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Erscheint tflglid), anher Sonn» und Feiertags, mit berSamstaqsbeilage: GietzenerFamilienblätter Monollichevezuasvrelfe: 2400 Mark und200Mark Irügerlohn,durch dieDost 3600Mark,auch beiNicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchrist- leilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Liehen.
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Erstes Blatt
175. Fahrgang
Samstag, 19. Mai 1923
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
und Verlag: vrühl'sche Univerfitäir-Vuch- und Sfdnöruderet H. Lanze in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.
Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtl 100 Mk., auswärts 125 Mk., für Reklame' Anzeigen von 70 mm Breite 500MK.DeiPlatz- vorfchrift 20v/e Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen, Teil: Ernst Blumfchein; für den Slnjeigented: Hans Leck, sämtlich in Giehen.
Gedämpfte Pfingftfreude.
Die bevorstehenden Festtage liegen im Banne ernster Sorgen, eines feierlichen Schweigens nach lebhaftem, aber verworrenem politischen Getön. ES ist nicht sicher, ob nicht der Eindringling im Westen durch schändliche lUeberraschungen die Ruhe entheiligen wird, wie er es schon oft getan hat. Der Reichstag ist für voraussichtlich drei Wochen in die Pfingstferien gegangen, nachdem seine letzte außenpolitische Aussprache nur wenig Entscheidendes auf den Markt werfen konnte. Das Kabinett Euno steht im Gewoge des Kampfes noch fest, und daß dies in der Volksvertretung bestimmt zum Ausdruck kam, ist dem Auslande gegenüber ein Trost. 3m Ziel sind sich die Parteien alle einig: Deutschland will und muß Die äußersten Opfer darbringen, aber es her» . langt eine endgültige Regelung aller seiner Schuldverhältnisse und Befreiung von her» ttagswidriger Fremdherrschaft. Der Abwehr- kampf wird mit voller Kraft fortgeführt und eine Neigung zur „Unterwerfung", wie sie Herr Poincare verlangt, ist nirgends hervorgetreten.
Die Antwortnoten Frankreichs, Englands, Italiens und Japans stellen untere Regierung vor neue Entschlüsse, die nicht im Taumel und in der Hast gefaßt werden dürften. ES heißt, I das Kabinett habe sich mit diplomatischen Rückfragen an England und Italien ge- vandt. Diese Politik nüchterner Sachlichkeit ! erscheint auf den ersten Blick etwas beängstigend. Wie sehr fordert die Rote Lord Eur- zvns, der ja auch in der englischen Presse scharfen Einwendungen begegnet ist, unsere Kritik, ja unseren Protest heraus, da er das deutsche Angebot mit seiner Berufung auf letzte Entscheidung einer internationalen 3n- । stanz ganz unzulänglich gewürdigt hat und jede Klarheit vermissen ließ, was der britischen ! Politik überhaupt vor Augen steht! Cs wäre wohl notwendig und zweckmäßig gewesen, daß irgendeiner unserer zahlreichen Reichsminister bei einer geschickt gewählten Gelegenheit diese Gefühle unseres Volkes prompt und eindringlich zum Ausdruck gebracht hätte. Roch mehr wäre dabei zu sagen gewesen gegen die verblüffende Zungenfertigkeit eines Poincarä, der mit allen Gebärden einer wütenden Affenmutter auf den deutschen Rachbar losfuhr und mit ! demselben komischen Aufruhr aller seiner von । tiefem Wissen beschwingten Gefühle die eigne j Brut ans Herz nahm, um ihren „Elan", ihre I „edlen Leidenschaften" zu preisen. Solche Tugenden gehören freilich dazu, um sich einem wehrlosen Besiegten gegenüber auszuleben!
