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Dienstag, 19. Zuni 1925

1Z5. )ayrgang

Erstes Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: Vrübl'sche Univerfitalr-Vuch- und Lteindrnüerei K Lanze in Gießen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze I-

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Zransturt o. M. 11686.

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Hungerblockade im Ruhrgebiet.

Die Stellung PoincarSs.

Paris, 18. Juni. (WTB.) DerEclair" weist in einem Artikel darauf hin, daß die Tat­sache, daß der ehemalige Minister­präsident B r i a n d sich bei der Abstim­mung über das Vertrauensvotum für Poin- care am Samstag der Abstimmung ent­halten hat, eine Bedeutung habe, der Poin- care nicht entgehe. Ein Führer der Republika­ner, von dem man geglaubt habe, daß er sich der Entspannung widmen wolle, schließe sich in der Kammer der Bewegung an, um nach

Essen, 18. Juni. (WTB.) Die durch älnter- bindung der letzten Verkehrslinie im Ruhrgebiet von den Franzosen erstrebte Hungerblockade macht sich bereits bemerkbar. Bisher bestand noch die Möglichkeit, wenigstens Milch bis in die Rahe der Stadt Essen heranzubringen. Infolge der TInterbrochung der Bahnstrecke Sovv<enb:rgHer­vestDorsten sind heute keine Milchtransporte in Essen e'mgetrosfen. Soweit als möglich, werden Lebensrnittel durch Kraftwagen an die großen Städte herangebracht. Der Lebensmitt^lverbrauch ist indessen hier so groß, dah es ^.weiselhaft er­scheint, ob seine Deckung sich auf die Dauer wenig­stens für einen wesentlichen Bezirk des Ruhr­gebietes durchführen läßt. Dazu kommen Erschwe­rungen im Kraftwagen- und neuerdings auch im Wagenverkehr, die durch Verordnungen des Ge­nerals Degoutte bewirkt worden sind und eben­falls die Lebensmittelversorgung aufs äußerste gefährden. Weiter muh auch mit einer Knapp­heit des Detrirbsstoffes für Lastkraftwagen ge­rechnet werden. Bei der Besetzung der verschie­denen Bahnhöfe ist eine groß: Anzahl Waggnns mit Lebensmitteln den Franzosen in die Hände gefallen. Die Kartoffel- und Fettverscrgung hat sich erheblich verschlechtert. Die Rachfrage nach Kartoffeln konnte bei weitem nicht voll befriedigt werden. Die Fleischversor° g u n g des Ruhrgebiets hat u. a. auch durch die gewaltsamen Preisfestsetzungen der wilden Kon- ttvlllvmmissionen gelitten. Dieses Vorgehen und die Unterbindung durch die Defahungstruppen haben ba?tu geführt, daß mit Störungen in der Fleischversorgung gerechnet werden muß. Auf deutscher Seite ist man mit größter Energie am Werte, die groben Schwierigkeiten in der Lebens­mittelversorgung zu überwinden. Aus franzö­sischer Seite scheint man zwar nicht die Einfuhr von Lebensmitteln direkt zu verhindern, indessen kann gar kein Zweifel darüder bestehen, daß die Franzosen mit der indirekten Hunger- blrckade zu dem letzten Mittel gegriffen haben, um den unbeugsamen Willen zum passiven Widerstand bei der Ruhrbevöllerung zunichte zu machen.

Berlin, 18. Juni. (Privattelezr.) 3n ver­schiedenen Meldungen aus dem Ruhrgebiet spre­chen die heutigen Abendblätter von einer wei­teren Verschlimmerung der Lebens - mittelverforgung. Die ohnehin seit Mo­naten außerordentlich reduzierte Milchzufuhr funk­tioniert in den meisten Städten nicht mehr. Für die Benutzung der militarisierten Eisen­bahnlinien zur Heran,ührung von Lebens­rnitteln stellen die Franzosen die Bedingung, daß Pie Bezahlung der Fracht an die französisch-bel­gische Ci enbahnregie erfolgt, ebenso die Entrich­tung einer zehnprozentigen Abgabe au, 'die Le- bLnsmlttelsendungen.

