrafe wegen Dcamtenbeleidigung. Austerdem wurde khm die ZwAung einer Duste dn den Verletzten als Reben­kläger auferlegt.

Die Ehefrau A K. von Friedberg war an* geklagt, während ihres Aufenthalts im Kranken­haus in Friedberg einer anderen im selben Zim- mer untergebrachten Kranfen 25 Dollar entwendet zu haben. Der Verdacht gege.i sie wurde daraus Hergeleitet, dast sie in der Zeit, zu der dar Der* lüft des Geldes gerne sti wurde gröstere Anschaf­fungen in Kleidungsstücken gemacht und dabei mit Dollarnoten bezahtt hat während sie kurz vorher sich noch Geld geliehen hat. Sie ver­teidigte sich bamtt, dast sie das Geld im Spät- femmer vorigen Jahres von einem Amerikaner befommen habe, der sie mit nach Amerika habe nchmen wollen. Da tatsächlich feftr,e'tellt worden ist, bat sie um die fragliche Zeit 'Beziehungen zu einem inzwischen Wieste, nach Amerika gereiften Amerikaner gehabt hat, war ihre Schuhfehaup- tuug nicht zu axiberlegen und wurde da he .- man­gels ausreichenden Beweises trotz gewisser Ver­dachtsmomente das freisprechende Urteil des Schöffengerichts Friedberg bestätigt

Schöffengericht.

Giesten, 19. März 1923.

Ein Dienst knecht von hier hat einem hiesigen Landwirt zwei Säcke Hafer gestohlen. Ferner hat er gemeinschaftlich mit dessen Sohn mehrere Säcke Frucht entwendet, die d'.efer in seine Woh­nung verbracht hat. Der Landwirt hat den Straf-

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des Schmieds aus dem Dunkel heraus ein Kerl tote ein Riese, Des jungen Müllers Aussage stimmte! Armes Mädchm! Er dachfe in MitleÄ» an die Tochter Hans Basis.

Ratürlich ber Bückler," sagte der Land­jäger. »Kein anderer wär' ja so kühn. In dem Haus, wo sie die Frauensperson fanden, da war noch einer. Der lag unferm Tisch, ganz stumm und starr."Tot?" fragte Adami erschrocken.

Der Mann schmunzelte, laut zu lachen wagte er aus Respekt nicht:Re, besoffen. Der Edinger selber. So befoffen, dast er wohl heut noch nit zu sich gekommen is."

Unten zu Dorf Als, in einem Stall einge- schlcssen, lag ber Bursche Jean-Claude. Ver­zweifelt wälzte er sich auf ber Streu, auf der vor ihm schon ein Ochse gelegen hatte. Was sollte er sagen, was sollte er nicht sagen? Sollte er alles eingesfehen? Ach bann kam er zu den Franzosen vors Militärgericht sie führen ihn vor Sie Tore von Trier, sie fegen an auf den Deserteur ach er kam nimmermehr zu seiner Mutter heim! Rein, er wollte nicht zurück zr den Franzosen; lieber wollte er doch noch bei ben Deutschen bleiben. Er zermarterte sein armes Hirn: Was, was sagte er nur?! Die Prise klopf­ten ihm, sein Schädel hämmerte und sein Gesicht glühte; er hatte Fieber. Aber die Krankheit war es nicht, die ihn so peinigte die Sehnsucht, die Sehnsucht! Der Frühling, der da kommen wollte, den er gespürt hatte vor dem Walbhaus beim frühen (Sonnenaufgang, beim ersten Vogel­gesang und beim D pten der Erde, der hatte es ihm angetan, ber hatte ihn um sein aar -es biftchev Verstaub gebracht. Wäre er lieber doch nicht weg» gelaufenl (Fortsetzung folgt)