Die deutsche Regierung schwieg, weil die innerpoliuscheu Drähte sich so vielfach kreuzen. Das S.ühlerücken der Parteien hatte schon unmittelbar nach der Absendung des neuen deutschen ReparationSvocschlages begonnen. Die ablehnende Wirkung in London und Paris lieh dann die Besserwisser kühn aufspringen. Die brüsken Ablehnungen der englischen Ratgeber veranlassen den „Vorwärts" zu folgender Feststellung: „Man muß daraus schließen, daß nach der Auffassung jener Ratgeber ihr Rat nur der Form, nicht aber her Sacke nach befolgt worden ist." Es ist eine sehr naive Logik, die das Blatt da entwickelt. Richtiger ist wohl die Besorgnis der „K ö l n. Z t g.", Curzon habe, wie Wilson mit seinen 14 Punkten, Deutschland mit seiner Anregung auf den Leim gelockt. 3n Wahrheit sei es ihm bon vornherein nur darum zu tun gewesen, durch das Mittel einer neuen Auseinandersetzung mit Deutschland den Anschluß an die französische Politik wiederzufinden. Wenn diese Annahme zuttifft — und dies muß nach den Rückfragen unseres Botschafters in London doch wohl vorsichtig festzustellen sein —, dann sind auch die gutgemeinten Vorschläge des sozialdemokra!ischen Abgeordneten Hermann Müller in den Wind gesprochen, und ihre Befolgung durch das Kabinett Cu.w würde uns nur neue Enttäuschungen eintra- gen. Die völlige Zurückhaltung, die von den Parte e t der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft im Reicks tag geübt wurde, war daher von einem sichereren nationalen Verantworiungs- nefüf>[ ce^agen, und wenn man eS dem „Vor- • wärts" auch ^glauben mag, daß von links her der Regierung „weder legendäre Dolchstöße noch wirkliche Rückenschüsse" drohen, so ist es der deutschen Sache doch nicht eben förderlich wenn ihren berufenen Wortführern bei jedem Schritte zur Freude d<r Gegner die drohenden Mahner und Ratgeber zwischen die Beine laufen ... .
Der opferreiche Widerstand in den Ruhr- und 2^-ingebieten erfordert, wenn er nachhaltig seinen Zweck erreichen soll, vollen Verzicht aus seine polittsche Abschwächung, die damit zum Ausdruck käme, daß hinter der Kampffront die Rufe zum Einlenken, zum Entgegenkommen, sich mehren. Wir sehen un- sew einzige Hoffnung in der von Poincarä verdammten „Walze der ReichSdisziplin". Wir
brauchen eine ernste, entschlossene Stimmung, entsprechend der oft gehörten Ankündigung, daß die Fortdauer des Anfriedens, der französischen Gewaltpolitik, mit uns auch zugleich Europa ruinieren müsse. Mit Recht will man alle Festfeiern verbannen, und auch dem lieblichen Maienpfingsten fehlen morgen die Pforten aus grünen Zweigen, die Gesänge fröhlicher Menschen; — eS ist fa ein so un- heiliger Geist, der die Völker Jeute beseelt, die Verwilderung der pvlittschen Moral, die den Glauben an die Menschlichkeit tötet. Da hat man gleichwohl gestern in Frankfurt ein großes Fest gerüstet für die 75. Wiederkehr des 18. Mai, an dem die deutsche Rationalversammlung in der PaulSklrche ihren Einzug hielt. Auch diese Glocken haben indessen einen dünnen und gedämpften Klang. Wohl wollen wir mitfeiern den nationalen Auftrieb, der nach einer Reichseinheit suchte; aber die tiefere Forschung in dieser historischen Epoche zeigt uns doch eben, daß ein Reich ohne Macht, ohne die starke Disziplin seiner Glieder^ nichts ist als ein Rumps ohne Glieder. Die tönenden Worte von der erlösenden Demokratie berauschen uns heute nicht mehr. Unter diesem Zeichen erfolgte der dröhnende Fall des Reiches, das unS Bismarck schuf, dem unsere Dankbarkeit in e r ft e r Linie bewahrt bleiben muß.
Wohin ist eS aber mit feinem stolzen Worte gekommen: „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt!"? Sogar die Polen verkümmern uns heute die Pfingst- freude! Herr SikvrSki hat am 16. Mai aggressive Maßnahmen gegen Danzig angedroht, falls die Danziger Zollverwaltung sich weiterhin fträube, nach den polnischen Zollgesehen sich zu richten. Vertragsrechte sollen auch hier nach einseitigem Diktat des Stärkeren ausgelegt und entschieden werden. Polen der „Stärkere"! Man sollte die Mitglieder der alten Rattonalversammlung nicht mit geräuschvoller Feier aus dem Grabe auf- schrecken. Den besten von ihnen würde der Sturz von der Höhe im Jahre 1918 auch nicht durch die Anknüpfung an die demokratischen Ideale von 1848 versüßt werden können.
Das Pfingstfest festige uns den gemeinsamen Geist nationalen Wachstums in Erkenntnis, lebendigem Gefühl der Gegenwart und entschlossenem Willen zum Handeln! Rur dann wird eine neue Bewegung auch die Volker außer uns erfassen.