Mannheim, 18. Juni. (WTB.) Die Fran­zosen haben 6 beladene Wagen mit 6Pfer­den der städtischen Fuhr- und Gutsverwaltung Mannheim, die auf den städtischen Wiesen für die städtischen Milchkühe Futter holen wollten, weggenommen. Angeblich soll eine neuer­liche Verordnung bestehen, wonach es verboten wäre, ohne Bescheinigung der französischen Be­hörden mit Fahrzeugen sich im besetzten Gebiet zu bewegen. Von dieser Verordnung war jedoch bisher nichts bekannt.

Zwei neue Maßnahmen.

Paris, 19. Juni. (WTB.) DerPetit Pa° rtfien teilt mit, er glaube zu wissen, dah die Dcfatzungsbchörden zwei neue Maßnahmen er­griffen haben, um den Druck zu verstärken. Erstens hätten sie beschlossen, von nun ab den Transport von Koks im Innern des Ruhr- gebictes äu untersagen. Der Transport könne augenblicklich nur noch für solche Firmen durch­geführt werden, denen es gelang, einen Tell des fabrizierten Koks zu verstecken. In zweiter Linie sei am 15. Juni von General Degoutte ein Erlaß veröffentlicht word-en, wodurch alle Eisen­bahnlinien im Innern des Ruhr­gebiets, die bis jetzt noch außerhalb des Kon­ti ollsystem geblieben feien, unter die direkte Kontrolle der militärischen Behörden gestellt würden. Die neue Kontrolle gestatte es, von nun ab l en Gebrauch dieser verschiedenen ßinien, sei für den Warentransport, fei es für den Er- nährungstransport, zu überwachen.

Die Nuhrbcsetznngverbrecherisch"!

London. 18. Juni. (WTB.) DerMan­chester Guardian" bezeichnet in entern Leitartikel die Ruhrbesetzung als verbrecherisch und fügt hinzu, sie erweis: sich auch für Belgien als nicht vorteilhaft. Das belgisch: Vrlk und die bel­gisch: Regierung begännen diese Tatsache einzu­sehen. Frankreich habe bereits die U n t e r ft ü t- zung Italiens verloren und könne es sich nicht leisten, auch die Unterstützung Belgiens zu'verlieren. Auch in dieser Hinsicht bessere sich die Lage. Die Zeit arbeite vielleicht für Baldwin.

links die Konzentration der republikanischen Kräfte durchzuführen.

Paris, 19. Juni. (WTB.) Die demokratische Linke des Senats, also die Radikalen, haben gestern Stellung genommen zu der Erklärung Poincares m der Kammer über den Aus­schluß der radikalen Partei aus der Reginungs- Mehrheit. Die Fraktion hat ihren Vorsitzendem Dienvenu-Martin beauftragt, sich mit Poincars über die geschaffene Lage zu unt-'r* halten. Bevor diese Unterhaltung stattfindet, soll eine Debatte im Senat nicht erfolgen, auf keinen Fall aber vor Beendigung der augenblicklich im Gange befindlichen Dudgetberatung.

In der heutigen Kammerfiyung wird über den Antrag der parlamentarischen Gruppe der Kriegsbeschädigten abgestimmt, die Freitagrede Poincarös über sein inner­politisches Programm im ganzen Lande anza- schlagen.

Frankreich nnd Belgien.

London, 18. Juni. Der Pariser Bericht­erstatter derTimes" schreibt, die französische Re­gierung wünsche eine gemeinsame Antwort mit der belgischen Regiecung auf den Seil des britischen Memorandums zu geben, der die Frage des passiven Wider st andes im Ruhr­gebiet behandele. Es bestehe nicht die Absicht, wie verschiedene Zeitungen behaupteten, eine mündliche Antwort zu erteilen. Die Antwort von Parrs und Brüssel werde schriftlich und ui einer gemein­samen Rote erteilt. Vorgestern habe die belgische Regierung den Entwurf ei.'.ec von Pvincare vor- geschlagenen Rote erhalten. I.i dieser wend" sich der französische Ministerpräsident in sehr herzlichen Worten an die britische Regierung. Dem Bericht­erstatter wird von maßgebender Stelle erklärt: Pvincare zeige den wirklichen Wunsch nach einem Einvernehmen. Wie dec Berich'erstatter schreib:, wird infolge der belgischen Ministerkrise die Ab­sendung der Rote nach England sich um einige Sage verzögern. Man halte es jetzt für fast sicher, baß ein neues Sheunis-Kabinett zustandekommen werde, in dem Iaspar das Porte­feuille deS Aeutzern erhalten unS die übrigen Mi­nister aus den Parteien dec Katholiken and Libe­ralen genommen würden.