Poincar6s unzutreffende Darlegungen über die Kohlenlage,
Berlin, 18. Mai. (WTB.) Poincare äußerte sich gestern in den vereinigten Kammer- auSschüssen für Finanzen and auswärtige Angelegenheiten zur Kreditvorlage für die Besetzung des Ruhrgebiets and gab bei dieser Gelegenheit: auch unzutreffende Darstellungen über die K o tz- len l a g e. Poincare glaubt an der Rechtfertigung des Einbruches in das Ruhrgebiet Vorbeigehen und den Eindruck erwecken zu können, als ob die französische Regie mit dec jetzigen Kohlen- beute und -abfuhr von der Ruhr ja)on die Höhe der deutschen frei toi Ilgen Reparation skotzlen-' und Kokslieferungen aus der Zeil vor derRuhrreletzung erreicht habe. Er nennt Kohlen- und Koksbetriei) in einem Atem, während für beide besonders Al'fuhrvcbingunge.r wegen der Sonntage feier* schichten bestehen. Der tägliche Durchschnitt der f reite ilügen deutschen Reparationslieferungen vor der Ruhrbesehung betrug für Frankreich cintchlieh- lich Luermburg 1922 gleich kalendertäglich für Kohle 17 566 Tonnen, 1922 gleich arbeitstäglich für Koks 16 760 Sonnen, zusammen also 34 326 Sennen. Davon mußte Frankreich vor der Rutzr- besedung an Luxemburg 26 Proz. abgeben, das aber anscheinend auch damals nur 17 Proz. erhalten hat. Jetzt, nach der Ruhrbesehung aber, gibt Frankreich an Luxemburg nach den neuen Vereinbarungen nur 7 Prvz. Koksbeute. Wenn also die französische Sagesbeute die Höhe der freiwilligen deutschen Reparationslieferungen erreicht lat, wie rechtfertigt sich dann diese geringere Ablieferung an Luxemburg? Die deutschen Re- parationskohlenlieserunge.'k an Frankreich ein- schließlich Lu-em bürg haben in der Zeit vom 10. Januar bis 10. April 1922 aus dem Ruhrgebiet und dem Aachener-Kölner-linksrheinisch-.m Gebiet insgesamt 3 582 652 Sonnen betragen, während die französische R-gie in der gleichen Zeit des Zähre3 1923 nur 26! 504 Tonnen mir Baio- netten aus dem Ruhrgebiet geschasst bat. Mithin hat Frankreich eir.ichließllch des Anteiles von Luxemburg nur 10 Proz. der Hohe der freiwilligen Reparationskohlenlieferungen erbeutet.
Die französische TI eber s ch ä tz u n g der Stapelmengen dürfte daraus zurückzufuhren fein, daß die französische militärische Regie die Halden auf den Zechen (Waschberge) als'Kohlen angesehen hat. Selbst wenn etwa 10 000 Sonnen Kohlen und Koks täglich als Deute verladen worden wären, so würde das nur einer Sagesverladung von knapp der Hälfte der freiwilligen deutschen Leistung vor der Ruhrbesehung entsprechen.
Wenn Poincare jetzt den Wert der Kohlenbeute im Ruhrgebiet auf 36 Millionen Goldmark schätzt, so ist demgegenüberzustellen.
daß der Gesamtwert der freiwilligen deutschen Reparationslohleu- und Kolslieserunasmcngen nach dem Weltmarktpreis in der Zeit vom 10. Januar bis 10. April 1923 nach dem Kursstände der zweiten Maiwoche 1923 160 Millionen Goldmark betragen haben würde, während für die tatsächliche Deure von 261 504 Sonnen der Wert nur rund 14 Millionen Gold mark beträgt. Bei den oben angegebenen Zahlen ist besonders hervorzuheben, daß Poincare diesmal endlich den englischen Kohlen-, d. h. den Weltmarktpreis in Ansatz gebracht hatte, währeird sonst zum Zwecke der Erlangung billiger Reparationskohle nur der Gegenwert nach dem deutschen Grubeninlandspreis gutgeschrieben worden ist.
Für jeden wirtschaftlich Denkenden beantwortet sich demnach die Frage, ob nicht die freiwilligen deutschen Reparationskohlenlieferungen den unter dem Schuhe französischer Bajon?tte gewonnenen kleineren Sagesmengen vorzuziehen seien, von selbst.
Ein Waffenstillstand für das Ruhrgebiet?
London, 18. Mai. (Wolff.) Dem Pariser Berichterstatter der „Times" zufolge wurde in den Wandelgängen der französischen Kammer der „W affen still st andsplan für das Ruhr gebiet", über den der Korrespondent bereits gestern berichtete, weiter erörtert. Rach der Ansicht des Berichterstatters würde dieser sogenann e .Waffenstillstand" dazu führen, daß das nächste deutsche Angebot ernster geprüft werde. Von besonderem Interesse sei es, daß einer der frairzösischen Deputierten, der Über diesen Gedanken gesprochen habe, ein Industrieller sei, der, wie angenommen werden könne, über die deutschen Absichten besonders gut unterrichtet sei. Der Berichterstatter faßt die Bedingungen dieses Waffenstillstandes, der allen fonnellen Erörterungen voraufgehen müsse, versuchsweise in folgende vier Punkte zusammen:
1. Deutschland müsse seinerseits alle Erlasse und „Geheimanweisungen" zurück» z i e h e n, die die Einstellung der Arbeit durch die Bergarbeiter und Eisenbahner sowie die Weigerung der Mitwirkung deutscher Beamten im Ruhrgebiet zum Zwecke hätten;
2. die Arbeiter und Beamten müßten ihre gewohnten Aufgaben wieder aufnehmen und dürften gemäß dem Versailler Verttag den geschuldeten Kohlenlieferungen keine Obstruktion entgegensetzen;
3. Frankreich müsse „seinerseits", während es seine Truppen oder Angehörigen nicht Zurückziehe, eine „reine überwachende Haltung einnehmen" und, soweit wie möglich, die Besetzung mehr passiv als aktiv gestalten;
4. die Wiederherstellung des normalen industriellen und zivilen Lebens im Ruhrgebiet müsse fvrtdauern bis zu dem Augenblick, wo eine Regelung zustande komme oder der Versuch einer Regelung wieder ausgenommen werde.
Französische Krastättfternngen.
Paris, 19. Mai. (WTB.) Rach dem „Ma- ttn“ hat die französische Regierung die Sntsen- dung weiterer militärischer Verstärkungen nach dem Ruhrgebiet beschlossen. Die dortigen Efsekliobestände sollen durch neue Truppen, die in den nächsten Sagen aus dem Innern des Landes abge .en werden, um etwa 15 000 bis 20 000 Mann verstärkt werden. Der „Matin" schreibt zu dieser Maßnahme: Entgegen ber von den deutschen Zeitungen ausgedrückten Hoffnung, daß die weitere Ausbeutung des Rrhrgebietes nachlassen werde, wird sie vielmehr erweitert und intensiver gestaltet teerben. In dem Maße, wie sich die in Angriff genommenen Brennstoffvorräte verringern, werden neue Gruben beschlagnahmt werden müssen.
Die Schre^ensurLeue.
_ Düsseldorf, 18. Mai. (WTB.) DaS Düsseldorfer Revisionsgericht hat heute die von dem am 8. Mai zum Tode verurteilten Schlageter und von dem zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilten S a d o w a k i eingelegte Revision für beide Angeklagte verworfen.
Düsseldorf, 18. Mai. (Wolff.) Die gegen das Werdener Urteil von Herrn Krupp von Bohlen und Halbach sowie den Kruppschen Direktoren ci ’ge’eg;e Revision ist heute von dem Revisionsgericht in Düsseldorf verworfen toorben. Dagegen ift die vom Detriebsraismitglied Müller eingelegte Revision z u g e l a s s e n worden, und es wird über diesen Fall des Werdener Prozesses erneut vor dem Düsseldorfer Kriegsgericht verhandelt werden,
Bochum, 17. Mar. (Wolff.) Gestern hat das Kriegsgericht in Werden den stellvertre- tenden Direktor des Finanzamts Bochum, Schulze- Steinen zu 3 Monaten Gefängnis und fünf Millionen Mark Geldstrafe verurteilt, weil er sich geweigert hatte, die Bücher, Kasse undGeldschlüssel herauszugeben.
Das französische Gewaltregiment.
Münster, 18. Mai. (WTB.) InDässe ld o r f ließ die Besatzungsbehörde einen Anschlag anbringen, der die Aufforderung an die Eisenbahner enthält, binnen 48 Stunden den Dienst wieder aufzunehmen. Bei Richtdefolaung des Befehls wird die Ausweisung angedroht.
In Duisburg ist auf den Eifenbahn- und Kanalbrücken von 8 ühr abends bis 5Slf)r früh jeglicher Verkehr gesperrt.
In Horneburg (Kreis Recklinghausen) beschlagnahmten die Franzosen 700 Zentner Ammoniak.
In Hattingen schlossen sie ein Kraftwagengeschäft und einen Bäckerladen.