Die Saarfkage.

Parts, 18. Juni. (Wolff.) DaSScho de Paris" bespricht heute die Qaarfrage, indem es darauf hinweist daß auf Deranlaffung der englischen Regierung der Völkerbundsrat sich in feiner am 20. Juni beginnenden Sagung mit den Handlungen der Regierungskommission in Saarbrücken beschäftigen werde. Die Engländer müßten wissen, daß sie nicht die ei.izig^i feien, die mit der Wendung der Dinge im Saargobiet unzufrieden seien. 'Auch Frankreich erkenne, daß man mit der Vergangenheit brechen müsse. Es gehe heute nur eine Stimme, um die Irrtümer der seit, drei Jahve,i verfolgten Politik oinzuge- stehen. Man habe es nicht verstanden, die Saar­länder dazu zu bringen, sich, der französischen Sach: anzuschließen. Man haße zu viel Mich- giebigkcit gegenüber den Großindustriellen, Röch­ling und den anderen an den Sag gelegt, die die Maske hätten fallen lassen und heute die anti- fvanzösisch: Propaganda führten. Das Blatt weist besonders auf dm Bergarbeiter streik hin und kommt zu folgendem Schluß: Man muffe wohl zugeben, da^. die volllomm-enste Politik unfrucht­bar hätte bleiben muffen infolge des Regimes, das der Versailler Vertrag dem Saargebiet zu­weise. Wie könne die Regierung von Saarbrücken dauerhafte unö solide Arbeit leisten, wenn sie bi jedem Augenblick ignoriert werde und wenn sie jedes Jahr durch den Völkerbundsrat abgefeht werden könne. Wir wären besser daran, wenn wir, wozu uns der Versailler Vertrag derechtigt, die Bergwerke frei ausk.nte.i könnten, so daß das Saargebiet sich in nichts von dem übrigen Rhein­land unterscheiden würde, u.rd we.rn wir be­fähigt wären, in Saarbrücken durch.uführen, was wir in Mainz oder Düsseldorf machm. Ejne Re­form kann nicht verhindert werden.

Die belgische Kabinettskrise.

B r ü s s e l. 19. Juni. (WTB.) Der König hat Theunis mit der Kabinettsbildung be­auftragt. Theunis erbat sich Bedenkzeit.

London, 18. Juni. (WTB.) DieMvr- ning Post" berichtet aus Brüssel, die wirk­liche Ärsache der belgischen Ministerkrisis sei der Gesetzentwurf bezüglich der Einberu­fung zu den Fahnen wahrend der Be­setzung des Ruhrgebietes und des Rheinlan- deS für 14 statt für 10 Monate gewesen.

Das Todesurteil gegen Görges.

Essen, 18. 3uni. (WTB.) Die Re­vis i v n s v e rh a n d l u n g gegen das Todes­urteil im Falle Görges (Badische Anilin- und Svdafabrik in Mannheim) findet vor dem RevisivnShof in Düsseldorf bereits am 21. Juni statt. Die Vertretung der Revision liegt in den Händen des Rechtsanwalts Dr. Grimm, Essen.

Die Poft in Pirmasens.

Pirmasens, 19. Juni. (Wolff.) Die von den Besatzungsbehörden beschlagnahm!e Brief- und Paketpost ist wieder fr eigegeben worden. Es handelt sich um eine Vergel­tungsmaßnahme, weil von der Post gewisse Verbindungen nicht hergestellt worden waren.

Die Rhein- und Ruhrfrage im preußischen Landtag.

Im preußischen Landtag stand am 18. Juni die dritte Ter itung des Haushalts auf der SaseS- ordnung. Mit der Beratung wurden verbunden Anfragen und Anträge über-den Surz der Mark, die Verelendung des Volkes, die Bekämpfung der Erwerbslosigkeit, Setbstschutzformationen, die Rot- laige der Ruhraroeiter.

Abg. H a u s ch i l d t (Soz.): Die Hetze der Deutschnationalen gegen den Innenminister soll den rechten Flügel der Koalition, die Deutsche Vvllspai-tei, mit Antipathie gegen den Minister Severing erfüllen. Dieser Versuch, eine Dresche in die große Koalition zu schlagen, wird feinen Erfolg haben. Mein: Partei hat gegen die Hin­richtung Schlageters aufs schärfste protestiert. Sie war gvau'amer Wahnsinn, diktiert vorn Geiste des Döllerhasses. Die Schlageterfeiern werden aber parteipv i.'ilch ausgenuht. Der passive Widerstand hat die Bewunderung der zivilisierten Welt herausgcfordert. Vor einer aktiven Abwehr kann nicht genug gewarnt werden. Die Rotlage dec breiten Massen ist ungeheuer. Auch die Ar­beitslosenfrage muh gelöst werden Zu b-em außer- politischen Rot stand darf nicht auch noch ein innen­politischer kommen.

Abg. Bäcker (Dntl.): Die Behauptung, daß die schwarzweiß rote Fahne eine Provokation gegen die Republik fei, steht im Widerspruch mit einer Entscheidung des Staatsgerichtshofs. Schwarz-Weih-Rot tft auch die Farbe der deutchen Marine. Rur Feind: Deutschlands können solche Gesinnungen hegen uni) bekunden. Die jüngste Teuerung ist nicht durch die Steigerung der Preise der agracischrn Produkte verursacht worden, son­dern durch das Ewigen des Dollarlucse?. Die Lebensmittelpreise sind ganz außerordentlich zurückgeblieben, dagegen sind die Kohlenpreise ganz unverhältnismäßig gesteigert Worten. Gegen den Wucher muß mit der denkbar größten Kraft eingeschcitten werden. Dem französischen Terror tm Ruhrgebiet muh verschärfte Abwehr, nicht Abbau der Abwehr ei7cgegengestellt werden. Frankreich will den deutschen Rhein haben! Deutschland darf sich aus Verhandlungen, die seine Widerstandskraft gegen Frankreich schwä­chen, nicht einlassen. Wir lehnen für eine solche Politik die Derantwartung ab und warnen mit allem Rachdruck davor. Es geht jetzt um das Letzte. Wenn es sein muß, mft jeder Waffe, die wir in die Hand bekommen können (Stürmische älnterbrechungen links), muh die Selbstbehaup­tung Preußms und Deutschlands verewigt werden.

Abg. v. Campe (D. Vp.): In dieser Zelt tiefster Vaterlandsnot und politischer Hochspan­nung ist innere Geschlossenheit nötig. Das schließt Kritik nicht aus. Sie muß aber sachlich fein. Die Rede des Abg. Bäcker könnte draußen zu neuen Tlnbesonnenhei'en führen. Minister Severing hatte rascher gegen die kommunistischen Hundertschaften einschreiten müssen. Mehr Argwohn gegen links, weniger Mißtrauen gegen rechts, Herr Severing! Die Unruhen im Ruhrgebiet erheischen dringende Aufklärung, ins­besondere die Rolle, die die Kommunisten und die Franzosen bei diesen Unruhen gespielt haben. Ein Mann wie Schlageter starb ^für Deutschlands Größe. Schlageter ist und bleibt ein Ra­tio n a l h e l d. Der Kampf dec Deutschnationalen gegen uns und unseren Führer Stresemann ist be­dauerlich und politisch unflug; er stört den na­tionalen Aufbau.