Die seit 25. März besetzte Zeche „R h e i n- haben" wurde, nachdem die Franzosen sämtliche Halden- und Lagerbestände abttanspor- tiert haben, von ihnen wieder geräumt.
In Oberhausen wurden gestern mehrere Privathäuser und zwei Schulen zur Unterbringung neuer Truppen beschlagnahmt.
In Dortmund beschlagnahmten b;c Franzosen morgens auf dem Stadthaus 15; . Millionen Mark.
Ueber Lünen ist ab 15. Mai der verschärfte Belagerungszustand verfängt worden.
Aus Lünen-Süd sind weitere 10 Eisenbahner mit ihren Familien ausgewiesen worden.
Ludwigshafen, 18. Mai. (WTB.) Zum Abttansport der Farbstoffe in der Va- dischenAnilin-undSvdafabrii sind aus dem Elsaß etwa 0 0 A r b e i t s l o s c , die von den Franzosen militärisch eingezogen wurden, eingetroffen.
Am 17. d. M. ist im Bahnhof Ludwigshafen bei der Ausfahrt ein S ch n e l l z u g mit zwei Wagen unmittelbar neben dem Stellwerk entgleist. Von Verletzungen ist jedoch nichts bekannt.
Es bestätigt sich das Gerücht, daß drei Direktoren von der Badischen Aniiin- und Sodafabrik von der französischen Desat- zungsbehörde als Geiseln f e st g e h a l t e n werden. Die drei Direktoren sind im Haupt- verwaltungsgebäude untergebracht und durften erst gestern von ihren Angehörigen besucht werden.
Freiburg i. Br, 17. Mai. (Wolff.) Der Direktor der Bingener Zweigstelle der Firma Gebrüder Himmclsbach A-G, Josef Himmels- dach !., ist gestern abend von den Franzosen v e v b a f t e t und in das Gefängnis in Dmgen eingeliefert worden, weil er sich weigerte Schwellen zu verladen, die auf dem W"rk Gaulsheon lagerten, und die vom Rerchskvmmissar angekauft und von den Delgrern abgenommen waren.
Französischer Mord an einem Wachtmeister.
Mannheim, 18. Mai. (Wolff.) Heute früh zwischen 8 und 9 Ahr wurde ein Wa ch t- meister von den Franzosen fest genommen, der in Zivil von der Polizeibehörde bei der Reckarbrucke aufgestellt war, um vorzubeugen, daß die Franzosen nicht mehr, wie sie behaupteten, von Bubenhänden mit Steinen beworfen würden. ^Während des Transportes suchte der Verhaftete zu entfliehen und sprang am Reckardamm über eine Mauer, worauf fünf Soldaten ein regelrechtes Schützen feuer auf i h n eröffneten. Don mehreren Schüssen getroffen, warf sich der Beamte in den Neckar, wo ihn die Kräfte verließen. Er wurde jedoch von den Franzosen wieder aufgeftscht und auf einer Bahre fvrtgetragen. Wie uns soeben noch mitgeteilt wird, ist der heute früh festgenommene Wachtmeister Traub nach Ludwigshafen ins Lazarett gebracht worden, wo er inzwischen seiner Verletzung erlegen ist.
Da6 43. Blntopfer.
Berlin, 19. Mai. Der von den Franzosen vor kurzem angeschossene Bergm mit Bolz ist als 43. Opfer seinen Verletzungen erlegen.
Kommunistische Hundertschaften bei einein Vergarbeiterstreik.
D o 11 m u n b, 18. Mai. (Wolff.) 3m Anschluß an eine Versammlung streikender Bergleute der Zechen Kaiserstuhl 1 und 2 bildete Jid> ein stärkerer Demonstrationszug, an dessen Spitze sich mehrere kommunistischeHun- d e r t s ch a f t e n, mit Knüppeln und Hacken bewaffnet, setzten. Der Zug bewegte sich zur Zeche ^Minister Stein", um die dort Arbeitenden zur Arbeitseinstellung zu bewegen. Die Zeche war von Polizeibeamten des dortigen Bezirks beseht. Die Beamten wurden mit Stöcken und Steinwürfen von den Demonstranten angegriffen, auch fielen mehrere Schüsse aus der QHenge._ Wäre keine Verstärkung hinzugekommen, so waren die Beamten übertoäüigt worden. 3m Augenblick des Eingreifens Der Verstärkung, die ebenfalls mit Steinhagel empfangen wurde, waren die Sore zur Zeche gewaltsam geöffnet worden. Die Polizeibeamten machten jetzt von der Waste Ge-