Abg. Schreiber (Dem.): Die politische und kulturelle Freiheit der Rheinlands kann niemals in Frage gestellt werden. Der passive Widerstand ist das einzige Mittel, um Deutschland gegen den brutalen Militarismus der Franzosen zu vertei­digen. (Sehr richtig!) Der Minister kann für die Zustände im Ruhrgebiet nicht verantwortlich ge­macht werden. Ec ist nicht frei in seinen Ent­schließungen. (Sehr richtig!) Ramens meiner po­litischen Freunde habe ich zu erHärei, daß wir nicht nur die infame Hetze gegen den Minister Se- Deiing aufs schärfste mißbilligen, sondern daß wir auch zu seinem ernsten Willen, die Ruhe und Ord­nung im Staate aufrechtzuerhalten, volles Ver­trauen haben.

Abg. Schulz-Reukölln (Komm) richtet heftige Angriffe gegen die Regierung Braun, die er als nationalistisch bezeichnet und polemisiert in schärfsten Ausdrücken gegen Cuno und Stranes. Hierauf wurde die Weiterberatung auf Dienstag 12 üf>r vertagt.

Cngland und Nnßland.

London, 18. Juni. In Beantwortung einer Anfrage teilte Mac R e i l l mit, daß ein älebereinkvmmen mit der Sowjetregierung in gewissen besonderen Punkten erzielt worden sei. Es würde jedoch verfrüht sein, die Ver­handlungen auszudehnen, bevor die Regierung in der Lage sei, zu öeurtellen, wie das augen­blickliche Uebeceinkommen durchgeführt würde. Mac Reill gab zu, daß die augenblickliche L a g e der englisch-russischen Beziehungen un­befriedigend sei. Baldwin erklärte, die Regierung sei nicht der Ansicht, dah eine Kon­ferenz mit der Sowjetregierung gegenwärtig mit Nutzen geführt werden könne.

Rußland nnd Japan.

London, 18. Juni. (Wolff.)Daily Ex­preß" berichtet aus Tokio, daß d:r dortige Drr- tretec Sowjetrußfands Joffe Anwesun'sn aus Rußland erhalten hab:, die ihm Die Befugnis erteilen, als Bevollmächtigter auf der r u f f i s ch - japanischen P l im i n a v f v n f er o n z aufzutreten. Im japanifchrn Außenministertam

werde erklärt, daß die Besprechungen innerhalb einer Woche beginnen könnten.

Danzig und Polen-

Warschau, 18. Juni. (Wolsf.) Die Blät­ter melden, eS sei beabsichtigt, a l l e D a n z i g e r Bürger aus Polen auszuweisen, falls Danzig r icht die Ausweisungen von Poien zurück­nehme und Genugtuung gebe.

Deutschland und die Luftschiffahrt.

London, 18. Juni. (WTD.f Del einem im Zusammenhang mit dein bevorstehenden Lust- ko n g r e ß gegebenen Pressesrüyiäück erklärte der Unter ft aatöfefretär für das ßuftiaprt» wesen, er sowohl wie General Sykes wünschten sehr, dah es möglich fein möchte, Deutsch­land wegen seiner großen technischen Er­fahrung, insbesondere im Bau von Zepvelin- Flugzeugen, zur Teilnahme an dem Kon­greß e i n z u l a de n, was für den Kongreß von großem Interesse sein würde. Ec habe auch ge­hofft, daß Deutschland sich dec Internationalen Konferenz für Lustschiffahrt anschliehen mürbe. Da es aber mit Rücksicht auf solche Schwierig­keiten, wie sie die Besetzung des Ruhrgebie­tes geschaffen habe, für Deutschland nicht mög­lich gtireien sei, Mitglied bet Konferenz zu wer­den, so. hoffe er, daß Deutschland bald ünstande sei, sich der Konferenz anzuschliehen.

9lus dem Reiche.

Dir Lohn- und Geh^lisfragsu.

Berlin, 19*. Juni. Die Verhand-» l u n g e n der Reichsregierung mit den Spit- zenvrganisationen der Staatsar­beiter über die infolge der fortschreitenden Teuerung notwendig gewordenen Lohner­höhungen sind, "wie die Blätter melden, gestern nachmittag ausgenommen worden. Ein Ergebnis der Verhanolungen lag in später Nachtstunde noch nicht vor.

äleber die Frage der Erreichung Werts beständiger Löhne hatten die gewerk­schaftlichen Spitzenorganisationen gestern wie­derum eine Besprechung, die jedoch ergebnis­los verlief. Aus den Erörterungen ist zu ent­nehmen, dah man das SchlagwortG olld - löhne^ durchaus ablehnt, weil bei dem ge­genwärtigen Stand der Papiermark die Erzie­lung von Goldlöhnen einfach unmöglich sei. Die Gewerkschaften wollen im übrigen den Ge­danken einer aus den wichttgsten Wirtschafts- faktvren zusammengesetzten paritätischen Indexkommissivn verwirklichen, die all­wöchentlich den Index ermitteln würde, nach dem die Löhne zu regeln seien. Auf diese Weise würden Die Löhne allwöchentlich dem ermit­telten Index angepaht werden müssen.

Die erhöhten Postgebühren.

Berlin, 18. Juni. (WTB.) Der PostauS- schuh des Reichstags hat eine Entschließung sämt­licher Parteien angenommen, wonach die Regie­rung bei der Erhöhung der Telegraphen­gebühren in der nächsten Vorlage auf die Not der Presse und die Notwendigkeit der Er­haltung des Rachrichtenbienstes für die Osffent- lichkeit gebührende Rücksicht nehmen solle. Ferner wurden die neuen Inlands- und Auslandspostge- bühren angenommen. Der Gebührensatz für den einfachen Fernbrief wird danach von 100 auf 300 Mk. erhöht. Gleiche Erhöhungen er­folgten für die übrigen Dttesgebühren. Der bis­herige niedrigere Gebührensatz für Ansichts­karten (Vorderseite fünf Worte) wurde be­seitigt. Für Pakete ist die Erhöhung mäßiger gehalten. Der Meistbetrag für Postanweisungen wird in Anpassung an die Geldentwertung auf 5C0 000 Mk. erhöht. Die Gebühr für den ein­fachen Ausländsbrief wird von 300 auf 800 Mk. erhöht, d e enige fürbie Ausla dspvstlacteaus 480, die Auslandsoruckfach: auf 160 Ml. Als Grund­gebühr für jedes Fnmtclegramm wurden 400 Mk., Wortgebühr 200 OHL, für Orts- und Presfetele- gramme 200 Mk. Grundgebühr und 100 Mk. Wortgebühr festgesetzt. Der Teuer-ungszufchlag für Fernsprechgebühren wird von 2900 Mk. aus 14 900 Mk. erhöht.

Demokratie und Nothilfe.

Der am 16. und 17. Juni in Homburg v. d. H. veranstaltete Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei für Hessen-Nassau und Waldeck gab seiner Sympathie für die Tech­nische Rothilfe in folgender einstimmig an» genommenen Entschließung Ausdruck:Die Deutsche Demokratische Partei Hefsen-Ra^aus und Waldecks erachtet die Technische Rothilfe, die seinerzeit von einem vorwiegend sozialistischen Reichskakinetl zur Sicheruni dec lebenswichtigen CEetriebe im Interesse des Volksganzen gefchaffen wurde, in heutiger Zeit für unentbehrlich, was auch in der Bewilligung der Etatsmittel für die Technisch: Rotl il'e du ch die D mokrallsche Retchs- tagsfraftion seinrrzeit klar zum Ausdruck kam. Das hindert sie nicht, den Zeitpunkt zu be° grüßen, der das Vorhandensein einer solchen wiillschastlichen Hilfscrgani'ation überflüssig macht; denn das bedeutet, daß der Geist der deutschen Vo.ksgemeinschast. das Kernstück demo­kratischer Weltanschauung, das deutsche Voll in seinen werktätigen Teilen voll und ganz erfüllt Da die dem RcichSminifterium des Innern unter­stehende Technische Rotbilfe vollkommen auf die freiwillige Hilfeleistung aller Staats­bürger ohne Ansthen der Partei oder Konfeffion angewiefcn ist, erachtet es die DemokratifcheParte! auch als Pflicht jedes ve, ar.wortungsbewußtskx Demokraten, hier nach bestem Vermögei» freudig mitzutu.i."